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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wessis im Osten // Ossis im Westen



FrolleinHelmut
05.08.2012, 18:30
Mich würde mal interessieren, ob Ihr mit Vorurteilen/Vorbehalten zu kämpfen habt.
Es wäre schön, wenn ihr dazu noch schreiben könntet, wie sich Euer Umfeld dort gestaltet. Also, ob Ihr im Osten viel mit Ossis zu tun habt oder im Westen viel mit Wessis oder ob Ihr Euch zum Beispiel in Berlin vor allem unter Zugezogenen Wessis bewegt.

Ich frage, weil ich mich immer wieder in Diskussionen wiederfinde, in denen ich mich für mein Wessi-sein rechtfertigen muss. Und ich tu gar nichts dazu. Gestern erst hatte ich eine ziemlich krasse Diskussion mit einem guten Freund meines Freundes. Er hat so gegen Westdeutschland und "die Wessis" gewettert, dass ich irgendwann gesagt habe, dass ich mir seinen Ton und sein Urteil verbitte.

Wie kam es dazu? Irgendwer hat irgendetwas über Adenauer gesagt und ich sagte nur "Übrigens hat er sich damals geweigert zu flaggen, als Hitler nach Köln kam und wurde daraufhin seines Amtes enthoben.", woraufhin der Freund mir und pauschal dem ganzen Westen Deutschlands eine Adenauerverehrung unterstellte und sagte, dass Adenauer ein Nazi war und er dieses rechte Gedankengut in Westdeutschland ziemlich krass findet. Ich habe dann gesagt, dass ich leider sagen muss, dass mir im Westen nie so viele offene Rechte begegnet sind wie im Osten, aber ich unterstelle trotzdem nicht allen Ostdeutschen, dass sie Nazis sind. Er meinte, dass er in Ostdeutschland noch nie Rechten begegnet ist und das nicht erlebt habe, im Westen aber einmal zuletzt plötzlich mit Menschen zusammen saß, die rechts waren und das ist jetzt seine Erfahrung und so ist es im Westen. EY?!

Auf einer anderen Party vor ein paar Monaten wollte sich einer mit mir über das tolle Schulsystem der DDR unterhalten und ob ich da auch so tolle Erinnerungen hätte. Ich habe dann gesagt, dass ich leider keine habe, da ich in Westdeutschland geboren bin und sowieso erst 1990 eingeschult wurde. Daraufhin durfte ich mir wieder anhören, dass die BRD so schlimm ist und im Osten war alles besser. Bla.

Mir geht vor allem immer dieses "Das ist west und das ist ost." auf den Keks. Deutschland ist doch nicht nur Ost und West. Bayern ist anders als Schleswig und Schleswig ist anders als Thüringen und Thüringen ist anders als Meck-Pom. Und dass immer so auf dieser Trennung rumgeritten wird. Wir haben meiner Schwiegermutter mal ein Kochbuch mitgebracht und die Schwester meinte dann "Das ist ein West-Kochbuch, oder?" "Ja, und? Es ist in Deutscher Sprache geschrieben, man kann es verstehen und es sind Rezepte drin." (okay, das habe ich nur gedacht :D)

Mein Umfeld in Berlin ist gemischt und mein Freund ist in der ehem. DDR geboren, daher habe ich schon viel Kontakt zu Menschen, die ebenfalls aus Ostdeutschland kommen.

Gut, wie geht es Euch?

FrolleinHelmut
05.08.2012, 19:44
Moah, mir geht das gerade echt nach, was da gestern gesagt wurde.

Mein Freund meint, ich soll einfach nicht in solche Diskussionen einsteigen. Es wäre ja nicht meine Schuld, wenn die Leute nicht mit dem Ende der DDR klar kämen. Aber inzwischen bin ich da echt empfindlich geworden, obwohl ich normalerweise ein dickes Fell habe. Ich mag einfach nicht immer den Groll, den die Ostalgiker gegenüber "dem Westen" empfinden, abbekommen.

kaffeetante
05.08.2012, 20:32
.

Seerose
05.08.2012, 21:53
Ich komme aus dem Osten und studiere auch hier.
Generell nervt mich diese Debatte total. Voralledingen von Menschen meines Alters (Mitte 20 und abwärts), die können ja das gar nicht mehr nachvollziehen.

Ich bin da eher liberal. Ich habe sehr viele "westdeutsche" Freunde wie auch "Ostdeutsche".
Generell meide ich Menschen, die noch zusehr von damals reden und eigentlich gar nicht wissen können wie es war. Habe zB viele Komilitonen die so reden. Das stört mich.

Der DDR stehe ich persönlich skeptisch gegenüber. Ich wollte dort nicht leben, und bin froh das es nur 4 Jahre waren. Klar, es gab Vorteile, zB das alle Arbeit hatten, aber da hörts auch schon auf.
Ganz anders ist das bei den älteren Menschen.
Meine Oma zB wettert immer total gegen Wessis, das nervt mich, aber das bekommt man nicht mehr raus.

Ich hab mal im Westen gearbeitet und fand es dort toll. Das Arbeitsklima war super. Generell ist im Westen mehr los, es herrscht mehr Lifestyle.
Die Leute haben mehr Geld, sind aufgeschlossen, interessiert, ernähren sich besser, machen mehr, sind nicht so grimmig und bemühter (zB in der Gastronomie)
Hier im Osten fehlt mir das ein wenig. Dafür wird man hier nicht schräg angeschaut beim nacktbaden in der Ostsee :D

Ich mags hier dennoch, ich schau halt genau auf den Menschen. Da ich selbst sehr offen bin, umgebe ich mich auch gern mit ebensolchen Menschen. Deswegen fällt es mir nicht so auf.

FrolleinHelmut
05.08.2012, 22:44
Du bist nicht die Einzige mit solchen Erfahrungen :rose2:

Ich bin zwecks Studium in den Osten gezogen und habe direkt in der ersten Woche ernüchternde Erfahrungen gemacht. Da ließ eine Studentin in einem Seminar den Satz fallen "Die Wessis haben ja schon immer wie die fettgefressene Made im Speck gelebt. Die mussten für ihr Geld nie arbeiten.". Da wusste ich, ok , das wird nicht einfach hier.
Mein Bekanntenkreis hier ist sehr klein, eben aus dem Grund, dass ich mit den Leuten nicht zurecht komme. Die DDR wird stark verherrlicht und Neuem gegenüber ist man unglaublich verschlossen. Mich nervt auch der häufig fallende Satz "Ach, das ist die Stadt mit den vielen Ausländern", wenn ich auf die Frage nach meiner Herkunft mit Frankfurt antworte. Ich sage dann immer "Ja, und Dresden ist die Stadt mit den vielen Deutschen. Und?".

Für mich ist klar, dass ich nach dem Studium wieder wegziehe. Klar habe ich nette Menschen hier kennengelernt aber richtige Freundschaften sind nie entstanden. Mir fehlt hier einfach die Offenheit, die Neugier und vor allem die Lockerheit. Ich weiss, das klingt pauschalisierend und natürlich sind nicht alle Menschen so aber die Grundhaltung ist irgendwie gleich.

Edit: Was Dein Freund sagt stimmt natürlich grundsätzlich aber ich finde, das ist eine billige Ausrede, damit man sich auf seinem Selbstmitleid ausruhen und zurücklehnen kann. Jeder kann aus seinem Leben machen was er will und jeder hat die Chance dazu. Natürlich war es nach der Wende hier nicht einfach, mein Freund hat mir auch viel darüber erzählt (er kommt aus dem Osten). Aber ich habe gelernt, nach Misserfolgen zu schauen was ich aus der Situation machen kann und wie es weitergeht. Egal wie schwer die Situation war.
Na, mein Freund hat ja kein Problem mit dem heutigen Deutschland. Es war ein guter Freund von ihm, der halt seeehr bolschewistisch geprägt ist und das ist auch ok, es ist halt eine Meinung. Aber das was da gestern kam, war mir echt zuviel.

FrolleinHelmut
05.08.2012, 23:43
Sorry, konnte eben nicht so ausführlich antworten.

Das, was Kaffeetante beschreibt, kann ich nachvollziehen. Es ist so eine Bitterkeit im Dasein vorhanden. Nicht immer und überall, aber ich bemerke es.

Eben habe ich ja meinem Freund gesagt, dass mir das echt nahe ging gestern. Vor allem, weil es nicht die erste Diskussion in dieser Richtung war, sondern weil ich ständig in so etwas verwickelt bin. Einfach nur durch mein Dasein als Wessi im Osten. Wenn es nicht innerdeutsch wäre, würde diese starke Ablehnung als verkappter Rassismus bezeichnet werden.
Gestern war es allerdings schon krass. Die Diskussion hat zwar vielleicht 5 Minuten gedauert, aber ich dachte echt, ich werde nicht mehr.

Ey, da sagt er, dass er im Westen auf ein paar Leute mit rechtem Gedankengut traf und meint, dass das ein Beleg dafür ist, dass der Westen rechtsradikal ist. Sagt mal, hakt's? Ich konnte da echt nicht anders, als darauf hinzuweisen, wieviel OFFEN ausgelebtes rechtes Gedankengut es im Osten gibt und dass das weitestgehend akzeptiert ist und viele Leute sagen "Naja, dann isser halt n Nazi. Die interessieren sich wenigstens für uns." und ich musste leider auch sagen, dass ich nie Glatzen gesehen habe, bis ich hergezogen bin. Und dass ich trotzdem nicht sage, dass im Osten alle Nazis sind. Er meinte dann, er wüsste nichts von Nazis im Osten und er habe so etwas noch nie erlebt.
Ey, da muss man sich doch nur mal die Landtage angucken.

Sorry. Ich mag den echt, aber das ging gar nicht. Und es tat mir auch leid für meinen Freund, dass ich mich mit einem seiner Freunde gestritten habe, aber ich musste mir das echt verbitten, dass im Westen alle verkappte Nazis sind.

Wie gesagt, mein Freund meint, dass ich halt auch auf diese Diskussionen einsteige, ist dann meine Schwäche. Vielleicht sollte ich wirklich einfach ignorieren, wenn wieder jemand ankommt und seinen Frust bei mir abladen möchte. Er meint, ich muss mir den Schuh nicht anziehen, wenn jemand mit der Wende nicht zurecht kommt.

Aber es passiert ja, dass man auf sogenannte Wendeverlierer trifft und die beklagen sich darüber, dass jetzt alles schlecht ist und dann steht man da als einziger Wessi und ist der Asi, der persönlich daran mitgewirkt hat, dass die Treuhand scheiße gebaut hat.

FrolleinHelmut
05.08.2012, 23:47
Seerose, wie ist es Dir denn mit Vorurteilen im Westen ergangen?
Ich würde nicht ausschließen, dass es dann auch mal heißt "Ihr im Osten habt ja immer..." oder so. Andererseits glauben mir meine Freunde im Westen immer nicht, dass man hier ständig darauf angesprochen wird und das immernoch so ein großes Thema ist.

kaffeetante
06.08.2012, 09:38
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FrolleinHelmut
06.08.2012, 09:51
Ich möchte ja nichtmal sagen, dass rechtes Gedankengut im Westen nicht existiert. Das wäre vermessen, rechtes Gedankengut existiert immerhin überall auf der Welt. Es gibt sicherlich auch genügend offen lebende Neonazis, keine Frage. Allerdings sind sie mir in Köln nie in der Form begegnet wie hier.
Und ich habe halt die Erfahrung gemacht, dass es einfach viel akzeptierter ist.

Allein in meiner Schwiegerfamilie gibt es einen Onkel in der Linkspartei und einen Neonazi-Onkel. Und die verstehen sich. Hä?
Mir geht regelmäßig die Hutschnur hoch, wenn ich dazwischen sitze. Da steige ich allerdings um den Familienfrieden willen nicht in die Diskussion ein. Zur Hochzeit kommt der entsprechende Onkel aber nicht.

