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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Politische Bildung



Ribena
10.03.2010, 01:11
ist mein lieblingsthema, weil ich finde, da gäbe es noch so viel zu tun und irgendwie nimmt das niemand so recht für wichtig. jedenfalls nicht bei uns in der schweiz, wo politisch bildender unterricht so nebenher passiert...denn das ist ja eigentlich nicht aufgabe der schule...sondern....sondern?

die eltern? die sich aber je nach dem nicht besonders gut dazu eignen weil schlechte bildung, kein interesse, steife ansichten?

ich hab grad auf unserem blog (http://polithink.ch/2010/03/09/politische-bildung-aber-wie/)nen artikel geschrieben zum thema, weil gestern in der zeitung ein bericht drüber war. hier beshwert man sich nämlich seit einer studie von 2001 dass nichts geht apropos politische bildung...aber besser wirds nicht, denn die lehrpläne bleiben steif und die geschichtslehrer mögen nicht die ganze arbeit auf sich nehmen.


mich würde mal wundernehmen wie das in deutschland so läuft. gibts da politischen unterricht fix im lehrplan (ich nehme an das ist von bundesland zu bundesland verschieden, aber so im allgemeinen?)

was sind eure persönlichen erfahrungen? wie habt ihr denn den zugang zu politik gewonnen?

Zimt&Koriander
10.03.2010, 07:37
In Deutschland haben wir in den Schulen auf jeden Fall Politikunterricht bzw. Gesellschaftslehre. Je nach Schulform und Bundesland nennt es sich dann anders, aber in der Regel sind dafür durchschnittlich zwei Stunden pro Woche vorgesehen. Ich selbst unterrichte an einer Gesamtschule Gesellschaftslehre dreistündig pro Woche, d. h. dass wir immer in Blöcken Geographie, Geschichte und Politik haben.
Auf dem Gymnasium damals, hatte ich in der Unterstufe Politikunterricht, in der Oberstufe Sozialwissenschaften.
Ist es in der Schweiz tatsächlich so, dass ihr keinen gesonderten Politikunterricht habt? Das ist doch unheimlich wichtig um die Schüler am gesellschaftlichen Leben partizipieren zu lassen, sie zu mündigen Bürgern heranzuziehen, die Ahnung von dem Leben und den gesellschaftlichen Strukturen in ihrem Land haben. Ich finde, Geschichtsunterricht sollte Politikunterricht auf gar keinen Fall ersetzen!

Ribena
10.03.2010, 10:43
ja es ist halt sehr unterschiedlich. ich weiss nicht ob du den blogeintrag gelesen hast. 2 kantone haben einen speziellen lehrplanzusatz für politik, einige haben einen lehrplan für "geschichte und politik" aber in den meisten kantonen hat man irgendwann zwischen dem 7.-9. (bei mir wars ein jahr vor der matura) ein "staatskundesemester" wo man die politischen institutionen "durchnimmt". hier kommts halt stark auf die zuständigen, meist geschichtslehrer drauf an, wie engagiert sie den schülerInnen politik vermitteln möchten. viele geschichtslehrer geben da schon auch freizeit drauf etc um das toll zu machen, aber verankert ists in den lehrplänen ja nicht.

sozialwissenschaft! ich wollte mich eigentlich auch noch drüber auslassen dass wir besser über chemie und geografie bescheidwissen als über politik, wo wir doch so viele abstimmungen haben immer...aber eigentlich find ichs ja auch unverschämt dass alle studienfächer am gymnasium vorangetastet werden aber wirtschaft+recht etwa nur ein wahl-schwerpunktfach ist, das man sonst lediglich ein semester lang hat und andere sozialwissenschaften so grad gar keine rolle spielen. auch wäre ja ne vorübung in statistik (so mit programmen) etwas gutes für spätere sozialwissenschaftler und andere statistiknutzende studierende...stattdessen mal abstrakte zahlenspiele....ach...

ich möcht lehrplanüberwacherin werden oder sowas.

also ich find das ja zb. eine gute lösung, geschichte, geografie und politik gleich zu gewichten.

