+ Antworten
Seite 5 von 5 ErsteErste ... 345
Ergebnis 81 bis 85 von 85
  1. V.I.P. Avatar von finessa
    Registriert seit
    30.07.2001
    Beiträge
    15.557

    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von felissi Beitrag anzeigen
    poppyred der vergleich wasserfall & see ist superschön!
    Finde ich auch!
    "Das Verliebtsein ist ja nicht mehr als ein psychiatrisches Durchgangsstadium und die zwanghafte Besessenheit von einem Menschen auf Dauer so ungesund wie Kokainkonsum." Um etwas Pepp in Vernunftbeziehungen zu bringen, empfiehlt der deutsche Paartherapeut Arno Retzer den gelegentlichen Einsatz von Wasserpistolen.

  2. V.I.P. Avatar von poppyred
    Registriert seit
    06.07.2011
    Beiträge
    18.722

    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Aber ich glaube auch nicht, dass man gegen Liebeskummer oder Drama oder narzisstische Verstrickungen völlig immun sein kann.
    Nein, das glaub ich auch nicht. Man kann nur versuchen, etwas bedachter zu handeln und sich - Gefühle hin oder her - nicht Hals über Kopf in Sachen zu stürzen, die einem nicht gut tun. Aber das ist ein langer Prozess.

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Worauf ich mit dem Uno-Karten-Vergleich hinauswollte: Es muss sich nicht groß oder laut anfühlen, um dysfunktional zu sein.
    Aber Du hast ja schon gesagt, dass es immer sehr intensiv ist. Das wär für mich im Prinzip das Gleiche wie groß oder laut.

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Oh, das ist eine Frage. Die setzt ja erst mal das Eingeständnis voraus, dass man das Drama nicht bloß in Kauf nimmt, sondern es ein essentieller Bestandteil dessen ist, was man da will und lebt.
    Ich glaube dass das tatsächlich so ist und man da nicht einfach so immer wieder reinrutscht, Du sagst ja selbst auch weiter unten, dass das bei Dir sehr viel triggert. Passend dazu: klick

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Versuche, das Drama in den Griff zu kriegen, machen alles noch schlimmer (noch mehr analysieren, noch mehr nachdenken).
    Ich glaube, dass in den Griff kriegen auch nicht die Lösung ist. Also nicht wenn das meint, dass man einseitig versucht, die Beziehung zu verbessern und/oder die andere Person von irgendwas zu überzeugen. Wie war das noch: diejenigen, die sich am meisten dagegen wehren, wenn Du Grenzen setzt, sind diejenigen, die am meisten davon profitieren, dass Du keine hast. Die werden also jeden Versuch, das Drama zu beenden, sabotieren, bewusst oder unbewusst. Je mehr man versucht, da irgendwas zu ändern, desto schlimmer wird das Drama. Zumindest meiner Erfahrung nach. Das schaukelt sich immer weiter hoch.

    Ich hab mich früher immer gefragt, warum ich mich bemühe und bemühe und alles nur schlimmer statt besser wird, aber inzwischen weiß ich, dass man da eigentlich nur aussteigen kann. Entweder komplett durch Kontaktabbruch oder wenn das nicht möglich ist dadurch, dass man nicht auf Trigger anspringt. Das ist wahnsinnig schwierig und ich schaff das auch nicht immer, aber es ist mMn der einzige Weg. Denn das ist ja genau der Mechanismus, mit dem toxische Beziehungen funktionieren: man triggert die andere Person zu heftigen emotionalen Reaktionen. Wenn man die Reaktionen nicht mehr liefert, nimmt man die Spannung raus.

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Drama gibt mir die Bestätigung, dass das "was sein" muss, weil Liebe "so ist" in der kollektiven Vorstellung. Und dafür finde ich überall Bestätigung, wenn ich will.
    Ja, das ist definitiv ein großes Problem. Deshalb find ich zB Twilight oä auch so schlimm. Nicht weil das Teenie-Romanzenquatsch ist (das mag ich selbst auch gerne), sondern weil toxische Beziehungen romantisiert werden. Das wird einem ja von klein auf so eingehämmert.

