+ Antworten
Ergebnis 1 bis 15 von 15
  1. #1
    Member Avatar von Schlumpfinchen
    Registriert seit
    23.02.2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.290

    Schwebezustand, kein Vertrauen

    Hallo ihr lieben

    Mir ist kein besserer Titel eingefallen.
    Kurz oder auch etwas länger zur momentanen Situation: Ich bin 24 Jahre alt und studiere. Ich hab schon lange, lange mit psychischen Problemen zu tun. Meine Therapeutin spricht von Bindungstrauma in der Kindheit, darauf folgten Depression, Panikattacken, Panikstörung, Magersucht etc. Alles irgendwann stabil durch ambulante Therapie und stationäre Aufenthalte vor 3-4 Jahren. Studium okay, Freundschaften gut, Partnerschaften immer schwierig, grenzüberschreitend und nicht gut.
    Dann kam es zu einem schweren Vertrauensbruch. Sexueller Übergriff durch einen Freund und auch Freund der Familie. Vertrauter meines Vaters.
    Hab davon ja auch schon berichtet. Danach schwere Zeit, Chaos, die Frage ob Anzeige oder nicht und eine stationäre Therapie eigentlich fürs Trauma.
    Allerdings konnte nur an der Oberfläche gekratzt werden und ich war nicht auf einer Traumastation. Da kann und soll ich nun wieder hin. Allerdings nur wenn ich die KK und den Chefarzt überzeugen kann.
    Meine Therapeutin meint, dass das so der Knotenpunkt wäre und die Diagnose lautet wohl Komplexe PTBS.

    Ich hab meine Anmeldung an die Klinik geschickt und warte auf Antwort. Das kann jedoch dauern und ich stehe nun da und weiß nicht was ich tun soll.
    Ich tu mich schwer Menschen zu vertrauen und leben seit ich denken kann mit der Idee, dass ich schuld bin an allem. Das soll sich endlich ändern. Hab in der Klinik eine Therapeutin gefunden, die auf Trauma spezialisiert ist und endlich mal zu mir durchgedrungen ist. Sie wirkt stark, strneg aber auch wahnsinnig emphatisch und intuitiv. Es passt halt einfach. Manchmal hat man Glück und ich hab erstmals das Gefühl,dass ich Hilfe annehmen möchte und es wirklich einen gewaltigen Schritt voran gehen kann.

    Jetzt sitze ich aber hier und möchte gerne nur weglaufen. Vor mir, den wiedergefundenen Gefühlen, den Triggern, den Baustellen. Weiß nicht ob ich weiter studieren mag oder was anderes. Weiß nicht, ob und was ich mir zutraue und ich will aus meiner Wohnung. Kann nicht gut alleine sein und hab viel negatives in meiner Wohnung erlebt.
    Das Ziel, bald nochmal verstärkt stationär, geschützt Therapie machen zu können gibt mir grad die Kraft durchzuhalten. Mehr aber eben nicht und ich frage mich grade, wie gehe ich es an.

    Job? Studium? Wohnungssuche? Unternehmung mit Freunden. Vieles ist mir viel zu anstrengend und überfordert mich. Bin sehr stimmungslabil und sehr sensibel.
    Außerdem darf ich nichts zu anstrengendes tun, da ich kein Untergewicht haben darf für die Traumastation und muss somit ganz diszipliniert essen und mich nicht zu viel sportlich betätigen.

    Ich bin was die Essstörung angeht echt stabil aber es macht mich wahnsinnig, dass ich gefühlt nur rumsitze.
    Ich suche eine Wohnung, ja. Ich schreibe eine Hausarbeit, ja. Aber irgendwie... ich weiß auch nicht. Ich hab halt Angst, dass es mit der Therapie nix wird, die Kasse nein sagt und ich dann total verzweifelt bleibe. Ich bin an einem wichtigen Wendepunkt und ich muss durchhalten.
    Ich weiß auch gar nicht was ich von euch hören möchte. Ich glaub ich mag es alles nur mal loswerden.

    Diese scheiß Ungewissheit, Depression, Angst und die Hoffnungslosigkeit. Was wenn es nie besser wird. Was wenn ich nie mehr eine Beziehung führen kann, niemanden an mich heranlasse. Was wenn ich mir und anderen nie trauen werde? Was wenn ich mein Studium nicht schaffe und was wenn ich alleine sein muss?
    Was wenn ich es nicht schaffe Anzeige zu erstatten? Was wenn ich IHM begegne oder wenn ich ihn anzeige und es wird keine Anklage erhoben?
    Aaaaaaaaaaah
    Ich wollte nie etwas in meinem Leben, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte...

    Kleiderkreisel

  2. #2
    Addict Avatar von youlooknice
    Registriert seit
    03.05.2010
    Beiträge
    2.129

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    Ich hab grade nicht soviel Zeit, daher schreib ich nur kurz.
    Aber ich wollt da lassen, dass ich finde, dass du das total gut machst. Du musst auf dich hören, dir selber vertrauen lernen. Das ist erstmal wichtiger, als das Vertrauen zu anderen...das kann ja der nächste Schritt sein. Und vielleicht kannst du generell ja versuchen (ich weiß das ist leichter gesagt, als getan) in kleineren Schritten denken?
    Das was du hier aufschreibst ist ja ein riesen Berg an zu bewältigen Dingen. Andere finden es schon anstrengend Studienunsicherheit und Umzug zu bewältigen, ohne eine Geschichte wie deine. Als ist es klar, dass du dich davon total erschöpft und überwältigt fühlst.
    Daher wär es glaub ich gut, wenn du versucht von Tag zu Tag, von mini-Ziel zu mini-Ziel zu denken. Die großen Fragen werden sich sowie so Stück für Stück klären. Das mit der Therapie z.b. Und auch in Bezug auf die Uni wirst du schon merken, was richtig ist, stress dich damit nicht auch noch.
    Und zu Wohnungssuche. Das ist bestimmt eine sehr gute Idee! Kann dir dabei vielleicht jmd helfen? Seien es Freunde, deine Eltern, oder vielleicht sogar eine Maklerin (weiß nicht, wie das finanziell so wäre)? Dann müsstest du dir am Ende nur eine vorsortierte Auswahl ansehen und hättest nicht das wochenlange Rumgerenne...
    Und das gilt für einen Umzug genauso. In deiner Situation würd ich mir vielleciht sogar ein Umzugsunternehmen gönnen, wenn es finanziell irgendwie geht. Hauptsache du hast dann wieder einen Ort, an dem du dich wohlfühlen und fallen lassen kannst!
    Ich drück dir jedenfalls ganz fest die Daumen, dass das mit der Traumastation klappt!

  3. #3
    Fresher
    Registriert seit
    16.03.2006
    Beiträge
    289

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    Schlumpfinchen, du bist nicht allein! Der Berg, der an zu bewältigenden Aufgaben und Entscheidungen vor dir liegt, ist nicht endlos hoch. Und du musst ihn nicht morgen überklettert haben.
    Es ist IMMER leichter, so etwas zu sagen/schreiben, als daran zu glauben. Aber nur, weil es schwer zu glauben ist und leicht zu behaupten, ist es nicht weniger wahr.
    Ich bin 27 Jahre alt, habe mir wegen Magersucht mit 20 ambulante Therapie gesucht, es wurde dann PTBS diagnostiziert. Mit 24 Abschluss der Therapie, kurze gute Phase, Einbruch durch Trigger, Flashbacks, lalala und sonst noch so (es ist nicht so leicht, das aufzuschreiben), eeewige Suche nach ambulanter Traumatherapeutin, die keine zwei Jahre Wartezeit hat oder unsympathisch ist, mit 26, fast 27 dann stationär, auch keine reine Traumastation, aber doch u.a. Spezialisierung auf Traumafolgestörungen. 5 Monate Klinik, seit 5 Wochen zuhause und die Fragen stürzen auf mich ein: Will ich hier wohnen bleiben? Kann ich arbeiten? Was WILL ich eigentlich? Usw.
    Soweit kurz zu mir. DU BIST NICHT ALLEIN! Auch mit den Ursachen der Traumata nicht. Es ist beschissen, auf eine Kostenzusage warten zu müssen, nicht an einem sicheren Ort zu wohnen (gefühlt unsicher reicht da schon), sich ohne Hilfe zu fühlen. Hast du eine gute Psychiaterin oder Hausärztin? Das hat bei mir einiges erleichtert. Wenn du möchtest, kannst du mir sehr gern eine pm schicken. Wenn der ganze schwere Kampf dazu gut ist, die eigenen Erfahrungen teilen und vllt etwas weitergeben zu können, ist das eine schöne Vorstellung.

  4. #4
    Addict Avatar von dBambi
    Registriert seit
    05.08.2008
    Beiträge
    3.420

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen



    Fühl dich mal gedrückt!

    Vorallem die Angst, dass die KK den Klinikaufenthalt nicht bewilligen könnte, kann ich gut verstehen.
    Aber das wird schon klappen!
    Hast du da mal mit deiner Therapeutin drüber gesprochen...? Ich könnte mir vorstellen, dass sie im Notfall vllt mit der KK nochmal ein ernstes Wörtchen sprechen könnte. Wenn sie denen sagt, dass das so extrem wichtig für dich ist, werden die schon Einsehen haben - FALLS sie überhaupt ablehnen.

  5. #5
    Member Avatar von Schlumpfinchen
    Registriert seit
    23.02.2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.290

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    ich danke euch so sehr!!!

    schon allein zu wissen, dass jemand liest und versteht wie ich mich grade fühle tut gut

    ich habe mich grade erstmal zu meinem besten freund geflüchtet, da jetzt auch noch ein konflikt mit meinem vater dazugekommen ist.
    habe mir jetzt einige wgs und wohnungen angeschaut. hilfe hab ich leider keine. mein bester freund ist voll eingespannt und meine eltern sind glaube ich grade selbst zu sehr überfordert mit der situation.
    geld hab ich momentan nur das, was ich von den eltern bekomme und was ich gespart habe. arbeite ja grade nicht wirklich. aber ich werde weiterhin zuerst die neue wohnung ins auge fassen. irgendwann klappt das schon. mit meiner therapeutin rede ich dann am freitag und ja, ich werde hartnäckig dranbleiben, damit das mit der klinik auch klappen wird!

    ich danke euch!

    @yashia: dir schreibe ich gerne heute oder morgen noch eine pm
    Ich wollte nie etwas in meinem Leben, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte...

    Kleiderkreisel

  6. #6
    Senior Member Avatar von Sternschnuppe*
    Registriert seit
    27.07.2005
    Beiträge
    5.033

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    Hallo Schlumpfinchen ,

    ich habe deine Geschichte im anderen Thread verfolgt und eine ähnliche Vergangenheit und Geschichte erlebt und mich deshalb schon gefragt, wie es dir nun wohl geht und was du so machst.

    und ich hab erstmals das Gefühl,dass ich Hilfe annehmen möchte und es wirklich einen gewaltigen Schritt voran gehen kann.
    Ich hoffe, du kannst dieses Gefühl aufrecht erhalten und bekommst recht bald eine Zusage der Klinik, denn ich kenne dieses Gefühl von Unsicherheit bzw. "Schwebezustand" wie du sagst in bezug auf die nahe Zukunft (was ist? Studium? Klinik? was ganz anderes? wie soll nur alles werden? usw.) ...

    Das Ziel, bald nochmal verstärkt stationär, geschützt Therapie machen zu können gibt mir grad die Kraft durchzuhalten. Mehr aber eben nicht und ich frage mich grade, wie gehe ich es an.
    Vielleicht kannst du den Gedanken an das "danach" erst einmal aufschieben? Zusammen mit der Therapeutin kannst du sicher auch über das weitere Vorgehen nach dem Klinikaufenthalt sprechen und in der Therapie ganz konkrete Strategien entwickeln und einen Entschluss für bestimmte Entscheidungen treffen bspw. "ziehe ich um? ja oder nein", "wie kann ich meinen alltag gestalten?", "wie kann ich die immer wieder auftauchenden phasen von einsamkeit aushalten?" usw.
    Was ich sagen will, dass du nun nicht zu weit denken solltest, sondern in kleinen Schritten.

    Ich bin an einem wichtigen Wendepunkt und ich muss durchhalten.
    Ja! Und am Ende wirst du dankbar dafür sein.

    Was wenn ich es nicht schaffe Anzeige zu erstatten? Was wenn ich IHM begegne oder wenn ich ihn anzeige und es wird keine Anklage erhoben?
    Das sind alles sehr belastende Gedanken, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, die sich einfach aufdrängen und die man alleine wirklich kaum los wird. Dieses Gedankenkarussel ist einfach die Hölle. Man kommt nicht mehr zur Ruhe, obwohl man schon lange eigentlich keine Kraft mehr hat ... so kenne ich es zumindest von mir.

    Und auch mit Hilfe kostet es sicher noch sehr viel Kraft, aber ich habe den Eindruck, dass du wirkilch schon viel für dich erreicht hast und darauf kannst du stolz sein.

  7. #7
    Member Avatar von Schlumpfinchen
    Registriert seit
    23.02.2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.290

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    Ich werde gleich zu meiner Therapeutin gehen und mit ihr auch darüber sprechen was mich grade gedanklich so "lähmt".
    Eigentlich weiß ich ja, dass es grade eben schwierig ist, ich in kleinen Schritten denken sollte und einfach auf Kurs bleiben muss.
    ABER ich bin zwischenzeitlich einfach so hoffnungslos, frustriert und müde, dass ich mich frage, was ich eigentlich tue und was das alles soll.

    Ich suche jetzt weiterhin nach einer Wohnung und werde auch mal meinen besten Freund fragen, ob er mir hilft. Er ist allerdings sehr beschäftigt zur Zeit.

    Was mir grade wohl am meisten zu schaffen macht, ist die Frage, warum alles so ist wie es ist. Welches Recht habe ich, mich so hängen zu lassen. Welches Recht habe ich psychisch krank zu sein. Ich hab doch alles. Ich hatte doch alles.
    Ich weiß auch, dass das eine eher hinderliche und vor Allem müßige Frage ist aber ich kann sie leider nicht verdrängen. In 10% der Zeit kann ich einfach akzeptieren, dass es grad so wie es ist aber den Rest der Zeit dreht sich in meinem Kopf alles um eine Berechtigung dafür.

    Ich darf keine Hilfe brauchen, es sollte mir gut gehen. Andere bekommen das auch hin...
    Es nervt so sehr aber ich kann die Gedanken nicht abstellen.
    Ich wollte nie etwas in meinem Leben, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte...

    Kleiderkreisel

  8. #8
    Fresher
    Registriert seit
    16.03.2006
    Beiträge
    289

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    Du formulierst meine Gedanken. 10% der Zeit Ruhe, 90% Schuldgefühle und Vergleiche mit anderen. Das hilft dir nicht, aber trotzdem danke!!

  9. #9
    Newbie
    Registriert seit
    02.05.2012
    Beiträge
    177

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    Hallo Schlumpfinchen, hallo Yashya, mir geht's sehr ähnlich wie euch, bin hier immer mal wieder mit neuem Namen unterwegs und möchte nicht mehr so viel öffentlich schreiben, hätte aber Bedarf an einem Austausch mit anderen derart Betroffenen...
    Lieben Gruß
    Geändert von ambi (21.05.2012 um 19:28 Uhr)

  10. #10
    Member Avatar von Schlumpfinchen
    Registriert seit
    23.02.2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.290

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    ich würde mich gerne weiterhin austauschen. weiß aber nicht, ob das nicht eher überfordert?!
    Ich wollte nie etwas in meinem Leben, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte...

    Kleiderkreisel

  11. #11
    Newbie
    Registriert seit
    02.05.2012
    Beiträge
    177

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    .
    Geändert von ambi (23.10.2012 um 01:58 Uhr)

  12. #12
    Member Avatar von Schlumpfinchen
    Registriert seit
    23.02.2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.290

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    nein, quatsch! ich will nur vorsichtig sein!

    magst du ausführlicher erzählen. vor allem darüber, was du grad machst und wie es voran und weiter geht?
    ich schreib dir gerne eine pm wenn dir das lieber ist
    Ich wollte nie etwas in meinem Leben, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte...

    Kleiderkreisel

  13. #13
    Newbie
    Registriert seit
    02.05.2012
    Beiträge
    177

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    .
    Geändert von ambi (23.10.2012 um 01:45 Uhr)

  14. #14
    Newbie
    Registriert seit
    02.05.2012
    Beiträge
    177

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    .
    Geändert von ambi (23.10.2012 um 01:45 Uhr)

  15. #15
    Member Avatar von Schlumpfinchen
    Registriert seit
    23.02.2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.290

    AW: Schwebezustand, kein Vertrauen

    finde ich super und freue mich auf den austausch
    Ich wollte nie etwas in meinem Leben, dessen Verlust ich nicht ertragen könnte...

    Kleiderkreisel

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •