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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PJ im falschen Ausland - sowieso alles irgendwie falsch



Aziraphale
06.04.2009, 15:45
Ich studier Medizin und mein Ziel ist es, für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten. Nächstes Jahr gehe ich ins PJ, alle drei Tertiale mache ich in der Schweiz, was ich auch an sich gut finde.
Jetzt hab ich mich aber mal informiert, wie das mit Ärzte ohne Grenzen überhaupt läuft, was man für Voraussetzungen braucht usw. Und eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass man in einem Entwicklungsland gereist ist oder gearbeitet hat. Ich war noch nie aus Europa draußen, alleine hab ich mir sowas nie zugetraut und hatte auch nie das Geld für so eine ausgedehnte Reise. Aus Geldgründen gehe ich auch in die Schweiz im PJ, damit ich etwas verdiene und nicht komplett auf meine Eltern angewiesen bin. Südafrika wäre auch eine Option für mich gewesen, aber weil ich da nichts verdiene, hab ich es gelassen.
Sicher, es ist noch lange Zeit, bis ich überhaupt mal soweit bin, für Ärzte ohne Grenzen arbeiten zu können, aber ich weiß nicht, woher ich bis dahin meine Erfahrungen holen soll.
Mir fehlt noch eine Famulatur, um die ich mich ja im Ausland vielleicht bemühen könnte, aber ich bin mit meiner Doktorarbeit beschäftigt und kriege wahrscheinlich nicht genug Zeit dafür frei.
Ich bin im Moment eh gerade nicht so zufrieden mit meiner Studienwahl und meinen späteren Möglichkeiten und dass ich jetzt meinen letzten HOffnungsschimmer auch schwinden sehe, macht es nicht besser. Ich hab es irgendwie immer schleifen lassen und meine Chancen nicht genutzt und war zu sehr darauf fixiert, hier in Deutschland einen "ordentlichen" Job kriegen zu können. Aber so will ich das doch eigentlich gar nicht.
Habt ihr irgendwas dazu zu sagen oder Vorschläge?

Catra
06.04.2009, 19:00
Ich hab jetzt zwar keine Erfahrungen mit Ärzte ohne Grenzen etc. bin aber selber seit kurzem Assistenzärztin und muss Dir ganz ehrlich sagen, dass Dein Beitrag etwas naiv klingt. Die grundsätzliche Frage scheint mir erstmal, ob Du überhaupt Mediziner werden möchtest oder ob es Dir nur um dieses "Ich will mal bei Ärzten ohne Grenzen arbeiten" geht. Soweit ich weiss besteht hierbei erstmal das Problem, dass diese Organisationen nur Ärzte mit Facharztausbildung bzw. zumindest längerer Berufserfahrung (meist etwa 18 Monate) mitnehmen. Ist auch verständlich, da die vor Ort andere Probleme haben, als blutige Anfänger einzuarbeiten. Ausserdem halte ich es auch durchaus für sinnvoll ein solches Land, indem man dann später arbeiten und somit auch leben möchte, zumindest für einige Wochen mal besucht zu haben. Ich persönlich würde Dir somit empfehlen erstmal das PJ in der Schweiz zu machen, evtl. von dem dort bezahlten Gehalt etwas zu sparen und nach dem Examen evtl. mal für ein paar Wochen / Monate bei einem Projekt in einem Entwicklungsland mit zu machen. Dannach würde ich erstmal versuchen solide Berufserfahrung (Innere, Chirurgie, Gyn, Pädiatrie) zu sammeln und mich erst dann evtl. längerfristig bei Ärzte ohne Grenzen oder anderen Organisationen engagieren.

SweetKeira
06.04.2009, 19:19
Ich bin jetzt keine Ärztin oder so--aber wer bei AoG arbeiten will der hat doch n Faible für diese Krisen- und Entwicklungsländer?!?!?:suspekt:
Du sagst du warst noch nie groß aus Europa raus, aber warum willst du dir denn diese Klimabedingungen und das Elend dann hauptberuflich antun?
Wenn man im STudium kein Geld hat für reisen udn so, ok. Aber sich das nicht zutrauen..hm. Das wird nicht unbedingt besser nur weil man dann seine 3. Stex hat und 28 ist. das ist auch meist ne Typfrage...

air.sur.terre
06.04.2009, 19:54
außerdem nehmen ärzte ohne grenzen doch auch keinen arzt, der frisch sein studium beendet hat und mitte 20 ist, oder?
da braucht man bestimmt mehrjährige berufserfahrung. und da hast du doch noch genug zeit ins ausland zu gehen. aber deine motivation zu äog zu gehen, wüsste ich auch mal ;)

ichs
07.04.2009, 10:21
also wenn du dir sorgen darum machst, dass dein praktikum in südafrika nicht bezahlt wird, solltest du dich ggf. fragen ob äog das richtige für dich ist. da beträgt das durchschnittsgehalt 800 eur auch für ausgelernte.

anyway: ich würde grundsätzlich sagen an einem längeren aufenthalt in einem entwicklungsland führt kein weg vorbei. nur so kannst du feststellen, ob das überhaupt was für dich ist. es geht in erster linie nicht darum, ob du damit deine jobchancen bei äog damit verbessern würdest, sondern überhaupt erstmal zu sehen, ob du dafür gemacht bist. äog arbeiten ja nicht nur in entwicklungsländern, sie arbeiten in el meist in den wirklich abgelegenen, marginalisierten gebieten, oft in krisenregionen. das ist nochmal was ganz anderes, als wenn du jetzt nen job in etwa nairobi oder pretoria hättest.
ne freundin von mir ist logistikerin bei denen im tschad und was die so erzählt, da hätte ich keinen bock drauf (und ich arbeite selbst in entwicklungsländern v.a. in konfliktregionen).

wenn dir das studium eh nicht liegt, vielleicht wäre es dann ne gute idee, erstmal zu pausieren. du könntest einen freiwilligendienst in einem entwicklungsland machen wie etwa weltwärts und da erstmal sehen, ob sowas generell was für dich ist.
und wenn ja, dann ist medizin und äog ja längst nicht die einzige möglichkeit. in der entwicklungszusammenarbeit/humanitären hilfe gibt es viele jobs für alle möglichen studienabschlüsse.