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  1. Ureinwohnerin Avatar von eskobar_w
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von vielleicht Beitrag anzeigen
    Das ist total schwierig. Also ich verstehe den Gedanken total und ich kenne Fälle, da müssen Kinder regelmäßig aus der Kita (später aus der Schule) abgeholt werden, weil sie alles kurz und klein schlagen. Aber das sind natürlich Extremfälle. Und ich merke in der Heimerziehung oft, dass die, die anfangs noch recht gut händelbar waren, sich mit der Zeit den Extremfällen annähern und es zu einer Verschlechterung des Verhaltens kommt, oder, dass die Opfer der Extremfälle werden, was dann besonders tragisch ist, weil die es ja meistens eh schon immer scheiße hatten im Leben. Das ist echt ne Gratwanderung mit der Inklusion und ein bisschen denke ich halt auch, solche Sachen muss unsere Gesellschaft ein Stück weit mittragen, weil sie solche Fälle halt auch irgendwie mit "fabriziert". Gut find ich dann halt Pädagogen, die nur für dieses eine Kind da sind, das im Unterricht begleiten, in den Pausen usw. Aber da wären wir auch schon wieder beim lieben Geld.
    Ja, mega schwierig!
    Und die Begleiter müssten halt auch qualifiziert sein, was ich da alles schon erlebt hab 😬

    Es muss halt leider noch nicht mal der Extremfall sein, der alles im Klassenraum zerlegt, wenn der Unterricht immer und immer wieder gestört wird, zermürbt das nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Mitschüler. Ich bin immer wieder auf‘s Neue überrascht, wie sehr sich Kinder nach einer ruhigen Lernatmosphäre sehnen.
    don't let the salt get in your wound.
    don't let the ghost get in your heart.


  2. Get a life! Avatar von wendo
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Also ich erinnere mich noch wage daran, dass wir in der Grundschule für eine Weile (der war nach nem Jahr oder so dann eh in einer Sonder-/Förderschule) so einen Extremfall in der Klasse hatten...der war schon 2 Jahre älter als alle anderen, weil sitzengeblieben, dauernd laut, wenig Frustrationstoleranz, immer wieder aggressiv und dabei natürlich aufgrund des Alters auch deutlich stärker als alle anderen und das war wirklich schrecklich.

    Ich selbst hatte auch keinen leichten Stand in meiner Klasse, und fands ohne "Verbündete" gegen ihn nochmal härter und würde daher selbst jetzt auch IMMER mein Kind vor sowas schützen wollen. Inklusion schön und gut, aber mein Kind wird mit Sicherheit keine Schule besuchen bzw. in einer Klasse sitzen, in der so ein Kind ist - sofern es nicht wirklich gute Maßnahmen zur Inklusion eines solchen Kindes gibt.

    Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass man als Gesellschaft alles mittragen muss. Man muss natürlich unterscheiden zwischen Erkrankungen, die organischer Natur sind, bzw. "richtigen" psychischen Erkrankungen. Und Verhaltensweisen, die daraus resultieren wie Kinder aufwachsen müssen. Ich finde es wahnsinnig tragisch, was vielen Kindern an emotionaler/psychischer Gewalt zuhause angetan wird und wie vernachlässigt viele Kinder aufwachsen müssen.
    Aber nein, ich fühle mich trotzdem nicht mit-verantwortlich dafür. Das was hier so schön als "die Gesellschaft", die solche Kinder fabriziert, bezeichnet wurde, ist doch nicht tatsächlich die Gesellschaft, sondern sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen... und diese Rahmenbedingungen wurden zum Großteil nicht von der Gesellschaft selbst geschaffen, sondern von Leuten, die eigentlich einen Querschnitt unserer Gesellschaft repräsentieren sollten - es aber nicht tun.

    Am allerwenigsten kann man ja wohl sowieso Kinder ganz allgemein für irgendwas verantwortlich machen. Und wenn letztendlich aber wieder Kinder darunter leiden müssen, was ursprünglich anderen Kindern angetan wurde, dann bin ich tatsächlich ganz klar gegen Inklusion.

  3. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Wendo, ich verstehe deine Sichtweise total und kann mich auch noch genug in mich als Grundschülerin hineinversetzen, um es schwierig zu finden, da einfach locker-flockig zu verlangen, dass "die Gesellschaft" (=kleine Kinder) das eben mittragen müsse. Deshalb auch mein Einwand weiter oben, dass wir Erwachsene auch nicht gern täglich mit jemandem auf engem Raum wären, von dem wir Verhaltensauffälligkeiten dieser Art erwarten müssen, und deshalb von Kindern, die das mitmachen sollen, ganz schön was abverlangen.

    Aber: was ist die Alternative? Verhaltensauffällige/aggressive Kinder sind auch schulpflichtig, und Schulpflicht bedeutet auch ein RECHT auf Beschulung. Irgendeine Klasse, ob Regelschule oder Förderschule, wird das Kind aufnehmen müssen. "Was ist die Alternative?" soll daher auch keine rhetorische Frage sein, ich weiß wirklich nicht, wie man das lösen soll. Ich finde es nicht zumutbar für die Mitschüler, aber ich finde es auch nicht zumutbar für das Kind, keine Mitschüler zu haben.

    Und auch wenn man beim Förderschulsystem bliebe, würde das ja an dem Grundproblem, ein aggressives Kind mit anderen Kindern in ein Klassenzimmer zu setzen, die nichts dafür können und es trotzdem abkriegen, nichts ändern.

  4. Addict
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    [weg]


    udn ich finde tatsächlich auch, dass das schon ne haltung ist, die sich durchsetzen sollte. gleiche unter gleiche zu packen und damit zu "verräumen", damit alle anderen "ihre ruhe" haben, halte ich persönlich nicht für den richtigen ansatz. es ist ja nun auch nciht so, dass alle auffälligen kinder andere bedrohen udn gefährden und die mitschülerInnen darunter leiden. oft sehen eltern halt den lernerfolg gefährdet.

    ich selbst habe in meiner schulzeit phasenweise auch unter kindern gelitten. das waren aber in meinem fall nicht die zwei bis drei total vernachlässigten adhs-ler, die aggro und sonstwas waren, sondern das waren die obercoolen klassenkings, die keine auffälligkeiten hatten.

    bitte nicht zitieren. nehme es dann wieder raus.
    Geändert von nightswimming (29.03.2019 um 14:41 Uhr)

  5. Get a life! Avatar von wendo
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Privat-/Einzelunterricht für Kinder, die wirklich nicht mit anderen Kindern zusammen sein können?
    Also ja, ich verstehe, dass es aktuell keine wirklich gute Lösung gibt... aber Kinder, die an sich ganz unbeschwerte und unauffällige Kinder sind, kollektiv mit einem einzelnen Mitschüler oder einer einzelnen Mitschülerin zu "bestrafen", aus falsch verstandener Inklusion oder weil man nicht als antiquiert dastehen möchte, kann ebenfalls keine Lösung sein.

    nightswimming... du schreibst ja selbst, dass du glaubst, dass deine Kinder aufgrund ihres Bruders so ein gutes Sozialverhalten entwickelt haben. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen - bei euch zuhause läuft Inklusion halt so wie sie tatsächlich laufen sollte. In einer Kleingruppe, ganz eng betreut von hauptsächlich einer (sehr engen) Bezugsperson. Dass es dann für Kinder auch sehr positive Effekte haben kann, mit einem schwierigen Kind gemeinsam aufzuwachsen, bezweifle ich überhaupt nicht. Nur ist das eben was ganz anderes als das 08/15-Kindergarten- oder Schul-Setting, das lässt sich ja nicht vergleichen oder 1:1 auf andere Rahmenbedingungen anwenden.

  6. Regular Client Avatar von vielleicht
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von wendo Beitrag anzeigen
    Also ich erinnere mich noch wage daran, dass wir in der Grundschule für eine Weile (der war nach nem Jahr oder so dann eh in einer Sonder-/Förderschule) so einen Extremfall in der Klasse hatten...der war schon 2 Jahre älter als alle anderen, weil sitzengeblieben, dauernd laut, wenig Frustrationstoleranz, immer wieder aggressiv und dabei natürlich aufgrund des Alters auch deutlich stärker als alle anderen und das war wirklich schrecklich.

    Ich selbst hatte auch keinen leichten Stand in meiner Klasse, und fands ohne "Verbündete" gegen ihn nochmal härter und würde daher selbst jetzt auch IMMER mein Kind vor sowas schützen wollen. Inklusion schön und gut, aber mein Kind wird mit Sicherheit keine Schule besuchen bzw. in einer Klasse sitzen, in der so ein Kind ist - sofern es nicht wirklich gute Maßnahmen zur Inklusion eines solchen Kindes gibt.

    Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass man als Gesellschaft alles mittragen muss. Man muss natürlich unterscheiden zwischen Erkrankungen, die organischer Natur sind, bzw. "richtigen" psychischen Erkrankungen. Und Verhaltensweisen, die daraus resultieren wie Kinder aufwachsen müssen. Ich finde es wahnsinnig tragisch, was vielen Kindern an emotionaler/psychischer Gewalt zuhause angetan wird und wie vernachlässigt viele Kinder aufwachsen müssen.
    Aber nein, ich fühle mich trotzdem nicht mit-verantwortlich dafür. Das was hier so schön als "die Gesellschaft", die solche Kinder fabriziert, bezeichnet wurde, ist doch nicht tatsächlich die Gesellschaft, sondern sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen... und diese Rahmenbedingungen wurden zum Großteil nicht von der Gesellschaft selbst geschaffen, sondern von Leuten, die eigentlich einen Querschnitt unserer Gesellschaft repräsentieren sollten - es aber nicht tun.

    Am allerwenigsten kann man ja wohl sowieso Kinder ganz allgemein für irgendwas verantwortlich machen. Und wenn letztendlich aber wieder Kinder darunter leiden müssen, was ursprünglich anderen Kindern angetan wurde, dann bin ich tatsächlich ganz klar gegen Inklusion.
    Naja, ich finde schon, dass "die Gesellschaft" mit verantwortlich ist, auch wenn du natürlich recht hast, wenn du sagst, dass es die Rahmenbedingungen sind. Aber ehrlich, was ich als Erzieherin von Heimkindern schon erlebt habe, du machst dir kein Bild. Es sind ja nicht alle schwierigen Kinder gleich aggressiv, trotzdem wurde manchen Mitschüler*innen (oder auch den Kitakindern) von den Eltern eingeredet, die sollen bloß nicht mit den Heimkindern spielen etc.
    Am schlimmsten fand ich mal einen Fall von einem Mitschüler eines meiner Heimkinder. Der war eigentlich vollkommen unauffällig, wurde aber von vielen Kindern sehr oft provoziert und wusste sich irgendwann nicht anders zu helfen, als körperlich auszuteilen. Ich hab davon erstmal nix mitbekommen, weil es "mein" Kind nicht betraf, aber es gab dann einen Elternabend zu dem Sachverhalt und was da los war, war einfach unfassbar. Da saßen nun die Eltern des Jungen und alle anderen Eltern hackten auf sie ein, wie schlimm ihr Sohn doch wäre, wie aggressiv usw. Am Ende weinten die beiden, die Klassenlehrerin legte ihnen noch nahe ihn an eine "Sonderschule" zu schicken. Er war dann glaub ich bis zu den nächsten Ferien "krank" und wechselte danach die Schule. Im Nachhinein hab ich "mein" Kind dazu befragt und sie meinte, die anderen hätten ihn halt immer geärgert und dann wäre er ausgetickt. Was ich damit sagen will: es ist nicht immer so wie es scheint und oft wird immer ganz schnell nach der Sonderschule gerufen, auch von Lehrerseite, weil es halt einfacher ist,w enn man sich mit solchen Dingen nicht auseinandersetzen muss, weil man glaub ich als Lehrkraft auch sonst schon gut aus- bis überlastet ist. Und logisch möchte man als Eltern auch nicht, dass das eigene Kind in der Kita oder Schule drangsaliert wird und ich muss mich vielleicht etwas präziser aisdrücken: Nein, Kinder sollten sowas nicht ausbaden, aber Eltern sind halt auch in der Verantwortung ihren Kindern beizubringen, dass auch Menschen zu unserer Gesellschaft gehören, die ein von der gesellschaftlichen Norm abweichendes Verhalten an den Tag legen und was man ggf. dafür tun kann, dass es ihnen leichter fällt, also die halt nicht auslachen, ausschließen, provozieren, mobben. Sowas verstehen auch Kinder schon. Und ich rede jetzt nicht von denen, die selber Außenseiter sind, Probleme haben in welche Richtung auch immer. Auf die Politik würde ich da nämlich ungern warten wollen, da wird so schnell nix passieren, weil immer andere Themen wichtiger sinbd, als ein paar Halbwüchsige, die aus der Reihe tanzen.
    Ist das Candy Crush Herr Bundeskanzler?

  7. Addict
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von wendo Beitrag anzeigen
    nightswimming... du schreibst ja selbst, dass du glaubst, dass deine Kinder aufgrund ihres Bruders so ein gutes Sozialverhalten entwickelt haben. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen - bei euch zuhause läuft Inklusion halt so wie sie tatsächlich laufen sollte. In einer Kleingruppe, ganz eng betreut von hauptsächlich einer (sehr engen) Bezugsperson. Dass es dann für Kinder auch sehr positive Effekte haben kann, mit einem schwierigen Kind gemeinsam aufzuwachsen, bezweifle ich überhaupt nicht. Nur ist das eben was ganz anderes als das 08/15-Kindergarten- oder Schul-Setting, das lässt sich ja nicht vergleichen oder 1:1 auf andere Rahmenbedingungen anwenden.
    doch, ich glaube in den allermeisten fällen bereichern erfahrungen mit "anderen" kindern in ganz positivem sinne!
    und zu den erfahrungen von vielleicht: ja hier stimme ich zu. mein kind wurde zwar weniger stigmatisiert usw. aber bei den parallelen fällen in den gruppen meiner anderen kinder erleb(t)e ich das und - oh wunder - dann verstärkten sich die probleme und die eltern fühlten sich bestärkt.

    aktuell haben wir beispielsweise ein kind in einer turngruppe von k4. adhs. völlig unkontrollierbar, freundlich und offen, aber leider so ungestüm, dass es leicht zu verletzungen hätte kommen konnen oder aber sie befürchtet wurden.
    beide eltern depressiv, mit dem alltag komplett überfordert, hartz 4 etc. schwierig alles. schon so ne "problemfamilie", passte ins bild irgendwie.
    die anderen eltern: alle rückten ab in der umkleide, tötende blicke, hochgezogene augenbrauen. der wahnsinn. ich hab mal die mutter angesprochen udn mir die story angehört, habe mit meinem kind gesprochen (also in richtung "der xy ist manchmal so wild, ich glaube, der mag gerne mitspielen, weiß aber nciht, wie er das anstellen soll, hast du ne idee?" - und mein kind hat sich seitdem um ihn gekümmert, ich hab in den unkleidesituationen immer sehr betont mit der betroffenen mutter geredet, das hat der trainer auch mitbekommen, meine k4 hat auf wundersame weise das kind in ihren freundeskreis (paar kinder aus ihrer kita sind da zusammen) integriert und die probleme haben sich nicht verflüchtigt, aber es ist viel besser geworden. das kind ist schwierig und wird es auch tendenziell bleiben, aber er wrid von der gemeinschaft getragen und alle lernen was davon und haben ein positives gefühl. zumindest positiver als vorher.
    damit will ich sagen: wir hätten auch alle uns beschweren können über das unhaltbare kind, dann wäre es irgendwann nicht mehr gekommen, hätte ein frustrationserlebnis gehabt, die anderen kinder hätten gelenrt, dass einer der anders ist, nciht dabei bleiben kann, aber man kann es im kleinen halt auch mal anders probieren. vermtulich hätte man das kind in irgendein angebot für adhs-kinder turnmäßig stecken können, vielleicht wird er nicht lange auf ner regelschule bleiben, aber man kann es einfach auch mal versuchen, alle mit ins boot holen, dinge erklären und ängste/ablehnung aufweichen. und in der tat sehe ich das als aufgabe aller an.
    parallel dazu zum schulalltag: man kann sein kind immer wieder über das "problemkind" befragen, und ratschläge geben wie "halte dich lieber fern, nciht dass du auch mal was abkriegst" oder aber die eigene empörung darüber kundtun etc. man kann es aber auch andersrum probieren, das kind mal einladen, das eigene kind "ins boot holen", zu toleranz und freundlcihkeit auffordern, man kann sagen "wir wissen aber nciht warum xy es so schwer hat, vielleicht könntet ihr mal eine weile versuchen, ihn mitspielen zu lassen und sehr nett zu sein" etc.
    und meine rolle als mutter sehe ich auch darin, andere mütter von solchen stigmatisierungen wieder runterzuholen.

    (und klar, es gibt fälle, da geht es nicht, aber ich halte es für nciht soo wahrscheinlich, dass in allen klassen udn gruppen unhaltbare, gewalttätige superproblematische kinder sind.)

  8. Regular Client Avatar von Stina
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Ich möchte nochmal den Aspekt einbringen, dass Inklusion nicht ein nettes Gimmick ist das man gewähren kann oder eben nicht, sondern ein Recht, das allen Menschen zusteht. (Dass es auf sinnvolle Art und abgestuft umgesetzt werden muss, hatte ich ja schon geschrieben).

    Und: ich glaube bei Drangsalieren
    im Sinne von Mobbing etc. sind Inklusionskinder als Täter*innen bei weitem nicht das Hauptproblem.

  9. Regular Client Avatar von vielleicht
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Das ist halt häufig auch so ein „selffullfilling prophecy“ Ding. Die Kinder reagieren so, wie es von ihnen erwartet wird. Drin ist man ja schnell in so ner Rolle, raus findet man aus eigener Kraft oft nicht.

    Und was mir noch zu dem Büro-Beispiel einfällt von sora: ich sehe das für mich so, dass ich es natürlich super fände, nur mit Leuten zu arbeiten, die unkompliziert sind, von denen nicht die Gefahr ausgeht, dass sie mal cholerische Anfälle haben oder was weiß ich. Aber mir fällt es leichter, solche Verhaltensweisen zu akzeptieren und wohlwollend zu reagieren, wenn ich weiß, das hat einen Grund. Und ehrlich, lieber mit so jemandem in einem Raum, als mit jemandem, der beim Essen schmatzt, ständig die Nase hochzieht, oder permanent doofe Fragen stellt. Was ich meine: es wird immer Menschen geben, die mir auf die Nerven gehen, die mich auf irgendeine Art herausfordern, die irgendwie kompliziert sind. Aber das ist halt so. Von Erwachsenen kann man natürlich zumindest verlangen, ihre Gefühle soweit im Griff zu haben, dass sie nicht schubsen, kratzen, beißen. Für Kinder ist das schwierig und natürlich ist es kacke, wenn das andere Kinder abbekommen. Ich glaube aber, das muss auch nicht sein, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Fälle, wo es wirklich gar nicht geht, gibt es sicher auch, aber ich kenne ganze zwei Kinder, wo ich tatsächlich sagen würde, die kann man nicht auf andere Kinder loslassen, die brauchen Einzelbetreuung. und ich arbeite ausschließlich mit „solchen“ Kindern.
    Ist das Candy Crush Herr Bundeskanzler?

  10. Regular Client Avatar von vielleicht
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von Stina Beitrag anzeigen
    Ich möchte nochmal den Aspekt einbringen, dass Inklusion nicht ein nettes Gimmick ist das man gewähren kann oder eben nicht, sondern ein Recht, das allen Menschen zusteht. (Dass es auf sinnvolle Art und abgestuft umgesetzt werden muss, hatte ich ja schon geschrieben).

    Und: ich glaube bei Drangsalieren
    im Sinne von Mobbing etc. sind Inklusionskinder als Täter*innen bei weitem nicht das Hauptproblem.
    Ja, das stieß mir auch ein bisschen auf. Also der Junge im Rollstuhl geht voll klar, weil unkompliziert, aber auffällige Verhaltensweisen: puh nee, lass mal! Zu anstrengend. Also man muss sich schon damit auch auseinandersetzen, was das Kind so an „Gepäck“ mitbringt und so wie man am Eingang ne Rampe anbringt und die Schule insgesamt barrierefrei macht, muss man halt auch gucken, dass für Kinder mit sozioemotionalen Schwierigkeiten Barrieren abgebaut werden. Und wo zieht man die Grenze zwischen: „du bist ok!“ und „du bist leider raus!“?

    Und ja, auch „normale“ Kinder können richtig fies sein und eine ganz ekelhafte Gruppdynamik entstehen lassen.
    Ist das Candy Crush Herr Bundeskanzler?

  11. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von vielleicht Beitrag anzeigen
    Ja, das stieß mir auch ein bisschen auf. Also der Junge im Rollstuhl geht voll klar, weil unkompliziert, aber auffällige Verhaltensweisen: puh nee, lass mal! Zu anstrengend. Also man muss sich schon damit auch auseinandersetzen, was das Kind so an „Gepäck“ mitbringt und so wie man am Eingang ne Rampe anbringt und die Schule insgesamt barrierefrei macht, muss man halt auch gucken, dass für Kinder mit sozioemotionalen Schwierigkeiten Barrieren abgebaut werden. Und wo zieht man die Grenze zwischen: „du bist ok!“ und „du bist leider raus!“?
    Wenn man in der Klasse als Schüler ein Kind in unmittelbarer Nähe hat, vor dessen körperlicher Aggression man Angst haben muss, ist das aber ja nicht nur "anstrengend". Die anderen Kinder sind nun mal keine Pädagogen, die sich bitte erstmal damit auseinandersetzen sollen, was das Kind für eine schwere Vorgeschichte hat, bevor sie vor dem Kind Angst haben dürfen.

    Also, das existierende Problem verhaltensauffälliger/aggressiver Kinder im Klassenzimmer (was meiner Ansicht nach ganz nebenbei gar nicht wirklich zum Thema Inklusion an Schulen gehört, da reine Förderschulen ja genauso bzw. stärker betroffen wären, das Kind wäre ja in einer Förderschule nicht plötzlich nicht mehr aggressiv) als "ihr wollt ja nur die lieben körperbehinderten Kinder, die verhaltensauffälligen sind euch wohl zu anstrengend" vom Tisch zu wischen, finde ich jetzt auch ein bißchen totschlagargumentsmäßig.

    Wie weiter oben geschrieben, was die Lösung sein soll, weiß ich auch nicht, aber das ist, finde ich, kein Grund, das Problem gar nicht mehr benennen zu dürfen.

  12. V.I.P. Avatar von Mohrrübe
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von vielleicht Beitrag anzeigen
    Also der Junge im Rollstuhl geht voll klar, weil unkompliziert, aber auffällige Verhaltensweisen: puh nee, lass mal! Zu anstrengend. Also man muss sich schon damit auch auseinandersetzen, was das Kind so an „Gepäck“ mitbringt und so wie man am Eingang ne Rampe anbringt und die Schule insgesamt barrierefrei macht, muss man halt auch gucken, dass für Kinder mit sozioemotionalen Schwierigkeiten Barrieren abgebaut werden. Und wo zieht man die Grenze zwischen: „du bist ok!“ und „du bist leider raus!“?
    Das war meine INtention dieses Themas hier. Ich wollte von euch Tipps zum Umgang mit dem Jungen. Als Antwort erhielt ich u.a. "Jugendamt". Es scheint für den Querschnitt der Gesellschaft keine brauchbaren Tipps zum Umgang mit derartigen "Problemen" zu geben. Ich versuche ja mein Bestes, aber meine Nerven ertragen eben auch nur ein gewisses Maß und ich weiss eben auch nicht wie viel eine Schule wirklich leisten kann. Diese Schule unterrichtet die 1. und 2. Klasse zusammen (was ich schon sehr doof für MEIN Kind finde), hat kaum Personal und ist generell in einem desolaten Zustand. DESHALB habe ich mein Kind an einer anderen Schule angemeldet, nicht nur wegen DIESEM Jungen. Das ganze Konstrukt gefällt mir nicht. Die andere Schule ist, wie alle hier, auch inklusiv. Die scheinen aber besser aufgestellt zu sein.

  13. Addict
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Wenn man in der Klasse als Schüler ein Kind in unmittelbarer Nähe hat, vor dessen körperlicher Aggression man Angst haben muss, ist das aber ja nicht nur "anstrengend". Die anderen Kinder sind nun mal keine Pädagogen, die sich bitte erstmal damit auseinandersetzen sollen, was das Kind für eine schwere Vorgeschichte hat, bevor sie vor dem Kind Angst haben dürfen.
    nein, wenn da wirkliche gefahr im verzug ist, muss keiner das hinnehmen.
    aber kinder grundsätzlich für andere sensibilisieren, "anderes", auch schwieriges, verhalten zu hinterfragen und zu versuchen zu verstehen, es zu akzeptieren und zu versuchen, gute lösungen dafür zu finden, das kann und muss man kindern zumuten. auch wenn es nicht immer leicht ist.

  14. Regular Client Avatar von Stina
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Also, das existierende Problem verhaltensauffälliger/aggressiver Kinder im Klassenzimmer (was meiner Ansicht nach ganz nebenbei gar nicht wirklich zum Thema Inklusion an Schulen gehört, da reine Förderschulen ja genauso bzw. stärker betroffen wären, das Kind wäre ja in einer Förderschule nicht plötzlich nicht mehr aggressiv) als "ihr wollt ja nur die lieben körperbehinderten Kinder, die verhaltensauffälligen sind euch wohl zu anstrengend" vom Tisch zu wischen, finde ich jetzt auch ein bißchen totschlagargumentsmäßig.
    Ich finde schon, dass das zum Thema Inklusion gehört, denn Förderschulen mit Schwerpunkt Soziale/Emotionale Entwicklung haben da ja schon ganz andere Möglichkeiten, angefangen bei der Klassengröße.

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Wie weiter oben geschrieben, was die Lösung sein soll, weiß ich auch nicht, aber das ist, finde ich, kein Grund, das Problem gar nicht mehr benennen zu dürfen.
    Auf jeden Fall darf man das Problem benennen, habe das auch nirgends rausgelesen, dass alles nur als "easy" gesehen wird. Was ich schwierig finde, ist wenn das Thema komplett ergebnisoffen hinsichtlich Inklusion besprochen wird, denn die Behindertenrechtskonvention gibt ja schon einen Rahmen bzw. eine Zielrichtung vor, die bindend ist.

  15. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Ich denke da zB an den Bruder einer Freundin, der eine Lernbehinderung hat (weiß nicht, ob das noch der Begriff ist, den man da verwendet) und sich schätzungsweise auch irgendwo auf dem Autismusspektrum befindet und zum Ausrasten neigt, aber m. W. selbst nicht gewalttätig wird. Der ist in seiner Förderschule sehr viel Gewalt ausgesetzt gewesen (kam nur auf verschlungene Pfaden raus, er selbst hat nie zuhause davon erzählt), weil da halt nicht nur friedliche Kinder mit einfacher Lernbehinderung saßen. (Ob die Schule spezialisiert war, weiß ich nicht, nehme es aber an, war ein Internat.) Bitte nicht zitieren.

    Also, das nur dazu, warum ich denke, dass auch die Förder-Mitschüler unter einem aggressiven Kind zu leiden haben und nicht nur die Regel-Mitschüler.

  16. Regular Client Avatar von vielleicht
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Wenn man in der Klasse als Schüler ein Kind in unmittelbarer Nähe hat, vor dessen körperlicher Aggression man Angst haben muss, ist das aber ja nicht nur "anstrengend". Die anderen Kinder sind nun mal keine Pädagogen, die sich bitte erstmal damit auseinandersetzen sollen, was das Kind für eine schwere Vorgeschichte hat, bevor sie vor dem Kind Angst haben dürfen.

    Also, das existierende Problem verhaltensauffälliger/aggressiver Kinder im Klassenzimmer (was meiner Ansicht nach ganz nebenbei gar nicht wirklich zum Thema Inklusion an Schulen gehört, da reine Förderschulen ja genauso bzw. stärker betroffen wären, das Kind wäre ja in einer Förderschule nicht plötzlich nicht mehr aggressiv) als "ihr wollt ja nur die lieben körperbehinderten Kinder, die verhaltensauffälligen sind euch wohl zu anstrengend" vom Tisch zu wischen, finde ich jetzt auch ein bißchen totschlagargumentsmäßig.

    Wie weiter oben geschrieben, was die Lösung sein soll, weiß ich auch nicht, aber das ist, finde ich, kein Grund, das Problem gar nicht mehr benennen zu dürfen.
    Dass das Problem existiert, bestreite ich doch gar nicht und ich hab hier auch von niemandem gelesen, dass das alles voll easy ist. Mir geht es allgemein darum, wie schnell immer nach dem Jugendamt und der "Sonderschule" (ich schreibe das deshalb in "", weil ich das Wort schlimm finde) geschrien wird und das sind nunmal meine Beobachtungen, die ich so häufig gemacht habe, dass ich davon ausgehe, es wird nicht immer nur zufällig genau mir bzw. den Kindern passieren in meinem Umfeld, oder denen die ich betreue. Und das finde ich bedenklich. Das Beispiel von nightswimming aus der Sportgruppe ist da ziemlich gut, wie es eben auch anders gehen kann. Dass es Extrenfälle gibt bestreite ich auch nicht, nur kommen die glaub ich wesentlich seltener vor, als man es hier glauben mag. Ich kenne wie gesagt zwei, das ist echt nicht viel.
    Ist das Candy Crush Herr Bundeskanzler?

  17. Regular Client Avatar von vielleicht
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von Mohrrübe Beitrag anzeigen
    Das war meine INtention dieses Themas hier. Ich wollte von euch Tipps zum Umgang mit dem Jungen. Als Antwort erhielt ich u.a. "Jugendamt". Es scheint für den Querschnitt der Gesellschaft keine brauchbaren Tipps zum Umgang mit derartigen "Problemen" zu geben. Ich versuche ja mein Bestes, aber meine Nerven ertragen eben auch nur ein gewisses Maß und ich weiss eben auch nicht wie viel eine Schule wirklich leisten kann. Diese Schule unterrichtet die 1. und 2. Klasse zusammen (was ich schon sehr doof für MEIN Kind finde), hat kaum Personal und ist generell in einem desolaten Zustand. DESHALB habe ich mein Kind an einer anderen Schule angemeldet, nicht nur wegen DIESEM Jungen. Das ganze Konstrukt gefällt mir nicht. Die andere Schule ist, wie alle hier, auch inklusiv. Die scheinen aber besser aufgestellt zu sein.

    Es gibt wahrscheinlich deshalb kaum brauchbare Tipps, weil die Wenigsten Erfahrung damit haben. Kann Glück sein, kann aber auch daran liegen, dass solche Kinder halt schnell "abgeschoben" werden und in der Gesellschaft keinen Platz finden. Mit wievielen Leuten seid ihr denn so befreundet, die zb in nem Heim aufwuchsen, oder in einer "Sonderschule" beschult wurden? (Nicht jetzt konkret an dich die Frage, mehr so in die Runde.) Ich schreibe nachher nochmal was, muss jetzt erstmal schnell los.
    Ist das Candy Crush Herr Bundeskanzler?

  18. Regular Client Avatar von vielleicht
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    .

    Also, das nur dazu, warum ich denke, dass auch die Förder-Mitschüler unter einem aggressiven Kind zu leiden haben und nicht nur die Regel-Mitschüler.
    Ganz kurz noch was dazu, weil ich in einem anderen Beitrag schon mal erwähnt hatte: genau die Kinder, die es dann eh schon nicht ganz so geil haben, leiden dann nämlich noch mehr unter solchen Exremfällen, weil da einfach so viele Extreme (in welche Richtung auch immer) aufeinandertreffen.

    Es gibt sicher Kinder, für die diese Schulart die richtige ist, aber viele von denen, die solche Schulen besuchen, könnten auch an ne Regelschule gehen, wenn es denn gewollt wäre.
    Geändert von vielleicht (29.03.2019 um 20:42 Uhr)

  19. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    Von "easy" habe ich übrigens auch nichts geschrieben. Für mich sind Aussagen wie "Das muss man als Gesellschaft eben mittragen" oder "ist euch wohl zu anstrengend" aber einfach Totschlagargumente.

    Stina, wenn man über das konkrete Problem "Mitschüler haben Angst vor einem bestimmten Kind, wie soll damit umgegangen werden?" diskutiert, stellt man damit aber auch nicht gleich das ganze Konzept Inklusion zur Diskussion. Darüber, wie man im Einzelfall verfährt, wird, kann, und muss man doch auch weiter diskutieren.

  20. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Kinder mit "sozialer Störung"

    vielleicht, nimmst du bitte das Zitat wieder raus?

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