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  1. Enthusiast Avatar von jadore
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    aber ja, ich kenne auch dieses lechzen nach den "großen gefühlen". richtig verliebt sein fühlt sich einfach krass an, man ist total im ausnahmezustand. dafür nimmt man auch die downsides, also angst/liebeskummer/trauer/verlust in kauf, denn wenigstens fühlt man da auch etwas und ist nicht im langweiligen alltagstrott gefangen. das ganze steht aber gewissermaßen im widerspruch zu einer "gesunden", stabilen, emotional ausgeglichenen beziehung, in der man kraft und zuversicht schöpfen kann und in der man sich eben auch auf andere dinge konzentrieren kann als nur immer die beziehung selbst.

  2. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Ich glaub ja tatsächlich auch, dass das viel mit den Beziehungen zu tun hat, die einem als Kind vorgelebt wurden oder die man selbst zu den Eltern hatte. Ich bin jahrelang auch immer auf dieses ambivalente „irgendwie schon, aber nie so richtig“ angesprungen und die Gründe dafür liegen definitiv in meiner Kindheit. Ich fand das so lange normal, bis ich das Gegenteil davon erfahren hab, also bedingungslose Liebe und Loyalität und das hat mir echt die Augen geöffnet.
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  3. Enthusiast Avatar von wunder
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Ich frage mich gerade, ob dieses Reinsteigern in Sachen, wo nie was war (oder nie was Definitives war oder alles destruktiv war) auch was von Drogenabhängigkeit hat? Schon währenddessen ist es nicht wirklich gut, aber die Achterbahn ist gerade oben und darum fühlt sich auch das Ungesunde gut an. Dann folgt der Absturz, es geht mir schlecht, ich weiß, dass es nicht gut für mich ist, aber gleichzeitig bin ich wie auf Entzug, Abstand fällt mir irre schwer, Selbstdisziplin gleich null und nur durch künstliche Begrenzungen zu erreichen. Es wird dann auch besser, durch Zeit (und Bym-Spam). Ich weiß, dass das nicht gut war, ich bin froh, dass es mir nicht mehr so schlecht geht. Aber trotzdem vermisse ich. Gerade, wenn ich an die Grenzen meiner Frustrationstoleranz komme, irgendwas Doofes passiert - ich will das Gefühl von vor einem Jahr zurück. Ja, auch wenn ich um die Folgen und die ganze Destruktivität weiß. Es ist nicht mal wirklich die Person, die ich vermisse. Das Gefühl, ich habe einen Cheatcode fürs reale Leben gefunden, der diesen ganzen nervigen Kram in normalen sozialen Beziehungen überspringt.

    Also, ich habe keine Erfahrung mit irgendwelchen krassen Drogen (also nur Alkohol, Koffein, Essen). Aber es erinnert mich an Berichte von Leuten, die z.B. Crystal-Meth-abhängig sind.

    Vielleicht überdramatisiere ich auch schon wieder...
    Ne, du dramatisierst nicht! Ich habe das jetzt schon öfter gehört/gelesen, dass bei Verliebtheit und Liebesenzug ähnliche Hormone ausgeschüttet werden, wie bei Drogenkonsum und -Enzug. Stimmt schon. Und das hilft auch, so zu denken oder? Mir hilft das. Beim Drüberstehen. Ich trichtere mir dann ein.. das sind alles nur Hormone.. er ist gar nicht wirklich so was besonderes.. du bist nur süchtig..

    Das mit dem Vermissen kenn ich auch.. Ich kenn's sogar während dem unglücklich verliebt sein, dass ich mir denke.. immer noch besser als gar nichts. Wenigstens weiß ich, wen ich will und freu mich immer so, ihn zu sehen, und mir ist nicht langweilig.
    Aber auch das geht irgendwann vorbei, irgendwann vergisst man's.. und freut sich, dass das Leben allein so entspannt ist.

  4. Addict Avatar von ningun
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Ich glaub ja tatsächlich auch, dass das viel mit den Beziehungen zu tun hat, die einem als Kind vorgelebt wurden oder die man selbst zu den Eltern hatte. Ich bin jahrelang auch immer auf dieses ambivalente „irgendwie schon, aber nie so richtig“ angesprungen und die Gründe dafür liegen definitiv in meiner Kindheit. Ich fand das so lange normal, bis ich das Gegenteil davon erfahren hab, also bedingungslose Liebe und Loyalität und das hat mir echt die Augen geöffnet.
    Oha! Wie/wo hast du bedingungslose Liebe gefunden? Das ist auch mein Herzenswunsch, aber mir wurde geraten, mich von diesem Wunsch zu verabschieden.

    Was hat sich geändert, dass du nicht mehr auf das ambivalentes angesprungen bist, sondern bedingungslose Liebe in dein Leben trat?

  5. Enthusiast Avatar von wunder
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von ningun Beitrag anzeigen
    Oha! Wie/wo hast du bedingungslose Liebe gefunden? Das ist auch mein Herzenswunsch, aber mir wurde geraten, mich von diesem Wunsch zu verabschieden.
    Was, wer rät dir denn sowas?!
    Ich seh's überhaupt nicht ein, mich davon zu verabschieden.

  6. Member Avatar von fitzgerald
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Also ich denke, diese elterliche bedingungslose Liebe, die alle Bedürfnisse des hilflosen Babys erfühlt und stillt, von dieser Art muss man sich irgendwann verabschieden. Vor allem in dieser überhöhten, idealen Form. Die konnten ja noch nicht einmal die Eltern jemals erfüllen, wie soll das dann ein anderer für einen tun? Vor allem, mit welchem Anspruch? Man ist ja schließlich kein hilfloses Wesen mehr, im Gegenteil.
    Dafür kann dann aber auch eine erwachsene Art der Selbstliebe und Selbstfürsorge rücken. Und natürlich die immer irgendwie ein Stück weit bedingte Liebe eines Partners. Bedingt in dem Fall, weil der Andere ja immer ein autonomes Wesen ist und bleibt mit eigenen Wünschen, Sehnsüchten und Rechten.
    Don't tell Mama.

  7. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    fitzgerald, wir haben dann anscheinend unterschiedliche Definitionen von bedingungsloser Liebe. Das was Du beschreibst würde ich eher als bedingungslose und allumfassende Fürsorge bezeichnen. Das sollte im Erwachsenenleben ja im Normalfall auch eigentlich nicht mehr nötig sein. Bedingungslose Liebe bedeutet für mich, so gesehen, angenommen und geliebt zu werden, wie ich bin. Kein "Ich liebe Dich, aber..." oder "Du könntest so toll sein, wenn (nicht)..." Das heißt nicht, dass jeder Scheiß und jede Macke völlig unkritisch hingenommen werden muss, sondern dass man respektvoll miteinander umgehen kann, weil man sich gegenseitig so sieht, wie man ist (und nicht so, wie man sich das mit rosaroter Brille zusammengesponnen hat) und Kritik dadurch eben nicht immer gleich die ganze Person oder Beziehung infrage stellt. Das ist für mich die Grundlage für eine gleichberechtigte Beziehung auf gleicher Augenhöhe.

    ningun, ich schreib später mal was dazu, aber lass Dir bloß nicht einreden, dass man sich mit weniger zufriedengeben muss!
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  8. Member Avatar von fitzgerald
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Naja, das ist halt die Definition, die mir oft begegnet, wenn mir Menschen erzählen, dass sie sich nach bedingungsloser Liebe sehnen. Also dass da ganz häufig eigentlich die Sehnsucht nach dieser Liebe und Fürsorge dahinter steckt, die man in der Herkunftsfamilie oft entbehren musste. Und die man dann in jeder erwachsenen Beziehung sucht und so eben nicht mehr finden kann. Eigentlich eine bedürftige Liebe.

