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  1. V.I.P.

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    Kinder und Regionalsprachen...

    ...die man selbst im Alltag nicht spricht...

    Ich hör gerade plattdeutsche Weihnachtslieder und frag mich, ob ich die Sprache/Kultur meinem Patenkind, das sogar in Hamburg wohnt (aber die Eltern können es, obwohl norddeutsch, nicht), irgendwie sinnvoll nahebringen kann. Denn sprechen kann ich das eher nur so pseudo, aber ich versteh es, hab es selbst eigentlich fast nur durchs Lesen als Jugendliche gelernt, meine Eltern haben das nur so phrasenweise genutzt, weil meine Großeltern nicht aus dem Norden kommen.
    Aber ich find es sehr schön und auch eine Vielfalt, die mehr und mehr verloren geht.

    Falls Ihr in ähnlichen Situationen seid, wie macht Ihr das mit Euren Kindern bzw. in Eurem Umfeld?

  2. Senior Member

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Ich weiß nicht, ob die Situation wirklich vergleichbar ist, aber mein Mann hatte nach ein oder zwei Monaten beschlossen, doch nicht Spanisch mit unserem Kind zu sprechen, sondern Katalanisch. In seiner Familie sind zwar alle bilingual, aber eigentlich sprechen alle nur Spanisch miteinander, außer mit seinem Schwager und einem seiner Neffen (wobei die auch beide zweisprachig sind). Mit Freunden ist es gemischt, mit einigen die eine Sprache, mit anderen die andere. Obwohl er Katalanisch selbst also nie wirklich zuhause gesprochen hat, liegen ihm Sprache und Kultur einfach sehr am Herzen. Er hatte eher aus Vernunftsgründen angefangen, Spanisch mit dem Baby zu sprechen, da das auf lange Sicht natürlich die viel "sinnvollere", da verbreitetere Sprache ist. Aber er meinte dann, er würde sich irgendwie nicht damit wohl fühlen. Katalanisch mit dem Kind zu sprechen fühlt sich für ihn einfach richtiger an.
    Meine Meinung dazu war nur, dass 1. er sich mit der Sprache wohlfühlen muss und dass 2. das Kind problemlos mit seinen Großeltern und dem Rest der Familie sprechen können soll. Davon abgesehen finde ich Argumente wie "sinnvoll, da verbreiteter" einerseits durchaus relevant, andererseits aber auch schwierig, weil man damit jeglichen Minderheitenschutz untergraben kann.
    1. Seien Sie vorbereitet!
    2. Werden Sie nicht panisch!
    3. Haben Sie einen Plan!



  3. Urgestein

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    ...die man selbst im Alltag nicht spricht...

    Ich hör gerade plattdeutsche Weihnachtslieder und frag mich, ob ich die Sprache/Kultur meinem Patenkind, das sogar in Hamburg wohnt (aber die Eltern können es, obwohl norddeutsch, nicht), irgendwie sinnvoll nahebringen kann. Denn sprechen kann ich das eher nur so pseudo, aber ich versteh es, hab es selbst eigentlich fast nur durchs Lesen als Jugendliche gelernt, meine Eltern haben das nur so phrasenweise genutzt, weil meine Großeltern nicht aus dem Norden kommen.
    Aber ich find es sehr schön und auch eine Vielfalt, die mehr und mehr verloren geht.

    Falls Ihr in ähnlichen Situationen seid, wie macht Ihr das mit Euren Kindern bzw. in Eurem Umfeld?
    Ich würde mit ihm/ ihr genau die plattdeutschen Weihnachtslieder hören, die du selbst schön findest. Du schreibst nichts über das Alter des Kindes, aber du kannst ihm/ ihr natürlich auch youtube Links zu Liedern, die du magst, schicken. Es geht dir ja eher um ein Kennenlernen der Sprache und eine gewisse Wertschätzung als ein totales Erlernen, oder?

    (Meine Tante hat mir unter anderem Bach-Musik auf die Art total nah gebracht... wahrscheinlich noch nicht mal absichtlich, aber seine Musik lief eben oft, wenn ich bei ihr war und irgendwann hatte ich die Stücke total gut im Gedächtnis.)
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  4. Ureinwohnerin

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Mein Mann ist mit Dialekt aufgewachsen und spricht auch Hochdeutsch regional klar zuordnebar. Er versucht, mit unseren Kindern Dialekt zu sprechen, aber da er mit mir Hochdeutsch spricht, klappt es nicht soo konsequent.

    Das Kind nutzt für einzelne Begriffe Dialekt, aber spricht ansonsten Hochdeutsch. Glaube, das wird nix mehr, jedenfalls nicht auf muttersprachlichem Level.

    Hörspiele, Lieder etc im Dialekt finde ich ganz sinnvoll.

  5. V.I.P.

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Danke für Eure Antworten! Das Kind spricht noch gar nicht Ich bin auch nicht oft dort, aber ja, Lieder sind auf jeden Fall gut. Ich kann halt selber nicht wirklich gut sprechen, also, Aussprache denk ich schon, wenn ich vorlese oder singe, aber wegen meines und des sonstigen Umfeldes nicht vorhandenen Kenntnisstandes wird es eh keine gesprochenen Sprache werden. Ich fänd halt schön, wenn ich den Zugang zu der regionalen Kultur ermöglichen könnte.

    Ich kenn auch niemanden näher, die Platt tatsächlich als Alltagssprache nutzt, nur so über drei Ecken oder (alte) Patientinnen.

  6. V.I.P.

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Was ist das denn für ein Dialekt sora?
    Oder was meinst du mit "er ist mit Dialekt aufgewachsen"?

  7. Addict

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    Ich kenn auch niemanden näher, die Platt tatsächlich als Alltagssprache nutzt, nur so über drei Ecken oder (alte) Patientinnen.
    Könnte man das Kind irgendwie mit älteren Menschen, die eben noch Platt sprechen, in Kontakt bringen? Mir fiel da das Konzept der Leihoma ein, aber vermutlich sind die Leute, die noch Platt sprechen, dafür auch schon zu alt?

    Ich kenne übrigens ein Kind, dessen Eltern zwar vielleicht keinen 100%igen Dialekt, aber doch seeeehr stark regional gefärbtes Deutsch sprechen, das Kind spricht aber astreines Hochdeutsch (und keiner weiß so richtig, wo es das her hat ). Vielleicht ist das mit dem "Aufschnappen" also auch sehr kindabhängig.

  8. Ureinwohnerin

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Zitat Zitat von melody. Beitrag anzeigen
    Was ist das denn für ein Dialekt sora?
    Oder was meinst du mit "er ist mit Dialekt aufgewachsen"?
    ich meine damit, dass er dialektsprechend aufgewachsen ist, es ist seine Muttersprache.

  9. V.I.P.

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Im Umfeld da kenn ich überhaupt kaum Leute. Auf dem Land wird auch heute auch von jungen Leuten noch Platt zu Hause gesprochen, aber das ist halt weit weg.

    Ich denke mal, heute wird das Hochdeutsche auf jeden Fall durch Medienkonsum und je nach Region auch in der Kita verbreitet, das kann dann ja schnell den weit überwiegenden Großteil der Sprache sein, die das Kind am Tag hört.

  10. Ureinwohnerin

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Ja. Wir leben sogar grob in der Dialektregion meines Mannes, aber die Mehrheit der Mitarbeitenden in Kitas hier sind einfach gar keine deutschen Muttersprachler. Da hören sie es also nicht. Und von den Freund/innen des Kindes hat hier niemand Eltern, die den hiesigen Dialekt sprechen, soweit ich weiß. Ich kann ihn auch nicht. Tja.

  11. Foreninventar

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Wir sind vor circa 3 Jahren aus Wien weggezogen, damals war unser Sohn noch nicht mal 3. aber interessanterweise spricht er immer noch wie ein Wiener. :‘)
    „Lateeeeaaane“ statt „Laterrrrne“ usw.

    Und das, obwohl er im Kindergarten und in unserer Familie schon ziemlich viel Dialekt hört. (Also nicht so sehr von uns Eltern, aber von der restlichen Familie.)

    Ein paar einzelne Worte übernimmt er von den Großeltern, wenn er sie nur in diesem Zusammenhang hört. (Zb Ausdrücke für bestimmte Tiere) Aber das klingt bei ihm immer ein bisschen als würde ein Tourist sich an Einheimische anpassen wolle .
    Geändert von cyan (30.11.2020 um 09:24 Uhr)

  12. Urgestein

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Wir sind beide regional sehr mit Dialekt aufgewachsen, sprechen aber beide im Alltag hochdeutsch mit klar erkennbarer dialektischer einfärbung, mein Mann mehr als ich. Sobald er mit zuhause telefoniert ist er wieder voll drin, beide groselternpaare, Tante und Cousinen auf Seite meines Mannes sprechen stark Dialekt, also irgendwas wird das kind davon "mitbekommen". Aktiv fördern tun wir das aber nicht.
    neu.gierig.toll.kühn

  13. Fresher

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    AW: Kinder und Regionalsprachen...

    Mein Mann und ich sind beide mit leichten Dialekten (er vielleicht noch etwas staerker) in sehr unterschiedlichen Regionen Deutschlands aufgewachsen und leben jetzt seit ueber 10 Jahren im Ausland was bei uns generell zu einem schlechteren Deutsch gefuehrt hat.
    Unsere Tochter ist hier geboren, hoert von mir Deutsch in meinem Dialekt mit teilweise eingeflochtenen englischen Woertern und Ausdruecken, von ihrem Vater Deutsch mit seinem Dialekt und teilweise eingeflochtenen englischen Woertern und Ausdruecken und von den Grosseltern dann nochmal die unterschiedlichen Dialekte.
    Im Alltag spricht sie Englisch, leicht angehaucht vom regionalen Dialekt.

    Wir haben also aufgegeben da irgendwelche speziellen Hoffnungen zu haben und hoffen das sie sich durch Buecher, Fernsehen etc. ein halbwegs okayes Hochdeutsch aneignen wird...

    Das was Cyan sagt trifft bei uns auch zu, sie benutzt die Dialektwoerter der Grosseltern gar nicht natuerlich sondern wie eine Touristin wenn sie dort ist

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