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  1. Alter Hase

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    Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Triggerwarnung: Mir ist klar, dass nicht jede hier noch eine Mama hat, deswegen hoffe ich, damit niemand zu triggern und bitte um Verzeihung

    Habt ihr Tipps, wie man damit umgeht, wenn man sich über die eigene Mutter ärgert?

    Manche sind und waren liebe- und vertrauensvoll mit ihrer Mama, aber nicht jede hat hier sicher ein super Verhältnis. (Ich z.B. die mittlere von 3 Geschwistern und die Mutter und ich sind sehr unterschiedlich, es war schon immer nicht leicht. Meine jüngere Schwester kommt und kam sehr viel besser mit ihr klar).

    Bei mir gehts in 1. Linie darum, dass ich mit Problemen zu ihr komme, und ihre Reaktion ist "Durchatmen." "Ich bet für dich." "Mach dir einen Tee und sei gelassen." "Ich mache jetzt einen Herbstspaziergang", statt Tipps oder Verständnis. Besonders schlimm ists über Whatsapp, da ist sie manchmal wie die Axt im Walde.

    Sie ist klug, tolerant, positiv, lebenserfahren und eigentlich auch warmherzig - und ich würde mich manchmal SO über ihren Rat und ihr Verständnis freuen, aber bin dann immer wie vor den Kopf gestoßen, weil sie bei Problemen häufig so reagiert, als sei alles MEINE Schuld. Bei positiven Dingen (Schwangerschaft, Hochzeit, neues Haus) kann sie sich mitfreuen, bei Negativem soll ich einfach nur still sein. Das war schon früher so und sie hat mir häufig erzählt, ich müsse zum Psychologen oder in eine Pflegefamilie, wenn ich "schwierig" war.

    Ich habe schon als junge Erwachsene echt lange in Beziehungen gesteckt, die mir definitiv nicht gut taten, weil sie "Sei nicht so kritisch" und "So sind Männer halt" und "Immerhin bleibt er bei dir" gepredigt hat.

    Ich WEIß ja eigentlich...
    1. Wir sind sehr unterschiedlich und das schon immer
    2. Vieles meint sie nicht böse und hat sie vielleicht nie gelernt (negative Gefühle zulassen?)
    3. Trotzdem tut es mir weh und das muss irgendwohin
    4. Das innere Kind jault bei manchen Sätzen von ihr besonders auf und die Vergangenheit kommt hoch.
    5. Ein Whatsapp-Chat mit ihr hat noch nichts besser gemacht - sie ist da einfach nicht empathisch.

    Trotzdem werde ich so wütend und traurig, dass es mich immer wieder vor den Kopf stößt, wenn ich mich öffne und verletztlich zeige und gefühlt auf eine Mauer stoße.
    Das werde ich in diesem Leben wohl auch nicht mehr ändern. Sie wird bald 70 und ist krank, daher erfasst mich immer sofort ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich über sie ärgere.
    Mir geht's daher eher drum, wie ich mich da nicht zu sehr reinsteigere (und langfristig, meinen Frieden mit ihr zu schließen.)

    Egal, wie euer Mutter-Tochter-Problem geartet ist: Was hilft euch, über bestimmte Dinge nicht mehr aufzuregen? Habt ihr ein Ritual, ein Mantra, wenn alte Wunden hoch kommen, das ihr empfehlen könnt?

