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  1. Addict Avatar von *lalune*
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    Promotion - was meint ihr?

    Ich bin seit 2010 mit meinem Studium fertig und arbeite seitdem. Davon ein Jahr an der Uni in einem Forschungsprojekt, jetzt allerdings in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen. Die Idee, zu promovieren, habe ich allerdings nie ganz aufgegeben. Jetzt, mit kleinem Kind und Job, ist das natürlich noch schwieriger als vorher. Trotzdem frage ich mich gerade, ob ich das nicht langfristig noch angehen möchte. Ich liebe wissenschaftliches Arbeiten, mich in ein Thema zu vertiefen, ganz viel zu lesen, zu schreiben. Es sind eher diese Fragen, die ich mir stelle:

    Ist es sinnvoll, mit Mitte 30 noch mit einer Promotion zu beginnen?
    Schaffe ich das neben Job und Familie?
    Wenn ja, wie lange brauche ich dafür?
    Wie würde es danach weitergehen, könnte ich das beruflich nutzen?
    Würde ich überhaupt einen Betreuer finden?

    Es wäre eine Promotion im sozialwissenschaftlichen Bereich, grobe Richtung soziale Ungleichheit/gesellschaftliche Teilhabe, also vermutlich viel lesen, ggf. Experteninterviews oder überhaupt Interviews, ich würde gerne qualitativ arbeiten.

    Ich weiß jetzt nicht so genau, was ich hören möchte. Eure Ideen, Erfahrungen, Meinungen dazu, glaube ich. Vielleicht hat jemand auch "spät" promoviert und kann was dazu sagen? Ich würde mich freuen!

  2. Inaktiver User

    AW: Promotion - was meint ihr?

    also ich sitze noch nicht an der diss, aber kann denke ich fachlich was dazu sagen und es gibt in dem bereich dissertationen, denen man anmerkt, dass die zu lange gedauert haben (das literaturverzeichnis ist dann veraltet und es gibt x journalartikel, die schon weiter sind...). wäre es für dich möglich, kumulativ zu promovieren? je nach uni geht das mittlerweile ja auch in den sozialwissenschaften, wobei sich dein thema jetzt eher so anhört, als ob es sich für eine monographie eignet. ich denke alles, was man in 3-4 jahren schafft geht klar, aber ansonsten ist der bereich einfach einer, in dem dissertationen echt nicht davon profitieren, wenn die sich über 6-7 jahre hinziehen. im theoriebereich wäre das z.b. anders. und ich denke um das zu schaffen braucht man halt mindestens 50% bzw. besser 65% im rahmen der regulären arbeitszeit für die diss. bei einer kumulativen diss sieht das alles schon wieder anders aus. dein alter finde ich jetzt nicht sonderlich relevant und welche türen sich damit beruflich öffnen kann dir hier vorher im endeffekt niemand sicher sagen.

  3. Addict Avatar von *lalune*
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    AW: Promotion - was meint ihr?

    Danke dir für deine Antwort. Das heißt, du wirst aber promovieren? Auch in dem Bereich?

    Kumulativ wäre vielleicht möglich, ich glaube, ich würde aber eher eine Monographie schreiben wollen.

  4. Alter Hase Avatar von jewa
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    AW: Promotion - was meint ihr?

    Mein Freund hat vor einem Jahr seine Diss beendet - und es war die Hölle. Insgesamt hat er sieben Jahre gebraucht, davon hat er vier Jahre Vollzeit gearbeitet plus kleines Kind. Die Wochenenden waren zum Schluss meist durchs Schreiben belegt.

    Ich kenne sehr viele Promovierende unterschiedlichster Fachrichtungen und bei den meisten hat es sich ewig hingezogen ( 5 Jahr plus) . Viele mit kleinem Kind haben irgendwann hingeschmissen. Wenn du mich fragst - ohne dich und deine Situation näher zu kennen - würde ich sagen: Lass es.

    So, das schon mal als Einstimmung.... das soll dich aber jetzt nicht zwingend abhalten.

    Wichtig ist, dass du weißt wofür du das machst. Warum genau willt du ausgerechnet jetzt - nachdem du sechs, sieben Jahre aus der Uni raus bist und ein kleines Kind hast - promovieren? Versprichst du dir einen angenehmeren, selbst bestimmteren Alltag? Oder ist es wirklich das wissenschaftliche Interesse, was in dir brennt?

    Warum sollte sich jemand für dein Thema interessieren? Gibts dazu nicht schon x Sachen? Warum sollte es wissenschaftlich relevant sein?

    Wie wolllst du das organisieren? Bist du bereit, beruflich und privat zurück zu stecken, dein Kind und deinen Partner weniger zu sehen oder alternativ oder zusätzlich auf Schlaf oder Freizeit zu verzichten? Geht das überhaupt?

