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  1. #201
    V.I.P. Avatar von susiklub
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Zitat Zitat von nevis Beitrag anzeigen
    Hat jemand von euch hier den "Conrady"?
    Nee, aber eines Tages leiste ich mir den
    Geändert von susiklub (16.02.2013 um 20:22 Uhr)
    Vater unser, mach mir noch mit einem Wunder eine feine Bildung
    - das Übrige kann ich ja selbst machen mit Schminke.

  2. #202
    V.I.P. Avatar von susiklub
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    An mein Kind

    Dir will ich meines Liebsten Augen geben
    Und seiner Seele flammenreiches Glühn.
    Ein Träumer wirst du sein und dennoch kühn
    Verschloßne Türen aus den Angeln heben.

    Wirst ausziehn, das gelobte Glück zu schmieden.
    Dein Weg sei frei. Denn aller Weisheit Schluß
    Bleibt doch zuletzt, dass man hienieden
    All´seine Fehler selbst begehen muss.

    Ich kann vor keinem Abgrund dich bewahren,
    Hoch in die Wolken hängte Gott den Kranz.
    Nur eines nimm´ von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines - sei es ganz!

    Du bist, vergiß es nicht, von jenem Baume
    Der ewig zweigte und nie Wurzeln schlug.
    Der Freiheit Fackel leuchtet uns im Traume -
    Bewahr´den Tropfen Öl im alten Krug!

    (Mascha Kaléko)
    Vater unser, mach mir noch mit einem Wunder eine feine Bildung
    - das Übrige kann ich ja selbst machen mit Schminke.

  3. #203
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Muß immer der Morgen wiederkommen?

    Muß immer der Morgen wiederkommen?
    Endet nie des Irrdischen Gewalt?
    Unselige Geschäftigkeit verzehrt
    Den himmlischen Anflug der Nacht?
    Wird nie der Liebe geheimes Opfer
    Ewig brennen?
    Zugemessen ward
    Dem Lichte Seine Zeit
    Und dem Wachen ?
    Aber zeitlos ist der Nacht Herrschaft,
    Ewig ist die Dauer des Schlafs.
    Heiliger Schlaf!
    Beglücke zu selten nicht
    Der Nacht Geweihte ?
    In diesem irrdischen Tagwerck.
    Nur die Thoren verkennen dich
    Und wissen von keinem Schlafe
    Als den Schatten
    Den du mitleidig auf uns wirfst
    In jener Dämmrung
    Der wahrhaben Nacht.
    Sie fühlen dich nicht
    In der goldnen Flut der Trauben
    In des Mandelbaums
    Wunderöl
    Und dem braunen Safte des Mohns.
    Sie wissen nicht
    Daß du es bist
    Der des zarten Mädchens
    Busen umschwebt
    Und zum Himmel den Schoos macht ?
    Ahnden nicht
    Daß aus alten Geschichten
    Du himmelöffnend entgegentrittst
    Und den Schlüssel trägst
    Zu den Wohnungen der Seligen,
    Unendlicher Geheimnisse
    Schweigender Bote.

    (Novalis)

  4. #204
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Dunkles Haus

    Dies ist ein dunkles Haus, sehr groß.
    Ich selbst habe es gebaut.
    Zelle um Zelle aus einer stillen Ecke,
    an dem grauen Papier kauend,
    Leimtropfen absondernd,
    pfeifend, mit den Ohren wackelnd,
    an anderes denkend.

    Es hat so viele Keller,
    solch aalische Stöbergruben!
    Ich bin so rund wie eine Eule,
    mein eigenes Licht ist mir Licht genug.
    In Bälde werde ich junge Hunde werfen
    oder ein Pferd gebären. Mein Bauch bewegt sich.
    Ich muß weitere Karten herstellen.

    Diese markigen Tunnels!
    Mit Maulwurfshänden fresse ich mich durch.
    Allmund leckt die Büsche
    und die Fleischtöpfe auf.
    Er wohnt in einem alten Brunnen,
    einem steinernen Loch. Er ist schuld.
    Er ist der dicke Typ.

    Kieselgerüche, Rübenkammern.
    Winzige Nasenlöcher atmen.
    Klein, demütig, so lieb!
    Füßlinge, knochenlos wie Nasen,
    es ist warm und zum Aushalten
    im Gedärm der Wurzel.
    Da, eine schnuckelige Mutter.

    (Sylvia Plath)

  5. #205
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Mehr!

  6. #206
    Gelöschter Benutzer
    gelöscht

    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    as at the far edge of circling the country,
    facing suddenly the other ocean,
    the boundless edge of what i had wanted
    to know, i stepped
    into my answers’ shadow ocean,

    the tightening curl of the corners
    of outdated old paperbacks, breakers,
    a crumble surf of tiny dry triangles around
    my ankles sinking in my stand

    taken that the horizon written
    by the spin of my compass is that this is
    is not enough a point to turn around on,

    is like a skin that falls short of edge
    as a rug, that covers a no longer
    natural spot, no longer existent
    to live on from, the map of my person
    come to the end of, but not done.

    that country crossed was what i could imagine,
    and that little spit of answer is the shadow—
    not the ocean which casts it— that i step next
    into to be cleansed of question.

    but not of seeking …it as
    if simplified for the seeking,
    come to its end at this body


    — ed roberson, as at the far edge of circling

  7. #207
    Gelöschter Benutzer
    gelöscht

    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    the nights you fight best
    are
    when all the weapons are pointed
    at you,
    when all the voices
    hurl their insults
    while the dream is being
    strangled

    the nights you fight best
    are
    when reason gets
    kicked in the
    gut,
    when the chariots of
    gloom
    encircle
    you.

    the nights you fight best
    are
    when the laughter of fools
    fills the
    air,
    when the kiss of death is
    mistaken for
    love.

    the nights you fight best
    are
    when the game is
    fixed,
    when the crowd screams
    for your
    blood.

    the nights you fights best
    are
    on a night like
    this
    as you chase a thousand
    dark rats from
    your brain,
    as you rise up against the
    impossible,
    as you become a brother
    to the tender sister
    of joy and

    move on

    regardless.


    charles bukowski, regardless

  8. #208
    Gelöschter Benutzer
    gelöscht

    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    COMBATE
    yo soy un poeta,
    un ejército de poetas.
    y hoy quiero escribir un poema,
    un poema silbatos
    un poema fusiles.
    para pegarlos en las puertas,
    en las celdas de las prisiones
    en los muros de las escuelas.
    hoy quiero construir y destruir,
    levantar en andamios la esperanza.
    despertar al niño,
    arcángel de las espadas,
    ser relámpago, trueno,
    con estatura de héroe
    para talar, arrasar,
    las podridas raíces de mi pueblo.


    — clementina suárez

  9. #209
    Regular Client Avatar von Felicia
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Zitat Zitat von susiklub Beitrag anzeigen
    An mein Kind
    (Mascha Kaléko)
    Eines meiner liebsten Und auch:

    Letztes Lied

    Ich werde fortgehn, Kind. Doch Du sollst leben
    Und heiter sein. In meinem jungen Herzen
    Brannte das goldne Licht. Das hab ich Dir gegeben,
    Und nun verlöschen meine Abendkerzen.

    Das Fest ist aus, der Geigenton verklungen,
    Gesprochen ist das allerletzte Wort.
    Bald schweigt auch sie, die dieses Lied gesungen
    Sing Du es weiter, Kind, denn ich muss fort.

    Den Becher trank ich leer, in raschem Zug
    Und weiß, wer davon kostete, muss sterben …
    Du aber, Kind, sollst nur das Leuchten erben
    Und all den Segen, den es in sich trug:

    Mir war das Leben wie ein Wunderbaum,
    von dem in Sommernächten Psalmen tönen.
    – Nun sind die Tage wie geträumter Traum;
    Und alle meine Nächte, alle – Tränen.

    Ich war so froh. Mein Herz war so bereit.
    Und Gott war gut. Nun nimmt er alle Gaben.
    In Deiner Seele, Kind, kommt einst die Zeit,
    soll, was ich nicht gelebt, Erfüllung haben.

    Ich werde still sein; doch mein Lied geht weiter.
    Gib Du ihm deinen klaren, reinen Ton.
    Du sei ein großer Mann, mein kleiner Sohn.
    Ich bin so müde – aber Du sei heiter.

    (Mascha Kaléko)
    Wir tanzen mit Tarnkappen und wir geh'n trinken mit falschen Bärten.

    Ein Tag so wie Ferien
    oder besser wie sich Ferien in Tiefen der Erinnerung anfühl'n.

  10. #210
    Regular Client Avatar von Primadonna
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    seufz.
    so schön und traurig.
    "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Mahatma Gandhi

    Wer schön sein will, muss lachen.

  11. #211
    V.I.P. Avatar von susiklub
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Vor allem wenn man bedenkt, dass ihr Sohn schon so jung starb.
    Vater unser, mach mir noch mit einem Wunder eine feine Bildung
    - das Übrige kann ich ja selbst machen mit Schminke.

  12. #212
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    WINTERLIED

    Als ich heute von dir ging
    fiel der erste Schnee
    und es machte sich mein Kopf
    einen Reim auf Weh.

    Denn es war die Kälte nicht
    die die Tränen mir
    in die Augen trieb
    es war vielmehr Ungereimtes.

    Ach da warst du schon zu weit
    als ich nach dir rief
    und dich fragte wer die Nacht
    in deinen Reimen schlief.

    (Ulla Hahn)

  13. #213
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Zum 225 Geburtstag von Eichendorff:

    Schläft ein Lied in allen Dingen


    Schläft ein Lied in allen Dingen
    die da träumen fort und fort,
    und die Welt hebt an zu singen,
    triffst du nur das Zauberwort.

  14. #214
    V.I.P. Avatar von susiklub
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Elfchenjahr
    (Veronika Käfer)

    I
    Januar,
    die Winterbäume
    schwarz und kahl
    noch kämmen sie die
    Windsbräute.

    II
    Maske
    bunte Farbe
    hüllt uns ein
    Prinz wäre ich lieber
    nicht.

    III
    Licht
    umso weniger
    desto mehr Vögel
    zaubern mir Trost zur
    Nachtschwelle.

    IV
    Nimm
    den Schirm.
    Die Sonne scheint
    doch grad so schön
    vorbei.

    V
    Weiß
    vor Blüten
    war der Baum
    ist jetzt rot von
    Kirschen.

    VI
    Länger
    die Tage.
    Häufiger summt es:
    die hohe Zeit der
    Rasenmäher.

    VII
    Himmel
    so tief
    das Meer blau
    versandet am Strand im
    Glück.

    VIII
    Beinah
    hast du
    sie nicht erblickt
    ist der Wunsch dir
    Schnuppe.

    IX
    Blutrünstig.
    Die letzte
    Mücke dieses Sommers
    erwartet im Schlafzimmer den
    Abend.

    X
    Herbst
    lässt los
    das grüne Kleid
    fäbrt sich zum Abschied
    bunt.

    XI
    Grau
    zieht vorüber
    Tag und Nacht
    legt sich Natur zum
    Schlaf.

    XII
    Winterschlaf
    ist nicht
    für die Menschheit
    schuf ein Gott darum
    Schokolade.
    Vater unser, mach mir noch mit einem Wunder eine feine Bildung
    - das Übrige kann ich ja selbst machen mit Schminke.

  15. #215
    Regular Client Avatar von Primadonna
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Zitat Zitat von nevis Beitrag anzeigen
    Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.

    ...

    (Thomas Brasch)
    das ist einfach nur genial, ja.

    ich sehe eben, dass hildegarde gelöscht ist. wie schade. weiß jemand was darüber?

    sorry für off topic
    "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Mahatma Gandhi

    Wer schön sein will, muss lachen.

  16. #216
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Nicht müde werden sondern dem Wunder
    leise wie einem Vogel
    die Hand hinhalten.

    Hilde Domin

  17. #217
    sne
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Extra, weil noch nichtmal Frühling ist:

    Im Sommer

    Dünnbesiedelt das Land.
    Trotz riesigen Feldern und Maschinen
    Liegen die Dörfer schläfrig
    In Buchsbaumgärten; die Katzen
    Trifft selten ein Steinwurf.

    Im August fallen Sterne.
    Im September bläst man die Jagd an.
    Noch fliegt die Graugans, spaziert der Storch
    Durch unvergiftete Wiesen. Ach, die Wolken
    Wie Berge fliegen sie über die Wälder.

    Wenn man hier keine Zeitung hält
    Ist die Welt in Ordnung.
    In Pflaumenmuskesseln
    Spiegelt sich schön das eigne Gesicht und
    Feuerrot leuchten die Felder.

    Sarah Kirsch

  18. #218
    Regular Client Avatar von Primadonna
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Ich liebte dich: vielleicht ist noch bis heute
    In meiner Brust dies Feuer nicht verglüht;
    Doch will ich nicht, daß sich dein Schmerz erneute -
    Nichts soll fortan erregen dein Gemüt!
    Ich liebte dich mit hoffnungslosem Schweigen,
    Bald schüchtern, bald durch Eifersucht betrübt;
    Ich liebte dich so innig, so treueigen -
    Gott gebe, daß ein andrer dich so liebt!

    Alexander Puschkin
    "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Mahatma Gandhi

    Wer schön sein will, muss lachen.

  19. #219
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Vergessen sah im Buch ich liegen
    Ein Blümchen, das den Duft verlor;
    Und seltsame Gedanken stiegen
    In meiner Seele da empor:

    Wo blühte es? in welchem Jahre?
    Wie lange? und wer pflückt’ es ab?
    Stak einem Mädchen es im Haare?
    Warum fand es im Buch sein Grab?

    Erinnerung an ein Wiedersehen,
    An eines Abschieds Schmerzgewalt,
    An einsames Spaziergehen
    Im stillen Feld, im dunklen Wald?

    Ist sie noch seines Lebens Freude?
    Wo sind sie nun, an welchem Ort?
    Sind Glück und Leben schon für beide,
    Wie diese Blume hier, verdorrt?

    Alexander Sergejewitsch Puschkin
    "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Mahatma Gandhi

    Wer schön sein will, muss lachen.

  20. #220
    Regular Client Avatar von Felicia
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    AW: Die immerwährende liebenswürdige lebendigbleibende Gedichtesammlung

    Zitat Zitat von Primadonna Beitrag anzeigen
    Ich liebte dich: vielleicht ist noch bis heute
    In meiner Brust dies Feuer nicht verglüht;
    Doch will ich nicht, daß sich dein Schmerz erneute -
    Nichts soll fortan erregen dein Gemüt!
    Ich liebte dich mit hoffnungslosem Schweigen,
    Bald schüchtern, bald durch Eifersucht betrübt;
    Ich liebte dich so innig, so treueigen -
    Gott gebe, daß ein andrer dich so liebt!

    Alexander Puschkin
    Ah toll, das wollte ich auch reinstellen
    Wir tanzen mit Tarnkappen und wir geh'n trinken mit falschen Bärten.

    Ein Tag so wie Ferien
    oder besser wie sich Ferien in Tiefen der Erinnerung anfühl'n.

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