    Vielleicht auch für das langfristige Abschließen mit bestimmten Themen. Ich lese gerade "Das innere Kind", vielleicht hilft das auch IHR inneres Kind abzuschätzen, warum sie in manchen Momenten nicht für mich da sein kann, wie ich es bräuchte oder früher gebraucht hätte.
    Geändert von lady milford (29.11.2020 um 17:13 Uhr)
    sind 2 zuviel, um frei zu sein
    oder brauch ich dich, um ich zu sein


  2. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Das tut mir sehr leid und klingt teilweise sehr krass

    Meine Eltern können mit negativen Sachen auch nicht umgehen. Aber sie werden wenigstens nicht abwertend oder ablehnend, sondern sind dann einfach gänzlich ohne Option, was sie sagen oder tun. Sie können mir helfen, wenn es darum geht, Texte Korrektur zu lesen und früher finanziell, ist jetzt nicht mehr nötig, ansonsten weiß ich seit gut 30 Jahren, dass sie mir in vieler Hinsicht nicht geben können, was ich brauche, weil sie es nicht haben. Weil sie das von ihren Eltern auch nicht bekommen haben und die nicht von ihren und so weiter. (Dabei, das so klar und explizit zu sehen, hat mir ein Roman sehr geholfen, Altes Land von Dörte Hansen )

    Insofern hab ich nur sehr selten enttäuschende Gespräche, weil sie von meinen Baustellen halt nichts wissen und ich eh nichts erwarte.

    Ich überleg aber auch schon manchmal, ob ich das noch ändern will (also, nicht die Unterstützung, sondern überhaupt ne persönliche Ebene). Weiß es aber noch nicht genau... Und auch nicht, wie.

    Meine beste Freundin hat ne etwas ähnliche Konstellation wie Du in manchen Punkten und hat jetzt mit 36 nach viel Therapie mal ganz gute Aussprachen mit ihrer Mutter gehabt.
    Geändert von durga (29.11.2020 um 17:38 Uhr)

  3. Urgestein

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Bei mir ist es ähnlich wie bei durga.
    Wir haben einfach überhaupt keine persönliche Ebene seit meiner Kindheit, sie wissen nichts von meinen Baustellen und sagen dementsprechend nichts dazu. Also ich sorge auch dafür, dass sie nichts davon wissen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich sie ab der frühen Pubertät jemals um Rat gefragt hätte, ihnen vn meinen Problemen erzählt hätte.
    Sie können das einfach nicht, weil es in ihren Herkunftsfamilien auch schon so war. Wie in dieser Zeit wohl häufig (sie sind recht alt).

    Wird sich nicht mehr ändern, das habe ich akzeptiert. Ich kann aber leider nicht von mir behaupten, dass es mir damit gut ginge.

  4. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Ich habe mit meiner Mutter eigentlich ein sehr gutes Verhältnis, aber sie hat halt ihre Macken und Unzulänglichkeiten, die mich in den Wahnsinn treiben.

    Mir hat geholfen die Erwartungshaltung runter zu schrauben - ist meine Mutter wirklich die, von der ich Ratschläge brauche? Aus dieser Kindrolle raus kommen und es als Erwachsene bewerten? Nein, kann sie nicht - deshalb, brauche ich sie dann wirklich von ihr? Oder hab ich eigentlich andere Menschen in meinem Leben die mir besser weiterhelfen können.

    Mich nicht an den Päckchen aus ihrer Geschichte abarbeiten. Meine Familie hat wahrscheinlich wie alle Familien ihre emotionalen Rucksäcke zu tragen, die vor allem von der Großeltern Generation unter den Teppich gekehrt wurde und unsere Eltern schweigen zurückgelassen hat.
    Muss ich das wirklich alles aufarbeiten und mit mir mitschleppen, um ein glückliches Leben zu führen? Nein, muss ich nicht. Es hilft mir zu verstehen, wieso sie so sind wie sie sind und warum sie nicht anders können. Aber das wars dann auch.

    Und Abstand. Ich verstehe mich mit meiner Mutter wesentlich besser telefonisch und mit 1500km Abstand als live. Da triggert mich wirklich zu viel und eine Woche ist das höchste der Gefühle.
    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  5. Addict

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Das ist auch gerade mein Thema und mit eigenen Kindern wird das alles auch nochmal viel präsenter. Ich finde das Buch „Raus aus Schema F“ von Gitta Jacob oder vielleicht auch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl gut.