FrolleinHelmut
06.08.2012, 09:55
Allerdings muss ich natürlich auch sagen, dass selbstverständlich nicht alle so sind. Es sind nur recht viele und ich gerate immer wieder in Ost-West-Diskussionen und es nervt einfach.
Sorry, dass ich mich hier so auskotze gerade, aber es ist gerade so akut.

Dadurch dass ich in die Diskussionen einsteige, bin ich ja auch mitschuld, aber es fällt mir schwer, die Dinge so stehen zu lassen. Ich werde mich allerdings in Zukunft bemühen, dem aus dem Weg zu gehen, indem ich nicht darauf einsteige, das Thema wechsel oder zur Not gehe.

Aber damit eine Diskussion vom Zaun bricht, muss ich oft nur erwähnen, wo ich aufgewachsen bin oder sagen "Sorry, ich habe leider keine Erinnerung an Ketwurst. Ich bin erst seit 6 Jahren in der Region."

Inaktiver User
06.08.2012, 13:37
Ich studiere zwar an einer "Ostberliner" Uni und der Großteil meiner Freunde kommt auch aus den neuen Bundesländern, aber eigentlich hatte ich solche Diskussionen noch nie. Meine Freunde haben aber auch bis auf eine alle die DDR nicht bewusst miterlebt, weil sie dafür viel zu jung sind; ich denke das trägt auch einen Teil dazu bei. Bei einer guten Freundin von mir scheint es auch so zu sein, dass zum Beispiel ihre Großeltern, bei denen sie auch aufgewachsen ist, der Wiedervereinigung gegenüber eher positiv eingestellt sind.
Manchmal war es auf der Arbeit ein bisschen Thema, aber eben auch nicht so stereotyp und nicht in Form einer solchen Diskussion, lediglich in Bezug auf solche Sachen wie Kinderhort oder so. Das ist ja aber kein besonders heikles oder streitbares Thema.

Seerose
06.08.2012, 14:08
Jetzt hab ich eine ellenlange Antwort verfasst und dann stürzte mein Browser ab. *grummel*

Kurz: ich hab im Westen mit sehr wenig Vorurteilen zu kämpfen gehabt, gottseidank.
Das mag aber auch an den Ecken liegen, woanders wäre das bestimmt krasser ausgefallen (vllt im teifsten Bayern....)

Wie kommt es bei euch denn zu diesen Diskussionen? Ich hab schon lang keine solche mehr geführt.
Mir gehts da eher wie Kasu.

Und ja, der Osten ist sehr braun. Das ist schlimm :(
Aber es erklärt sich von selbst. Schaut man in die ländlichen Regionen Brandenburgs oder Sachsens, da haben die wenigsten eine Perspektive und sind gelangweilt. Gut ausgebildete ziehen sowieso weg.
Ich denke noch mit Bachweh an Rostock in den frühen neunzigern. Furchtbar ist das. Vergleichbares ist mir im Westen nicht bekannt.

Ananasringi
06.08.2012, 14:16
Mein Freund lebt seit drei Jahren im Osten und ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, dass es da jemals solche unguten Anti-"Wessi"-Diskussionen oder Situationen gab. Liegt aber vielleicht auch am Umfeld, wir wohnen in einer kleineren Großstadt, ca 80km von der ehemaligen Grenze entfernt, da ist die Stimmung vielleicht noch anders als im 300-Seelen-Dorf in der Sächsischen Schweiz. Generell gab's in meinem Freundes-/Familienkreis (den er ja quasi geerbt hat) auch nie so eine "alles Scheiße...Scheiß-Wessis...früherwarallesbesser"-Stimmung, obwohl da nach der Wende keiner die Mega-Karriere gemacht hat. Natürlich unterhält man sich mal über Ost/West, aber wir sind alle um die 30, d.h. da beschränken sich die eigenen Erfahrungen meistens auf das Kinderfernsehprogramm und welche Süßigkeiten es gab.

Umgekehrt begegnet mir meine westdeutsche Schwiegerfamilie auch völlig vorurteilsfrei.

kaffeetante
06.08.2012, 14:38
.

Seerose
06.08.2012, 14:51
Ohgott Chemnitz! Kein Wunder.
Und Dresden, das is doch das Tal der Ahnungslosen :D
Ich denke das hat damit zu tun.

Ananasringi: bist du aus Thüringen?

Delisha
06.08.2012, 15:12
Ich bin in Sachsen geboren und wohne jetzt in Ostberlin. Aber ich bin beruflich fast nur in Westdeutschland unterwegs und mein Freund ist auch aus dem Westen.
Mir persönlich bedeutet das ehrlich gesagt nichts mehr. Ich war 4 zur Wende und kann mich ehrlich gesagt an nichts mehr erinnern, was wirklich mit der DDR zu tun hatte. Als Kind ist einem sowas normalerweise ja gar nicht so bewusst.
Eigentlich passiert mir extrem selten, dass da was gesagt wird. Oft sind sowieso ein paar aus dem Osten und ein paar aus dem Westen dabei, dass sich gar keiner traut da groß was zu sagen.
Mein krassestes Erlebnis war in Gelsenkirchen, wo mir gesagt wurde, dass das ganze Geld eh nur in den Osten geht und die für die Stadt ja gar nichts mehr bekommen.
Ich glaub die Eltern von meinem Freund fanden es erst ein bisschen komisch, dass ich aus dem Osten und vor allem noch aus Sachsen komme. Denn laut Meinung von vielen redet man ja auch so komisches Comedy-Sächsisch, wenn man von dort kommt. Und auch sonst kamen so ein paar Kommentare, dass sie mir ja mal zeigen müssen wie es im Westen so ist. Das fand ich schon sehr befremdlich.
Sonst kann ich es bei älteren aber schon verstehen, dass es noch ein Thema ist. Bei meinen Eltern sind auf Arbeit plötzlich viele Kollegen aus dem Westen dazugekommen, aber haben dann mehr verdient als die Kollegen aus dem Osten. Das kam schon bei einigen schlecht an.

Ananasringi
06.08.2012, 15:30
Ananasringi: bist du aus Thüringen?

Genau.

ladyinrosa
06.08.2012, 15:35
ich finde ossis unglaublich geizig. ich kann ihnen das aber nicht übel nehmen, schließlich haben sie 40 jahre auf sparflamme gelebt. das zieht sich durchs weitere leben.

Seerose
06.08.2012, 15:35
Ich auch :-) Dann kann ich mir denken wo du wohnst. Ich komm ganz aus der Nähe ;)

Delisha: ich hab auch einen Kumpel der sich immer sehr am Soli aufzieht. Naja. Ich übergeh das dann.

ladyinrosa: ja! ich bin so genervt das ich mir immer anhören muss das Bioessen ja sooo teuer sei und man sich das nie leisten könnte. :rolleyes:
Dabei ist es nicht viel teurer wenn man mit Bedacht wählt.
Im Westen ist sowas eher selbstverständlich. (sieht man ja auch an großen Biokaufhäusern und Tegut Märkten zB)

Ananasringi
06.08.2012, 16:11
Ich auch :-) Dann kann ich mir denken wo du wohnst. Ich komm ganz aus der Nähe ;)


:D
(tegut gibt's hier aber auch. Aber nur in den Nobelvierteln. Da seh' ich auch immer nur Leute, die auch im Prenzlauer Berg wohnen könnten.)

Seerose
06.08.2012, 16:54
Echt? :o
Meine Eltern kaufen da immer ein aber die sehen nicht aus wie vom Prenzlauer Berg :D Aber ich weiß was du meinst.

Ise
06.08.2012, 17:01
ich bin in ostberlin geboren und in bayern aufgewachsen. ich habe eher die erfahrung gemacht, dass wessis unfreundlich sind und ossis bemühter im service. aber bestimmt gibt es überall solche und solche und man kann das gar nicht pauschalisieren. was mir nur mal aufgefallen ist: ossis reparieren dinge eher und wessis schmeißen weg und kaufen neu. meine mutter regt sich ziemlich gern über wessis auf. das finde ich dann schon auch übertrieben.
ich habe in thüringen studiert und ein freund, der aus niedersachsen kam wurde oft mal "wessi" genannt aber es wurde nicht speziell drüber diskutiert was daran gut oder schlecht sein soll.
also ich habe keine krassen pauschalierungen, diskussionen o.ä. erlebt. ich finde auch, dass das in unserer generation langsam mal vorbei sein sollte. allerdings wird das wohl eher schwierig, wenn die leute im westen doch immer noch mehr verdienen als im osten. warum eigentlich? die preise sind im osten dieselben, bis auf die mietpreise. und ich finde das rechtfertigt ein geringeres gehalt so gar nicht.

Pausenaufsicht
06.08.2012, 21:03
Bei den Ossis, die ich als Wessi im Westen kennengelernt hab, fiel mir so ganz krass auf, dass die meisten Frauen offen und positiv waren, wohingegen die männlichen Ossis eine starke Nörgler-Mentalität hatten und fast immer meinten "früher war alles besser und im Westen gibt es nur Gelumpe", auch wenn sie von der DDR höchstens den Kindergarten mitbekommen haben.

SquigyBekenheim
06.08.2012, 21:34
Mich würde mal interessieren, ob Ihr mit Vorurteilen/Vorbehalten zu kämpfen habt.
Es wäre schön, wenn ihr dazu noch schreiben könntet, wie sich Euer Umfeld dort gestaltet. Also, ob Ihr im Osten viel mit Ossis zu tun habt oder im Westen viel mit Wessis oder ob Ihr Euch zum Beispiel in Berlin vor allem unter Zugezogenen Wessis bewegt.

Ich frage, weil ich mich immer wieder in Diskussionen wiederfinde, in denen ich mich für mein Wessi-sein rechtfertigen muss. Und ich tu gar nichts dazu. Gestern erst hatte ich eine ziemlich krasse Diskussion mit einem guten Freund meines Freundes. Er hat so gegen Westdeutschland und "die Wessis" gewettert, dass ich irgendwann gesagt habe, dass ich mir seinen Ton und sein Urteil verbitte.

Wie kam es dazu? Irgendwer hat irgendetwas über Adenauer gesagt und ich sagte nur "Übrigens hat er sich damals geweigert zu flaggen, als Hitler nach Köln kam und wurde daraufhin seines Amtes enthoben.", woraufhin der Freund mir und pauschal dem ganzen Westen Deutschlands eine Adenauerverehrung unterstellte und sagte, dass Adenauer ein Nazi war und er dieses rechte Gedankengut in Westdeutschland ziemlich krass findet. Ich habe dann gesagt, dass ich leider sagen muss, dass mir im Westen nie so viele offene Rechte begegnet sind wie im Osten, aber ich unterstelle trotzdem nicht allen Ostdeutschen, dass sie Nazis sind. Er meinte, dass er in Ostdeutschland noch nie Rechten begegnet ist und das nicht erlebt habe, im Westen aber einmal zuletzt plötzlich mit Menschen zusammen saß, die rechts waren und das ist jetzt seine Erfahrung und so ist es im Westen. EY?!

Auf einer anderen Party vor ein paar Monaten wollte sich einer mit mir über das tolle Schulsystem der DDR unterhalten und ob ich da auch so tolle Erinnerungen hätte. Ich habe dann gesagt, dass ich leider keine habe, da ich in Westdeutschland geboren bin und sowieso erst 1990 eingeschult wurde. Daraufhin durfte ich mir wieder anhören, dass die BRD so schlimm ist und im Osten war alles besser. Bla.

