Ich hab gestern das gleichnamige Buch gelesen und mich in den Gedanken von Frau Rösinger gegen die paarnormative () Gesellschaft sehr wiedergefunden. Es stört mich auch, dass einem permanent suggeriert wird, Singlezeiten seien reine Übergangsphasen und ohne Partner fehle einem nun mal etwas ganz Existentielles. Warum kann das denn nicht als gleichwertig betrachtet werden?
Gibts hier Leute, die eine romantische Zweierbeziehung gar nicht als etwas so Anstrebenswertes für sich selbst betrachten? Wenn ja, warum? Wie geht ihr damit um und wie andere mit eurer Sicht?
Ich will damit nicht sagen, grundsätzlich keine Bedürfnisse nach Liebe und Sex zu haben, nur, deren ultimative Befriedigung für mich nicht zwangsläufig in einer klassischen Pärchenbeziehung zu sehen und daher permanent auf der Suche nach dem Richtigem zu sein. Andererseits diese Dinge einfach nicht als so zentral zu empfinden. Mir fehlt ohne Beziehung was, ja. Aber mit Beziehung auch. Es fehlt doch immer irgendwas. Und ich habe für mich einfach nicht den Eindruck, ohne Beziehung würde mir mehr fehlen, als ohne.
Noch was aus dem erwähnten Buch, vielleicht als Diskussionsanregung:
"Früher war ich viel trauriger als heute. Aber mit dem Jahren hat sich die jugendliche tiefe Schermut zu einem Bewusstsein der allgemeinen Sinnlosigkeit gemildert, das man wiederrum durchaus mit Heiterkeit ertragen kann. Schlimme Zeit der Jugend, weil doch gerade der noch junge Mensch gerne denkt, es würde sich etwas ändern, wenn nur jemand kommt und in sein Leben tritt -als würde man nur durch den Zustand der verliebtheit der allgemeinen Sinnlosigkeit entgehen. Was war ich früher immer traurig!
All die melancholischen Spaziergänge allein am Sonntagnachmittag zum Flohmarkt, wo die ganzen blöden Paare Hand in Hand durch den ganzen Schrott gingen, Berge der hässlichen, stinkenden Second-Hand-Klamotten durchwühlten, verzückt vor verkeimten 50er-Jahre-Nähkästchen stehenblieben oder Vinylstapel durchsahen. Aber auch all die die trostlosen, einsamen Momente zu zweit, die Unmöglichkeit wirklich verstanden zu werden, der Trott, das Alltagsleben in der Beziehung, die schlimmen, leeren Stunden, die enttäuschten Erwartungen!
Die Abewesenheit von Liebe ist schlimm für den jungen Menschen, dann aber auch ihre Anwesenheit, die Gefühlsunsicherheit, die Verantwortung für einen anderen Menschen, die Abhängigkeit! Aber auch die Unabhängigkeit, die allzu große Freiheit, die vielen Möglichkeiten bei gleichzeitiger Auswegslosigkeit der Lage und Sinnlosigkeit menschlichen Strebens machen den jungen Menschen traurig.
Ein Riesenvorteil des Älterwerdens ist das Nachlassen der Einsamkeit und die Erfahrung, dass es auch eine heitere, aufbauende Einsamkeit gibt. Nach allgemeinen Verständnis betrifft die selbtgewählte Einsamkeit nur Eremiten, Klosterinsassen, Leuchttrumwärter, Einhandsegler, verrückte Wissenschaftler oder exzentrische Schriftsteller, Zen-Mönche und Yogis. Wer außerhalb dieser Personengruppe gerne einsam ist, gilt als plemplem und unsozial. Und Medien, die immer wieder das Bild vom Menschen malen, der nur zu zweit so richtig glücklich sein kann, hinken der Realität hinterher. Denn immer mehr Menschen genießen das Alleinsein vor allem in der zweiten Lebenshälte entgegen dem weitverbreiteten Mythos von der drohenden Alterseinsamkeit des Singles. Dieser Mythos lautet ungefähr so: Das Singleleben ist lustig, wenn man jung ist, aber dann ab Mitte 30 rächt es sich bitter! Wer sich in jungen Jahren zu fein war für Beziehungen, wird es später bitter bereuchen und das traurige Alter in Einsamkeit und Isolation verbringen. Zum Glück ein Mythos."







) Gesellschaft sehr wiedergefunden. Es stört mich auch, dass einem permanent suggeriert wird, Singlezeiten seien reine Übergangsphasen und ohne Partner fehle einem nun mal etwas ganz Existentielles. Warum kann das denn nicht als gleichwertig betrachtet werden?
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