    Ich glaube nicht, dass mit meiner Mutter jemals eine Annäherung möglich sein wird, sie ist da auch viel zu wenig selbstreflektiert.

  6. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Mir hat in einer Gesprächstherapie die ich Anfang 20 hatte sehr geholfen zu verstehen, dass ich es nicht brauche die Eltern zu ändern - sondern das mein Umgang damit entscheidend ist.

    Und sie von diesem imaginären Podest runterzuholen und sie als unperfekte Menschen zu sehen, die sie halt nun mal sind. Ich glaube vieles von dem was man in ihnen sehen will, können sie gar nicht sein und dann stören uns eher die Risse in der Fassade als die Person an sich.
    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  7. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von SarahYasemin
    Mich nicht an den Päckchen aus ihrer Geschichte abarbeiten. Meine Familie hat wahrscheinlich wie alle Familien ihre emotionalen Rucksäcke zu tragen, die vor allem von der Großeltern Generation unter den Teppich gekehrt wurde und unsere Eltern schweigen zurückgelassen hat.
    Muss ich das wirklich alles aufarbeiten und mit mir mitschleppen, um ein glückliches Leben zu führen? Nein, muss ich nicht. Es hilft mir zu verstehen, wieso sie so sind wie sie sind und warum sie nicht anders können. Aber das wars dann auch.
    Mir hat tatsächlich das Aufarbeiten des auch für Weltkriegsverhältnisse überdurchschnittlich pathogenen Traumas geholfen, es nicht mehr mit mir rumzuschleppen.

    Also, für diejenigen, die noch nicht zufrieden mit ihrem Stand sind und das noch nicht gemacht haben, vielleicht könnte es helfen?

  8. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    Mir hat tatsächlich das Aufarbeiten des auch für Weltkriegsverhältnisse überdurchschnittlich pathogenen Traumas geholfen, es nicht mehr mit mir rumzuschleppen.

    Also, für diejenigen, die noch nicht zufrieden mit ihrem Stand sind und das noch nicht gemacht haben, vielleicht könnte es helfen?
    Ja sicher, es kann alles mögliche helfen. Ich schreibe ja von mir.

    Versteh mich nicht falsch, das Bewusstsein, woher diese Traumata kommen und wie sie eben nicht verarbeitet wurden, blende ich natürlich nicht komplett aus. Ich arbeite sie nur nicht für MICH auf - einfach weil das nicht meine Aufgabe ist und ich mir sonst gefühlt Klamotten von Generationen und Generationen vor mir anziehe, die mir einfach nicht passen.
    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  9. Ureinwohnerin

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Ja, ich sehe das ähnlich wie Sarah. Es ist gut, zu wissen, woher das kommt, aber mir ist es wichtiger, mich abzugrenzen und meine eigenen Baustellen zu bearbeiten, die Probleme meiner Mutter hab ich lange genug mit mir rumgeschleppt und zu lösen versucht, das kann sie nur selbst oder eben auch nicht.

    Ich kann da mal wieder „Adult children of emotionally immature parents“ von Lindsay C. Gibson empfehlen, das hat mir sehr geholfen. :werbenick:

    Wie die anderen schon geschrieben haben: Für mich war es wohl am wichtigsten, zu akzeptieren, dass sie mir nicht die Mutter sein kann, die ich als Kind und Teenie gebraucht hätte (eben weil sie das von ihren Eltern auch schon nicht vorgelebt bekommen hat). Heute bin ich aber nicht mehr davon abhängig, dass sie das für mich ist und kann eine ganz andere Beziehung zu ihr aufbauen.

    Ich hab allerdings das Glück, dass sie das inzwischen nach sehr langen und harten Konflikten selbst auch reflektiert und wir zumindest ansatzweise darüber reden können, das ist ja leider nicht selbstverständlich und es sah auch bei uns lange nicht danach aus, aber inzwischen haben wir die Kurve gekriegt und verstehen uns gut.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  10. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von SarahYasemin Beitrag anzeigen
    Ja sicher, es kann alles mögliche helfen. Ich schreibe ja von mir.

    Versteh mich nicht falsch, das Bewusstsein, woher diese Traumata kommen und wie sie eben nicht verarbeitet wurden, blende ich natürlich nicht komplett aus. Ich arbeite sie nur nicht für MICH auf - einfach weil das nicht meine Aufgabe ist und ich mir sonst gefühlt Klamotten von Generationen und Generationen vor mir anziehe, die mir einfach nicht passen.
    Klar, es muss jede rausfinden, was für sie passt, hast Du offenbar und das ist super.

    In meinem Familiensystem war ich eine der Symptomträgerinnen und darum musste ich die alte Geschichte aufarbeiten, seitdem hab ich nicht mehr wie die Jahre von sechs bis 34 das Gefühl, dass irgendwo in meinem Kopf die ganze Zeit der Zweite Weltkrieg stattfindet, das ist schon hilfreich. Unabhängig von meiner Beziehung zu meinen Eltern.

    Ich hatte umgekehrt meine Eltern wenig auf dem Podest, für ganz kleine Kinder waren sie sehr gute Eltern, aber ich hab sie halt quasi vom Podest runtersteigen sehen, als ich vier war.

  11. Ureinwohnerin

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von lady milford Beitrag anzeigen

    Egal, wie euer Mutter-Tochter-Problem geartet ist: Was hilft euch, über bestimmte Dinge nicht mehr aufzuregen? Habt ihr ein Ritual, ein Mantra, wenn alte Wunden hoch kommen, das ihr empfehlen könnt?
    Ich habe das in der Therapie irgendwann getrennt: also die Rolle "Mutter" und meine Mutter als Person. Das war und ist manchmal noch ein sehr schmerzhafter Prozess. Seitdem funktioniert es zwischen mir und ihr aber meistens sehr gut. Wir haben eine Beziehung auf Augenhöhe, ich bin zB. nicht mehr die ständig um Hilfe rufende Tochter, sondern das ist ausgewogen. Sie ist eine Ansprechperson von vielen, und ich spreche sie vor allem bei Themen an, wo mich ihre persönliche Meinung interessiert oder sie mir fachlich weiterhelfen kann o.ä., aber ich spreche sie nicht mehr an, "nur", weil sie meine Mutter ist. Ich hoffe, das ist verständlich.
    Dadurch kann ich natürlich auch sehr viel distanzierter betrachten, wenn alte Wunden durch alte Muster wieder aufreiben und was mich dann so sehr verletzt. Und auch, zumindest meistens, wie ich mir das geben kann, was ich mir eiegntlich von ihr wünschen würde.
    „Jeder Mensch muss sich verschleißen. Wenn man noch gut ist, wenn man stirbt, ist das Verschwendung. Man muss lebendig zu Asche verbrennen, nicht erst im Tod.“ J. Beuys

  12. Stranger

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von lady milford Beitrag anzeigen

    Habt ihr Tipps, wie man damit umgeht, wenn man sich über die eigene Mutter ärgert?

    Egal, wie euer Mutter-Tochter-Problem geartet ist: Was hilft euch, über bestimmte Dinge nicht mehr aufzuregen? Habt ihr ein Ritual, ein Mantra, wenn alte Wunden hoch kommen, das ihr empfehlen könnt?
    Hey! "Sandwichkinder" also die in der Mitte sind nicht immer aber doch häufig ziemlich mit den Familienthemen eingedeckt. Mir zumindest ging es so.

    Als Ritual gibt´s da das mittlerweile viel zitierte Ho'oponopono aus Hawaii mit den Worten

    Es tut mir leid - Bitte verzeihe mir - Ich liebe dich - Danke

    Ich hab das eine Weile gemacht und bis es bei mir gegriffen hat, also gefühlt, hat das gedauert. Vor allem wenn ich extra genervt war, ist es mir schwergefallen. Letztendlich hat es mich aber doch zu etwas mehr Verständnis und auch zu einer gesunden Abnabelung gebracht. Vielleicht einfach mal ausprobieren!

    Es gibt viele Infos darüber, ganz gut fand ich die aus dem Pacific Travel House Blog

  13. Urgestein

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Das problematische Vergältnis, dass ich zu meinen Eltern habe, war auch öfter Thema in meiner Therapie. Unterm Strich hat der Therapeut folgendes geraten:

    - Da hilft nur radikales Akzeptieren!
    - Entweder man akzeptiert sie wie sie sind (man selber möchte von ihnen ja auch akzeptiert werden, wie man ist), oder man muss sich von ihnen abgrenzen/trennen (weniger sehen, weniger von sich erzählen, Kontakt abbrechen, etc.) -> alles andere kostet nur unsinnige Kraft, denn man läuft etwas hinterher, dass man nicht bekommen wird Punkt
    - Sie werden sich nicht ändern, denn 1. sind sie dafür zu alt und 2. möchten sie sich ja gar nicht ändern (unbequem, sehen keinen Grund, etc.).
    - Viele Sachen, die wir von ihnen erwarten oder uns wünschen KÖNNEN sie uns gar nicht geben. Es hat nicht mit WOLLEN zu tun - es fehlt ihnen schlicht die Fähigkeit, um unser Sehnen zu erkennen geschweige denn es zu erfüllen. (z.B. weil sie es selbst nie gelernt haben, eine andere Generation sind, ein anderer Typ Mensch als man ist und deshalb anders ticken, geprägt sind von eigenen "Traumata" o.ä., etc.)
    - Besser: "Nehmen was man kriegen kann" - Was geht gut mit ihnen? Wo helfen sie einem? In welchen Sitationen versteht man sich gut? (Können schon Kleinigkeiten sein wie: Mit Mama kann gut ich gut über Gott und die Welt lästern, Mama hilft uns bei der Kinderbetreuung, Papa kennt viele Leute wenn wir mal schnell einen Termin beim Arzt brauchen, Papa muntert mich mir seinen blöden Witzen auf, etc.) -> das nutzen und ggf. sogar zu schätzen lernen und damit leben lernen/akzeptieren, dass es die anderen Sachen nicht geben wird (spart viel Energie).
    Geändert von lasol (02.12.2020 um 13:33 Uhr)

  14. Addict

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    (Dabei, das so klar und explizit zu sehen, hat mir ein Roman sehr geholfen, Altes Land von Dörte Hansen )
    Ja, oder? Ich fand den auch sehr klasse und berührend und - wie du schreibst - hilfreich. Spricht jetzt thematisch sicher nicht alle hier an, aber ich konnte da viel rausziehen (meine Eltern sind auch Ü70, Nachkriegskinder vom Land).

  15. Enthusiast

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Ich abonnier das hier mal für später, das ist ein Dauerbrennerthema für mich

  16. Addict

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen

    In meinem Familiensystem war ich eine der Symptomträgerinnen und darum musste ich die alte Geschichte aufarbeiten, seitdem hab ich nicht mehr wie die Jahre von sechs bis 34 das Gefühl, dass irgendwo in meinem Kopf die ganze Zeit der Zweite Weltkrieg stattfindet, das ist schon hilfreich. Unabhängig von meiner Beziehung zu meinen Eltern.

    Ich hatte umgekehrt meine Eltern wenig auf dem Podest, für ganz kleine Kinder waren sie sehr gute Eltern, aber ich hab sie halt quasi vom Podest runtersteigen sehen, als ich vier war.
    Das klingt total spannend, magst du das näher erklären? Hast du eine Aufstellung gemacht oder wie genau hast du es aufgearbeitet? Was genau meint „zweiter Weltkrieg im Kopf“?

    In meiner Therapie waren die Erkenntnisse quasi genauso wie bei Lasol. Trotzdem fällt es mir schwer, das umzusetzen, gerade mit Kind und Themen, die für mich als Kind schon schwierig waren und nun wieder da sind. Ständige Bewertungen, Abwertungen, im Sinne der GFK total gewaltvolle Sprache. Dazu die Weigerung, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Ich kenne dank Stefanie Stahls Buch (so glaube ich) mittlerweile sehr gut ihren Haupt-Glaubenssatz und das macht es leichter, Dinge einzuordnen. Trotzdem bleiben die Triggerthemen, bei denen ich echt stark reagiere und auch bisher wenig ändern konnte.

  17. V.I.P.

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    AW: Alten Mutter-Tochter-Themen gelassen und erwachsen begegnen

    Zitat Zitat von laut Beitrag anzeigen
    Ja, oder? Ich fand den auch sehr klasse und berührend und - wie du schreibst - hilfreich. Spricht jetzt thematisch sicher nicht alle hier an, aber ich konnte da viel rausziehen (meine Eltern sind auch Ü70, Nachkriegskinder vom Land).
    In meiner Familie ist es nicht mal im engeren Sinne ähnlich, meine Eltern sind gerade noch nicht ü70, nicht vom Land und hatten nicht so krasse 50er-Jahre-Eltern. Vielleicht auch, weil meine Großeltern immerhin für HJ/BDM deutlich zu alt waren und irgendwo noch n bisschen gesunde Sozialisation abgekriegt haben, und dann 1950 schon wieder ne gewisse Selbstwirksamkeit hatten. Ich finde meine Beziehung zu meinen Eltern nicht so belastet wie die im Buch geschilderten, v.a., weil Abwertung tatsächlich keine große Rolle spielte, aber der Entstehungsrahmen der Probleme ist trotzdem derselbe und v.a. eben diese Ausformulierung von "ich hab was nicht gekriegt, was echt nötig gewesen wäre, aber einfach deshalb, weil meine Eltern das NICHT haben".

  18. V.I.P.

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    Zitat Zitat von *lalune* Beitrag anzeigen
    Das klingt total spannend, magst du das näher erklären? Hast du eine Aufstellung gemacht oder wie genau hast du es aufgearbeitet? Was genau meint „zweiter Weltkrieg im Kopf“?
    Nachdem ich von dem nach meinem Verständnis Schlüsseltrauma (einzelnes, aber überdurchschnittlich krasses Kriegserlebnis) meiner Familie erfahren hab, hat vieles für mich plötzlich zusammengepasst. Ich hab mir dann eine auch auf transgenerationale Themen spezialisierte Therapeutin gesucht und dann noch ne kurze EMDR-Therapie nach diesem Konzept gemacht:

    klett-cotta.de/buch/Trauma/Ererbte_Wunden_heilen/84598

    Das Buch richtet sich auch an Laien und liest sich sehr gut, das erklärt sehr griffig, was transgenerationale Traumatisierung ist und wie man sie behandeln kann.

    Die meiste Zeit meines Lebens wusste ich von dem Trauma nichts, hatte zwar irgendwann Vermutungen, aber schon lange davor, schon in der Grundschule hab ich viel über Kriege, Flucht etc., v.a. über den Zweiten Weltkrieg, gelesen, auch, was nicht unbedingt für das jeweilige Alter geeignet war. Ich würde jetzt sagen, dass ich das gesucht hab, weil ich unkonkrete Gefühle und Weltwahrnehmungen, die dazu passten, eh schon hatte, und reale Entsprechungen für Grauen, Verlust, Trauer und die Gewissheit, dass alles jederzeit vorbei sein kann, brauchte.
    Geändert von durga (08.12.2020 um 06:38 Uhr)

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