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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Exposés für Dissertationen



~snow06~
12.01.2017, 09:36
Also ich schreibe gerade an einem Exposé für meine Dissertation. Irgendwie finde ich es sehr schwierig, den richtigen "Ton" oder "Stil" zu finden. Ich habe nach dem Studium ein paar Jahre gearbeitet (bzw. tue das immer noch.) Das Milieu, in dem ich arbeite, ist nicht antiakademisch, aber ich merke doch, dass die Sprache sehr anders ist. Wenn ich in meinem Job Informationen vermittle, geht es darum, dass die Dinge für (möglichst) alle verständlich und interessant sind. Ich schreibe für meinen Job auch manchmal Texte und mir wurde mehrmals gesagt, dass die Sprache in erster Linie "stark" sein soll, zum Beispiel wenn man eine Ausstellung ankündigt. Außerdem kenne ich einige Journalisten und ich habe mich im letzten Jahr aus persönlichen Gründen ziemlich stark mit dem Thema Journalismus beschäftigt... aber ich denke, das hat meinen Schreibstil beeinflusst. Ich fürchte, ich weiß inzwischen besser als früher, wie man öffentlichkeitswirksame Texte schreibt, aber ich bin auch unpräziser in meinem Schreiben geworden, als ich es zu Unizeiten war. Also ich bin etwas verunsichert... mein Exposé beginnt mit einer relativ allgemeinen Frage. Erst dann verenge ich stärker auf die Texte, die ich tatsächlich analysiere. Ist das "zulässig" in einem akademischen Exposé?

Und an alle, die schon mal ein erfolgreiches Exposé für eine Dissertation geschrieben haben (und damit im Idealfall auch von einer Stiftung angenommen worden sind): Hat jemand euch mal gesagt, warum euer Exposé für gut befunden wurde? :rose2:

durga
15.01.2017, 16:04
Ich bin in nem anderen Fach, aber ich kenn bei mir selbst den Effekt, wenn ich sehr intensiv einen Text/eine Textsorte lese, dass ich dann eine (kurze) Zeit lang die Tendez habe, selbst so zu schreiben, kennst Du das auch? Wenn ja: Ordentlich Papers reinziehen und dann losschreiben/lektorieren. Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass ein gewisser Grad an "werbewirksamer" Sprache ein Alleinstellungsmerkmal und positiv sein kann, schließlich sollst Du Dich und Deine Kompetenz verkaufen. Was in Deinem Fach die richtige Dosis ist, sollte aber jemand vom Fach beurteilen. Hast Du noch keine Doktormutter/-vater, also musst Du die/den auch noch u.a. mit dem Exposé finden? Sonst würde sie/er da doch eh nochmal drübergucken, oder?

~snow06~
15.01.2017, 22:32
Ich bin in nem anderen Fach, aber ich kenn bei mir selbst den Effekt, wenn ich sehr intensiv einen Text/eine Textsorte lese, dass ich dann eine (kurze) Zeit lang die Tendez habe, selbst so zu schreiben, kennst Du das auch? Wenn ja: Ordentlich Papers reinziehen und dann losschreiben/lektorieren. Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass ein gewisser Grad an "werbewirksamer" Sprache ein Alleinstellungsmerkmal und positiv sein kann, schließlich sollst Du Dich und Deine Kompetenz verkaufen. Was in Deinem Fach die richtige Dosis ist, sollte aber jemand vom Fach beurteilen. Hast Du noch keine Doktormutter/-vater, also musst Du die/den auch noch u.a. mit dem Exposé finden? Sonst würde sie/er da doch eh nochmal drübergucken, oder?
Den Effekt kenne ich auch, ja. Eine Doktormutter habe ich zum Glück schon... die Idee, viele Papers zu lesen, ist sehr gut. Mir wurde vor Kurzem auch empfohlen, eine Zeit lang möglichst jeden Tag mit anderen Leuten, die auch an der Uni sind, mittags essen zu gehen... ich hoffe, so etwas klappt.
Ich weiß nicht, ob "werbewirksame" Sprache (bzw. bei mir geht es eigentlich um "Kulturbetrieb-Sprache") tatsächlich ein positives Alleinstellungsmerkmal ist. ;) Wenn ich mir das so überlege, kommt es mir eher so vor, als wäre Schreiben jeweils ein Handwerk und nur für den jeweiligen Bereich brauchbar, in dem man es angewendet hat... sprich: Ich denke, Poeten sind nicht unbedingt gute Werbetexter, genauso wie Werbetexter nicht unbedingt gute Poeten sind...

~snow06~
17.01.2017, 17:45
Ha, das mit dem gemeinsamen Mittagessen war so eine Idee, die zumindest gestern den reality check nicht bestanden hat... mein "akademisches Umfeld" (ein Kollege, der auch promoviert) aß ein belegtes Brötchen und trank Clubmate in der U-Bahn und sagte, das sei Frühstück und Mittagessen in einem. :p

~snow06~
29.01.2017, 17:53
Ordentlich Papers reinziehen und dann losschreiben/lektorieren.
Das mache ich gerade. :lernen: Letzte Woche hatte ich immerhin einen Tag, an dem ich wirklich reingekommen bin und auch längere Gedankengänge ins Exposé geschrieben habe.

chaosmädchen
30.01.2017, 10:32
...gibt es bei seiner doktormutter ein Archiv mit exposes? Bei uns ist das so üblich, dass jeder mit promotionsabsicht eines schreibt und sich die Struktur / den Stil bei früheren exposés anschauen kann.
Ansonsten auch pro Paper lesen!

~snow06~
30.01.2017, 18:46
...gibt es bei seiner doktormutter ein Archiv mit exposes? Bei uns ist das so üblich, dass jeder mit promotionsabsicht eines schreibt und sich die Struktur / den Stil bei früheren exposés anschauen kann.
Ansonsten auch pro Paper lesen!
Ja, ich bin wirklich dankbar, an sehr viele hilfsbereite Leute geraten zu sein... von meiner Doktormutter habe ich ein Exposé bekommen, das jemand zu einem mit meinem verwandten Thema geschrieben hat. (Das war richtig kurz, zwei Seiten und ein paar Zeilen) , eine Kollegin hat mir ihr Exposé auch zur Ansicht geschickt (16 Seiten... so ins Detail wie sie werde ich wahrscheinlich nicht gehen.) Außerdem habe ich eine veröffentlichte Dissertation gefunden, von deren Methoden ich wahrscheinlich einiges übernehmen kann. Mittlerweile bin ich mit dem Schreiben des Exposés auch schon fast fertig. Der Teil über den Forschungsstand muss allerdings noch geschrieben werden und das, was ich unter der Überschrift "Vorgehen" geschrieben habe, sollte noch präziser werden.:lesen:

~snow06~
07.02.2017, 11:27
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Gutelaunemonster
02.03.2017, 15:25
Ich weiß ja nicht, ob das Thema noch aktuell ist, aber ich würde es mit der "werbewirksamen sprache" nicht übertreiben. je nachdem, in welchem fachgebiet du unterwegs bist (ich höre raus: kulturwissenschaften?), wird das unter umständen als unwissenschaftlich und unseriös empfunden. das ist in meinem bereich (medizinisch-technisches umfeld) schon so, wenn wir mal eine marketing-arbeit lesen müssen - da klingt vieles schon nach geschwätz (und natürlich ist das jetzt böse pauschalisiert und übertrieben) ;)

~snow06~
02.03.2017, 22:41
Ich weiß ja nicht, ob das Thema noch aktuell ist, aber ich würde es mit der "werbewirksamen sprache" nicht übertreiben. je nachdem, in welchem fachgebiet du unterwegs bist (ich höre raus: kulturwissenschaften?),
Ja, es ist was Geisteswissenschaftliches...

wird das unter umständen als unwissenschaftlich und unseriös empfunden. das ist in meinem bereich (medizinisch-technisches umfeld) schon so, wenn wir mal eine marketing-arbeit lesen müssen - da klingt vieles schon nach geschwätz (und natürlich ist das jetzt böse pauschalisiert und übertrieben) ;)
Damit hast du völlig Recht und bei uns ist es genauso!
Ich war vor zwei Wochen bei einem Doktorandenkolloquium und meine Doktormutter hat sich gar nicht für mein Exposé interessiert ("schicken Sie es mir bei Gelegenheit mal per E-Mail"), sondern wollte in erster Linie hören, was bei meinen Übersetzungen herausgekommen ist.