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  1. #1
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Mein Vater ist heute genau vor einem Jahr verstorben und jetzt liege ich die dritte Nacht in Folge und die vierte Nacht in dieser Woche wach. Ich komme um vor Müdigkeit, aber ich kann nicht einschlafen, weil ich so sehr an ihn denken muss in diesen Tagen.

    Ich denke immer viel an ihn, diese Woche ist es besonders viel. Ich kann gerade nicht aufhören zu weinen und überlege, ob ich mir jetzt die Beileidskarten durchlesen soll, die seit seiner Beerdigung ungelesen im Schrank liegen. Wahrscheinlich ist das eine schlechte Idee.

    Ich vermisse ihn so.

    Erzählt mal bitte, wie es Euch damit ergangen ist und noch ergeht.

  2. #2
    Regular Client Avatar von Miss_World
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Ich kann mich gut darin einfühlen. Meiner ist vor ca. zwei Jahren gestorben. Meine Erfahrung ist, dass jeder Mensch anders trauert und anders "leidet" und das es ein kein Patentrezept gibt, was man tun sollte und was nicht. Wenn Du die Trauerkarten lesen magst, mach das ruhig. Das kann auch ein Weg der Verarbeitung sein und die braucht auch einfach Zeit.

    Dass Du viel an Deinen Vater denkst ist vollkommen nachvollziehbar und ging und geht mir auch noch so. Auch ich vermisse meinen Papa oft sehr. Man lernt aber mit der Zeit, damit zu leben und muss akzeptieren, dass der Tod ein Teil des Lebens ist (was sehr hart ist).

    Nach einem Jahr ist so vieles noch frisch, daran kann ich mich selbst noch gut erinnern. Trauern wird man den Rest seines Lebens um den geliebten Menschen, glaub ich, aber das verändert sich auch mit der Zeit und wird ein bisschen leichter. Zumindest empfinde ich es mittlerweile so. Ich merke es eher an kleineren Dingen wie, dass ich "Geboren um zu leben" von Unheilig mittlerweile mit lachenden Augen hören kann, anstatt einen Heulkrampf zu bekommen.

  3. #3
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Danke für Deine Antwort

    Ja, jeder trauert anders. Das sehe ich schon in der Familie. Während mein Onkel versucht, Trost im Glauben zu finden und durch Gebete und Gottesdienste "dafür sorgt", dass mein aus der Kirche ausgetretener Vater vielleicht doch noch in den Himmel kommt, bin ich da ganz anders.
    Ich bin nicht religiös, ich muss ohne Gott damit zurecht kommen. Vielleicht macht der Glaube es einem leichter, weil man sich sagen kann, dass derjenige jetzt nur heimgekehrt ist und man sich nach dem Tod wiedersieht.

    Mein Bruder und ich haben jetzt fast ein Jahr lang seinen Nachlass bearbeitet und seit ca. 2 Monaten kehrt da Ruhe ein (im Sinne davon, dass so langsam alles erledigt ist) und ich habe mehr Zeit nachzudenken und teilweise in meiner Trauer zu versinken.

    Ich dachte, es hilft mir vielleicht, mich hier mit Leuten auszutauschen, die das auch alles durchmachen / durchgemacht haben. Und vielleicht hilft es ja auch Anderen hier.

    Ich habe die Trauerkarten am Freitag gelesen und es war hart, aber auch schön, zu lesen, woran sich seine Freunde und Bekannten bei ihm erinnern.

    Darf ich fragen, wie Dein Vater gestorben ist? Also, war es plötzlich oder war es abzusehen?
    Meiner ist ganz plötzlich verstorben. Er war zwar nicht kerngesund, aber nicht so, dass er mit seinem Leben kämpfte. Er hat einen Tag vor seinem Tod auch noch die Blätter vor der Haustür weggefegt, haben mir Nachbarn erzählt.

