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  1. Alter Hase

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    Gesunde Grenzen (Partnerschaft / Familie) & zu empathisch sein

    Mir fällt das seit jeher schwer, mich von Partnern abzugrenzen, und ich würde gerne eine Therapie oder Beratung deswegen machen. Ich habe schon einen Termin Ende des Jahres bei einer Psychologin.

    Ich kann Partnern oder auch anderen Leuten gegenüber bestimmt, motzig oder dominant auftreten, kein Problem. Bin nicht konfliktscheu.

    Aber mein schlechtes Selbstwertgefühl muss langfristig so eindeutig durchschimmern, dass unterschiedlichste Partner manchen meiner Wünsche erst ernst genommen haben, wenn ich mit der Trennung gedroht (und es so gemeint) habe.

    Oder mich schon getrennt hatte - dann waren sie sehr schockiert (trotzdem ich meine Punkte über Jahre hinweg verbrachte) und wollten alles ändern.


    Ich muss ein "die bleibt doch sowieso bei mir", "die ist es sich nicht wert" ausstrahlen

    Und in der Tat suche ich immer den Fehler zuerst bei mir. Und schwinge beim anderen zu viel empathisch mit, wenn es schon längst nicht mehr nötig oder gesund wäre.

    Ich achte schon darauf, mich selbst zB mit Sprache nicht runterzumachen (also sowas wie "Ich Idiotin" vor dem anderen zu sagen), nicht zu zuvorkommend zu sein und mich zu sehr nach dem anderen zu richten, sondern für meine Bedürfnisse einzustehen. Aber eben nicht nur vorne herum im Konflikt, sondern auch in mir drin,

    Wenn ich ehrlich bin, weiß ich auch gar nicht, ob es nur kindisch ist,dem Partner nicht zum x-ten Mal ungefragt seine Lieblingssüßigkeit aus dem supermarkt mitzubringen oder XY für ohn zu organisieren..., obwohl er das nie bei mir macht.

    Klingt insgesamt etwas anstrakt. Aber kennt jemand das Problem?

    Gibt es Situationen, wo ihr nicht mehr groß erklärt, sondern einfach für euch durch Handeln Konsequenzen zieht, im Sinne der Selbstliebe?
    Geändert von lady milford (24.10.2021 um 22:34 Uhr)
    sind 2 zuviel, um frei zu sein
    oder brauch ich dich, um ich zu sein


  2. Fresher

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    AW: Gesunde Grenzen (Partnerschaft / Familie) & zu empathisch sein

    Zitat Zitat von lady milford Beitrag anzeigen

    Aber mein schlechtes Selbstwertgefühl muss langfristig so eindeutig durchschimmern, dass unterschiedlichste Partner manchen meiner Wünsche erst ernst genommen haben, wenn ich mit der Trennung gedroht (und es so gemeint) habe.
    ...

    Ich muss ein "die bleibt doch sowieso bei mir", "die ist es sich nicht wert" ausstrahlen
    Ich kann glaube ich nicht zu allem, was du geschrieben hast, etwas sagen, aber mir ist aufgefallen, dass du an dieser Stelle auch wieder die Problematik so formulierst, als würdest du etwas falsch machen, indem du etwas falsches ausstrahlst und die falschen Signale sendest.
    Dabei würde ich sagen, gerade der Partner sollte einen wertschätzend, respektvoll und mit Empathie behandeln, völlig unabhängig davon, ob einem evtl. ein geringes Selbstwertgefühl anzumerken ist. Und wenn das nicht der Fall ist, liegt das Problem wohl eher beim Partner.

    Ich hätte auch keine Lust mehr, mir in einer Partnerschaft Nettigkeiten verkneifen zu müssen, weil vom Partner in der Hinsicht grundsätzlich zu wenig kommt - was anderes ist es meiner Meinung nach, wenn der Partner seine Zuneigung und Wertschätzung auf andere Weise ausdrückt als man selbst (ich mache mir über Geschenke tendenziell mehr Gedanken, mein Mann kocht dafür mein Lieblingsessen, wenn ich einen stressigen Tag auf der Arbeit hatte).