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Das ist wieder ein Selbstwert-/Selbstbild-/Kindheits-Ding, wenn ich schon nicht liebenswert bin, dann bin ich wenigstens schwierig.
    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Die Art und Weise des Dramas interagiert mit bei mir vorhandenen Triggern: Verletzungen, Coping-Mechanismen, verdrängten Wünschen.
    Das ist ein sehr wichtiger Punkt und einer, an dem man immer gut ansetzen kann und sollte, aber gleichzeitig auch einer, der sehr schwierig aufzuarbeiten ist. Das ist ja auch genau das, was der Screenshot, den ich weiter oben verlinkt hab, meint. Man sucht immer das bzw. fühlt sich hingezogen zu dem, was man kennt.

    Ich denke das schwierigste ist, den Weg zu gehen von "Die Verletzungen kamen von außen, also muss auch die Heilung von außen kommen" (was halt nicht funktioniert, wenn man dafür immer wieder Menschen aussucht, die einem statt zu helfen nochmal genau dieselben Verletzungen zufügen) nach "Ich kann mir selbst geben, was ich brauche". Also auch den eigenen Wert nicht mehr von anderen bestimmen zu lassen, sondern selbst zu wissen, was man wert ist.

    Das ist aber natürlich ein sehr schwieriger Schritt und es ist immer einfacher, in vertrauten Mustern zu bleiben, weil man die eben gut kennt und sich darin sicher fühlt. Diese (gefühlte) Sicherheit aufzugeben ist schon eine sehr große Herausforderung, weil sich das erstmal ganz falsch und vielleicht auch gefährlich anfühlt.

    Zitat Zitat von archenstone Beitrag anzeigen
    Wenn ich aber die "Schuldige" bin, wie finde ich da noch heraus?
    Ich find den Begriff Schuld da schwierig...es ist ja eher die Schuld der toxischen Muster, die Du im Laufe der Zeit gelernt hast. Aber ansonsten ist es vielleicht auch ne wichtige Erkenntnis, dass der Ansatz auch neue Chancen bietet. Solange Du der Meinung bist, dass Dir das "einfach so" passiert und Du das nicht ändern kannst, kommst Du da ja erst recht nicht raus. Aber wenn es an Dir liegt, das zu ändern, dann kannst Du handeln. Du musst nicht passiv sein, sondern kannst aktiv werden. Man kann das also durchaus positiv sehen.
    I think in some ways we've gone back to the Victorian ages where women feel this bizarre need to be judged as fuckmates.

  3. Member Avatar von archenstone
    Registriert seit
    18.03.2014
    Beiträge
    1.252

    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Erst:

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Ich hab mich früher immer gefragt, warum ich mich bemühe und bemühe und alles nur schlimmer statt besser wird, aber inzwischen weiß ich, dass man da eigentlich nur aussteigen kann.
    Danke für diesen Satz!

    Das gilt in vielen Situationen. Kann ich auch auf meine Jobsituation von letztem Jahr anwenden, ohne die unglückliche Verliebtheit. Im Sommer in der Psychiatrie habe ich gesagt, "Mein Tropfen-Fass-Problem ist Liebeskummer", und natürlich habe ich meine Vorerkrankung nicht seit gestern. Aber neben dem war es ein klassischer Burn Out. - Es ist aus mehreren Gründen gut, dass ich da nicht mehr arbeite.

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Aber Du hast ja schon gesagt, dass es immer sehr intensiv ist. Das wär für mich im Prinzip das Gleiche wie groß oder laut.
    Also eins der Dinge, die ich beim Aus-dem-Kopf-Schlagen dachte, war: Ich wäre gerne mal wieder so richtig verknallt. Normal, so wie ich es von mir kenne.

    Ob das alles so special besonders war, sei mal dahingestellt. Der ist mir in Wirklichkeit gar nicht so ähnlich. Ich würde bei der Geschichte trotzdem nicht von "immer" sprechen, so was hatte ich sonst nicht. Die Art der Verliebtheit, aber auch die Aufgabe, diesen Liebeskummer zu bewältigen. Mich aus so vielen unterschiedlichen Gründen schlecht zu fühlen, dass die eigentliche Ablehnung - dass der, den ich will, mich nicht will - in den Hintergrund gerät im Gemenge aus Hektik und Angst und schlechtem Gewissen und schlecht verdrängter erotischer Anziehung.

    Und trotzdem ist der Liebeskummer selbst immer noch traurig! Auch jetzt noch. Jetzt bin ich wieder in der Phase, die mir so bekannt ist: Ich war in jemanden verliebt, der Liebeskummer-Peak ist länger her, aber die Gefühle sind (immer! noch!) nicht komplett weg. Das geht bei mir nur sehr langsam.

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Ich glaube dass das tatsächlich so ist und man da nicht einfach so immer wieder reinrutscht, Du sagst ja selbst auch weiter unten, dass das bei Dir sehr viel triggert.
    Ja. Hm.

    Der Typ ist an manchen Stellen out of charcter für mich. Und an manchen Stellen denke ich nur, die Konstellation wäre untypisch. Ich habe nicht das Leben, das man bei einem Charakter vermuten würde, der in romantischen Dingen leicht zu verarschen ist. Ich fange nicht dauernd neue Beziehungen an, und ich habe keine jahrelange On-Off-Beziehung, und ich war auch nie die heimliche Affäre, die sich mehr davon verspricht. Ich bin halt im Normalfall immer allein ("im Normalfall immer", super Deutsch). Wenn ich der Typ dafür wäre, unschuldigen jungen Familienvätern nach Dienstschluss unmoralische Angebote zu machen, die Chance hätte ich ja gehabt. - Oder auch nur, mal zu fragen, ob er irgendwas sagen kann, was den Knoten in meinem Kopf auflöst. Dazu waren wir oft genug zufällig die letzten zwei Workaholics mit miesem Tagesrhythmus da.

    Hab' ich nicht gemacht, bin ich nicht der Typ. Ich glaube, fürs erfolgreiche Verfolgen unmoralischer Absichten fehlen mir da eh gewisse soziale Fähigkeiten. Aber es wäre bestimmt möglich, mich von der anderen Seite in so eine Situation hinein zu manipulieren ("Listen, I'm married and you're engaged, but if we don't bang, the world will literarry end - and did I mention I play the harp?"). Und dann wäre ich sehr wohl die Person, die den ganzen Schwachsinn glaubt, den jede Frau in der Situation glauben will. Dass es mit mir was ganz anderes ist und mit dem betrogenen Part schon lange nicht mehr gepasst hat, zum Beispiel. Dass es etwas ganz besonderes ist, und dass es das wert sein muss. Dass es auf irgendeinem kruden Level allein meine Schuld ist, was ich so nie wollte, aber das Bild von ihm unangekratzt bleibt. - Ich neige dazu, erst mal zu glauben, was die Leute mir erzählen. Jedenfalls, wenn es nicht komplett gegen meine eigene Wahrnehmung geht, und wenn ich verliebt bin, hey. Dann glaube ich ja schon, wenn er mir erzählt, dass ich in meinem Job richtig bin und dass er mich für schlauer hält als den gleichzeitig in der gleichen Position eingestellten Mitarbeiter, und esoterisches Zeug über das "Mindset", was er in meiner Bewerbung rausgelesen haben will. Dass er das ehrlich meint, was er sagt. Weil ich selber gerade nicht weniger esoterisches Zeug glaube.

    Gleichzeitig ist der Typ übelst stressig. Die Konstellation aus uns beiden auch. Ich denke, ich bin nicht so, ich stehe nicht auf jemanden, der so ist. Auf jemanden, der solche Macho-Allüren an den Tag legt, doch seit ich 15 war, nicht mehr (und ich stand auf viiieeele Leute in der Zwischenzeit), und auf jemanden, der für sich das Selbstverständnis hat, der Anführer einer Gruppe zu sein, tatsächlich noch nie. Ich sage immer, ich will keine Beziehung, in der mir jemand was verbietet, ich hab' 19 Jahre lang mit meiner Mutter zusammen gewohnt, die sich Sorgen machen "musste" (), wenn irgendwer ihren Kontrollbereich verlässt, das reicht. In meiner Exbeziehung oder auch in der komischen halben Beziehungserfahrung davor war ich auch so, die Person, der alles viel zu schnell zu viel wird. Aber wenn ich einmal verliebt bin und eine Beziehung sowieso nicht zur Debatte steht, dann hält es mich offenbar nicht ab, wenn er so Dinge sagt wie, "Dann spiele ich jetzt die Vorgesetzten-Karte, dann ist das ab jetzt auch deine Meinung." (Originalzitat.) Der relativ frei mit meiner Zeit und meinen Energieressourcen umgeht. Der es für eine voll normale Unterhaltung hält, wenn er mich bei jedem Satz, den er anfängt, unterbricht (ja, darauf hingewiesen hat er das auch eingesehen, aber...). - Und in alten Bym-Threads schreiben die Leute, wenn jemand einmal eine unfeministische Sache sagt, dann ist die Anziehung ganz von selbst weg. Ja. Funktioniert bei mir nicht. Aber dass ich so jemanden attraktiv finde, ist für sich genommen WTF.

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Nein, das glaub ich auch nicht. Man kann nur versuchen, etwas bedachter zu handeln und sich - Gefühle hin oder her - nicht Hals über Kopf in Sachen zu stürzen, die einem nicht gut tun. Aber das ist ein langer Prozess.
    Ja. Mein Fail war, dass ich mich nicht in eine Beziehungsgeschichte gestürzt habe, sondern erst mal "nur" in einen Job. Dafür z.B. an einen Ort zu ziehen, wo man niemanden kennt, ist weniger ungewöhnlich. Ich hab' die Red Flags nicht kommen sehen.

    Und als ich sie gesehen habe, war ich schon so gefangen in einer Mischung aus formeller, gefühlter und emotionaler Abhängigkeit, da habe ich gedacht, ich kann nicht weg. - Und mal ehrlich, ich bin jetzt in einer relativ prekären Situation, gesundheitlich, sozial, im beruflichen Lebenslauf. Darum nerve ich ja Bym voll, weil mir die RL-Kontakte fehlen, und weil die Versuche, aus dem Nichts ein Real Life zu craften, wieder in sich zusammen fallen. Ja, das, was bis letzten Sommer war, wäre Grund genug gewesen, für mich selbst den Job Job sein zu lassen. (Bitte nicht zitieren: Ich war Azubi. Ich bin jetzt wieder arbeitslos ohne berufsqualifizierenden Abschluss. Und ja, im Nachhinein ist es höchst verwunderlich bis dezent creepy, wie sexualisiert der - unbewusst? - mit einer Mitarbeiterin umgeht, die ebenso gut 16 sein könnte. Seltsame Abhängigkeitsverhältnisse sind seltsam.)

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass in den Griff kriegen auch nicht die Lösung ist. Also nicht wenn das meint, dass man einseitig versucht, die Beziehung zu verbessern und/oder die andere Person von irgendwas zu überzeugen. Wie war das noch: diejenigen, die sich am meisten dagegen wehren, wenn Du Grenzen setzt, sind diejenigen, die am meisten davon profitieren, dass Du keine hast. Die werden also jeden Versuch, das Drama zu beenden, sabotieren, bewusst oder unbewusst. Je mehr man versucht, da irgendwas zu ändern, desto schlimmer wird das Drama. Zumindest meiner Erfahrung nach. Das schaukelt sich immer weiter hoch.
    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Entweder komplett durch Kontaktabbruch oder wenn das nicht möglich ist dadurch, dass man nicht auf Trigger anspringt. Das ist wahnsinnig schwierig und ich schaff das auch nicht immer, aber es ist mMn der einzige Weg. Denn das ist ja genau der Mechanismus, mit dem toxische Beziehungen funktionieren: man triggert die andere Person zu heftigen emotionalen Reaktionen. Wenn man die Reaktionen nicht mehr liefert, nimmt man die Spannung raus.
    So viel emotionale Reife habe ich nicht. Es wäre gut, die zu lernen, sicher. Aber nicht ad hoc und nicht, wenn ich dabei noch leistungsfähig sein muss für etwas, woran mir tatsächlich liegt.

    Oder anders gesagt: Doch doch doch! Der muss das doch nur verstehen, nur die eine Sache, dann...! - Nee. Es wird nicht funktionieren. Zu viel Narzissmus, zu viel Verstrickung, um das mit Logik allein zu lösen.

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Ja, das ist definitiv ein großes Problem. Deshalb find ich zB Twilight oä auch so schlimm. Nicht weil das Teenie-Romanzenquatsch ist (das mag ich selbst auch gerne), sondern weil toxische Beziehungen romantisiert werden. Das wird einem ja von klein auf so eingehämmert.
    Twilight ist mir egal, also für mich persönlich. Dass Romeo und Julia als Synonym für die wahre Liebe gelten, ist nicht Shakespeares Schuld. Die kollektive Vorstellung ist, was das jeweilige Fandom daraus macht. Pro-Tipp: Wenn man in einen Familienvater mit kleinen Kindern verliebt ist, dann sollte man sich zur Ablenkung nicht das "Game of Thrones"/"Das Lied von Eis und Feuer"-Fandom hernehmen. Auch wenn die Konstellation (Rhaegar und Lyanna) in der Folge nun nicht das ist, was man wollen will. Die YouTuber finden das alle sehr romantisch, tragisch, aber sehr romantisch.

    So, ich hoffe, das passt in ein Posting. Mehr zu Triggern folgt.
    wtf momente

    Bei mir gibt es heute...
    Politische Bildung


    Jungfrau, Dauersingle (25) männlich sucht
    Tragetuch / Tragehilfe


    Flughafen BER: Wird er mal...
    Schwanger 11/2015


  4. Member Avatar von archenstone
    Registriert seit
    18.03.2014
    Beiträge
    1.252

    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    Hey, ich musste das letzte Posting nur um 147 Zeichen kürzen! Kennt ihr diese Leute, die zu viel reden... Und jetzt stellt euch mal zwei von der Sorte vor. Wobei beide sehr schnell reden, in sehr langen Sätzen ohne erkennbare Atempausen. Erwähnte ich, dass die Konstellation stressig ist?

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Man sucht immer das bzw. fühlt sich hingezogen zu dem, was man kennt.
    Ja. Ein Gedanke:

    Ich erwähnte, dass es diesen Nice-Guy-Typen gab, der schrieb, alle Frauen stünden auf das und das und das und 1,90m groß, laber rhababer. Was in meinem Fall genau falsch ist, denn die eine optische Vorliebe, die ich habe, sind kleine Menschen. Bzw., Augenhöhe ähnlich meiner Augenhöhe. Ich behaupte immer, das hat was mit Blickkontakt zu tun.

    Über das Posting dachte ich mir, warum sind kleine Menschen oft so Giftzwerge? Dass Schönheit den Charakter verdirbt, ist so ein Klischee. Dass Menschen, die sich selbst für nicht so schön und nicht begehrt halten, häufig auf ganz ähnliche Weise verdorben agieren, kenne ich auch. Aber warum kleine Menschen? Dieser Nice-Guy-Typ. Und der, mit dem ich letztes Jahr zusammen gearbeitet habe. Da gab es die Situation, dass er sich über irgendwas aufgeregt hat (ursprünglich vielleicht zu Recht), sich voll reingesteigert hat, übertrieben wie üblich, damit gedroht, dass irgendwer irgendwen aus dem Fenster wirft, und den Satz (ernsthaft!) beendet hat mit: "...und ich bin größer als du!"

    Und ich, völlig unbeeindruckt und nur an dem rein naturwissenschaftlichen Faktum interessiert: "Sicher?"

    Ja, schon, ist er. Aber jemand, der mehr als 3cm größer wäre, würde das doch nicht sagen. Was soll das denn für ein Argument sein, welcher erwachsene Mensch... oh, zum Beispiel die Erwachsenen, die ich um mich hatte, als ich Kind war?

    Der Original-Giftzwerg in meinem Leben ist meine Mutter. Gemessen an der Welt der Erwachsenen ist sie klein, aber als ich klein war, war sie logischerweise größer als ich. Wir haben uns auf eine Art und Weise bekämpft, wo man sich fragen kann, ist das noch psychische Gewalt oder ist das schon Körperverletzung. Kind auf die Toilette verfolgen, Tür aufreißen, den Türrahmen ausfüllen und das nun im 2 Quadratmeter großen Raum eingesperrte Kind zusammenschreien, begonnen mit den Worten: "So, jetzt mache ich auch mal Regelverletzung...!" Oder auch: "Ich könnte dir - so! - eine hauen!", mit der Geste, angewinkelten Arm nach hinten-unten rucken und mit dem Ellbogen kurz vorm Gesicht des Kindes stoppen. Funktioniert natürlich nur, wenn die angegriffene Person kleiner ist. Ich hab' auch von anderen Menschen Gewalt erlebt im Leben, auch grenzwertig-übergriffiges sexuelles Verhalten von cis Männern, aber ich habe nie jemanden erlebt, der körperliche Überlegenheit nonverbal so ausgenutzt hat. Das kenne ich nur von dieser einen Person, die sonst kleiner war als alle anderen.

    Jetzt frage ich mich: Kommt meine Vorliebe für Menschen auf ähnlicher Augenhöhe wirklich daher, dass ich auf Blickkontakt stehe und der sich dann halt mehr ergibt? Und wenn in Wirklichkeit das der Grund ist: Fange ich mir auf die Art genau die gleiche Art Giftzwerge wieder ein? Meh.

    Disclaimer: Ich denke nicht, dass alle kleinen Menschen so sind. Ich denke auch nicht, dass alle gutaussehenden Menschen einen verdorbenen Charakter haben, oder alle nicht Gutaussehenden zum Herzensbrecher mutieren, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt. Als Phänomen gibt es das.

    Disclaimer II: Auch meine Mutter hat Gründe, warum sie so ist, wie sie ist. Das Argument "Meine Mutter hat sich in meinem ganzen Leben nie entschuldigt" habe ich inzwischen nicht mehr - hat sie, später. Meine Prägung ist dadurch blöderweise nicht weg.

    Womit wir wieder an dem Punkt sind: Warum immer wieder die Muster, die man kennt?

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Das ist aber natürlich ein sehr schwieriger Schritt und es ist immer einfacher, in vertrauten Mustern zu bleiben, weil man die eben gut kennt und sich darin sicher fühlt. Diese (gefühlte) Sicherheit aufzugeben ist schon eine sehr große Herausforderung, weil sich das erstmal ganz falsch und vielleicht auch gefährlich anfühlt.
    Einmal das. Außerdem: Wenn so ein vertrautes Muster aufkreuzt, dann merke ich erst dadurch, dass da noch ein ungelöstes Thema ist. Also zum Beispiel, ich habe Streit mit einem Vorgesetzten und der andere Ansprechpartner, den ich habe, interessiert sich dafür und hört sich meine Darstellung an und gibt mir nicht einfach an allem die Schuld. WTF, krass, warum sind die hier so nett zu mir? - Was Konfliktverhalten angeht, haben meine Eltern den Standard sehr niedrig gesetzt.

    Anderes Beispiel. Sollte es möglich sein, dass ein allo-cis-hetero Mann außerhalb der Feminismus-Bodypositivity-Selbstakzeptanz-Blase mit mir flirtet? Jemand, den ich für gutaussehend halte, mit mir, die immer noch in erster Linie aussieht wie jemand, dem das eigene Aussehen wurscht ist? Und dann noch jemand, der ziemlich überdurchschnittlich sozial vernetzt und beliebt ist? Also, quasi, einer von den "coolen Jungs"? Nicht mal, dass er es tut, sondern nur, dass er es für möglich erachtet. Gleich mal eine Postkarte schreiben an die Mädels, die mich gemobbt haben, als ich zwölf war. Die haben nämlich sogar nach ihrem eigenen Bewertungsmaßstab unrecht. Ätsch.

    Das ist auch so eine elendige Psychofessel, dass mein Kopf die Leute immer noch mit Argumenten widerlegen will, die diese auch einsehen. Ich wette, für den Typen jetzt fällt mir in x Jahren DAS Gegenargument ein.

    Ich hab' mich letztes Jahr echt schlecht damit gefühlt, in den Mann einer anderen Frau verliebt zu sein. Das war das finale Argument zum Aus-dem-Kopf-Schlagen, nicht, dass er sich mir gegenüber doof verhält, damit kann ich leben. Und ich würde mich nicht schlecht fühlen, wenn ich nicht insgeheim eine niedere Motivation hätte. Denn auch das - dass ich von Anfang an wusste, der ist vergeben, und dass ich mich über die Zeit doch verliebt habe - ist ja nicht einfach so "passiert". Ich hab' mich gefühlt wie in einem von diesen kack Psychoexperimenten, in denen man die Versuchsperson in eine WTF-Situation versetzt und guckt, wann sie aussteigt. Eins der gruseligen ist Milgram: Ich tue etwas objektiv und offensichtlich Böses (Folter), aber der Versuchsleiter - die Verkörperung von Autorität und Kompetenz, der, der mehr Macht und mehr Überblick über die Situation hat, weil er sie geschaffen hat - versichert mir, es sei alles in Ordnung. Man könnte auch sagen, ich habe mich verarscht gefühlt. Ich hatte nicht das Recht, mich betrogen zu fühlen, aber wenn man die ganzen Übertragungen und Was-wäre-wenn-Gedanken rausnimmt, dann habe ich mich gefühlt, als wäre ich betrogen worden. Ausgenutzt. Und dann hatte ich ein schlechtes Gewissen wegen seiner Freundin (die ich ja nicht kenne, ich weiß nicht, ob sie das stört), und parallel und gegenläufig dazu, weil ich auf jemanden stehe, der aus feministischer Sicht eine Vollkatastrophe ist. Weil ich das alles von Anfang an wusste und es mir nicht zusteht, mich für mich selbst schlecht zu fühlen.

    ("Es steht dir nicht zu" ist btw. eine Formulierung von ihm. Genauso wie: "Weniger Drama.")

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Ich find den Begriff Schuld da schwierig...es ist ja eher die Schuld der toxischen Muster, die Du im Laufe der Zeit gelernt hast. Aber ansonsten ist es vielleicht auch ne wichtige Erkenntnis, dass der Ansatz auch neue Chancen bietet. Solange Du der Meinung bist, dass Dir das "einfach so" passiert und Du das nicht ändern kannst, kommst Du da ja erst recht nicht raus. Aber wenn es an Dir liegt, das zu ändern, dann kannst Du handeln. Du musst nicht passiv sein, sondern kannst aktiv werden. Man kann das also durchaus positiv sehen.
    Das Problem bei der Sichtweise "Es liegt an mir, ich bin die Bekloppte" ist die nahe liegende Folgerung: "Wozu dann die Situation verlassen? Ich nehme das mit, ich werde wieder da landen. Er macht ja nichts falsch." - Kenne ich noch aus meiner Exbeziehung. (Spoiler: Er machte doch was falsch.)

    Tja, handeln. Ich bräuchte ein Leben. Nicht nur Kontaktabbruch und Zeit, sondern auch Zeit, in der was passiert. Ich habe über die letzten Jahre Menschen aus meinem Leben sortiert, ich bin wählerischer bei sozialen Kontakten als mit Anfang zwanzig. Bis vor ein paar Wochen war ich in einer Selbsthilfegruppe, dort hatte ich einen "richtigen Mädchenstreit" (so nannte ich es hier im Thread), der war der Auslöser, diesen Typen zu vermissen. Seitdem schreibe ich wieder hier. Hoffentlich ergibt sich jobtechnisch was. Aber auch wenn Arbeit besser ist als keine Arbeit, nur Arbeit ist auch kein Leben. Es gibt so wenig, was mich begeistert, was mich emotional mitreißt. Das hat mich so verletzlich gemacht für genau die Art von narzisstischer Verstrickung, die ich nicht habe kommen sehen. Selbst wenn der Kontakt wegbleibt, das Problem, das ich vorher hatte, ist noch da. - Und jetzt klinge ich wie eine Anti-Drogen-Broschüre aus den frühen 00ern.
    wtf momente

    Bei mir gibt es heute...
    Politische Bildung


    Jungfrau, Dauersingle (25) männlich sucht
    Tragetuch / Tragehilfe


    Flughafen BER: Wird er mal...
    Schwanger 11/2015


  5. Member Avatar von archenstone
    Registriert seit
    18.03.2014
    Beiträge
    1.252

    AW: "ABER es ist etwas GANZ besonders!" (...und darum ist Drama ok)

    First World Problem: Ich hab' meinem alten AG eine Mail geschrieben. Eine recht unemotionale @-Chef-cc-anderer-Chef-Mail, Aussage im wesentlichen, bis dannunddann brauche ich dasunddas von euch. Ja, ich war nämlich voll diszipliniert und erwachsen (*hust*) und habe nicht angerufen, um, was weiß ich, seine Stimme zu hören. Und jetzt schreiben die nicht zurück

    "Ich rufe ihn nicht an, ich rufe ihn an"-Postings in 3, 2, 1...
    wtf momente

    Bei mir gibt es heute...
    Politische Bildung


    Jungfrau, Dauersingle (25) männlich sucht
    Tragetuch / Tragehilfe


    Flughafen BER: Wird er mal...
    Schwanger 11/2015


Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •