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  1. Junior Member

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    Ein schüchternes Kind stark machen

    Es geht um mein Patenkind, er ist momentan viel bei mir. Eins vorweg, er ist der lustigste, schlauste, tollste Junge der Welt und er soll auch gar nicht anders sein, aber vielleicht hat jemand Tipps, wie ich sein Selbstbewusstsein stärken kann.

    Er wird im Sommer 3 und ist Einzelkind und verwandelt sich in eine ganz andere Person, wenn er auf mehrere Kinder gleichzeitig trifft (auf dem Spielplatz z.B.). Er lässt sich dann von den anderen Kindern seine Spielsachen wegnehmen, wehrt sich nicht, wenn er bedrängt wird und sagt kein Wort. Wenn es wirklich sehr trubelig ist, versteckt er sich hinter mir und er ist dann ganz erschlagen von der Situation und macht erst mal gar nichts (obwohl er immer von anderen Kindern redet und auch sagt, dass er zum Spielen rausgehen will).

    Momentan geht er nicht in die Kita, er geht auch nicht besonders gerne hin in normalen Zeiten.

  2. Addict

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Sagst du etwas, wenn andere sein Spielzeug wegnehmen? Oder sprecht ihr allgemein über das Thema? Z.B. warum er nicht gern in die Kita geht?
    A lot of bread was buttered on the side of no distinction

  3. Junior Member

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Seine Mutter sagt immer, dass er das selbst regeln soll " er muss das lernen", sie vertraut mur aber und ich darf auch Dinge anders machen. Also ja, ich hab auch schonmal ein anderes Kind angesprochen, dass es "meinem" Kind bitte den Bagger wiedergeben soll, da er das auch geäußert hat (nur mir gegenüber).

    Wenn man ihn nach der Kita fragt, sagt er, dass es dort zu laut sei.

  4. Junior Member

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Schreibt bitte ruhig weiter, ich kann erst am Abend antworten, ich muss jetzt arbeiten.

  5. V.I.P.

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Ich lese mal mit, meine Tochter ist ähnlich.

    Sie ist aber erst 25 Monate alt, also ich denke da tut sich noch was bis sie drei ist. Diese Woche hat sie sich zumindest zum ersten Mal getraut andere Kinder anzusprechen, dass sie jetzt auch auf die Rutsche möchte Und gestern hat sie sogar gerufen "Der soll da rausklettern! ICH ICH ICH!" Vielleicht war das der Zuckerflash vom Eis
    Als vorher ein Kitafreund ihr was weggenommen hat, war sie wieder nur total überrumpelt und hat nichts gesagt. Und hat sich auch hinter mir versteckt als zu viele Leute da waren. Und als ein deutlich älterer Junge sie die Tage fast die Rutsche runtergeschoben hat, hat sie auch nichts gesagt, nur verzweifelt geguckt. Ich habe ihn dann angemotzt... In "unkritischen" Situationen wie Spielzeug (oder Essen das sie in der Hand hat! ) wegnehmen, sage ich ihr, dass sie das nicht akzeptieren muss bzw. frage auch ob es sie stört und biete an dass ich ihr helfen kann was zu sagen.
    An sich sind wir aber schon ziemlich weiter gekommen die letzten Monate, es ist nicht lange her, da wollte sie am liebsten nur auf den Spielplatz wenn niemand fremdes da war und hat schon Angst bekommen, wenn sich jemand fremdes entfernt genähert oder gar mich angesprochen hat. Jetzt fragt sie "Wo sind die anderen!?" wenn wir alleine auf den Spielplatz gehen (damit meint sie dir drei Kitakinder, mit denen wir oft nach der Kita noch unterwegs sind). Mir ist es jetzt gar nicht mehr so sehr aufgefallen, erst wieder die Woche als eine andere Kitamutter sich wunderte, dass L als Einzige nicht aus dem Wagen kommt und mit den anderen spielt (es waren mehrere fremde Eltern da, das ist ihr unheimlich) und auch später meinte "Sie klebt ja schon ziemlich an dir."
    Geändert von wieauchimmer (21.04.2021 um 12:36 Uhr)
    Man soll schweigen oder Dinge sagen, die besser sind als das Schweigen.

  6. Senior Member

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Ich finde das gar nicht so unnormal. Mein Sohn (inzwischen 7) war auch so und würde auch immer noch nie auf fremde Kinder zugehen und wenn irgendwo Gedrängel ist, geht er woanders hin.

    Meine Tochter (wird im Oktober 3, also ähnlich alt) ist total aufgeschlossen anderen Menschen gegenüber, aber selbst sie würde vermutlich meistens vor solchen Spielplatzsituationen meistens zurückweichen.

    Das ändert sich bestimmt auch ohne großes Zutun, wenn er wieder in den Kindergarten geht und solche Konfliktsituationen wieder Alltag sind (und er immer mehr der Größere wird und nicht immer der Kleinste ist).
    Wenn ihm Lautstärke/Trubel zu viel sind, klappt es vielleicht besser, sich gezielt mit einem weiteren Kind zu verabreden, sodass die zu zweit auf dem Spielplatz spielen können?
    Dann sind sie gegenüber einem anderen Kind, das etwas wegnehmen will, ja auch direkt in der Überzahl und wenn er sieht, dass das andere Kind anders reagiert (Spielzeug festhalten oder wieder zurückholen, laut Nein rufen, Hilfe holen), lernt er dadurch ja auch, wie man solche Situationen lösen kann.
    Ansonsten kann man dazu bestimmt auch gut Bilderbücher angucken und solche Situationen besprechen (Was passiert dem Kind gerade? Meinst du, das gefällt ihm? Was könnte es tun, damit es nicht traurig ist?).

  7. Stranger

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Ich habe keine Kinder, war allerdings als Kind so wie dein Patenkind. Meine Eltern haben so reagiert wie die Mutter des Jungen, das hat mir persönlich nicht so geholfen. Ich hätte im Nachhinein gesehen Unterstützung gebraucht, um 1.zu wissen, was ich konkret sagen und tun kann, und 2.um zu erfahren, dass ich mich wehren DARF. habe mir die fehlende Unterstützung der Bezugspersonen für Einverständnis mit dem Verhalten der anderen Kinder erklärt.
    Und dann ist mir noch die Wortwahl der Überschrift aufgefallen. Es könnte vielleicht hilfreich sein, das Verhalten des Jungen nicht schwach bzw nicht stark und schüchtern zu nennen bzw nicht nur.
    Vielleicht ist es ihm zu laut und er kann sich nicht mehr konzentrieren, hat Schmerzen (hatte ich früher und hab ich noch), in so einer Situation sich auch noch zu wehren würde jedem Menschen schwer fallen. Und es ist ziemlich stark, trotz persönlich empfundenem Lärm den ganzen Tag in der Kita zu verbringen.
    Muss nicht stimmen, aber eine vom Durchschnitt abweichende Sinneswahrnehmung wäre möglich. Das ergäbe dann etwas andere Ziele und va Wege dorthin.

