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Ergebnis 1 bis 8 von 8
  1. Stranger Avatar von Erdnuss16
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    Studienwahl -> verunsichert

    Hallo,

    kennt/kannte das hier noch jemand im Studium, dass er immer wieder verunsichert war, ob er die richtige Studienwahl getroffen hat?

    Zu mir: ich bin im zweiten Semester eines pädagogischen Studiums an einer FH. Vorher habe ich ein FSJ gemacht und habe dann noch etwa für sechs Monate in der gleichen Einrichtung als Hilfskraft gearbeitet, bevor ich mein Studium angefangen habe. Obwohl ich schon ausreichend Möglichkeiten hatte, mir den Beruf anzuschauen, weiß ich manchmal einfach nicht, ob ich mich richtig entschieden habe. Bei meinen Jobs war ich auch immer engagiert und hatte Spaß dabei. An sich ist das Studium auch interessant, aber irgendwie ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich irgendwelche sinnvollen Kompetenzen erwerbe. Wie gesagt, es ist interessant, aber ich habe immer das Gefühl, dass es mir nichts bringen wird, wenn ich irgendwann mal in dem Job arbeite (da geht es vielen Kommilitonen genauso). Und meine Begeisterung für den Bereich sinkt immer mehr.. so richtig kann ich mir nicht mehr vorstellen, diesen Job bis zur Rente zu machen. Ich habe das Gefühl, als FSJler und als Hilfskraft war ich gut, aber ich kann mich selbst nicht als Pädagoge mit mehr Verantwortung sehen. Zusätzlich beneide ich die Leute, die eine Ausbildung machen, die etwas in der Schule lernen und es direkt anwenden können, die arbeiten und immer das Gefühl haben können, etwas geleistet zu haben. Wenn ich einen Tag in der Uni war, fühle ich mich nicht so als hätte ich wirklich etwas Sinnvolles getan.

    Aber was nun? Weiterstudieren? Lieber eine Ausbildung machen? Vor meinem FSJ war ich sehr unsicher, was ich möchte und habe unterschiedliche Bereiche in Betracht gezogen, neben dem sozialen Bereich z.B. auch die Hotellerie oder die Verwaltung (so in Richtung Sozialamt o.ä.), aber während meines FSJs, was mir ja Spaß gemacht hat, dachte ich, der soziale Bereich ist meins, wovon ich jetzt nicht mehr so 100 Prozent überzeugt bin. Abbrechen finde ich aber auch nicht ganz problemlos, da ich ja nicht nach dem Abi ein Semester mit dem Studium verbracht habe, sondern mit FSJ usw. zwei bis zweieinhalb Jahre in den "falschen Bereich" investiert habe.

    Was meint ihr?

  2. Get a life! Avatar von Lucaa
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    AW: Studienwahl -> verunsichert

    ständig. vor allem in meinem gewi studium, denn da hab ich genau nichts für's arbeitsleben gelernt. außer soft skills.

    ich kenne mich im pädagogischen bereich nicht so aus, aber normalerweise würde ich sagen: du kennst die praxis, das studium ist davon oft sehr weit entfernt. daher würde ich mich davon nicht allzu sehr beeinflussen lassen. was mich ein wenig stutzig gemacht hat: dass du dich nicht als pädagoge mit mehr verantwortung siehst. kommt das daher, dass du dich nicht gut ausgebildet fühlst und respekt/angst vor der aufgabe hast? oder ist das wirklich ein "keine lust" gefühl? ersteres ist wohl eher normal.

    das würde ich als erstes mal hinterfragen. falls du dennoch was anderes machen willst, findet ich nicht, dass in ein fsj falsch investiert ist. erstens hast du dort sicher sehr viel mitnehme können. und zweitens muss man manchmal eben auch die erfahrung machen, dass man dinge eben nicht möchte. das wird dir auch im berufsleben immer wieder begegnen. mit jedem job hab ich auch immer deutlicher gemerkt, was ich nicht mehr haben will.
    Das Paradies gibt's nicht. Net mal in Unterfranken.

  3. Stranger Avatar von Erdnuss16
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    AW: Studienwahl -> verunsichert

    Erst einmal danke für deine Antwort

    Zitat Zitat von Lucaa Beitrag anzeigen
    was mich ein wenig stutzig gemacht hat: dass du dich nicht als pädagoge mit mehr verantwortung siehst. kommt das daher, dass du dich nicht gut ausgebildet fühlst und respekt/angst vor der aufgabe hast? oder ist das wirklich ein "keine lust" gefühl? ersteres ist wohl eher normal.
    Ich glaube, das ist so ein Gemisch aus beidem, bzw. das eine resultiert aus dem anderen. Ich hatte immer schon Respekt vor dieser verantwortungsvollen Aufgabe, allerdings dachte ich immer, dieser Respekt würde im Studium kleiner werden, weil ich die Kompetenzen erlerne, die ich brauche, um der Aufgabe gerecht zu werden. Jetzt stelle ich allerdings fest, dass ich ein bisschen hier, ein bisschen da lerne, aber nichts Konkretes, was mich irgendwie weiterbringt. Somit frage ich mich natürlich, ob ich dann nach dem Studium jemals meinen Job gut machen kann bzw. den Erwartungen gerecht werden kann. Ich denke, ausgehend von diesem Gefühl, den Job ohnehin nie gut machen zu können, schwinden auch Lust und Motivation. Vielleicht liegt es auch an mir und an persönlichen Voraussetzungen, die ich nicht erfülle; vielleicht muss man auch irgendwie so ein Naturtalent sein und ich bin keins.

    Blöd ist auch irgendwie, dass ich jetzt nicht so richtig einen Plan habe, wie ich das alles angehen soll oder was Plan B sein könnte. Ich möchte in meinem Job irgendwie etwas "Sinnvolles" machen, also etwas Gutes für Menschen, die Umwelt oder ähnliches tun (deshalb auch irgendwo die Entscheidung für das Studium). Ich könnte mir an sich vorstellen, für eine NGO zu arbeiten, aber das ist alles nur so eine Idee, von der ich nicht weiß, wie realistisch sie ist.

  4. Member
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    AW: Studienwahl -> verunsichert

    Zitat Zitat von Lucaa Beitrag anzeigen
    ich kenne mich im pädagogischen bereich nicht so aus, aber normalerweise würde ich sagen: du kennst die praxis, das studium ist davon oft sehr weit entfernt. daher würde ich mich davon nicht allzu sehr beeinflussen lassen.
    !!!
    Du könntest dir zb auch einen nebenjob suchen und etwas langsamer studieren, dann könntest du auch schon während des Studiums in noch mehr mögliche bereiche reinschnuppern. Und vielleicht würde das dir auch insofern helfen, dass du konkrete fragen aus dem Nebenjob ins studium einbringen kannst und das Studium so für dich praxisnäher wird.

    Und prinzipiell: du hast mit einem pädagogischen studium doch soooo viele Möglichkeiten und ich glaube es ist auch nicht so schwierig in 20 jahren nochmal eine etwas andere Richtung einzuschlagen. Oder auch etwas ganz anderes zu machen, also ich möchte dich natürlich nicht dazu ermuntern etwas weiter zu studieren wenn du feststellst, dass es dir wirklich doch nicht gefällt aber ich würde dir empfehlen diesen "das was ich jetzt wähle muss die richtung/der job sein der mich bis zur rente glücklich macht"-druck ein bisschen rauszunehmen. Es gibt schließlich auch genug Menschen die erst eine Ausbildung/Studium machen bei dem sie sich sehr sicher sind und dann merken sie trotzdem nach 10 oder 15 jahren Berufsleben dass es nicht mehr passt sondern zeit für was anderes ist.

    Und zum thema Verantwortung: natürlich solltest du dazu was im Studium lernen, also sowohl theoretisch als auch wenn möglich praktisch (im sinne von Fallbeispielen oä, also konkreten Situationen) aber ich glaube ganz viel lernt man auch einfach in der Praxis. Ich finde, dass manche Menschen einfach von sich aus schon ein besseres "verantwortungsbewusstsein" haben, also dass sie auch ohne viel pädagogisches Know-how gut wissen, wie sie in situationen reagieren sollten/können aber meistens wird man doch mit mehr Erfahrung viel sicherer und selbstbewusster.

  5. Get a life! Avatar von Lucaa
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    AW: Studienwahl -> verunsichert

    mal noch ein anderer gedanke: ich weiß, dass zumindest gymnasiallehramt in bawü so gut wie keine pädagogischen kenntnisse vermittelt. könnte das evtl. auch ein problem dafür sein, dass du dich in diesem bereich nicht genug abgeholt fühlst?
    Das Paradies gibt's nicht. Net mal in Unterfranken.

  6. Stranger Avatar von Erdnuss16
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    AW: Studienwahl -> verunsichert

    Zitat Zitat von Lucaa Beitrag anzeigen
    mal noch ein anderer gedanke: ich weiß, dass zumindest gymnasiallehramt in bawü so gut wie keine pädagogischen kenntnisse vermittelt. könnte das evtl. auch ein problem dafür sein, dass du dich in diesem bereich nicht genug abgeholt fühlst?
    Ja, das trifft es so ziemlich. Ich habe das Gefühl, ich lerne irgendwas, aber nichts, was mir hinterher viel in meinem Arbeitsalltag bringt. Und da habe ich dann die Angst, für Jobs nach dem Studium nicht genug zu können.

    Zitat Zitat von Atair Beitrag anzeigen
    Und prinzipiell: du hast mit einem pädagogischen studium doch soooo viele Möglichkeiten und ich glaube es ist auch nicht so schwierig in 20 jahren nochmal eine etwas andere Richtung einzuschlagen. Oder auch etwas ganz anderes zu machen, also ich möchte dich natürlich nicht dazu ermuntern etwas weiter zu studieren wenn du feststellst, dass es dir wirklich doch nicht gefällt aber ich würde dir empfehlen diesen "das was ich jetzt wähle muss die richtung/der job sein der mich bis zur rente glücklich macht"-druck ein bisschen rauszunehmen. Es gibt schließlich auch genug Menschen die erst eine Ausbildung/Studium machen bei dem sie sich sehr sicher sind und dann merken sie trotzdem nach 10 oder 15 jahren Berufsleben dass es nicht mehr passt sondern zeit für was anderes ist.

    Und zum thema Verantwortung: natürlich solltest du dazu was im Studium lernen, also sowohl theoretisch als auch wenn möglich praktisch (im sinne von Fallbeispielen oä, also konkreten Situationen) aber ich glaube ganz viel lernt man auch einfach in der Praxis. Ich finde, dass manche Menschen einfach von sich aus schon ein besseres "verantwortungsbewusstsein" haben, also dass sie auch ohne viel pädagogisches Know-how gut wissen, wie sie in situationen reagieren sollten/können aber meistens wird man doch mit mehr Erfahrung viel sicherer und selbstbewusster.
    Du hast Recht. Ich denke immer, das, was ich jetzt mache, muss genau das Wahre sein. Dabei gibt es so viele Leute, die etwas studiert haben und nicht (mehr) in dem Bereich arbeiten. Ich glaube, ich habe da auch oft diesen "straighten" Lebenslauf im Kopf, der erwartet wird (von wegen Schulabschluss - Ausbildung - Arbeiten - feste Beziehung - Kinder). Das ist natürlich Quatsch, das läuft ja nicht alles nach einem Plan.

    Meine Angst ist halt, dass ich irgendwann den Anforderungen im Arbeitsalltag nicht gerecht werden kann, weil ich dazu nicht genug im Studium gelernt habe. Wobei ich Letztens mit meiner stellvertretenden Chefin (Nebenjob) gesprochen habe, die etwas ähnliches wie ich studiert hat, und sie meinte, ihr ging es genauso. Sie hatte nach ihrem Studium das Gefühl, nichts für ihre Stelle Relevantes gelernt zu haben und musste sich erst in ihre Arbeit hineinfinden. Vielleicht ist das einfach normal und liegt nicht explizit an meiner Hochschule/meinem Studiengang.

  7. Regular Client Avatar von SarahYasemin
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    AW: Studienwahl -> verunsichert

    Wie solltest du in einem zb BWL Studium auf den Arbeitsalltagkt zb Kunden vorbereitet werden?

    Klar lernst du die Theorie, und die Umsetzung in der Praxis ist eine Herausforderung.

    Viele Praktika und Werkstudententätigkeiten können helfen.

    Das ist ein bisschen so, als würdest du NUR Theorieunterricht haben und ohne eine einzige Fahrstunde, erwarten Auto fahren zu können.
    geht doch adorno lesen, ihr lauchs!

  8. Get a life! Avatar von Lucaa
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    Zitat Zitat von SarahYasemin Beitrag anzeigen
    Wie solltest du in einem zb BWL Studium auf den Arbeitsalltagkt zb Kunden vorbereitet werden?

    Klar lernst du die Theorie, und die Umsetzung in der Praxis ist eine Herausforderung.

    Viele Praktika und Werkstudententätigkeiten können helfen.

    Das ist ein bisschen so, als würdest du NUR Theorieunterricht haben und ohne eine einzige Fahrstunde, erwarten Auto fahren zu können.
    ja, genau so.

    kannst du denn irgendwie nebenbei noch was machen, das dich in der praxis stärkt? ich hab z.b. mal in einer nachhilfeschule gearbeitet, als ich keinen job hatte. lehrerin zu werden, war für mich immer ausgeschlossen. und ist es heute noch. weil ich mich für viel zu ungeduldig halte und einfach komplett aggro werde bei schwierigen kindern. und dort sind ja ausschließlich solche, die schwierigkeiten in der schule haben, aus den unterschiedlichsten gründen. und ich hab - keine ahnung wie - zumindest bei einem mädchen komplett nen schalter umgelegt in mathe - meinem hassfach. plötzlich hat's bei ihr klick gemacht und sie brauchte nach kürzester zeit keine nachhilfe mehr in diesem fach.

    vielleicht würde dir ein ähnliches erfolgserlebnis helfen, dich sicherer zu fühlen? oder eben zu merken, dass es nichts für dich ist?
    Das Paradies gibt's nicht. Net mal in Unterfranken.

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