Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 20 von 23
  1. Urgestein

    User Info Menu

    Nein sagen lernen

    Hat das hier irgendjemand mal bewusst eingeübt? Ich bin da anscheinend viel zu gutmütig. Ganz besonders häufig ist es beim Übersetzen so - meine Bekannten wissen, dass ich es kann und sie schicken mir dann Anfragen. Häufig geht es nur um zwei bis drei bestimmte Stellen, die sie nicht verstehen, und das mache ich dann mal schnell für sie (also es geht um hebräische Übersetzungen und nicht um englische, bei englischen sollten sie sich die Antworten doch irgendwie ergoogeln können oder doch etwas mehr Leute fragen können.) Einer Bekannten, die das gleiche Stipendium hat wie ich, habe ich im August mal mit ein paar Sätzen geholfen und ihre Bücher auch mal zur Bibliothek zurückgebracht (weil ich dort, im Gegensatz zu ihr, fast jeden Tag arbeite.) Aber es war trotzdem ein Gefallen. Ende August hat sie mir wieder diverse Sätze zum Übersetzen bzw. teilweise auch zum Korrigieren ihrer Übersetzung geschickt. Ich wollte es erst sogar machen, aber es ging dann echt nicht - ich hatte nach einer Fuß-OP Schmerzen, musste zwei Male in der Woche zum Arzt (am anderen Ende der Stadt und im Wartezimmer häufig noch ne Stunde Wartezeit) und ich musste selbst einige bürokratische dringende Dinge erledigen, zum Beispiel mit meiner Krankenversicherung kommunizieren etc. Ehrlich gesagt - meine Lust, mir ihre Übersetzung anzugucken, wird mit der Zeit eher weniger als mehr. Es gibt noch andere Leute als mich, die ihr helfen können. Ein anderer Bekannter meine ebenfalls, einen ganz dringenden Gefallen von mir zu brauchen, obwohl da die OP echt erst weniger als eine Woche her war und ich kaum Kraft hatte. Ich habe ihm gar nicht mehr geantwortet (er ist jetzt auch wirklich kein Freund, sondern eher eine Person, die in meinem ganz losen Bekanntenkreis rumschwirrt.)
    Am Freitag schrieb mir dann noch eine Ex-Chefin, ob ich bei einem ihrer Projekte mitmachen könnte (ich vermeide es eigentlich, mit meinen Chefs/ Professoren etc. auf Facebook befreundet zu sein, sie ist aber damals von der Arbeitsstelle weggegangen, dann habe ich ihre Facebook-Freundeseinladung angenommen und später hat sie dort wieder angefangen und dann wollte ich sie nicht "unftienden".) Also es kommt mir ein bisschen so vor, als hätte das Universum sich gegen mich verschworen mit super nervigen Hilfsarbeiten für andere Leute... ich weiß aber, dass es an mir liegt, da geistesgegenwärtig genug zu sein und nein zu sagen.
    Ich kenne Leute, die das ganz hervorragend können - die meisten sind Männer. Der Doktorvater einer Freundin hat ihr zum Beispiel erst vor ganz kurzer Zeit auf eine E-Mail vom März geantwortet. Ich könnte da noch so einige Beispiele zitieren...
    Und ich glaube nicht, dass die Leute mich aus Böswilligkeit um so etwas bitten, ich schätze eher, dass sie völlig unterschätzen, wie viel Zeit ihre Projekte einnehmen und wie viel ich sonst zu tun habe. Oder sie denken einfach gar nicht darüber nach, sondern haben Aufgaben, die sie erfüllt haben wollen und suchen einfach irgendjemanden, der sie dann ausführt.
    Ich möchte jetzt nicht in kompletten Egoismus verfallen und ich habe auch schon extrem wertvolle Hilfe und extrem wertvolles Feedback von anderen Leuten bekommen. Aber gerade leide ich darunter, zu viel Mist für andere Leute machen zu sollen...
    Gerade whatsapp und Facebook finde ich da auch manchmal als Kommunikationsmittel geradezu zu leicht zugänglich. Man ruft niemanden um 3 h morgens an es sei denn es ist wirklich ein medizinischer oder psychischer Notfall. Bei E-Mails schreibt man normalerweise eine vernünftige Anrede, eine Begründung für die Bitte um die Erledigung einer Aufgabe und eine Abschlussformel... aber whatsapp und Facebook... wenn man plötzlich um 2 h morgens eine Eingebung hat, was man noch für ein kreatives Projekt umsetzen möchte oder welche Dokumente man übersetzt haben möchte, dann kann man das mal eben super schnell losschicken. Da wünsche ich mir dann echt mehr Grenzen...
    Aber was sind eure Geschichten zu dem Thema "nein sagen" oder was meint ihr dazu?
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  2. Regular Client