Mir geht vor allem immer dieses "Das ist west und das ist ost." auf den Keks. Deutschland ist doch nicht nur Ost und West. Bayern ist anders als Schleswig und Schleswig ist anders als Thüringen und Thüringen ist anders als Meck-Pom. Und dass immer so auf dieser Trennung rumgeritten wird. Wir haben meiner Schwiegermutter mal ein Kochbuch mitgebracht und die Schwester meinte dann "Das ist ein West-Kochbuch, oder?" "Ja, und? Es ist in Deutscher Sprache geschrieben, man kann es verstehen und es sind Rezepte drin." (okay, das habe ich nur gedacht :D)

Mein Umfeld in Berlin ist gemischt und mein Freund ist in der ehem. DDR geboren, daher habe ich schon viel Kontakt zu Menschen, die ebenfalls aus Ostdeutschland kommen.

Gut, wie geht es Euch?

Ich kenn das Gefühl, plötzlich in so Diskussionen zu geraten, die dann irgendwie eskalieren, obwohl ich "Wessi" im Westen bin. Wir hatten erst vor 2 Wochen oder so wieder mal die Situation, dass ein Freund A und ich mit einem weiteren Freund B zusammensaßen, der aus MV kommt. Außerdem hatte er noch Besuch von ein paar Freunden, auch alle aus Ostdeutschland. Irgendwie (ich glaub es ging um die Uhrzeit und dass eine Freundin aus Bayern mal meinte "Ach, du sagst das auch mit dreiviertel 10 etc.", woraufhin dann B zu uns meinte, DDR und Bayern verbünden sich bei der Uhrzeit) kam dann das Gespräch darauf, dass bzw. ob sich B immer noch auf gewisse Weise mit der DDR identifiziere (nicht politisch wohlgemerkt). Das war der Ausgangspunkt für eine mind. einstündige Diskussion über das Gute, das es in der DDR gab (Schule, Krankenhäuser), über die Stasi (und 1000 Geschichten von Bekannten von Bekannten, die gezwungen wurden, da mitzuarbeiten - was nie jemand von uns beiden "Wessis" bestritten hat) und und und. Die "Ossis" in der Runde haben sofort (und zwar wirklich sofort) total heftig abwehrend reagiert.
Für mich und auch Freund A ist einfach diese Unterscheidung von Ost und West so dermaßen egal, dass es von uns aus nie angesprochen würde, von Freund B kommt es aber immer wieder. Es wirkt dann immer so, als ob er seine "Heimat" und die Leute dort verteidigen will bzw. dass er das Gefühl hat, dass er das tun muss, obwohl es vom Gesprächsverlauf gar keinen Anlass dafür gibt.

shine.on.
07.08.2012, 09:26
ich bin in sachsen geboren und habe auch "im osten" studiert, bin aber häufig mit "wessis" in kontakt (verbringe derzeit viel zeit in nrw) und habe die meisten diskussionen mit bayern führen müssen .. die wenigsten mit NRW/niedersachsen.
ich bin selten irgendwie angegriffen worden (nur vor kurzem in dortmund mit einer vita-cola in der hand, die anlass gab, mich als ossi zu identifizieren und zu beschimpfen). ich kann aber durchaus unterschiede feststellen und habe auch eher das gefühl, dass hier (gebiet um köln/aachen) mehr lifestyle herrscht und schon mehr einem leben im überfluss gefrönt wird .. ob man es sich leisten kann oder nicht. das gefühl hab ich in sachsen echt viel weniger .. man wählt eher mit bedacht, achtet immer aufs geld und lässt vermeintlich überflüssiges (richtg "leben") eher mal sein.

FrolleinHelmut
07.08.2012, 10:24
Jetzt hab ich eine ellenlange Antwort verfasst und dann stürzte mein Browser ab. *grummel*

Kurz: ich hab im Westen mit sehr wenig Vorurteilen zu kämpfen gehabt, gottseidank.
Das mag aber auch an den Ecken liegen, woanders wäre das bestimmt krasser ausgefallen (vllt im teifsten Bayern....)

Wie kommt es bei euch denn zu diesen Diskussionen? Ich hab schon lang keine solche mehr geführt.
Mir gehts da eher wie Kasu.

Und ja, der Osten ist sehr braun. Das ist schlimm :(
Aber es erklärt sich von selbst. Schaut man in die ländlichen Regionen Brandenburgs oder Sachsens, da haben die wenigsten eine Perspektive und sind gelangweilt. Gut ausgebildete ziehen sowieso weg.
Ich denke noch mit Bachweh an Rostock in den frühen neunzigern. Furchtbar ist das. Vergleichbares ist mir im Westen nicht bekannt.
Also, meine Schwägerin, die 1989 geboren ist, reitet einfach immer in einer harmlosen Weise auf Unterschieden zwischen Ost und West rum. Auch wenn es harmlos ist, nervt es irgendwann und ich würde mich freuen, wenn nicht immer dieser Unterschied gemacht würde. Zuletzt sagte sie einfach "Die redet wie n Wessi. Schlimm." und ich halt "Die redet wie jemand aus Bayern.", oft sage ich da auch gar nichts.

Dann wollte auf einer Party mal jemand mit mir in Schulerinnerungen aus der DDR schwelgen "Findest Du auch, dass die Schule im Osten besser war?" "Keine Ahnung. Ich komme aus Westdeutschland und war eh erst ab 1990 in der Schule." und schon eine ewig lange Diskussion, dass nun alles am Abgrund steht durch das Schlechte, was die BRD mit sich gebracht hat. Sollte ich lieber sagen "Ja, stimmt. Die Ostschulen waren besser. Weiß ich noch genau."?

Die Diskussion am Wochenende ging los, weil ich erwähnt habe, dass Adenauer nicht für Hitler flaggen wollte, als der nach Köln kam. Das sagte ich, weil vorher jemand eine Adenauer-Anekdote erzählt hat (dass er seinen Delegierten in Russland vor den Verhandlungen ein Schnapsglas Öl verabreicht hat, damit sie mithalten können beim Wodka). Plötzlich war ich laut der Auffassung des Freundes glühende Adenauer-Anhängerin und Adenauer war ja auch ein Nazi und im Westen wird er so verehrt und deshalb sind alle Wessis verkappte Nazis. Oder so ähnlich.
Vorher hat er noch erzählt, dass er zuletzt in der Pfalz war und ich sagte dann "Oh, wir auch. Es ist so schön da, oder?" "Naja, die Weinberge und so sind ja schon nett, aber es ist mir zu sehr Westen." :augenroll:
Eigentlich mag ich den Freund sehr, er ist normalerweise sehr feingeistig und lustig. Aber am Samstag war er nicht jut drauf.

Ich verstehe ja auch die Ursache des braunen Gedankenguts hier. Allerdings finde ich es krass, dass viele nur in Extremen denken. Entweder man ist links oder man ist rechts. Wenn man nicht mit den linkesten Ideen übereinstimmt und die Fahne für Lenin nicht hoch hält, dann muss man ja ein Nazi sein.
So denken nicht alle, aber doch viele.
Und ich finde es krass, aber das habe ich ja schon erwähnt, wie akzeptiert das ist, wenn jemand offen Neonazi ist. Gleichzeitig wird aber von der linken Seite immer so getan, als wäre der zweite Weltkrieg hauptsächlich eine westdeutsche Angelegenheit und der Westen soll sich mal bitte um eine korrekte Aufarbeitung bemühen.



ladyinrosa: ja! ich bin so genervt das ich mir immer anhören muss das Bioessen ja sooo teuer sei und man sich das nie leisten könnte. :rolleyes:
Dabei ist es nicht viel teurer wenn man mit Bedacht wählt.
Im Westen ist sowas eher selbstverständlich. (sieht man ja auch an großen Biokaufhäusern und Tegut Märkten zB)
Haha, ich dachte ja, das wäre eine Besonderheit in meiner Schwiegerfamilie. Wenn die in Berlin sind, MÜSSEN wir durch alle 7 Stockwerke des Naturkaufhauses laufen immer und es wird überall auf den Preis geguckt und bemerkt, wie teuer doch alles ist.
Die Schwester vom Freund achtet auch nie auf Qualität, immer nur auf den Preis. Ich habe zuletzt versucht, ihr zu erklären, dass die Schuhe, die sie gerade verschmäht hat wegen des Preises (der nicht exorbitant war) sehr gut verarbeitet sind und wahrscheinlich länger halten. Aber da wird lieber 5 mal billig gekauft, als einmal ordentlich. Und wenn wir (Freund und ich) Geld für Qualität ausgeben, weil wir nicht nächstes Jahr wieder neu kaufen möchten, finden die das sehr verschwenderisch.


Ich kenn das Gefühl, plötzlich in so Diskussionen zu geraten, die dann irgendwie eskalieren, obwohl ich "Wessi" im Westen bin. Wir hatten erst vor 2 Wochen oder so wieder mal die Situation, dass ein Freund A und ich mit einem weiteren Freund B zusammensaßen, der aus MV kommt. Außerdem hatte er noch Besuch von ein paar Freunden, auch alle aus Ostdeutschland. Irgendwie (ich glaub es ging um die Uhrzeit und dass eine Freundin aus Bayern mal meinte "Ach, du sagst das auch mit dreiviertel 10 etc.", woraufhin dann B zu uns meinte, DDR und Bayern verbünden sich bei der Uhrzeit) kam dann das Gespräch darauf, dass bzw. ob sich B immer noch auf gewisse Weise mit der DDR identifiziere (nicht politisch wohlgemerkt). Das war der Ausgangspunkt für eine mind. einstündige Diskussion über das Gute, das es in der DDR gab (Schule, Krankenhäuser), über die Stasi (und 1000 Geschichten von Bekannten von Bekannten, die gezwungen wurden, da mitzuarbeiten - was nie jemand von uns beiden "Wessis" bestritten hat) und und und. Die "Ossis" in der Runde haben sofort (und zwar wirklich sofort) total heftig abwehrend reagiert.
Für mich und auch Freund A ist einfach diese Unterscheidung von Ost und West so dermaßen egal, dass es von uns aus nie angesprochen würde, von Freund B kommt es aber immer wieder. Es wirkt dann immer so, als ob er seine "Heimat" und die Leute dort verteidigen will bzw. dass er das Gefühl hat, dass er das tun muss, obwohl es vom Gesprächsverlauf gar keinen Anlass dafür gibt.

Jo, kenn ich. Manchmal habe ich das Gefühl, es wird an einigen Punkten des Gesprächs krampfhaft versucht, einen Unterschied zwischen Ost und West festzumachen. Und es ist auch immer im ganzen Osten so und so und definitiv sind alle Wessis so und so.

Inaktiver User
07.08.2012, 12:55
ladyinrosa: ja! ich bin so genervt das ich mir immer anhören muss das Bioessen ja sooo teuer sei und man sich das nie leisten könnte. :rolleyes:
Dabei ist es nicht viel teurer wenn man mit Bedacht wählt.
Im Westen ist sowas eher selbstverständlich. (sieht man ja auch an großen Biokaufhäusern und Tegut Märkten zB)Hm. Also ich finde das nicht selbstverständlich, jedenfalls ist es in meinem Heimatumfeld (und das ist allertiefstes Westdeutschland) absolut nicht so. Da jammern eigentlich auch alle wie teuer Bio ist und niemand würde auf die Idee kommen, groß Bio einzukaufen, es sei denn die Sachen schmecken halt besonders gut (das hat dann ja aber nicht unbedingt was mit dem Biolabel darauf zu tun). Und tegut gibt es in meinem ursprünglichen Bundesland glaube ich gar nicht. Ich weiß auch nicht, ob es überhaupt einen Biosupermarkt dort gibt, glaube aber eher nicht, bzw. wenn dann nur 1 oder 2 und nicht da wo ich herkomme.
Allerdings ist meine Herkunftsregion ja auch ein bisschen Spezialfall und ich musste mir sogar eher dazu von Gleichaltrigen schon Kommentare anhören :suspekt:
Generell geben mir viele der Beschreibungen hier das Gefühl, dass meine Familie wohl verkappte "ostdeutsche Gene" in sich tragen muss, vor allem meine Mutter ;) Die schmeißt auch nix weg und lässt es lieber 100.000mal reparieren, selbst wenn die Reparatur fast so teuer ist wie ein neues Gerät (z.B. beim Fernseher) und geizig sind sie in meiner Familie auch alle, inklusive mir. Unabhängig von West- oder Ost kenne ich in meinem Umfeld eigentlich sonst keinen, der sich ständig so viele Gedanken ums Geld macht wie ich selbst und bei allen Angeboten so auf den Preis schielt. Ich bin halt so erzogen worden ("Wir haben kein Geld"), keine Ahnung, vielleicht gibt es in den neuen Bundesländern mehr die auch so erzogen worden sind, aber ich würde es nun nicht für ein spezifisches Phänomen von dort halten, jedenfalls gestaltet es sich in meinem Bekanntenkreis halt nicht so...

jewa
10.08.2012, 18:28
Ich bin Wessi und lebe jetzt viele Jahre im Osten, hab zuerst hier studiert und arbeite jetzt auch hier. Mein Freudeskreis ist gemischt, aber besteht mittlerweile zu fast 80 Prozent aus Ossis. Was war nochmal die Frage? Ob man diese Diskussionen kennt?

