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  1. Regular Client

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    Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Sorry, lang und jammerig.

    Ich habe dieses Forum in den vergangenen Jahren echt schon häufig vollgeheult und wie ich festgestellt habe, habe ich so alle drei Jahre einen toten Punkt, an dem ich nicht mehr weiß, was ich noch machen soll. Ich war schon zweimal stationär (auf so einer Station für akute Fälle), seit ich 17 bin immer mal wieder ambulant und Medikamente habe ich auch zu Hauf genommen (momenten aber keine). Seit einigen Wochen habe ich wieder einen neuen Therapeuten, bei dem ich Verhaltenstherapie ausprobiere. Bisher kannte ich immer nur diesen Tiefenpsychologie-Kram, der mir irgendwann nichts mehr gebracht hat. Man weiß ja schließlich irgendwann, wo es herkommt. Der jetzige Therapeut versucht immer mit mir im Hier und Jetzt zu bleiben und das, obwohl ich ein Mensch bin, der sich immer und ständig alle furchtbaren Konsequenzen seines Handelns ausmalt und mit dem Kopf immer in der Zukunft hängt. Wir sind jetzt schon desöfteren aneinandergeraten. Natürlich, weil er es darauf anlegt, mich zu provozieren. Allerdings vermittelt er mir so langsam das Gefühl, er sei der Meinung, ich machte es mir in meiner Komfortzone gemütlich und würde nicht genug dafür tun, dass es mir besser gehe. Ich sehe das gar nicht so, denn ich habe mich selbst um diesen Therapieplatz gekümmert, als es mir nicht gut ging und zum Überbrücken bis zum ersten Termin habe ich so ziemlich alle Beratungsstellen mitgenommen, die es in meiner Stadt gibt. Er meint, das sei ja alles nur formal. Nach dem Motto: Das könne ja jeder. Er will mir die ganze Zeit Seroquel aufschwatzen und wenn ich das ablehne, habe ich das Gefühl, kommt von ihm so ein "tja, wenn Sie sich halt nicht helfen lassen wollen.." (natürlich nicht wortwörtlich). Ich hab zigmal erklärt, dass ich keine Medikamente mehr nehmen möchte. Ich habe ewig gebraucht, um vom Citalopram wegzukommen (hatte als Absetzerscheinung solche stromschlagartigen Missempfindungen). Klar, das Seroquel könnte mir vielleicht die Spitzen nehmen und dafür sorgen, dass meine Stimmungsschwankungen nicht mehr so krass sind - allerdings habe ich JETZT schon häufig Probleme damit, mich aufzuraffen. Bin total oft müde, bewege mich viel zu wenig (obwohl ich weiß, dass mir das gut tut!), habe einen niedrigen Blutdruck, meinen Heißhunger nicht unter Kontrolle. Da nehme ich doch nicht auch noch ein Medikament, was mich NOCH MEHR ausbremst. Er gibt mir auch das Gefühl, mit mir überfordert zu sein. Er meinte dann, ich hätte ja jetzt im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein Medikament oder nochmal stationär. Hä? Und was ist mit der ambulanten Therapie? Die reicht alleine nicht oder wie soll ich das verstehen? Am Ende der Sitzung war ich total fertig und mit den Nerven am Ende. Wir mussten mittendrin abbrechen und da dachte ich, er gibt mir sicher in der nächsten Woche einen Termin, weil er sieht, dass es echt akut ist. Erstmal kam dann von ihm: "Wollen Sie denn nochmal wiederkommen?" Was mich total irritiert hat. Hab ich ihm auch gesagt. Warum sollte ich nicht wiederkommen wollen? "Weil ich Sie so geärgert habe". Äähm. Ok. Dann hat er mir in zwei Wochen einen Termin angeboten. Ich meinte, dass das ja echt ne Weil hin sei und ich nicht wüsste, was ich denn in der Zwischenzeit tun könnte, um irgendwie weiterzukommen (wir haben halt bisher noch keinerlei Strategien oder so erarbeitet, die mir in so einer Down-Phase helfen könnten). Er meinte dann erst, er hätte eigentlich keinen Termin mehr frei und dann, dass er aber doch noch was machen könnte, wenn ich das denn wollte. Das war mir dann echt irgendwie zu blöd und ich hab den Termin in zwei Wochen genommen. Und dann fragte er mich, ob ich die Woche darauf nochmal kommen wolle oder erst in zwei Wochen danach. Allein die Frage hat mich total verwirrt. Ich hab ihm gesagt, dass ich das nicht wisse, er müsste doch besser wissen, ob das angebracht sei. Er meinte aber nur, dass das meine eigene Entscheidung sei. Ich war total aufgebracht und hab ihm gesagt, dass ich es unfair finde, dass er mich in meinem Zustand sowas entscheiden lässt. Ich weiß nicht, ob das von außen nachvollziehbar ist, aber ich hab mich gefühlt, als würde er mich nicht da haben wollen. Wenn ich doch als Therapeut der Meinung bin, mein Patient profitiert von meiner Therapie, dann sage ich ihm doch, dass er die verfügbaren Termine mitnehmen soll oder nicht? Und wenn es so wenig akut ist, dass ich nur alle zwei Wochen kommen soll, warum sind dann seiner Meinung Medikamente oder eine stationäre Therapie die einzigen Optionen? Er meinte dann, wir würden es dann erstmal bei dem einen Termin belassen und dann weitergucken. Ich hab nur "aha" gesagt und bin gegangen. Vielleicht kann mir ja jemand erklären, was er mit seinem Verhalten bezweckt, bitte? Ich möchte es wirklich gerne wissen, denn ich kann es nicht einordnen. Ich fühle mich nur irgendwie im Stich gelassen jetzt. Also ich hab irgendwie ein Problem damit, die Termine "einzufordern", wenn man mir nicht sagt, dass es angebracht ist, wisst ihr, was ich meine?

    Ich weiß einfach nicht, was ich noch machen soll. Mein Therapeut meinte halt, der wichtigste Schritt sei Selbstakzeptanz. Er geht davon aus, dass meine Probleme eine genetische Komponente haben (das tue ich auch, liegt schließlich in der Familie). Nun versuche ich mich seit der Pubertät zu akzeptieren. Mir hat aber noch nie jemand gesagt, wie das gehen soll. Ich dachte früher, es würde vielleicht mit dem Älterwerden besser (bin jetzt 27), aber das tut es einfach nicht und das macht mir unendliche Angst. Ich WILL doch was tun, aber ich weiß einfach nicht mehr was. Ich hab den Schalter an mir leider noch nicht gefunden. Und meine Lebensumstände machen es mir auch nicht gerade leicht, diesen zu finden. Ich bin seit vier Jahren Single, ich habe zu niemandem eine wirklich tiefgehende oder stabile Bindung, niemanden, mit dem ich über meine Probleme reden kann (abgesehen vom Therapeuten) oder der mich mal in den Arm nimmt, ich habe es irgendwie geschafft, einen Bachelorabschluss zu machen, der allerdings überhaupt nichts wert ist und mit dem ich keinen Job kriege - dafür habe ich aber Studienkreditschulden bis an mein Lebensende. (Ich kann auch nicht mal eben noch nen Master oder ne Ausbildung machen. Kredit ist futsch und Eltern haben selbst kein Geld).
    Ich dachte, es wäre eine gute Idee, im nächsten Jahr Work&Travel zu machen um zu mir selbst zu finden. Um das Geld ranzuschaffen jobbe ich jetzt. Ich halte auch an der Idee fest, auch, wenn ich totale Panik vor dem Danach habe. Und natürlich weiß ich auch nicht, was ich machen soll, wenn es mir dort (in Australien) mal schlecht geht.

    Ich sehe für mich nur einfach keine Optionen mehr außer mich immer weiter durch mein Leben und von einer guten Phase zur nächsten zu kämpfen und mit diesen Gefühlen klar zu kommen. Ich kann irgendwie noch nicht akzeptieren, dass mein Leben so aussehen soll. Aber vielleicht ist es besser, das zu akzeptieren als weiterhin Energie zu verschwenden. Halt dann mit allen Konsequenzen, sprich, immer allein zu sein, sich ständig schlecht zu fühlen, etc. Und dich halt darüber zu freuen, wenn es mal gut läuft.

    Sorry, für den langen Text. Ich bin nur einfach so traurig und wollte das so gerne mal jemandem mitteilen.

    Your eyes must do some raining if you're ever gonna grow.

  2. Urgestein

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Sirène, mir tut es total Leid, wie die Situation mit deinem Therapeuten gerade aussieht...

    Ich muss gleich noch mal weg und habe momentan leider sowieso nicht besonders viel Zeit für bym. Versuch es noch mal mit dem Typen, also dem Therapeuten , sag ihm, dass du ihm dankbar bist, dass du bei ihm sein kannst. Wenn er irgendeine Sache in der Therapie richtig macht, würde ich ihm dafür ruhig noch ein Kompliment machen, wenn er nur so arbeiten kann (was bei Therapeuten irgendwie nicht so ideal ist... na ja.) Wenn es gar nicht geht mit ihm, dann lass es... Und lass dir auf jeden Fall keine Medikamente aufschwatzen, bei denen du schon vorher ein schlechtes Gefühl hast. Du bist ja ein alter Hase und wirst das gut einschätzen können.

    Auf jeden Fall habe ich wirklich gute Erfahrungen mit Auslandsaufenthalten trotz psychischer Probleme gemacht.
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  3. Regular Client

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    S

    Auf jeden Fall habe ich wirklich gute Erfahrungen mit Auslandsaufenthalten trotz psychischer Probleme gemacht.

    Danke für deine Antwort! Wo bist du denn gewesen und wie lange? Und hast du nachhaltig davon profitiert?

    Ich kann gerade halt gar nicht einschätzen, ob ich mit ihm klar komme oder nicht. Es sind ja noch zwei Wochen, bis dahin werde ich mich natürlich wieder abreagiert haben. Wenngleich ich trotzdem gekränkt bin, weil ich nicht verstehe, was er bezweckt. Dazu kommt ja noch, dass er mich eigentlich jede Sitzung komplett anders erlebt. Also mal total am Boden und ein Andermal wieder total zuversichtlich und gut drauf. Er hat mir bestimmt schon dreimal gesagt "heute sind Sie ja ein ganz anderer Mensch". Achja...Darum bin ich da bei ihm. Wenn es mir gut geht, frag ich mich auch oft, was ich bei ihm soll und fühle mich schuldig, dass ich jemandem, dem es schlecht geht, einen Therapieplatz wegnehme. Wenn ich total am Boden bin, würde ich am liebsten sofort wieder in die Klinik gehen - wobei ich dann auch nicht glaube, dass mir das auf Dauer hilft. Total bescheuert.

    Your eyes must do some raining if you're ever gonna grow.

  4. Inaktiver User

    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Verhalten des Therapeuten:
    Vielleicht möchte er erreichen, dass du deinen Wünsche/Willen deutlich kommunizierst. Es soll dir egal sein, was er denkt, sondern du sollst entscheiden, was dir gut tut. In dem Zusammenhang könnet auch der Spruch mit der "Komfortzone" stehen. Er denkt, dass du eine Haltung hast a la: "Mir geht es schlecht, helf mir gefälligst". Sein Ziel ist, dass du ausdrückst: "Mir geht es schlecht, berate mich, was ich tu kann, damit es mir besser geht."
    Zu diesen Interpretationen würden die beschriebenen Verhaltensweisen am besten passen.

    Eine Bekannte hat hier eine sehr intensive Therapie gemacht:
    Psychiatrie und Psychotherapie im Asklepios Fachklinikum Stadtroda

    Ein wichtiger Punkt ist dabei der intensive Austausch in der Gruppe, Stichwort: Soziales Kompetenztraining, wo ja Definieren der eigenen Bedürfnisse und Verhandeln dieser in der Gruppe dazugehört.

  5. Regular Client

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Danke für deine Antwort. Ich habe tatsächlich arge Probleme im sozialen Bereich. Es ist teils faszinierend, teils erschrecken, dass schon in meinen Grundschulzeugnissen geschrieben steht, ich sei sehr aufbrausend und würde mit meinen Mitschülern anecken. Quasi so ist es bis heute geblieben. Das "Schlimmste" während der stationären Therapie war für mich die Gruppentherapie, bei der ich auch mehrmals mit anderen aneinandergeraten bin. Das war anstrengender (aber sicherlich auch wirkungsvoller) als alle anderen Therapien zusammen. Leider gibt es dort, wo ich wohne (und auch drum rum) nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Dass ich überhaupt einen Therapeuten gefunden habe, der VT macht, grenzte schon an ein kleines Wunder. Nochmal stationär...das geht eigentlich auf keinen Fall.

    Your eyes must do some raining if you're ever gonna grow.

  6. Urgestein

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    *
    Geändert von Waermflasche (03.05.2020 um 19:58 Uhr)
    Nothing comes wrapped up in a nice, pretty bow. It's ugly. It's hard. It's messy.
    You have to fight like hell for what you want; fight to get it and fight harder to keep it.

  7. Regular Client

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Ja, das werde ich tun. Allerdings hatte ich ihn ja in besagter Situation schon gefragt, warum er mich jetzt so unter Druck setzt, da hätte er das auch einfach sagen können. Oder sowas wie "da reden wir beim nächsten Mal drüber". Total irritierend fand ich sein "wollen Sie denn überhaupt nochmal wiederkommen?". Ich hab ja eigentlich kein schlechtes Gefühl bei ihm, zumal er auch Hypnose macht und ich da beim letzten Mal immerhin schon viel besser entspannen konnte. Es fällt mir nur logischweise enorm schwer, Vertrauen zu jemandem zu fassen, bei dem ich das Gefühl habe, dass der mich eigentlich ablehnt. Auch wenn es vielleicht nicht so ist.

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  8. Urgestein

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Danke für deine Antwort! Wo bist du denn gewesen und wie lange? Und hast du nachhaltig davon profitiert?
    Ich war ein knappes Jahr in Israel... ja, ich habe schon profitiert. Gerade im zwischenmenschlichen Bereich. Die Israelis sind einerseits sehr herzlich, andererseits machen sie es einem manchmal nicht gerade leicht... ein ideales Übungsfeld für mich. Heute habe ich auf der Arbeit zwei Mal so eine bestimmte Art von zickigem und arrogantem Verhalten von zwei Kolleginnen abgekriegt, die ich in Israel x Mal in verschiedenen Situationen erlebt habe. Vor nem Jahr hätte ich trotzdem versucht, weiter nett zu diesen Personen zu sein, mittlerweile habe ich ihr Verhalten "erkannt", es fällt in dieses bestimmte Muster und ich kann einfach nur darüber lächeln und achselzuckend weggehen. Aber ja, es ist natürlich eine bestimmte Art von Problem bei mir gewesen - Schüchternheit, passives Kommunikationsverhalten - was genau durch das soziale Umfeld in Jerusalem weniger geworden ist.
    (Außerdem hatte ich einmal dort eine sehr interessante Erfahrung, als sich ein Machtverhältnis in einem relativ kurzem Zeitraum komplett umgekehrt hat. Das war aber mit einer Deutschen. Ich weiß aber nicht, ob mir das hier genauso passiert wäre - vermutlich wären wir beide eher in unser eigenes soziales Umfeld eingebettet gewesen und der Konflikt wäre nicht bis ins Äußerste ausgespielt worden, so wie es uns dort passiert ist. Es war aber eine wahnsinnig wichtige Erfahrung für mich. Also dass Leute, die sich so darstellen, als hätten sie wahnsinnig viel Macht und viele Connections sich so völlig als zusammenstürzende Fassade herausstellen können. Ich denke, ich kann seitdem etwas besser zwischen "echt" und "falsch" bei Menschen unterscheiden. Und ich sehe, dass Macht häufig etwas eher Zufälliges ist und Leute sie nicht immer haben, weil sie besonders talentiert, auf welche Weise auch immer, sind.)

    Wenn man eher zwischen Extremen schwankt, so wie du es beschreibst, dann kann einem bestimmt eine anderes Land helfen... Was zieht dich denn an Australien an? Die Landschaften? Bestimmte Menschen?
    Geändert von ~snow06~ (20.08.2015 um 20:18 Uhr)
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  9. Fresher

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Wir sind jetzt schon desöfteren aneinandergeraten. Natürlich, weil er es darauf anlegt, mich zu provozieren. Allerdings vermittelt er mir so langsam das Gefühl, er sei der Meinung, ich machte es mir in meiner Komfortzone gemütlich und würde nicht genug dafür tun, dass es mir besser gehe. Ich sehe das gar nicht so...
    naja, die arbeit beginnt halt eben erst jetzt. du machst schon den eindruck, dich passiv zurücklehnen zu wollen und er soll dich dann stabilisieren/heilen/stützen/bekuscheln ect. ich find, der macht es schon ganz richtig. er steigt auf die herkömmlichen muster nicht ein und lässt dich ins leere laufen, wenn du es versuchst, d.h. chaos wird nicht auch noch belohnt. vt ist ganz konkrete arbeit und wenn du die nicht tun willst, dann wird es nix. dann bleibt wirklich nur stationär oder medikamente oder eben so weitermachen wie bisher mit den üblichen resultaten.

    skills wirst du ja auch bei den bisherigen therapien kennengelernt und erarbeitet haben. warum setzt du die beispielsweise nicht ein, um dich zu stabilisieren?

    und noch ein wort zu hypnotherapie. das ist kein zaubermittel und braucht aktive mitarbeit. da irren sich viele leider.

    ich hab den eindruck, du testest deinen thera gerade massiv und bist enttäuscht, weil er sich nicht reinziehen lässt in den strudel und dir immer wieder freistellt, eigene entscheidungen zu treffen, ob du es mal anders machen und dich einlassen willst und damit deinen beitrag zu einer tragfähigen therapiebeziehung zu leisten. vielleicht ist es auch ganz anders, aber das ist mein eindruck.
    Please do not be inconsistent, I find it infuriating.


  10. Urgestein

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Zitat Zitat von diewilde13 Beitrag anzeigen
    ich hab den eindruck, du testest deinen thera gerade massiv und bist enttäuscht, weil er sich nicht reinziehen lässt in den strudel und dir immer wieder freistellt, eigene entscheidungen zu treffen, ob du es mal anders machen und dich einlassen willst und damit deinen beitrag zu einer tragfähigen therapiebeziehung zu leisten. vielleicht ist es auch ganz anders, aber das ist mein eindruck.
    Das KANN sein. Mal zu provozieren gehört sicherlich zu einem guten Therapeuten. Aber eine Klientin mehrmals zu kränken und ihr überhaupt nicht das Gefühl zu geben, sie könne ihm vertrauen, finde ich daneben. Und man sollte auch nicht automatisch, nur weil die TE die Klientin ist, davon ausgehen, dass nur sie an sich arbeiten muss - es gibt auch Therapeuten, die an ihrem Therapiestil arbeiten müssen und/oder inkompetent sind.
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  11. Member

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Haha, mein Text ist zu lang für Bym... Zwei Posts.

    Zu der Sache mit dem Therapeuten. Ganz grundsätzlich: Niemand muss mit jedem klarkommen. Wenn das, was dieser Therapeut tut, für dich nicht hilfreich ist, dann ist das eben so. Dann gibt es für dich hier keine Hilfe, aber die kann es woanders geben. Und wenn jetzt jemand schreibt: "Aber er meint das bestimmt so und so, das ist doch sinnvoll so" - ja, dann ist der Ansatz für irgendwen anders sinnvoll, der Therapeut und sein Ansatz haben ihre Daseinsberechtigung. Aber diese Art von Zusammenpassen ist nichts, was man grundsätzlich immer durch "sich mehr Mühe geben" erreichen kann oder sollte (Mühe geben muss man sich bei der Therapie ohnehin).

    Man vergisst das gerne, wenn die Plätze knapp, die wenigen Wartelisten lang und die Probleme akut sind. Dass das so ist, ist ein Problem im Therapiesystem. Aber es ist nicht dein - nicht ein von dir verursachtes - Problem, wenn du nicht automatisch mit jedem Menschen kannst. Und gerade wenn du ein Mensch bist, der schnell Schwierigkeiten mit anderen bekommt und nicht immer mit allen super kommuniziert, dann wäre es schon sehr ehrgeizig, mit diesem Anspruch gerade bei der Therapeutensuche anzufangen.

    Damit meine ich nicht, dass du sofort hinschmeißen sollst. Ich finde es nur wichtig, sich das mal bewusst zu machen. Es geht nicht um "Ich tu alles, damit du mir hilfst! Bitte sag mir, dass ich gut genug bin, um Hilfe zu verdienen!", es geht um zwei Menschen, die - klar, in verschiedenen Rollen - einander kennen lernen müssen, um gemeinsam ein Problem zu bearbeiten, das auch erst umrissen werden muss. Der Therapeut ist im Grunde in der gleichen Situation wie du: Er weiß nicht vorher, wie es geht. Er findet es mit dir zusammen heraus.

    So. Wenn du dich also durch das und das und das überfordert (oder falsch verstanden, nicht gut aufgehoben, whatever) fühlst, dann kannst du das so ansprechen. Nicht als Vorwurf, nicht als Verteidigungsrede. Sondern weil es eurer beider Aufgabe ist, zu schauen, wo solche Gefühle herkommen und wie du damit umgehen kannst.

    Sollte der Therapeut dann sagen: "Nein, Ihre Einwände sind total falsch, weil nämlich, ich habe Recht. Sie verweigern hier ganz böse die Therapie mit ihren unpassenden Gefühlen!" - dann ist er nicht der richtige Therapeut für dich. Dann soll er Leute therapieren, die mit seiner Art klarkommen. Ich las mal in so einem Psychoratgeber die Formulierung "Hast du für die Aufmerksamkeit seelisch bezahlen müssen?", ich finde, das ist ein ganz guter Bewertungsschlüssel. Es kann ok und richtig sein, wenn ein Therapeut provoziert, schwierig ist, vehement seine Meinung vertritt - aber es ist nicht ok, wenn ich als Patientin dazu gut bin, dem Therapeuten Bestätigung zu geben in seiner Unsicherheit, seinen Vorurteilen. Das gilt für die provozierenden genauso wie für die von der superfreundlichen Sorte.
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  12. Member

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Tja, und jetzt sage ich mal was Böses. Da:

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Allerdings vermittelt er mir so langsam das Gefühl, er sei der Meinung, ich machte es mir in meiner Komfortzone gemütlich und würde nicht genug dafür tun, dass es mir besser gehe. Ich sehe das gar nicht so, denn ich habe mich selbst um diesen Therapieplatz gekümmert, als es mir nicht gut ging und zum Überbrücken bis zum ersten Termin habe ich so ziemlich alle Beratungsstellen mitgenommen, die es in meiner Stadt gibt. Er meint, das sei ja alles nur formal. Nach dem Motto: Das könne ja jeder.
    Es ist überhaupt nicht schön, so was gesagt zu bekommen, aber da kann durchaus was dran sein. "Das kann ja jeder" stimmt natürlich nicht, es gibt genug Leute, die es nicht schaffen, sich in schlechten Phasen auch noch um Therapieformalia zu kümmern (und das ist sehr schlimm für diese, btw). Aber: Dass die Fähigkeit da ist, sich durch die Suche zu kämpfen und mit aller Dickköpfigkeit, die man hat, einen Therapieplatz zu erringen - das heißt nicht unbedingt, dass auch die Bereitschaft da ist, alle Dickköpfigkeit beiseite zu packen und sich unvoreingenommen den Problemen zu stellen. "Therapie wollen und etwas dafür tun" und "Veränderung wollen und etwas dafür tun" sind zwei verschiedene Dinge.

    Ich kenne das aus Erzählungen von einem langjährig stationär tätigen Psychotherapeuten ("Es gibt Leute, die wollen Therapie, aber gar nichts verändern"). Ich kenne das in nicht so ausgeprägter Form aber auch von mir. Hey, ich bin mit meinem Starrsinn schon so weit gekommen, ich weiß schon so viel, und jetzt soll ich wieder bei Null anfangen?!

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Er will mir die ganze Zeit Seroquel aufschwatzen und wenn ich das ablehne, habe ich das Gefühl, kommt von ihm so ein "tja, wenn Sie sich halt nicht helfen lassen wollen.." (natürlich nicht wortwörtlich). Ich hab zigmal erklärt, dass ich keine Medikamente mehr nehmen möchte.[...]Er gibt mir auch das Gefühl, mit mir überfordert zu sein. Er meinte dann, ich hätte ja jetzt im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein Medikament oder nochmal stationär. Hä? Und was ist mit der ambulanten Therapie? Die reicht alleine nicht oder wie soll ich das verstehen?
    Diese ganze Medikamentendiskussion ist sowieso hässlich. Bzw. wird sie oft auf diese unsachliche Weise geführt ("Nimm das oder du bist schuld!"), dass ich mich darauf nicht einlassen will. An der Stelle bin ich also keine neutrale Ratgeberin, ich würde bei der Auswahl definitiv stationär gehen.

    Zum fett Markierten: Hast du ihn das schon mal gefragt? Vielleicht meint er das nicht so. Vielleicht ist das wirklich seine Einschätzung. Die kommt für dich dann natürlich ungelegen - aber hey, es spricht für ihn, wenn er zugibt, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten nicht alles alleine lösen kann. Wäre es so und könnte er es nicht zugeben, würdest du unnötigerweise noch mehr Zeit verlieren. Btw: Ist er selbst in der Position, Medikamente zu verschreiben, oder würde er dich dazu weiterüberweisen?

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Am Ende der Sitzung war ich total fertig und mit den Nerven am Ende. Wir mussten mittendrin abbrechen und da dachte ich, er gibt mir sicher in der nächsten Woche einen Termin, weil er sieht, dass es echt akut ist. Erstmal kam dann von ihm: "Wollen Sie denn nochmal wiederkommen?" Was mich total irritiert hat.[...]Er meinte aber nur, dass das meine eigene Entscheidung sei. Ich war total aufgebracht und hab ihm gesagt, dass ich es unfair finde, dass er mich in meinem Zustand sowas entscheiden lässt. Ich weiß nicht, ob das von außen nachvollziehbar ist, aber ich hab mich gefühlt, als würde er mich nicht da haben wollen.
    Da scheint ja das Grundproblem zu liegen. Du kommst mit einer bestimmten Erwartung und er erfüllt die nicht. Dir geht es jetzt akut schlecht, du willst Hilfe erhalten, passiv erhalten, weil du dich überfordert fühlst. Du willst jemanden, der dir den Karren aus dem Dreck zieht, und findest jemanden, der dich vor den Karren spannt. Während dir die Augen verbunden sind und dir keiner sagt, wo es langgeht. Frustrierend.

    Aber: Psychotherapie funktioniert nicht so, dass jemand kommt und dir den Karren aus dem Dreck zieht. Du ziehst den Karren immer selber. Für die Phasen, in denen das nicht geht, gibt es Unterstützungen wie bestimmte Medis und den Schutzraum einer Klinik. Natürlich ist eine ambulante Therapie auch ein Schutzraum, nur kein so starker.

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Vielleicht kann mir ja jemand erklären, was er mit seinem Verhalten bezweckt, bitte? Ich möchte es wirklich gerne wissen, denn ich kann es nicht einordnen.
    Ich kann nicht behaupten, dass ich genau weiß, was er bezweckt, ich kann ja nicht hellsehen. Aber ich finde das nicht per sé unlogisch. Anscheinend will er von dir Entscheidungen. Wenn du gerade zu "schwach" bist, um eine Entscheidung zu tragen, dann ist seine Therapie vielleicht zu viel, zu anspruchsvoll für dich. Das heißt ja nicht, dass er dich nicht haben will, dass er dich nicht mag. Das heißt, dass es für ihn bestimmte Voraussetzungen gibt und er nicht wegen dir seinen ganzen Ansatz umschmeißt. Was man unflexibel und rücksichtslos finden kann, du musst ihn ja nicht mögen. Du kannst es auch - gleichzeitig - als Angebot sehen: Wenn du so weit bist, erarbeitet er mit die verhaltenstherapeutische Strategien, Selbstakzeptanz, bla blubb. Vorher möchte er dich in der einen oder anderen Weise auf dieses Level bringen.

    Und, ja: Dass die Patientin oder der Patient sich schon am Limit sieht und der geneigte Therapeut noch eine Schippe drauflegt an Provokation, das kommt vor. Der oben Erwähnte (der meinte, manche Leute wollen nur Therapie und keine Veränderung) war da auch ganz groß drin. Trotzdem würde ich sagen, der ist kein schlechter Therapeut, das ist eine seiner Methoden, aber er kann auch andere.

    Ich gehe natürlich von mir aus und ich weiß, was für eine Art Therapeut ich haben will. Ich finde es am schlimmsten, wenn mir jemand gegenüber sitzt, der selbst unsicher ist und mich deswegen für schwach und hilfebedürftig erklärt. Dann habe ich lieber einen Fiesen, der mir unangenehme Wahrheiten und/oder Hypothesen an den Kopf schmeißt. Aber es hat natürlich genauso seine Berechtigung, wenn jemand seinen Therapeuten in der tröstenden, unterstützenden Rolle sieht. Und natürlich ist nicht jede Art von Fieswerden ok. Das musst du für dich wissen (jaja, schon wieder Entscheidungen), ob dieses Verhalten in dieser Situation eine Forderung zu viel war.

    Und abseits vom Therapeuten... Hmja, schwierige Lebensumstände. Du schreibst, du kommst immer wieder an einen Punkt, wo nichts geht, und dann wieder in gute Phasen. Kann sein, dass es solche Punkte immer wieder geben wird. Kann sein, dass es besser wird, die Tiefpunkte nicht ganz so schlimm, die guten Phasen stabiler. Vielleicht weiß die Forumsschwarmintelligenz mehr zu Ausbildungsoptionen, Studienkrediten, Work&Travel, ich nicht. Ich mag das auch nicht, Leuten ihre objektiv schwierige Situation schön zu reden, nach dem Motto: Ist doch gar nicht so schwierig, wenn du so schlau wärst wie ich, würdest du einfach X machen.

    Schwierig finde ich die Aussage: "Vielleicht ist es besser, das zu akzeptieren, immer allein zu sein, sich ständig schlecht zu fühlen, etc." Das klingt so, als könntest du hellsehen, dass du immer allein, ohne Freunde, ohne Bindung sein wirst. Weil du keine tiefen Freundschaften hast und seit vier Jahren Single bist, muss das für immer so sein? Mag ja sein, dass es Leute gibt, bei denen das so ist. Aber es gibt viel mehr Leute, die glauben, sie würden für immer allein bleiben, als Leute, die das tatsächlich tun. Das ist alles offen, und gerade das macht es so schwierig. Anscheinend wünschst du dir jemanden zum Reden, sonst würdest du dich nicht im Forum ausheulen.
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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    @snow, das klingt wirklich toll. Und auch noch Isreal, das stelle ich mir mentalitätsbedingt gar nicht so einfach vor. Aber vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung.
    Australien deshalb, weil ich einige Leute dort kenne, zu denen ich eventuell erstmal könnte, um mir von dort aus den ersten Job zu suchen. Und Tipps zur Vorbereitung können die mir natürlich auch geben. Davon abgesehen kann man dort Work & Travel machen (was in den USA, die mich noch mehr reizen, zB nicht geht), es ist wunderschön und bei den dort herrschenden Klimazonen ist es etwas einfacher, wenn man nur mit Rucksack reist. Anders als zB in Kanada, wo man dann verdammt gutes Schuhwerk, warme Kleidung, etc braucht.


    Zitat Zitat von diewilde13 Beitrag anzeigen
    naja, die arbeit beginnt halt eben erst jetzt. du machst schon den eindruck, dich passiv zurücklehnen zu wollen und er soll dich dann stabilisieren/heilen/stützen/bekuscheln ect. ich find, der macht es schon ganz richtig. er steigt auf die herkömmlichen muster nicht ein und lässt dich ins leere laufen, wenn du es versuchst, d.h. chaos wird nicht auch noch belohnt. vt ist ganz konkrete arbeit und wenn du die nicht tun willst, dann wird es nix. dann bleibt wirklich nur stationär oder medikamente oder eben so weitermachen wie bisher mit den üblichen resultaten.

    skills wirst du ja auch bei den bisherigen therapien kennengelernt und erarbeitet haben. warum setzt du die beispielsweise nicht ein, um dich zu stabilisieren?

    und noch ein wort zu hypnotherapie. das ist kein zaubermittel und braucht aktive mitarbeit. da irren sich viele leider.

    ich hab den eindruck, du testest deinen thera gerade massiv und bist enttäuscht, weil er sich nicht reinziehen lässt in den strudel und dir immer wieder freistellt, eigene entscheidungen zu treffen, ob du es mal anders machen und dich einlassen willst und damit deinen beitrag zu einer tragfähigen therapiebeziehung zu leisten. vielleicht ist es auch ganz anders, aber das ist mein eindruck.
    Klar, das stimmt sicher teilweise, weil ich mir gerade in Extremsituationen schon jemandem wünsche, der mich ein Stück weit auffängt. Wenn ich nicht so drauf bin, kann ich ja auch klar und rational denken und bin nicht so unglaublich vermeidend.
    Ich habe in meinen Therapien weder Skillstraining, noch Achtsamkeitstraining oder sonstige Strategien erlernt. Wie gesagt, das war alles immer tiefenfundierte Gesprächstherapie.
    Zur Hynose kann ich noch gar nichts weiter sagen, weil wir es noch nicht oft gemacht haben und ich eigentlich der Ansicht bin, gar nicht hypnotisierbar zu sein. Aber allein die Tatsache, dass ich nicht mehr total nervös werde und ständig abschweife, ist für mich ein großer Fortschritt. Ich habe nämlich extreme Probleme mit Kontrollverlust.
    Wenn, dann teste ich aber nicht bewusst.

    Your eyes must do some raining if you're ever gonna grow.

  14. Regular Client

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    archenstone, erstmal riesigen Dank, dass du dir so eine riesen Arbeit gemacht und mir so ausführlich geantwortet hast, da hat mich sehr gerührt.

    Euch anderen natürlich ebenfalls ganz lieben Dank, ich freue mich über jede Antwort.

    Also erstmal will ich gar nicht hinschmeißen. Ich kann mir gut vorstellen, dass mein Therapeut genau DAS von mir erwartet hat und deshalb gefragt hat, ob ich wiederkommen will. (Allerdings war da die Therapiestunde offiziell schon beendet, naja). Ich will's im eher im Gegenteil beweisen jetzt! :P Sprich, auch wenn ich eingeschnappt da raus bin, möchte ich natürlich wiederkommen und mich mit diesem (vielleicht viel zu hoch bewerteten) Konflikt auseinandersetzen. So, wie ich mich jetzt fühle, glaube ich auch, dass ich ganz sachlich mit ihm darüber reden kann, keine Frage. Aber mit mir hat er ja echt immer ein Überraschungsei - im schlimmsten Fall bin ich beim nächsten Mal auch wieder extrem mies drauf. Allerdings habe ich auch hier festgestellt, dass ich nicht gut auf mich geachtet und die Therapiestunde nicht gut vorbereitet habe. Das heißt: Ich habe schlecht geschlafen, nicht gefrühstückt und bin zu spät losgegangen, sodass ich mich von äußeren Faktoren (langsamer Aufzug, Baustellen, Menschen) habe stressen lassen. An dem Punkt fängt sicherlich schon die Selbstfürsorge an, und ich hoffe, dass ich etwas daraus gelernt habe und mich beim nächsten Mal besser vorbereiten werde. Ich bin sehr gespannt, inwieweit er mir seine Strategien erläutert und was überhaupt dabei rum kommt und ich will alles dafür tun, an dem Tag der Sitzung stabil zu sein, damit es produktiv wird.

    Ich finde es im übrigen überhaupt nicht "böse" was du schreibst. Ich bin mir wohl meiner Rolle in diesem Therapieverhältnis noch nicht bewusst. Wie gesagt, das ist mein erstes Mal VT und ich habe null Ahnung, wie sowas ablaufen kann. Ich bin ohne bestimtme Vorstellungen da ran gegangen, aber dennoch hatte ich mir konkrete Lösungsvorschläge gewünscht. Sowas wie: "wenn Sie in der und der Situation sind, könnten Sie x, y oder z ausprobieren. Merken Sie sich das und versuchen Sie das beim nächsten Mal anzuwenden." Bisher sind wir aber überhaupt nicht konkret geworden. Hab ich vielleicht ganz falsche Vorstellungen von der Sache? Eigentlich soll ich immer nur erzählen, was seit der letzten Sitzung Gutes passiert ist. So fängt jede Sitzung an. Es fällt mir generell schon schwer, sowas herauszufiltern (weil ja theoretisch noch ein Krebspatient kurz vor dem Abnippeln sagen könnte, dass er das Kachelmuster an der Wand schön fand, mal überspitzt gesagt) - aber klar, das liegt natürlich an meiner Einstellung. Wenn ich so drauf bin wie beim letzten Mal, dann geht natürlich gar nichts. Da wurde ich schon wütend, weil er mir überhaupt die Frage gestellt hat. So nach dem Motto "mein Leben geht grad den Bach runter und ich soll mich jetzt darüber freuen, dass ich am Wochenende nen hübschen Schmetterling gesehen hab oder was?!" Dass das für ihn übelst anstrengend ist, ist keine Frage. Ich hab mich auch schon mal am Ende einer Sitzung entschuldigt, weil ich ihn so angeschnauzt habe. Das habe ich mich in der Form glaube ich noch nie bei einem Therapeuten getraut, aber auf Provokation springe ich halt voll an. Als ich stationär war, wurde mir da teilweise regelrecht der Mund verboten. Ich wäre respektlos, usw. Da hätte ich dann wohl auch rausfliegen können, weshalb ich mich arg zusammennehmen musste.
    Also um das nochmal zusammenzufassen: Ja, ich habe mit Sicherheit Angst vor Veränderung, auch, wenn ich immer rumjammere. Allerdings weiß ich bisher gar nicht, WIE man sich verändert. Ich kenne (noch) keine Strategien, dich ich erlernen kann. Daher fühle ich mich mit dem Vorwurf etwas ungerecht behandelt.

    Mein Therapeut darf selbst keine Medikamente verschreiben. Er ist so ein Ökomensch (das meine ich positiv) und ich hab ihm dann auch knallhart an den Kopf geworfen, dass ich von ihm nicht erwartet hätte, dass er so pro Medikamente ist. Er meinte, er käme aus der Psychiatrie und würde nur seine Erfahrungswerte mitteilen. Und ja, ich hab das Gefühl, es passt ihm nicht, dass ich das nicht will. Dabei lasse ich mich wirklich sehr leicht beeinflussen und für Dinge begeistern. Bei dem Thema mache ich allerdings dicht. Was wiederum dazu führt, dass ich mich schuldig fühle, weil ich nicht mache, was er sagt, bzw die Therapie ein Stück weit sabotiere.

    Zu deinem letzten Punkt: Wie sollte sich denn auch was ändern, wenn ICH mich nicht ändere? Ich hab mir halt mein Leben lang eingetrichtert, dass ich mich ändern muss, um glücklich zu sein. Weil ich bis heute nicht so sein will, wie ich bin. Und es immer falsch und als Ausrede empfand zu sagen, man sei so und könne nichts dafür. Und jetzt kommt halt mein Therapeut daher und sagt mir, dass ich genau das tun soll. Das ist natürlich erstmal ein Hammer.
    Geändert von sirène (21.08.2015 um 02:21 Uhr)

    Your eyes must do some raining if you're ever gonna grow.

  15. Inaktiver User

    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    @archenstone: tolles Posting, besonders #12

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Ich bin ohne bestimtme Vorstellungen da ran gegangen, aber dennoch hatte ich mir konkrete Lösungsvorschläge gewünscht. Sowas wie: "wenn Sie in der und der Situation sind, könnten Sie x, y oder z ausprobieren. Merken Sie sich das und versuchen Sie das beim nächsten Mal anzuwenden." Bisher sind wir aber überhaupt nicht konkret geworden.
    Jeder Mensch hat sich in seinem Leben schon Verhaltensweisen angeeignet, welche in Krisen gut wirken. Weil die schon bekannt sind, wird ein Therapeut versuchen diese dir bewußt zu machen.
    fiktiv: Früher bist du bei Stress im Sportvereien eine Runde spazierengegangen und dann ging es dir mental besser. Du erzählst es dem Therapeuten. Der Therapeut fragt dich, ob du es heute auch machst? Und du überlegst dir, wie du es dir einrichtest (Zettel an der Pinnwand, wie kommst du zum Park etc. ppp.) Und du schaust, ob es dir tatsächlich hilft.
    Je nach Persönlichkeit und Problemfeld müssen mehr oder weniger richtig neue Techniken gelernt werden.
    Der Therapeut ist eher wie ein Trainer. Sporteln musst dann du.


    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Eigentlich soll ich immer nur erzählen, was seit der letzten Sitzung Gutes passiert ist. So fängt jede Sitzung an. Es fällt mir generell schon schwer, sowas herauszufiltern (weil ja theoretisch noch ein Krebspatient kurz vor dem Abnippeln sagen könnte, dass er das Kachelmuster an der Wand schön fand, mal überspitzt gesagt) - aber klar, das liegt natürlich an meiner Einstellung.
    Machst du dir Notizen?
    Die Frage hat mehre Aspekte. Einerseits ist es eine Art Therapietagebuch für deine Stimmung. Dann geht es auch in die Richtung Selbstwahrnehmung, was dann auch in Richtung Achtsamkeit ausgebaut werden kann.

    Und eine Beobachtung bei diversen Menschen in meiner Umgebung: Es gibt einen Menschenschlag, der fokussiert extrem auf negative Dinge (Pech, Ungerechtigkeiten). Sie haben gefühlt ein sehr schlimmes Leben. Andere Menschen mit ähnlich gelagerten Problemen sehen mehr das positive und haben ein normales Leben und können sich mal an den Höhepunkten erfreuen. Sich immer und immer wieder über die 2,3 g zu leichte Semmel aufregen frisst Lebensenergie. Sich über die schöne Rose in Nachbars GArten zu freuen bringt Energie.

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Und ja, ich hab das Gefühl, es passt ihm nicht, dass ich das nicht will. Dabei lasse ich mich wirklich sehr leicht beeinflussen und für Dinge begeistern. Bei dem Thema mache ich allerdings dicht. Was wiederum dazu führt, dass ich mich schuldig fühle, weil ich nicht mache, was er sagt, bzw die Therapie ein Stück weit sabotiere.
    Rede mal mit deinem Therapeuten über die fett geschriebenen Wortgruppen unter dem Oberthema: Verhalten in Konfliktsituationen

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Zu deinem letzten Punkt: Wie sollte sich denn auch was ändern, wenn ICH mich nicht ändere? Ich hab mir halt mein Leben lang eingetrichtert, dass ich mich ändern muss, um glücklich zu sein. Weil ich bis heute nicht so sein will, wie ich bin. Und es immer falsch und als Ausrede empfand zu sagen, man sei so und könne nichts dafür. Und jetzt kommt halt mein Therapeut daher und sagt mir, dass ich genau das tun soll. Das ist natürlich erstmal ein Hammer.
    den Teil, also ab dem 2. Satz verstehe ich logisch nicht.
    Du sagst dir, dass du dich ändern musst, um glücklich zu sein. Du willst nicht so sein, wie du aktuell bist.
    Was sagt dein Therapeut, was du tun sollst?

  16. Regular Client

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Hallo allo, auch dir lieben Dank für deine Mühe!

    Ich nehme mir so oft vor, mir Notizen zu machen. Ich habe ein normales Tagebuch und eines, was nur so zum ausfüllen und ankreuzen ist. Ich mach das ein paar Tage und dann vergesse ich das wieder (so ist es mit allem - Essen, Sport, etc.). Fällt das jetzt wieder unter Selbstsabotage? Ich bin halt auch echt mega verpeilt und vergesse einfach ALLES. Jeden Tag klingelt bestimmt fünfmal mein Handy und erinnert mich an irgendwas.
    Ich habe mir jetzt eine tägliche Erinnerung für abends eingerichtet. Kurz zwei, drei Sätze zum Tag schreiben. Ich möchte meinem Therapeuten wirklich gerne beweisen, dass ich den Arsch hochkriege und so eine Sitzung vorbereiten kann.

    den Teil, also ab dem 2. Satz verstehe ich logisch nicht.
    Du sagst dir, dass du dich ändern musst, um glücklich zu sein. Du willst nicht so sein, wie du aktuell bist.
    Was sagt dein Therapeut, was du tun sollst?
    Ja, richtig. Verändern. Das lernt man ja eigentlich auch so. Wenn du zu fett bist, ändere deine Ernährung und mach Sport. Wenn du deinen Charakter nicht magst, schau, was du tun kannst, um fiese Eigenarten abzulegen.
    Nun kommt aber mein Therapeut daher und sagt: "Nö. Akzeptier dich so, wie du bist. Auch wenn du manchmal nervig, egoistisch, anstrengend bist. Du bist halt so und kannst nix dafür." Aber kann ich das wirklich nicht?

    Your eyes must do some raining if you're ever gonna grow.

  17. Inaktiver User

    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Nun kommt aber mein Therapeut daher und sagt: "Nö. Akzeptier dich so, wie du bist. Auch wenn du manchmal nervig, egoistisch, anstrengend bist. Du bist halt so und kannst nix dafür." Aber kann ich das wirklich nicht?
    Aber ist es nicht so, dass du erstmal da ansetzen solltest, dich so hinzunehmen, wie du bist? Also, ich finde es immer prima, wenn Leute an ihren "Macken" arbeiten wollen (ich nehm mir das auch vor). Aber wenn ich so deinen 1. Post lese, dann wirkst du furchtbar traurig und hoffnungslos, dass alles in deinem Leben so schlecht bleibt. Und der schwierigste Schritt wäre es imo, dass du mit dir zufrieden bist.
    Das soll ja gar nicht bedeuten, dass du stolz darauf bist, bspw. mit anderen immer mal wieder anzuecken, aber vielleicht siehst, dass du anscheinend doch ziemlich (mental) stark bist und dich nicht kleinkriegen lässt.

    Und im Zitat des Therapeuten steht ja nicht, "du bist ein absolut unerträglicher Mensch, sei stolz drauf!", sondern "du bist halt manchmal nervig, manchmal anstrengend, manchmal egoistisch - aber hey, das ist normal, das ist jeder irgendwo. Nimm dich so hin."

    Ich glaube, er möchte da vielleicht eher, dass du erstmal eine gesunde Basis hast. Du bist mit dir zufrieden. Im zweiten Schritt kannst du immer noch schauen, wie du es z. B. schaffst mutiger zu werden oder in dir ruhender oder ich weiß nicht was.

    Und ich finde von deinem 1. Post her den Therapeuten auch sehr ... anstrengend, fordernd. Aber vielleicht hilft dir genau das, was schon jemand anderes schrieb, um aus deiner Routine zu kommen. Und ja, wenn dich das stört, sprich es bei ihm an, z. B. das mit der ambulanten Therapie oder bleib auch dabei, wenn du dich mit Medikamenten nicht (mehr) wohlfühlst.

    Und ich finde deinen Plan prima, dass du ein Jahr Work & Travel machen möchtest. Ich kenne eine Person, die das gemacht hat und unheimlich davon profitiert hat, ebenfalls in Australien.
    Offensichtlich läuft da gerade einiges in deinem Leben unglücklich, und ich denke, es ist gut, dass du da dieses Ziel hast und vielleicht ergibt sich für dich da unten eine neue Perspektive auf alles. Oder sei es nur, dass du stärker wirst.

  18. Urgestein

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Archenstone, ich finde deine Posts auch ganz toll. Du kannst dich anscheinend sehr gut in die Lage von anderen Menschen versetzen.
    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Ich nehme mir so oft vor, mir Notizen zu machen. Ich habe ein normales Tagebuch und eines, was nur so zum ausfüllen und ankreuzen ist. Ich mach das ein paar Tage und dann vergesse ich das wieder (so ist es mit allem - Essen, Sport, etc.). Fällt das jetzt wieder unter Selbstsabotage?
    Nein, ich denke nicht, dass das unbedingt Selbstsabotage ist. Ich symptomatisiere auch ganz gerne mein Verhalten, aber ich denke, wirkliche Selbstsabotage erkennt man daran, dass so ein Verhalten bei Leuten in vielen Situationen und gehäuft auftritt - jemand, der vergisst, Tagebuch zu schreiben und vergisst, vor den Feiertagen Brot und Milch zu kaufen und im Winter vergisst, seine Jacke mitzunehmen und im Sommer bei total grellem Licht die Sonnenbrille usw.
    Vllt würde es dir helfen, bei bym in einem Thread (z. B. diesem) über die Therapiestunden zu schreiben? Das habe ich früher gemacht und ich denke, die Dinge haben sich dadurch besser eingeprägt. Der nette Nebeneffekt ist, dass es manchmal von anderen Leuten kommentiert wird, also es fühlt sich kommunikativer an, als Tagebuch zu schreiben.
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  19. Member

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Was hast du denn für eine Diagnose, bzw. du sagst, du hast schon länger Probleme? Für mich hört es sich so an als versucht dich der VT-Therapeut mit einer klassischen VT zu behandeln, obwohl längere, überdauernde (Beziehungs-)probleme vorliegen. Die klassische VT ist auf Achse 1 Störungen ausgerichtet (ich weiß jetzt nicht ob dir das was sagt, also eher akute, nicht so überdauernde Probleme) und nicht so sehr auf Achse 2 (überdauernde, beziehungs-/"vertrauensorientierte" Probleme). Dann wäre eine Schematherapie sehr sinnvoll, weil die gerade darauf eingeht als Weiterentwicklung der normalen VT. Weil viel "therapiesabotierendes" Verhalten ein altes Schema, Muster, Bedürfnis, Angst etc. ist. Ich persönlich halte gar nicht viel von "will Therapie, aber will sich nicht ändern". Ich glaube, da gibt es im System des Menschen einen guten Grund, der verhindert, sich zu ändern oder die Dinge zu verändern. Mir scheint, als nimmt dein Therapeut das Bedürfnis, angenommen, bzw. Hilfe zu erhalten in schwieriger Situationen zu wenig ernst bzw. scheint nicht zu verstehen, dass es mit klassischen VT Methoden wie negative Verstärkung nicht getan ist. Oder positiver Verstärkung wie das Erzählen von positiv erlebten. Wenn komplexere Probleme vorliegen verhakt man sich da schnell, weil diese (sehr simplen) Techniken einfach zu kurz greifen.

    Ich würde auch mit ihm reden und schauen, ob du von der Therapie profitieren kannst, ansonsten wechseln. Er könnte mit dir ja auch soziales Kompetenztraining machen wegen der sozialen Probleme. Mich erinnert es an eine VT die ich vor langer Zeit gemacht habe und die überhaupt nicht funktioniert hat, etwas ähnlich wie bei dir. Mittlerweile verstehe ich auch warum, weil man Achse 2 Problematik (also eher Persönlichkeitsstörungen, die Diagnose ist aber sehr stigmatisierend und wird selten vergeben und auch oft in meinen Augen falsch, weil viele Persönlichkeitsstörungen Traumafolgestörungen sind) nicht mit Methoden die für Achse 1 konzipiert sind, behandeln kann. Kann da wie gesagt Schematherapie sehr empfehlen, vielleicht würde es dir auch helfen, ein Buch darüber zu lesen?
    Ach ja, Australien hört sich super an! Und außerdem ist 27 noch überhaupt kein Alter, da kann sich noch sehr viel ändern!!!
    Pure Vernunft darf niemals siegen, wir brauchen dringend neue Lügen

  20. Member

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    AW: Ich bin schon wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiterweiß

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    archenstone, erstmal riesigen Dank, dass du dir so eine riesen Arbeit gemacht und mir so ausführlich geantwortet hast, da hat mich sehr gerührt.


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    @archenstone: tolles Posting, besonders #12
    Zitat Zitat von ~snow06~ Beitrag anzeigen
    Archenstone, ich finde deine Posts auch ganz toll. Du kannst dich anscheinend sehr gut in die Lage von anderen Menschen versetzen.
    Oh, danke

    Nachdem ich letzte Woche untypisch viel Energie hatte, war es mir irgendwie zu viel, gleich wieder zu antworten. Wahrscheinlich mache ich mir mit meiner langen Antwort unbewusst Erwartungsdruck. Ich finde mich auch nicht besonders sozialkompetent, ich habe ja selbst einen ziemlichen Verschleiß an Therapie-Erstgesprächen (gehabt). Schwierige Patientinnen müssen zusammen halten, oder so.

    Also nicht ganz so ausführlich diesmal, aber ein paar Gedanken:

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Also um das nochmal zusammenzufassen: Ja, ich habe mit Sicherheit Angst vor Veränderung, auch, wenn ich immer rumjammere. Allerdings weiß ich bisher gar nicht, WIE man sich verändert. Ich kenne (noch) keine Strategien, dich ich erlernen kann. Daher fühle ich mich mit dem Vorwurf etwas ungerecht behandelt.
    Es ist ein Grundsatzproblem, was tue ich nicht, weil ich nicht will und was tue ich nicht, weil ich nicht kann. Solange ich nicht weiß, in welche Richtung loslaufen, nicht mal, welche Richtung überhaupt existiert - dann kann ich nicht. Wenn ich genau weiß, was ich tun müsste, aber auf der Schwelle stehen bleibe - dann will ich nicht, aus welchem Grund auch immer. Also z.B. die Frage, was in der Zwischenzeit Schönes passiert ist. Vielleicht fällt dir da beim besten Willen nichts ein, was Schönes passiert sein könnte. Geht vielen so, wenn die Frage in Therapierunden aufkommt. Oder vielleicht denkst du: "Ja, ich habe einen schönen Schmetterling gesehen, aber das kann doch jetzt nicht Thema sein, wenn mein Leben den Bach runtergeht!" Dann willst du den Fokus nicht auf dem schönen Moment haben, warum auch immer. Das ist ja schon mal ein besseres Gefühl, zu wissen, was man theoretisch anders machen könnte.

    Natürlich lösen solche Momente keine realen Probleme, der Schmetterling besorgt dir keine Arbeitsstelle. Die Schwierigkeit ist, zu akzeptieren, dass der Schmetterling (oder das Kachelmuster oder was dir für einen Moment gut vorkam) trotzdem existiert. Dass es ein Umfeld gibt, in dem jemand sagen kann: "Ich habe mich heute über die Sonnenstrahlen gefreut, ich habe es heute geschafft, das Altglas wegzubringen" und das okay und schön ist und die anderen Probleme deswegen nicht wegdiskutiert werden. Dass du Fortschritte machen darfst und selbstverständlich weiter in der Therapie bist und weiter Hilfe brauchst.

    Selbstakzeptanz ist auch so ein Thema.

    Zitat Zitat von sirène Beitrag anzeigen
    Zu deinem letzten Punkt: Wie sollte sich denn auch was ändern, wenn ICH mich nicht ändere? Ich hab mir halt mein Leben lang eingetrichtert, dass ich mich ändern muss, um glücklich zu sein. Weil ich bis heute nicht so sein will, wie ich bin. Und es immer falsch und als Ausrede empfand zu sagen, man sei so und könne nichts dafür. Und jetzt kommt halt mein Therapeut daher und sagt mir, dass ich genau das tun soll. Das ist natürlich erstmal ein Hammer.
    Ja. Das ist ein Hammer, der wirft einen erst mal um.

    Aber: Hättest du ein länger andauerndes körperliches Problem, dann wäre das genau der gleiche Hammer. Wenn dir ein Bein fehlen würde, wenn du plötzlich blind wärst, wenn du gegen drölf Lebensmittel Allergien entwickelt hättest - das ist vielleicht leichter vorstellbar. Es gibt Krankheiten, da legt man sich zwei Wochen ins Bett, nimmt Medizin, operiert irgendwas weg und *zack* ist wieder gesund. Aber es gibt auch Krankheiten, da muss man lernen, damit zu leben. Die Einschränkungen, die man deswegen hat, können weniger werden, manchmal ganz verschwinden, aber es wird nie das gleiche Leben sein wie ohne die Krankheit.

    Es ist auch nicht jede Persönlichkeitseigenschaft gleich eine Krankheit. Ja, es gibt Leute, die flippen schneller aus, es gibt Leute, die nehmen nicht alle unausgesprochenen Botschaften im Raum direkt wahr, es gibt Leute, die wirken unfreundlicher, abweisender und wissen selbst nicht, warum. Aber das ist doch nicht pauschal schlechter? Gerade diese superempathischen, selbstlosen Menschen werden doch in Scharen depressiv und sind auf Therapie angewiesen. (Ok, und ich bilde mir gelegentlich ein, dass "die Therapeuten" diese Art von Patienten lieber mögen, weil die weniger widersprechen - aber das ist meine Paranoia)

    Natürlich muss man sich Mühe geben, du, ich und die "Ich war immer das liebe Kind"-Depressiven auch. Aber irgendwann muss man ein bisschen Toleranz von der Welt verlangen. Dann kann der Diabetiker nicht spontan ein Stück Kuchen essen, aber er ist richtig eingestellt. Dann ist die stille Person immer noch ruhig in der Außenwirkung, wenn sie sagt, sie ist selbstbewusster geworden. Dann muss die Menschenhasserin erst akzeptieren, dass sie sich nicht mal eben in das Idealbild der netten, "normalen" Person verwandeln wird.

    Eine Ausrede ist: "Ich bin halt so, darum versuch ichs gar nicht erst". "Ich bin so, ich kenne mich, darum fällt mir X und Y schwerer" ist eine andere Aussage.
    wtf momente

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