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    ja, man kann es wirklich lernen. schritt für schritt.
    im gegensatz zu früher bin ich jetzt richtig gut darin.
    mir hilft dabei:

    -WIRKLICH auf's bauchgefühl hören: möchte ich da gerade helfen? dann: sehr gerne! fühlt es sich belastend an: dann freundlich aber deutlich nein sagen.
    -sich klar machen, was zeitlich auf der strecke bleiben würde, wenn man all die dinge tun würde, die man lieber lassen würde. (auch kleinigkeiten können sich echt summieren!).

    auch wenn ich nie ein wahnsinnig ausgeprägtes helfer-syndrom hatte:
    es vereinfacht das leben so enorm, wenn man ohne lange zu grübeln und ohne schlechtes gewissen das ablehnt, was man sich nicht aufhalsen will.

    mit etwas übung ist es auch gar nicht mehr schwer, und ein nein wird meistens problemlos akzeptiert.
    .
    es war nicht alles schlecht im kapitalismus

    .

  3. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Das mit dem Universum, das sich verschworen hat, hab ich auch lange gedacht, aber tatsächlich ist es so, dass sich die Leute schnell daran gewöhnen, das als absolut selbstverständlich sehen und dann sogar eher sauer sind, wenn man mal nein sagt.

    Was für mich in dem Prozess schwierig war: überzeugend Nein sagen. Ich bin dazu erzogen worden, meine Bedürfnisse so wenig klar und deutlich wie möglich auszudrücken, weil das egoistisch ist () und dementsprechend klang mein Nein für viele anscheinend so, als wolle ich eigentlich nur vom Ja überzeugt werden. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man selbst schuld ist, schuld sind immer diejenigen, die sowas ausnutzen, aber wenn man sich viel mit Leuten umgibt, die ein „schwaches“ Nein als Einladung zum Bequatschen sehen, helfen tatsächlich nur sehr deutliche und klare Grenzen.

    Ich muss leider sagen, dass das vor allem gegenüber meiner Familie ein langer harter Weg war. Inzwischen hat sich aber alles anders und gut eingependelt.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  4. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von Telekommanderin Beitrag anzeigen
    -WIRKLICH auf's bauchgefühl hören: möchte ich da gerade helfen?
    Ich gehe da ehrlich gesagt meist nicht nach Bauchgefühl, sondern danach, was für mich "profitabel" sein könnte in dem Sinne, dass ich bei der Person noch was gut habe / mir wichtig ist, einen guten Draht zu der Person zu haben etc.
    „Jeder Mensch muss sich verschleißen. Wenn man noch gut ist, wenn man stirbt, ist das Verschwendung. Man muss lebendig zu Asche verbrennen, nicht erst im Tod.“ J. Beuys

  5. Enthusiast

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Das klingt ungesund phaeno. Ich will fast sagen, manipulativ. Ich helfe der Person, weil sie könnte mir noch nutzen, in dem sie mir hilft. Viel zu berechnend. Profitabel...

    Zum eigentlichen Thema, ich hab da auch Probleme, ich helfe gerne aber irgendwann wird es zu viel und meistens sag ich das nicht rechtzeitig. Was ich feststelle ist, wenn man immer wieder ohne Überzeugung zögernd "jaah.. ,jaah.., jaah.." Und dann plötzlich "NEIN!!!" sagt, wenn es viel zu spät ist, wird das vom Gegenüber viel schlechter aufgenommen als ein von Anfang an freundliches "nein".
    Geändert von wunda (14.09.2020 um 18:45 Uhr)

  6. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Ich finde Phaenos Haltung eigentlich gar nicht ungesund. Ich finde, es macht total Sinn, sich auch zu fragen, ob man es womöglich irgendwann bereuen könnte, jemanden jetzt vor den Kopf zu stoßen.

