Ist doch gleich erledigt
Es war nicht einfach, mein Bücherregal neu zu ordnen. Es wäre eigentlich auch nicht nötig gewesen. Aber jetzt stehen die knapp 200 Bände da, sortiert nach Genres und Autoren, Taschenbücher getrennt von Hardcovern. Ich setze mich wieder an den Computer, um meine Bewerbung für ein Stipendium zu schreiben: ein halbes Jahr Finnland, ein halbes Jahr Helsinki, Seen und Elche. Doch dann entdecke ich einen Fettfleck auf meinem Monitor - und als ich den entfernt habe, merke ich, dass meine Kaffeetasse leer ist. Ohne Koffein kann ich mich nicht konzentrieren. Also ab in die Küche, die Maschine anstellen! Heute ist kein guter Tag für eine Bewerbung.
Leider war auch gestern kein guter Tag, und die Wochen davor lief es ebenfalls mies. Wenn es so weitergeht, werden die Elche ohne mich klarkommen müssen. In vier Tagen ist Einsendeschluss und ich trödele, als hätte ich noch Monate dafür Zeit. So wie damals vor dem Abi: Da konnte ich auch ewig putzen, Freundinnen beraten und meinem Kaktus beim Wachsen zusehen. Nur eines schaffte ich lang nicht: mit dem Lernen anfangen.
Wie mir geht es vielen. Untersuchungen haben gezeigt, dass 70 Prozent aller Studenten öfter mal etwas aufschieben, bei einem Viertel ist die Angewohnheit sogar chronisch. Ob ich auch so ein Härtefall bin? Ich knete den kleinen Stoff-Elch, den ich mir zur Motivation gekauft habe; versuche mich mit Ausreden zu beruhigen: Immerhin ist das Bücherregal nun geordnet. Außerdem brauche ich eben Druck, um in Hochform zu kommen. Und das Ding ist ja schnell fertig, wenn ich erst mal anfange. "Logisch", scheint der Gesichtsausdruck des Stoff-Elchs zu sagen: "Die verlangen ja auch nur ein dreiseitiges Motivationsschreiben auf Englisch."
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | weiter |


Frisuren