    Dass du eine Therapie machen möchtest, klingt gut, finde ich. Ich hoffe, dass dir das dabei helfen wird, stärker auf deine Bedürfnisse zu achten und herauszufinden ob und inwiefern diese in deiner Partnerschaft erfüllt werden können.
    Geändert von *Delilah* (26.10.2021 um 14:05 Uhr) Grund: Rechtschreibung

  3. Stranger

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    AW: Gesunde Grenzen (Partnerschaft / Familie) & zu empathisch sein

    Ich finde auch, es klingt teils negativ und als ob du den Fehler bei dir suchst. Genauso gut könnte man ja z.B. sagen, dass sich deine (Ex-)Partner bei dir mit allen ihren Schwächen angenommen fühlen und dich als loyal empfinden. Ist ja eigentlich eine bewundernswerte Eigenschaft, jemandem so ein Sicherheitsgefühl vermitteln zu können. Das Problem sehe ich eher darin, dass das laut deinen Schilderungen nicht auf kompletter Gegenseitigkeit beruht und auf deine Kosten geht. Ein bisschen klingt es auch so als würdest du die ganze Beziehungsarbeit leisten.

    Mir ist noch nicht ganz klar geworden, wie es sich bei dir mit Grenzen verhält. Hast du konkrete Grenzen im Sinn, die du kommunizierst, die von deinem Gegenüber aber nicht gewahrt werden? Oder geht es eher um das Gefühl, dass du Grenzen setzen solltest, um anders behandelt zu werden? Generell finde ich es eine gute Voraussetzung, dass du auch in den Konflikt gehst, wenn dir etwas nicht passt - es gibt genug Menschen, die das nicht schaffen. Wie verhältst du dich und wie sich dein Partner, nachdem du eine Grenze setzt, nimmt er das ernst? Versuchst du dann, dass die Grenze konsequent gewahrt wird? Ich weiß, dass der Partner da eigentlich mindestens genauso gefragt ist, sich das zu Herzen nehmen und darauf achten sollte - den will ich auch gar nicht aus der Verantwortung nehmen. Ändern können wir aber leider meistens nur unser eigenes Verhalten, unsere eigenen Einstellungen oder eben die Umstände, wenn die andere Person (noch) nicht bereit dazu ist.
    Vielleicht wäre es auch hilfreich, sich nochmal ganz klar vor Augen zu führen, welche Grenzen und Bedürfnisse du hast und dir wichtig sind, um sie dann auch klar vertreten zu können?
    Ich kenne es von mir übrigens auch, dass ich zwar deutlich anspreche, was mich stört und auch sage, was ich mir anders wünsche. Meistens passiert das dann aber im Rahmen einer größeren Diskussion und selbst wenn mein Mann sich zwar einsichtig zeigt, neige ich dazu, dann in den nächsten Tagen eher wieder auf Harmonie gehen zu wollen. Das macht Konsequenzen ziehen natürlich schwieriger und altes Verhalten reißt leicht wieder ein.

    Wie ist es denn mit Hobbys oder Dingen, die du wirklich nur für dich machst?

    Und ich stimme Delilah zu, dass es schade wäre, dem Partner nichts mehr Gutes zu tun. Ich würde für mich aber wohl schauen, dass ich nur noch Sachen mache, die für mich mit geringem Aufwand und wenigen Kosten im übertragenen Sinne verbunden wären. Gegen Süßigkeiten mitbringen spräche für mich da nichts, etwas zu organisieren wäre mir dann aber wahrscheinlich zu zeitintensiv (um bei deinen Beispielen zu bleiben) - zumindest wenn ich das Gefühl habe, dass gar nichts zurückkommt.

    Ich finde, es klingt so, als ob du von einer Therapie gut profitieren könntest. Du bist sehr reflektiert und in der Therapie könnte man sicher gut daran arbeiten, dass du dich selbst in einem positiveren Licht siehst und sich dein Selbstwert verbessert. Überbrückend bis dahin wäre es vielleicht noch eine Idee, dass du dir täglich 5 Sachen aufschreibst, die dir an dem Tag gut gelungen sind (auch so was wie für sich einstehen, ...), die du an dir magst o.Ä.?

  4. Addict

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    AW: Gesunde Grenzen (Partnerschaft / Familie) & zu empathisch sein

    Bitte nicht zitieren, wegen persönlicher Infos

    Was du schreibst, erinnert mich an mich und fast alle meiner vergangenen Beziehungen.

    Hast du dich schon mal mit “Attachment Theory” beschäftigt?

    Ist eine psychologische Theorie und bildet sehr gut ab, was mein Problem war und wonach mir dein Beitrag auch ein bisschen riecht.

    Mein unseriöser ferndiagnostischer Verdacht ist, dass mit dir sehr sehr wohl nichts falsch ist, sondern grundsätzlich “alles stimmt”, du aber ein eher ängstliches oder zumindest ängstlich geprägtes Bindungsverhalten hast und dir deswegen als einzigen “Fehler” konsequent Männer mit vermeidendem Bindungsverhalten aussuchst. Was sie erstmal nicht zu schlechten Menschen, aber nur bedingt geeigneten Partnern für dich macht, da beide ein gegensätzliches Nähebeduerfnis haben.

    In diesen Beziehungen kommt es oft zu einem wahren Strauß an Symptomen und Konflikten, die alle auf dieses unterschiedlich ausgeprägte Nähebeduerfnis der beiden Partner zurückzuführen sind (und wie kann ich prima Distanz zu einem Partner schaffen, der Nähe will, die ich aber nicht aushalten kann, was ich aber wiederum auch nicht zu verbalisieren gelernt habe? ZB. indem ich seine Wünsche ignoriere, abweise oder ins Lächerliche ziehe; durch ständige Kritik; durch Streitsuchen; durch “Aloofness”, durch rücksichtsloses Verhalten uvm; dieser emotionale Missbrauch führt nur leider bei verunsicherten Partnern erstmal nicht dazu, dass sie gehen, sondern als 1. Schritt die Nähe zunächst noch proaktiver suchen und einfordern -> Teufelskreis)

    Klingt vielleicht alles ein wenig abgefahren, habe die Theorie auch durch Zufall entdeckt und mich dann dazu belesen. Für mich war sie und dieses Buch aber einer der Augenöffner meines Lebens.
    Die Erkenntnis, dass ich aufgrund früherer Beziehungen (und Freundschaften) ein in Teilen verunsichert geprägtes Bindungsverhalten erlernt habe, folglich zu den für mich falschen Männern tendiere und ich bei der Partnerwahl aktiv etwas gegen dieses nun erkannte Muster tun kann, war die Erleichterung des Jahrtausends für mich.

    (Und ich fühlte mich bei dem Buch stellenweise, als hätte jemand bei mir und meinem Ex-Mann dabeigesessen und unsere Beziehungsprobleme/Dialoge protokolliert und aufgeschrieben )

    Vielleicht magst du es dir ja auch mal zu Gemüte führen :werbestranger:, oder erstmal googeln und recherchieren - es gibt gerade im englischsprachigen Internet auch viele Artikel dazu.
    Mir hat das Thema wie gesagt extrem viele schlüssige Erklärungen geliefert und meine Verletzungen aus der Vergangenheit und meine Unsicherheiten regelrecht geheilt, vielleicht ist es ja auch für dich nützlich und bringt die verwertbare Erkenntnisse zu deiner Beziehung/deinen Beziehungen.

  5. Ureinwohnerin

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    AW: Gesunde Grenzen (Partnerschaft / Familie) & zu empathisch sein

    Ja, ich kann mich jackalope nur anschließen! Ich hatte vor allem einen Hang zu Männern, die zwar einerseits „gerettet“ werden wollten, aber andererseits nicht in der Lage waren, eine echte und nahe Beziehung zu führen. Ist dann immer bequem, wenn die andere Person die Schuld eh schon immer bei sich sucht, weil sie es so gelernt hat, dann muss man gar nicht mehr viel Arbeit investieren, um ihr zu vermitteln, dass sie „zu viel“ dies und „zu wenig“ das ist.

    Aber wie ich letztens schon in nem anderen thread geschrieben hab, ist es wichtig, auch zu schauen, was einem dieses Verhalten selbst bringt. In meiner Ursprungsfamilie ist „sich aufopfern“ zB eine Art Währung. Man opfert sich für andere auf und erwartet dann, dass man dadurch selbst auch Bedürfnisse erfüllt bekommt, entweder durch das bestätigte Selbstbild der selbstlosen Person oder von den Personen, für die man sich aufopfert oder von anderen, die sich das dann auch wiederum von anderen zurückholen (quasi der „self-sacrifice train“ oder so, besonders häufig in Großmutter-Mutter-Tochter-Folgen). Da musste ich mir schon auch eingestehen, dass ich versucht habe, Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, aber auf eine Art, die nicht ganz fair ist und natürlich auch unrealistisch, weil ich mir dafür Menschen ausgesucht habe, die dazu null bereit waren.

    Edit: sich zu wünschen, dass man Bedürfnisse erfüllt bekommt, ist natürlich völlig normal und legitim, aber wenn man sich selbst aufopfert, hat man häufig auch sehr hohe Erwartungen in Bezug auf das, was man zurückbekommt und das kann einem schon auch im Weg stehen.
    Geändert von poppyred (26.10.2021 um 14:34 Uhr)
    I sigh as I observe
    The mathematics of the storm

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