Also, ja und nein. Im privaten Umfeld nein. Dafür sind meine Freunde zumeist auch zu bio-nachhaltig-akademisch-links geprägt. Ab und zu kommt mal ein Satz a la "Ich würd eher ins Ausland ziehen als in den Westen zu gehen", was ich schon strange finde. Richtig begründet wird das dann nicht. Aber die meisten sind schon mobil und haben auch schon mehrere Jahre im "Westen" gewohnt oder haben das bald vor. Oft gibt es eine selstame Abneigung gegenüber Bayern, auch wenn man noch nie da gewesen ist.

Für viele in meinem erweiterten Bekanntenkreis, weniger Freundeskeis, ist Osteuropa noch Feindesland und bäh, finde ich auch komisch.

Im beruflichen bekomme ich viele Sachen mit, die ich schlimm finde (im Bereich latenter und offener Rechtsextremismus), und die mir leider auch nochmal einen anderen Blick auf die Stadt und das Bundesland mitgegeben haben.

Mohrrübe
10.08.2012, 20:32
Ich bin Ossi und lebe im Osten, habe aber privat viel im "Westen" zu tun. Neulich ist uns was interessantes passiert: mein Mann bastelt hobbymäßig an Autos rum und wir mussten nach Hessen zu einem Spezialisten für Irgendwas fahren. Der hat uns begrüßt als wären wir die Offenbarung schlechthin, hat rumgezetert, dass wir ja aus einer Gegend kommen, in der noch arbeitswillige Leute da sind, wo noch Zucht und Ordnung herrscht und wo noch was bewegt wird... Komischer Kauz. Und dann mussten wir ihn aufklären, dass auch wir (also jeder arbeitende Mensch) den Soli zahlt...

Also das war jetzt nur ein Beispiel. Ich kenne freilich viele Ossis, viele meiner Freunde sind jetzt im Westen, ihc hab einige Wessi-Freunde. Mir geht die Diskussion aufn Keks. Ich bin ü30 und hab nicht viel von der DDR mitbekommen, die ersten Jahre meiner Schullaufbahn - ok, Da war auch nicht alles gold was glänzte, es war aber auch nicht alles schlecht.

Ich mag mich einfach soooo viele Jahre nach dem Mauerfall nicht mehr über solche Dinge unterhalten. Für mich gibt es EIN Deutschland. Klar gibts hier weniger Ausländer, hier gibts auch ein paar Rechte, aber auch genug Linke. Die Leute sind hier durchaus griesgrämiger, das weiss ich auch. Das liegt aber an der blöden Arbeitsmarktsituation. Aber jeder der will, kann heutzutage was aus sich machen und es gibt hier wie dort überall faule, fleißige, lustige, nette, doofe. Eine blöde Diskussion.

FrolleinHelmut
11.08.2012, 09:16
Ich habe halt auch einen klaren Standpunkt zum Thema und der ist bestimmt nicht Ossi-feindlich.
Ich glaube, dass damals bei der Wiedervereinigung viel schief gelaufen ist. Das ganze ist viel zu schnell erledigt worden und man hat die soziologische Komponente außer Acht gelassen, weil sich doch alle so gefreut haben und weil Kohl glänzen wollte.
Man hätte den Osten fit machen müssen für die Marktwirtschaft, nicht nur die Betriebe (was ja auch nicht passiert ist, wovon die Treuhand aber natürlich stets behauptete, dass das ihre Aufgabe sei), sondern auch die Menschen. Wenn man 40 Jahre lang so gelebt hat, dass alles geregelt war im Leben und von oben schon jemand sagt, wie es weiter geht, wie soll sich dann innerhalb von 11 Monaten mental alles ändern?
Allerdings gab es ja auch gar keine Möglichkeit, niemand hat die Leute an die Hand genommen und darauf vorbereitet.

Ich halte das allerdings für ein Problem, das mit den Generationen ausstirbt. Die jüngere Generation ist ja schon an die "neue" Situation gewöhnt.

Der Freund von meinem Freund, der dem Leninismus immer hinterherweint, ist Ende 30, glaube ich. Da ist es vielleicht schon ein bisschen schwieriger. Allerdings finde ich, dass man sich nach über 20 Jahren auch mal arrangieren kann. Er sagt halt immer, dass der Westen überhaupt nicht daran interessiert war, einen neuen, gemeinsamen, sozialistischen Staat aufzubauen (Nö, war er auch nicht) und spricht so, als würde er gefangen gehalten in einem Unrechtsstaat. Aber ich denke halt, dass die SED unter einem anderen Namen weiterhin existiert und in demokratischen Wahlen gewählt werden kann. Dass sie bislang keine Mehrheit erzielen konnte, zeigt, dass die Menschen lieber anders regiert werden möchten und somit wäre eine solche Regierung nicht legitim und müsste gegen den Willen der Menschen eingeführt werden, wo wir wieder bei einer Diktatur wären.

Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass manchen Leuten die Demokratie gar nicht so gut gefällt, weil sie sich selbst Gedanken machen müssen und im Endeffekt selbst verantwortlich sind für ihr eigenes Wohlergehen. (Und wir leben ja auch nicht in einem Land, das Menschen, die es nicht schaffen, eiskalt fallen lässt.)
Aber das sind eher die Älteren Semester. Vor allem die Rentner tun mir hier leid, weil viele von denen wirklich hängen gelassen werden.

schattenblatt
11.08.2012, 11:02
.

FrolleinHelmut
11.08.2012, 11:15
Das wirkt immer ein wenig so, als wäre die Ost/West Zugehörigkeit ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Identität. Und in dieser fühlen sich die Ostdeutschen scheinbar permanent angegriffen.
Ja, anstatt, dass man sich als Thüringer, Rheinländer, Darßer, Bayer etc. fühlt. Immer "Wir im Osten, Ihr im Westen." oder "Ihr im Osten, wir im Westen." Es gibt doch nicht nur diesen Unterschied.

Ich würde es halt verstehen, wenn ich mich in Potsdam auf einer Party hinstellen und irgendetwas in der Richtung verkünden würde. Aber die Diskussionen fangen halt immer aus heiterem Himmel an, oft einfach dadurch, dass ich eben aus Westdeutschland komme und dann muss man mir mal sagen, was alles schief gelaufen ist. Als hätte ich da als 5-Jährige etwas mit zu tun gehabt.

Akkordeon
11.08.2012, 12:16
Ich habe als "Wessi" ein Jahr in Ostdeutschland gelebt. Meine Erfahrungen waren leider nicht die allerbesten...

Ich bin relativ aufgeschlossen, oder sagen wir: naiv, rangegangen und dachte: Okay, die Wende ist jetzt 20 Jahre her und bei den jüngeren Leuten wird das wohl kein sensibles Thema mehr sein. Aber falsch gedacht.

Insbesondere mit meinen ostdeutschen Arbeitskollegen bin ich überhaupt gar nicht klar gekommen. Manche haben sich vom ersten Tag an total feindselig mir gegenüber verhalten. Alles, was ich gemacht und gesagt habe, fanden sie komisch. Von Toleranz keine Spur. Es lebe die Masse, pardon: das Kollektiv. Ich bin auch unfreiwillig optisch ziemlich "aufgefallen". Meine Arbeitskolleginnen waren z.B. in der Mehrzahl krass geschminkt, also volles Make-up - Programm, dazu meist irgendwelche extravaganten asymmetrischen Vokuhila-/ Nena - Frisuren. (Sollte ich dazu sagen, dass ich in einem nicht-akademischen Bereich arbeite?) Ich bin das totale Gegenteil. Dann noch alle im Diätwahn... Und Statussymbole (Auto, große Wohnung) waren total wichtig.
Hinzu kamen ständiges griesgrämiges Gesicht und Humorlosigkeit bzw. vielleicht auch nur ein extrem unterschiedlicher Humor. Und eine - nun ja - Art Hinterhältigkeit. Nicht zu vergessen der Alltagsrassismus. :uebel:

Also, ich hatte vielleicht 5 Arbeitskolleginnen, die in Ordnung waren. Die aufgeschlossen und kontaktfreudig waren, mir viel über die DDR erzählt haben (eine ältere Kollegin), ohne dass es ständig zu Empfindlichkeiten oder Anschuldigungen kam.
Aus Diskussionen über die DDR, die Wende sowie "Ost- und Westdeutschland" habe ich mich fast immer rausgehalten. Habe mir dumme Sprüche angehört, wie die Wessis so seien... Auf einer gemeinsamen Fortbildung in München hieß es z.B.: Ach, die faulen Wessis müssen immer so viel Pause machen" (Weil wir vormittags eine Kaffeepause hatten und neben der Mittagspause nachmittags noch eine Unterbrechung.) Am liebsten hätte ich geantwortet, dass häufiges Pause-machen offensichtlich zu einer konkurrenzfähigen, produktiven Wirtschaft führt...
Ich kann für mich jedenfalls auschließen jemals wieder in Ostdeutschland zu arbeiten.

Privat habe ich zum Glück bessere Erfahrungen gemacht. Habe viele nette Menschen getroffen und erinnere mich gerne an die Zeit mit ihnen zurück. Bin deshalb Ostdeutschland gegenüber insgesamt nicht negativ eingenommen. Es ist nur eine Gesellschaft mit völlig anderem Hintergrund - und das sollte man (leider) bei allem Einheits-Tralala nicht vergessen.

Meine Arbeitssituation hat sich zum Glück mit der Rückkehr nach Westdeutschland schlagartig verbessert.

sora
11.08.2012, 13:52
ich finde die schilderungen hier echt interessant, das hätte ich mir nie so vorgestellt.
kommt es nur mir so vor, oder habt ihr auch das gefühl, dass das ganze in den medien eher andersherum dargestellt wird? also dass es da eher die "wessis" sind, die den "ossis" gegenüber arrogant sind und vorurteile haben?

FrolleinHelmut
11.08.2012, 14:02
ich finde die schilderungen hier echt interessant, das hätte ich mir nie so vorgestellt.
kommt es nur mir so vor, oder habt ihr auch das gefühl, dass das ganze in den medien eher andersherum dargestellt wird? also dass es da eher die "wessis" sind, die den "ossis" gegenüber arrogant sind und vorurteile haben?
Ja, da wird es definitiv so herum dargestellt, aber ich möchte auch nicht ausschließen, dass es Ossis im Westen vielleicht auch nicht allzu gut ergeht und sie nicht auch mit Vorurteilen zu kämpfen haben.