    Mein Nein-Fehler ist immer, dass ich das Gefühl habe, gute, objektive Gründe haben zu müssen, und dass subjektives "ich kann/will nicht" nicht ausreicht. (Bei mir geht es weniger um Gefallen als um Verabredungen, mir fällt es sehr schwer, jemandem abzusagen.)

    Was ich gelernt habe: nicht groß begründen, damit macht man sich angreifbar bzw gibt dem anderen die Möglichkeit, dagegen zu argumentieren. Ein freundliches "Ich schaffe es leider nicht. Hoffentlich findest du jemand anderen!" (oder was immer im betreffenden Kontext passt) ist völlig ausreichend und oft zielführender.

  7. Addict

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    Der Doktorvater einer Freundin hat ihr zum Beispiel erst vor ganz kurzer Zeit auf eine E-Mail vom März geantwortet. Ich könnte da noch so einige Beispiele zitieren...
    Sowas ist doch einfach nur absolut respektlos Ich glaube aber nicht, dass du so werden möchtest

    Ich bin da bei Sora: nicht lange begründen sondern einfach freundlich aber klar nein sagen. Und das stur wiederholen, wenn sich die andere Person erdreistet, zu versuchen dich zu bequatschen.
    Und dir vielleicht auch klar machen, wer die wichtigste Person in deinem Leben ist und für wen du zuerst schauen solltest.
    A lot of bread was buttered on the side of no distinction

  8. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Ich kenne auch Frauen, die nach Monaten antworten, und das hat, glaube ich, mehr mit schlechter Strukturiertheit plus zu viel Arbeit zu tun, und weniger mit der Fähigkeit, sich abzugrenzen...

  9. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Danke euch für die vielen Antworten!

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Ich finde Phaenos Haltung eigentlich gar nicht ungesund. Ich finde, es macht total Sinn, sich auch zu fragen, ob man es womöglich irgendwann bereuen könnte, jemanden jetzt vor den Kopf zu stoßen.
    Spannend. Ich habe tatsächlich auch bei der Mitstipendiatin etwas kalkuliert die erste Übersetzung gemacht - erstens hat sie mal einen (meiner Ansicht nach) ziemlich schlechten Vortrag von mir gehört und ich wollte diesen Eindruck möglicherweise wieder glattbügeln, in dem ich ihr zeige, dass ich zumindest übersetzen kann, auch wenn der Vortrag nicht so gelungen war. Außerdem hat sie mir am Anfang auch mal einen alten Semesterbericht für das Studienwerk gegeben, weil ich einfach nicht wusste, wie man so etwas schreibt. Also es war wahrscheinlich gar nicht sooo unkalkuliert. Aber dann kam die Fuß-OP und deswegen bzw. teilweise auch zufällig in der gleichen Woche kam einiges an bürokratischem Kram. Dadurch haben sich meine Prioritäten plötzlich ziemlich stark verschoben...

    Und die Frage, ob es einem irgendwann zum Nachteil werden könnte, wenn man einer Person nicht hilft, ist bestimmt in manchen Fällen angemessen, besonders bei Kollegen etc. Aber es kann auch etwas absurd werden... viele Personen im eigenen näheren Umfeld können einem irgendwann mal etwas versagen, das man gerne hätte. Das ist dann eben auch eine Zukunft vs. Gegenwart-Frage, gebe ich die nächsten dreißig Minuten meiner Zeit her, um dem Kollegen beim Suchen von etwas zu helfen, um dann in Zukunft nett(er) von ihm behandelt zu werden etc...

    Zitat Zitat von sora
    Mein Nein-Fehler ist immer, dass ich das Gefühl habe, gute, objektive Gründe haben zu müssen, und dass subjektives "ich kann/will nicht" nicht ausreicht. (Bei mir geht es weniger um Gefallen als um Verabredungen, mir fällt es sehr schwer, jemandem abzusagen.)
    Ah, interessant. Bei Verabredungen fällt es mir irgendwie leichter, abzusagen, da schaue ich rationaler wie viel Zeit und Kraft (und natürlich auch Lust) ich habe. Und wenn davon nicht genug da ist, dann sage ich "Sorry, geht leider nicht, aber nächste Woche/ in zwei Wochen/ nächsten Monat gerne."

