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sparklehorse
16.03.2009, 11:07
genauer: "krebsforschung"

liege ich damit richtig, dass das nicht unbedingt ne gute idee ist und ein studium in richtung biologie sinnvoller wäre? biomedizin oder irgendein life science-modestudiengang?

ich hab ja nie medizin studiert, aber das, was ich so von freunden mitbekomme ist, dass vieles doch eher an der oberfläche bleibt. und das stell ich mir nicht grade optimal vor, wenn man später forschen möchte.
mal abgesehen davon, dass das studium eben auch so lange dauert und man dann wahnsinnig viel zeug lernt, was man überhaupt nicht braucht.

freefish
16.03.2009, 12:42
Mediziner werden nicht zu Wissenschaftlern ausgebildet, heute (neue Approbationsordnung) noch viel weniger als früher schon (alte Approbationsordnung).

Daß man als Mediziner vom naturwissenschaftlichen Wissen her in jeder Hinsicht an der Oberfläche bleibt, finde ich keinen Grund, der dagegen sprechen würde, später in die Forschung zu gehen. Das Spezialwissen, das mit einem späteren Forschungsgebiet zu tun hat, hat auch mit keinem anderen Studium etwas zu tun.

Jedoch ist es für eine Forschungskarriere und für die Beurteilung der eigenen Eignung und des eigenen Interesses dafür sicherlich nützlich, wissenschaftlich zu arbeiten. Dieses Sich-Durchbeißen, Experimente machen, die Ordnung im Chaos zusammenhalten, Wege finden.

Studiengänge wie Biologie, die eine experimentellere Ausrichtung haben als das Medizin-Studium, haben auch den Vorzug, daß man dabei "nebenbei" einige Labortechniken erlernt. Laborarbeit, Laborprobleme, handwerkliche Techniken. Ich habe in meinem gesamten Medizin-Studium vielleicht 20mal eine Pipette in der Hand gehabt.

Man kann neben/nach dem Medizin-Studium, das aus meiner Sicht schon stressig genug ist, natürlich auch noch eine komplexe experimentelle Doktorarbeit angehen. Wenn das gutgeht, lernt man dabei auch einiges, kann am Ende etwas hochklassig veröffentlichen und hat dann sicherlich auch gute Möglichkeiten, in die Forschung zu gehen. Zu beachten ist aber, daß das eine Menge *zusätzliche* Arbeit ist und man das alles mit Sicherheit nicht in Regelstudienzeit gebacken bekommt, sondern selbst bei ansonsten optimalem Studienverlauf noch 1 bis mehrere Jahre dranhängen muß (einzelne Ausnahmen = Genies mag es geben). Ich halte diesen Weg auch für ein größeres Risiko als ein Biologie-Studium, in dem man immerhin über die Praktika im Studium schon vorweisbare Erfahrung sammelt, während die experimentelle Doktorarbeit des Medizin-Studenten auch ohne weiteres in die Hose gehen kann und er dann trotz 1-2 investierten Jahren mit ganz leeren Händen - was Forschung betrifft - dasteht. Ich kenne mehrere, denen es so gegangen ist. Wissenschaftliche Arbeit ist einfach nicht ins Studium eingebunden, so wie in anderen Studiengängen.

Nicht aus dem Blick verlieren sollte man auch den enormen Overhead, den das Medizin-Studium mit sich bringt. Man wird zum Arzt ausgebildet, und das nicht mal besonders schlecht. Ich sehe das gerade sehr deutlich bei mir selbst: Den mit Abstand größten Aufwand meines Studiums haben Dinge ausgemacht, die für den Arztberuf sind, die für andere Berufe aber nichts bringen. Diese Tendenz hat sich in den letzten Jahren gegenüber früher nochmal deutlich verschärft und wird sicher in diese Richtung weitergehen. Das Medizin-Studium ist weniger ein wissenschaftliches Studium als eine Ausbildung zum Arzt.

