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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anwalt: Beratungshilfeschein



teekanne
15.01.2009, 10:18
Kennt sich vielleicht hier jemand ein bisschen mit Anwälten aus/ist selber Jurist?

Als ich 18 war (vor viereinhalb Jahren), musste ich mich entscheiden, ob ich meinen Vater weiter auf Unterhalt verklage (vorher war das ja Sache meiner Mutter). Erst habe ich unterschrieben, habe mich aber dann doch gegen eine Klage entschieden und dies der Anwältin auch mitgeteilt.

Jetzt habe ich auf einmal ein Schreiben bekommen, ich solle ihr einen Beratungshilfeschein zuschicken, ansonsten müsste sie mir über die Kosten eine Rechnung erstellen und hat mich nochmal gefragt, ob ich doch klagen möchte.

Da bis auf einmaligen Briefverkehr damals nichts passierte (und ich somit dachte, keine weiteren Leistungen beansprucht zu haben), habe ich überhaupt nicht mehr mit Post/Forderungen gerechnet .

Kurz: ich habe damals keinen Beratungshilfeantrag gestellt und somit auch keinen Schein.
Bin jetzt ziemlich verunsichert, was könnte denn im schlimmsten Fall auf mich zukommen?

freefish
15.01.2009, 10:22
Wie lange ist es her, daß Du Dich gegen eine Klage entschieden und dies der Anwältin mitgeteilt hast?

freefish
15.01.2009, 10:27
(ich weiß, daß da etwas von viereinhalb Jahren steht, aber mich würde interessieren, in welchem Jahr Du den letzten Kontakt mit der Anwältin gehabt hast)

Bei mir wollte eine Anwältin nämlich mal das gleiche, dummerweise war der Anspruch inzwischen verjährt. :engel:

teekanne
16.01.2009, 10:16
Hmm, ich schätze das könnte 2004 gewesen sein. Also ich muss zugeben, dass ich glaub' ich einfach gar nicht mehr reagiert habe. Sie hatte mich nach der ersten Unterschrift nochmal angeschrieben und wollte irgendwas wissen und ich hab einfach nicht geantwortet und dachte, das verläuft dann im Sande. (War doof, ich weiß.) Hab auch leider kein altes Schreiben mehr von ihr. :/
Ich hab jetzt mal gegoogelt und da stand, das man ziemlich viel Nachweise braucht um den Antrag auf Beratungshilfe zu stellen, die Anwältin hat mir aber als Frist den 26.01. gesetzt, hoffe ich krieg das bis dahin noch hin.

freefish
16.01.2009, 10:39
hm, bei mir war die Sache damals klarer, das war einfach viel zu lange beendet und vorbei.

Wenn ich mich recht erinnere, müßte die Verjährungsfrist 3 Jahre zum 31.12. betragen. Von 2004 aus gerechnet wäre das dann wohl Verjährung zum 31.12.2008.

Ich habe mich damals beraten lassen, und es hieß, daß die Verjährung ab dem Zeitpunkt zu laufen beginnt, ab dem der Anwalt die Rechnung stellen könnte. Aber wenn das bei Dir gar nicht so ganz klar ist, solltest Du Dich wohl mal rechtlich beraten lassen. Es gibt in den meisten Städten so eine kommunale Rechtsberatung, in der zB Studenten für ungefähr 10 Euro eine Rechtsberatung bekommen können. Da könntest ja mal hingehen.

Bei mir war das jedenfalls auch so, daß ich keinen Beratungshilfeschein eingereicht habe und stattdessen der Anwältin mitteilte, daß ich gerne eine Rechnung möchte. Die Rechnung kam dann Jahre später.... und betrug 170 Euro für eine Erstberatung. Über den Beratungshilfeschein hätte sie glaube ich 50 oder 100 Euro bekommen, und einen Betrag in der Größenordnung wäre ich auch bereit gewesen zu bezahlen für das 10minütige Gespräch, das ich mit ihr hatte. Aber die 170 Euro fand ich sehr dreist. Es standen auch Sachen drauf, die sie gar nicht gemacht hatte. Außerdem war die Rechnung gleich mit einem Anschreiben mit Drohungen versehen, in der sie es so darstellte, als hätte ich es jahrelang vergessen, zu bezahlen, dabei hatte sie offensichtlich eine chaotische Buchführung und deshalb ganz vergessen, eine Rechnung zu schicken. Angesichts des Tons und der Umstände in Kombination mit der Tatsache, daß ich mir von ihr sowieso nicht gut beraten vorgekommen war, habe ich mir dann gedacht "Leck mich am Arsch" und das in höflicheren Worten ihrer Sekretärin mitgeteilt.

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Anwältin anzurufen und mal zu fragen, was sie sich an Geld so vorstellt. Blöd ist halt, daß Du selbst nichts mehr hast, woran Du sehen könntest, wann Du den letzten Kontakt hattest. Einfach nicht mehr antworten und denken, das verläuft sich im Sande, ist von Dir natürlich auch nicht gerade der feine Zug.

Ich glaube, daß die vom Gericht Dich auslachen werden, wenn Du einen Beratungshilfeschein für 2004 willst. Du kannst die Anwältin ja mal fragen, wie sie sich das vorstellt.

freefish
16.01.2009, 10:50
Hier (http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2008/2008_334/02.html) steht, daß ein Anwalt für den Beratungshilfeschein zur Zeit 70 Euro bekommt. Wenn das stimmt und Du Dir eine Bezahlung in der Größenordnung vorstellen könntest, wäre es vielleicht wirklich das einfachste, mit der Anwältin zu reden und etwas in der Größenordnung anzupeilen.

freefish
16.01.2009, 10:53
Steht eigentlich in dem Brief von dem Anwalt überhaupt nichts davon, um welchen Zeitraum es geht, sprich, wann die Beratung stattgefunden haben soll? Das fände ich auch ganz schön merkwürdig. :D

teekanne
16.01.2009, 12:55
Danke, dass Du so ausführlich geantwortet hast!
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals ein "Beratungsgespräch" erfolgt ist, soweit ich weiß, hat mir meine Mutter damals einfach ein Blatt zum Unterschreiben vorgelegt und das war's.

Ich hab wirklich nix mehr, hab gerade nochmal meine Ordner durchsucht.
In Ihrem Schreiben steht einfach nur:

A/B
Volljährigenunterhalt

"Sehr geehrte Frau A,
in vorbezeichneter Angelegenheit liegt mir noch immer kein Beratungshilfeschein vor.
Sollte ich bis zum 26.01.2009 keine Beratungshilfeschein von Ihnen hier vorzuliegen haben, werde ich Ihnen ggü. Rechnung stellen.
Soll in Ihrer Unterhaltssache Weiteres veranlasst werden?"

Den letzten Satz verstehe ich nicht so recht, da für mich geklärt war, dass die Sache von meiner Seite fallengelassen wird und "Weiteres" klingt jetzt so, als hätte sie sich in den letzten Jahren da noch mit beschäftigt.

Ich dachte erst, man muss den Antrag auf Beratungshilfe selbst stellen, aber da kommt ja auch vom Anwalt die Unterschrift und der Stempel drauf.
Ich wollte jetzt einfach den Schein ausfüllen und meine Einkommensnachweise beilegen und ihr das dann zuschicken? Sozusagen ein bisschen doof stellen. Oder meinst Du, das ist keine gute Idee? Ich kann mich eben nicht dran erinnern, dass sie mir damals, als sie mich kontaktierte, irgendwas von Beratungshilfe geschrieben hat, deswegen kommt mir das merkwürdig vor.

teekanne
16.01.2009, 12:58
Ich möchte die Anwältin ungern anrufen, da ich wie gesagt gar keine Unterlagen zur Sache habe und mich auch nicht auskenne, da kann sie mir ja viel erzählen. Und außerdem kann ich die Frau sowas von gar nicht ausstehen (kenn sie noch von meiner Mutter), da wird es mir schwerfallen freundlich zu sein.

freefish
16.01.2009, 14:31
Ich würde keinen Schein ausfüllen und Einkommensnachweis beiliegen. Das klingt ja schon nach Anerkennung der Tatsache, daß eine Forderung gegen Dich besteht, ohne daß Du überhaupt weißt, was sie eigentlich will. Wenn dann die Sache mit dem Beratungshilfeschein schiefgeht, bist Du dann möglicherweise die Dumme, die dann bezahlen soll. Das ist aber nur meine private Meinung, keine rechtliche Einschätzung. Und zu rechtlicher Einschätzung (wie gesagt, zB kommunale Rechtsberatung) würde ich Dir in dem Fall schon raten, da Du vermutlich auch gute Chancen hast, daß ihre Ansprüche sowieso verjährt sind. Wobei man aber eben schon auch berücksichtigen muß, daß Du keinerlei Unterlagen mehr hast. Hast Du denn nicht mal mehr den Brief auf dem PC, mit dem Du ihr damals mitgeteilt hast, daß sie nichts mehr unternehmen soll?

Für mich, und auch das ist nur meine Meinung und keine rechtliche Einschätzung, klingt der von Dir zitierte Brief nach typischer Schaumschlägerei. Strategisch reinschreiben "Soll ich weiteres unternehmen?", um den Eindruck zu erwecken, sie hätte nach wie vor ein Mandat. Das weiß sie doch genau, daß Du nicht nach Jahren, in denen kein Kontakt zu ihr bestand, jetzt nicht noch "weiteres unternehmen" willst. Das klingt für mich nach einer vorsorglichen Formel, die unter Umständen sogar kaschieren soll, daß sie evtl. genau weiß, daß sie keine Ansprüche mehr hat.

In dem Schreiben an mich damals stand auch drin, daß ich "immer noch" keinen Beratungshilfeschein eingereicht hätte und sie deshalb um Bezahlung der Rechnung bittet, und ich kann mich jetzt nicht mehr genau erinnern, aber der Wortlaut war jedenfalls auch so abgefaßt, als hätte sie sich die letzten 4 Jahre, in denen wir keinen Kontakt hatten, Tag und Nacht mit meinem rechtlichen Problem beschäftigt. Und irgendwo stand auch das Wort "endlich" drin, aber nicht in dem Sinne, daß sie "endlich" eine Rechnung schickt, sondern daß es nun Zeit wird, daß sie auch "endlich" mal Geld sieht für ihre Leistung. So als wäre ich Schuld daran. Ich glaube, bei mir stand damals sogar auch eine Frage an mich drin, so, als wäre etwas noch offen und nicht geklärt. Einfach nur ein unverschämtes Schreiben, das mich einschüchtern sollte und überdecken sollte, daß sie eigentlich gar keinen Anspruch mehr auf Bezahlung gegen mich hat und daß es ihr eigentlich peinlich sein müßte, mir erst nach Jahren eine Rechnung zu schicken. Zum Glück war bei mir die rechtliche Lage damals halt wirklich eindeutig, weil ich das Schreiben, in dem ich um eine Rechnungsstellung bat und das Mandat für beendet erklärte, damals auf dem Weg zur Uni mit einer Bekannten zusammen persönlich ihrer Sekretärin übergeben hatte. Ich hatte also (zufällig!) sogar eine Zeugin, mit der ich mich auch über die Sache und den Inhalt des Briefes unterhalten hatte und die sich auch noch daran erinnern konnte, weil es für sie ungewöhnlich war, in eine Rechtsanwaltskanzlei zu gehen.

Bei mir ging die Dreistigkeit noch eine Stufe weiter: Nach Ablauf der von ihr gesetzten Zahlungsfrist kam vom Gericht ein von ihr beantragter Mahnbescheid. Obwohl sie ja wußte, daß ich schon gesagt hatte, ich werde nach so langer Zeit nicht mehr bezahlen. Also Mahnbescheid als weiterer Bluff, weil sie vermutlich dachte, das würde mich einschüchtern. Funktioniert ja auch häufig, daß Leute dann einfach zahlen, wenn sie Post vom Gericht bekommen. Ich habe dem Mahnbescheid widersprochen.

Darauf hat sie mich dann angerufen und mir gedroht, daß sie mich verklagt, wenn ich nicht bezahle. Sie erwähnte auch so böse Dinge wie Probleme mit der Schufa und ernste Folgen usw. Sie wußte genau, daß sie im Unrecht ist, und hat es einfach mal versucht, ob sie trotzdem damit durchkommt. Darauf sind Rechtsanwälte vermutlich trainiert. Nach dem Telefonat habe ich jedenfalls nie wieder etwas von ihr gehört, und natürlich hat sie mich auch nicht verklagt. Ich sagte ihr, daß mir bewußt ist, daß ihre Forderung verjährt ist, und daß ich sogar trotz der Verjährung ohne weiteres bereit gewesen wäre, 50 oder 70 Euro einfach aus Nettigkeit zu bezahlen, weil sie mich ja tatsächlich beraten hatte, wenn sie mir einen netten Brief und eine Rechnung geschickt hätte. Da aber ihre erste Rechnung, die nach Jahren (!) eintrudelte, Posten, die nie entstanden waren, enthielt, Drohungen, eine Falschdarstellung und eine zweiwöchige Zahlungsfrist enthielt, sähe ich keinen Anlaß mehr für Nettigkeit und würde auch nicht bezahlen. Die wurde da sehr wütend am Telefon und legte schließlich mit der Ankündigung, daß wir uns vor Gericht wiedersehen würden, auf, aber wie gesagt habe ich nie wieder etwas von der Sache gehört.

Also wenn Du sie eh nicht leiden kannst, dann laß dich doch wirklich mal bei der kommunalen Beratungsstelle für 10 Euro beraten, wie Deine Chancen so stehen, aus der Sache komplett rauszukommen.

teekanne
16.01.2009, 14:36
Das Schreiben klingt schon ein bisschen danach, wie Du es geschildert hast!
Danke für den Tipp mit der Rechtsberatungsstelle, ich werd einfach mal an der Uni nachfragen, da gibt's die ja auch für Studenten.
Du hast mir auf jeden Fall sehr weitergeholfen.

:rose:

freefish
16.01.2009, 14:42
Viel Glück. Auf der Sache, die Du damals unterschrieben hast, wird ja hoffentlich ein Datum draufstehen. Und das ist ja anscheinend das einzige, was sie von Dir hat.