Fit für den Job: Karrieretipps für Frauen
Lisa könnte heulen vor Wut. Zum vierten Mal in Folge kommt sie diese Woche erst nach 20 Uhr von der Arbeit nach Hause. Ihr Chef hatte ihr um 18 Uhr mit der ebenso kurzen wie paradoxen Aufforderung "Möglichst bis gestern erledigen!" eine Aufgabe aufs Auge gedrückt, die in keinster Weise ihrer Qualifikation gerecht wurde. Um es drastischer zu formulieren: Auch eine Person mit einem IQ knapp unterhalb der Raumtemperatur hätte diese Herausforderung mit Bravour gemeistert: Sie sollte eine interne Datenbank anlegen und diese anhand von Copy/Paste fröhlich mit Leben füllen. An sich natürlich kein Problem: Lisa weiß, dass auch solche Aufgaben zum Berufsalltag gehören und den mühsamen Aufstieg auf der Karriereleiter pflastern.
Aber komischerweise wird ihr Kollege Klaus-Dieter nie mit solchen Aufgaben belästigt. Klaus-Dieter verweist nämlich stets mit großer Geste und kleinem Zeitbudget auf seine weitaus wichtigeren Projekte, die "steil durchs Dach" gehen werden. Dass Lisa auch wichtigere Projekte von eben dieser Sorte in der Hinterhand hat, sagt sie nicht. Schließlich will sie ihren Chef nicht verärgern. Vielleicht, so denkt sie sich, zahlen sich Ausdauer und Fleiß ja auch irgendwann aus. Ganz bestimmt sogar. Drei Monate später wird Klaus-Dieter direkt mit seinen Projekten durchs Dach katapultiert - und befördert, während Lisa und ihre Datenbanken mittlerweile per du sind...
"Frauen neigen viel eher als Männer dazu, Aufgaben zu übernehmen, die erledigt werden müssen, aber kein Prestige haben. Männer hingegen haben einen ausgesucht guten Instinkt für prestigeträchtigere Arbeit und dafür, andere Aufgaben zu vermeiden", weiß Marion Knaths. Die 39-Jährige ist Inhaberin der Hamburger Coaching-Agentur >> sheboss. Und professionelle Unterstützung haben Frauen im Job auch dringend nötig, denn noch immer sind es die Männer, die in den meisten deutschen Großunternehmen, die Zügel in der Hand halten. Und das, obwohl Frauen meistens eine Top-Ausbildung mit besseren Noten als ihre männlichen Mitstreiter haben, multitaskingfähig sind und gut zuhören können.
Trotzdem entscheiden sich viele Personaler bei Neueinstellungen oder Beförderungen häufiger für einen Mann. Grund: Die Frau will ja vermutlich noch Kinder bekommen und würde dann auf unbestimmte Zeit ausfallen.
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