Akkordeon
11.08.2012, 15:01
ich finde die schilderungen hier echt interessant, das hätte ich mir nie so vorgestellt.
kommt es nur mir so vor, oder habt ihr auch das gefühl, dass das ganze in den medien eher andersherum dargestellt wird? also dass es da eher die "wessis" sind, die den "ossis" gegenüber arrogant sind und vorurteile haben?

Ja, in den Medien wird oder wurde das zumindest gerne andersherum dargestellt. Dabei haben mir schon einige Ostdeutsche, die im Westen leben oder einige Jahre gelebt haben, erzählt, dass sie freundlich "aufgenommen" wurden.
Das Gegenteil, also dass Leute aus dem ehemaligen Westdeutschland in den Osten gehen, trat bis vor ein paar Jahren wohl kaum auf und jetzt auch noch nicht so häufig.

Ich habe ja viel über meine dortigen Erfahrungen nachgedacht und erkläre es mir zum Teil so:
- die "Ossis" waren bisher meist die, die einstecken mussten: bei der Wende ist viel schief gelaufen, die DDR wurde quasi annektiert, anstatt dass ein neues gemeinsames Land gegründet wurde, von der Treuhand und westdeutschen Konzernen ausgeschlachtet, ganze Existenzen wurden vernichtet, Biographien abgewertet (weil in einem Unrechtsstaat pauschal das ganze Leben vermeintlich einfach nur schlimm sein kann), die Medien zogen die Ostdeutschen ins Lächerliche, die Neo-Nazis sorgen ständig für negative Schlagzeilen usw. usw.
- die jüngeren Leute, die dort geblieben und nicht in den Westen gegangen sind, sind möglichweise generell wenig aufgeschlossen für Neues und eher ostalgisch.
- das bedeutet: Wenn die seltene Gelegenheit kommt, mal einen "Wessi" alleine unter lauter Ostdeutschen (= Arbeitsplatz) zu treffen, dann ist diese Situation wie geschaffen dafür, dass mal alle gesammelt am Wessi ihren Frust rauslassen

Ich habe inzwischen auch schon von einigen anderen gehört, dass es ihnen so ergangen ist. Es wird also nicht nur allein an meiner (durchaus manchmal schwierigen ;)) Persönlichkeit liegen.

Softball-girl
12.08.2012, 19:37
mir sind bisher nur mehrmals dämliche kommentare gekommen. richtig angegriffen wurde ich nicht. häufiger bekomme ich gesagt, was alles besser war im osten, aber da reagiere ich kaum drauf.

was ich bestätigen kann, ist der geiz. beipsiel: als mein freund ein neues rad gekauft hat (info: es ist sein einziges fortbewegungsmittel auch für den job und alles), weil sein altes total kaputt (er hatte u.a. wegen der bremsen einen unfall)und viel zu klein war, fanden die eltern das neue viiiel zu teuer und überhaupt - hätte es nicht wieder so ein gebrauchtes getan? dabei wurde ich angeschaut als wäre ich *schuld*, weil ich mir zuerst ein neues gekauft habe...

FrolleinHelmut
13.08.2012, 08:45
mir sind bisher nur mehrmals dämliche kommentare gekommen. richtig angegriffen wurde ich nicht. häufiger bekomme ich gesagt, was alles besser war im osten, aber da reagiere ich kaum drauf.

was ich bestätigen kann, ist der geiz. beipsiel: als mein freund ein neues rad gekauft hat (info: es ist sein einziges fortbewegungsmittel auch für den job und alles), weil sein altes total kaputt (er hatte u.a. wegen der bremsen einen unfall)und viel zu klein war, fanden die eltern das neue viiiel zu teuer und überhaupt - hätte es nicht wieder so ein gebrauchtes getan? dabei wurde ich angeschaut als wäre ich *schuld*, weil ich mir zuerst ein neues gekauft habe...
Haha, ich fühle mich auch immer schuldig, dass wir neue Dinge anschaffen. Also, ich habe das Gefühl, seine Eltern geben mir die Schuld daran.

Inaktiver User
13.08.2012, 19:20
ich bin in sachsen geboren und aufgewachsen, habe dort studiert. mein mann ist in bayern geboren und aufgewachsen, hat dort studiert. wir haben dann kurz gemeinsam in hessen gewohnt, dann einige jahre in thüringen, jetzt sind wir seit einer weile in bayern.
früher hatte ich auch eine - natürlich völlige unsinnige - abneigung gegen bayern, inzwischen fühle ich mich sehr wohl hier, aus thürinen wegzugehen fiel mir überhaupt nicht schwer.
die ddr hab ich nur bis ins grundschulalter erlebt und finde es wirklich albern, wenn leute meines alters - oder gar jünger - da irgendwas verherrlichen oder auf die jeweils andere seite schimpfen, auf solche diskussionen mag ich mich überhaupt nicht einlassen.

Inaktiver User
13.08.2012, 20:03
Ich bin Ossi und war nie wirklich lang im Westen.

Ich habe mit beiden Spezies gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Es gibt halt die Wessis, die über die faulen Ossis, die den Soli verprassen wettern und die Ostalgiker mit und ohne ideol. Hintergrund. Bei Menschen vor Bj1985, die "ausgewandert" sind (Ost-West, West nach Ost) habe ich auch beide denkbaren Erfahrungen/Meinungen gehört:
a) Wir haben uns gut eingelebt. Uns geht es hier gut.
b) "Nur daheim ist daheim" mit dem Trend zurück in eigene Bundesland.

Ich sehe aus meinen Erfahrungen heraus keine Tendenz, wer mehr lästert/nörgelt oder besser mit dem anderen Landesteil zurechtkommt. Wobei man natürlich in Rechnung stellen muss, dass die geistig beweglicheren sich aus den wirtschaftlich schwachen Gegenden in die Boomgegenden gehen. Dies wird prozentual den Osten stärker betreffen als den Westen.

durga
14.08.2012, 15:10
Bin 1984 in der BRD geboren, aber grenznah, hatte Ostverwandtschaft in der Familie meiner Mutter, die meines Vaters ist früh aus der DDR geflohen, hatte da also immer einen Bezug zu. Lebe seit acht Jahren in Ostdeutschland, habe einen gemischten Freundeskreis. Die ostdeutschen Freunde (Jahrgang 1980 bis 1990) sind aber fast alle aus kirchlichen Familien und haben darum natürlich ein negatives Verhältnis zur DDR.

Außerhalb der Uni mehr als innerhalb nehm ich schon klar Mentalitätsunterschiede wahr, die ich tw. schon an der jüngeren Diktaturerfahrung hier festmache. Ich bin aber auch allergisch auf westimportierte Profs, die sich hier in der Hinsicht benehmen wie der Elephant im Porzellanladen.

In der Klinik haben mich Schwestern mal gefragt, Sie sind aus dem westen, oder? Das war nicht negativ gemeint und sie konnten es auf Rückfrage auch nicht genau an irgendwas festmachen, aber es gibt einfach Unterschiede. Starke Wertungen erlebe ich aber zum Glück in keine Richtung. Und mit Kommunisten kann ich mich streiten (oder es auch lassen), egal, ob sie von ihren Eltern DDR-Nostalgie geerbt haben (und selbst die negativen Seiten nicht erleben mussten) ode rnicht.

selma_
16.08.2012, 10:48
hm ich leb als wessi seit jahren im osten und hab einen gemischten ossi-wessi-freundeskreis, das ist super.
hab den thread überflogen, aber solche ressentiments bzw. vorurteile und krasse sprüche erleb ich nicht. eine freundin hat früher manchmal kommentare gebracht "im westen ist es ja soundso...", obwohl sie selbst außer einem vierwöchigen praktikum in frankfurt/main nie dort gewohnt hat, das hat mich regelmäßig geärgert. heute lässt sie das aber bleiben.

der rest meiner leute ist offenbar ziemlich aufgeklärt ;) viele waren im auslandsjahr; es liegt sicher auch daran, dass das hier einfach eine sehr traditionelle studentenstadt ist, tendenziell eher offene geister, weniger probleme mit rechtsradikalismus als anderswo im osten.
hier sind einfach auch sehr viele wessis mittlerweile. ich stell mir grad vor, wie albern das dann wär :D aber kann gut sein, dass sich manche da mehr separieren als ich/wir.

außerhalb der "studenten-/uniblase", also beim bäcker oder so, hab ich auch keine probleme mit ablehnung/vorurteilen. natürlich weiß ich nicht, was sie wirklich denken, wenn sie hören, ich sprech keinen dialekt, komm also nicht aus der gegend, und hab auch sonst keinen (ost-)akzent. aber freundlich sind sie, und die miesepterigen sind offenbar einfach so.
der stadt gehts wirtschaftlich auch ziemlich gut.

Mohrrübe
19.08.2012, 11:28
Ich hab nochmal ein bissl über diese Problematik nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass eigentlich m.M.n. diese Ost-West-Geschichte nur bei einer Generation noch immer Thema ist. Nämlich die, die zur Wendezeit um die 45/50 Jahre alt waren und nicht agil genug waren, mit der neuen Situation fertig zu werden.

Wir haben davon einige im Bekannten/Verwandtenkreis und bei denen ist das heute noch bei jeder Familienfeier Thema. Ok, heute sind die 65/70 Jahre alt und leiden eben heute auch noch sehr drunter, dass das damals soooo schnell ging, große Chancen auf neue Jobs hatten sie auch nicht. Das ist klar. Aber leider ist mir eben auch keiner bekannt, der damals seine Sachen gepackt hat und "rüber" gezogen ist um sich neue Arbeit zu suchen. Die die hiergeblieben sind, sind arbeitslos geworden und bis zur Rente geblieben. Das baden die halt heute durch ne Miese Rente auch noch aus und sind entsprendend griesgrämig.

Meine Elterngeneration hingegegen, hat damals alles beim Schopfe gepackt, was es an neuen Möglichkeiten gab. Die sind richtig aufgeblüht, gereist, haben fernab Jobs gefunden - gute. Denen gehts heute richtig gut. Meine Ma ist ein richtiger GLobetrotter geworden.

Und diese ältere Generation beneidet heute diese heutigen Mitfuffziger und das führt auch immer wieder zu Zank und Streit.

Aber bei meiner Generation kenne ich kaum noch Ost-West-Konflikte. Ich war in der 3. Klasse... ich fand das alles sooo spannend und toll!!

Und rückblickend finde ich diese Art und Weise damals auch nicht gerade toll. Wenn einem nach sagen wir 50 Jahren das komplette Leben von heute auf Morgen auf den Kopf gestellt wird, nichts mehr so ist wies mal war, man ja auch keine Ahnung von Marktwirtschaft hat - klar fallen da viele durchs Netz, die damit nicht Schritt halten konnten. Aber viele viele der "Ossis" haben das wirklich unglaublich gut verkraftet, das als neue Chance verstanden, endlcih DAS Leben zu führen was sie immer wollten - wofür sie gekämpft haben. DAS finde ich heute immer wieder bewegend und ich denke gern daran zurück, wie wir damals absolut ungläubig vorm TV saßen und sahen wie da in Berlin die Mauern fielen...

Aber eine bessere Umsetzung wäre für alle trotzdem wünschenswert gewesen, aber ganz ehrlich: das war eine Situation die auch ganz ganz schlimm ausgehen hätte können.

FrolleinHelmut
19.08.2012, 11:37
Ja, bei der genannten Generation finde ich es auch irgendwo verständlich. Die Leute haben ihr ganzes Leben in einer sozialistischen Diktatur verbracht, in der so gut wie alles geregelt war. Da ist es nicht so einfach, sich an die neue Situation, in der man selbst Verantwortung für sein Leben trägt und niemand kommt und einem etwas schenkt oder einem sagt, was man denken soll, zu gewöhnen.

Ich kenne allerdings auch jüngere Leute, die immernoch der DDR hinterhertrauern. Also, da fehlt es mir echt an Verständnis. Ich spreche ja niemandem seine schönen Kindheitserinnerungen ab, aber zum Beispiel die 30-jährige Schwester vom Freund finde grundsätzlich alles, was in der DDR produziert wurde, qualitativ hochwertiger und somit besser. Ost-Beton ist zum Beispiel bei ihr wesentlich beständiger als West-Beton.
Und zuletzt war sie in einem Haus, in dem das Erdgeschoss 1. Ebene hieß und da sagt sie "Also, im Osten war die erste Ebene nicht im Erdgeschoss." :suspekt: Also, als wären die paar Jahre, die sie in der DDR verbracht hat, die ausschließlich prägenden Jahre ihres Lebens.
"Im Osten war das das Erdgeschoss." Echt...tzzz...das ist doch jetzt 22 Jahre her, wie kann man denn 2012 zu jemandem sagen "Keine Ahnung, im Osten war das Erdgeschoss." und nicht denken "Hmm...komisch, dass die das hier anders machen als überall sonst." - als wäre sie 22 Jahre lang in keinem mehrgeschossigen Haus gewesen.
Ich habe mich dann gestern wieder hinreißen lassen, zu sagen "Im Westen ist das Erdgeschoss auch schon immer Erdgeschoss gewesen.", weil argh.

Also, wenn irgendetwas anders ist als woanders, dann liegt das am Westen. Und im Osten gab's das nicht.

FrolleinHelmut
19.08.2012, 11:42
Ey, sogar die 23-jährige Schwester macht an allen Ecken und Enden Ost-West-Unterschiede.
"Der redet wie ein Wessi."
"Mäh, ein West-Kochbuch."
"Ost-irgendwas."
Die ist 1989 geboren. Will ich nur mal sagen.

Okay, vielleicht bin ich da einfach an eine sehr ostalgische Schwiegerfamilie geraten.

Delisha
19.08.2012, 19:27
Ja, bei der genannten Generation finde ich es auch irgendwo verständlich. Die Leute haben ihr ganzes Leben in einer sozialistischen Diktatur verbracht, in der so gut wie alles geregelt war. Da ist es nicht so einfach, sich an die neue Situation, in der man selbst Verantwortung für sein Leben trägt und niemand kommt und einem etwas schenkt oder einem sagt, was man denken soll, zu gewöhnen.
Najaaa, das klingt jetzt aber auch schon ganz schön krass. Also es wurde ja nun auch nicht alles vorgeschrieben und abgenommen. Das klingt gerade so nach kleinen Lemmingen ;)
Ich weiß das meiste auch nur aus den Erzählungen von meiner Oma und meinen Eltern und am Ende klingt es auch nicht soo anders als das, was ich von anderen aus dem Westen höre. Am Ende schafft sich ja jeder seine Nische, wo er glücklich ist. Aber vielleicht kenne ich auch einfach viele aus eher kirchlichen Kreisen, da hat man sich da eh eher rausgehalten. Meine Oma findet zwar schade wie es gelaufen ist mit der Zusammenführung und mag manches heute auch nicht, aber zurück will sie auch nicht.

Ich versteh aber auch nicht wie man den alten Zeiten so hinterherhängen kann. Es ist schon einiges schlechter geworden, aber auch vieles besser. Und es wär so sowieso nicht weitergegangen. Also es stand ja außer Frage, ob man die DDR so weiterführen will.

Mohrrübe
20.08.2012, 00:51
Ja, also dieses "eigene Entscheidungen-treffen" war im Osten ja auch nicht anders. Man musste sich schon selbst für einen Beruf, ein Studium (ok, war schwierig), für eine Partnerschaft, eine Wohnung etc. entscheiden udn sich drum kümmern. Es war nicht so, dass dir da jemand geholfen hat, aber es gab eben einfach Arbeit für alle. Aber ne vernünftige Wohnung gabs noch lange nicht für jeden und da musste man sich schon wesentlich mehr um sich selbst und sein Vitamin B kümmern.

Aber das ist hier nicht Gegenstand der Frage.

Ich denke, du hast einfach eine etwas ostalgische Familie abbekommen :D. Die Schwester klingt ja sehr sehr strange, ist ja nicht so, als hätte sie nicht über 2/3 ihres Lebens im "Westen" verbracht. Kanns sein, dass die Eltern das noch so vorleben? Da gabs doch neulich mal so einen Thread über eine Schwägerin in Spe die sich nicht alleine traut irgendwas zu machen... das kommt doch aufs gleiche raus.

Und wenn ich die Geschichten meiner Großeltern höre, wie sie damals " aus Scheiße Bonbons" gemacht haben, denke ich heute, während meiner Tätigkeit im öffentl. Dienst immermal dran, dass ich ja eigentlich auch nix anderes mache. Es wird an allen Ecken gespart, ich mache aus irgendwelchen geschenkten/geborgten Dingen, wieder nutzbares Zeug... SOOOO viel anders, isses heute auch nich :mrnerd:

S.Less
20.08.2012, 02:19
der grund warum viele ossis adenauer gar nicht leiden können liegt nunmal darin, dass er damals die stalin-noten abgelehnt und mithin die wiedervereinigung deutschlands ausgeschlagen hat weil er ziemlich versessen drauf war, (west)deutschland gerade auch militärisch in westeuropa zu integrieren. erst 40 jahre später war es dann wiederum die CDU die die wende verbockt hat indem sie sich gegen ihre eigenen experten durchgesetzt hat, die währungsunion viel zu schnell durchzog und ost-betriebe regelrecht von heute auf morgen verramschte anstatt sie nach und nach durch eine langsamere währungsunion wettbewerbsfähig zu machen und bis dahin absatzmärkte im tiefen osten zu erhalten / auszubauen. die chance hatte die cdu, sie hat selbst eine kommission eingesetzt die ihr das empfohlen hat, die cdu hat nicht auf sie gehört obwohl damals die komission sagte wenn das anders gehandhabt wird werden noch auf jahrzehnte abermilliarden an ausgleichszahlungen jährlich fließen müssen und auch der westen mit runtergezogen. und adenauer verkörpert auch das, immerhin gehörte er zu den begründern der cdu und hat diesen weg teils vorgezeichnet mit seiner sturheit. ganz am anfang der teilung war "seine" partei bzw er selbst gegen das frühe ende der teilung und später hat sie das ende vor die wand gefahren.

das dumme ist aber, dass viele ossis da nicht differenzieren können und das eben auf "die wessis" verallgemeinern. noch schlimmer die ossis die meinen in der ddr war alles besser, davon kenne ich einige.

schlimm aber auch die wessis, die meinen in der ddr war gar nichts gut. gerade das schulsystem in der ddr war, wenn mal den ganzen scheiss mit der gehirnwäsche rauslässt, dort wo es heute wieder hingeht, was gerade die länder haben die bei pisa & co sehr gut abschneiden. gleiche chancen für alle (abgesehen von sowas wie parteipflicht wenn man studieren will), möglichst lange alle schüler in derselben schule und gezieltes fördern nach der schule in AGs. (wer in mathe und physik gut ist muss nicht unbedingt richtig auf dem gymnasium sein wo er auch noch französisch, chemie usw usf viel besser beherrschen muss als er es eventuell kann.)

was mich als ossi der schon seit 98 im westen ist immer wieder nervt sind wessis die meinen die ossis wären schuld am wirtschaftlichen gau der wiedervereinigung. das sind oft leute die noch nichtmal wissen, dass die ossis auch den soli zahlen. leute die gar nichts vom zusätzlichen länderfinanzausgleich wissen.

und mir fällt immer wieder auf, dass viele wessis meinen, die vielen rechten im osten wären ein ostdeutsches problem. die sind da nicht über nacht entstanden und erst recht nicht zufällig. es waren westdeutsche neonazis die nach der wende "rüber" sind um ihr gedankengut zu verbreiten. in massen. kein ossi kannte türken oder gar den islam, npd, dvu und reps waren unbekannt genauso wie rechte musik. das wurde alles in den osten exportiert und die wessis (der westdeutsche staat, die politik, die polizei) haben damals einfach nur zugesehen. es gab keine jugendarbeit, lehrer waren überfordert weil sie selbst keinen rechtsradikalismus kannten, gar nicht geschult waren wie sie damit umgehen sollten wenn plötzlich 5 glatzen in der klasse saßen und über Schwarze herzogen. da ist ein jahrzehnt lang gar nichts passiert, obwohl das problem der rechten im westen ja auch nicht erst seit 1989 bestand. man hat das schlichtweg genauso "vergessen" wie migranten im westen zu integrieren.

ich erlebe sehr oft noch vorurteile von beiden seiten gegenüber beiden seiten gerade da mich niemand so recht zuordnen kann. im westen denkt man ich wäre ein wessi und es wird hin und wieder schlecht über die ossis geredet und im osten andersrum. denselben effekt haeb ich aber bei türken, mein sohn ist ja halbtürke. es kommt öfters vor, dass menschen peinlich berührt sind weil sie erst über ossis oder auch türken schlecht reden und dann erfahren wer ich bin / was mein sohn ist. ist natürlich nie so gemeint gewesen -).

aber gerade von daher ist klar, dass es gar nicht um ost oder west geht sondern darum, dass viele sich einfach selbst besser fühlen wenn sie über andere pauschal herziehen können weil sie selbst eigentlich riesengroße arschlöcher und dumme versager sind. letzteres gilt nämlich für jeden der auch nur bei 99 blöden von 100 ossis sagt "_alle_ ossis sind blöde".

ich verstehe übrigens gar nicht warum der freund der TE es irgendwie toleriert, dass sein freund meint seine freundin wäre rechts.

S.Less
20.08.2012, 02:26
Ja, also dieses "eigene Entscheidungen-treffen" war im Osten ja auch nicht anders. Man musste sich schon selbst für einen Beruf, ein Studium (ok, war schwierig), für eine Partnerschaft, eine Wohnung etc. entscheiden udn sich drum kümmern. Es war nicht so, dass dir da jemand geholfen hat, aber es gab eben einfach Arbeit für alle. Aber ne vernünftige Wohnung gabs noch lange nicht für jeden und da musste man sich schon wesentlich mehr um sich selbst und sein Vitamin B kümmern.

das stimmt doch gar nicht unbedingt. meine mutter durfte nicht studieren weil sie nicht in die partei eintreten wollte. stattdessen musste sie eine ausbildung zur uhrenfeinmechanikerin machen. als sie dann mit meinem vater zusammenziehen wollte - andere stadt - wurde ihr eine arbeit in einer kühlschrankfabrik zugewiesen. die alternative wäre gewesen, nicht zusammen zu ziehen. mein vater hatte zwar seinen traumberuf (lokführer) aber er musste ständig nachtschichten machen und war oft tagelang unterwegs - weil er nicht in die partei eintreten wollte und sich mit einem aufsteigenden menschen aus der sed angelegt hatte (seine erste frau ging mit dem fremd und er hat ihn dann böse verprügelt :D nach der wende war der typ übrigens oberbürgermeister, verstrickte sich am ende in einige finanzskandalde und sitzt jetzt in diversen öffentlichen gut bezahlten aufsichtsräten). DAS ist der reale osten. so ging es da ab. "eigene entscheidungen" ist ein geiler begriff im zusammenhang eines mitläufer- und mittäter-staates.

ich kenne auch niemanden der sich seine wohnung selbst aussuchen konnte, gerade weil das "vitamin b" in der regel nur menschen hatten mit sehr gutem draht zur partei und/der der stasi. das war keine normale hürde wie du es darstellst sondern schlichtweg eine ungerechtigkeit.

(um nochmal auf die von der cdu völlig verpfuschte wende zurückzukommen: das werk wo meine mutter arbeitete, also die kühlschrankfabrik, wurde ganz schnell (wenige monate) nach der wende von westdeutschen werken für ne mark aufgekauft und _direkt_ dichtgemacht, ich glaube noch derselben woche des kaufs. der grund: dieses werk hatte auch schon zu ddr zeiten für quelle und otto produziert (devisen); der ausschuß ging richtung moskau, der ausschuß vom ausschuß verblieb in der ddr. aber von heute auf morgen soll es nicht mehr konkurrenzfähig und auch nicht modernisierbar gewesen sein -). die käufer hatten wie gesagt eigene fabriken und wurden dann die neuen zulieferer.

S.Less
20.08.2012, 02:32
Und mit Kommunisten kann ich mich streiten (oder es auch lassen), egal, ob sie von ihren Eltern DDR-Nostalgie geerbt haben (und selbst die negativen Seiten nicht erleben mussten) ode rnicht.
in der ddr gab und gibt es kaum kommunisten. das kann man auch schön an der linkspartei sehen. im osten sitzen die sozialisten, im westen ziemlich viele kommunisten bis hin zu stalinisten.

Mohrrübe
20.08.2012, 07:58
Mit "Wohnung aussuchen" meinte ich nicht wie heute das "Wählen einer Wohnung aus vielen", sondern eben das was du oben geschildert hast. Meine Eltern haben ihre Wohnung damals nur bekommen, weil sie den Typen der Wohnungsbaugesellschaft mit einer Ware "bestochen" haben, die der halt brauchte. Natürlich war das alles ungerecht, aber so wie das hier klingt, hat jeder einfach so ne Wohnung, nen Job etc. bekommen ohne sich selbst kümmern zu müssen und so wars ja weiss Gott nicht.

Klar, in der DDR war soooo vieles ungerecht. Mein Vater musste aus der Kirche austreten, 4 Jahre zur NVA gaaaanz weit weg von uns als ich noch ein Baby war, nur um studieren zu dürfen. Ich kannte meinen Vater die ersten 6 Jahre meines Lebens nur vom Hörensagen und wenn er aller halben Jahre mal vorbeikam...

Klar war das alles ungerecht!!!

S.Less
20.08.2012, 08:05
naja, dass quasi jeder nen job und wohnung hatte war aber eigentlich schon so. kann zwar beides durchaus mies gewesen sein (die wohnung dann von der größe her) aber es war halt da. nur ist das heute nicht anders. wer ne wohnung will bekommt auch eine und wer nen schlechten job will bekommt ebenfalls einen. nur heute ist es eben ein wollen und damals war es mehr ein "wer nicht arbeiten will und obdachlos ist kommt in den knast". (umerziehungslager etc)

Mohrrübe
20.08.2012, 08:10
Ja, aber wir wollten auch wohnen und nicht hausen. Und wer was vernünftiges haben wollte, musste sich kümmern. Von alleine passierte da auch nichts.

Aber egal: ich denke, keiner aus unserer Generation sollte heute noch solche Unterschiede machen. Wir kennen das ja auch nur noch am Rande. Meine Grundschulzeit war schön, nichts mit Gehirnwäsche oder so, aber deshalb war noch lange nicht alles perfekt. Von DDR-Glorifizierung sind meine Bekannten und Freunde alle weit entfernt, nur einige hinterwäldlerische Familienteile stecken da auch tief drin, aber die haben ihren Arsch halt nicht hochgekriegt.

FrolleinHelmut
20.08.2012, 08:38
Ich meinte auch nicht, dass man sich um nichts kümmern musste und alles von selbst passiert ist. Ich habe es etwas überspitzt dargestellt.
Aber man musste sich zum Beispiel politisch keine eigenen Gedanken machen, weil man eh nur die SED wählen konnte. Heute ist es besser, man überlegt sich, in welche Richtung man das eigene Land gerne laufen lassen würde und gibt eine Stimme ab. Aber das heißt, dass man Verantwortung für das übernehmen muss, was man da tut. Manche Leute, die ich flüchtig kenne, sind davon schon überfordert und finden "den Westen" deshalb schlecht.

Dass die Wende verbockt wurde, steht für mich auch absolut außer Frage. Das hätte sowohl wirtschaftlich, als auch soziologisch ganz anders und viel langsamer laufen müssen. Ich sehe das nicht anders.
Und ich war da mit meinen 6 Jahren bestimmt nicht dran Schuld. Meine Eltern haben auch damals schon gesagt, dass das alles viel zu schnell geht und irgendwie komisch wirkt. Im Nachhinein hatten sie Recht.

Naja, und um die Aussagen des Freundes so zu verstehen, dass ich rechts bin, musste man sich schon etwas blöd stellen in der Situation. Obwohl er stark verallgemeinernd gesprochen hat, ist es schon klar, dass er nicht tatsächlich alle meint, sondern halt einen Großteil der Leute oder so. Wenn ich jetzt noch gesagt hätte "Hältst Du mich etwa für rechts?" hätte das sicherlich nicht zu einem guten Diskussionsverlauf beigetragen. Und mein Freund weiß wahrscheinlich, dass ich mich selbst am besten verteidigen kann, weil ich einen Mund habe, aus dem Geräusche kommen, die hin und wieder einen Sinn ergeben.

Ich glaube echt, dass ich da an eine sehr ostalgische Familie geraten bin. Aber so Aussagen wie "Das weiß ich nicht, im Osten gab's das nicht." von einer 30-Jährigen lassen mich ehrlich manchmal in die Tischkante beißen. Aber ich würde auch nie sagen "Die Ossis sind so und so und alle ostalgisch." weil ich auch genügend Gegenbeispiele aus meinem engeren Freundeskreis kenne und in den Situationen, in denen ich in so Diskussionen gerate, ist das ja auch immer eine Person, im Gegensatz zu 30 weiteren Anwesenden.

S.Less
20.08.2012, 08:51
Meine Grundschulzeit war schön, nichts mit Gehirnwäsche oder so, aber deshalb war noch lange nicht alles perfekt.

da hattest du glück, ich wurde vor der ganzen schule runtergemacht beim öffentlichem appell weil ich nen pelikan-füller und westverwandte hatte. und auch dir wurde mit sicherheit immer wieder in kindlicher sprache angedeutet, dass kapitalismus böse ist und alles russische toll. nur weil du das damals nicht verstanden und heute nicht nachvollziehen kannst heißt das noch lange nicht, dass es das nicht gab. da reicht doch schon die existenz der pioniere, warst doch sicher auch eine, meinst du ernsthaft das war keine massengehirnwäsche sondern irgendwas um den kindern ne freude zu machen? ein paar jahre länger und du wärst begeistert in wehrsportübungen gezogen als fdj'ler. die pioniere waren nur dazu da um die kinder mit dem korpsgeist anzufixen und voller loyalität zu pumpen, gehorsamkeit anzuerziehen.



Von DDR-Glorifizierung sind meine Bekannten und Freunde alle weit entfernt, nur einige hinterwäldlerische Familienteile stecken da auch tief drin, aber die haben ihren Arsch halt nicht hochgekriegt.
du hast das hier schonmal angedeutet, man kann doch nicht einfach sagen "die haben halt ihren arsch nicht hochbekommen". es musste und es gab zwangsläufig abermillionen verlierer der einheit.

und mal ganz ehrlich, wenn jemand nie gelernt hat selbstverantwortlich arbeit zu suchen, in einem staat zu leben der genau das fordert, dann wäre es zwar wünschenswert wenn jemand das dann alleine packt, aber das ist kein automatismus. im osten war man überwiegend gewohnt zu folgen. der neue staat hätte die leute lenken müssen anstatt sie vor vollendete tatsachen zu stellen. das einzige was gelenkt wurde war die demontage der betriebe und der aufbau der arbeitsämter, der rest war völliger wildwuchs. dass da leute auf der strecke bleiben war absehbar und liegt keineswegs nur an diesen menschen.

FrolleinHelmut
20.08.2012, 08:57
und mal ganz ehrlich, wenn jemand nie gelernt hat selbstverantwortlich arbeit zu suchen, in einem staat zu leben der genau das fordert, dann wäre es zwar wünschenswert wenn jemand das dann alleine packt, aber das ist kein automatismus. im osten war man überwiegend gewohnt zu folgen. der neue staat hätte die leute lenken müssen anstatt sie vor vollendete tatsachen zu stellen. das einzige was gelenkt wurde war die demontage der betriebe und der aufbau der arbeitsämter, der rest war völliger wildwuchs. dass da leute auf der strecke bleiben war absehbar und liegt keineswegs nur an diesen menschen.
Das will ich ausdrücken.
Woher sollen die Leute denn wissen, wie es funktioniert?
Über die, die es gepackt haben, freue ich mich. Den Wendeverlierern werfe ich aber nichts vor. Okay, manchmal denke ich "Dann nimm Dein Leben in die Hand, verdammt!", aber ich habe halt nicht 40 Jahre in gelenkten Bahnen gelebt und denke das wahrscheinlich ziemlich einfach daher.
Bei jungen Leuten fehlt mir aber das Verständnis, muss ich sagen.

S.Less
20.08.2012, 09:00
ich glaube wie gesagt, dass gerade die jungen leute im osten die über wessis herziehen zum einen in der absoluten minderheit sind und zum anderen halt schlichtweg die typischen nörgler repräsentieren. wären genau diese menschen im westen aufgewachsen wären halt die ossis "schuld" (an allem was ihnen nicht gefällt) oder die ausländer oder das wetter. idioten die man gut und gerne ignorieren / auslachen kann.

edit: vertipper korrigiert

Inaktiver User
20.08.2012, 09:36
Ja, aber wir wollten auch wohnen und nicht hausen.
dieses "wir" da oben, das ist doch im grunde auch schon im ansatz das, was hier kritisiert wird, oder sehe ich das falsch?

Delisha
20.08.2012, 12:06
dieses "wir" da oben, das ist doch im grunde auch schon im ansatz das, was hier kritisiert wird, oder sehe ich das falsch?
Vielleicht hat sie auch einfach nur ihre Familie gemeint? Also hatte ich zumindest erst so verstanden...

FrolleinHelmut
20.08.2012, 12:15
Vielleicht hat sie auch einfach nur ihre Familie gemeint? Also hatte ich zumindest erst so verstanden...

Ich auch. Jetzt gerade verstehe ich erst den Einwand zum "wir". Ich glaube kaum, dass "wir in der DDR gemeint war.

Inaktiver User
20.08.2012, 12:42
hm, so rum hab' ich es gar nicht verstanden, da habt ihr recht.

Mohrrübe
20.08.2012, 16:00
Also klar meinte ich uns, meine Familie. Es gab genug Leute die sich mit so ner Bruchbude und Etagenklo abgefunden haben, "wir" halt nich...

Meine Güte, hier werden schon wieder Grundsatzdiskussionen geführt...

Ich kann doch nur für mich und meine Familie sprechen...

FrolleinHelmut
20.08.2012, 16:16
Ja, dass hier genau die Diskussionen wieder anfangen, fällt mir auch auf. Bin ich wahrscheinlich selbst Schuld dran.

Also, meine Erlebnisse stellen natürlich auch Einzelfälle dar. Ich finde den Thread aber sehr hilfreich, um mir Luft zu machen über die Leute, die immer noch in den Grenzen von 1989 denken.

So Sachen wie "Dit weeß ick nüch', dit war im Osten anders." bei einer 30-Jährigen muss man eigentlich einfach lachen. Wenn man so etwas aber ständig hört, kriegt man (oder vielleicht nur ich) schonmal einen Fön. Als wäre gerade 1991.

Auch gut ist "Dit hat's im Osten nüch' jejeben." - genau, in den 80ern gab es das nirgends / in den 80ern war die Welt noch anders. Die Dinge hätten sich mit Sicherheit in der DDR anders entwickelt als im wiedervereinigten Deutschland, aber es wäre auch dort nicht mehr alles so wie 1985.

Mohrrübe
20.08.2012, 16:57
Also wenns dich beruhigt: Mein Schwiegerrochen hat sich seit 1975 auch nicht weiterentwickelt. Das Haus sieht noch so aus, die Einstellung ist die Selbe und alles was wir tun, wohin wir verreisen wird mit ähnlichen Kommentaren versehen. Jeder Ausflug nach Bayern (Nachbarbundesland) wird mit merkwürdigen KOmmentaren versehen, als würden wir eine Weltreise machen.

Fazit:

Es gibt überall auf der Welt kauzige Menschen, die aufgrund irgendwelcher komischen Verschaltungen im Hirn anders denken als wir. Ich hab dazu auch schonmal einen Schwiegermutter-Hass-Thread aufgemacht, aber man muss irgendwann die Dinge einfach so nehmen wie sie sind. Ändern kann man die Menschen eh nicht mehr.

Dafür gibts ja das Forum, damit man sich mal auskotzen kann. Letztlich muss ja jeder mit seinem Leben glücklich sein und wenn dich die Leute damit nerven, dann versuch so wenig wie möglich Zeit mit denen zu verbringen. Mehr kann man dann leider nicht tun.

Ich bin zumindest nicht unglücklich damit, in der DDR meine ersten Lebensjahre verbracht zu haben. Ich fand es auch eine tolle Erfahrung diesen Umbrung life mitzuerleben, im Nachhinein läuft mir da immernoch ein Schauer über den Rücken - es war auf jeden Fall eine große Sache für mich. Aber irgendwann ist die Mauer in den Köpfen auch weg - spätestens in 2 Generationen...

:rose2::rose2::rose2:

Majbritt
20.08.2012, 18:03
,

durga
21.08.2012, 10:16
Ich denke, dass gerade in ostdeutschen Familien, die durch die Wende Nachteile erlebt haben/es so empfinden, kriegen die Kinder, die frühestens Ende der 80er geboren sind, natürlich die ganze Sentimentalität usw der Eltern mit, ohne selbst den Realitätsabgleich machen zu können.

Und da kommt dann sowas raus, dass meine ehemalige Mitbewohnerin (1989 in Brandenburg geboren, studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt) mal meinte, die DDR sei ja keine richtige Diktatur gewesen. Mir ist erstmal alles aus dem Gesicht gefallen und ich musste erstmal Gift und Galle spucken, was das denn war mit Bevölkerung einsperren und diesen "Wahlen" und so nem Geheimdienst und Leuten die Kinder wegnehmen und selbst nicht-Oppositionelle nicht zum Begräbnis des Vaters in die BRD lassen und Schießbefehl und Zensur, ich weiß nicht, ob ich mit dem Ausbruch bei ihr angekommen bin.
Die schimpft im Übrigen auf niemanden.

Umgekehrt denke ich, dass im Westen viel zu wenig, um nicht zu sagen, in der Öffenltichkeit und explizit eigentlich GAR NICHT, gewürdigt wurde, dass 16Mio Menschen ihr Heimatland unterm Hintern weggezogen wurde und über Nacht alles anders war und ANDERE wussten, was richtig und was falsch ist, auch wenn man selbst dort immer gelebt hat. Hab mal (über die ehemalige Grenze in die Unistadt fahrend) an einem 3. Oktober ein Interview mit Marianne Birthler gehört, die sagte, auch wenn man in seinem Elternhaus gelitten hat, ist es das einzige Elternhaus, das man hatte, und man feiert nicht, wenn es abbrennt.

Sehr gut auf den Punkt gebracht hat das Gerhard Gundermann, Baggerfahrer und Liedermacher aus der Lausitz, der zeitlebens Sozialist war, aber mit dem DDR-Regime überworfen, weil er sich nicht verbiegen konnte - nachdem er vorher auch mal Offiziersanwärter war, leider ist er 1998 schon gestorben.

Straße nach Norden
Komp. Gerhard Gundermann
Text: Gerhard Gundermann

Zuerst komm ich in Schwarze Pumpe über`n Berg
und da schimmert in der Sonne das nagelneue Kraftwerk.
Das sieht aus als ob ein UFO hier gelandet wär,
es glänzt wie gelogen und passt hier nicht richtig her.
Nebenan verdienten einst vierzehntausend ihr Brot,
die sind vom Wind verweht und die alte Dreckschleuder ist tot.

Vom Winde verweht ist auch der Ruß, die ganze dicke Schicht,
heute verheizen sie ihr Giftmüll und das Gift,
das sieht man nicht.

Und ich sehe auf der Straße nach Norden,
dieser Teil der Welt ist anders geworden,
ich schwimme mittendrin in meinem alten Hemd,
gehöre noch dazu und bin schon ziemlich fremd.

Und ich frag mich, was ich bin,
was ich war, in der Suppe das Salz oder das Haar,
ich schwimme mittendrin in meinem alten Hemd,
gehöre noch dazu und bin
schon ziemlich fremd.

In Cottbus komme ich dann auf die nagelneue Autobahn,
und da bin ich wie der
Blitz in Lübbenau und Vetschau ran,
die warn kaum vom Netz,
da ham`se schon die Schornsteine gelegt,
es hätt` ja können sein,
das sich`s noch einer überlegt.

Am Lübbenauer Dreieck LKW an LKW,
die gehören eigentlich zu einer feindlichen Armee,
so sah der Gegner aus in meinem Offiziersbewerberbuch,
und nun kommen die vom Einsatz aus dem Oderbruch.

Und ich seh auf der Straße nach Norden ...
...gehöre schon dazu und bin
noch ziemlich fremd.

Ich hab ein schönes Auto,
da muss ich nicht mehr drunter liegen,
und das Autoradio von diesem Auto kann einhundert Sender reinkriegen,
doch die Songs bei denen ich meine Unschuld verlor,
kommen in dem Autoradio nicht mehr vor.

Und ich seh` auf der Straße nach Norden ...

~snow06~
09.09.2012, 17:02
Hm, ich bin 27 und mir fällt kein Unterschied zwischen meinen gleichaltrigen west- und ostdeutschen Freundinnen auf außer einer: die aus dem Osten haben weniger Hemmungen, nackt baden zu gehen.

Mohnstreusel
11.09.2012, 09:46
Bei jungen Leuten in meinem Alter bis ca. 30 Jahre ist dies selten noch Thema. Bei der Generation meiner Eltern ist das jedoch schon noch "drin", ich denke die eigene Biographie spielt da eine wichtige Rolle.

durga
11.09.2012, 10:55
Bei jungen Leuten in meinem Alter bis ca. 30 Jahre ist dies selten noch Thema. Bei der Generation meiner Eltern ist das jedoch schon noch "drin", ich denke die eigene Biographie spielt da eine wichtige Rolle.

Wo und woher bist Du denn? Ich hab als Studentin in einer Unistadt wenig mit Nichtakademikern zu tun, in den wenigen vorhandenen Kontakten fallen mir (auch im Vergleich zu Nichtakademikern in meiner Heimat, das ist also kein Schichtartefakt) schon stärkere Unterschiede auf, auch bei Leuten, die nach der Wende geboren sind. Die haben ja auch noch voll ostsozialisierte Eltern.

Nudelsalat
12.09.2012, 15:05
Interessante Diskussion. Meine Wahrnehmung ist folgende: Die Wessis (ich benutze mal Ossi und Wessi, auch wenns nicht so schön ist), die nach der Wende in den Osten kommen, hatten zum Teil schon krasse Vorurteile: als ich 2000 angefangen habe zu studieren (komme aus Leipzig, habe da auch studiert), hatte ich eine Kommilitonin, die aus Nürnberg kam. All ihre Freunde haben es als Zumutung empfunden, dass sie im Osten studieren musste (ZVS), wo es ja noch nicht mal fließend Wasser gäbe und wir noch in ein Erdloch in den Garten sch****. Ich habe gedacht, ich spinne, als ich das gehört habe. Wenn man sich sowas dann vielleicht öfter anhören muss, vor allem von Menschen, die noch nie hier waren, dann kann man schon nen Hals bekommen. Auch den Begriff "Dunkeldeutschland" habe ich erst vor ein paar Jahren kennengelernt, aber kürzlich in einem Forum gelesen, da fühle ich mich persönlich schwer angepisst.

Genauso kann ich aber Wessis verstehen, die sich immer wieder anhören müssen, dass sie arrogant oder sonst etwas sind und damit die Ignoranz einiger Zeitgenossen ausbaden müssen.

Mein ganz persönliche Meinung / Erfahrung: Die meisten Menschen in meinem persönlichen Umfeld sind Ossis. Meine besten Freundin kommt aus Hessen, ist vor 10 Jahren freiwillig nach Leipzig gekommen, war 3 Jahre weg und wohnt jetzt wieder da - freiwillig - also so schlimm kann es für sie nicht sein, so unter den Ossis

Ich wohne seit 3 Jahren in Berlin was ja irgendwie ne neutrale Zone ist, weil du hier einfach Leute von überall hast. Mein Freund ist Hesse (...die Hessen habens mir angetan) und durch ihn habe ich noch mehr kennen gelernt. Mein Fazit: Ich finde die Diskussion, die hier einige beschreiben sinnfrei und ätzend (Verallgemeinerungen sind generell ja nicht so schön) aber man merkt Unterschiede zwischen Ossis und Wessis. Das Selbstbild ist verschieden. Die Westdeutschen, die ich kenne, sind mehr von sich überzeugt, teils mit einem leichten Hang zur Arroganz (die nachlässt, wenn man sich besser kennt) und gern auch ein wenig verklemmt. Ossis sind oft unsicherer, aber auch lockerer und unverkrampfter. Es kann aber auch sehr, an der speziellen Region liegen. Während die meisten Menschen, die ich aus Leipzig und Berlin kenne, eher kulturell, hedonistisch und lebenskünstlerische Mentalität haben, sind die Wiesbadener (vor allem die Eltern meines Freundes und der Freunde von ihm) teilweise recht snobbisch. Geld und Karriere spielt da so eine große Rolle, wie ich das von meinem Eltern gar nicht gewohnt bin. Ich finde das ein wenig traurig, liegt aber meiner Meinung nach auch eher an der Stadt / Gegend, als daran, dass es Wessis sind.

durga
12.09.2012, 15:34
Im Groben würd ich Deine Charakterisierung schon teilen... Gerade die Unterschiede im Selbstbild sind ja auch leicht erklärbar, wenn zwei Generationen mehr (vor '45 war es nirgends auf der Welt weit he mit Individualität, zumindest nicht als Konsens) in einem totalitären, also antiindividuellen System aufgewachsen ist, du bist nichts, dein Volk bzw. das Kollektiv/der Sozialismus ist alles, werden Kinder dieser Familien anders erzogen...

Für die Vorurteile meiner westdeutschen Klassenkameraden (hallo? 1984 30, in Worten DREISSIG, Kilometer von der Grenze geboren und im Jahr 2004 oder auch 2012 immer noch nicht "im Osten" gewesen, aber schlecht darüber reden???) hab ich mich schon bevor ich aus eigenem Wunsch an eine ostdeutsche Uni gegangen bin immer fremdgeschämt und insofern ich hier Familie hab, auch indirekt persönlich angegriffen gefühlt. Unwissen ist einfach immer das größte Problem.

sora
12.09.2012, 15:46
ich hab manchmal das gefühl, diesen coolness-panzer, den viele "wessis" haben, bis sie jemanden besser kennen, haben "ossis" nicht so. das, was man dann vielleicht auch arroganz nennt. bloß keine gefühle und keine schwächen zeigen, bis man weiß, dass man es "darf". umgekehrt wirken "ossis", finde ich, manchmal unsouverän, eben weil sie diesen panzer nicht so haben und eher offen zeigen, wie ihre gefühlslage gerade aussieht.
ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll.