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  1. Ureinwohnerin Avatar von FrolleinHelmut
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    Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Gibt es hier Leute, die in der Jugend gemobbt wurden oder Probleme hatten, sich in bestehende Gruppen in der Schule etc. zu integrieren? Wie geht es euch heute? Bestehen die Probleme fort? Haben die Erfahrungen euer Verhalten nachhaltig geprägt?

    Ich wurde mit 14 durch eine mir bis heute unbegreifliche Gruppendynamik zum Mobbingopfer in der Schule. Das hat stufenübergreifende Züge angenommen, irgendwann hat die ganze Schule sich einen Sport daraus gemacht, sich Gemeinheiten für mich auszudenken und die Lehrer haben weggeschaut.

    Ich habe nach ca. einem Jahr die Schule gewechselt und obwohl in der neuen Schule alle nett zu mir waren und ich schnell Anschluss hatte (worüber ihc natürlich total froh war), gab es dort auch ein paar Leute, die mich nicht mochten und eine ziemlich dominante Person hat da ganz schön gegen mich gearbeitet. Insgesamt hatte ich trotzdem einen stabilen Freundeskreis in der neuen Schule und mit Menschen, die einen nicht mögen, muss man auch zurecht kommen. Mich hat das damals aber so kurz nach der krassen Erfahrung auch etwas fertig gemacht und mich unsicher werden lassen.

    Jetzt bin ich seit 9 Jahren aus der Schule raus und bin heute keine unbeliebte Person mehr, würde ich sagen. Ich möchte nicht arrogant klingen, aber ich habe viele Freunde und lerne häufig Leute kennen, mit denen ich mich gut verstehe. Ich bin nicht verhuscht, sondern trete selbstbewusst auf.
    Aber wenn ich merke, dass mit irgendjemandem das Eis nicht brechen will, plagen mich doch wieder Selbstzweifel und ich bekomme ein sehr unsicheres Gefühl im Umgang mit der Person.

    Auch habe ich öfter Angst davor, dass die Stimmung gegen mich umschlägt (nicht aufgrund einer speziellen Situation, in der ich mir einen Fehltritt geleistet habe, sondern weil es schonmal passiert ist) oder dass Leute, die nett zu mir sind, mich vielleicht gar nicht mögen und ich nicht merke, dass sie nur höflich sind. Dadurch halte ich Freunde manchmal zu sehr auf Abstand. Ich will den Leuten nicht auf den Keks gehen und melde mich deshalb vielleicht zu zaghaft.

    Naja, jedenfalls wirkt es nach, obwohl sich das Mobbing-Oper-sein nicht durch meine Biografie zieht.
    "Die Pute ist vom Rücken und das Hähnchen ist vom Bauch."

  2. Senior Member
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Christina Aguilera - Fighter (HQ) - YouTube

    ging bei mir mehrere jahre, ging auch von meinem lehrer aus und später vor dem schulabschluss an einer anderen schule bin ich noch mal in so eine situation gekommen.

    ich hab es auch manchmal, dass ich deswegen unsicher bin und ich angst habe, dass die stimmung umschlägt. aber mich muss auch nicht jeder mögen. ich bin halt auch ein nerd und so lustig wie man sich das durch TBBT vorstellt , ist das nicht.

  3. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Zitat Zitat von FrolleinHelmut Beitrag anzeigen
    Dadurch halte ich Freunde manchmal zu sehr auf Abstand. Ich will den Leuten nicht auf den Keks gehen und melde mich deshalb vielleicht zu zaghaft.
    Das geht mir genauso. In Kombination mit der Tatsache, dass ich eher introvertiert bin und deshalb eh schon seltener als meine Freunde das Bedürfnis habe, mich zu melden, ist das manchmal schon echt schwierig.
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  4. Member
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    ich wurde nicht richtig gemobbt und war eigentlich recht beliebt. es gab aber leute, die mich nicht mochten. meist, weil es zu missverständnissen gekommen war. ich drücke mich manchmal etwas umständlich aus und und die leute interpretieren, was ich sage, mache oft anders als ich es wirklich meine. auch ist meine gesamte wirkung auf leute manchmal komisch. ich werde oft völlig anders wahrgenommen als ich bin.

    jedenfalls (um auf den punkt zu kommen): es gab leute, die mich nicht mochten. vor allem ein mädchen, das eine klasse über mir war, hat mich eine lange zeit immer auf dem pausenhof mit ihren freundinnen beschimpft und ''hässliche nutte'' und so etwas genannt. richtig asozial. das war so ein blondes, reiches töchterchen. ich ärgere mich heute immer noch wie jemand dazu kommt so etwas zu anderen leuten zu sagen.
    auch gab es andere leute, die gesagt haben, dass ich arrogant sei und so weiter. das waren aber nie leute aus meiner klasse. die mochten mich immer. es waren immer leute, die mich kaum kannten.

    heute bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ich auf andere leute wirke. ich habe auch immer das gefühl, dass mich leute nicht mögen und bin erstaunt, wenn ich merke, dass sie es tun.

    ohne, dass ich direkt ein mobbing-opfer war, kann ich diese unsicherheit aber gut nachempfinden

  5. V.I.P. Avatar von Butterbrötchen*
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Also mein Selbstbewusstsein ist immer noch häufig nicht so pralle. Und ich hab oft Angst, das mich Freunde nicht mehr mögen, bin sehr empfindlich, wenn ich (zufällig) irgendwo nicht eingeladen werde und so und fühl mich sehr schnell ausgegrenzt.
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  6. Ureinwohnerin Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich oft mit Boshaftigkeit mir gegenüber zu kämpfen gehabt. Vielleicht lag es daran, dass ich nie eine graue Maus war.

    Ich war mit 16 mal mit RUF in Spanien und hatte da auch viele Leute, mit denen ich mich gut verstanden habe. War ein toller Urlaub. Aber da war eine Gruppe Mädels (die allerdings sehr isoliert waren), die mich ständig beschimpft haben. Die haben sich damit auch viele Feinde gemacht, aber irgendwas scheint ja damals an mir gewesen zu sein, dass ich solche Dinge angezogen habe.

    Als ich mit der Ausbildung angefangen habe, habe ich mich auch mit den Mitazubis nur so mittelmäßig verstanden und eine von den Azubinen hat mich auch so zickenmäßig ausgeschlossen. Da war ich erstmal wieder richtig fertig, als sie mir schrieb, dass ich nicht mit der Azubi-Gruppe in die Pause gehen darf. Ich wusste damals nicht, ob die Kollegen aus der Abteilung mich mitnehmen wollen (ha, da ist es wieder, die Unsicherheit, ob mich jemand wirklich mag) und habe aber meinen Mut zusammen genommen und meine Kollegin gefragt, ob ich zum Essen mitkommen kann, weil meine Mitazubis mich nicht dabei haben wollten. Die war total schockiert von soviel Dummheit und hat mich unter ihre Fittiche genommen. Mit meinen Mitazubis ist das auch keine dicke Freundschaft mehr geworden, aber in der Firma war ich später sehr beliebt.

    Seitdem hatte ich nie wieder wirkliche Probleme mit irgendwelchen Personengruppen.
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  7. Member
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    das ist ja komisch, frolleinhelmut, dass du dich auch mit vielen zickigen mädchen herumschlagen musstest. die waren früher auch geradezu fasziniert von mir

  8. Addict Avatar von fliegen_lernen
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Direkt gemobbt wurde ich zwar nicht, aber ich habe in der Unterstufe/Mittelstufe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich Freundinnen anderen Mädels zu- und sich von mir abgewandt haben. Die haben jemanden "interessanteren" oder beliebteren oder was weiß ich gefunden und ich stand alleine da. Ich hab viel verdrängt, aber ich war immer phasenweise monatelang in der Pause allein auf dem Schulhof und es war mir soo unangenehm.
    Teilweise wurde ich richtig sitzengelassen, die "Freundin" entdeckte ne andere und lief dann einfach weg und ich saß da
    Oder jemand setzte sich in der Klasse dauerhaft von mir weg und zu einer neuen Freundin (auch noch mit der Frage " du, ist das ok, wenn ich mich zur X setze?" - ich wollte nur noch heulen). Der Platz neben mir war also leer.
    Alles recht komisch, aber immer wieder kam sowas und ich hab auch viel verdrängt.

    Außerdem hatte ich so von 13 bis 15/16 ein ziemliches Hautproblem (Pickel) UND hab mich auch noch für damalige Verhältnisse komisch angezogen (so Hippie/Grungemäßig, ungekämmte Haare, weil ich Dreads wollte ) und ich wurde ein paarmal so übel deswegen beleidigt, dass mir das bis heute nachgeht (einmal im Bus, 3 unbekannte Jungs sagten 20 min. lang Sachen wie "boar, is die hässlich" etc).
    Das hat mich seeehr verunsichert und ich dachte ich bin so hässlich, dass ich nicht mehr rausgehen kann.
    Sobald ich aufm Schulhof das Wort "hässlich" oder etwas in der Art gehört hab, hab ich das sofort auf mich bezogen.

    Zum Glück fand ich mich selber aber gar nicht so schlimm , ein relativ guter Blick auf mich selbst hat mich da ganz gut durchgebracht.
    Trotzdem kann ich heute meine Wirkung auf andere ganz schlecht einschätzen und fasse schwer Vertrauen zu neuen Leuten, weil ich denke, dass diese irgendwann merken, dass ich eigentlich total langweilig und uninteressant bin.

    Es ärgert mich manchmal so, dass die größten Arschlöcher einen so beeinflussen können und dass ich immer noch manchmal an die denken muss, wobei die mich sicher schon längst vergessen haben

    (nicht zitieren bitte)
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  9. Ureinwohnerin Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Das Universum hat mir zum Abi Gott sei Dank zwei Momente großer Genugtuung geschenkt.

    Einmal mein Abiball. Da tauchten auf einmal die Mobber von meiner alten Schule auf (weil eine Freundin von ihnen in meiner Stufe war - kam nach mir auf die Schule) und ich habe sie ignoriert und war an dem Abend die umschwärmte Königin der Tanzfläche. Ich habe mit total vielen Leuten getanzt, hatte sauviel Spaß und die Arschlöcher konnten sehen, dass sie mich nicht ganz gebrochen haben.
    Sie wollten damals als ich die Schule wechselte über einen Kontakt auf meiner neuen Schule auch dort dafür sorgen, dass ich fertig gemacht werde. Ich meine, wie asozial kann man sein?
    Und dann waren wir nach den Abiprüfungen als Stufe in einem Club zum feiern. Es waren halt auch die Leute da, mit denen ich nie richtig warm wurde (was mich zum damaligen Zeitpunkt, so kurz nach der Mobbing-Geschichte ziemlich runtergezogen hat) und wundersamerweise tauchte an dem Abend so ziemlich jeder auf, den ich kannte. Auch Leute, die ich lange nicht gesehen hatte. Ständig traf ich wieder jemanden und es sah so aus, als würde ich im kölner Nachtleben einfach jeden kennen. Irgendwann fingen sie auch an, darüber zu reden, dass ich ja Gott und die Welt kenne und waren echt beeindruckt. Das ist natürlich Unsinn, aber es hat so gut getan.
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  10. Fresher Avatar von shell
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    FrolleinHelmut, das hört sich ja wirklich krass an bei dir! So einen Moment wie du auf deinem Abiball beschreibst, hab ich mir auch immer gewünscht.

    Ich wurde zwar nicht wirklich gemobbt, aber ich habe zu den uncoolen Leuten gehört, die keine Markensachen trugen, nicht rauchten usw. Ein mal, in der 9. Klasse, wurden wir auf der Klassenfahrt ziemlich fertig gemacht, aber eher so als Gruppe, wodurch das ganze etwas erträglicher wurde. In der Schule wurde uns eher indirekt gezeigt, dass wir nicht dazu gehören und unbeliebt sind.
    Das ging vor allem von den Mädchen aus, aber ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächnis geblieben. Ich habe unfreiwillige eine Unterhaltung von zwei Jungs aus der Klasse mit angehört. Die sind alle Mädchen durchgegangen und jeder musste sagen, welche er nehmen würde/welche er besser findet. Als sie dann bei mir und meiner Freundin ankamen haben sie nur gelacht und irgendwas ala "hahaha, also ob wir von den beiden eine nehmen würden" gemeint. Das hat mir damals wirklich weh getan und mir sehr sehr stark verunsichert. Auch heute denke ich manchmal noch "kann wirklich jemand in mich verliebt sein?" und habe Angst, dass es eine lächerliche Vorstellung ist mit mir zusammen zu sein, wie es damals anscheinend war.

    Insgesamt wurde ich durch dieses indirekte Mobbing von einem schüchternen Kind zu einem total verunsicherten Teenager. Obwohl das ganze in der Oberstufe nicht mehr so stark ausgeprägt, gab es doch immer noch diese cool/uncool unterscheidungen.

    Was mich sozusagen geheilt hat, war mein Auslandsaufenthalt nach dem Abi. Dort habe ich Freunde gefunden, die Leute mochten mich so wie ich bin und ich war auf einmal beliebt, selbst Jungs waren an mir interessiert. Es hat sich super angefühlt und ich bin wirklich dankbar für die Zeit. Dadurch habe ich auch gemerkt, dass die Leute in der Schule einfach bescheuert waren und es nicht etwa an mir lag. Ich war auf ein mal froh, dass ich nicht dazugehört habe, zu dieser lästernden dummen Meute, die sich über jedes bisschen Individualität lustig gemacht hat. Manchmal frage ich mich auch, ob sie es heute bereuen.

    Auch wenn ich drüber hinweg bin, wünsche ich mir manchmal doch noch "Rache" für damals und dass die auch mal erfahren wie es ist so ausgeschlossen zu werden.

  11. V.I.P. Avatar von Butterbrötchen*
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Ich hatte auch solche Genugtuungsmomente, weil ich als Teenie ziemlich fett war und dann 30 Kilo abgenommen hab (nicht auf einen Schlag natürlich, über 3 Jahre hinweg). Den Leuten, die mich lange nicht gesehen hatten, sind immer fast die Augen rausgefallen..
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  12. Inaktiver User

    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Ich wurde v.a. in der Unterstufe gemobbt, wobei ich mich an vieles zum Glück gar nicht mehr erinnern kann. Am Gymnasium wurde es dann besser, d.h. da passierte dann nichts mehr. Trotzdem hat es mich sehr geprägt. Lange Zeit (z.T. auch heute noch) habe ich angenommen, dass alle neuen Leute, die ich kennen lerne, mich bestimmt nicht mögen werden. Wenn ich an einer Gruppe Teenager vorbei ging hatte ich lange Zeit Angst, dass die blöde Sprüche über mich machen könnten. Irgendwann ist mir zum Glück aufgefallen, was für eine schlechte Einstellung das ist (v.a. dass ich mich z.T. als 20jährige noch vor 15jährigen gefürchtet habe) und mit den Jahren habe ich diese Einstellung verloren. Rache will ich eigentlich nicht, weil das meiste eben passiert ist, als ich noch ein Kind war und ich dann später mit diesen Personen ganz gut zurechtgekommen bin.
    Trotzdem halte ich heute Freunde auch eher auf Distanz und es fällt mir schwer, jemandem zu vertrauen.

    Mobbing ist so unglaublich schrecklich und es kann eine Person wirklich kaputt machen. Ich denke, wenn man das einige Jahre erlebt hat, kann sicher eine Therapie helfen, die Dinge zu verarbeiten und auch besser einzuordnen, so dass man vielleicht damit abschliessen kann

  13. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    fräuleinhelmut, ich glaube, bei mir ist es ähnlich wie bei dir:

    ich war irgendwann mal, wenn nicht das mobbingopfer, dann doch zumindest eine der beliebteren hänsel-zielscheiben. sowohl währenddessen als auch heute ist mir eigentlich absolut klar, warum ich das war: ich war 12, neu in der klasse, ich hatte vorher schon vor der situation riesenangst und bin vermutlich dementsprechend unlocker da angekommen, und ich war noch eher kind als teenie, samt aussehen und klamottenstil. übermäßig hübsch (zahnspange, richtige frisur noch nicht gefunden etc.) war ich auch nicht. grundsätzlich bin ich aber, denke ich, kein opfertyp, bei mir waren das klar die umstände. von einenm klassenwechsel in der frühen pubertät würde ich sämtlichen eltern heute abraten, ich weiß von diversen leidensgenossen, denen das in diesem alter ähnlich schwergefallen ist.

    ich hab in der selben klasse abi gemacht und nach so einem oder anderthalbjahren auch einen festen freundinnenkreis gehabt. ich glaube nicht, dass jemals wirklich vergessen wurde, dass "man" mich mal komisch fand, aber im grunde war ich zum schluss trotzdem eine von den ganz normalen.

    heute würde vermutlich niemand mehr glauben, dass ich mal ein mobbingopfer war. wenn einzelne leute zu mir komisch sind, kann ich das heute auch schulterzuckend als "die sind aber seltsam und unhöflich" abtun. aber wenn ich irgendwo in einer gruppe das gefühl habe, von vorneherein nicht gemocht zu werden, brechen alte verhaltensmuster sofort wieder durch, ich werde meinerseits unsicher, was sich bei mir durch verschlossenes und unfreundliches verhalten zeigt, und der teufelskreis beginnt.

  14. Ureinwohnerin Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Ja, bei mir ist es ähnlich.

    Ich denke heute auch nicht, dass ich von allen gemocht werden muss. Ich kann über vieles mit den Schultern zucken, aber wenn es eine ganze Gruppe ist, werde ich unsicher und ganz extrem schüchtern.

    Als das mit 14 in meiner Schule angefangen hat, gehörte ich eigentlich zu den ganz normalen Schülern. Ich hatte viele Freunde, auch unter den beliebteren Leuten. Es gab vorher auch keine dominante Gruppe in der Stufe oder Klasse. Ich hatte mich mit 13 mit einem Mädel aus der Stufe über mir sehr gut angefreundet. Eigentlich wurden wir beste Freundinnen. Wir haben uns fast täglich getroffen, als sie aus dem Urlaub zurück kam, hat sie mich als erstes angerufen und wir haben uns sofort getroffen. Sie hat ständig bei mir geschlafen, ich ständig bei ihr. Ich bin sogar mit ihrer Familie in den Urlaub gefahren.
    Ich habe sie dann mit Leuten aus meiner Klasse bekannt gemacht, die damals meine Freunde waren. Alle verstanden sich gut und es wurde eine Clique. Auf einer Silvesterfeier hat sich dann einer aus der Clique verplappert, dass diese Mädel mich eigentlich gar nicht leiden kann. Andere haben mir das dann später bestätigt.
    WTF? Wie kann sowas denn passieren?

    Da habe ich mich natürlich von ihr distanziert und dann ging es los.

    Das war der Auslöser, aber warum mir als Person das passiert ist, habe ich nie verstanden. Und warum die zerstörte Freundschaft so extrem heftige Reaktionen ausgelöst hat, also welche Kettenreaktion ausgelöst wurde, dass mich irgendwann die ganze Schule gehasst und fertig gemacht hat, habe ich nie verstanden. Aber das ist wohl einfach Gruppendynamik.

    Diese Kerngruppe, die in meiner Klasse war, hat sich später übrigens zum Schulschreck entwickelt. Teilweise haben sie Lehrer dazu gebracht, heulend aus der Klasse zu rennen etc. Das weiß ich aber nur noch aus Erzählungen.

    In einem Jahr haben sie auf der Ferienfreizeit von der Kirche (wo ich vorher auch jahrelang mitgefahren bin) in Frankreich am Strand französische Flaggen verbrannt und sowas. Die sind total durchgedreht in ihrem Zerstörungswahn. Wie gesagt, wollten sie auch dafür sorgen, dass ich an der neuen Schule fertig gemacht werde.
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  15. Ureinwohnerin Avatar von FrolleinHelmut
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Heute würde man wohl auch nicht von mir denken, dass mir so etwas passiert ist.
    Ich habe im Sommer Freundinnen davon erzählt, als es allgemein um Mobbing ging. Die waren total schockiert und verwundert, dass ich auch mal gemobbt wurde, weil ich eben nicht der typische Nerd bin, der total verhuscht ist (obwohl das meiner Meinung nach auch kein Mobbing rechtfertigt).
    "Die Pute ist vom Rücken und das Hähnchen ist vom Bauch."

  16. Regular Client Avatar von valarmorghulis
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Zitat Zitat von Butterbrötchen* Beitrag anzeigen
    Also mein Selbstbewusstsein ist immer noch häufig nicht so pralle. Und ich hab oft Angst, das mich Freunde nicht mehr mögen, bin sehr empfindlich, wenn ich (zufällig) irgendwo nicht eingeladen werde und so und fühl mich sehr schnell ausgegrenzt.
    .
    Bin zudem sehr konfliktscheu, ziehe mich in solchen Situationen eher zurück als ein klärendes Gespräch zu führen. Das führt natürlich auch zu weniger Kontakt.

  17. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Zitat Zitat von Butterbrötchen* Beitrag anzeigen
    Also mein Selbstbewusstsein ist immer noch häufig nicht so pralle. Und ich hab oft Angst, das mich Freunde nicht mehr mögen, bin sehr empfindlich, wenn ich (zufällig) irgendwo nicht eingeladen werde und so und fühl mich sehr schnell ausgegrenzt.
    das wiederum hab ich alles nicht so als langzeitfolge. selbstbewusstseinstechnisch bin ich - glaube ich - recht gesund veranlagt bzw. auch von den eltern immer ganz gut gestützt worden, ich war jedenfalls ein recht selbstsicheres kind, und nach einigen jahren hatte sich das, glaube ich, einfach wieder erholt, so wie eine langsam heilende wunde.

    bei freunden denke ich das eigentlich auch nie, ich bin allerdings auch nie von leuten gemobbt worden, bei denen ich vorher dachte, dass das meine freunde wären.

    bei zufälligen nichteinladungen bin ich manchmal empfindlich, wenn ich das gefühl habe, absichtlich übergangen zu werden, aber das ist einfach doch sehr selten der fall, und ich schätze, da wäre dann jeder gekränkt.

  18. Addict Avatar von Thora*
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Zitat Zitat von FrolleinHelmut Beitrag anzeigen
    Als das mit 14 in meiner Schule angefangen hat, gehörte ich eigentlich zu den ganz normalen Schülern. Ich hatte viele Freunde, auch unter den beliebteren Leuten. Es gab vorher auch keine dominante Gruppe in der Stufe oder Klasse. Ich hatte mich mit 13 mit einem Mädel aus der Stufe über mir sehr gut angefreundet. Eigentlich wurden wir beste Freundinnen. Wir haben uns fast täglich getroffen, als sie aus dem Urlaub zurück kam, hat sie mich als erstes angerufen und wir haben uns sofort getroffen. Sie hat ständig bei mir geschlafen, ich ständig bei ihr. Ich bin sogar mit ihrer Familie in den Urlaub gefahren.
    Ich habe sie dann mit Leuten aus meiner Klasse bekannt gemacht, die damals meine Freunde waren. Alle verstanden sich gut und es wurde eine Clique. Auf einer Silvesterfeier hat sich dann einer aus der Clique verplappert, dass diese Mädel mich eigentlich gar nicht leiden kann. Andere haben mir das dann später bestätigt.
    WTF? Wie kann sowas denn passieren?

    Da habe ich mich natürlich von ihr distanziert und dann ging es los.
    was für ne dumme sau.

  19. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Trotzdem halte ich heute Freunde auch eher auf Distanz und es fällt mir schwer, jemandem zu vertrauen.
    Das ist bei mir auch so, vor allem bei Frauen. Ich bin zwar schon offen für neue Leute, lasse sie aber nie ganz an mich ran. Da ich aber schon auch mal viel von mir erzähle, vermittle ich vermutlich trotzdem das Gefühl, dass die Freundschaft enger ist als sie es für mich tatsächlich ist. Das ist nicht immer einfach.

    Zitat Zitat von valarmorghulis Beitrag anzeigen
    Bin zudem sehr konfliktscheu, ziehe mich in solchen Situationen eher zurück als ein klärendes Gespräch zu führen. Das führt natürlich auch zu weniger Kontakt.
    Das war ich auch lange, in der Hinsicht hab ich mich aber geändert. Machts aber oft trotzdem auch nicht besser.
    Okay, I can’t remember what it feels like to be astonished.

  20. Addict Avatar von fliegen_lernen
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    AW: Mobbing in der Jugend - wie geht's Euch jetzt?

    Zitat Zitat von shell Beitrag anzeigen
    Was mich sozusagen geheilt hat, war mein Auslandsaufenthalt nach dem Abi. Dort habe ich Freunde gefunden, die Leute mochten mich so wie ich bin und ich war auf einmal beliebt, selbst Jungs waren an mir interessiert. Es hat sich super angefühlt und ich bin wirklich dankbar für die Zeit. Dadurch habe ich auch gemerkt, dass die Leute in der Schule einfach bescheuert waren und es nicht etwa an mir lag. Ich war auf ein mal froh, dass ich nicht dazugehört habe, zu dieser lästernden dummen Meute, die sich über jedes bisschen Individualität lustig gemacht hat. Manchmal frage ich mich auch, ob sie es heute bereuen.
    Das ist toll.
    let the good times roll.

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