    Und dann wäre es eben der erste Schritt hin zu dem Zustand, den Du beschreibst und den ich als erwachsene Liebe bezeichnen würde, für sich zu merken und auch zu betrauern, dass diese bedürftige Liebe so nicht gestillt werden kann und man sich besser davon verabschiedet, sie weiter an der falschen Stelle zu suchen. Ich glaube nicht, dass man sonst an den Punkt kommt, an dem man auch einen anderen so lieben kann wie Du das beschreibst. Denn bedürftige Liebe ist ja gerade dieses "Ich liebe Dich, wenn bzw. weil Du all meine Bedürfnisse erfüllst". Und das ist halt alles andere als bedingungslos, sondern gerade das Gegenteil davon.
    Don't tell Mama.

  9. Enthusiast Avatar von jadore
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    ich glaube, dass es sich für den moment bzw. die gegenwart so anfühlen kann, als ob es bedingungslose liebe gäbe. aber diese liebe ist ja doch an bedingungen geknüpft: man wird so angenommen und geliebt, wie man ist, WEIL man eben so ist und weil man mit dem anderen so und in dieser zeit gut zusammenpasst. das kann sich aber auch ändern: menschen können sich ändern, können dinge tun, die eine beziehung nicht mehr möglich machen, man kann sich auseinander leben. wichtiger als "bedingungslose liebe" wäre mir deshalb so etwas wie "weitreichende solidarität". dh dass man auch, wenn sich in der paarbeziehung etwas ändern würde, man nicht mehr verliebt ineiander wäre etc., man fair miteinander umgeht.

  10. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Warte, ich hol eben die Goldwaage!
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  11. Member Avatar von fitzgerald
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Warte, ich hol eben die Goldwaage!
    Nö, das hat mit Goldwaage nichts zu tun, sondern ist eben genau der Unterschied, den man sich bewusst machen sollte, will man seine Beziehungen nicht mit unmöglichen Erwartungen überfrachten. Es gibt allein bei der Partnerwahl schon zig Bedingungen, die man halb- oder unbewusst stellt: Er muss größer sein, er muss intelligent sein, er muss witzig sein, er muss mich anmachen, er muss die passenden Pheromone absondern und so weiter und so fort. Da ist also schon mal nix bedingungslos, sonst wäre Partnerwahl ja einfach. Nimmste halt den nächstbesten, der Dir im Supermarkt über den Weg läuft oder den ersten, der Dir bei Tinder angezeigt wird. Macht natürlich keine. Da wird auf Herz und Nieren getestet.

    Und das geht in Beziehungen natürlich weiter. Mir fallen auf Anhieb schon fünf Sachen ein, die eine Liebe mindestens mal ganz schön auf die Probe stellen kann:

    - Partner hat einen Gesinnungswandel und wählt seit neuestem statt SPD AfD.
    - Partner hat ne Affaire und versichert mir aber, dass sich an seiner Liebe zu mir nichts geändert hat, er möchte sich einfach nur sexuell ausleben/ Praktiken ausleben, die ich abstoßend finde
    - Partner wird depressiv und kann über Jahre nicht mehr arbeiten, Haushalt machen oder Kinder betreuen, zocken geht aber noch.
    - Partner möchte (k)ein Kind.
    - Partner hat schon einmal ein Bordell besucht.

    Aber ich liebe schön bedingungslos weiter? Das halte ich schlichtweg für naiv, wenn nicht heuchlerisch. Natürlich macht so etwas mit meinen Gefühlen, selbst wenn ich das anders haben wollte. Ob man sich deswegen dann direkt trennt, ist wieder eine andere Sache, aber natürlich stellen Menschen Bedingungen an ihre sozialen Beziehungen und wenn diese nicht erfüllt werden, hat man zumindest mal einen ordentlichen Konflikt an der Backe. Und im schlimmsten Fall brechen sie diese auch ab, wenn ihre Grenzen diesbezüglich massiv überschritten werden.
    Don't tell Mama.

  12. V.I.P. Avatar von finessa
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von fitzgerald Beitrag anzeigen
    Nö, das hat mit Goldwaage nichts zu tun, sondern ist eben genau der Unterschied, den man sich bewusst machen sollte, will man seine Beziehungen nicht mit unmöglichen Erwartungen überfrachten.
    Ich finde ebenfalls, dass so eine Differenzierung sehr hilfreich sein kann.

    Zitat Zitat von fitzgerald Beitrag anzeigen
    Aber ich liebe schön bedingungslos weiter? Das halte ich schlichtweg für naiv, wenn nicht heuchlerisch. Natürlich macht so etwas mit meinen Gefühlen, selbst wenn ich das anders haben wollte.
    Ich könnte mir hingegen vorstellen, dass es mit der Liebe selbst unter Umständen tatsächlich wenig macht, wenn einer der von dir geposteten Fälle eintritt, allerdings ließe sich die Frage aufwerfen, wie "Liebe" überhaupt definiert wird. Es ist ja offenbar kein reines Gefühl in dem Sinn, sondern eher ein Konglomerat verschiedener Gefühle und persönlich würde ich auch noch ein voluntatives Element hinzuzählen - nämlich das eigene Handeln auch danach auszurichten, dass es der geliebten Person gut tut, sie von mir gestützt und gestärkt wird (den letzten Punkt finde ich im übrigen auch in Hinblick auf das Threadthema nicht ganz unwichtig, denn gerade bei Dramabeziehungen ist das ja häufig nicht der Fall). Ich denke, auch die Akzeptanz und die Annahme des anderen Menschen können unter diesen voluntativen Aspekt fallen, da es sich dabei womöglich durchaus um eine fortlaufende Entscheidung handelt, die komplexerer Natur ist, als jemanden so zu nehmen, wie er/sie ist, weil man die Person eben mag.
    "Das Verliebtsein ist ja nicht mehr als ein psychiatrisches Durchgangsstadium und die zwanghafte Besessenheit von einem Menschen auf Dauer so ungesund wie Kokainkonsum." Um etwas Pepp in Vernunftbeziehungen zu bringen, empfiehlt der deutsche Paartherapeut Arno Retzer den gelegentlichen Einsatz von Wasserpistolen.

  13. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Finessa: Ich finds grad einfach wieder typisch bym, dass hier so auf dem Begriff rumgeritten wird, obwohl ich oben mMn sehr deutlich klargemacht hab, was ich meine und mich auch zu Krisen/Konflikten geäußert hab. Dass Liebe allein eine Beziehung nicht trägt und man sich immer wieder füreinander entscheiden muss, ist doch völlig klar.

    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Ich denke, auch die Akzeptanz und die Annahme des anderen Menschen können unter diesen voluntativen Aspekt fallen, da es sich dabei womöglich durchaus um eine fortlaufende Entscheidung handelt, die komplexerer Natur ist, als jemanden so zu nehmen, wie er/sie ist, weil man die Person eben mag.
    Genau das eben.

    Und wenn ich lese, wie abfällig fitzgerald über psychische Krisen schreibt und die mit AfD wählen und Bordellbesuchen auf eine Stufe stellt (hint: das eine ist eine Krankheit, das andere eine freie Entscheidung), hab ich auch gleich doppelt keine Lust mehr, hier noch weiter zu diskutieren.

    Nur noch eben für ningun und archenstone:

    Mir ging’s in meinem Beitrag vor allem darum, von meinem Partner so gesehen zu werden wie ich bin, weil genau das in meinen Dramabeziehungen nämlich nicht stattgefunden hat. Vor allem mein letzter Ex hat irgendwelche albernen „manic pixie dream girl“-Fantasien auf mich projiziert und war dann schwer enttäuscht, dass ich die nicht erfüllt hab (die hätte niemand erfüllen können). Und wenn man schon immer nur Beziehungen hatte, in denen der jeweilige Partner ein festes Bild von einem hatte, das nur ansatzweise mit der Realität übereinstimmte und einen dann unter Druck gesetzt hat, die Punkte zu ändern, die nicht in sein Bild passten, ist das eben sehr wichtig. Und ich glaube, dass das sehr häufig ein großes Thema in Dramabeziehungen ist und einen großen Anteil an dieser „Ich will Dich, aber nicht so richtig!“-Sache hat. Das ist nämlich der Punkt, an dem unrealistische Erwartungen vermittelt werden. Man denkt man müsste nur dünner, cooler, schöner sein und dann würde er schon richtig wollen und deshalb setzt man sich selbst unter Druck, aber währenddessen werden einem direkt die nächsten Erwartungen vermittelt. Man hat eigentlich nie ne Chance, weil man an einem Idealbild gemessen wird.

    Für mich war es deshalb sehr wichtig, irgendwann die bewusste Entscheidung zu treffen, dass ich solche Spiele nicht mehr mitspiele und mich von solchen Männern fernzuhalten und vor allem auch, diesem Telenovela-„wir sind füreinander bestimmt und müssen viel Drama durchmachen, bevor wir unser happy end bekommen“-Gefühl nicht mehr blind zu vertrauen. Das kann uU natürlich auch bedeuten, ein Stück weit gegen den eigenen Typ/Geschmack zu handeln (war für mich zum Glück einfach, weil ich generell nette/liebe/bodenständige Männer mag und nur lernen musste, die von dramatisch veranlagten „nice guys“ zu unterscheiden). Und ich hatte natürlich auch wahnsinniges Glück, so jemanden zu finden. Mein Mann kennt mich so gut wie niemand sonst und liebt mich auch mit psychischen Problemen und Übergewicht.
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  14. Senior Member Avatar von Caly
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Ich weiß denke ich, was du meinst, fitzgerald. Diese Liste der zig Bedingungen, die erstmal erfüllt sein müssen, haben wir wohl alle. Aber wenn man sich dann in einen klugen, witzigen Menschen mit den richtigen Pheromonen verliebt hat, dann geht es darum, nicht zu sagen "Du bist toll! Toller wärst du allerdings mit 5 Kilo weniger/definierteren Muskeln/mit weniger sozialen Ängsten/ohne deine Einhorn-Sammlung..".
    Also auch wenn man definierte Bauchmuskeln echt mega hot findet, man hält dem anderen nicht vor, und sei es nur "liebevoll stichelnd", dass es da noch Potential nach oben gäbe. Das meint Poppy glaube ich, oder? Das gute Gefühl, geliebt zu werden, völlig egal ob das mit den Bauchmuskeln in diesem Leben noch was wird oder nicht. Und bei der Depression nicht als erstes die Angst zu spüren, der Partner könne deswegen gehen. Und das ist für mich schon auch irgendwie "bedingungslos", auch wenn natürlich erstmal diverse Bedingungen erfüllt sein mussten, um überhaupt ein Paar zu werden.

    So habe ich Poppy jedenfalls verstanden, bitte korrigiere mich bei Bedarf.

  15. Member Avatar von fitzgerald
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Egal.
    Geändert von fitzgerald (16.03.2019 um 22:38 Uhr)
    Don't tell Mama.

  16. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Caly, ja, ganz genau das hab ich gemeint!

    Und ich glaub wenn man von zuhause ein schwaches Selbstwertgefühl mitbekommen hat und vielleicht auch noch den Irrglauben, dass die große Liebe immer auch andere große Emotionen mit sich bringt, fliegt man schnell auf diese Drama-Leute. Die geben einem nämlich anfangs das Gefühl, dass man der tollste Mensch der Welt ist, weil sie ja ihre Fantasien auf einen projizieren (das müssen nicht mal NarzisstInnen sein, es gibt auch andere unsichere Menschen, die hoffen, dass sie von ihrem manic pixie dream Partner gerettet oder nach außen aufgewertet werden) und leider kommt man halt irgendwann immer in der Realität an und dann sehen sie, dass das Bild nicht mehr passt und versuchen, es zurechtzurücken. Das funktioniert bei jemandem mit schwachem Selbstwertgefühl natürlich super, weil man sich ja eh schon unsicher und scheiße fühlt, da sieht man dann schnell ein, dass man nicht gut genug ist und an sich arbeiten muss.

    Insofern find ich den Begriff bedingungslose Liebe schon passend für eine Beziehung, in der es eben nicht den Anspruch gibt, perfekt zu sein, sondern in der man einfach man selbst sein kann, mit allen Ecken und Kanten und in der man auch Konflikte austragen kann, ohne dass man Angst haben muss, dass das die Beziehung gefährdet.

    Das andere wär dann wohl eher bedingungslose Partnerwahl.
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  17. Member Avatar von archenstone
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Ich finde die Goldwaagen-Diskussion extrem spannend. Also, dass das ein Fall für die Goldwaage ist, diese Dissonanz zwischen "Ich will bedingungslos geliebt werden, ich bin es wert, nicht an anderer Leute Idealbild bewertet zu werden" und "Ich will nicht unter wehenden Red Flags ins Unglück laufen, ich bin es wert, Ansprüche zu haben". Sich nicht dazwischen zu verlaufen ist wahrscheinlich schon ein Teil des Problems. Muss ich mal drüber nachdenken.

    Edit: Äh, ihr seid schneller als ich *geht nachlesen*

    Zu meiner Geschichte noch:

    Zitat Zitat von jadore Beitrag anzeigen
    archenstone, bei dir frage ich mich immer, wieviel denn da tatsächlich "passiert" ist. haben sich der optimismus und die abstürze, also das auf und ab, nur in deinem kopf abgespielt oder gab es da reale interaktionen mit personen? für mich las es sich bisher so, als ob du einen schwarm am arbeitsplatz hattest, der aber unerreichbar war und nebenbei auch gar nicht so nett zu dir/eher unsympathisch. du scheinst dich da irgendwie sehr reingesteigert zu haben, ohne das je viel "reale interaktion" stattgefunden hat, oder?
    Ja Moment. Das sind zwei verschiedene Definitionen von "unerreichbar" bzw. "nichts passiert" in einem Posting.

    Optimismus ist in meinem Kopf. Das, was ich mit "Absturz" meinte, ist - erst mal - in meinem Kopf. Meine ganze psychische Vorerkrankung ist in meinem Kopf, und die hat trotzdem ziemlich reale Auswirkungen auf mein Leben. Ja, ich habe mich da sehr reingesteigert, auf eine ungesunde Art verliebt. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mich das noch mal so umwirft, als zumindest dem Alter nach Erwachsene, nach einer (ok, dysfunktionalen) Beziehung und mit dem Wissen, dass es prinzipiell an mir interessierte Leute auf der Welt gibt, dass nicht sowieso alle Menschen unerreichbar sind - dass ich noch mal an Liebeskummer mit allen Auswirkungen leide wegen jemandem, der nie was von mir gewollt, der mir nie was versprochen hat. Wenn ich das neuen Außenstehenden erkläre, beim letzten Klinikaufenthalt z.B., dann ist ungefähr mein zweiter Satz, "Der hat Frau und Kinder, da passiert nichts." Und das ist auch nur eine mich schonende Formulierung für "kein Interesse".

    Aber da war trotzdem Interaktion. Vom Bewerbungsprozess bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnis war das einer meiner direkten Ansprechpartner bzw. Vorgesetzten. Der war am Anfang so übertrieben begeistert von mir. Also nicht auf einem Level von romantischem oder sexuellem Interesse, sondern so völlig random. Kam auch Monate später darauf zurück, dass er meine Bewerbung so toll fand. Wenn wir uns gestritten haben, dann richtig eskaliert (mit unflätigen Ausdrücken von ihm und unnötiger Emotionalität von mir und es auch hinterher beide als "Streit" bezeichnet - und da war ich gerade drei Wochen da). Wenn ich mit meinem Fachkollegen Streit hatte, dann hat er sich das ruhig angehört, Verständnis vermittelt zwischen beiden Seiten. Mir Mut gemacht. Mir Schokolade geschenkt und mich nach Hause geschickt und erst am nächsten Tag wieder Ansprüche gestellt. Ich hab' selbst gefragt bzw. in den Raum gestellt, dass er sich die Zeit nicht nimmt, weil er mich so gerne mag, das war halt sein Job in dem Moment. Wir haben auch gelegentlich inhaltlich zusammen gearbeitet, Zeit damit verbracht, über dem gleichen Problem kein Ende zu finden. Kamen auf einem persönlichen Level gut klar - also wenn wir uns nicht gerade angezickt haben -, waren schnell recht persönlich. Und dabei kultiviert der so 'ne Atmosphäre von, "Ja, ich weiß, alle Frauen stehen auf mich", und hat den Humor von einem maximal Zwölfjährigen. Ich hatte das Gefühl, dass er mit mir flirtet, und ich konnte es schwerlich an was festmachen, und ich hab' mir das dann aufgeschrieben - Tagebuch geschrieben. Das kann man Teenie-mäßig oder ein bisschen obsessiv finden, war's auch. Aber die Idee dahinter war genau das: Da ist nicht nichts, ich bilde mir das nicht komplett ein, die Kommunikationsebene ist da. Ich werde nicht verrückt. Es ist ihm vielleicht nicht bewusst, aber er hat das und das und das gesagt.

    Ich denke nicht, dass er das aus böser Absicht tut. Ich habe zwar - akut angefressen - gesagt, "Der ist mindestens genauso narzisstisch wie ich", aber ich bin natürlich nicht qualifiziert zu so einer Diagnose. Ist ja auch egal. Für mich ist es hilfreich, zu wissen, dass so was existiert. Ich habe nun mal eine Persönlichkeitsstörung, ich komme in so eine Spirale aus "Idealisieren -> Abwerten", verstärkt durch "zu viel - zu schnell - zu nah", auch mit jemandem, der sonst stabile soziale Beziehungen hat. Und bei manchen Situationen denke ich im Nachhinein trotzdem - trotzig -, was ein Arsch. Imho hätte seine Freundin jedes Recht, das auch zu denken (aber natürlich auch jedes Recht auf die Meinung, dass mich das nichts angeht). Ich bin zwar der Fuchs, der die Trauben sauer nennt, aber im Nachhinein muss ich wohl froh darum sein, dass er kein sexuelles Interesse an mir hatte. Dass wenigstens er so vernünftig ist, das nicht als ernsthafte Option zu sehen, bei dem Machtverhältnis und bei dem Verhalten zueinander.

    Aber ich glaube, das ist bei mir auch der Punkt. Ich hab' ja im Sommer schon geschrieben:

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Ich bin wie diese Leute, die in richtig miesen Beziehungen bleiben und das vor sich und der Außenwelt rechtfertigen, weil, große Liebe. Nur bin ich so schlau, dass ich mir jemanden suche, der nie Sex mit mir haben wird.
    Das ist eine Form von Selbstschutz.
    Geändert von archenstone (17.03.2019 um 01:06 Uhr)
    wtf momente

    Bei mir gibt es heute...
    Politische Bildung


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    Tragetuch / Tragehilfe


    Flughafen BER: Wird er mal...
    Schwanger 11/2015


  18. Enthusiast Avatar von jadore
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    ok, vielen dank für den einblick. dass es nach drei wochen arbeitsverhältnis schon mit unflätigen ausdrücken eskaliert ist, finde ich heftig - also zum einen diskreditiert es natürlich ihn auf voller linie und zum anderen frage ich mich, bei welcher art von arbeit man sowas erlebt? (potentiell wohl bei jeder - das musst du natürlich hier auch nicht beantworten) ich wäre da mindestens leicht traumatisiert, glaub ich, und würde mich schnell nach anderen jobs umsehen. so oder so klingt der typ weder besonders intelligent (humor eines 12-jährigen) noch sympathisch - aber das muss ich dir ja nicht erzählen. ich kenne es aber auch, dass man an solchen typen kleben bleibt - bei mir war das mal der fall, als ich ganz dringend ablenkung von einer trennung brauchte und mich dann an etwas festgebissen habe, das auch total sinnlos war (typ ähnlich wie deiner). war bescheuert und total viel projektion, aber ich brauchte das wohl in dem moment, um an irgendwas denken zu können.

  19. Member Avatar von sommerlinde
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    @arche: Kann es sein, dass er was in dich projeziert hat, z.B. sein früheres "ich"?
    Zitat Zitat von Thomas de Maiziere
    Wenn wir wollen, dass Extremismusbekämpfung auch bei denen stattfindet, die schon gefährdet sind, oder halb abgerutscht sind, oder wenn es um Deradikalisierung geht, dann muss man auch mal den schwierigeren Weg probieren, und das heißt, dass man mit Menschen redet, mit denen man sonst vielleicht nicht so gerne reden würde, um eines höheren Ziels willen. Und wo da die Grenze zur Förderung ist, das ist nicht leicht zu bestimmen.

  20. Addict Avatar von ningun
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    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von wunder Beitrag anzeigen
    Was, wer rät dir denn sowas?!
    Therapeuten/Therapeutinnen.
    Wobei ich mich frage, welche Art von bedingungsloser Liebe sie eigentlich meinten. Eine meinte ganz klar die bedingungslose Liebe durch die Eltern, also dass die Eltern diese Liebe doch noch mal geben werden.
    Also wohl das, was fitzgerald hier beschreibt:

    Zitat Zitat von fitzgerald Beitrag anzeigen
    Also ich denke, diese elterliche bedingungslose Liebe, die alle Bedürfnisse des hilflosen Babys erfühlt und stillt, von dieser Art muss man sich irgendwann verabschieden. Vor allem in dieser überhöhten, idealen Form. Die konnten ja noch nicht einmal die Eltern jemals erfüllen, wie soll das dann ein anderer für einen tun? Vor allem, mit welchem Anspruch? Man ist ja schließlich kein hilfloses Wesen mehr, im Gegenteil.
    Weil z.B. Selbstfürsorge und so mir lange nicht gelang und auch heute immer noch sehr schwer fällt.
    Von diesem Wunsch, die Eltern werden mich doch noch mal bedingungslos lieben, habe ich mich tatsächlich verabschiedet, würde ich meinen.

    Was aber bleibt ist die Sehnsucht nach einer Liebe von außen, wie es poppyred beschreibt:
    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Bedingungslose Liebe bedeutet für mich, so gesehen, angenommen und geliebt zu werden, wie ich bin. Kein "Ich liebe Dich, aber..." oder "Du könntest so toll sein, wenn (nicht)..." Das heißt nicht, dass jeder Scheiß und jede Macke völlig unkritisch hingenommen werden muss, sondern dass man respektvoll miteinander umgehen kann, weil man sich gegenseitig so sieht, wie man ist (und nicht so, wie man sich das mit rosaroter Brille zusammengesponnen hat) und Kritik dadurch eben nicht immer gleich die ganze Person oder Beziehung infrage stellt. Das ist für mich die Grundlage für eine gleichberechtigte Beziehung auf gleicher Augenhöhe.
    Wobei ich mir da halt diverse Gedanken mache:
    - Dieses "so gesehen werden, wie ich bin"...ich kann gar nicht so klar sagen wie ich BIN oder jemand anderes IST. Etwa weil das kontextabhängig ist, man in verschiedenen Kontexten verschiedene, andere Rollen spielt, also immer wieder anders ist. Da wünsche ich mir wohl eine Partnerschaft oder generell Kontakte, wo ich sozusagen meine "wahrhaftigste" Seite zeigen kann und am wenigstens eine Rolle spiele und damit angenommen werde. Oder aber der Partner sieht positive Dinge in einem, kitzelt diese hervor, die es tatsächlich auch gab oder gibt, die aber durch andere, negative Dinge überlagert werden.
    - In meiner Vorstellung kann das "so gesehen werden, wie ich bin" aber auch sehr niederschmetternd sein, wenn da sehr viele Unzulänglichkeiten zutage kommen, nicht nur jene, die man selbst schon kannte, sondern neue, die der Partner sieht.
    Ich glaube, da käme es dann wieder darauf an, wie der Partner damit umgeht und gemäß der eben gemachten Beschreibung von bedingungsloser Liebe, hieße es, der Partner liebt einen dennoch.

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