In Corona-Zeiten bekommen Frauen noch weniger Geld, Arbeitslohn als Männer und fallen oft in Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit.

Anfang der 2000er Jahre hatte die Bertelsmann-Stiftung entschieden geholfen, mittels der »Agenda 2010« den Niedriglohnsektor in Deutschland kräftig auszuweiten. Nun beklagt sie das Ergebnis ihres Handelns: Billigjobs hätten zwar angeblich einstmals dazu beigetragen, »Langzeitarbeitslose und gering Qualifizierte in Arbeit zu bringen«. Heute allerdings entpuppten sie sich für die meisten – darunter vor allem Frauen und Ältere – als »Sackgasse«, heißt es in einer Studie, die die Stiftung am Donnerstag veröffentlicht hat.

Demnach erhielten 2018 rund 7,7 Millionen abhängig Beschäftigte einen Bruttolohn von weniger als 11,40 Euro pro Stunde. »Ein großer Teil von ihnen bekam sogar weniger als den gesetzlichen Mindestlohn«, führen die Autoren vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus, die die Studie erarbeitet hatten. Nur gut jeder vierte Betroffene schaffe es, aus der Billiglohnfalle herauszukommen. Insgesamt sei der Niedriglohnsektor seit den 1990er Jahren um mehr als 60 Prozent gewachsen.

Und die Erwerbsarmut bleibt weiterhin vor allem weiblich. »Frauen werden wesentlich häufiger als Männer schlecht bezahlt«, schreiben die Autoren. Ihren Analysen zufolge schuften rund 28 Prozent der erwerbstätigen Frauen und 16 Prozent der männlichen Beschäftigten zu Löhnen unterhalb der Niedriglohnschwelle. Sie stellten mit 61 Prozent den größeren Anteil an mies bezahlten Lohnabhängigen. Frauen gelinge zudem noch seltener als Männern der Aufstieg in besser entlohnte Jobs.