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Thema: time outs

  1. Addict Avatar von tiny.dancer
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    time outs

    Ich habe keine Kinder, bin aber neugierig. Ich folge vielen amerikanischen Bloggern und habe den Eindruck alle "arbeiten" in der Kindererziehung mit time outs (eine Minute pro Lebensjahr hab ich jetzt schon öfters gelesen). Und stelle mir irgendwie vor, dass das hier in Deutschland eher verpöhnt wäre? Oder gehe ich da nur von der Blase aus, in der ich lebe? (bym deckt sich sehr mit meinem Umfeld)

    Nutzt ihr diese Methode?

    Finde es jedenfalls faszinierend, es gibt sogar time out teddies.
    Hier mal ein Beispielartikel – allein das Wort discipline würde man gefühlt hier nie verwenden in dem Kontext.




    and a rock feels no pain
    and an island never cries

  2. Senior Member
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    AW: time outs

    Ich kenne das noch aus den Anfängen der Supernanny von der "Stillen Treppe". Sowas ist doch gemeint, oder?
    Da kenne ich glaube ich im Umfeld niemanden, der das so umsetzt.
    Was wir im Sommer schon mal gemacht haben war, dass unser Sohn ins Haus musste, wenn er sich ununterbrochen mit den Nachbarskindern gestritten hat. Da musste er dann eine Weile bleiben, damit er aus der Situation raus war. Allerdings haben wir da auch keine Zeit festgelegt, sondern sind nach Gefühl irgendwann zu ihm gegangen und haben gefragt, ob er denkt, dass er jetzt halbwegs friedlich mit den anderen spielen kann. Er saß dann meist in seinem Zimmer und hat Hörspiel gehört und oft wollte er dann gar nicht mehr raus. Da kam das Verhalten anscheinend eher davon, dass er eine Pause brauchte, aber von selbst nicht darauf kam, sich zurückzuziehen.
    Er war da aber auch schon fast 6.

    Ein Kind aus der Situation zu nehmen und dann z.B. ein paar Minuten vom Schoß aus zusehen zu lassen, wenn es anderen Kindern mutwillig wehtut, finde ich in einigen Situationen sinnvoll, aber dieses klassische Time out erscheint mir für uns nicht als die richtige Methode.

  3. Newbie
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    AW: time outs

    Time outs sind -so wie ich es in dem Artikel verstehe- immer ein Abbruch der Bindung (sie schreibt ja, man solle das Kind auf jeden Fall ignorieren). Das konterkariert meiner Ansicht nach das, was ein Kind welches unkooperativ scheint, eigentlich braucht. Hinter (aus unserer Sicht) Fehlverhalten stehen ja idR unerfüllte Grundbedürfnisse (Zuwendung, Anerkennung).
    Das Time Out führt schnell dazu, dass Kinder lernen: lieber negative Aufmerksamkeit als gar keine. Es wird nochmals zusätzlich das entzogen, was schon gefühlt weg ist für das Kind: Zuwendung. Für alle (Klein)Kinder ist so ein Bindungsabbruch doch die Höchststrafe?!
    Ich führe Time Outs weder mit meinem Kind durch, noch in meinem Job (Lehrerin).
    Was ich schon mache ist, Kinder aus Situationen zu nehmen, oder ihnen Wege raus zeige, dabei aber ihre Gesichtswahrung gewährleiste.
    Mein Ansatz ist eher „Catch‘em when they are good.“
    Geändert von Talea_86 (23.11.2019 um 22:54 Uhr)

  4. Regular Client Avatar von blauer_Engel
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    AW: time outs

    Auszeiten gibt es bei uns (und in der Kita) schon regelmäßig, ich weiß aber nicht, ob es das ist, was dort unter time-out verstanden wird (hab grad keine Zeit für den Artikel).
    Er muss sich dann (bzw wird von uns hingesetzt) auf einen Stuhl/Sofa (kann er sich aussuchen) setzen. Wir nutzen das dann, wenn er sein Spielzeug zerstört oder uns ständig ärgert. Uns hilft das eigentlich öfter ganz gut, große Eskalationen zu vermeiden, weil er in diesem Stadium noch halbwegs zugänglich ist. Und dann auch versteht, dass ich es ziemlich doof finde, wenn er unsere oder seine Sachen kaputt macht.
    Lass ich es einfach weiterlaufen, eskaliert es meistens irgendwann.
    Das passiert leider auch so noch oft genug.
    Eine feste Zeitspanne dafür haben wir nicht; die Befindlichkeiten und Bedingungen müssen geklärt sein, dann geht es weiter.

  5. Junior Member Avatar von Magrat
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    AW: time outs

    Ich kenne schon Eltern, die die Kinder auf ihr Zimmer schicken oder ähnliches, aber diese Timeouts finde ich auch typisch amerikanisch. Auch andere ziemlich formelhafte Erziehungsmethoden scheinen dort recht beliebt zu sein, zum Beispiel das Anzählen bis drei, wenn ein Kind nicht das macht, was man will ("1-2-3 magic"). Ist meines Wissens auch ein religiöses Konzept, was vielleicht die Verbreitung erklärt.

    In der Babyzeit meiner Tochter habe ich auch einige amerikanische Ratgeberseiten gelesen, da war m dauernd die Rede von "nap schedules", die man tunlichst einhalten sollte. Ferbern (cry it out), auch bei jüngeren Babys, scheint wesentlich akzeptierter zu sein als hier. Das habe ich beides immer auf den miserablen Mutterschutz in den USA zurück geführt, da müssen die Babys eben "funktionieren", wenn die Mütter nach 6 Wochen wieder arbeiten müssen oder sonst den Job los sind.

  6. Enthusiast Avatar von ninini
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    AW: time outs

    Bei uns (stationäre Heimerziehung) gibt es das auch, und zwar in erster Linie dann, wenn ein Kind ein anderes Kind körperlich angeht oder massivst ärgert. Übrigens weniger, damit sich das Kind beruhigt, sondern weil ich bzw. wir finden, dass sich das andere Kind nicht in einem Raum aufhalten muss mit jemandem, in dessen Anwesenheit er oder sie um ihr körperliches Wohl fürchten muss. Die Message ans Kind ist da auch ganz klar, dass dieses Verhalten in unserer Gemeinschaft nicht erwünscht ist und Zusammensein nur gewaltfrei möglich ist.

    Hinter (aus unserer Sicht) Fehlverhalten stehen ja idR unerfüllte Grundbedürfnisse (Zuwendung, Anerkennung).
    Da fehlt mir aber der Aspekt, dass die Erfüllung von Bedürfnissen bei Fehlverhalten die Häufigkeit des Fehlverhaltens eben auch stärkt. Wir hatten hier mal ein Kind, dass in der KiTa regelmäßig Wutanfälle (inkl. Spucken, Treten und Schlagen) hatte - die Konsequenz war Einzelbetreuung im Toberaum. Fand er super, hat er dann halt auch entsprechend oft gemacht. Natürlich muss man sich als Bezugsperson gedanken darüber machen, was tatsächlich hinter dem unerwünschten Verhalten steht und wie man entsprechende Bedürfnisse auf anderen Wegen befriedigen kann. Aber vorher, nicht hinterher.

    zum Beispiel das Anzählen bis drei, wenn ein Kind nicht das macht, was man will ("1-2-3 magic")
    Wenn es doch aber funktioniert? Ich habe hier auch ein Kind, das immer erst tut, worum ich es bitte, wenn ich anzähle, dann aber quasi immer und ohne großartigen Widerspruch. Da sollte halt keine Drohung hinter stehen, aber ich muss dem Kind ja nicht 20 Mal erklären, was ich von ihm möchte und warum, irgendwann ist auch mal gut.
    Ladies and gentlemen, take my advice: Pull down your pants and slide on the ice.

  7. Newbie
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    AW: time outs

    Ninini, aber ich schrieb ja, dass negative Aufmerksamkeit besser ist als gar keine, das trifft es ja was du beschreibst.

  8. Addict Avatar von Jazzy Belle
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    AW: time outs

    Zitat Zitat von Magrat Beitrag anzeigen
    Ich kenne schon Eltern, die die Kinder auf ihr Zimmer schicken oder ähnliches, aber diese Timeouts finde ich auch typisch amerikanisch. Auch andere ziemlich formelhafte Erziehungsmethoden scheinen dort recht beliebt zu sein, zum Beispiel das Anzählen bis drei, wenn ein Kind nicht das macht, was man will ("1-2-3 magic"). Ist meines Wissens auch ein religiöses Konzept, was vielleicht die Verbreitung erklärt.

    In der Babyzeit meiner Tochter habe ich auch einige amerikanische Ratgeberseiten gelesen, da war m dauernd die Rede von "nap schedules", die man tunlichst einhalten sollte. Ferbern (cry it out), auch bei jüngeren Babys, scheint wesentlich akzeptierter zu sein als hier. Das habe ich beides immer auf den miserablen Mutterschutz in den USA zurück geführt, da müssen die Babys eben "funktionieren", wenn die Mütter nach 6 Wochen wieder arbeiten müssen oder sonst den Job los sind.
    Ja, ich kenne das auch aus dem amerikanischen.
    Da sind ja die ganzen ‚sleep Trainings‘ auch sehr beliebt und generell wird alles ‚gefördert‘ und schön nach einheitlichem ‚schedule‘ gemacht. Alleine ‚Tummy time‘ ist da ja eine Wissenschaft.

  9. Alter Hase Avatar von Bibliophilia
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    AW: time outs

    Gibt es weder bei uns zuhause noch im Kindergarten.
    Ein Kind in der Kita hat das wohl, aber da haben die Eltern drum gebeten, weil sie das zuhause auch so machen und das Kind generell eher anspruchsvoll ist.

    Ich kenne das aber von vielen Nachbarn. Da die aber auch durch die Bank geferbert haben und Töpfchentraining gemacht haben, war ich auch bei den Auszeiten resistent, als sie mir das ans Herz gelegt haben

  10. Alter Hase Avatar von stöckchen
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    AW: time outs

    Meine Schwester hat das gemacht, die Kinder sind aber mittlerweile aus dem Alter raus. Sie hat aber auch geferbert. Sie hat die ersten Kinder in den USA bekommen und das hat ihren Erziehungsstil glaube ich sehr beeinflusst. Ich finde es schrecklich. Ich kenne auch sonst niemanden, der das macht, jedenfalls habe ich es noch nicht erlebt. Aus der Situation rausgenommen habe ich meinen Sohn aber schon auch ein paar Mal, als er noch kleiner war. Da war er so zwei und wir sind dann ins Zimmer nebenan gegangen, zusammen allerdings.

    In seiner U3- Kita gab es ein Kind, das regelmäßig auf einen Stuhl gesetzt wurde, weil er anfing andere Kinder zu beißen und zu treten. Er war wirklich ein etwas komplizierter Kandidat und die waren glaube ich einfach überfordert :-(. Vielleicht war es auch Wunsch der Eltern, die Familie kam aus den USA.
    Allein? Aber allein ist doch so eine Reise nur halb so schön. Gut, ich komme mit. Zu zweit sind wir stärker und brauchen uns vor nichts zu fürchten.

  11. Senior Member Avatar von Stina
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    AW: time outs

    Ich habe neulich zum ersten mal erzählt bekommen, dass die das machen, so richtig mit eine Minute pro Lebensjahr.

    Aus der Situation nehmen, oder sowas wie z.B. zum rumschreien woanders hinschicken machen wir auch. In der Theorie finde ich Time outs nicht optimal, aber praktisch stelle ich mir das ritualisierte Situationswechsel/runterkommen/Neustart eigentlich ganz gut vor.

  12. Get a life! Avatar von Cinnamon
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    AW: time outs

    Ich mache es bei meinem Kindern nicht und sehe bisher keine Notwendigkeit drin.
    Bei uns in der Arbeit waren Auszeiten für bestimmte Kinder aber eher effektiv (geistige Behinderung plus Verhaltensauffälligkeiten), aber da auch nie alleine sondern mit einer Bezugsperson in einem anderen Raum. Ich finde auch die Verletzungsgefahr bei einem sehr aufgebrachten Kind nicht vernachlässigbar und sehe daher so Einzel-Time Outs echt kritisch.


  13. Fresher
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    AW: time outs

    Das kenne ich so auch nicht, dass das jemand richtig so macht wie bei der Supernanny. Und vor allem nicht so als "Programm" mit festen Regeln wie viel Minuten pro Lebensjahr.
    Was mir manchmal machen ist ein Kind ins Zimmer zu schicken. Wenn jemand so aufdreht, dass keiner von uns (Geschwister und die Eltern) noch irgendwas machen kann und die Geschwister zu Unsinn angestiftet werden (zB auf dem Sofa hüpfen. Das ging mit bis 2 Jahren noch aber inzwischen sind sie da zu groß zu), dann bitten wir das betreffende Kind aufzuhören oder ins Zimmer zu gehen. Danach würden wir erklären, dass keiner mehr etwas machen kann und es alle stört, etc. bis wir das Kind ins Kinderzimmer schicken/bringen. Wir erklären dann nochmal, dass das der Grund dafür ist, dass alle andere gestört werden und das Kind, sobald es meint etwas Ruhigeres spielen zu können, jederzeit wieder kommen kann.
    Wenn das Kind dann anfängt im Zimmer zu heulen gehen wir auch nochmal hin und erklären es nochmal und unterstützen es beim Beruhigen.
    Es ist also nicht als Strafe gedacht und wir machen es auch sehr ungern, wissen aber manchmal nicht wie wir so eine Situation anders lösen sollten. Das ist schon irgendwie ein bißchen ein timeout, aber nicht als Strafe gedacht um etwas zu lernen, sondern um zu sorgen, dass nicht eine übermäßige Zahl anderer gestört wird weil einer total aufdreht.

  14. Addict
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    AW: time outs

    Wir machen auch kein Timeout in dem Sinne (bestimmte Anzahl Minuten etc.), aber die Große (5 J.) schicken wir schon manchmal in ihr Zimmer, zum Runterkommen und zum Schutz der anderen Anwesenden. Wenn sie wieder ruhig bzw. friedlich ist, kann sie dann auch gerne wieder rauskommen. Es muss ja nicht die ganze Familie drunter leiden, dass eine Person gerade schreien / kreischen / extrem laut singen will. Also wir sagen dann nicht "Du hast xy gemacht, als Strafe gehst du jetzt ins Zimmer." sondern "Hey, das ist mir viel zu laut, bitte hör auf damit oder mach das in Deinem Zimmer.". Wenn sie dann nicht aufhört, wird sie halt ins Zimmer geschickt. Als sie kleiner war, ist dann ein Erwachsener bei ihr geblieben.

  15. Alter Hase
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    AW: time outs

    Zitat Zitat von helgoland Beitrag anzeigen
    Wir machen auch kein Timeout in dem Sinne (bestimmte Anzahl Minuten etc.), aber die Große (5 J.) schicken wir schon manchmal in ihr Zimmer, zum Runterkommen und zum Schutz der anderen Anwesenden. Wenn sie wieder ruhig bzw. friedlich ist, kann sie dann auch gerne wieder rauskommen. Es muss ja nicht die ganze Familie drunter leiden, dass eine Person gerade schreien / kreischen / extrem laut singen will. Also wir sagen dann nicht "Du hast xy gemacht, als Strafe gehst du jetzt ins Zimmer." sondern "Hey, das ist mir viel zu laut, bitte hör auf damit oder mach das in Deinem Zimmer.". Wenn sie dann nicht aufhört, wird sie halt ins Zimmer geschickt. Als sie kleiner war, ist dann ein Erwachsener bei ihr geblieben.
    genauso machen wir es auch.
    Oft hilft das dem Kind auch tatsächlich beim rumterkommen, weil es von selber eben nicht aus der Situation rauskommt, oder eigentlich ALlein-Zeit braucht, das aber nicht weiß.

    Ich habe mal bei einer Bekannten, die Amerikanerin ist, miterlebt, wie sie völlig selbstverständlich timeouts eingesetzt hat, bei einer sonst sehr liebevollen und zugewandten Erziehung. Das hat mich sehr irritiert, weil es für mein Empfinden nicht zusammenpaßte. Ihr ist aber auch Gehorsam ein wichtiges Erziehungsziel, und generell eher nicht so "mach was du willst, solange es keinem schadet".

    "Anzählen" mache ich übrigens auch sehr oft. Auch nicht unbedingt als Strafe, aber um den Alltag zu beschleunigen. Meist so "du kannst xy selber machen, ich warte jetzt noch kurz (bis drei), ansonsten mach ich das", oder "du machst jetzt bitte x, ich zähle bis drei, wenn du noch länger trödelst, haben wir nachher keine Zeit mehr für y" Klappt meist gut, ansonsten folgt die Konsequenz.

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