  4. #4
    Addict Avatar von Delta
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Mein Vater ist heute vor einem Monat gestorben und gerade hatte ich wieder einen Heulkrampf..Ich kapiere es einfach noch nicht. Er war doch immer da und er war der beste Vater den man sich nur vorstellen konnte und jetzt soll er einfach nicht mehr wiederkommen?
    Es ist so schwer...An manchen Tagen geht es ganz gut, man kann auch lachen und an manchen Tagen ist es einfach unerträglich. Wofür ich dankbar bin ist, dass er nicht allzu lang leiden musste..aber ihn am letzten Tag so schwach und gezeichnet zu sehen war unglaublich schwer..Ich vermisse ihn so....
    Wenn man so nah mit dem Tod konfrontiert wird, dann macht man sich schon Gedanken, was wohl danach passiert, ich zumindest. Ich möchte auch im Moment viel zu dem Thema lesen, das gibt mir Hoffnung und spendet mir Trost, dass er vielleicht ja doch von da oben auf uns runterschaut.
    Mich mit anderen auszutauschen, daran hab ich auch schon gedacht.

  5. #5
    Addict Avatar von juliet_naked
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    delta,
    ich habe ja einen anderen thread eröffnet, bei mir ist es noch nicht soweit, aber absehnar. ich wünsch dir ganz viel kraft!
    was ich ganz schwierig finde ist, dass auch wenn alle möglichen Leute sagen sie sind da etc., man sie ja nicht ständig nerven möchte. Zumal mit so völlig diffusen Gefühlen. Für die anderen geht das Leben ja normal weiter, nur man selbst fühlt sich wie im falschen Film.

    Habt ihr Bücher gelesen oder Ähnliches um besser klarzukommen? ich werde mir für die Zeit danach wohl mal die Trauerbegleitung von Kübler-Ross besorgen, und eins für jetzt, zur Begleitung eines Sterbenden.
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  6. #6
    Addict Avatar von crolie
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Frollein Helmut, auch wenn es abgeschmackt klingt - herzliches Beileid und ganz viel Kraft! Ich persönlich habe viel Zeit für das Verarbeiten gebraucht.

    Bücher fand ich nicht tröstlich. Ich glaube, dass man nie mehr so unbeschwert wie "zuvor" sein kann, aber man lernt mit dem Verlust zu leben.
    Manchen Leuten will man nur STFU zurufen...

  7. #7
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Crolie, danke.

    Nee, Bücher habe ich dazu nicht gelesen. Ich glaube, das würde mich noch weiter reinziehen.
    Mein Freund hat mir sehr geholfen.

    Dass man anderen nicht auf die Nerven gehen möchte, das kenne ich. Ich wollte und möchte auch heute noch nicht irgendwem zur Last fallen. Vor allem nicht meinen Freunden. In der Zeit unmittelbar nach seinem Tod bin ich manchmal noch recht schnell und unvermittelt in Tränen ausgebrochen und ich wollte eigentlich nicht, dass andere mich nur noch mit Samthandschuhen anfassen oder sich irgendwie anders verhalten müssen bzw. denken, dass sie es tun müssen, wenn ich da bin. Ich wollte für die Anderen einfach so wie immer sein. Keine Ahnung, klingt blöd und das ist es wahrscheinlich auch. Es resultierte auf jeden Fall auch darin, dass ich mich ein wenig zurückgezogen habe. Nicht immer und nicht von allen, aber wenn ich darüber nachdenke, dann ist das schon so. Ich mag häufiger abends mal alleine sein und solche Sachen.

    Es ist auch nicht so, dass ich ein einziger Trauerkloß bin, dazu ist es schon zu lange her. Ich bin eigentlich meistens fröhlich. Es ist eher so, dass mich die Gedanken manchmal einholen und dass sich in mir etwas Grundlegendes verändert hat. Mir fehlt einfach etwas. Der Tod meines Vaters war auf jeden Fall der stärkste Einschnitt in meinem bisherigen Leben.

    Was ich krass fand, war, um was man sich alles kümmern muss. Eignetlich hat man ja keine Zeit, in Ruhe zu trauern. Derjenige stirbt und sofort muss man einen Sarg auswählen, eine Grabform aussuchen, die Beerdigung veranstalten, alle möglichen Leute informieren, eine Anzeige schalten, einen Erbschein beantragen, Behörden, Versicherungen und Banken bescheid geben. Es ist so krass, was da auf einen zukommt. Bis wir vor ca. einem Monat das Haus verkauft haben, hatte ich nur Stress (ohne dass es Knatsch gab) mit dem Nachlass und seitdem komme ich runter.

  8. #8
    Addict Avatar von Delta
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    danke juliet!
    und dir, frollein helmut, auch nochmal mein beileid

    Ja, das mit den Freunden ist wahrlich so eine Sache. Ich habe zwei sehr gute Freundinnen, aber wie schon gesagt wurde, wenn man nicht in derselben Situation ist, kann man es einfach nicht nachvollziehen wie man sich fühlt. Diese Berg- und Talfahrt die man durchlebt, diese Leere, die einen manchmal packt und zu verschlingen droht. Und auf die Frage "Wie geht es dir" reagiere ich eh schon empfindlich, ja, wie soll es mir schon gehen? Mein Vater ist gestorben und mir wurde ein Teil von mir genommen, beschissen gehts mir.
    Das mit dem kümmern um alle möglichen Sachen stimmt. Allein in der Woche zwischen Tod und Beerdigung war so viel zu erledigen, dass man diese Zeit anfangs einigermaßen erträgt. Sobald man aber wie jetzt zur Ruhe kommt wird es unerträglich.
    Habt ihr manchmal auch das Gefühl, dass ihr gar nicht weinen könnt, sondern euch vielmehr eine gewaltige Wut überkommt? Auf das Leben und das Schicksal oder was auch immer? Ich kannte - und das sage ich nicht nur, weil er mein Vater war - keinen selbstloseren und gutmütigen Menschen als meinen Vater, wieso hat es ihn getroffen? Ich weiß, dass es auf die W-Fragen keine Antwort gibt...aber sie lassen einen nicht los

  9. #9
    Addict Avatar von erdbärin
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    @ delta
    mir fällt es auch sehr schwer zu verstehen, dass sie nie wiederkommt. wohin ist sie gegangen? sie kann doch nicht einfach so weg sein. an manchen tagen beschäftigt mich das mehr, mal weniger, aber insgesamt ist es einfach ein riesen schock und manchmal kann ich nicht glauben, dass das wahr sein soll.
    bücher zu dem thema les ich weniger, ich weiß nicht, ich glaube auch, dass das weniger tröstlich für mich ist. aber ich gehe zu einem trauerkreis und lese und schreibe in einem trauerforum mit, das hilft mir sehr. leider sind die leute halt nicht in meinem direkten umfeld, also freunde oder so haben sowas noch nicht erlebt und wir sprechen da weniger drüber.
    zurückgezogen habe ich mich übrigens auch, es fällt mir teilweise schwer, mit freunden, mit denen ich wenig kontakt habe, über alltagskram zu reden.
    das alles worum man sich kümmern muss, fand ich auch krass. das meiste machte ja mein vater, weil ich gar nicht zuhause lebe, aber dieses ganze aussuchen und entscheiden (und wenn es die schrift auf dem grabstein ist...) ist wirklich viel. es lenkt einen aber auch irgendwie ab. man kapiert es zwar, aber es kommt nicht im herzen an.

  10. #10
    Addict Avatar von erdbärin
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    ja, die frage "wie geht es dir" ist schwer. ich mag auch nicht antworten, scheisse gehts mir. ich habe das gefühl, meine freundin (besonders eine eigentlich gute) wil hören, dass ich sage "ganz gut". was oft sogar so ist, aber grundsätzlich ist die stimmung natürlich nicht "ganz gut". ach, das ist schwer. irgendwie kann man über wochen oder monate schlecht immer sagen "schlecht gehts" auch wenn es der wahrheit entspricht.
    weinen tue ich sowieso selten, es ist auch oft mehr das warum und teilweise auch wut, ja. wut auf sie, wie sie so einfach gehen konnte und uns mit allem allein lässt. mich allein lässt. warum das schicksal sowas mit mir macht. aber da gibts keine antworten drauf.

    kennt ihr das lied "still" von jupiter jones? es trifft meine gefühle so sehr. und der sänger hat es für seine verstorbene ma geschrieben

  11. #11
    Addict Avatar von Delta
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Zitat Zitat von erdbärin Beitrag anzeigen
    ja, die frage "wie geht es dir" ist schwer. ich mag auch nicht antworten, scheisse gehts mir. ich habe das gefühl, meine freundin (besonders eine eigentlich gute) wil hören, dass ich sage "ganz gut". was oft sogar so ist, aber grundsätzlich ist die stimmung natürlich nicht "ganz gut". ach, das ist schwer. irgendwie kann man über wochen oder monate schlecht immer sagen "schlecht gehts" auch wenn es der wahrheit entspricht.
    weinen tue ich sowieso selten, es ist auch oft mehr das warum und teilweise auch wut, ja. wut auf sie, wie sie so einfach gehen konnte und uns mit allem allein lässt. mich allein lässt. warum das schicksal sowas mit mir macht. aber da gibts keine antworten drauf.

    kennt ihr das lied "still" von jupiter jones? es trifft meine gefühle so sehr. und der sänger hat es für seine verstorbene ma geschrieben


    ohja, das lied spricht mir sowas von aus der seele, kaum zu glauben. ich liebe dieses lied und jedes mal wenn ich es höre, muss ich losheulen
    dass der sänger es für seine verstorbene mutter geschrieben hat, wusste ich gar nicht

    Hat deine Mutter denn sehr leiden müssen? Ich fand es am letzten Tag so schrecklich, ihn so sehen zu müssen, ich musste dann auch raus, was ich anfangs noch als Feigheit meinerseits angesehen habe, aber die Psychologin meinte, man solle immer das machen, was das Herz einen in diesem Moment sagt und ich wollte ihn so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kannte. Er fehlt mir so..seine lustige Art..ich möchte ihn noch mal umarmen, ihm sagen, was für ein toller Vater er war...
    Meint ihr, die bekommen da oben doch noch was mit? Irgendwie glaube ich schon. Ich habe seit der Zeit so einige Zeichen erhalten, klar achtet man nun mehr darauf, aber alles kann doch nicht immer Zufall sein.

  12. #12
    Addict Avatar von erdbärin
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    naja, sie war geistig nicht mehr richtig da und konnte nicht mehr sprechen, es war schlimm. ich konnte auch nicht lange bei ihr bleiben oder mehrere male am tag hin wie mein vater, ich konnte es einfach nicht mehr
    ob sie da oben was mitbekommen, ich weiß nicht. in der ersten zeit hätte ich ja, auf jeden fall gesagt, da hatte ich wirklich das gefühl und hab auch gemeint, kleine zeichen zu sehen. aber jetzt nicht mehr... ich weiß nicht, manchmal glaube ich ja, dann wieder nicht, aber ingesamt eher ja. es ist einfach zu schwer vorstellbar, dass der mensch weg sein soll, komplett weg...

  13. #13
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Ich habe meinen Freund kurz nach dem Tod gefragt, ob er meint, dass die Verstorbenen bei uns sind und er sagte, dass es so ist, wenn ich mir das wünsche. Das fand ich gut.

    Delta, Dir auch erstmal mein aufrichtiges Beileid. Das hatte ich in meinem anderen Post vergessen. Bei Dir ist es ja noch ganz frisch. Ich kann mich noch gut erinnern, in welchem Film ich damals war. Gehst Du denn wieder Deinen alltäglichen Verpflichtungen nach? Ich bin in der Woche nach der Beerdigung wieder in die Uni gegangen, weil ich Referate hatte und meine Gruppen nicht hängen lassen wollte. Ich dachte, ich muss irgendwie funktionieren. Vielleicht war es gut, mir den Stress anzutun, vielleicht nicht. Ich weiß es nicht.

    Bei mir ist ein ganz große Punkt, dass mein Vater wirklich ein schwieriger Mensch war. Sehr herzlich, sehr lustig, aber anstrengend. Ich habe oft mit ihm gehadert, weil er mir das Leben manchmal nicht leicht gemacht hat. Darüber denke ich jetzt unheimlich viel nach. Ich wünschte, ich hätte mich nochmal mit ihm ausgesprochen und vernünftig über das geredet, was mich stört. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, wie oft ich ihn wohl durch überzogene Reaktionen verletzt habe. Er meinte alles immer nur gut, aber er war nicht selbstreflektiert und hat wirklich oft tierisch genervt.
    Es fällt mir wirklich schwer, das jetzt nach seinem Tod so hinzuschreiben, aber so war es. Wenn ich jetzt an ihn denke, denke ich natürlich nur an die positiven Seiten und wünschte, ich könnte die nochmal erleben. Mich quält es aber, dass ich ihn zu seinen Lebzeiten nicht öfter genommen habe, wie er ist.

    Wut habe ich eigentlich keine verspürt, vielleicht habe ich das auch verdrängt und es war mal so.

    Ich lebe auch weit von zu Hause weg und ich weiß noch, wie ich donnerstags abends einen Anruf von meiner Mutter bekam. Meine Tante und mein Onkel haben meinen Vater tot aufgefunden und sie fährt jetzt hin (meine Eltern sind geschieden). Dann riefen sie mich später am Abend ständig an und frugen, wie der Sarg aussehen soll, ob ich ein pflegeleichtes oder ein richtiges Grab möchte etc. Ich konnte gar nicht an einen Sarg denken. Es musste aber halt entschieden werden. Mein Bruder war nicht erreichbar, der war beim Sport.
    Am nächsten Morgen habe ich mich dann um 5 oder so in den Zug gesetzt und bin nach Hause gefahren. Die Fahrt war auch schlimm. Ich habe die ganze Zeit über Angry Birds gespielt, weil ich, sobald ich Musik angemacht habe, und einfach nur vor mich hingeguckt habe, weinen musste. Ich wollte das meiner Sitznachbarin auch nicht antun.

    In der Zeit danach mussten mein Bruder und ich uns um alles selbst kümmern als Alleinerben. Natürlich hat uns die Familie geholfen wo es geht, aber wir waren die Hauptverantwortlichen. Bis wir das Haus allein leergeräumt hatte, dauerte es Monate, weil wir beide weit vom Heimatort weg wohnen.

    Ich habe hier auch noch ein Lied, das ziemlich gut auf mich passt:
    Never Went To Church - The Streets - YouTube

    Ohje, jetzt ist es wieder so lang geworden.
    Habt Ihr denn viele Dinge zur Erinnerung behalten? Wir mussten ja den ganzen Haushalt auflösen und mein Vater ist quasi bei uns eingezogen.

  14. #14
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Wenn ich so darüber nachdenke, dann möchte ich meinen Freundeskreis auch wirklich gar nicht zur Trauerbewältigung benutzen. Nicht nur, weil ich ihnen nicht damit auf die Nerven gehen möchte, sondern auch, weil es ein Ort der Normalität ist und somit helfen sie mir passiv ja auch irgendwie. Einfach indem alles so wie immer ist.

  15. #15
    Addict Avatar von Delta
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Ja, ich gehe seit drei Wochen wieder zur Uni. Anfangs dachte ich, das schaffst du niemals, aber es lenkt doch ein stückweit ab. Aber jetzt sitze ich wieder hier, schaue sein Bild an und bin nur am heulen...man kapiert es einfach nicht...wie kann jemand einfach so weg sein und nicht mehr wiederkommen?!
    Da ich immer zwischen Unistadt und zu Hause gependelt bin, hatte ich demnach ein sehr sehr gutes und inniges Verhältnis zu meinen Eltern. Sie waren einfach immer für mich da und gerade an meinem Papa habe ich sehr gehangen
    Im Moment lassen wir zu Hause noch alles so, wie es war. Aber nach und nach werden meine Ma und ich sicher seine Kleidung etc. entsorgen. O man, das klingt so grausam..wenn man nur seinen Geruch oder so irgendwo einfangen und behalten könnte...

  16. #16
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Mein Vater ist ja auch im Winter gestorben und wir haben seine Klamotten in eine Kleiderkammer für Obdachlose gegeben. Gerade im Winter brauchen die ja alles, was sie kriegen können. Ich hatte das Gefühl, dass seine Sachen da sinnvoll aufgehoben sind und ich habe mich auch gefreut, dass wir damit vielleicht ein paar armen Menschen geholfen haben.

  17. #17
    Addict Avatar von juliet_naked
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Zitat Zitat von Delta Beitrag anzeigen
    Ja, das mit den Freunden ist wahrlich so eine Sache. Ich habe zwei sehr gute Freundinnen, aber wie schon gesagt wurde, wenn man nicht in derselben Situation ist, kann man es einfach nicht nachvollziehen wie man sich fühlt. Diese Berg- und Talfahrt die man durchlebt, diese Leere, die einen manchmal packt und zu verschlingen droht. Und auf die Frage "Wie geht es dir" reagiere ich eh schon empfindlich, ja, wie soll es mir schon gehen? Mein Vater ist gestorben und mir wurde ein Teil von mir genommen, beschissen gehts mir.
    ja, genau so. ich bin auch fast ein bißchen sauer, wenn ich zb sage, die letzte woche war schrecklich (als ich es erfahren habe), und freundinnen dann meinen, es kommt ja bald ne neue. ja, das kann ja sein, aber dass sich grundlegende sachen geändert haben, verstehen sie irgendwie nicht. ich glaube fast, dass außenstehende, oder leute die das noch nicht erlebt haben, das vielleicht nie ganz verstehen werden. also klar versuchen sie da zu sein und fragen ja auch nach aber irgendwie...

    ach mädels, fühlt euch gedrückt, keine leichte zeit.
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  18. #18
    Regular Client Avatar von Miss_World
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Frollein Helmut, es fällt mir schwer zu schreiben, weil es so etwas persönliches ist.
    Mein Vater ist genau wie Deiner sehr plötzlich verstorben. Er war nicht ganz gesund, aber niemand hat gedacht, dass es etwas Schlimmeres sein könnte.
    Du hast es sicher nicht leicht gehabt, als Du nach dem Tod Deines Vaters alles arrangieren musstet! Bei mir hat es zum Glück die ganze Familie mitgetragen. Ich bin wenige Tage nach der Beerdigung sofort wieder auf die Arbeit und in die Uni gegangen, denn das gab mir Sinn und Halt und es erschien mir so, als wäre es im Sinne meines Vaters gewesen. Von Freunden habe ich auch verlangt, dass sie mich normal behandeln, weil ich nicht mit Samthandschuhen angefasst werden wollte und das es für mich noch schwerer gemacht hätte. Natürlich hat das viel Kraft gekostet, ich hab in dem Jahr dann auch noch meine Bachelorarbeit geschrieben und das Studium beendet. Aber ich wollte, dass mein Papa wenn er mich sieht, beruhigt ist weil alles gut läuft.
    Ich habe keine speziellen Bücher gelesen, ich habe aber viel mit Familie und Freunden geredet und hab mir gesagt, wenn's denen nicht passt dann sind's keine wahren Freunde und wenn's ihnen zu viel wird, müssen's halt sagen. Das war eine ganz gute Verarbeitungsform für mich.
    Auch ich hab mich mit meinem Vater in einigen Punkten, besonders früher, immer wieder gefetzt. Darüber habe ich im Nachhinein immer wieder nachgegrübelt und hätte ihm Nachhinein gern noch einiges erklärt und mich entschuldigt für mein damaliges Verhalten.
    Jetzt kommt der Winter wieder und alles jährt sich zum 2. Mal
    Tut mir leid, mehr schaff ich grad nicht.

  19. #19
    Addict Avatar von Delta
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Miss, ich habe auch einen Tag bevor mein Papa starb mein BA abgegeben...er wollte sie noch selber lesen, hat es aber nicht mehr geschafft. Aber ich glaube, er wollte, dass ich sie noch abgebe..Und dass auch sonst bei uns alles geregelt ist...es ist immer noch so unfassbar
    Sechs Wochen ohne ihn und jetzt kommt die Adventszeit..Normalerweise liebe ich diese Zeit, aber jetzt habe ich richtige Angst davor
    Ich will einfach, dass er zurückkommt und alles so wird wie vorher..Nochmal einen Tag aus dem letzen Tag erleben...
    Wie behelft ihr euch durch diese dunkle Jahreszeit? Ich finde es gerade einfach nur unerträglich schwer..

  20. #20
    Urgestein Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mit dem Tod eines Elternteils klar kommen.

    Puh, das war für mich auch schwierig. Ich hatte auch Angst vor Weihnachten. Komischerweise war mit Weihnachten die erste Phase der Trauer (ich nenne es jetzt mal so) abgeschlossen. Keine Ahnung, woran das lag, aber ich kam Weihnachten zurück in meine Wohnung und habe mich besser gefühlt.

    Edit: Wir haben Weihnachten aber auch völlig anders als sonst gefeiert. Ich war normalerweise Heiligabend bei meinem Vater und ab dem 1. Feiertag bei meiner Mutter. Letztes Jahr war ich natürlich ganz bei meiner Mutter und für sie war es auch das erste Weihnachten ohne ihren Lebensgefährten, der ebenfalls letztes Jahr gestorben ist. Eine gute Freundin von ihr hat uns dann zu sich zum Racelette eingeladen und es war nachher eine Runde von ca. 20 Leuten und alle hatten Spaß. Das war gut, ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache in dieser Situation.
    Geändert von FrolleinHelmut (23.11.2011 um 11:02 Uhr)

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