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  1. Stranger Avatar von Catra
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    Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Ach, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ich lese seit Jahren (fast schon seit Jahrzehnten) hier still mit und schreibe nur ab und zu mal was. Nun schleppe ich schon seit Jahren Gefühle und Gedanken mit mir rum und hab das Gefühl das niemandem mitteilen zu können. Und jetzt versuche ich es einfach mal hier, in der Hoffnung, dass es mir gut tut es nieder zu schreiben und in irgendeiner Form in die Welt rauszulassen.

    Ich hatte nie einen emotionalen Kinderwunsch, habe mich aber vor einigen Jahren eher aus rationalen Überlegungen heraus entschlossen ein Kind zu bekommen. Es hat zunächst länger nicht geklappt und ich hatte sogar eine Fehlgeburt, woraufhin ich mir viel Druck gemacht habe und unglaublich froh war endlich schwanger zu sein. Die ersten Monate mit Baby waren auch, zwar anstrengend aber toll. Alles fühlte sich stimmig an. Dann habe ich abgestillt und bin in ein ziemliches Hormonchaos geraten. Plötzlich ging es steil bergab. Ich konnte mich mit meinem neuen Leben überhaupt nicht mehr arrangieren, fühlte mich eingesperrt, als wäre ich in eine Falle getappt aus der es kein Entkommen gibt. Nach einigen Monaten hat sich das alles ein bisschen stabilisiert, v.a. habe ich wieder angefangen zu arbeiten und es ging einige Zeit ganz ok. Von meinem Umfeld habe ich viel Verständnis bekommen von wegen postpartale Depression, große Umstellung, alles wird bald viel leichter, wenn Dein Kind größer ist… Und jetzt ist mein Sohn 3 Jahre alt und nichts ist besser. Anders vielleicht, aber nicht besser. Mein Kind ist ein tolles, gesundes, neugieriges kleines Kerlchen, das ich von Herzen liebe und der mir immer wieder großartige Momente beschwert. Doch das Leben an sich mit kleinem Kind ist für mich einfach nur scheisse. Es ist ein permanentes komisches Gefühlsgemisch aus unfassbarer Langeweile, Angst und Sorge und schlechtem Gewissen. Nichts ist mehr einfach leicht und entspannt und schön. Mir graut es vor Urlauben und Wochenenden. Ich bin heilfroh, wenn ich eine normale Arbeitswoche habe und bin unendlich froh und dankbar über jede Stunde, die mir jemand mein Kind abnimmt. Und vergehe vor schlechtem Gewissen meinem Kind gegenüber. Wieso schaffen es alle anderen sich, zumindest nach einiger Zeit, in diese Rolle zu ergeben und sich einfach damit abzufinden, dass das Leben jetzt nun mal anders ist ? Wieso muss ich permanent damit hadern ? Ich fühle mich so schlecht meinem Kind gegenüber, der eine viel tollere Mama verdient hat als mich und habe Angst unsere Beziehung damit zu schädigen, obwohl ich mich natürlich bemühe mir nichts anmerken zu lassen, aber ich fürchte Kinder spüren sowas einfach.

    Ich weiß im Moment einfach keinen Ausweg aus dieser, für mich verzweifelten und hoffnungslosen Situation. Ich überlege eine Therapie zu machen, habe aber große Bedenken da nur auf Ablehnung und Unverständnis zu stoßen. Gibt es zufällig jemanden, der ähnliche Gefühle kennt und für sich Strategien gefunden hat damit umzugehen ?
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  2. Ureinwohnerin Avatar von rosaPony
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    erst ma möchte ich dir sagen, dass du ganz sicher keine schlechte mutter bist. das ist die gesellschaft, die dir das vermittelt, wenn du eben nicht voll und ganz in deiner mutterrolle aufgehst. dein post passt ja zu regreting-motherhood. du darfst auch sagen, dass du oft gelangweilt bist oder das leben mit kind gar nicht so toll für dich ist.

    ich musste sofort an meinen chef denken, der in dieser woche sagte, dass er st. martin total furchtbar findet und schon drei mal das "blöde" schauspiel dazu von der krippe seines sohnes gesehen hat und das ganz grauenhaft findet und es auch nciht besser wird, nur weil sein sohn dieses jahr mitspielt. wenn eine mutter das sagen würde, wäre sie eine rabenmutter. bei vätern ist so eine aussage total ok. das musst du dir vielleicht auch mal sagen.

    also ich bin nicht so ganz in deiner situation, aber ich kann es nachvollziehen. mir geht es zur zeit in ehrenamtlichen kontexten so, dass ich gefühlt auf meine mutterrolle reduziert wäre. ich bin politisch aktiv und gerade auch sehr stark in frauenpolitik. das hat natürlich viel mit reproduktion zu tun und ich bekomme von der gesellschaft jetzt auch sehr stark das zu spüren, gegen was ich aufbegehre. aber es wird eben auch erwähnt, wenn es gar nicht erwähnt werden muss. letztens zum beispiel wurde es extra dazu gesagt, als ich bei einer versammlung abends war. die person fand das toll, dass ich trotz kleinem baby da war, aber ich fand das scheiße, dass es vor 30 leuten gesagt wurde, dass ich noch ein sieben monate altes baby zuhause habe. bei männern würde das niemand erwähnen. das macht mich super traurig und ich merke, wie es mich immer mehr frustriert. ich find es z.b. auch mega merkwürdig, bei einem plenum um 20uhr gefragt zu werden,wo denn mein sohn ist.

    mir hilft da tatsächlich, mich mit anderen auszutauschen. anderen, denen es genau so geht. mit anderen müttern, die auch politisch aktiv sind. bei denen muss ich mich nicht rechtfertigen, dass ich das gesamte we bei einer veranstaltung bin und das obwohl mein mann elternzeit hat und ich meinen sohn jetzt nur noch abends und am we sehe. kannst du nicht vielleicht wirklich mal freundeninnen , mit denen du dich wirklich super verstehst und denen du vertraust, austauschen. ich bin davon überzeugt, dass jede und jeder mal nicht die perfekten eltern sein können, die in ihrer rolle total aufgehen.

    und ganz ehrlich, wenn dich das so sehr belastet und du sorge hat, eine postportale despression zu haben, würde ich eine therapie machen. viellicht brauchst du ein bisschen, den/die richtige therapeut*in zu finden, aber ich glaube, du würdest bestimmt jemanden finden, der*die dir keine vorwürfe macht deswegen.
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  3. Addict Avatar von takemyhand
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Wie rosapony sagt. Du bist mit deiner Situation ganz sicher nicht alleine und was du schreibst, ändert ja nichts an der Liebe zu deinem Kind.

    Eine Freundin von mir hatte ähnliche Probleme und wurde bei einer Beratungsstelle sehr gut aufgefangen und beraten. Sie war auch einige Male da und hat dann keine Therapie mehr gemacht. Für sie hat das menschlich gut gepasst und gereicht. Vielleicht wäre das ja für dich auch ein Anfang (und ja auch erstmal niedrigschwelliger als Therapeutensuche und so) Beratungsstellen gibt's meist von Caritas oder Diakonie.

  4. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Ich kenne mich nicht aus, würde aber vermuten, dass Ärzte und Krankenhäuser für Geburtshilfe einem geeignete Therapeuten empfehlen können.

    Wie sehr bringt sich denn der Vater deines Kindes in die Betreuung ein? Für mich klingt es ein bisschen so, als hättest du ein Problem damit, ständig zuständig zu sein und das auch noch toll finden zu müssen, obwohl du es lieber anders hättest. Während das von Vätern, wie Pony schon sagte, niemand so erwartet, die kriegen schon einen Orden, wenn sich die Zuständigkeit auf eine halbe Stunde Vorlesen abends und zwei Stunden Bolzplatz am Wochenende beschränkt. Könnte nicht der Vater bei euch noch mehr übernehmen?

    Ich habe eine kinderlose Freundin, die immer halbernst sagt, sie würde eigentlich lieber Vater als Mutter werden - so klingt es bei dir, finde ich, auch ein bisschen.

  5. Stranger Avatar von Catra
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Er bringt sich sehr viel ein und hat ehrlich gesagt sehr ähnliche Gefühle und Gedanken wie ich. Das ist einerseits gut, weil natürlich Verständnis da ist. Andererseits ziehen wir uns glaube ich oft gegenseitig runter. Vatersein wäre für mich also tatsächlich nur dann verlockend, wenn es ein unemanzipierter Vater wäre, der noch sein richtiges Leben hat und nur so nebenbei auch noch Kinder als netten Bonus. Das klingt für mich leider wirklich gut
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  6. Urgestein Avatar von Ion
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Ich verstehe dich auch. In vielem, was du schreibst, finde ich mich wieder, allerdings ohne das schlechte Gewissen. Wieso sollte jede Mutter darin aufgehen, sich mit Kindern zu beschäftigen? Ich bin so oft gelangweilt oder genervt. Das geht schon jeden Morgen los, wenn man dem großen Kind wieder 5 Mal sagen muss, dass es doch bitte mal endlich frühstücken/Zähne putzen kommen/sich anziehen soll und nicht den kleinen Bruder kneifen... ich bin immer froh, wenn ich sie in der Kita abgegeben habe, der kleine hat noch wenig Bedürfnisse, für den reicht kuscheln fast aus (das mache ich wiederum voll gerne). Mein Mann sagt oft, dass das WE keine Erholung ist wie früher und da hat er Recht.
    Was uns hilft: Pläne haben/unterwegs sein, am besten mit anderen Kindern. Wenn ich hier ein zweites Kind zu Besuch habe, dann habe ich halb so viel Arbeit. Das schlimmste sind verregnete Sonntage, an denen man nichts vor hat.

  7. Ureinwohnerin Avatar von rosaPony
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Zitat Zitat von Ion Beitrag anzeigen
    Ich verstehe dich auch. In vielem, was du schreibst, finde ich mich wieder, allerdings ohne das schlechte Gewissen. Wieso sollte jede Mutter darin aufgehen, sich mit Kindern zu beschäftigen? Ich bin so oft gelangweilt oder genervt. Das geht schon jeden Morgen los, wenn man dem großen Kind wieder 5 Mal sagen muss, dass es doch bitte mal endlich frühstücken/Zähne putzen kommen/sich anziehen soll und nicht den kleinen Bruder kneifen... ich bin immer froh, wenn ich sie in der Kita abgegeben habe, der kleine hat noch wenig Bedürfnisse, für den reicht kuscheln fast aus (das mache ich wiederum voll gerne). Mein Mann sagt oft, dass das WE keine Erholung ist wie früher und da hat er Recht.
    Was uns hilft: Pläne haben/unterwegs sein, am besten mit anderen Kindern. Wenn ich hier ein zweites Kind zu Besuch habe, dann habe ich halb so viel Arbeit. Das schlimmste sind verregnete Sonntage, an denen man nichts vor hat.
    das finde ich einen sehr wichtigen punkt.

    und was mir gerade noch einfiel. bitte nicht falsch verstehen. denkt dein mann über eine therapie wegen seiner gefühle nach? ich glaub, ganz viel von deinem schlechtes gewissen, ist von der gesellschaft so gewollt. eine mutter darf eben nicht sagen, dass sie gelangweilt ist. ein mann schon. ich habe auch gerade fast die ganze zeit ein schlechtes gewissen, weil ich wieder arbeiten gehe und das auch noch voll. das ist total bekloppt, weil unser kind bei seinem vater total gut aufgehoben ist (elternzeit).

    und gerade das mit dem urlaub. also klar, es ist anstregend, aber ich würde deswegen nicht mein urlaubsverhalten ändern. wir machen auch immer noch keinen pauschal-all.inclusive-urlaub und ich sehe das bei uns auch immer noch nicht. ich plane gerade einen stadturlaub und das einzige, worauf ich achte: das das kind einen ordentlichen schlafplatz hat. sonst plane ich gerade nicht viel anders. ja, man muss mehr kram mitnehmen und vielleicht mehr zeit einplanen. aber dann ist das halt so. als ich noch schwanger war und erzählt habe, dass ich mich mit meiner schwester in london treffe, meinte meine kollegin (kinderlos wohlgemerkt); "ja, jetzt geht das noch, aber, wenn das kind da ist, geht es erst mal nur noch an die nordsee." solche aussagen verunsichern, aber sind eben auch irgendwie so gar nicht pauschal. wir waren mti dem kleinen einen roadtrip in nordengland und schottland machen und es war sehr toll. also ich will damit sagen, dass es uns wie auch ion ganz viel bringt, immer was zu machen. wenn es mir am we zu langweilig wird, schnappe ich mir das kind und rolle mich übers bett mit ihm, weil ich weiß, dass er das lustig findet und mich ein lachen von ihm wieder ein bisschen mehr motiviert so generell.
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  8. Foreninventar Avatar von cyan
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Also, ich weiß, dass das nett gemeint ist, aber ich könnte mir vorstellen, dass es Catea wenig hilft, wenn jetzt 10 Mütter sagen, dass man durch Kinder im Urlaub doch gar nicht gestresster sein muss als ohne Kinder.
    Sie und ihr Mann finden das Leben mit Kind nun mal vorwiegend anstrengend und haben nicht das Gefühl, dass die positiven Seiten überwiegen.

    Catra, erstens mal: kein guter Therapeut wird dir Ablehnung entgegenbringen. Diese Vorstellung sollte dich nicht abschrecken, falls du das Gefühl hast, eine Therapie könnte dir gut tun. Gerade dieses permanente schlechte Gewissen, die Ängste, das gedankenkreisen und die allgemeine Erschöpfung und Mutlosigkeit können tatsächlich Anzeichen für eine Depression sein.

  9. Foreninventar Avatar von cyan
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Zweitens:
    Kannst du konkret benennen, was dir abgeht? Klar, die Sorglosigkeit aus der kinderlosen Zeit wird man schwerlich wieder zurückbekommen.
    Aber worin genau besteht das Gefühl, in der Falle zu sitzen? Fehlt dir die Zeit für dich? Das spontan sein können? In welchen Situationen ist dieses Unwohlsein am stärksten? Und wann lässt es etwas nach? (Oder lässt es nie nach?)

    Vielleicht kann man aus antworten auf diese und ähnliche Fragen am ehesten mögliche Strategien ableiten.

  10. Stranger Avatar von Catra
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Erstmal vielen Dank für die vielen Antworten. Allerdings ist es mit einigen Sachen, tatsächlich so wie von Cyan vermutet. Rosapony, Du scheinst tatsächlich das komplette Gegenteil von mir zu sein. Mir fehlt eben dieses "ach dann ist es jetzt eben anstrengend und ganz anders als früher, aber was soll's, ich mache das beste draus". Mir ist vollkommen klar, dass man Urlaube und andere Aktionen auch mit Kind machen kann. Das tun wir auch, es macht nur einfach keinen Spaß mehr. Natürlich sind tolle Momente dabei, aber insgesamt ist das allermeiste einfach anstrengend, nervig und langweilig. Ein Städtetrip mit meinem Kind ist sicher machbar, nur bräuchte ich danach eine Woche Urlaub alleine für mich um mich davon wieder zu erholen. Es sind auch weniger die gesellschaftlichen Erwartungen. Mir ist es inzwischen relativ egal, ob jemand von mir erwartet glücklich und zufrieden zu sein. Ich wäre nur selbst gerne glücklich
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  11. Urgestein Avatar von Ion
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Ach was mir noch hilft: Vollzeit arbeiten (da kann ich weitestgehend selbst über meine Zeit verfügen und habe interessante Themen/Gesprächspartner, die normalerweise nicht nörgeln, wenn ich grad nicht ihr Fahrrad schieben will ). Und Urlaub nehmen und das Kind trotzdem in die Kita bringen. Dann hat man mal einen Tag wirklich Pause und für sich allein.

  12. Stranger Avatar von Catra
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Ich fürchte, es liegt einfach viel an meiner Persönlichkeit. Ich bin ein eher fauler Mensch, der sehr viel Zeit für sich braucht. Und ich kann dieses Für-Sich sein auch nicht auf Vorrat horten. Ich habe sogar relativ viele Freiräume, aber es ist nie genug. Es gab mal vor Ewigkeiten hier einen Thread "faul sein und Kinder kriegen", da habe ich mich in vielen Dingen wiedergefunden und konnte die vielen "ach, wenn das Kind erstmal da ist, geht das alles wie von selbst"-Antworten nur schwer ertragen.
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  13. Stranger Avatar von Catra
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Mir fehlt auf jeden Fall die Freiheit, Dinge einfach so tun zu können, wie ich es möchte. Und die Abhängigkeit, immer jemanden "bitten" zu müssen, wenn man etwas ohne Kind macht. Und das ewige schlechte Gewissen, da fällt es mir tatsächlich schwer zu differenzieren, wieviel echtes schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber ist und wieviel die gesellschaftlichen Erwartungen. Vollzeitarbeiten wäre für mich an sich wirklich eine gute Option, arbeite im Moment 60%. Da habe ich aber Angst, das Pensum dann nicht zu schaffen
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  14. Ureinwohnerin Avatar von Rückspiegel
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Zitat Zitat von Catra Beitrag anzeigen
    Ich fürchte, es liegt einfach viel an meiner Persönlichkeit. Ich bin ein eher fauler Mensch, der sehr viel Zeit für sich braucht. Und ich kann dieses Für-Sich sein auch nicht auf Vorrat horten. Ich habe sogar relativ viele Freiräume, aber es ist nie genug. Es gab mal vor Ewigkeiten hier einen Thread "faul sein und Kinder kriegen", da habe ich mich in vielen Dingen wiedergefunden und konnte die vielen "ach, wenn das Kind erstmal da ist, geht das alles wie von selbst"-Antworten nur schwer ertragen.
    Ich finde den Begriff "faul sein" in dem Zusammenhang irgendwie völlig falsch. Schau mal nach "Introvertiertheit" o.ä. - das ist auch etwas, was man nicht unbedingt ändern kann oder muss. Vielleicht hilft dir ein bisschen Reinlesen dabei, dein schlechtes Gewissen abzulegen, indem du dich so akzeptierst, wie du bist.

  15. Ureinwohnerin Avatar von DieKathi
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Ich verstehe dich.
    Wir haben dieses Jahr einen Stadt-Urlaub gemacht und es war furchtbar. Ich war froh, als die Arbeit wieder los ging.

    Mein Sohn ist jetzt in der Kita, das gibt mir manchmal ein bisschen Raum zurück. Nach Feierabend kann ich einfach mal je halbe Stunde nix tun (ganz selten, aber nicht mehr nie) und wenn ich krank bin, hab ich meine Ruhe.

    Ich verstehe dich in allem so gut.

    Ich liebe mein Kind über alles, möchte auch noch eines, aber so.oft wünsche ich mich in die Innenstadt ohne Kinder zurück. Ich vermisse ausschlafen, in die Badewanne gehen, in Ruhe kochen, in Ruhe essen, in Ruhe aufstehen, in Ruhe anziehen, spontan wegfahren können, weil es mir finanziell besser ging und ich freier war. Ich vermisse es nicht ständig unter Strom zu stehen, weil immer diese Verantwortung da ist.

    Ich versuche es abzugeben, es so negativ zu sehen. versuche die positiven Momente aufzusaugen. Es macht mich stärker. Ich lebe dafür, dass ich all das irgendwann zurück bekomme. Bis dahin liebe ich mein Kind und ärgere mich, es bekommen zu haben. Und ärgere mich auch überhaupt nicht, nie würde ich den weggeben.

    Keine Ahnung, ob es alles Sinn ergibt, ich bin am Handy und habe wenig Zeit
    Nina (08:22 PM) :
    als intoleranter mensch muss man nix erklären *find

  16. V.I.P. Avatar von granny
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Zitat Zitat von cyan Beitrag anzeigen
    Zweitens:
    Kannst du konkret benennen, was dir abgeht? Klar, die Sorglosigkeit aus der kinderlosen Zeit wird man schwerlich wieder zurückbekommen.
    Aber worin genau besteht das Gefühl, in der Falle zu sitzen? Fehlt dir die Zeit für dich? Das spontan sein können? In welchen Situationen ist dieses Unwohlsein am stärksten? Und wann lässt es etwas nach? (Oder lässt es nie nach?)

    Vielleicht kann man aus antworten auf diese und ähnliche Fragen am ehesten mögliche Strategien ableiten.
    Da würde ich auch ansetzen.
    Ich merke zB. dass sich bei mir solche Gedanken (eingesperrt fühlen usw.) vermehrt zeigen wenn ich "zu viel vom Kind" hatte. Nach Urlauben , wenn sie krank war und an mir klebte usw.

    Und bei einer Beratungsstelle wie zB ProFamilia könntet ihr (vielleicht sogar sowas wie Familientherapie) aufarbeiten warum diese Gefühle dir so ein schlechtes Gewissen machen, und zB. die negativen Gedanken bei euch beiden etwas genauer zu analysieren (und so vielleicht zu verstehen/anzunehmen/relativieren).

    DieKathi, ich mag was du geschrieben hast. Es ist nicht alles entweder schwarz oder weiß. Ich finde diese Ambivalenz schwer auszuhalten.
    "Wer in einem gewissen Alter nicht merkt, dass er hauptsächlich von Idioten umgeben ist, merkt es aus einem gewissen Grund nicht."

    "That's not my favourite way though. That only meets 99% of my criteria..."

  17. Stranger Avatar von Catra
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    @Kathi,

    Vielen Dank, ich finde Deinen Beitrag großartig und es bringt die Ambivalenz wirklich auf den Punkt.
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  18. Addict Avatar von Akkordeon
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Zitat Zitat von DieKathi Beitrag anzeigen
    Ich liebe mein Kind über alles, möchte auch noch eines, aber so.oft wünsche ich mich in die Innenstadt ohne Kinder zurück. Ich vermisse ausschlafen, in die Badewanne gehen, in Ruhe kochen, in Ruhe essen, in Ruhe aufstehen, in Ruhe anziehen, spontan wegfahren können, weil es mir finanziell besser ging und ich freier war. Ich vermisse es nicht ständig unter Strom zu stehen, weil immer diese Verantwortung da ist.
    Ja. Minus Innenstadt (war das eine Wortkorrektur?) und Badewanne.
    Mir beschäftigen auch manchmal solche Oberflächlichkeiten, wie z.B. dass ich die Wohnung nicht mehr so einrichten kann, wie ich will. Weil alles kindersicher sein muss. Und weil etliche Lieblingsmöbelstücke schon arg ramponiert sind inzwischen. Das wusste ich alles vorher, aber jetzt nervt es halt trotzdem.
    Und ich finde das von mir selbst auch oft undankbar. Stichwort: schlechtes Gewissen.

    Zitat Zitat von granny Beitrag anzeigen
    Da würde ich auch ansetzen.
    Ich merke zB. dass sich bei mir solche Gedanken (eingesperrt fühlen usw.) vermehrt zeigen wenn ich "zu viel vom Kind" hatte. Nach Urlauben , wenn sie krank war und an mir klebte usw.
    Hier genauso. In den vergangenen drei Monaten war das Kind dreimal schwerwiegender erkrankt - und er braucht dann 24h/ Tag Körperkontakt. Kann ich verstehen, versuche ich ihm zu geben, aber für mich bedeutet es, dass ich oft noch nicht mal zur Toilette gehen kann bzw. wenn, dann nur unter Geschrei.
    Das zehrt halt total.

    Ich finde es gut, wenn diese Ambivalenz thematisiert wird. Dass Mutter- / Elternsein nicht rund um die Uhr das Glück auf Erden ist.
    Ich glaube, das schlechte Gewissen diesbezüglich haben viele. Weil die Kinder ja nichts dafür können. Weil das alles ja schon bei der Familienplanung absehbar war, etc. ...
    (Mich stören jetzt genau die Sachen, von denen ich schon vorab wusste, dass sie mich stören würden. )

  19. Ureinwohnerin Avatar von rosaPony
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Zitat Zitat von cyan Beitrag anzeigen
    Also, ich weiß, dass das nett gemeint ist, aber ich könnte mir vorstellen, dass es Catea wenig hilft, wenn jetzt 10 Mütter sagen, dass man durch Kinder im Urlaub doch gar nicht gestresster sein muss als ohne Kinder.
    Sie und ihr Mann finden das Leben mit Kind nun mal vorwiegend anstrengend und haben nicht das Gefühl, dass die positiven Seiten überwiegen.
    oh je, so meinte ich das überhaupt nicht. ich wollte nur irgendwie mut zu sprechen. es tut mir leid, wenn ich da irgendwie kontraproduktives geschrieben habe.

    und hm, ja, vielleicht sind wir da echt unterschiedlich. aber als du geschrieben hast, dass du am liebsten nach dem urlaub mal eine woche urlaub allein machen würdest, war mein erster gedanke, wieso du es nicht vielleicht tatsächlich mal machst.

    und vollzeit arbeiten und sich darüber freuen, dass man nicht den ganzen tag die kinderbetreuung machen muss, ist echt gar nichts schlimmes. mein schlechtes gewissen kommt ja irgendwie daher, dass ich es eigentlich ganz nett finde, wieder auf arbeit zu gehen und eben nur abends ein paar stunden mit dem kleinen zu haben, wenn er meistens gut gelaunt ist.
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  20. Member Avatar von kaikoura
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    AW: Mutterrolle nicht wirklich akzeptieren können

    Mein Baby ist jetzt 10 Wochen alt und ich hatte vor der Geburt eine abstrakte Vorstellung davon, dass es auf jeden Fall anstrengend wird. Was es aber in letzter Konsequenz bedeutet, sich um ein Kind zu kümmern, kann man leider einfach nicht vorher wissen, denke ich. Im Moment fühle ich mich irgendwie einsam und die Verantwortung ist so krass und die wenige Zeit allein. Ich hab jetzt immer gehofft, dass es nach der Babyzeit besser wird, aber eure Posts klingen ja nicht so. :/

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