Bei uns erzählt man, daß für Forschung ein Bio-Studium ganz günstig sei, aber inwieweit das stimmt, weiß ich nicht. Es heißt, daß Ärzte nur dann eingestellt würden, wenn man niemand anderen bekommt, oder wenn sie eben besonders gut *neben dem Medizin-Studium* qualifiziert sind (hochklassige Veröffentlichungen). Manche Firmen brauchen Ärzte, weil bei Probanden-Betreuung immer mit einem Arzt erfolgen muß, aber auch die arbeiten dann eher weniger wissenschaftlich.

Man kann natürlich hoffen, daß einem im Medizin-Studium klar wird, daß man eh keine Lust auf Forschung hat, und man dann glücklich ist, nach dem Studium als Arzt arbeiten zu können. :D

sparklehorse
16.03.2009, 13:05
hmm, das geht auf jeden fall in die richtung, was ich dachte.

haben mediziner so wenig laborpraktika? ich hab in meinem studium 2 praktika absolviert, die auch die mediziner bei uns so machen (und mich beim einen gewundert, wie sehr man da an die hand genommen wurde..)

es heißt ja allerdings auch, dass beim biostudium die berufsaussichten alles andere als gut sind. hm. und als mediziner könnte man dann ja notfalls auch irgendwo als arzt unterkommen.

°sandra
16.03.2009, 14:34
Ich studiere so nen Life Science Modestudiengang :D Molekulare Biotechnologie als Bachelor und jetzt Applied Biotechnology als Master. Ich werd meine Master-Arbeit in der Krebsforschung machen und viele andere die ich kenne, die das in Heidelberg studiert haben, arbeiten dort am deutschen Krebsforschungszentrum. Also mit so nem Studiengang liegst du auf alle Fälle richtig, falls dir das weiter hilft.

sparklehorse
16.03.2009, 14:48
das hilft tatsächlich weiter :)

wo studierst du denn? auch in hd?
dkfz wäre sicher eine sehr interessante option.

asterias
16.03.2009, 15:03
oder man versucht für die promotion in eine graduiertenschule oder ein graduiertenkolleg zu kommen, die was mit krebs (-forschung) zu tun haben. soweit ich weiß, nehmen die auch mediziner (also bei uns zumindest).

edit: also für eine "naturwissenschaftliche" promotion (3 jahre), nicht für eine medizinische.

°sandra
16.03.2009, 15:11
Ich hab meinen Bachelor an der TU München gemacht, jetzt bin ich in Schweden in Uppsala, möchte aber, wenn ich meinen Master hier fertig hab, nach HD.
In HD gibt es seit letztem Jahr (soweit ich weiß) den Master "Molecular Biosciences", bei dem man dann die Spezialisierung "Cancer Biology" wählen kann. Dafür brauchst du einen "6-semestrigen Bachelor mit biowissenschaftlichem Fokus".
Ich denke aber, dass du nicht unbedingt so nen Modestudiengang machen musst (falls du das nicht willst). Soweit ich weiß haben die "normalen" Biologen sowohl in München als auch in Uppsala die gleiche Möglichkeit, relevante Kurse zur Krebsforschung zu belegen. Und ich denke an den Forschungsinstituten sind auch die meisten Biologen, diese neuen Studiengänge gibts ja auch noch nicht so lange.

sparklehorse
16.03.2009, 15:11
naja, aber dann wäre das medizinstudium ja auch nicht der beste weg, dorthin zu kommen, das ginge ja sicher auch schneller..also das studium, nicht die promotion.

sparklehorse
16.03.2009, 15:12
oh, dieser master in heidelberg ist ein super tip, danke!

°sandra
16.03.2009, 15:14
oder man versucht für die promotion in eine graduiertenschule oder ein graduiertenkolleg zu kommen, die was mit krebs (-forschung) zu tun haben. soweit ich weiß, nehmen die auch mediziner (also bei uns zumindest).

edit: also für eine "naturwissenschaftliche" promotion (3 jahre), nicht für eine medizinische.

So etwas gibt es z.B. auch am DKFZ, nennt sich "Helmholtz International Graduate School for Cancer Research".

°sandra
16.03.2009, 15:15
oh, dieser master in heidelberg ist ein super tip, danke!

Bitte! ;) Soweit ich weiß, ist es aber leider auch ziemlich schwer da rein zu kommen....

sparklehorse
16.03.2009, 15:16
darüber mach ich mir keine sorgen ;)
also es geht nicht um mich, aber um jemanden, der sehr schlau ist. :P

asterias
16.03.2009, 15:16
naja, aber dann wäre das medizinstudium ja auch nicht der beste weg, dorthin zu kommen, das ginge ja sicher auch schneller..also das studium, nicht die promotion.

klar ginge das schneller. ich dachte daran, wenn man mit dem medizinstudium schon (fast) fertig ist und es sich nicht mehr so recht lohnen würde, noch mal ein neues studium anzufangen. da könnte so man so halt noch gut in die forschung reinrutschen.

ich hab grad in dem andern thread gelesen, dass du pharmazie studierst? überlegst du zu wechseln?

asterias
16.03.2009, 15:17
ah schon gut, vergiss die frage. ;)

°sandra
16.03.2009, 15:19
darüber mach ich mir keine sorgen ;)
also es geht nicht um mich, aber um jemanden, der sehr schlau ist. :P

Achso, na dann :D
Studiert derjenige denn Medizin oder möchte er gerade anfangen?

sparklehorse
16.03.2009, 15:20
nee, es ginge eben um jemanden, der noch gar nicht angefangen hat mit dem studium, insofern wäre es ja doof, was umständlicheres zu machen, wenn man auch einfacher dorthin kommt, hm.

°sandra
16.03.2009, 15:23
Das stimmt.
Also wie gesagt, ich denke wenn er Biologie oder nen Life Science Studiengang macht hat er gute Chancen.

asterias
16.03.2009, 15:24
da fällt mir ein, die tochter von bekannten von meinen eltern hat medizin studiert, eine "normale" medizinische doktorarbeit geschrieben und ist laut meinen eltern jetzt an einer uniklinik "in der krebsforschung". das können meine eltern aber auch einfach falsch verstanden haben ;) aber wenn du magst, kann ich da noch mal nachhaken, was das genau heißt, wie ihre arbeit da aussieht und ob man da eher als mediziner oder naturwissenschaftler bessere berufsaussichten hat.

freefish
16.03.2009, 15:28
haben mediziner so wenig laborpraktika? ich hab in meinem studium 2 praktika absolviert, die auch die mediziner bei uns so machen (und mich beim einen gewundert, wie sehr man da an die hand genommen wurde..) Es gibt schon ein paar Laborpraktika, aber aus meiner Sicht waren zumindest diejenigen an meiner Uni nicht der Rede wert... also nicht in dem Sinne, daß man dabei etwas über Laborarbeit lernt. Ich habe ungefähr 1 Monat Laborpraktikum quasi zusätzlich zum Studium gemacht. Da habe ich zwar auch nicht so viel selbst gearbeitet, aber eben mal 1 Monat in verschiedenen Laboren rumgehangen, in denen ansonsten auch ein paar Biologen waren, und da wurde schon *sehr* deutlich, wie wenig das Studium (meins zumindest) damit zu tun hatte. Und dabei waren das auch Kliniklabore mit 90% Routinearbeit, also keine echten Forschungslabore.