was bei uns zb. auch nirgends platz findet ist ein thema wie menschenrechte. dafür interessieren sich dann ein paar linke schüler und reden dauernd davon während die anderen keine ahnung haben und meinen das sei irgend ein pazifistisches wunsch-ding, das aber real nicht umsetzbar ist. ich hab das zb. lange zeit irgendwie nicht verstanden, dass das einklagbare rechte sind und nicht nur wünschenswerte ideen...

funkysun
10.03.2010, 17:53
Ist studiere Politik auf Lehramt an Hauptschulen und erschrecke jedes Mal,wie schlecht Politikunterricht angesehen ist. Ich musste mir so oft anhören, dass Hauptschüler doch dafür zu doof sind. Ganz übel wirds aber bei Freunden von mir die Grundschullehramt und Politik studieren. Ich finde grade in der GS ist politische Bildung wichtig, um eben interkulturellem Lernen den Weg zu ebnen.

An meiner Hochschule war es zum Beispiel schon so krass, dass sie Politikwissenschaft einsparen wollten und stattdessen die Deputatsstunden auf Wirtschaftslehre umlegen wollten.

Was große Problem ist, dass eben Politik oft mit Geschichte, Wirtschaftslehre und Geo in einem Paket unterrichtet werden soll.

Daher finde ich die Lösung, wie sie bei mir in BaWü ist, ziemlich kontraproduktiv, da die Politische Bildung eher nebenher läuft und auch den Schulen ein Stück weit abgenommen wird.

@Ribena:
wundernehmen finde ich so ein schönes Wort. Leider kennt das bei mir keiner ;)

Inaktiver User
10.03.2010, 18:49
Ich unterrichte Sozialkunde am Gymnasium im Bayern und da sind die Themen, die du ansprichst, Bestandteil des Lehrplans.

Sozialkunde (http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26394)

ichs
12.03.2010, 11:31
also ich bin schon ne weile aus der schule raus (nrw) aber da hatten wir längst nicht jedes jahr politik oder ein adequates fach. es gab politik erst ab der 8 klasse und da war es totaler murks (lag aber am lehrer), und dann in der 9 und 10 als wahlfach. und dann nochmal in der 12 als pflichtkurs, wenn man nicht ne andere sozialwissenschaft als lk hatte.
insgesamt war unser politikunterricht dazu meist trocken und wirklichkeitsfern gestaltet und hatte nichts mit den ganzen interessanten didaktikansätzen zu tun, die heute in der pol bildung verbreitet sind.

funkysun
12.03.2010, 16:47
@ ichs und wurst:
ich finde das voll übel, wie das bei Euch war. Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass es von den Kultusministerien beabsichtigt ist, Politik so an den Rand des Lehrplans zu stellen...

feem
13.03.2010, 08:35
Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass es von den Kultusministerien beabsichtigt ist, Politik so an den Rand des Lehrplans zu stellen...

:suspekt: und aus was für einem grund?

Inaktiver User
13.03.2010, 11:07
Es ist eher so, dass die Lobby für andere Fächer stärker ist.
Ich habe mich mit isb-Leuten unterhalten, die meinten, es sei eigentlich ein Witz, dass Wirtschaft zweistündig unterrichtet wird, Sozialkunde aber nur einstündig-dabei wollen wir, dass alle Schüler zu mündigen Bürgern werden, die wählen gehen und es zu schätzen wissen, in einer Demokratie mit einem Grundgesetz zu leben. Wen Wirtschaft so interessiert kann doch BWL studieren. Also Grundlagen ja, aber dafür die doppelte Zeit aufzuwenden finde ich auch merkwürdig.

feem
13.03.2010, 11:57
Es ist eher so, dass die Lobby für andere Fächer stärker ist.
Ich habe mich mit isb-Leuten unterhalten, die meinten, es sei eigentlich ein Witz, dass Wirtschaft zweistündig unterrichtet wird, Sozialkunde aber nur einstündig-dabei wollen wir, dass alle Schüler zu mündigen Bürgern werden, die wählen gehen und es zu schätzen wissen, in einer Demokratie mit einem Grundgesetz zu leben. Wen Wirtschaft so interessiert kann doch BWL studieren. Also Grundlagen ja, aber dafür die doppelte Zeit aufzuwenden finde ich auch merkwürdig.

so ähnlich hat mir das mein alter gemeinschaftskundelehrer, der ans kultusministerium abbeordert wurde, auch erzählt.
ich finde es nur völlig daneben, den kultusministerien eine 'demokratiefeindlichkeit' o.ä. zu unterstellen.

