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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kann der Kapitalismus überleben und welche Kosten sind akzeptabel?



Peter222
03.07.2013, 12:36
Eure Meinung würde mich interessieren.

In Leipzig oder Dresden war da eine Tagung mit interessanten Ergebnissen.

Inaktiver User
03.07.2013, 14:46
der kapitalismus hat einen riiiiieeeeesssen hut, aus dem zaubert er weisse karnickel, popcormaschinen und sonnenbänke, der kann echt ALLLES...

Inaktiver User
04.07.2013, 13:22
vor allem gäbe es ohne den kapitalismus bestimmt auch kein bümm!

gewitter
04.07.2013, 13:27
der kapitalismus hat einen riiiiieeeeesssen hut, aus dem zaubert er weisse karnickel, popcormaschinen und sonnenbänke, der kann echt ALLLES...

nur keine produkte herstellen, die mich wirklich interessieren würden! das ist ja das eigentliche problem an der ganzen sache.

kaffeetante
05.07.2013, 17:02
.

Peter222
06.07.2013, 10:42
Nein, den meine ich nicht.

Ich gebe zu, dass ich das Thema zu abstrakt formuliert habe.

Einzelne Thesen folgen dann noch.

Peter222
06.07.2013, 11:32
Die Tagung war in Dresden, initiiert von der "Zentrale für politische Bildung".

Ein Referent sieht den Kapitalismus soziobiologisch: Es gibt eine Naturgesetzlichkeit von Gier, Marktverhalten und rücksichtslosem Wettbewerb. Die Botschaft ist klar: Da wir alle biologische Wesen sind, sind wir alle von Natur aus gierig. Der Stärkste setzt sich durch auf Kosten der anderen. Das war auch die politische Botschaft und ist sie auch noch, die der Neoliberalismus sendet.

Das Problem ist natürlich: Wie kann ich biologische Normen und Strukturen auf den Menschen übertragen?

Löwen sind irgendwann satt und reissen keine Beute mehr. Investmentbanker sind NIE satt, und deshalb auch nicht zufriedenzustellen. Das liegt natürlich an dem Medium "GELD". Geld ist im Prinzip unendlich. Siehe die Sage von König Midas. Geld ist natürlich die Wurzel des Kapitalismus. So entsteht ein Wettlauf um das Geld, in Teilen von Algorithmen gesteuert, der mit der nostalgischen Vorstellung eines Marktes nichts aber auch nichts mehr zu tun hat.

Peter222
06.07.2013, 11:39
"Angst" dürfte der eigentliche Antrieb des Kapitalismus sein, nicht so sehr Gier. Die auch. Aber nicht nur.

Angst, nicht mehr mithalten zu können, Angst, abgehängt zu werden, Angst, ausgemustert zu werden. Die Opfer des Kapitalismus sind in den psychosomatischen Kliniken zu finden. Der Bankangestellte, der Finanzschrott verkaufen musste, bis er die vorgegebenen Zahlen nicht mehr erfüllen konnte, der Manager, der die Vorgaben von oben nicht mehr geschafft hat, etc.

"Alice hinter den Spiegeln": Nur wenn du verrückt rennst, bleibst du auf der Stelle.

Peter222
06.07.2013, 11:44
Die Geschichte des Kapitalismus ist eine Geschichte der Gier, Krisen und Blasen. Jedesmal gab es unendliche Kollateralschäden, und er ist immer wieder wie Phönix aus der Asche entstanden.

Kann dieser entfesselte Kapitalismus überhaupt noch politisch kontrolliert werden?

Wenn man die Geschichte der Eurokrise betrachtet: NEIN. China ist ein Beispiel dafür, dass der Kapitalismus keine Demokratie braucht, um zu expandieren. Er braucht eine gewisse Rechtsstaatlichkeit und eine funktionierende Geldwirtschaft, mehr nicht.

Peter222
06.07.2013, 11:50
Und deshalb ist das Prinzip der "Nachhaltigkeit" so wichtig. Dem Kapitalismus ist Nachhaltigkeit völlig fremd. Er schert sich nicht um die Zukunft. "Nachhaltigkeit" muss von der Politik durchgesetzt werden. China ist ein gutes Beispiel dafür, dass "Nachhaltigkeit" nicht funktionieren kann, wenn das Prinzip der "Gier" regiert.

Wenn aber die Politik dem Kapitalismus gegenüber relativ hilflos ist, wie lässt sich dann "Nachhaltigkeit" politisch durchsetzen?

Peter222
06.07.2013, 11:58
@Gewitter

Das ist überhaupt nicht das Problem bei der ganzen Sache. Der Kapitalismus stellt nur her, wofür es einen Markt gibt. Dinge, die nicht in Geldwert umgewandelt werden können, existieren nicht.

Ein Beispiel: Goethes "Westöstlicher Divan" ist eine der ultimativen Gedichtsammlungen. 1815 erschienen. Um 1900 war die Originalausgabe noch erhältlich, weil niemand sie kaufen wollte und der Verleger darauf sitzengeblieben war.

kaffeetante
06.07.2013, 17:11
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anna.d
07.07.2013, 17:11
der kapitalismus hatte auch seine guten seiten. es gab alles. nur nicht für jeden.
jeder war seines glückes schmied, fachkräfte wurden händeringend gesucht und amazon lieferte schon am nächsten tag.

Inaktiver User
07.07.2013, 22:56
Ich sag' ja: Concord reloaded.

! :D

Peter222
08.07.2013, 12:02
Was heisst eigentlich "Concord reloadet"?

Ich verstehe das nicht. Kläre mich bitte auf.

Inaktiver User
08.07.2013, 17:14
es gab da mal so einen user namens concord, der hat genau so geschrieben wie du.
aber er hatte eher geographische/regionale besonderheiten im blick, oder?

Peter222
11.07.2013, 13:56
Schade, dass niemand antwortet.

kaffeetante
11.07.2013, 20:26
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Inaktiver User
11.07.2013, 20:57
ich glaube er meint seine kapitalismusfragen ; )

smily
13.07.2013, 03:13
Da wir sesshafte Menschen sind, ja: Er wird überleben. Wir brauchen einfach ein bestimmtes Kapital, im einfachsten fall ein Dach über dem Kopf, was zu futtern und was zum heizen (oder - in warmen Regionen- Wasser). Diese Dinge müssen gelagert und organisiert werden und da ist Geld ein irre effektives Handelshilfsmittel- vor allem wenn das Dacht auch noch dicht sein soll und die Lebensmittel gesund. Klar kann man alles gemeinsam nutzen- aber wenn 20 Mann für die Sauberkeit in der Küche/dem Waschkeller/dem Treppenhaus usw. verantwortlich sind, hat jeder den Eindruck selbst am wenigsten Dreck zu machen und folglich sich auch um nichts kümmern zu müssen. Bis dann irgendwann in die Waschmaschine/der Ofen/der Kühlschrank hin ist und das Geschrei groß. Dann kann man mit zwanzig Mann einen neuen Herd anschaffen und das Spiel wiederholt sich - oder es endet bei 20 Herdplatten in zwanzig Zimmern- die dann erstaunlicherweise vernünftig gereinigt und gehandhabt werden. Nur dass sie dann nicht mehr unser sondern meins sind. Genau diesen Effekt habe ich in diversen Wohnheimen/Hostels usw. in schöner regelmäßigkeit erlebt. Es gibt einfach keine vernünftige Alternative zum Kapitalismus, weil wir nicht nur von Grund auf gierig sind, sondern vor allem von Grund auf faul- deswegen ist gemeinschaftliche verantwortungsvolle Nutzung von Resourcen so schwierig zu organisieren, es sei denn man bringt die beiden Punkte Besitz (und auch Verantwortung) und Miete/Gebür/Lohn ins Spiel.

Was ich jedoch hoffe, ist dass nach dem Globalisums der Regionalismus kommt- spätestens wenn das Öl alle ist. Und damit auch wieder vernünftige Maßstäbe greifen und nicht hier 30 Tonnen Lebensmittel verschwendet werden, die dann woanders dringend fehlen oder irgendwo Kinder T-Shirts im Akkord nähen, nur um hier Tiefstpreise anzubieten, die die wenigsten wollen...

Shania
19.07.2013, 12:05
Ob er überleben kann, denke ich mal ja, die Frage ist eben soll er denn überhaupt überleben.
Die Profitgier hat schon so einige Firmen zerstört und die Prognosenstellung und die Gewinnberechnung machen es nicht gerade einfach im großen Markt wirklich durchzublicken.
Aber solange wir hinnehmen das Menschen ausgenommen werden dass große ketten viel Kohle scheffeln, solange wird das alles noch existieren.

MarenSchatz
11.11.2013, 20:03
Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass der Kapitalismus nicht überleben sollte. Bisher hat er doch immer die Kurve gekriegt. Leider. Auch Börsenscrashs haben daran nichts geändert. Im Gegenteil: Die Hatchfond und Co. haben damit nur noch mehr Kohle gemacht. Schon sehr traurig das ganze.

aloha_namaste
12.11.2013, 01:55
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LisaK
13.11.2013, 10:52
Ich denke auch, dass der Kapitalismus überleben wird, da seine Lobby einfach immens ist; unser ganzes System ist um den Kapitalismus aufgebaut, wir werden gesellschaftlich ganz im Sinne des Konsums konditioniert und wollen immer mehr von allem und haben nie genug, kaufen kaufen kaufen heisst die Devise... und da die Industrielobby am finanzstärksten ist und somit auch die stärkste Macht in unserem System ist, ist selbst die Politik hilflos, weil sie einfach auch nur eine Marionette in diesem Spielen ist, in der das höchste Dogma das wirtschaftliche Wachstum und Profit ist..

Ich hoffe, dass irgendwann genug Menschen einsehen werden, dass wir nicht mehr so weiter machen können und das Scheitern des Kapitalismus akzeptieren: Grundidee hinter dem wirtschaftlichen Wachstum ist ja ein gewisser sozialer Wohlstand für alle, im Kapitalimus wächst aber nur der soziale Wohlstand der Wohlhabenden und die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer, statt kleiner... Dann können wir uns auch intensiver dem Thema der Nachhaltigkeit widmen und einen Paradigmenwechsel einleiten, in der andere, nachhaltigere Werte von Relevanz sind und zum Erhalt aller notwendigen Ressourcen beitragen, statt diese komplett im Sinne eines wirtschaftlichen Wachstums auszubeuten...

Benho
13.11.2013, 13:17
In Deutschland beispielsweise sorgt die starke Wirtschaft dafür, dass sowohl Arme als auch Reiche im Vergleich zu vielen anderen Ländern relativ reich sind. Der Kapitalismus mag zwar die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößern, aber er macht gleichzeitig sowohl Arm als auch Reich reicher. (liegt natürlich auch am Eingriff des Staates) Sobald sich der Arme alles nötige für das alltägliche Leben leisten kann, ist er eigentlich nicht mehr arm. Das Problem ist dann die Gier, er sieht den Reicheren und denkt er selbst sei noch nicht reich, das ganze lässt sich beliebig fortsetzen. Natürlich kennt der Kapitalismus nicht nur Sonnenschein, aber ich kann und will hier ja jetzt nicht alle Aspekte ansprechen. Teilweise muss man versuchen ihn zu kontrollieren oder Gegenpole erschaffen und so weiter und so fort... aber Alles in Allem sehe ich ihn in Verbindung mit solchen Maßnahmen keineswegs als gescheitert an.