Licht aus, Spot an - Vom Casting ans Filmset

Katja leitet die Casting-Agentur "Castbar"
© Annkathrin Herbst

 
Interview mit der "Castbar"-Agentur-Chefin Katja

BRIGITTE Young Miss: In deine Agentur "Castbar" kommen Leute, die gern als Darsteller bei Film- und Fotoproduktionen mitmachen wollen. Wen nimmst du in deine Kartei auf?
Katja: Ich nehme fast jeden auf, völlig unabhängig von Alter oder Aussehen. In der Werbung werden schließlich alle gebraucht. Wichtig ist Ausstrahlung und ein bisschen Schauspieltalent.

BRIGITTE Young Miss: Wie kann ich mich bei dir bewerben?
Katja: Entweder per Post oder per E-Mail. Dann bitte mit Foto und Steckbrief. Ganz wichtig ist, dass die Telefonnummer dabei steht. Wenn ich tolle Fotos im Briefkasten habe, aber keine Möglichkeit, den Absender zu kontaktieren, ist das natürlich ungünstig.

BRIGITTE Young Miss: Wie sollten denn gute Bewerbungsfotos aussehen?
Katja: Die Bewerbungsfotos müssen nicht von einem professionellen Fotografen gemacht worden sein. Sie sollen nur einen ersten Eindruck vermitteln. Wichtig ist, dass sie unterschiedliche Gesichtsausdrücke zeigen und ein Profilfoto und ein Ganzkörperfoto sollten auch dabei sein. Manche Frauen schicken uns auch Unterwäschefotos. So etwas brauchen wir nicht!



BRIGITTE Young Miss: Und was passiert, wenn dir die Bewerbungsfotos gefallen?
Katja: Dann lade ich sie zu mir ein. Mir ist wichtig, die Bewerber persönlich kennen zu lernen. Nur so kann ich entscheiden, für welchen Job sie sich eignen. Dann ist noch ein bisschen Papierkram zu erledigen und danach gehts ab ins Foto-Studio, um Fotos für die Setcard zu machen. So kann ich dann auch gleich feststellen, wie fotogen der Bewerber ist. Denn es kann schon mal vorkommen, dass die eingeschickten Fotos richtig gut waren, dass aber der Bewerber vor der Casting-Kamera plötzlich verkrampft. Dann ist er für Film- und Fotoproduktionen nicht so geeignet.



 

Im Foto-Studio über den Büroräumen macht Katja die Fotos für die Setcards
© Annkathrin Herbst

BRIGITTE Young Miss: Kostet es etwas, in deine Kartei aufgenommen zu werden?
Katja: Nein, das kostet keinen Cent. Jede Casting-Agentur, die dafür Geld verlangt, ist unseriös.

BRIGITTE Young Miss: Was muss ein Darsteller noch beachten?
Katja: Auf jeden Fall muss er spontan sein. Wenn ich anrufe und sage "übermorgen ist ein Casting", sollte er flexibel genug sein, den Termin wahr zu nehmen. Außerdem sollte er offen, sympathisch und unkompliziert sein. Ich kann niemanden weitervermitteln, der am Set rum zickt. Wer von sich selbst sagt, dass er schüchtern sei, ist in diesem Job auch nicht gut aufgehoben.

BRIGITTE Young Miss: Welche Aufträge vermittelst du?
Katja: Alles rund um die Werbung. Von Werbespot bis zur Printkampagne.

BRIGITTE Young Miss: Ihr macht Foto- und Videocastings?
Katja: Genau. Wenn ein Kunde für eine Printwerbung anruft, caste ich natürlich auf Fotogenität, bei einem Kunden für einen Werbespot auf Telegenität.

 

Katja nimmt Anfragen von Fotografen und Produktionsfirmen entgegen und castet Darsteller nach deren Wünschen
© Annkathrin Herbst

BRIGITTE Young Miss: Gibt es im Moment einen bestimmten Typen, der besonders oft für Werbezwecke gebucht wird?
Katja: Im Moment besteht eine recht große Nachfrage nach Frauen und Männern zwischen 30 und 40 Jahren.

BRIGITTE Young Miss: Gehst du auch selbst auf die Straße, um Darsteller zu finden?
Katja: Gelegentlich schon. Das ist zwar kein fester Bestandteil meiner Arbeit, aber wenn mir auf der Straße ein Gesicht auffällt oder ich denke, Mensch, der hätte gut in die letzte Kampagne gepasst, dann spreche ich ihn an und gebe ihm meine Karte.

BRIGITTE Young Miss: Was kann man denn bei einer Buchung so verdienen?
Katja: Das ist ganz unterschiedlich. Das fängt bei 100 Euro für ein nicht so bekanntes Produkt mit einem Arbeitseinsatz von zwei, drei Stunden an und kann in die Zehntausende gehen. In der Werbung wird nämlich neben der Grundgage noch für die so genannten Buy-Outs gezahlt. Das heißt, jedes Mal, wenn die Werbung geschaltet wird, gibt es dafür Geld. Diese nachträglichen Zahlungen können sich bis zu ein paar Jahren hinziehen.

BRIGITTE Young Miss: Kann man allein von Aufträgen der Casting-Agenturen leben?
Katja: Nach großen Aufträgen kannst du von der Gage schon ein paar Monate leben. Die meisten machen das aber eher als Hobby zwischendurch, neben einem festen Job. Schließlich weißt du nie, wann du das nächste Mal gebucht wirst.

 
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