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  1. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Wie sieht das bei euch aus? Ich suche momentan nach Strategien, mit meinen Eltern gut umgehen zu können, ohne dass wir in irgendwelche alten Rollen zurückfallen. (Ich weiß, wenn man Kinder hat und die Eltern in der Großelternrolle dann auf die Kinder aufpassen, kann das ein wahrer Segen sein und man ist wahrscheinlich einfach froh, mal eine halbe Stunde oder ein paar Stunden für sich Zeit zu haben.) Meine Mutter hilft mir übermorgen beim Saubermachen meiner alten Wohnung, was super nett ist, weil mein jetziger Mitbewohner ein ziemlicher Messie ist und die Situation in der Wohnung in den knapp drei Jahren, die wir dort gelebt haben, unangenehm war. Ich finde diese Dynamik aber durchaus schwierig - ich bin finanziell seit einigen Jahren von meinen Eltern unabhängig, in eigentlich allen Hinsichten auch... und dann nehme ich Hilfe von meiner Mutter beim Putzen an und es kann doch wieder so eine Situation entstehen, in der sie mich "rettet". Ich hatte früher genug psychische Probleme (über die ich auch lang und breit bei bym gesprochen habe ) und hatte deshalb immer die Rolle der "Kranken" oder "Hilfsbedürftigen" in der Familie. Ich finde, dass ich immer noch in ähnliche Verhaltensmuster zurückfalle, wenn ich mehr als ein paar Stunden am Stück mit meinen Eltern verbringe, und das wird ja diese Woche der Fall sein. Normalerweise denke ich, dass ich eine einigermaßen selbstsichere Erwachsene bin, die sich durch weniges schnell aus der Fassung bringen lässt, aber Zusammensein mit der Familie bringt mich einigermaßen regelmäßig ins seelische Ungleichgewicht... geht es hier noch jemandem ähnlich und konntet ihr Strategien entwickeln?
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  2. Regular Client Avatar von Joline
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich kann gar nicht viel beitragen ausser, dass ich über die angesprochenen Punkte noch nie nachgedacht habe. Ich freue mich einfach wenn sie mich unterstützen.

  3. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich versuche einfach mittlerweile, moch durch nichts mehr provozieren zu lassen und so viel Distanz zu wahren, wie möglich. Dazu würde für mich aber auch zählen, dass ich solche Sachen wie beim Umzug möglichst ohne meine Eltern mache, deswegen kann ich da ebenfalls wenig sagen... :-/

    Hast du deine Gedanken dazu schon mal angesprochen?
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  4. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Zitat Zitat von luxuspanda Beitrag anzeigen
    Ich versuche einfach mittlerweile, moch durch nichts mehr provozieren zu lassen
    Das werde ich auch versuchen... ein Freund, der ähnliche Erfahrungen und Probleme wie ich mit seinen Eltern hat, sagte mal: "Sie müssen gar nichts anders machen, du solltest eine Haltung finden, dass es dir nichts mehr ausmacht, was sie sagen/tun."
    Zitat Zitat von luxuspanda
    und so viel Distanz zu wahren, wie möglich. Dazu würde für mich aber auch zählen, dass ich solche Sachen wie beim Umzug möglichst ohne meine Eltern mache, deswegen kann ich da ebenfalls wenig sagen... :-/
    Ja, das ist keine ideale Situation so! Ich habe keine andere Lösung gefunden...

    Zitat Zitat von luxuspanda
    Hast du deine Gedanken dazu schon mal angesprochen?
    Nein, weil es alles so subtil ist und schwer anzusprechen... das sind Blicke oder ein Augenbrauenhochziehen oder so, die mich verunsichern und mich wieder so fühlen lassen, als wäre ich ein Teenager. Niemand in meiner Familie kriegt auf dieser Ebene etwas mit.
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  5. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich glaube, meine Eltern sehen überhaupt kein Problem. Sie würden auch nicht mehr geben, als sie gut können. Ein paar Sachen hab ich mal abgelehnt, weil es mir zuviel war, ist auch kein Problem. Ab und an mach ich ja auch mal was für sie. Bei der neuen Wohnung hat mein Vater mir auch viel geholfen, er kann das, hat das Werkzeug und die Zeit, nichts davon trifft auf meine Freund*innen zu, ich selbst kann das meiste, hätte mir auch das Werkzeug von ihm leihen können, aber manchmal braucht man halt mehr als zwei Hände. Fand ich auch nicht schwer anzunehmen. Ich denk mir auch immer so ein bisschen, ihr habt schon maßgeblich dazu beigetragen, dass ich so isoliert bin, wie ich bin, dann könnt ihr das wenigstens auch noch ein bisschen ausgleichen, solange ihr könnt.
    Auch wenn meine Eltern das wahrscheinlich nicht wissen (oder vielleicht doch? wer weiß), habe ich innerlich sehr viel Distanz zu ihnen, auch schon viel zu lange, also schon seit früher Kindheit.

    Insgesamt denk ich nicht, dass völlige beidseitige Unabhängigkeit das höchste Ziel sein sollte, das liegt einfach auch nicht in der Natur des Menschen. Wenn man das zumindest äußerlich sehr hart durchzieht oder halt innerlich so sehr empfindet, kann das für mich entweder ein Symptom sein oder gerade ersteres eine Notlösung für anders nicht besser handhabbare negative Aspekte in der Beziehung sein, aber optimal wäre mMn ein liebevoller respektvoller Umgang mit Geben und Nehmen unter Wahrung der jeweiligen Grenzen. Perfekt kriegt das wahrscheinlich niemand immer hin, das, was man so aus den ersten Lebensjahrzehnten aufzuräumen hat, ist ja aber sehr unterschiedlich und unterschiedlich viel und die beteiligten Persönlichkeiten auch...

  6. Urgestein Avatar von lasol
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich kann dir auch nur raten, auf Dauer in einen Zustand von Akzeptanz (meine Eltern sind wie sie sind und das werden sie nicht ändern) zu kommen, ggf. über Distanz, d.h. man kann zulassen (z.B. Treffen, etc) sofern man damit klar kommt (ggf. über Ignorieren von Sprüchen, etc) oder eben Distanz aufbauen (weniger Treffen, sich nicht organisatorisch auf Dauer abhängig machen, etc.).

    Prinzipiell finde ich es vollkommen legitim, Hilfe von den Eltern anzunehmen, ohne sich dabei schlecht fühlen zu müssen oder sich als abhängig zu sehen (wir sprechen von Hilfe ab und an, die ich theoretsich auch durch eine andere verfügbare Person ersetzen könnte). Ich denke dabei immer: Gehört zum Konzept Familie dazu und wen sie alt werden, muss ich bestimmt auch mal helfen und kann es ausgleichen. So schaffe ich mir einen Zustand von "Ich muss kein schlechtes Gewissen haben und mich abhängig/schuldig fühlen". Letztendlich kann man ausprobieren, ob man das in der konkreten Situation dann schafft oder es über Wiederholung üben. Voraussetzung wäre aber für mich, dass meine Eltern mir das nicht aufs Brot schmieren oder sogar "vorwerfen" alla "nichts hast du im Griff/immer müssen wir helfen/etc." - das scheint bei dir aber ja nicht der Fall zu sein. Vielleicht hilft es dir auch, im Anschluss deine Hilfe anzubieten - auch Eltern haben ja oft mal was, wo sie Unterstützung brauchen (Stromanbieterwechseln, Laptop ausmisten, schwere Dinge heben, Reise buchen, etc.)

  7. Regular Client Avatar von nirtak
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    ich find es total "normal" dass deine mama dir da beim putzen hilft, würdest du ja im gegenzug evtl. auch für sie machen. ich finde nicht dass du dich dadurch in eine abhängigkeit begibst, unselbständig oder hilfsbedürftig bist. vielleicht nimmst du das auch "schlimmer" wahr als es ist, weil du von der vergangenheit noch getriggert bist und objektiv betrachtet ist es eh recht unproblematisch? Lad sie doch doch danach ins kaffeehaus ein, dann revanchierst du dich gleich noch mit netter gemeinsamer zeit und bist ihr nichts "schuldig" ergo ist sie nicht deine "retterin", sondern du kannst dich evtl. auf augenhöhe mit ihr fühlen. vielleicht könnte das so für dich funktionieren.

  8. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Zitat Zitat von nirtak Beitrag anzeigen
    ich find es total "normal" dass deine mama dir da beim putzen hilft, würdest du ja im gegenzug evtl. auch für sie machen. ich finde nicht dass du dich dadurch in eine abhängigkeit begibst, unselbständig oder hilfsbedürftig bist. vielleicht nimmst du das auch "schlimmer" wahr als es ist, weil du von der vergangenheit noch getriggert bist und objektiv betrachtet ist es eh recht unproblematisch? Lad sie doch doch danach ins kaffeehaus ein, dann revanchierst du dich gleich noch mit netter gemeinsamer zeit und bist ihr nichts "schuldig" ergo ist sie nicht deine "retterin", sondern du kannst dich evtl. auf augenhöhe mit ihr fühlen. vielleicht könnte das so für dich funktionieren.
    Nirtak, es ist eine super Idee, sie einzuladen, wir treffen uns heute Abend tatsächlich in einem Restaurant/ einer Kneipe (also irgendwas dazwischen ) und ich denke, wer bezahlt, kann tatsächlich etwas an der Dynamik ändern.
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  9. Junior Member Avatar von trip.fontaine
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich komme mit meinen Eltern ganz ok aus, das ist es aber auch schon. Sie führen ein total anderes Leben als ich und sehen auch sehr viele dinge anders.
    Auf ihr Enkelkind sind sie natürlich total scharf, schaffen es aber nicht, sich an die einfachsten von mir und meinem Mann aufgestellten Regeln zu halten. Ich konnte mich daher noch nicht dazu durchringen, sie mit dem Kind alleine zu lassen. Der Gedanke, ihnen nicht dankbar sein zu müssen, wie oben erwähnt, spielt da in gewisser Weise sicher auch rein.
    Kann mir vorstellen, dass das in Zukunft anders wird, weil man sich halt einfach mal über nen freien Nachmittag freut.
    Im Prinzip sind sie auch keine schlechten Menschen, sie nerven mich nur einfach massiv und ich ertrage sie nicht länger als zwei std am Stück. Meinem Bruder geht es da genauso, was mich in gewisser Weise beruhigt.

  10. Stranger Avatar von Beyerdynamics
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    Auch wenn meine Eltern das wahrscheinlich nicht wissen (oder vielleicht doch? wer weiß), habe ich innerlich sehr viel Distanz zu ihnen, auch schon viel zu lange, also schon seit früher Kindheit.
    Das finde ich überaus betrüblich. Woran lag es denn, dass du seit frühester Kindheit nicht mit deinen Eltern auskamst (also insbesondere in so frühen Jahren)?

  11. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich muss sagen, dass es leider doch wieder problematisch gelaufen ist. An dem Tag selbst und mit dem Putzen war alles okay, wir sind gut vorangekommen und ich habe meine Mutter tatsächlich im Restaurant eingeladen.
    Ein oder zwei Tage darauf schrieb sie mir dann allerdings eine WhatsApp, in der stand: "snow, bitte kontaktiere die Hand- und Fußchirurgie des y... Krankenhauses (ein Krankenhaus in ihrer Nähe) wegen deines Zehs, du solltest da schleunigst was machen." Der Hintergrund ist, dass ich seit 2017 ein Enchondrom an einem Zeh habe - ich war damit bei einem (ambulanten) Orthopäden und in der Charité, das Ganze wurde geröntgt und ein MRT gemacht, und man hat herausgefunden, dass es gutartig ist. Es nervt mich manchmal trotzdem, weil es mir teilweise Löcher in Strümpfe reißt und nicht so besonders ästhetisch ist. Ich hatte Unterlagen beim Aufräumen von 2018 von der MRT-Untersuchung gefunden und das beiläufig meiner Mutter gegenüber erwähnt. Sie ist offensichtlich sofort in den Panikmodus gesprungen - und ja, ihre Panik ging nach der WhatsApp auf mich über. Ich hoffe ja auch, dass ich das Ding noch mal loswerde - in erster Linie aus ästhetischen Gründen - aber die whatsapp meiner Mutter hat mir einfach wieder vollkommen das Gefühl gegeben, mein Leben null unter Kontrolle zu haben und jetzt sofort alles ändern zu müssen.
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  12. V.I.P. Avatar von granny
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich hab schon ewig dieses Buch auf meiner Agenda:
    Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlussel zur Losung fast aller Probleme: Amazon.de: Stefanie Stahl: BA1/4cher
    Wurde schon mehrfach bei bym in ähnlichem Zusammenhang empfohlen. Vielleicht ist das ja was..?
    "Wer in einem gewissen Alter nicht merkt, dass er hauptsächlich von Idioten umgeben ist, merkt es aus einem gewissen Grund nicht."

    "That's not my favourite way though. That only meets 99% of my criteria..."

  13. Fresher
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Meinst du es geht bei diesen Dingen, die dich triggern um Konflikte, die du mit deinen Eltern hast oder um Konflikte mit dir selber, die theoretisch auch durch andere Menschen und entsprechende Verhaltensweisen auftreten könnten.
    Also wäre es ein ähnliches Gefühl gewesen, wenn eine Freundin dir beim Putzen geholfen hätte bzw so eine Nachricht geschrieben hätte?
    Sind die Werte und Glaubenssätze bezüglich der Rollen, in die du nicht zurück fallen möchtest, wirklich Werte und Glaubenssätze, die dir persönlich wichtig sind oder sind sie vielleicht einfach noch da, weil du das früher mal so empfunden hast?
    Beispielsweise fand ich es immer schön, wenn meine Eltern mir bei Umzügen geholfen haben. Ich habe mich dadurch nicht gefühlt, als würden sie mich "retten", sondern es war eher ein familiäres sich umeinander Kümmern, das für mich dahinter stand.
    Ich habe angefangen solche Dinge für mich zu hinterfragen. Also Situationen in denen ich den Umgang schwierig fand und mich in einer bestimmten Weise unangenehm gefühlt habe und versucht zu sehen, was dahinter steht. Und dann entsprechend umgedeutet, wenn ich gesehen habe das ist nicht mehr passend.
    So liegt es eben nicht daran, dass ich hilflos bin oder etwas nicht auf die Reihe bekomme, wenn meine Eltern mich unterstützen, sondern daran, dass man sich um die Menschen, die man mag kümmert.
    Oft sind das natürlich Feinheiten und gerade in der Familie gibt es auch viele Formulierungen oder eine bestimmte Art der Kommunikation, die da etwas in einem auslöst und vom anderen eventuell gar nicht so gemein ist. Man hört das dann raus, weil es für einen selbst ein Thema ist und bestimmte Dynamiken einfach schon jahrelang da sind.

  14. Regular Client Avatar von nirtak
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    deine mutter macht sich sorgen um dich und will das beste für dich, ob berechtigt oder nicht sei mal dahingestellt. das ist normal. sie glaubt deshalb ja nicht dass du das nicht unter kontrolle hast oder etwas, geschweige den alles ändern musst nehme ich an. also so würde ich zumindest ihre nachricht interpretieren.

  15. Alter Hase Avatar von narzisse
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ja, so spontan würde ich das auch als ganz normale Sorge um einen nahestehenden Menschen interpretieren. Ich hab auch den Eindruck, dass du da total getriggert wirst und normale Hilfe/Sorge als Zeichen deiner Unselbstständigkeit siehst.
    Kann natürlich an nonverbalen Signalen liegen, die wir hier nicht so mitbekommen, aber von den direkten Handlungen und Worten her finde ich das alles nicht negativ, sondern normal.

  16. Regular Client Avatar von vanille
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ich habe eine schlechte, bzw mittlerweile nicht-existente Beziehung zu meiner Mutter, mein Vater lebt nicht mehr. Nachdem ich ausgezogen war, hat das bei ihr leider immer so funktioniert: Wenn sie mir Geld für mein Studium geschickt oder mir ihr Auto für eine Besorgung geliehen hat, dann wusste ich schon, dass ich das "zurückzahlen" muss. Das wurde dann immer mit etwa so eingefordert: "okay, also verstehe ich das richtig, mein Auto kannst du nehmen, aber dies/jenes kannst du jetzt nicht mal für mich tun?". "Du kommst also nicht zu Besuch. Schön, dass du trotzdem mein Geld einsteckst". Nach etwa einem Jahr, in dem ich nicht mehr bei ihr gewohnt hatte, habe ich alles gestrichen, was ich angenommen hatte. Mein Studium stattdessen mit Nebenjobs+Stipendien finanziert, eine Carsharing-Mitgliedschaft organisiert, bei meinen Umzügen haben Freunde geholfen. Das war es einfach nicht wert. Zudem ich nach wie vor weiterhin viele Dinge für sie erledigt habe, u.a. ihre Steuererklärung damals, das Korrigieren ihrer Bewerbungen und sowas. Das hat nur in ihren Aufrechnungen nie "gezählt" und mir war es auch irgendwann zu blöd, sich das gegenseitig vorzuhalten, wer wem mehr hilft und ob das ok ist.
    Was ich damit sagen will: Wenn es sich giftig anfühlt, ist es das vielleicht auch. Vielleicht ist es bei dir auch ganz anders, ich wollte das nur mal als weitere Erfahrung hier beschreiben, bevor alle dir sagen, dass deine Mutter definitiv nur das Beste für dich will. Manche Eltern sind nämlich auch wirklich unmöglich und man zögert zu recht damit, einen Gefallen anzunehmen.
    It's only blood from broken hearts.

  17. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Je nachdem, inwieweit man das vorher besprochen hat, würde ich "Du musst schleunigst was machen!", nachdem zwei voneinander unabhängige Fachpersonen (eine davon an der Charité, was ich schon erstmal höher werten würde als unbesehene andere) das nicht gesagt haben, schon nervig und übergriffig finden und wäre das eine übliche Eigenschaft eines Elternteils, würde ich da wohl schon drauf anspringen.

  18. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    Je nachdem, inwieweit man das vorher besprochen hat, würde ich "Du musst schleunigst was machen!", nachdem zwei voneinander unabhängige Fachpersonen (eine davon an der Charité, was ich schon erstmal höher werten würde als unbesehene andere) das nicht gesagt haben, schon nervig und übergriffig finden
    !
    Auch, wenn nicht drüber gesprochen wurde, reicht ja ein "hast du dich da noch mal erkundigt" statt "du musst schleunigst".
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
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  19. V.I.P. Avatar von gewitter
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Eltern Kind Beziehungen sind ja per Definition als übergriffig angelegt. Weil Erziehung halt so funktioniert. Teile davon verwachsen sich. Andere bleiben. Ist halt immer die Frage in welchem Umfang.
    Aber ich glaube, viel wichtiger ist die Frage wie man sich als Kind dazu stellt. (Also wenn man von nem annehmbaren Umfang ausgeht.) Man wird nie einen ‚normale‘ Beziehung zu seinen Eltern haben. Weil es halt die Menschen sind, die einen geformt haben. Da ist ein unausweichlicher Anteil von Wahnsinn drin. Das anzunehmen, kann aber eben auch zur Entspannung führen. Eben auch dazu, dass man die Menschen hinter den Eltern sehen lernt. Mit ihren Beklopptheiten.
    "Es gibt keine harmlosen Zivilisten."

  20. Alter Hase Avatar von narzisse
    Registriert seit
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    AW: Erwachsenenalter und Beziehung zu den Eltern

    Ja, ich finde das ziemlich gut beschrieben - übergriffig und verantwortlich. Solange das Kind ein Kind ist, sind die Eltern für jeden Scheiß verantwortlich, und das völlig selbstverständlich. Klar verschwindet das Gefühl, immer und primär für seine Kinder verantwortlich und zuständig zu sein, nicht von heut auf morgen - bei manchen dauert das Verblassen länger, bei manchen kürzer. Und alles, wo es um helfen, unterstützen und kümmern geht (auch bzgl medizinische Anlaufstelle für Problem des Kindes raussuchen), sind halt die zentralen Zuständigkeiten der Eltern für ihre minderjährigen Kinder, und das prägt ja auch emotional, deshalb ist es ziemlich logisch, dass die Eltern sich nicht gar nicht mehr zuständig fühlen, nur weil ihr Kind plötzlich volljährig ist.
    Da den richtigen Grat zu finden zwischen nicht-übergriffig-sein und nicht-vernachlässigen ist ja gar nicht so einfach, emotional kommt vermutlich nicht jede*r so einfach aus der Zuständigkeit raus und kognitiv reflektieren ist nicht jedermanns Stärke (zumal das gewünschte Ergebnis ja auch höchst individuell ist, also manche 35-jährige wohnen Zuhause und wollen weiter bekocht und ihre Wäsche gewaschen bekommen, manche sind ausgezogen, finden es aber ganz normal, 200000€ zum Hausbau dazugeschossen zu bekommen und danach 2x wöchentlich die Kinder von den Großeltern abholen und betreuen zu lassen, manche haben fast gar keinen Kontakt und finden das traurig, manche haben den Kontakt bewusst abgebrochen - es ist auch schwierig, sich da als Eltern zu orientieren, was jetzt angemessen ist, umso mehr, wenn man nicht der reflektierteste Mensch ist).

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