  8. Addict

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Zitat Zitat von 2021 Beitrag anzeigen
    Ich habe keine Kinder, war allerdings als Kind so wie dein Patenkind. Meine Eltern haben so reagiert wie die Mutter des Jungen, das hat mir persönlich nicht so geholfen. Ich hätte im Nachhinein gesehen Unterstützung gebraucht, um 1.zu wissen, was ich konkret sagen und tun kann, und 2.um zu erfahren, dass ich mich wehren DARF. habe mir die fehlende Unterstützung der Bezugspersonen für Einverständnis mit dem Verhalten der anderen Kinder erklärt.
    Das kann ich 1:1 so unterschreiben. Wer sich alles gefallen lässt, hat nunmal kein gutes Gefühl für seine Grenzen. Da ist es schon hilfreich, dem Kind ein Gefühl dafür zu vermitteln, was -abgesehen von seinen persönlichen Grenzen - schon rein objektiv einfach nicht in Ordnung ist; und vorzuleben, dass und wie man sich konstruktiv wehren darf und vor allem auch soll. Mir wird echt anders, wenn ich drüber nachdenke, was ich bis weit in meine Dreißiger (!) von Männern/Partnern, Arbeitgebern und Sonstigen mit mir hab machen lassen, und was passieren musste, damit ich das Konzept von Grenzen mal begreife.
    Mit “muss er selber regeln lernen” stärkt man so ein Kind meiner Meinung nach überhaupt nicht, sondern erreicht nur, dass er weiterhin alles mit sich machen lässt, nicht aus sich rauskommt und dann letztlich still leidet oder Groll gegen Dritte (bzw. sich selbst) hegt. Ich finde so nen Ansatz in etwa so sinnvoll, als würde man einem Kind, das gerade links und rechts unterscheiden lernt, zu sagen: „links ist da, wo der Daumen rechts ist“

  9. Stranger

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Zitat Zitat von wieauchimmer Beitrag anzeigen
    Ich lese mal mit, meine Tochter ist ähnlich.

    Sie ist aber erst 25 Monate alt, also ich denke da tut sich noch was bis sie drei ist. Diese Woche hat sie sich zumindest zum ersten Mal getraut andere Kinder anzusprechen, dass sie jetzt auch auf die Rutsche möchte Und gestern hat sie sogar gerufen "Der soll da rausklettern! ICH ICH ICH!" Vielleicht war das der Zuckerflash vom Eis
    Als vorher ein Kitafreund ihr was weggenommen hat, war sie wieder nur total überrumpelt und hat nichts gesagt. Und hat sich auch hinter mir versteckt als zu viele Leute da waren. Und als ein deutlich älterer Junge sie die Tage fast die Rutsche runtergeschoben hat, hat sie auch nichts gesagt, nur verzweifelt geguckt. Ich habe ihn dann angemotzt... In "unkritischen" Situationen wie Spielzeug (oder Essen das sie in der Hand hat! ) wegnehmen, sage ich ihr, dass sie das nicht akzeptieren muss bzw. frage auch ob es sie stört und biete an dass ich ihr helfen kann was zu sagen.
    An sich sind wir aber schon ziemlich weiter gekommen die letzten Monate, es ist nicht lange her, da wollte sie am liebsten nur auf den Spielplatz wenn niemand fremdes da war und hat schon Angst bekommen, wenn sich jemand fremdes entfernt genähert oder gar mich angesprochen hat. Jetzt fragt sie "Wo sind die anderen!?" wenn wir alleine auf den Spielplatz gehen (damit meint sie dir drei Kitakinder, mit denen wir oft nach der Kita noch unterwegs sind). Mir ist es jetzt gar nicht mehr so sehr aufgefallen, erst wieder die Woche als eine andere Kitamutter sich wunderte, dass L als Einzige nicht aus dem Wagen kommt und mit den anderen spielt (es waren mehrere fremde Eltern da, das ist ihr unheimlich) und auch später meinte "Sie klebt ja schon ziemlich an dir."

    Ein bisschen OT, aber für den Spruch der Kitamutter.

  10. Enthusiast

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Zitat Zitat von jackalope Beitrag anzeigen
    Das kann ich 1:1 so unterschreiben. Wer sich alles gefallen lässt, hat nunmal kein gutes Gefühl für seine Grenzen. Da ist es schon hilfreich, dem Kind ein Gefühl dafür zu vermitteln, was -abgesehen von seinen persönlichen Grenzen - schon rein objektiv einfach nicht in Ordnung ist; und vorzuleben, dass und wie man sich konstruktiv wehren darf und vor allem auch soll. Mir wird echt anders, wenn ich drüber nachdenke, was ich bis weit in meine Dreißiger (!) von Männern/Partnern, Arbeitgebern und Sonstigen mit mir hab machen lassen, und was passieren musste, damit ich das Konzept von Grenzen mal begreife.
    Mit “muss er selber regeln lernen” stärkt man so ein Kind meiner Meinung nach überhaupt nicht, sondern erreicht nur, dass er weiterhin alles mit sich machen lässt, nicht aus sich rauskommt und dann letztlich still leidet oder Groll gegen Dritte (bzw. sich selbst) hegt. Ich finde so nen Ansatz in etwa so sinnvoll, als würde man einem Kind, das gerade links und rechts unterscheiden lernt, zu sagen: „links ist da, wo der Daumen rechts ist“
    Du beschreibst meine Mutter, den letzten Spruch hat sie auch immer gesagt und ich hab es gehasst

    Ich war ein sehr schüchternes Kind, habe kein Durchsetzungsvermögen hinsichtlich meiner Bedürfnisse gelernt und das stellt mir heute noch regelmäßig ein Bein. Ich bin also pro Eingreifen, wie 2021 oben geschrieben hat!
    Geändert von _Rumpel (22.04.2021 um 19:10 Uhr)

  11. Stranger

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    OT: mein Großvater hat den Satz auch gesagt, dauernd und bevor ich rechts und links unterscheiden konnte. Es hat mich so ohnmächtig wütend gemacht und irgendwie dumm gefühlt habe ich mich auch.
    Mir ist noch eingefallen, dass meine Patentante, die viel durch liebevolle Zuwendung ausgeglichen hat für mich, in dem einen Punkt Durchsetzungsvermögen völlig hilflos war (und noch ist). Ich finde es wirklich eine tolle Sache, dass du, federica, dich da so kümmerst! Und mir fällt auf, dass das eine Signalwirkung besitzt. Je mehr Menschen ich "kennen lerne" (im Sinne von ihr Verhalten und ihre Beweggründe mitbekommen), für die Grenzen ECHT EXISTIEREN UND SCHÜTZENSWERT SIND, desto mehr kann ich selbst meine Grenzen wahrnehmen und denken, Sie schützen zu dürfen. Klar machst du das hier null für mich/uns, und natürlich reicht es absolut, wenn der kleine Junge profitiert. Nur zu sehen, dass das Kreise zieht, fasziniert mich gerade doch.

  12. Addict

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Ich finde den Link-Rechts-Satz auch ätzend, aber genau diese Art von Erziehung meine ich: “Du musst das lernen - aber bitte komm von selber drauf wie’s geht, lol, zeigen werd ich’s dir nicht” :-/
    Ich hab übrigens gerade mal gegoogelt, es scheint auch einige Kinderbücher zu dem Thema zu geben, zb das hier (hab jetzt aber nicht geschaut für welches Alter). Das wäre doch vielleicht was, was man mal gemeinsam lesen könnte.
    Und ich kenn mich null mit kleinen Kindern aus, aber vielleicht kann die TE ja bei der nächsten Gelegenheit eingreifen und danach mit dem Kleinen besprechen, was sie da gemacht hat und dann gemeinsam erarbeiten, was er selbst sagen kann, wenn Situation Xy das nächste Mal eintritt.

    (Und ja, 2021, Menschen ohne Grenzen lieben Menschen mit Grenzen genau aus dem Grund - sie geben ihnen durch ihre klaren Grenzen die eindeutige “Erlaubnis”, die eigenen Grenzen ebenfalls zu wahren. Und das ist für Grenzenlose quasi wie ein Urlaub. Ich hab mal ein Coaching gemacht, und da haben wir dazu mit dem Bild eines Hauses gearbeitet, zu dem nur ich die Schlüssel habe, sonst niemand, auch nicht meine geliebtesten und engsten Vertrauenspersonen. Ich bestimme darüber, wer mich dort besuchen und was er dort tun darf, und wann ich die Tür wieder hinter mir zumache bzw. wann sie generell zubleibt.
    Ich fand das ein schönes Bild, denn es zeigt genau das Problem von fehlenden Grenzen: wer nichtmal in seinem eigenen Haus das Sagen hat, der a) kann sich nie entspannen und zur Ruhe kommen und b) haben Besucher es mangels Hausregeln zudem schwer, sich dort zu orientieren, sie sind also quasi “gezwungen” dort nach ihrem eigenen Dafürhalten zu agieren, was ja ganz zwangsweise nicht immer richtig für einen selbst ist.)

  13. V.I.P.

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Zitat Zitat von 2021 Beitrag anzeigen
    Ich habe keine Kinder, war allerdings als Kind so wie dein Patenkind. Meine Eltern haben so reagiert wie die Mutter des Jungen, das hat mir persönlich nicht so geholfen. Ich hätte im Nachhinein gesehen Unterstützung gebraucht, um 1.zu wissen, was ich konkret sagen und tun kann, und 2.um zu erfahren, dass ich mich wehren DARF. habe mir die fehlende Unterstützung der Bezugspersonen für Einverständnis mit dem Verhalten der anderen Kinder erklärt.
    Und dann ist mir noch die Wortwahl der Überschrift aufgefallen. Es könnte vielleicht hilfreich sein, das Verhalten des Jungen nicht schwach bzw nicht stark und schüchtern zu nennen bzw nicht nur.
    Vielleicht ist es ihm zu laut und er kann sich nicht mehr konzentrieren, hat Schmerzen (hatte ich früher und hab ich noch), in so einer Situation sich auch noch zu wehren würde jedem Menschen schwer fallen. Und es ist ziemlich stark, trotz persönlich empfundenem Lärm den ganzen Tag in der Kita zu verbringen.
    Muss nicht stimmen, aber eine vom Durchschnitt abweichende Sinneswahrnehmung wäre möglich. Das ergäbe dann etwas andere Ziele und va Wege dorthin.
    Ja, ich war auch so ein Kind und stimme dem zu!

    Ich habe erst sehr spät gelernt eigene Bedürfnisse zu erkennen, zu äußern und auch zu leben. Das ist bis heute noch ein Lernprozess.

    Als klassisches Beispiel muss ich an meine Kindergartenzeit denken, die ich richtig scheiße fand. Ich wollte nie dahin, aber arbeitende Eltern und so. Eine Kindergärtnerin, die mir wirklich oft blöde Sprüche drückte, wollte mir z.B. nicht die Schuhe zubinden. Eine Schleife konnte ich noch nicht. Sie meinte: "Na, mit 5 Jahren solltest du das aber können" und ging. Hab dann aus Scham im Stuhlkreis die Füße versucht zu verstecken, da ich die Schnürsenkel nur in die Seiten stecken konnte.
    Ich dachte, die Kindergärtnerin hat recht, hab es natürlich nicht hinterfragt und hab lieber die Füße versteckt. Ich weiß gar nicht, ob ich es meinen Eltern erzählt hatte, aber aus Scham eher nicht.

    Also unterstützen und nicht so tun als ob man einen Defekt hätte. Das ist ein Punkt, den ich bei eigenen Kindern auch sehr beachten möchte. Ich habe immer (von einer eher extrovertierten Familie) vermittelt bekommen, dass ich "falsch" bin und dass man mich einfach in die Situationen schieben müsste, damit ich aus mir herauskomme.
    Das mache ich in meinem Erwachsenenleben mit mir selbst, aber dafür war auch viel Arbeit notwendig, damit ich das auch selber will.

  14. Urgestein

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Als selbst sehr introvertiertes Kind und jetzt immernoch Erwachsene habe ich mir so einiges von den Erzieherinnen im Kindergarten abgeguckt. Kinder wissen noch nicht wie die Gefühle sind, die sie fühlen und brauchen Hilfe dabei das zu erkennen und anzusprechen. Wenn jemand geärgert wird, holen sie die beiden Kinder ran und sagen: "Schau mal, das fühlt sich für A. wie ärgern an, wenn du zu ihm sagst, das seine Mütze blöd aussieht." Ich versuche sehr viel zu spiegeln und alle Gefühle zu benennen und die Gefühle der anderen Kinder/Menschen zu interpretieren. Und wenn mein Kind anfängt blöde Sachen zu sagen, dann sage ich ihm auch, wie das Kind sich jetzt fühlt.
    Das es weh tut, wenn man haut und man sagen kann, das einem das Spielzeug gehört und nicht möchte, dass das andere Kind es nimmt.

    Ich finde es auch vollkommen angebracht, für das Kind zu sprechen, wenn es gerade nicht kann. Und 3 ist einfach auch noch sehr klein. Da bricht man sich als Erwachsener keinen Zacken aus der Krone, wenn man auf dem Spielplatz einspringt und sagt, das xy jetzt nicht sein Spielzeug abgeben möchte. Und gleichzeitig zeigt man dem Kind, was es sagen kann.

    Mit Zwang und das Kind ins offene Messer laufen lassen erreicht man einfach nichts. Ich habe als junger Teenie auch eine Therapie gemacht und sollte dann beim Bäcker Brötchen kaufen. Wow, das hats echt voll gebracht. Wichtiger wäre gewesen, mein Wesen zu stärken und mir zu sagen, das ich gut so bin wie ich bin. Ich fühle mich schon mein ganzes Leben so, als würde etwas mit mir nicht stimmen.
    Manchmal in der Nacht denk ich, ich sollte lieber fliehen vor dir, solang ich es noch kann
    Doch rufst du nach mir, bin ich bereit dir blind zu folgen, selbst zur Hölle würd ich fahren mit dir
    Manchmal in der Nacht gäb ich mein Leben her, für einen Augenblick, in dem ich ganz dir gehör
    Manchmal in der Nacht möcht ich so sein, wie du mich haben willst und wenn ich mich selber zerstör
    Ich hör eine Stimme, die mich ruft, ich spür eine Sehnsucht, die mich sucht

  15. Junior Member

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Danke euch für eure Antworten, auch die aus eurer eigenen Perspektive. Ich bespreche das nochmal mit meiner Freundin (der Mutter), dass sie ihn in solchen Situationen auch mehr ermutigt und unterstützt.
    Sophie, so eine Zweiersituation mit einem befreundetem Kind finde ich auch gut zum Üben und warm werden.

    Er wird erst im August drei, ist also auch noch ein bisschen hin.

  16. Fresher

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Danke für den Buchtipp und die Erfahrungen. Bei uns ist es auch sehr wie bei Wieauchimmer.

  17. Get a life!

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Ich finde auch, dass der Fokus vor allem darauf liegen sollte, ein Kind "stark zu machen" (mag diesen Ausdruck auch nicht so, weil es impliziert, dass alles andere schwach oder zu schwach ist), so zu sein und gerne so sein zu wollen, wie es eben ist. Nicht so, wie es gesellschaftliche Normen gerne hätten.

    D.h., wenn das Spielzeug weggenommen wird, das Kind das nicht möchte, aber nicht so recht weiß, was es tun soll - vorzeigen, was es sagen könnte bzw. wie es das Spielzeug zurückfordern könnte. Wenn es dem Kind in dem Moment Wurscht ist, und es sich nicht drum kümmern will - auch ok.
    Wenn ein Kind gerne spielen möchte, aber zu viel Trubel ist und es das eigentlich überfordert - versuchen, ob es gemeinsam geht, oder in einer ruhigeren Ecke des Spielplatzes oder ggf. sogar ein anderer Spielplatz. Wenn es nicht spielen möchte, sondern sich gerade einfach mal hinter den Beinen verstecken, oder einfach nur stehen und schauen - auch ok.

    Um beim Spielplatz zu bleiben... das bedeutet ja nicht, dass da tatsächlich gespielt werden muss. Ich hab Stunden auf dem Spielplatz verbracht, in denen mein Kind einfach nur irgendwo rumgestanden und anderen Kindern zugeschaut hat. Fand ich extrem langweilig, hätte lieber mit ihr Fangen gespielt oder auf der Schaukel angeschubst oder was auch immer - aber naja.
    Und wenn Spielzeug weggenommen wird, muss das ja auch nicht zwangsläufig zurückgefordert werden, oder das Kind zum Zurückfordern gedrängt werden, wenn es das nicht wirklich selbst und explizit möchte (oder das Spielzeug eben gerade selbst braucht).

    Ich bin keine uneingeschränkte Freundin von attachment parenting (vor allem, weil ich da die Gefahr sehe, dass gerade die Eltern ihre eigenen Grenzen vergessen und das wiederum auch keine optimale Vorbildfunktion für die Kinder ist, um eigene Grenzen zu lernen), aber wann immer es um Gefühle und soziale Situationen geht, finde ich es wichtig, primär auf die Bedürfnisse des Kindes bzw. aller involvierten Kinder zu schauen, und dementsprechend einzugreifen oder eben nicht.

  18. Member

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Ich schreib nur ganz kurz, Mittagpause ist nämlich fast vorbei: Selbst regeln lassen finde ich so nicht ganz richtig.

    Meine Tochter ist mit 4 auch manchmal schüchtern.

    Ihr helfen konkrete Formulierungsideen. Beim Kennenlernen z.B. ganz formelhaft: „ich bin die ..., wie heißt Du? Magst Du mit mir... ?“

    Außerdem ist es für die Kinder bei Konflikten nicht leicht zu durchschauen, was gerad los ist.
    Also hat sich ein jüngeres Kind die Förmchen genommen, und weiß gar nicht, dass es nicht die eigenen sind. War es ein mundfaules Kind, das auch zum Tausch bereit ist, alle spielen dann mit allem, man muss nur über die Reihenfolge sprechen. Oder war’s eine echte Boshaftigkeit. Darüber sollte man sprechen und Wege aus dem Konflikt heraus zeigen. Ich’s alles erfordert gleich volle Pulle Gegenwehr. Und natürlich macht das Kind es dann irgendwann selbst. Aber mit 3... naja...
    Geändert von Pinkmelon (22.04.2021 um 14:10 Uhr)

  19. Member

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    Meine Tochter 3,5 Jahre alt und hat mir vor einigen Wochen erzählt, dass ein älterer Junge sie und ihre Freundinnen manchmal ärgert, triezt, sie im Garten verfolgt. Ich hab sie gefragt, was sie dann macht und da hab ich ihre Hilflosigkeit richtig gespürt. Ich hab ihr gesagt, sie könnte zur Erzieherin gehen, aber es schien so, als will sie das nicht immer. Dann habe ich ihr gesagt, was sie zu ihm sagen könnte, also "Nein!", "Geh weg!", "Lass mich in Ruhe!" oder "Ich will das nicht!". Hauen ist ja keine Lösung, aber ich hab ihr gesagt, sie kann ihn auch anschreien, das fand sie einen guten Vorschlag. Keine Ahnung, ob die Erzieherinnen das so gut finden, denen klingeln jetzt vielleicht auch immer mal die Ohren, aber dann werden sie wenigstens auf die Situation aufmerksam. Und einen 5-jährigen kann man damit vielleicht noch etwas beeindrucken. Ich hab sie mal gefragt (sie erzählt nicht immer was von der Kita) und mindestens einmal hat sie das wohl versucht.

  20. Urgestein

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    AW: Ein schüchternes Kind stark machen

    2,5 ist vielleicht noch bisschen froh dafür, aber ich hab mit meiner schüchternen Tochter im Kindergartenalter (also so mit 3-4) solche Situationen auch im Rollenspiel "geübt". Wir haben zusammen überlegt, wie man reagieren könnte, und dann paar mal durchgespielt (ich der/die andere, sie sie) und dabei Lautstärke und Überzeugungskraft und ggf Gestik "optimiert". Das fand sie meistens ziemlich lustig und hat glaub auch ganz gut funktioniert.

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