es heißt ja allerdings auch, dass beim biostudium die berufsaussichten alles andere als gut sind. hm. und als mediziner könnte man dann ja notfalls auch irgendwo als arzt unterkommen. Über die Chancen nach dem Biostudium weiß ich so gut wie nichts. Was die Chancen im Arztberuf angeht... erstens muß einem das glaube ich liegen. Ich - und das ich sollte ich eigentlich fett schreiben, weil ich hier nur meinen Eindruck weitergebe: also - ich habe den Eindruck, daß man als Arzt fast nur (zufrieden) arbeiten kann, wenn man sein Leben dem Beruf verschreibt. Wenn man es ok findet, daß die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf verschwimmen. Früher dachte ich, daß man als Arzt dann lernen muß, Privatleben und Beruf zu trennen, aber inzwischen habe ich den Eindruck, daß das gar nicht geht. Mein Gefühl ist, daß alle, die es als Arzt länger als ein paar Jahre aushalten, auch in ihrer Freizeit in erster Linie Arzt sind. Diejenigen, bei denen es nicht so ist, sind höchst unglücklich. Ich glaube, daß "notfalls als Arzt unterkommen" nicht funktioniert.

Davon abgesehen rechne ich übrigens damit, daß die Arbeitsmarktsituation in Deutschland für Ärzte sich in den nächsten 3-6 Jahren deutlich verschlechtern wird. Einige von denen, die diesen derzeitigen unglaublichen Run auf Medizin-Studienplätze verursachen, haben vermutlich auch die Vorstellung im Hinterkopf, daß sie mit dem Studium einen "bombensicheren Job" und "Auswahl" bei der Arbeitsplatzwahl haben werden. Ich bin da nicht so sicher. Ab Herbst werden in Deutschland viele Leute arbeitslos werden, die Krankenkassenbeiträge müßten massiv steigen, das ist aber unmöglich. Ich rechne damit, daß in den nächsten 3-4 Jahren 20-30% der Arztstellen in Kliniken wegfallen werden. Durch Klinikschließungen oder Stellenabbau. Einige meiner Freunde haben ja schon angefangen zu arbeiten, und einige von denen haben auch jetzt schon gehört "ja, wir haben zwar 4 offene Stellen, aber die werden nicht besetzt, weil die Klinik sich nicht mehr Ärzte leisten kann". Welche Folgen das alles haben wird, kann ich nicht absehen, aber starke Veränderungen würden mich jedenfalls nicht überraschen.

Ich rate aber ja jedem vom Medizin-Studium ab, vielleicht bin ich auch nur so ein Schwarzseher oder so. *g

°sandra
16.03.2009, 15:36
Hm, es kommt ja drauf an was derjenige möchte oder wo er seine Vorlieben hat.
Möchte er gerne generell Medizin studieren, weil er sich einerseits vorstellen könnte auch als Arzt zu arbeiten und sich aber trotzdem offen halten möchte in die Krebsforschung zu gehn? Oder will derjenige definitiv nur Laborarbeit machen und eher weniger mit Patienten ect. zu tun haben?
Wenn er sich vorstellen kann, auch Arzt zu werden wenns mit der Krebsforschung nichts wird, dann wirds wohl eher Medizin werden. Wenn er aber nur Laborarbeit machen möchte und eine Möglichkeit davon eben Krebsforschung ist, dann würd ich zu Biologie/Biomedizin/Molekulare Biotechnologie raten.

Ophiogomphus
16.03.2009, 15:42
Also eine Freundin von mir hat Biologie studiert und im Hauptstudium dann mit dem Schwerpunkt Molekular-Biologie. Ihre Diplomarbeit hat sie in einem Institut für Rheumaforschung gemacht und jetzt macht sie in einer Arbeitsgruppe an einer Uniklinik ihren Doktor, damit verbunden musste sie noch bei einer Graduate School aufgenommen werden, um den naturwissenschaftlichen Doktor machen zu können. Die Bewerbung dafür war aber eher rein formell, da sie die Stelle in der Gruppe ja schon fest hatte.

°sandra
16.03.2009, 15:45
Also eine Freundin von mir hat Biologie studiert und im Hauptstudium dann mit dem Schwerpunkt Molekular-Biologie. Ihre Diplomarbeit hat sie in einem Institut für Rheumaforschung gemacht und jetzt macht sie in einer Arbeitsgruppe an einer Uniklinik ihren Doktor, damit verbunden musste sie noch bei einer Graduate School aufgenommen werden, um den naturwissenschaftlichen Doktor machen zu können. Die Bewerbung dafür war aber eher rein formell, da sie die Stelle in der Gruppe ja schon fest hatte.

Aber wenn sie Biologie studiert hat kann sie doch nur nen naturwissenschaftlichen Doktor machen und nichts anderes?

morning_sunshine
16.03.2009, 16:29
Aber wenn sie Biologie studiert hat kann sie doch nur nen naturwissenschaftlichen Doktor machen und nichts anderes?

so seh ich das aber auch... ich dachte es ginge nur so.

ich studiere auch bio und habe auch vor in die molekulare richtung zu gehen. ich bin noch diplom, und hab sehr schöne tolle medizinische, pharmakologische und molekulare haupt-und nebenfächer zur auswahl, die für mich hoffentlich irgendwann auch mal in der medizinischen forschung enden :-)

*Eve*
16.03.2009, 17:01
Molekulare Medizin (Diplomstudiengang) gäb´s auch noch... :)

Feli Filu
16.03.2009, 17:17
weiter -oft unterschätzte- möglichkeit: während des med-studiums schon in nem labor mitarbeiten und bissel Vit. B sammeln...
gibt genügend möglichkeiten bei entsprechendem interesse und engagement, aber ist halt ein zeitintensiver und mühsamer weg und auch nur was für leute, die halt wirklich wissen was sie später machen wollen.

sparklehorse
16.03.2009, 18:06
feli filu: aber das ist sicher nicht der einfachere weg und darum gehts mir ja.

fish: ich hab ja nun auch arztverwandtschaft und hab da nicht das gefühl, dass es ein problem ist, beruf und privates zu trennen. aber könnte natürlich auch daran liegen, dass ich (noch) keine assistenzärzte kenne, sondern eben dann leute, die schon ende 50 sind. und da ist der klinikalltag natürlich ein anderer.

Inaktiver User
17.03.2009, 08:56
Aber wenn sie Biologie studiert hat kann sie doch nur nen naturwissenschaftlichen Doktor machen und nichts anderes?

kann man nicht seinen Doktor in was ganz anderem machen als im Bereich vom Studienfach?

Also zumindest wurde behauptet (ich geh das jetzt nicht konkret nachfoschen), unser IT-Professor, der Mathe und Physik studiert hat, habe in Philosophie promoviert :suspekt:

°sandra
17.03.2009, 09:23
kann man nicht seinen Doktor in was ganz anderem machen als im Bereich vom Studienfach?

Also zumindest wurde behauptet (ich geh das jetzt nicht konkret nachfoschen), unser IT-Professor, der Mathe und Physik studiert hat, habe in Philosophie promoviert :suspekt:

Das kann natürlich sein, darüber hab ich keine Ahnung weil das für mich nicht in Frage kommen würde.

Was ich eigentlich mit dem Kommentar sagen wollte, war: wenn sie sowieso Biologie studiert hat, muss sie sich ja nicht extra irgendwo bewerben oder einschreiben (wie in dieser Graduate School), dass sie einen naturwissenschaftlichen Doktor anerkannt bekommt. Den müsste sie ja eigentlich sowieso anerkannt bekommen, da sie ja Biologie studiert hat und man damit normalerweise einen naturwissenschaftlichen Doktor macht. Hm, war das jetzt logisch?

sparklehorse
17.03.2009, 10:40
kann man nicht seinen Doktor in was ganz anderem machen als im Bereich vom Studienfach?

Also zumindest wurde behauptet (ich geh das jetzt nicht konkret nachfoschen), unser IT-Professor, der Mathe und Physik studiert hat, habe in Philosophie promoviert :suspekt:

klar kann man das machen, aber wenn einem die ganzen grundlagen fehlen, ist das ja nicht soo toll, find ich.

wobei philosophie-promotion noch was anderes ist als das ganze umgekehrt. vorlesungen in philosophie aus interesse hören geht eher, als bio-veranstaltungen belegen, weil da ja nunmal der praxisanteil viel höher ist.

asterias
17.03.2009, 11:29
vielleicht war's auch einfach nur eine verwechslung und der prof hat anstelle eines deutschen Dr. rer. nat. in einem englischsprachigen Land promoviert und da mit einem phD (http://de.wikipedia.org/wiki/Ph._D.) (deutsch: Philosophiae Doctor) abgeschlossen.

Majbritt
17.03.2009, 15:23
Mein Freund promoviert in England, in Naturwissenschaften, genauer möchte ich hier nicht werden, er hat jedenfalls Biologie studiert und sich in einen verwandten Bereich hochgearbeitet (dank seines Auslandsjahres im studium), wo er auch durchaus weiter in die Krebsforschung gehen kann. Jedenfalls heißt das, was er dort macht d-phil, was mich auch sehr verwundert hat, aber vermutlich ist das ein anderes System.

Aus "Zuschauersicht" hat er für mich die besseren Voraussetzungen als meine Medizinerfreunde - eine hat zwar eine experimentelle Doktorarbeit gemacht, aber nicht in 4 Jahren,sondern nebenbei: 2 Jahre Labor, dann ein Vierteljahr zusammengeschrieben. Und arbeitet jetzt doch normal als Assistenzärztin, weil sie meint, zu wenig gelernt zu haben und schon für die Doktorarbeit zu viel gemacht haben zu müssen, was sie im Studium nie gelernt hat, eben weil die Praktika in der Regel in Krankenhäusern stattfanden. Von daher hält sie sich selbst für unterqualifiziert, um in die Forschung gehen zu können.

KJHammer
17.03.2009, 19:47
Ich finde der Begriff "Krebsforschung" hat immer irgendwie was von Altruismus. Wichtiger ist es wohl rauszufinden ob einen Grundlagenforschung jeglicher Art liegt, also zeitintensives schlechtbezahlten Malochen im Labor mit ungewissem Erfolg. :D
Wenn ich in die Forschung wollte und von dem Studium stände würde ich wohl Biochemie oder Bioinformatik oder auch sowas wie mol. Medizin machen.

asterias
17.03.2009, 19:59
Wichtiger ist es wohl rauszufinden ob einen Grundlagenforschung jeglicher Art liegt, also zeitintensives schlechtbezahlten Malochen im Labor mit ungewissem Erfolg. :D

haha ja :/ und ob man scharf darauf ist, von befristeter stelle zu befristeter stelle zu wechseln oder ununterbrochen anträge stellen zu müssen um sich den lebensunterhalt zu sichern. mit 35, 40 immer noch im ungewissen sein, ob man eine familie auf dauer ernähren kann oder ob man im nächsten jahr arbeitslos ist. oder man setzt auf die karte, möglichst früh möglichst viel möglichst hoch zu publizieren, zu habilitieren und auf eine professorenstelle berufen zu werden. :rotwein:

sparklehorse
17.03.2009, 20:00
ach, dafür ist er sicher idealistisch genug. noch. :D

Delphi
18.03.2009, 18:39
Wie wäre es denn mit dem Studiengang "Medizinische Biologie"? Ist für die spätere Forschungsarbeit eigentlich die optimale Kombination. Man hat die ganzen Laborpraktika der Biologen und gleichzeitig aber auch einige wichtige Mediziner-Vorlesungen. Und wenn man merkt, dass die Forschung doch nix für einen ist, dann kann man immer noch zu Medizin wechseln und Arzt werden.

air.sur.terre
18.03.2009, 21:33
Wie wäre es denn mit dem Studiengang "Medizinische Biologie"? Ist für die spätere Forschungsarbeit eigentlich die optimale Kombination. Man hat die ganzen Laborpraktika der Biologen und gleichzeitig aber auch einige wichtige Mediziner-Vorlesungen. Und wenn man merkt, dass die Forschung doch nix für einen ist, dann kann man immer noch zu Medizin wechseln und Arzt werden.

wo gibts den studiengang denn?

Ophiogomphus
21.03.2009, 11:27
Aber wenn sie Biologie studiert hat kann sie doch nur nen naturwissenschaftlichen Doktor machen und nichts anderes?
Keine Ahnung, ob man mit Bio auch einen med. Doktor machen kann (ich denke nicht, oder?), dass wollte sie aber auch gar nicht. Ich habe mich einfach unglücklich ausgedrückt. Sie hat sich ja um die Stelle an der Uniklinik als Doktorandin für einen naturw.Dr. beworben. Die Sache ist halt nur, dass sie dafür dann auch die entsprechenden Profs braucht, die ihr die Arbeit bewerten und wo sie zusätzlich betreut wird, daher die graduate school. Wäre sie dort nicht angenommen worden, hätte sie auch die Stelle an der Uniklinik aufgeben müssen.

rhabarber*
21.03.2009, 11:40
kann man nicht ohnehin immer auch in vollkommen fachfremden bereichen promovieren? ich erinnere mich an eine diplom chemikerin, die an meiner vorherigen uni am lehrstuhl für germanistik promoviert hat.

und kurz zur ausgangsfrage: ich vermute mal, dass ein medizinstudium eher eine art queereinstieg in den bereich der medizinischen forschung ist und dass der üblichere weg ein "life science" studium ist.

und ja, findet ihr, krebsforschung klingt altruistisch?

Inaktiver User
21.03.2009, 11:50
kann man nicht ohnehin immer auch in vollkommen fachfremden bereichen promovieren? ich erinnere mich an eine diplom chemikerin, die an meiner vorherigen uni am lehrstuhl für germanistik promoviert hat.

soweit ich weiß, entscheidet über sowas der jeweils zuständige promotionsausschuss. ungewöhnlich ist es schon, und die regel ist es nicht, aber wenn der wunsch, fachfremd zu promovieren, wirklich gut begründet werden kann, dann wird dem unter umständen stattgegeben. aber das konzept muss dann wohl auch überzeugend sein.

freefish
21.03.2009, 12:02
und ja, findet ihr, krebsforschung klingt altruistisch? ich finde, "ich will Krebsforschung machen" klingt kein Stück altruistisch

Tinelli
21.03.2009, 12:34
kann man nicht ohnehin immer auch in vollkommen fachfremden bereichen promovieren? ich erinnere mich an eine diplom chemikerin, die an meiner vorherigen uni am lehrstuhl für germanistik promoviert hat.


Ja, kann man. Und dann bekommt man idR einen Dr. phil.
Dazu muss man nicht in Philosophie promovieren. Bei Wiki ist das schön zusammengefasst:

Dr. phil. (philosophiae): Doktor der Philosophie (http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie). Umfasst die ganze Breite der alten Philosophischen Fakultäten, insbesondere alle Philologien (http://de.wikipedia.org/wiki/Philologie), aber auch Soziologie (http://de.wikipedia.org/wiki/Soziologie), Politikwissenschaft (http://de.wikipedia.org/wiki/Politikwissenschaft), Geschichte (http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte), Psychologie (http://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie), Pädagogik (http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dagogik), zuweilen auch noch Mathematik (http://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik), Natur- (http://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft) und Wirtschaftswissenschaften (http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswissenschaft)Ob das geht, hängt von der jeweiligen Promotionsordnung ab, manche geben sehr detailiert vor, welche Studienrichtungen erlaubt sind, um in dem jeweiligen Fach zu promovieren. Bei anderen ist es völlig egal, solange man einen Betreuer für die Arbeit findet.


Für Krebsforschung würde ich auch zu Life Science Gedöns oder Biochemie raten. Bei reiner Medizin fehlen einem die praktischen Grundlagen, bei reiner Biologie plagt man sich mit zu vielen "irrelevanten" Fächern.
Krebsforschung ist so ziemlich das schlechteste Beispiel für Altruismus, weil nirgendwo sonst zur Zeit in dem Gebiet so viel Geld rein gesteckt (und rausgeholt) wird.

rhabarber*
21.03.2009, 13:33
ich finde, "ich will Krebsforschung machen" klingt kein Stück altruistisch irgendwer hier im thread hat das ja behauptet.
wie findest du denn, wie es klingt? neutral, undifferenziert, annerkennungsgeil, interessant einfach?

an meiner uni gibt es, zumindest soweit ich weiß, nur die möglichkeiten PhD (philosophiae doctor) und MD (für medical doctor), letzteres ist dann aber eben nicht mit einer promotion verbunden.

freefish
21.03.2009, 13:52
Ich finde einfach, das klingt nach jemandem, der hofft, etwas Geiles zu finden und sich daraus Kohle oder einen Namen zu holen. Außerdem finde ich, es klingt langweilig. Es ist halt so ein vordergründiges Schlagwort einfach. "Ich will in die Krebsforschung" kommt mir ungefähr so vor wie Leute, die auf die Frage "Und was machst Du so?" antworten "ich mache Musik".

Übrigens wollte ich eigentlich Doktorarbeit über ein Krebsthema machen, weil die ganzen Krebsstudien, die bei uns an der Klinik laufen, keine schwierige Sache sind. Im Gegensatz zu irgendwelchen orthopädischen Studien oder sowas, wo man sich am Ende irgendwelche GEDANKEN machen muß, laufen die klinischen Krebssachen alle ziemlich nach dem gleichen Schema ab: Man teilt Patienten in mindestens zwei Gruppen ein, und dann zählt man entweder nach 12 Monaten die Überlebenden oder die Monate zwischen Diagnose/Behandlung und Tod. Straightforward, kaum ein Risiko, daß unerwartete Sachen passieren. Die Doktorarbeit habe ich dann aufgegeben, weil das Institut total chaotisch war und der Chef mich außerdem belogen hatte, aber wenn ich es gemacht hätte, wäre ich mir jedenfalls nicht altruistisch vorgekommen. Ich wollte nur einen möglichst billigen Doktortitel, und bei allem, was mit Krebs zu tun hat, weiß man halt vorher schon ziemlich sicher, daß was rauskommt, was man auch irgendwo veröffentlichen kann.

sparklehorse
23.03.2009, 15:30
Ich finde einfach, das klingt nach jemandem, der hofft, etwas Geiles zu finden und sich daraus Kohle oder einen Namen zu holen.

das ist überhaupt nicht so, nein.
sowas wie "interesse" scheint es in deiner welt nicht zu geben, oder?
ob es soviel mit altruismus zu tun hat, weiß ich auch nicht.
aber wenn man auf geld oder ruhm aus ist, hat man in der forschung eh nix verloren, denke ich.

naja, die diskussion ist eh müßig, er wird auf jeden fall medizin machen, wenn es mit dem studienplatz klappt.
und vermutlich wird sich das endgültige ziel auch erst im laufe des studiums ergeben, ich hab mich auch 20 mal umentschieden, was ich jetzt am tollsten finde.

freefish
23.03.2009, 16:07
Ich hoffe, Du bist nicht eingeschnappt?! Ich wurde nur nach meinem Klischee gefragt und habe darauf geantwortet. Ich erhebe keinen Anspruch, die Motivation eines einzelnen mir gänzlich unbekannten Menschen zu erraten.

Und "Interesse" ist ein ziemlich schwieriges Thema. :D *find

sparklehorse
23.03.2009, 16:22
nee, ich bin nicht eingeschnappt, um gottes willen.

aber ich find auch nicht, dass das generell so ist. das "geil aufs geld, geil auf anerkennung"-klischee seh ich an vielen ärzten völlig unabhängig von der fachrichtung erfüllt, insofern.. :P aber eher von klinikärzten und nicht, wenns um forschung geht.

ich find viele inhalte des medizinstudiums auf jeden fall interessant. und ich find auch krebsforschung interessant. trotzdem hätte ich glaub ich auf beides keine lust. :D