Inaktiver User
13.03.2010, 12:35
tut ja auch keiner?

feem
13.03.2010, 12:44
naja:


Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass es von den Kultusministerien beabsichtigt ist, Politik so an den Rand des Lehrplans zu stellen...

Inaktiver User
13.03.2010, 12:47
naja sie beabsichtigen es ja offenbar, da es halt so ist im Ergebnis. Ich denke aber das liegt nicht an einer "Demokratiefeindlichkeit" (und die hatz auch funkysun nicht unbedingt gemeint, nehme ich an), sondern am Überhang der anderen Fächer.

feem
13.03.2010, 12:50
okay, dann hab ich das falsch verstanden.
bei aussagen à la 'staatliche institution x oder behörde y macht das sicher ABSICHTLICH' schwillt mir nur immer ein bisschen der kamm.

Inaktiver User
13.03.2010, 12:52
oder ich ;)

funkysun
13.03.2010, 13:50
:suspekt: und aus was für einem grund?

Warum sie das machen, oder wie ich drauf komme?
Also ich komme deshalb drauf, dass in BaWü sowohl in der Realschule als auch in der Hauptschule das Fach in einen Fächerverbund gepackt wurde. Außerdemfindet man im Bildungsplan von 04 für Politik sehr wenig konkrete Inhalte. Wirtschaftslehre nimmt zum Beispiel viel mehr Raum ein. Außerdem wurde an der PH Freiburg das fach Politik geschlossen. Gmünd musste enorm kämpfen um es erhalten zu können. Gleichzeitig werden die Naturwissenschaften ausgebaut. Ich glaube einfach, dass es grade den Trend im Kultusbereich gibt die Naturwissenschaften extrem zu stärken und stattdessen die Geisteswissenschaften, besonders Geschichte, Politik und Ethik etwas auszuklammern. Was ich sehr schade finde, denn schließlich glauben heute noch einige Menschen man könne und dürfe sich in Schulen ganzheitlich im Sinne von Humboldt bilden.

funkysun
13.03.2010, 13:52
naja sie beabsichtigen es ja offenbar, da es halt so ist im Ergebnis. Ich denke aber das liegt nicht an einer "Demokratiefeindlichkeit" (und die hatz auch funkysun nicht unbedingt gemeint, nehme ich an), sondern am Überhang der anderen Fächer.

Genau. Mir fällt das eben im Studium zeimlich heftig auf, dass Fächer wie Bio, Mathe, Deutsch, Theologie und Englisch in einem enormen Umfang Lehrer ausbilden und die Geisteswissenschaften zurückgehen. Ich führe das eben darauf zurück, dass in den letzten jahren grade von Seiten der KMK immer wieder die Wichtigkeit der NaturWis und von Wirtschaftslehre betont wurde.

ichs
13.03.2010, 14:05
ich glaub da steht weniger dahinter dass man demokratieunmündige bürger haben will, als das man mehr leute haben will die man gut auf dem arbeitsmarkt einsetzen kann. und naturwissenschaften u.ä. gibts halt eher ein defizit.

wobei ich ja auch in fast allen schuljahren erdkunde hatte, was man mE viel eher kürzen kann bzw. ggf. auch gut mit politik verbinden könnte.
ähnlich bei geschichte: geschichte man mE grade nur sinn, wenn man auch zeitgleich politik hat.

feem
13.03.2010, 14:09
wobei ich ja auch in fast allen schuljahren erdkunde hatte, was man mE viel eher kürzen kann bzw. ggf. auch gut mit politik verbinden könnte.
ähnlich bei geschichte: geschichte man mE grade nur sinn, wenn man auch zeitgleich politik hat.

seh ich anders. der wert eines geschichtsunterrichts liegt bei weitem nicht nur in der politischen bildung.

Laurita
13.03.2010, 14:14
Also Deutsch, Englisch und Theologie sind ja wohl auch Geisteswissenschaften. Am meisten haben wohl die Sozialwissenschaften um ihren Stand an der Schule zu kämpfen. Die in Fächerverbünden zu unterrichten finde ich gar nicht mal schlecht, nur müssten dann halt den Fächerverbünden mehr Stunden zugestanden werden. Wir hatten in NRW am Gymnasium (97-2006) Politik als Schulfach in der 6. Klasse, in der 8. (da bin ich aber mir nicht mehr ganz sicher) und in der 10. In der Oberstufe musste man dann entweder Sozialwissenschaften oder Geschichte (3-stündig) machen, und das jeweils anderen Fach dann 1 Jahr als 2-stündigen Kurs belegen. Sozialwissenschaften war dann ne Mischung zwischen Politik und Wirtschaft, kam sehr auf den Lehrer an. Ach ja, und in der 9 konnte man Sozialwissenschaften als 3-stündiges Differenzierungsfach nehmen. Also ich finde, dass es in unserem Curriculum durchaus einiges an politischer Bildung gab, aber das kann heute natürlich auch ganz anders aussehen.

ichs
13.03.2010, 16:13
seh ich anders. der wert eines geschichtsunterrichts liegt bei weitem nicht nur in der politischen bildung.


nein nicht nur, aber schon ein großer teil.

funkysun
13.03.2010, 16:25
ich glaub da steht weniger dahinter dass man demokratieunmündige bürger haben will, als das man mehr leute haben will die man gut auf dem arbeitsmarkt einsetzen kann. und naturwissenschaften u.ä. gibts halt eher ein defizit.

wobei ich ja auch in fast allen schuljahren erdkunde hatte, was man mE viel eher kürzen kann bzw. ggf. auch gut mit politik verbinden könnte.
ähnlich bei geschichte: geschichte man mE grade nur sinn, wenn man auch zeitgleich politik hat.

Ich denke heute wird es eher von den Schulen erwarten Schüler in den anderen Fächern zu Demokraten zu erziehen.
Geschichte und Politik kann man schon gemeinsam unterrichten, es muss allerdings dann genügend Kontingenstunden für den Umfang von zwei Fächern geben. Es kann nicht sein, dass man den doppelten Stoffumfang in die Hälfte der veranschlagten Stunden packt. ICh stelle mir nur oft die Frage, warum einerseits über die Politikverdrossenheit der Menschen so geschimpft wird und warum dann eben nicht in politische Bildung investiert wird.

Ribena
13.03.2010, 17:07
. ICh stelle mir nur oft die Frage, warum einerseits über die Politikverdrossenheit der Menschen so geschimpft wird und warum dann eben nicht in politische Bildung investiert wird.


Geht mir genauso!

Ich hab immer ganz krass gefunden, dass man uns schülerinnen und schülern den vorwurf gemacht hatte (also die lehrer), dass wir keine zeitung lesen würden und uns nicht informierten..als ob politische bildung ein hobby sein sollte auf das wir selbst kommen müssten wenn wir gymnasiasten sind.

Ribena
13.03.2010, 17:12
übrigens ich fänds cool wenn die eine oder andere etwas auf den blog posten könnte wies in DE läuft (ihr habt, wenn auch unterschiedlich) doch einen stärker institutionalisierten politische bildung-unterricht)

in der schweiz haben nämlich schon auch viele das gefühl das sei ok wenn politik nicht in der schule behandelt würde und können sich ztl glaub ich gar nicht vorstellen dass das anderswo völlig eingebunden und normal ist..

funkysun
13.03.2010, 19:19
Die in Fächerverbünden zu unterrichten finde ich gar nicht mal schlecht, nur müssten dann halt den Fächerverbünden mehr Stunden zugestanden werden.

Das große Problem liegt hier in der Lererausbildung. Man studiert in BaWü drei Fächer, von denen eins ne Sprache bzw. Mathe und der Rest aus zwei Fächern aus demselben Fächerverbund sein müssen. Nun ist es aber so, dass man Theologie mit allem kombinieren kann. Theologie bleibt als autonomes Fach erhalten.

Da die sozialwissenschaftlichen Fächerverbünde in der Realschuleaus Geographie, Wirtschaftslehre und Gemeinschaftskunde bzw. in der Hauptschule aus Geschichte, Geo, Gemeinschaftskunde und Teilen der Wirtschaftslehre zusammengesetzt sind, müssen Teile fachfremd unterrichtet werden. Das hat zur Folge, dass oftmals sehr stark am Buch entlang gearbeitet wird, bzw. sich der Lehrer die Inhalte selbst angeeignet hat. Darunter leidet dann einfach der Unterricht. Außerdem sind die Kontingenstunden so schlecht aufgeteilt, dass wieder nur die Standartthemen in Rekordzeit durchgenudelt werden müssen.

Fächerverbünde sind prinzipiell nicht schlecht, allerdings müssten sie anders organisiert werden, wie es im Moment ist. Das Problem ist hier die Passung zwischen Studienfach und Unterrichtsgegenstand, da die schulischen Inhalte zwar didaktisch reduziert werden, allerdings die Lehrer oftmals auch keine Ahnung von der Didaktik des Fachen haben, das sie mit unterrichten müssen.

hatschibuh
21.04.2010, 16:47
Also meine persönliche Erfahrung: in der Schule ist absolut NICHTS hängen geblieben. Politik war für mich immer ein mega trockenes Fach, verstanden hab ich auch nichts..irgendwie war immer alles verwirrend und komisch und ich dachte, dass ich da eh nie durchsteige.

- und jetzt hab ich einen sehr coolen Dozenten in Politik - und so langsam dämmerts mir :D

Find generell, dass politische Bildung schon sehr wichtig ist...aber das interessant rüberzubringen ist einfach schwierig. Und wenn man sich dann noch so Live-Übertragungen aus dem Bundestag anguckt: Tja, da fällt einem dann auch nichts mehr ein. Die Leute da drin gucken mindestens genauso gelangweilt wie eine Schulklasse; das Einzige, was fehlt sind Papierflieger und Zettelchen-schreiben :D
Und dabei gäb es eigentlich viel Potential was draus zu machen...wenn da mal wenigstens ordentlich diskutiert werden würde.

gisa
21.04.2010, 17:10
Wir hatten ab der 11. in der Woche zwei Stunden Wirtschaft-Politik, so richtig lehrreich war der Unterricht nicht:

Ein halbes Jahr Wirtschaft mit sämtlichen Unternehmensformen, wo wir gelernt haben, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit man beispielsweise eine GmbH gründen kann, dann ein halbes Jahr Randgruppen der Gesellschaft (es ging um Homosexuelle, glaube ich), ein halbes Jahr Medien und Medienrecht und so weiter.

Eigentlich waren das total spannende Themen, aber ich war beispielsweise nie ein Zeitungsleser, weil mir für einige Sachen einfach die Grundlagen fehlten, um sie zu verstehen. Das hätte die Schule mal anbieten sollen und zwar in der Unterstufe und nicht im 11. Jahrgang plötzlich erwarten, dass man das alles schon weiß.

Mein politisches Interesse ist nachher dadurch entstanden, dass ich mich für einen politischen Bereich interessiert habe und in diesem als studentische Hilfskraft im öffentlichen Dienst tätig war. Der ganze Theori-Krams aus dem Unterricht war dann plötzlich praktisch und ich habe es verstanden und fand es interessant.

Leserin
22.04.2010, 03:22
Hm, also Wirtschaft oder Recht hatten wir als eigenständige Fächer NIE.
Ich erinnere mich aber an sehr guten und lebensnahen Unterricht in Sozialkunde in der Unterstufe (7 oder 8). Da haben wir uns mit dem Taschengeldparagraphen auseinandergesetzt oder in einer Gruppenarbeit zu Schülerrechten recherchiert und sie zusammengefasst (wie viele Arbeiten sind erlaubt, wie oft, wieviel Ankündigung muss sein, wie ist das mit dem Nachsitzen...). Andere haben sich z. B. mit Berufsbildungsberatung für junge Menschen in unserer Stadt auseinandergesetzt.
In der 9/10 hatten wir Politikunterricht, aber der war, wenn ich mich recht erinnere, zu punktuell, statt Grundlagen zu erarbeiten. Da kamen eher wahllos erscheinende Themenblöcke, Aussagen zur Politik etc., die man bewerten sollte, ohne eine Ahnung vom Ablauf im System zu haben.
In der 11 und der Oberstufe gab es dann erneut Politik, diesmal mit stärkerem internationalen Bezug. Leider erinnere ich mich an gar nichts mehr außer das Auswerten lustiger Diagramme. War aber auch kein guter Lehrer.