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  1. Stranger
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    Daumen runter Job, Kind und mentale Belastung

    Ich bin eine stille Mitleserin, melde mich jetzt aber mal zu Wort, da ich an eurer Meinung zu meiner Situation interessiert bin.

    Ich bin nach der Elternzeit in Teilzeit in meine alte Position als Kundenberaterin mit Personalverantwortung zurückgekehrt. Meine Firma war froh, dass ich wiederkomme und ist zu 100% auf meine Vorstellung zu Arbeitszeiten etc. eingegangen. Ich habe auch vor kurzem das Feedback bekommen, dass es aus ihrer Sicht wunderbar läuft und sie sehr zufrieden mit mir sind. Also eigentlich alles super.

    Mich belastet der Job aber sehr. Wenn ich am Nachmittag auf dem Spielplatz bin, denke ich über Strategiepräsentationen nach, überlege wie man verschiedene Probleme lösen könnte bzw. wie ich meine Projekte generell am Laufen halte. Abends sitze ich oft noch mal am Rechner und arbeite. Früher war das für mich total normal. Jetzt will ich aber einfach nur leben, die Zeit mit meinem Kind genießen und dazu ein bisschen arbeiten.

    Ich überlege ernsthaft, mir einen Job auf einem niedrigeren Level zu suchen, bei dem ich abarbeite und die Arbeit zum Feierabend gedanklich im Büro bleibt. Ab und zu hab ich auch mal solche Tage und da bin ich sehr zufrieden. Andererseits sagen alle die mich kennen, dass ich damit langfristig nicht glücklich werde. Ich selbst könnte mir das schon gut vorstellen, finde es nur irgendwie unvernünftig.

    Kennt ihr die Situation? Wie geht ihr damit um? Was würdet ihr machen?

  2. Stranger
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Ja ich kenne das auch!
    Ich bin im ÖD und mache momentan Arbeit für eine Funktionsstelle (dh mit Personalverantwortung und potenziell mehr Gehalt) und nun soll ich die Stelle bald offiziell besetzen, da ich die Einzige bin, die dafür die Qualis hat.
    Aber mir geht es jetzt schon wie dir, obwohl ich die Stelle gerade nur kommissarisch mache: ich nehme mental zu viel mit nach Hause. Sitze bis nachts am PC. Und ich will doch eigentlich einfach „sein“, das Kind (21Monate) genießen und ein bisschen meinen Job machen,der mir ja auch gefällt..
    Ich habe eine Freundin, die in ner ziemlich hohen Position sitzt und echt gut abschalten kann und sie sagte zu mir, ich hätte ne Art Impostor-Syndrom und selbst wenn ich 80% geben würde, wäre das immer noch produktiver als so einige andere Vollpfosten in unserem Gebiet es sind. Zitat von ihr.
    Und dann frage ich mich, ob es nicht meine Einstellung zum Job ist, die ich verändern muss. Und eben nicht den Job.

  3. Alter Hase Avatar von Ion
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Meine Frage wäre auch, ob dein Job dein Engagement zwingend erfordert oder ob das an deinem Anspruch liegt?
    Wenn ersteres, würde ich mit dem Chef sprechen, ob da eine Reduktion der Themenfelder möglich wäre.
    Wenn letzteres, versuche lieber, an deiner eigenen Einstellung zu arbeiten.

    Ich tippe ja auf ersteres, wenn die Firma grundsätzlich nett ist, kann es ja auch nicht so gewollt sein, dass MitarbeiterInnen noch nachts arbeiten, schon gar nicht in Teilzeit (bekommst du die Stunden bezahlt??).

    Also ich vermute, dass du dein Problem einfacher lösen kannst, als gleich alles hinzuwerfen.
    Und ich werfe noch mit in den Raum, dass die Zeit mit kleinen Kindern schnell vorbeigeht und sich auch alles eingroovt und dann hat man auch wieder mehr Energie für die Arbeit oder anders gesagt, könnte es passieren, dass du dich in einem weniger anspruchsvollen Job dann langweilst.

  4. Senior Member Avatar von Pepparmint
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Für mich wird aus deinen Ausführungen auch noch nicht so richtig deutlich, ob es tatsächlich "nur" mentale Belastung ist, die du mit heim nimmst, oder ob tatsächlich einfach Arbeit/Projekte in deiner Arbeitszeit liegen bleiben.
    Wenn ersteres der Fall ist, also du auch klarkommen würdest, wenn du nicht noch zuhause arbeitest, glaube ich nicht, dass ein anderer Job da was ändern würde.

  5. V.I.P. Avatar von Doodlebug
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Wie lange arbeitest du denn schon wieder? Und wie viele Stunden? Wäre vielleicht eine Umverteilung auf volle Arbeitstage und dafür entsprechend ganze freie Tage pro Woche möglich? Und Ions Fragen find dich auch wichtig für die Beurteilung.
    Statt Haaren wachsen mir wundervolle Flausen aus dem Kopf

  6. Regular Client Avatar von Joline
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Ich würde mal warten ob es sich bessert und versuchen an mir selbst zu arbeiten um besser abzuschalten.

  7. Urgestein
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    de gedanke, wielange du schon wieder arbeitest, kam mir auch alserstes.

  8. Foreninventar Avatar von schnaengs
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    ich hab auch die erfahrung gemacht, dass es locker ein halbes jahr dauerte, bis sich unser alltag eingegroovt hatte.
    seitdem schätze ich die mentale belastung (keine personalverantwortung, aber gänzlich unanspruchsvoll ist mein job auch nicht ) als ausgleich zur zeit mit kind. ich habe allerdings nie daheim gearbeitet, auch vor den kindern nicht. und außer in sehr stressigen projektphasen nehme ich die arbeit auch gedanklich nicht mit nach hause.
    das ist mit kind bei mir auch nochmal klarer getrennt im kopf.

    If Plan A doesn't work the alphabet has 25 more letters.


  9. Stranger
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Vielen Dank für eure Antworten! Ihr habt wahrscheinlich Recht. Das Problem liegt zu einem großen Teil bei mir selbst und meiner Einstellung zum Job. Das habe ich schon vermutet, es ist aber gut, das noch mal zu hören. Ich bin sehr engagiert und ziehe viel Selbstbestätigung aus meinem Job. Bekomme ich Lob und Anerkennung, bin ich ich zufrieden und hochmotiviert. Und um immer wieder Lob und Anerkennung zu bekommen, gebe ich halt 120 Prozent, was mich dann aber total stresst. Ich kenne das Pareto-Prinzip - und glaube auch wirklich das 80% reichen - bekomme es aber in der Praxis nicht hin.

    Hinzu kommt, dass meine Branche genau auf diesen Effekt baut. Ich habe Vertrauensarbeitszeit und mit meinem Gehalt sind sämtliche Überstunden abgegolten. Ungeschriebenes Gesetz dahinter ist, dass man je nach Arbeitsaufkommen 10-x% mehr arbeitet. Hinzu kommt, dass es keinen "Chef" gibt, der die Projekte und Aufgaben verteilt, sondern wir bearbeiten, was vom Kunden reinkommt und sind dafür verantwortlich, dass er zufrieden ist. Und da unser Team wegen diversen Kündigungen total unterbesetzt ist und es vor allem an erfahrenen Beratern mangelt, will ich meine Kollegen halt auch nicht hängen lassen und übernehme so viel wie geht.

    Insgesamt ist die Kombination aus meiner Persönlichkeit und dem Job für den Arbeitgeber optimal, für mich persönlich aber doof. Ich hatte das Problem auch schon vor meiner Elternzeit, da konnte ich mich aber besser damit arrangieren, weil sich unser Leben primär um die Arbeit gedreht hat. Das möchte ich nicht mehr. Ich habe die Elternzeit auch sehr genossen und konnte zuerst gar nicht glauben, wie toll sich das Leben ohne diesen ganzen Druck anfühlt. Immer wenn ich genervt oder gelangweilt war, dacht ich ans Büro und die Welt war wieder in Ordnung für mich.

    Ich arbeite seit knapp 9 Monaten wieder mit 24 Stunden an vier Tagen. Ich hab die Stunden schon so gewählt, dass ich noch Luft für Überstunden habe plus einen freien Tag für den Haushalt und mich. Eigentlich wollte ich damit vermeiden, in die Stressfalle zurückzufallen und hatte auch gehofft, weniger anspruchsvolle Aufgaben zu bekommen. Mein Chef weiß, dass ich mit der Situation unzufrieden bin, aber er braucht mich in dieser Position, weil wir zu wenige erfahrene Mitarbeiter haben.

  10. Junior Member
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    AW: Job, Kind und mentale Belastung

    Wenn dein Chef dich braucht, hast du dann nicht ein gutes Druckmittel? Ich glaube, so würden das die sehen, die weniger Mitgefühl mit ihren Arbeitgebern, und mehr Priorität für ihr eigenes Wohlbefinden haben? Was nicht heißen soll, "mach doch einfach mal anders!" sondern einfach ein Nachfragen in eine andere Richtung, als Idee.

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