    Was fängst du damit an, wenn du irgendwann 42 bist und deine Diss in der Hand hälst? Welchen Vorteil sollte dir das bringen? Oder wäre dir ein beruflicher Vorteil egal?

    Ist jetzt alles bisschen fies gefragt, aber wichtig ist - aus meiner Sicht - dass du zumindest am Anfang hoch motivert bist und alle diese Fragen zumindest in etwa für dich beantwortet hast.

  5. Inaktiver User

    AW: Promotion - was meint ihr?

    Zitat Zitat von *lalune* Beitrag anzeigen
    Danke dir für deine Antwort. Das heißt, du wirst aber promovieren? Auch in dem Bereich?

    Kumulativ wäre vielleicht möglich, ich glaube, ich würde aber eher eine Monographie schreiben wollen.
    könnte ich, aber es gibt auch noch einen anderen fachbereich, in dem ich das machen könnte bzw. am liebsten wäre mir eigentlich ein interdisziplinäres projekt und ich möchte nach möglichkeit einen phd machen und keinen doktor. ich bin aber noch nicht mit meinem postgrad master fertig und suche erst im nächsten jahr nach stellen, deshalb weiß ich zwar was ich theoretisch möchte, aber ob das auch so klappt weiß ich noch nicht.

    ansonsten musste ich auch an fälle wie jewas beispiel denken. bei einer reinen theoriediss ist es in den sozialwissenschaften halt kein problem, wenn man sieben jahre braucht, aber wenn man empirisch arbeiten und einen eher aktuellen beitrag veröffentlichen will halte ich das wirklich nicht für sinnvoll und meine profs haben uns ganz eindeutig davon abgeraten, dann mit solchen projekten zu versumpfen.

    die frage, ob du wirklich eine forschungslücke bearbeitest, sollte man sich ja eigentlich bei jeder fachrichtung stellen, auch wenn es natürlich genug dissertationen gibt, die keinen beitrag leisten.

    ich kenne einige leute, die im rahmen ihrer vollzeitstelle promovieren können und das dann an graduate schools machen, was aufgrund der rahmenbedingungen sehr gut funktioniert. aber nur so mit doktorvater/mutter neben dem job halte ich selbst ohne kind für recht unrealistisch, wenn man nicht völlig für das thema brennt und keine freizeit mehr haben möchte...

  6. Alter Hase Avatar von Ideen aus Beton
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    AW: Promotion - was meint ihr?

    hm. die frage ist, soll das eine karrierediss werden (also eher ein letztmaliger ausflug in die forschung) oder soll das dein einstieg in die forschung sein?

    irgendwie klingt das so, als würdest du das gerne für dich machen, ohne es beruflich zu brauchen, aber trotzdem einen aktuellen forschungsbeitrag leisten - und das ist meist sehr schwer. ich kenne sehr viele externe doktoranden (am ehemaligen lehrstuhl gab es zig politiker, die das nebenher für den titel gemacht haben), und wenn man das nicht beruflich braucht ist es schwer durchzuhalten. für solche fälle ist es dann auch egal, ob das ding zwischenzeitlich veraltet etc., darum geht es einem dann auch nicht.

    sicherlich kann man das auch machen, weil man für die forschung brennt, aber dafür sind die begleitumstände (keine einbindung am lehrstuhl, anderer job) sehr schwierig.

    wenn schon würde ich eine monographie schreiben, da je nach den forderungen für kumulative promotionen (müssen die paper veröffentlicht sein?) das für dich als externe nochmal weitere hürden setzt, da du auf journalrückmeldungen angewiesen bist und sich das meist ewig hinzieht.
    Crying was useless now.
    The only time crying ever did any good
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    whom you wished favors.
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  7. V.I.P. Avatar von freckled
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    AW: Promotion - was meint ihr?

    Ich seh das ähnlich wie Ideen aus Beton.

    Ich glaub, die Frage nach der Motivation ist einfach eine zentral während der gesamten Promotionszeit.
    Ich komme aus einem Fachgebiet, in dem man eigentlich immer an ein Institut angebunden ist und viel Kontakt zu anderen Doktoranden hat. Und selbst dann muss man sich immer, immer wieder selbst motivieren.
    Das stell ich (!) mir recht schwer vor, wenn man die Doktorarbeit praktisch neben Familie und Job machen möchte.
    Aber ist sicher Typsache.
    Aber ich glaub, du solltest dir überlegen, warum genau du gerne die Diss machen möchtest.
    Kannst du mit jemanden reden, der in deinem Fachbereich in einer ähnlichen Situation geschrieben hat?

    Äh, spricht was dagegen, einfach mal anzufangen, die einen Zeitraum zu geben, in dem du das probieren kannst und dann zu überlegen, ob du weiter machen möchtest?
    Wäre das machbar für dich oder emotional zu stressig (also wäre das sehr mit dem Gefühl von aufgeben verbunden)?

    Und wenn du dir andersherum vorstellst, es nie probiert zu haben? Würdest du damit klar kommen oder dich die nächsten Jahre ärgern?
    The past is bad, the future is worse, why not take the present ??
    +
    -

  8. Addict Avatar von *lalune*
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    AW: Promotion - was meint ihr?

    Danke für eure Antworten. Das musste jetzt erstmal sacken, aber es hat mir wirklich viel gebracht.

    jewa, danke für die fiesen Fragen Und ja, ich habe nicht auf alle eine Antwort. Einige kann ich für mich gut beantworten.

    (das Folgende bitte nicht zitieren, ich nehme es vielleicht wieder raus)
    Die Entscheidung gegen die Diss direkt nach dem Studium ist relativ knapp ausgefallen. Ich habe mich dafür entschieden, zunächst ein journalistisches Volontariat zu machen. Und da ich damals noch nicht wusste, ob ich langfristig in die journalistische oder wissenschaftliche Richtung gehen möchte, habe ich zuerst das Volo gemacht. Denn ein Volontariat bei einer Zeitung als promovierte Wissenschaftlerin im entsprechenden Alter hätte ich mutmaßlich nicht bekommen.

    Nun arbeite ich seit einigen Jahren im redaktionellen Bereich, möchte aber langfristig was anderes machen. Deshalb flackert wohl auch immer wieder die Idee einer Promotion auf, auch wenn die o. g. Gründe und auch einige Antworten auf jewas Fragen dagegen sprechen.

    Vermutlich sehne ich mich manchmal auch einfach nach meinem damaligen Leben zurück ... die Arbeitsatmosphäre an der Uni, die relativ freie Zeiteinteilung, das wissenschaftliche Arbeiten. Ich könnte mir auch gut vorstellen, an der Uni zu arbeiten. Aber ich weiß eben auch um die schwierigen Arbeitsbedingungen (Zeitverträge, wenige feste Stellen, etc. pp.) und dazu kommen meine Lebensumstände, in denen man jetzt auch nicht einfach mal alles komplett umschmeißen kann, weil man nicht nur für sich selbst verantwortlich ist.

  9. Addict Avatar von Valdis
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    AW: Promotion - was meint ihr?

    Zitat Zitat von *lalune* Beitrag anzeigen
    Danke für eure Antworten. Das musste jetzt erstmal sacken, aber es hat mir wirklich viel gebracht.

    jewa, danke für die fiesen Fragen Und ja, ich habe nicht auf alle eine Antwort. Einige kann ich für mich gut beantworten.

    (das Folgende bitte nicht zitieren, ich nehme es vielleicht wieder raus)
    Die Entscheidung gegen die Diss direkt nach dem Studium ist relativ knapp ausgefallen. Ich habe mich dafür entschieden, zunächst ein journalistisches Volontariat zu machen. Und da ich damals noch nicht wusste, ob ich langfristig in die journalistische oder wissenschaftliche Richtung gehen möchte, habe ich zuerst das Volo gemacht. Denn ein Volontariat bei einer Zeitung als promovierte Wissenschaftlerin im entsprechenden Alter hätte ich mutmaßlich nicht bekommen.

    Nun arbeite ich seit einigen Jahren im redaktionellen Bereich, möchte aber langfristig was anderes machen. Deshalb flackert wohl auch immer wieder die Idee einer Promotion auf, auch wenn die o. g. Gründe und auch einige Antworten auf jewas Fragen dagegen sprechen.

    Vermutlich sehne ich mich manchmal auch einfach nach meinem damaligen Leben zurück ... die Arbeitsatmosphäre an der Uni, die relativ freie Zeiteinteilung, das wissenschaftliche Arbeiten. Ich könnte mir auch gut vorstellen, an der Uni zu arbeiten. Aber ich weiß eben auch um die schwierigen Arbeitsbedingungen (Zeitverträge, wenige feste Stellen, etc. pp.) und dazu kommen meine Lebensumstände, in denen man jetzt auch nicht einfach mal alles komplett umschmeißen kann, weil man nicht nur für sich selbst verantwortlich ist.
    Hi, Darf ich fragen wie du dich entschieden hast?

    Mir geht es ähnlich. Immer wieder kommt so eine Lust in mir hoch zu promovieren, aber die Zeit fehlt mir einfach.

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