    Zitat Zitat von sora
    Was ich gelernt habe: nicht groß begründen, damit macht man sich angreifbar bzw gibt dem anderen die Möglichkeit, dagegen zu argumentieren. Ein freundliches "Ich schaffe es leider nicht. Hoffentlich findest du jemand anderen!" (oder was immer im betreffenden Kontext passt) ist völlig ausreichend und oft zielführender.
    "Ich schaffe es leider nicht" hat für mich immer diesen Beiklang von Aufgeben, deswegen benutze ich es wahrscheinlich so selten. Aber klar, es entspricht schon der Wahrheit - selbst wenn es nicht am fehlenden mentalen/ körperlichen "Können" fehlt, dann doch an irgendetwas anderem, sei es Zeit oder whatever.
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  10. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Was für mich in dem Prozess schwierig war: überzeugend Nein sagen. Ich bin dazu erzogen worden, meine Bedürfnisse so wenig klar und deutlich wie möglich auszudrücken, weil das egoistisch ist () und dementsprechend klang mein Nein für viele anscheinend so, als wolle ich eigentlich nur vom Ja überzeugt werden.
    Wir haben nicht zufällig die gleichen Eltern bzw. die gleiche Familie?
    Zitat Zitat von poppyred
    Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man selbst schuld ist, schuld sind immer diejenigen, die sowas ausnutzen, aber wenn man sich viel mit Leuten umgibt, die ein „schwaches“ Nein als Einladung zum Bequatschen sehen, helfen tatsächlich nur sehr deutliche und klare Grenzen.
    Ich stimme dir zu... aber ich würde nicht sagen, dass man sich selbst immer unbedingt mit diesen Leuten umgibt. Kollegen bei der Arbeit sind häufig schon vor einem da und wenn man nicht in einem großen Unternehmen arbeitet, in dem man sich aussuchen kann, mit wem man mehr rumhängt, dann ist man einfach mit den Leuten umgeben, die man vorgefunden hat.

    Ich habe früher mal, als ich noch im Museum gearbeitet habe, eine 90minütige französischsprachige Führung mit Migräne machen müssen. Ich habe einem meiner damaligen Chefs gegenüber zwar "nein" gesagt, für ihn war das aber anscheinend nicht stark genug...

    Zitat Zitat von poppyred
    Ich muss leider sagen, dass das vor allem gegenüber meiner Familie ein langer harter Weg war. Inzwischen hat sich aber alles anders und gut eingependelt.
    Darf ich fragen, worum deine Familie dich denn gebeten hat? Mehr Treffen als du wolltest, solltest du für sie Besorgungen erledigen, solltest du immer zuhören, wenn jemand sich ausheulen wollte?
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  11. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von Kainene Beitrag anzeigen
    Sowas ist doch einfach nur absolut respektlos Ich glaube aber nicht, dass du so werden möchtest
    Haha, nein, so extrem möchte ich nicht werden. Es ist bestimmt nicht ideal, wie er das gehandelt hat, aber es ging nicht nur um eine kurze E-Mail "Herr Professor, kann ich bitte Buch xy von Ihnen ausleihen?" oder so etwas in der Art, sondern ein Anhang ihrer E-Mail war ein neues Kapitel ihrer Diss. Das bedeutet, der Professor musste schätzungsweise 50-100 Seiten durchlesen und mit Anmerkungen versehen, um wirklich antworten zu können.

    Zitat Zitat von sora
    Ich bin da bei Sora: nicht lange begründen sondern einfach freundlich aber klar nein sagen. Und das stur wiederholen, wenn sich die andere Person erdreistet, zu versuchen dich zu bequatschen.
    Und dir vielleicht auch klar machen, wer die wichtigste Person in deinem Leben ist und für wen du zuerst schauen solltest.
    I'll try it... ja, das ist ein guter Hinweis.
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  12. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Ich kenne auch Frauen, die nach Monaten antworten, und das hat, glaube ich, mehr mit schlechter Strukturiertheit plus zu viel Arbeit zu tun, und weniger mit der Fähigkeit, sich abzugrenzen...
    Interessant, da haben wir ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht... bei mir war es irgendwie immer so, dass Frauen in einem maximalen Zeitrahmen von ca. 6 Wochen geantwortet haben. Wenn dann nichts passiert war, konnte ich davon ausgehen, dass sie vergessen hatten zu antworten oder sie die E-Mail als keiner Antwort bedürftig eingeordnet haben...

    Ich kenne das tatsächlich von zwei bis drei Professoren (ähm, alles Geisteswissenschaftler, was für Klischees), dass sie einem erst super spät antworten. Und dann bekommt man so eine Antwort "Wie Sie an der vergangenen Zeit bemerken können, habe ich gründlich über (wahlweise: Ihre E-Mail/ meine Antwort) nachgedacht, bevor ich Ihnen die Antwort schicke..." () Also sie haben es irgendwie noch geschafft, die lange Zeit positiv damit zu besetzen, dass sie angeblich besonders gründlich nachdenken...
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  13. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von wunda Beitrag anzeigen
    Das klingt ungesund phaeno. Ich will fast sagen, manipulativ. Ich helfe der Person, weil sie könnte mir noch nutzen, in dem sie mir hilft. Viel zu berechnend. Profitabel...
    Äh, also, ich meine im beruflichen Fall. Bei Freunden/ Bekannten bzw. im privaten habe ich natürlich nicht diese Einstellung.
    Aber im beruflichen bin ich natürlich manipulativ in diesem Sinne des Gefallen tuns/ bekommens. Sind andere doch auch...
    „Jeder Mensch muss sich verschleißen. Wenn man noch gut ist, wenn man stirbt, ist das Verschwendung. Man muss lebendig zu Asche verbrennen, nicht erst im Tod.“ J. Beuys

  14. Foreninventar

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Ich habe so ein paar Bekannte, die mich seit Jahren immer wieder mal um Freundschaftsdienste bitten (nur: dafür müssten wir halt auch befreundet sein...).

    Ich hab das treudoof immer wieder gemacht und mich geärgert. Aber bei der letzten Anfrage hab ich einem dieser Bekannten dann mal geantwortet, sehr gerne, sowas kostet regulär circa so-und-so-viel und seitdem hab ich nie wieder was gehört.
    :‘)
    Geändert von cyan (15.09.2020 um 15:07 Uhr)

  15. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    Wir haben nicht zufällig die gleichen Eltern bzw. die gleiche Familie?


    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    Ich stimme dir zu... aber ich würde nicht sagen, dass man sich selbst immer unbedingt mit diesen Leuten umgibt. Kollegen bei der Arbeit sind häufig schon vor einem da und wenn man nicht in einem großen Unternehmen arbeitet, in dem man sich aussuchen kann, mit wem man mehr rumhängt, dann ist man einfach mit den Leuten umgeben, die man vorgefunden hat.
    Ahja, sorry, das war blöd ausgedrückt! Kolleg*innen und Familie sucht man sich nicht aus und auch bei Freund*innen sind da ja oft unterschwellig Muster am Werk, die man gar nicht bewusst klar hat.

    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    Ich habe früher mal, als ich noch im Museum gearbeitet habe, eine 90minütige französischsprachige Führung mit Migräne machen müssen. Ich habe einem meiner damaligen Chefs gegenüber zwar "nein" gesagt, für ihn war das aber anscheinend nicht stark genug...
    Meine ehemalige Chefin war auch so, aber die ist auch selbst mit leichter Lungenentzündung zur Arbeit gegangen und dasselbe Engagement hat sie auch von ihren Mitarbeiterinnen erwartet.

    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    Darf ich fragen, worum deine Familie dich denn gebeten hat? Mehr Treffen als du wolltest, solltest du für sie Besorgungen erledigen, solltest du immer zuhören, wenn jemand sich ausheulen wollte?
    Alles so ein bisschen. Meine Mutter war lange sehr krank und in der Zeit war ich Therapeutin und persönliche Assistentin in einer Person und in der Funktion täglich im Einsatz. Bis zu einem gewissen Punkt hab ich das gerne gemacht, aber sie hat sehr viel mehr als selbstverständlich angesehen, weil sie das für ihre Eltern auch immer gemacht hat (ich komme aus einer Helfersyndrom-Familie). Da in der Zeit aber auch viele eigene Probleme bei mir wieder hochgekommen sind, ging das irgendwann gar nicht mehr und ich musste mich sehr stark abgrenzen.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  16. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von cyan Beitrag anzeigen
    Ich habe so ein paar Bekannte, die mich seit Jahren immer wieder mal um Freundschaftsdienste bitten (nur: dafür müssten wir halt auch befreundet sein...).

    Ich hab das treudoof immer wieder gemacht und mich geärgert. Aber bei der letzten Anfrage hab ich einem dieser Bekannten dann mal geantwortet, sehr gerne, sowas kostet regulär circa so-und-so-viel und seitdem hab ich nie wieder was gehört.
    :‘)
    Haha, da hast du sehr gut reagiert!
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  17. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Was mir auch noch einfällt zu dem Thema: Ich helfe - meistens sogar gerne - wenn es um einmalige Aktionen geht. Leuten beim Umzug helfen, mal das Kind meiner Schwester babysitten, weil sie krank ist, auch etwas für Leute übersetzen, wenn sie es dringend brauchen und nicht weiterkommen. Aber wenn Leute ein bestimmtes Problem immer wieder haben, dann erwarte ich irgendwann, dass sie alternative Lösungen finden (das bezieht sich jetzt weniger aufs Babysitten und mehr aufs Übersetzen ). Wenn ich dann immer wieder angeschrieben werde, bin ich irgendwann einfach nur genervt...

    Poppyred, danke auch für deine Antwort! Ich muss mich jetzt mal um RL-Kram kümmern, antworte dir aber noch.
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  18. Addict

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Was Sora sagt - bloß nicht rechtfertigen. „Nein, das wird leider nichts” ist eine komplette und ausreichende Antwort.

  19. Ureinwohnerin

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Ich glaube, der Denkfehler ist, dass man annimmt, dass das Gegenüber die Absage besser annehmen wird, wenn man sie ausführlich begründet, aber das Gegenteil ist der Fall: Gegen Begründungen kann man argumentieren, ggf. sogar je detailreicher, desto besser.

    Vergleicht nur mal "Ich kann morgen leider nicht" mit "Ich kann morgen leider nicht, weil ich an meiner Diss arbeiten muss" - letzteres fordert eine Antwort wie "auch nicht für ein Stündchen?" geradezu heraus, zu ersterem kann man eigentlich nur "Schade" antworten, da ist kein unfreiwilliges Hintertürchen mehr für das Gegenüber.

  20. Urgestein

    User Info Menu

    AW: Nein sagen lernen

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Meine ehemalige Chefin war auch so, aber die ist auch selbst mit leichter Lungenentzündung zur Arbeit gegangen und dasselbe Engagement hat sie auch von ihren Mitarbeiterinnen erwartet.
    Na ja, wenn ihr Körper das langfristig mitmacht... Aber man kann das einfach nicht von anderen erwarten!

    Zitat Zitat von poppyred
    Alles so ein bisschen. Meine Mutter war lange sehr krank und in der Zeit war ich Therapeutin und persönliche Assistentin in einer Person und in der Funktion täglich im Einsatz. Bis zu einem gewissen Punkt hab ich das gerne gemacht, aber sie hat sehr viel mehr als selbstverständlich angesehen, weil sie das für ihre Eltern auch immer gemacht hat (ich komme aus einer Helfersyndrom-Familie). Da in der Zeit aber auch viele eigene Probleme bei mir wieder hochgekommen sind, ging das irgendwann gar nicht mehr und ich musste mich sehr stark abgrenzen.
    Wahnsinn, was da für Dynamiken in Familien entstehen... es tut mir Leid, dass das so gelaufen ist! (Also dass du sowohl persönliche Assistentin als auch Therapeutin sein musstest, nicht, dass du dich dann irgendwann abgrenzen konntest/ das auch gemacht hast.) Es ist in Familien ja häufig auch ein ziemlich krasser Automatismus, also jemand ist/wird krank und stürzt sich dann erst mal auf Familienmitglieder als Helfer/ Unterstützung. Wenn man das bei anderen beobachtet, kann man oft sehr schnell sagen, dass das ja zu Überforderung führen muss...
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •