"Der letzte große Wal" - Thees Uhlmann von Tomte im Interview
Mit Kippe und Kaffee interpretiert Tomte-Sänger Thees Uhlmann drauf los.
© Theresa Rundel
Im szenigen Hamburger Karoviertel liegt das Büro von "Grand Hotel van Cleef". Tomte-Sänger Thees Uhlmann und zwei Kettcar-Musiker haben das Label vor sechs Jahren gegründet. Zum Interview treffen wir Thees auf einer Bank vor seinem Büro. Zwischendurch nieselt es, doch das stört ihn nicht. Im Gegenteil - Thees Uhlmann vermisst das miese Hamburger Wetter, seit er in Berlin lebt. Mit Kaffee und Kippe in der Hand redet er sich in Fahrt. Nur als die Jungs von Kettcar unverhofft vorbeischauen, macht er eine kurze Pause.
BYM.de: Ich habe mir was überlegt. Bei einer Prüfung in Cambridge mussten Studenten ein Lied von Amy Winehouse mit einem Gedicht aus dem 16. Jahrhundert vergleichen. Die haben also einen Popsong wie ein Gedicht interpretiert. Und das machen wir jetzt mit eurer Single "Der letzte große Wal".
Thees Uhlmann: Sehr gut.
BYM.de: Du müsstest das ja können, schließlich hast du Anglistik studiert.
Thees Uhlmann: Naja, ich habe angefangen, es zu studieren. Wo soll es denn losgehen mit der Interpretation?
Ja, Heureka ist tatsächlich schon das sechste Tomte-Album. Trotzdem klingen Thees Uhlmann und seine Kollegen nicht erfolgssatt und altersmüde. Sondern rau, ungestüm und wie immer sehr lyrisch. Das polarisiert. Aber bei Songs wie "Wie siehts aus in Hamburg" müssen selbst Tomte-Kritiker zugeben: Besser als Thees textet in Deutschland keiner!
BYM.de: Wo du willst. Magst du das überhaupt, wenn Leute Sachen in eure Texte reininterpretieren?
Thees Uhlmann: Dafür sind Tomte-Texte da. Ich könnte auch ganz simpel schreiben: "Ich gehe durch die Gegend, es ist ganz schön kalt. Ich denke über das Leben nach. Ich fühle mich wie der letzte große Wal." Das hätte aber nicht diese Tiefenwirkung - und es würde sich nicht so schön anhören. Also gut, dann dekodiere ich das mal.
"Und es kommt aus dem Osten, eine Kaltfront von der sich noch Generationen erzählen."
Thees Uhlmann: Mal überlegen. Osten, Osten. Was verbinden wir damit? Natürlich Russland, ehemals Kalter Krieg. Und wenn ich schlau und Tomte-Fan bin, würde ich sagen: "Die waren doch mit dem Goethe-Institut in Sibirien. Vielleicht hat das damit was zu tun." Und die Kaltfront aus dem Osten - so etwas gibt es in Hamburg ganz selten. Also geht es um Berlin.
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