Antworten
Seite 3 von 3 ErsteErste 123
Ergebnis 41 bis 49 von 49
  1. Alter Hase

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Ich finde es spannend, wie ihr hier die Begriffe beschreibt, deswegen mische ich mich auch mal ein.

    Zitat Zitat von juno_ Beitrag anzeigen
    Ich bin hier nicht oft deiner Meinung, aber da stimme ich zu, ja. Es hat oft was von "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" und teilweise auch ein bisschen Koketterie ("Ich habe soooo viele Freunde, dass ich mich gar nicht mehr regelmäßig bei allen melden KANN" - da würde ich eher meinen Begriff von Freundschaft überdenken und wie wichtig mir die Leute wirklich sind).
    Ja.
    Der Artikel trifft es gut. Introvertiert sein ist keine Entschuldigung für Arschlochverhalten.

    Aber. Für mich gibt es ein Aber, gerade in Hinblick auf Bekanntschaften (ich schreibe mal bewußt nicht Freundschaften) und melden und so, was ja die Ausgangsfrage des threads war. Ich habe wenige Freunde, aber viele Bekannte. Mit denen ich mich teilweise gut bis sehr gut verstehe. Und ich habe echt viel im Alltag, was meine Aufmerksamkeit frisst. Auf Nachrichten sofort zu antworten schaffe ich seltenst, und manchmal rutscht mir das dann ne Weile weg, bevor ich zum antworten komme. Ich versuche immer, verbindlich und verlässlich zu sein und Beziehungen aufrecht zu erhalten, mich auch von selber zu melden, merke aber, dass ich das tatsächlich nicht mit allen Bekannten schaffe, auch wenn´s noch so nett wäre. Wenn sich die andere Seite dann auch nur sporadisch meldet, schließe ich das für mich eher ab, als da ewig ein schlechtes Gewissen zu haben.

    Und zu diesem "Energie au Kontakten ziehen"... Ich bin definitiv introvertiert, egal nach welcher Definition (außer die Arschloch-Definition ). Mir geben Sozialkontakte viel, ich will und brauche die auch. Bei mir gehen aber am besten Treffen zu zweit oder in kleinen Runden, und selbst da bin ich hinterher (psychisch) erschöpft, brauche Zeit allein und muss das erstmal verarbeiten. Große Veranstaltungen meide ich tatsächlich, das ist mir zu viel Input, zu laut, zu viel, zu hell, was weiß ich, die geben mir dann auch wenig.
    Mein Mann dagegen hat fast kein Limit nach oben was Sozialkontakte angeht, er würde immer lieber unter Leute gehen, als allein zu sein, muß sich hinterher nicht wieder runterfahren. Also da ist schon ein deutlicher Unterschied, den ich schon mit introvertiert - extrovertiert bezeichnen würde.

  2. Member

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Danke für deinen Beitrag, poppyred! Du schreibst mir zu 100 Prozent aus der Seele.

    Ich hatte auch schon ein paar Mal zu einer Antwort angesetzt - und es dann wieder gelassen, zu viel Anstrengung.

    Ich bin vielleicht neben der Introvertiertheit und dem "Sozialkontakte rauben mir meist Energie" noch zusätzlich durch körperliche Umstände (Stress-Erkrankung + dadurch sauschlechtes Gedächtnis, leichte Depressionen uvm.) eingeschränkt, aber ich finde es auch wichtig, dass "die andere Seite" nachvollziehen kann, dass ein Nichtmelden nicht ausschließlich aus reiner Arschlochhaftigkeit erfolgt - ich möchte mich nicht absichtlich so verhalten und schäme mich auch häufig dafür, wieder (länger) keine oder kaum Rückmeldung gegeben zu haben. Und ja, mein Sozialleben leidet bereits darunter.

    Allerdings würde ich NIEMALS einen Hilferuf von Freunden ignorieren - in dem Fall gehe ich ohne Zögern (weit) über meine Grenzen und riskiere es, dass ich mich anschließend längere Zeit von diesem Energieaufwand erholen muss.
    I've been alone with you inside my mind
    And in my dreams I've kissed your lips a thousand times
    I sometimes see you pass outside my door
    Hello, is it me you're looking for?

  3. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Danke, poppy! "Kokettierend", jetzt geht's echt los. Wie wär's, wenn man sich mal der Möglichkeit öffnet, dass nicht alle Leute so funktionieren wie man selbst?

  4. V.I.P.

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.



    Und ja, wenn wirklich Not ist, bin ich natürlich auch da, aber das geht halt nicht ständig in dem Maß. Das wird einem dann aber manchmal sogar noch negativ ausgelegt, denn wenn es einmal geht, muss es doch immer gehen.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  5. Member

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Ja, das ist natürlich auch wieder wahr

    Ich bezog mich hauptsächlich auf diesen Teil aus dem geposteten Artikel, der mir irgendwie hängengeblieben war:

    If a friend texts me, (...) “emergency i need your help please call me asap,” I just won’t do it. When you think about it, it’s sort of selfish of them to demand that I talk to them on the phone even after I’ve told them multiple times that I’m an introvert.
    I've been alone with you inside my mind
    And in my dreams I've kissed your lips a thousand times
    I sometimes see you pass outside my door
    Hello, is it me you're looking for?

  6. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Nur zur Sicherheit: Ihr lest den Text auch ironisch, also aus der Sicht einer durchschnittlich-sozialen Person, die nur Introversion und social fatigue vorschiebt, wenn es ihr passt, oder?

  7. V.I.P.

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Ja, klar. Aber wenn jemand über sowas einen ironischen Text schreibt, hält er das vermutlich für ein weit verbreitetes Phänomen und zementiert damit solche Annahmen und Vorurteile nur noch weiter.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  8. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Ja. Ich wollte nur sicher gehen.
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


    wubbalubbadubdub.
    ʕ•͡ᴥ•ʔ

    “Gaslighting doesn’t exist. You made it up ‘cause you’re fucking crazy.”

  9. Junior Member

    User Info Menu

    AW: Freundin, die immer wieder untertaucht.

    Ich bin auch so, dass ich dieses typische Zwischendurchgeplänkel ("Wie gehts?" "Wie läuft dein Tag?" etc.) eher nicht mag und es mir nicht viel gibt, ich aber Verabredungen und Treffen sehr ernstnehme und dann auch verlässlich bin. Genauso, wenn ich merke, dass jetzt jemand wirklich Redebedarf wegen eines konkreten Themas/Problems hat.

    Ich persönlich halte es zwar schon so, dass ich dann auch durchaus mal auf das Zwischengeplänkel eingehe, wenn ich weiß, dass das jemandem sehr viel gibt, aber immer zeitnah darauf einzugehen ist für mich einfach nicht drin. Vor allem, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich, wenn ich einmal damit anfange, es irgendwie trotzdem nie genug ist. Wie poppyred so treffend schrieb, ist ein "Wie gehts dir?" ja auch normalerweise nicht als kurzer Statuscheck gedacht, sondern als längerer Gesprächseinstieg.

    Ich habe da früher auch mal mehr gedacht, dass man ja auch Freundschaften ja als eine Art Verpflichtung ansehen kann, so wie Debbiedowner das beschreibt. Das sehe ich zum Teil auch noch so und raffe mich schon dazu auf, Freundschaften bewusst zu pflegen, soweit mir das möglich ist (ich werfe es aber niemandem vor, der das in schlechter psychischer u./o. physischer Verfassung mal nicht schafft) statt es einfach irgendwie laufen zu lassen. Ich habe da aber mittlerweile deutliche Grenzen. Vor ein paar Jahren hatte ich aber echt noch so gar keine und hab eine Zeit lang echt auf so ziemlich alles zeitnah geantwortet, jeden Anruf entgegengenommen, so ziemlich jede Anfrage für Treffen angenommen, solange es sich noch irgendwie in den Tag quetschen ließ...kurz gesagt, es war ein Bisschen wie in dem Film/Buch "The yes man". Hat interessanterweise aber bei vielen von meinen eher sozialfreudigen Freunden nicht dazu geführt, dass sie einfach happy waren und es dann auch mal genug war, sondern, dass halt einfach noch mehr und noch mehr Kommunikationsaufforderungen auf mich hereinprasselten und ich mich irgendwann entscheiden musste, nun a) in meiner Freizeit wortwörtlich zu nicht viel anderem als der Pflege meiner Sozialkontakte zu komme oder b) halt manchmal einfach Leute warten lassen zu müssen.

    Für mich ist das so jetzt ein gesunder Mittelweg. Für den (zum Glück mittlerweile) Großteil meines Freundeskreis, der zwischen Treffen auch eher unkommunikativ ist, passt das so auch. Bei den sehr viel kommunikativeren passts halbwegs mit gegenseitigem Verständnis, würde ich sagen. Es gab aber auch eine Person, bei der es sich auseinanderentwickelt hat, weil das, was für mich schon sehr großes Verbiegen und Bemühen war für sie immer noch viel zu wenig war und die Mitte, in der wir uns hätten treffen können quasi für beide Seiten zu weit weg war.

    Ich persönlich bin auch der Meinung, dass es eben auch keine einheitliche Definition gibt, welche Verhaltensweisen in welcher Frequenz nun genau zu einer Freundschaft gehören. Man kann nur gegenseitig mit seinen Bedürfnissen transparent sein und einerseits schauen, wo es Überschneidungen gibt, andererseits, ob es Bereiche gibt, in denen man sich bewusst entgegenkommen kann und möchte und ob man im jeweiligen Fall mit den verbliebenen unbefriedigten Bedürfnissen leben kann.

    Meine eher schreibfreudigen Freunde leben halt damit, dass mir dieser Zwischendrinsmalltalk oft nicht sooo wichtig ist, auch wenn sie es vielleicht gern anders hätten. Ich im Gegenzug hätte oft gerne mal mehr gemeinsame Unternehmungen mit Freunden, lebe aber aktuell damit, dass der Großteil meines Freundeskreises eben lieber gemütliche Treffen daheim will und wenig Interesse daran, gemeinsame Unternehmungen anzugehen. Das finde ich zwar auch oft schade, passt aber alles in allem für mich noch so und ich würde da auch nicht wollen, dass sie jetzt nur mir zuliebe deutlich über ihr Wohlfühlmaß gehen und aus reinem Pflichtbewusstsein mindestens einmal im Monat mit mir Tanzen gehen o.ä. obwohl das für sie vielleicht einfach nur purer Stress ist und ihnen nichts gibt.


    Oh und was die Frage, was einem Energie gibt angeht, war für mich persönlich Essen immer noch die treffendste Analogie. Mir geben Treffen sehr viel und ich brauche sie auch dringend, aber ähnlich wie nach einer großen Mahlzeit will ich dann für eine ganze Weile erstmal nichts mehr essen und der Gedanke, dann noch weiteressen zu müssen führt dann eher zu Unwohlsein. Wie beim Essen will ich auch bei Sozialkram danach in Ruhe verdauen. Und ich denke, da gibts eben unterschiedliche Ausprägungen, wie schnell man satt ist, in welcher Frequenz man gerne essen/sich treffen möchte, ob man lieber viele kleine Mahlzeiten hat oder eine große etc.

    Um vielleicht mal noch irgendwie zum Eingangsposting zu kommen: ich kann da die Enttäuschung schon nachvollziehen. Wobei ich denke, dass da zu mehr Kontakt drängen nicht wirklich viel helfen wird (ist zumindest meiner Erfahrung, sowohl aus der Position derer die mehr Kontakt wollte heraus, als auch umgedreht). Siehst du es für dich als Option, einfach die Erwartungen runterzuschrauben und sie trotz ihrer "wir müssen das öfter machen"-Aussagen als eben eher nur als eher lockere Bekanntschaft anzusehen, wo vermutlich in absehbarer Zeit nicht mehr gehen wird? Also ist nicht als rhetorische Frage gemeint, sondern als Überlegung mit offenem Ergebnis. Bei mir gabs Fälle, bei denen das dann für mich dann besser ging und ich es geschafft habe, die Leute halt als unregelmäßig immer mal wieder in meinem Leben auftauchende Überraschungsgäste zu sehen und nicht als wirklich stabile Freundschaften. Das war für mich dann leichter. Ich finds aber auch legitim, zu dem Schluss zu kommen, dass die Schieflage zwischen "was die Person will" und "was ich will" dafür zu groß ist und es einem nicht gut geht damit und man sich lieber Leuten zuwendet, mit denen da mehr Übereinstimmungen vorhanden sind.
    “As far as I can make out, edgy occurs when middlebrow, middle-aged profiteers are looking to suck the energy — not to mention the spending money — out of the ‘youth culture.’ So they come up with this fake concept of seeming to be dangerous when every move they make is the result of market research and a corporate master plan.”
    — Daria

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •