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  1. Regular Client Avatar von toastbrot
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    "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Ich habe im Radio (DLF) eben eine Ankündigung zu einer Sendung mit diesem Thema gehört. Morgen, Dienstag 21.11., wird sie ausgestrahlt und ist auch als Podcast verfügbar.
    Vielleicht interessiert es ja jemanden.

    Ich musste eben erstmal googeln, weil ich mir darunter nichts vorstellen konnte.
    Ich habe dieses Huhn mit meiner Banane erschossen.

  2. Regular Client
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Es kann sein, dass das dieser Beitrag von WDR5
    Ich würde mir das allerdings nicht anhören, wenn ich noch nie etwas zum Thema gelesen oder mich damit beschäftigt hätte und wenn ich eine traumatische Geburt gehabt hätte, würde ich mir das auch gut überlegen. Der Beitrag hat mit Sicherheit großes Triggerpotenzial.
    Da am 25.11. wieder Roses Revolution Day ist - der Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe -, stößt man aktuell wieder vermehrt auf das Thema.
    Ich weiß nicht, wie ich an das Thema herangehen würde, wenn ich nicht vom Fach wäre. Es gibt grausige Geburtshilfe, es gibt Verläufe, bei denen die Geburtsleitung einer Vergewaltigung gleicht und auch ich bin schon mal heulend nach einer Geburt aus dem Kreißsaal gelaufen, weil der Oberarzt derart menschenunwürdig mit der Frau umgegangen ist, dass ich es nicht ertragen konnte und dem aber auch nichts entgegensetzen konnte bzw. meine Versuche komplett gescheitert sind.
    Aber die Frage ist ja, was man für sich daraus für Schlüsse zieht.
    Hilfreich ist sicher eine Begleit-Beleghebamme, die man vorab kennt und der man vertraut und mit der man seine Wünsche besprechen kann. Allerdings findet man kaum noch Beleghebammen und Hebammen für außerklinische Geburten sind auch rar (und eh nicht für jede Frau eine gute Alternative).
    Also werden sich die meisten Schwangeren ohne eigene Hebamme in einen Kreißsaal begeben und da ist dann die Frage, wie man damit umgeht. Die meisten Hebammen und Ärzte wollen der Schwangeren natürlich nichts Böses, viele Frauen werden auch sehr gut betreut, aber die Arbeitsumstände sind in vielen Kliniken mies. Dass man wie in dem einen Fall im Beitrag 40 Minuten lang alleine ist, ist sicher keine Seltenheit, wenn das CTG von draußen überwacht werden kann. Oft nicht aus bösem Willen, sondern weil einfach keine Zeit ist. Auch wünscht z.B. die zweite Frau im Beitrag ja eine PDA und danach wird erklärt, niemand habe ihr gesagt, dass das die Geburt verzögern und zu mehr Eingriffen führen könne. Das steht bei uns im Aufklärungsbogen drin, aber ja, wer liest den unter Schmerzen schon sorgfältig durch. Aber die PDA dann nicht zu legen, kann genauso weitreichende Konsequenzen haben (und ggf. eine Klage wegen unterlassener Hilfeleistung nach sich ziehen), also kriegt die Schwangere, die eine PDA wünscht, sie in den meisten Kliniken auch, sofern es medizinisch nicht völlig kontraindiziert ist. Für ein ausführliches Abwägen des Für und Widers ist in der Situation meist keine Zeit.
    Deshalb hilft es eigentlich nur, sich gut über mögliche Interventionen und deren Vor- und Nachteile zu informieren (Interventionen können auch nützlich und mitunter lebensrettend sein, aber der inflationäre Gebrauch durch Zeitdruck und Ungeduld, aber teilweise auch auf Wunsch der Schwangeren birgt eben auch viele Risiken) und die eigenen Wünsche auch mit der Person zu besprechen, die man mit zur Geburt nimmt, damit die für einen sprechen kann, wenn man selbst nicht mehr klar denken kann. Und eben nachzufragen, denn normalerweise kriegt man Maßnahmen spätestens dann begründet (was natürlich eigentlich vorab passieren sollte).

  3. Regular Client Avatar von _Elsa
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Danke Sophie, deine Sicht der Dinge ist mal wieder sehr aufschlussreich

  4. Newbie
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Sophie, ich verstehe schon, dass du sagen willst (zumindest glaube ich das ist was du sagen möchtest), dass alles immer 2 Seiten hat und dass gerade Schwangere sich das jetzt vielleicht nicht anhören sollten.
    Aber ehrlich gesagt hat das für mich auch ganz stark was von das Problem unter den Teppich kehren. Es ist einfach ein riesiges Problem, und dann zu sagen, wenn man nicht von Fach ist sollte man sich den Beitrag nicht anhören finde ich wirklich sehr sehr erschreckend.
    Nur ein Beispiel: Es gibt in Deutschland eine Dammschnittrate von 20 % oder so, obwohl wissenschaftlich längst klar ist, dass das bei mehr als 10% unnütz ist, regelmäßig hört man bei Freunden von kristellern, obwohl das in einigen Ländern sogar verboten sit, da wissenschaftlich als vollkommen sinnlos erwiesen, massig zu früh und ohne Grund eingeleitete Geburten, die den Frauen als "wenn wir jetzt nicht einleiten sind Sie aber Schuld wenn das Baby stirbt" verkauft werden. (Ich kann das jetzt nicht alles ganz genau belegen, würde jetzt zu lange dauern, aber die Idee sollte klar sein).

    Das ist also ein massives Problem. Und dann zu sagen, andere sollten da besser nichts von hören finde ich furcthbar. Genau das muss passieren. ALLE müssen davon wissen, denn erst dann wird sich was ändern.
    Wenn mjan grundlos aufgeschnitten wird, dann sollte man besser nicht wissen, dass das ein massenhaftes Problem ist und die Augen davor verschließen? Wenn alle Frauen die ein Kind bekommen wüssten was abgeht im Krankenhaus, dann würde sich wohl schneller was ändern.
    Natürlich sind die äußeren Umstände mitschuld, aber dann muss das Bewusstsein kommen, dass sich da wirklich was ändern muss.

    Ich sage doch auch nicht die Algemeinheit solle besser nicht vom Klimawandel erfahren, denn wenn die Leute wüssten was da in 30 Jahren auf uns zukommt, dann würden sie nur Angst bekommen und sie könnten das ja gar nicht richtig beurteilen.....

  5. Alter Hase Avatar von Ion
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von _Elsa Beitrag anzeigen
    Danke Sophie, deine Sicht der Dinge ist mal wieder sehr aufschlussreich
    .

  6. Regular Client
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Ich will das auch gar nicht unter den Teppich kehren und ich habe auch nicht geschrieben, dass man sich das nicht anhören soll, wenn man nicht vom Fach ist. Ich habe geschrieben, dass man sich das Anhören gut überlegen soll, wenn man selbst schwanger ist und sich vorher noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, denn ich denke, dann kann man sich z.B. über die Seite von Motherhood oder Roses Revolution lieber erstmal Infos anlesen. Der Hörfunkbeitrag ist durch die Inszenierung nämlich für mein Empfinden deutlich Angst machender.
    Ja, man muss sich damit auseinandersetzen, gerade wenn man nicht vom Fach ist. Ich habe ja auch geschrieben, welche Strategien ich sinnvoll finde, um nicht völlig panisch in den Kreißsaal zu gehen (wenn man denn eine Klinikgeburt ohne Begleitbeleghebamme haben wird).
    Denn einfach nur Angst zu haben, hilft einem kein Stück weiter, im Gegenteil. Wenn ich die Hebamme und den Arzt als permanente Bedrohung erlebe, kann ich mich überhaupt nicht fallen lassen und das macht die Geburt erst recht schwierig. Man soll niemandem blind vertrauen, aber einen gewissen Vertrauensvorschuss braucht das Personal schon (so wie jeder andere Arzt, zu dem ich mit einem Problem gehe oder jeder Berater, den ich für irgendwas konsultiere).
    Es läuft ganz vieles ganz gewaltig schief im medizinischen System und da muss sich was ändern.
    Natürlich gibt es Fälle, wie von dir beschrieben, in denen den Frauen gedroht wird oder zumindest ein Sachverhalt oder eine drohende Gefahr (Versterben des Kindes wegen Placentainsuffizienz, deswegen Indikation zur Einleitung) nicht vernünftig erläutert oder dargestellt wird. Deswegen muss man fragen, so lange bis man es verstanden hat.
    Und natürlich soll und darf man sich zur Wehr setzen, wenn man unmenschlich behandelt wird.

    Ich weiß nicht, wie ich das besser beschreiben soll. Ich habe auch keine Patentlösung, wie es allen Frauen während der Geburt gut gehen kann, denn die Wünsche und Vorstellungen sind einfach so extrem unterschiedlich und wenn man die Frauen eben nicht vorher kennt, kann man da ja auch nur situativ entscheiden, was einem für sie richtig vorkommt.
    Ich glaube, ich rede im Arbeitsalltag verhältnismäßig viel mit den Frauen und erkläre sehr gründlich, was wir jetzt machen und warum. Ganz selten kommen da weitere Nachfragen (und vermutlich sind es für einige zu viele Informationen). Ich kann trotzdem nicht ausschließen, dass es solche Situationen wie "Frau wünscht PDA - Frau bekommt PDA - Frau ist unglücklich, dass ihr keiner gesagt hat, dass die PDA die Interventionsrate erhöht" schon vorgekommen sind.
    Gewalt geht natürlich gar nicht, in keinem Fall und selbst im größten Notfall ist immer noch Zeit zu sagen: "Wir machen jetzt XY, weil Ihr Kind schnell geboren werden muss, wir passen alle gut auf Sie und Ihr Baby auf!" Die ausführlichen Erklärungen müssen dann im Nachhinein folgen (tun sie oft nicht, weiß ich auch, ist aber vielleicht auch nicht immer böser Wille, dann hilft es, um Erklärungen zu bitten).
    Man steht auf der anderen Seite eben auch häufig vor dem Problem, dass Interventionen eingefordert werden (Einleitung, PDA, Sectio) und alle Erklärungen und Begründungen, warum das in der derzeitigen Situation medizinisch nicht sinnvoll oder sogar riskant ist, nichts nützen und gerade da im Nachhinein oft der Vorwurf "hätte ich das vorher gewusst" kommt, obwohl sehr präzise auf die möglichen Komplikationen eingegangen wurde.

    Eigentlich will ich mich gar nicht rechtfertigen, ich versuche meine Arbeit immer so gut wie möglich zu machen, aber die Arbeitsumstände führen sicherlich trotzdem immer mal wieder dazu, dass die Leute sich trotzdem nicht ausreichend betreut oder aufgeklärt fühlen.

  7. Addict Avatar von blauer_Engel
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von RelyOnAnything Beitrag anzeigen
    Wenn mjan grundlos aufgeschnitten wird, dann sollte man besser nicht wissen, dass das ein massenhaftes Problem ist und die Augen davor verschließen? Wenn alle Frauen die ein Kind bekommen wüssten was abgeht im Krankenhaus, dann würde sich wohl schneller was ändern.
    Aber kannst du denn als Laie beurteilen, ob das jetzt grundlos war oder nicht?

    (Ich fand die erste Story etwas unschlüssig/widersprüchlich. Zb erzählt sie erst, sie hätte eine pda bekommen und war taub ua in den Beinen. Aber dann kann sie trotzdem in den Vierfüßlerstand und sich vors Bett stellen? Oder hab ich da was falsch verstanden?).

    Was genau wird eigentlich als interventionslos definiert?

  8. Regular Client
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von blauer_Engel Beitrag anzeigen
    Was genau wird eigentlich als interventionslos definiert?
    Eine wissenschaftliche Definition gibt es soweit ich weiß nicht. Im engeren Sinne ist ein venöser Zugang und ein CTG eine Intervention, in einer Diskussion habe ich auch mal gelesen, dass die Hebamme oder der Arzt/die Ärztin auch eine Intervention in sich darstellen.
    Grundsätzlich wird darunter wohl vor allem verstanden, dass aktiv in den Verlauf der Geburt eingegriffen wird: Geburtseinleitung, Schmerzmittelgabe, Eröffnung der Fruchtblase, Dammschnitt etc.

    Wenn die Wirkung der PDA nachlässt, kann man sich oft wieder bewegen, allerdings lässt dann auch die Schmerzerleichterung deutlich nach, das kann schon sein.
    Ich bin in der einen Geschichte auch über den Geburtsfortschritt gestolpert, aber vielleicht habe ich da auch nicht richtig zugehört, da hieß es eingangs, der Muttermund öffne sich alle zwei Stunden um 2cm, Aufnahmebefund morgens waren 2cm und nachmittags waren es dann 6cm.
    Eine der Frauen sagte auch, dass sie nach vollständiger Eröffnung so lange brauche, wie sie eben brauche, auch wenn es noch Stunden wären. Das ist halt medizinisch/forensisch auch nicht so einfach. Nach vollständiger Eröffnung des Muttermundes sollte man innerhalb von drei Stunden schon einen deutlichen Geburtsfortschritt erkennen. Das heißt nicht, dass nach exakt 3 Stunden eine Sectio gemacht wird, aber irgendwelche Interventionen, um die Geburt zu beschleunigen, sind dann schon sinnvoll, denn mit zunehmender Dauer der Austreibungsphase steigt das Risiko für kindlichen Sauerstoffmangel, das Risiko für eine Uterusruptur und das Risiko für postpartale Blutungen bei der Mutter deutlich an. Man kann da also nicht einfach 6 oder 8 Stunden abwarten und nicht intervenieren, auch wenn die genauen Zeitfenster sicher immer wieder diskutiert werden müssen und der Gesamtverlauf in die Bewertung mit einbezogen werden muss.
    Ich will den Frauen auch ihr Empfinden nicht absprechen, die haben sich misshandelt gefühlt und dann ist da auf jeden Fall etwas falsch gelaufen (und ich habe ja auch nur Details rausgepickt), aber das Gesamtproblem ist ganz oft einfach die mangelnde Kommunikation und da hilft es oft, nachzufragen und genaue Begründungen zu erfragen.
    Das hilft einem nicht, wenn einem gewaltsam die Beine in die Beinhalter gepresst werden oder ähnliches, ich will das nicht verharmlosen, sowas geht nicht und da fehlt es dem Personal dann auch einfach an Empathie oder sie stehen so sehr unter Strom, dass sie vergessen, dass sie mit Menschen arbeiten.

  9. Addict Avatar von blauer_Engel
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Danke für die Erläuterungen!

  10. Junior Member Avatar von Moehrchen
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von _Sophie_ Beitrag anzeigen
    Ich würde mir das allerdings nicht anhören, wenn ich noch nie etwas zum Thema gelesen oder mich damit beschäftigt hätte und wenn ich eine traumatische Geburt gehabt hätte, würde ich mir das auch gut überlegen. Der Beitrag hat mit Sicherheit großes Triggerpotenzial.
    Ich finde das einen wichtigen Hinweis, danke dafür!
    Ich habe mir den Beitrag nicht angehört und nur ganz oberflächlich etwas dazu gelesen und habe trotzdem schon gemerkt, dass es mir ein sehr flaues Gefühl bereitet.
    Es ist schlimm, was es da offensichtlich alles gibt und natürlich hilft es nicht, wenn alle das totschweigen, aber als Frau mit Kind und weiterem Kinderwunsch würde es wohl nur genau dazu führen:

    Zitat Zitat von _Sophie_ Beitrag anzeigen
    Denn einfach nur Angst zu haben, hilft einem kein Stück weiter, im Gegenteil. Wenn ich die Hebamme und den Arzt als permanente Bedrohung erlebe, kann ich mich überhaupt nicht fallen lassen und das macht die Geburt erst recht schwierig. Man soll niemandem blind vertrauen, aber einen gewissen Vertrauensvorschuss braucht das Personal schon (so wie jeder andere Arzt, zu dem ich mit einem Problem gehe oder jeder Berater, den ich für irgendwas konsultiere).
    Und ich finde das einen total wichtigen Punkt.
    Die Geburt meiner Tochter war z.B. mit Dammschnitt, mit massivem kristellern und mit einem etwas hektischen Saugglocken-Einsatz am Ende. Gerade das kristellern hat mein Mann wohl als sehr brutal und schwer aushaltbar empfunden, aber ich habe uneingeschränkt das Gefühl ein schönes Geburtserlebnis gehabt zu haben und empfand es auch währenddessen gar nicht als schlimm. Ich habe nie und möchte auch zukünftig gar nicht in Frage stellen, ob das alles so notwendig war. Ich bin mir absolut sicher, dass die beteiligten Ärzte und Hebammen ihr Bestes gegeben haben und nach bestem Wissen, bester Abwägung und bestem Gewissen gehandelt haben.
    Natürlich darf das "grenzenlose" Vertrauen kein Freifahrtschein sein für die Geburtshelfer. Aber Misstrauen oder Angst meinerseits (schon im Vorfeld) den Ärzten gegenüber hätte sicherlich ebenso für keinen etwas besser gemacht.

  11. Get a life! Avatar von Delisha
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Bei meiner Geburt ist zwar einiges davon passiert: Wehentropf, Schmerztropf, kristellern, unangekündigter Dammschnitt. Als Gewalt hat es sich trotzdem nicht angefühlt. Aber einzig und allein, weil ich die ganze Zeit eine 1:1 Betreuung hatte. Die Hebamme war die ganze Zeit da, bzw später dann die Ablösung. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass sie die ganze Zeit beobachtet wie es mir geht und entscheiden kann was die passenden Mittel sind. Wenn da jemand nur ab und zu mal reingeschaut hätte, dann wäre dieses Vertrauen nicht dagewesen.
    Aber diese gute Betreuung kann man für sich ja nicht erzwingen, bzw war es auch einfach Glück, weil ich die einzige Entbindung in dieser Nacht war.

    Edit: Also ich kann auch nicht beurteilen, ob wirklich alles nötig war. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass man sich nicht kümmert oder nicht mein Wohlergehen und das vom Kind im Blick hat. Daher konnte ich im Nachhinein sehr schnell alles verarbeiten.
    I will dance
    when I walk away

  12. Addict
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von Delisha Beitrag anzeigen
    Bei meiner Geburt ist zwar einiges davon passiert: Wehentropf, Schmerztropf, kristellern, unangekündigter Dammschnitt. Als Gewalt hat es sich trotzdem nicht angefühlt. Aber einzig und allein, weil ich die ganze Zeit eine 1:1 Betreuung hatte. Die Hebamme war die ganze Zeit da, bzw später dann die Ablösung. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass sie die ganze Zeit beobachtet wie es mir geht und entscheiden kann was die passenden Mittel sind. Wenn da jemand nur ab und zu mal reingeschaut hätte, dann wäre dieses Vertrauen nicht dagewesen.
    Aber diese gute Betreuung kann man für sich ja nicht erzwingen, bzw war es auch einfach Glück, weil ich die einzige Entbindung in dieser Nacht war.

    Edit: Also ich kann auch nicht beurteilen, ob wirklich alles nötig war. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass man sich nicht kümmert oder nicht mein Wohlergehen und das vom Kind im Blick hat. Daher konnte ich im Nachhinein sehr schnell alles verarbeiten.
    Naja, nicht jede interventionsreiche Geburt hat was mit Gewalt zu tun, ich glaube, das behauptet auch niemand. Ich hatte eine schlechte Betreuung, da die Hebamme mehrere Frauen gleichzeitig zu betreuen hatte und wir auch nicht auf einer Wellenlänge waren. Als gewalttätig habe ich sie trotzdem zu keinem Zeitpunkt erlebt, höchstens überfordert. Aber gleichzeitig bemüht, freundlich und wertschätzend mir gegenüber. Ich glaube, darauf kommt es mehr an als auf die Art und die Anzahl der Interventionen: eine wertschätzende, respektvolle Haltung der Gebärenden gegenüber, und wie Sophie sagt, gute Kommunikation. Dann werden Interventionen auch nicht als gewaltsam empfunden.

  13. Senior Member
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    ot, weil ich hier gerade "unangekündigter Dammschnitt" las: Wird sowas normalerweise angekündigt?

  14. Addict
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    ich hatte bei zwei geburten einen dammschnitt. beim ersten mal wurde er mir explizit angekündigt, die lampe gerichtet und ein riesen bramborium veranstaltet. "bei der nächsten wehe schneidet der arzt, JETZT schneidet er, AAAAACHTUNG..."
    der zweite wurde mir hinterher mitgeteilt und das war mir viel lieber, weil ich es nicht gemerkt habe.
    ich wüsste auch nciht, warum man das groß mit mir abklären müsste, weil ich währenddessen dann eh nicht sagen würde, nee, bitte kein dammschnitt, weil ich ja davon ausgehen würde, dass er notwendig ist.

    (bei der dritten geburt habe ich dann gesagt, ich könne noch nicht pressen, weil ja noch kein dammschnitt vorgenommen worden sei... äh ja, ging dann ohne und keiner wollte schneiden, die haben sich totgelacht...)

    ich habe aber sowieso bei allen geburten (und jeweils zt. mehreren wechselnden, aber immer verschiedenen hebammen) großes vertrauen zu ärzten und hebammen gehabt und wäre nie im leben auf den gedanken gekommen, dass da was mit mir passiert, das dem kind oder mir schaden könnte. ich habe da nix hinterfragt oder mir hinterher überlegt, was schlecht gelaufen sein könnte.

    wenn ich jetzt so drüber nachdenke, dann wurde ich bei einer geburt zu lange in einer wanne "festgehalten" und kam nur auf sehr deutliches drängen da noch raus (ich hatte da schon presswehen, wollte/konnte aber das kind auf gar keinen fall in der wanne bekommen). da hat mich dann der chefarzt erlöst, nicht etwa die hebamme, indem er sagte, dass man mir da mal schnellstens raushelfen soll, anstatt mich weiter zu bitten, in der wanne zu bleiben. aber im nachhinein find ich das nun auch nciht dramatisch.

    alles andere war immer selbstbestimmt, bzw. habe ich im vertrauen auf die hebamme mich auf ihre vorschläge eingelassen. ich hab aber auch vorher keine wünsche an die geburt aufgeschrieben oder mir gedanken über gebärpositionen gemacht. vor der ersten geburt hatte ich ja eh keine ahnung, bei den anderen dreien wußte ich dann, dass eh alles (und jedes mal!) anders kommt.

  15. Get a life! Avatar von Delisha
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von Whassup Beitrag anzeigen
    ot, weil ich hier gerade "unangekündigter Dammschnitt" las: Wird sowas normalerweise angekündigt?
    Ich hab nur oft gelesen, dass Frauen sich beschwert haben, dass sie nicht gefragt wurden oder es nicht gesagt wurde.
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  16. Member Avatar von Sonnenklar
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Ich war bisher nur als Begleitung bei einer Geburt dabei und dort wurde kurz vorher angekündigt. Jedoch ohne großes Brimborium.

  17. Urgestein
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    für mich wäre eine vorherige ankündigung gewalt gewesen.

  18. Regular Client
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Zitat Zitat von Whassup Beitrag anzeigen
    ot, weil ich hier gerade "unangekündigter Dammschnitt" las: Wird sowas normalerweise angekündigt?
    Man muss darüber aufklären und das Einverständnis einholen, sonst kann es als Körperverletzung gelten.
    In der Praxis läuft es oft anders, weil es in dem Moment, in dem man entscheidet, ob ein Dammschnitt durchgeführt wird, ziemlich unmöglich ist, eine vernünftige Aufklärung zu machen und auch eher abschreckend wirkt.
    Meine Klinik ist dazu übergegangen, allen Frauen, die zur Geburt kommen, einen Aufklärungsbogen "Geburtshilfliche Maßnahmen" auszuhändigen, in dem über Dammschnitt, Saugglocke, Medikamentengabe grob aufgeklärt wird, um dem Rechtlichen genüge zu tun.
    Meine Dammschnittrate ist sehr niedrig, ich glaube, es war nur ein einziger seit 2013 (seit ich nach meiner eigenen Geburt wieder arbeite), aber wenn ich aus irgendeinem Grund denke, dass es notwendig werden könnte (schlechte Herztöne in der Pressphase und nicht absehbare rasche Geburt), versuche ich vor der unmittelbaren Situation aufzuklären. ("Es kann sein, dass wir während einer der letzten Presswehen einen Dammschnitt machen müssen. Wie versuchen, das zu verhindern, aber manchmal ist es eine Möglichkeit, die allerletzte Phase der Geburt etwas zu verkürzen, wenn Ihr Kind schon sehr gestresst sein sollte." so in etwa). Da hat noch nie eine Frau widersprochen. Den eigentlichen Dammschnitt dann direkt vorher anzukündigen, finde ich schwierig, aber wenn das grundsätzliche Einverständnis vorliegt, auch nicht notwendig.

  19. V.I.P.
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    mh. ich hatte 2x dammschnitt, beim ersten mit saugglocke, baby kam atemlos auf die welt, beim zweiten kam das baby total blau auf die welt (und war uach eine lange endphase) und wurde erstmal überwacht. haben sich beide aber sehr schnell wieder erholt. also mit abstand sehe ich schon, dass das wohl notwendig war und man nicht noch mehr zeit drauf verwenden wollte. aber die erste geburt war nicht gerade so, wie man sich das vorstellen sollte und würde ich auch eher unter etwas traumatisch verschreiben (und ins detail gehe ich jetzt dabei nicht).

  20. Regular Client Avatar von *sternschnuppe*
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    AW: "Gewalt in der Geburtshilfe"

    Ich hatte eine knapp 3 stündige Pressphase und als mir Saugglocke und Kristellern erklärt wurden, hab ich mich etwas aufgerichtet und sah die Scheren liegen. Die Hebamme hat Angst bekommen und beschwichtigte mich (nicht dahin gucken, denk an deine nächste Wehe). Und ich fand es nicht schlimm, zu wissen, dass bald geschnitten wird. Es schien mir logisch, zusammen mit der Glocke und dem Kristellern.
    Es war die einzig Chance, um einen KS zu vermeiden nach der langen Phase.
    Das Kristellern an sich fand ich allerdings sehr verstörend und beängstigend. Trotz Vertrauen in Hebamme und Chefarzt und Notwendigkeit.
    Es war schon eine Art körperliche Übermacht vom Chefarzt und eine totale Machtlosigkeit mit Todesängsten durch die Schmerzen. Vielleicht auch, weil es 5 oder 6 mal gemacht wurde.
    Ich fühlte mich echt ausgeliefert, wusste aber, dass das der letzte Versuch für eine natürliche Geburt war. Die mein absoluter Wunsch war nach meinem 1. KS.

    Ich werfe es niemandem vor, die Kommunikation und Begleitung waren gut, aber ich kann nachvollziehen, dass so etwas traumatisieren kann.

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