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  1. Member Avatar von laut
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    Daumen runter Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Ich kenne meine aktuelle Mitbewohnerin (2er WG) schon aus dem Studium - wir waren in der gleichen Clique, hatten aber zu zweit wenig miteinander zu tun, ich fand sie auch nicht durchgehend sympathisch. Ich zog nach dem Studium in meine Heimatstadt, sie zog zufällig nach, da sie hier (nicht ihre Heimatstadt) einen Job bekam. So hatten wir erstmals Kontakt "ohne Clique", und es ging ihr schnell aus familiären Gründen sehr schlecht, sodass wir uns viel darüber austauschten, aber auch mal gemeinsame Aktivitäten außerhalb von Problemtalk machten. Ich war parallel dazu in der therapeutischen Ausbildung, die ich jetzt abgeschlossen haben.
    Da ich später eine WG-taugliche Wohnung fand und sie auch umziehen wollte, zogen wir zusammen. Schon vorher, aber insbesondere dann begannen schwerwiegendere psychische Probleme bei ihr, die nach meiner Wahrnehmung die "guten Phasen" überwogen/überschatteten, immer wieder ging es in unserem Kontakt sehr viel um ihre Themen. Der Einzug ist jetzt 3 Jahre her, und momentan ist sie in einer Tagesklinik. Die Probleme werden (da viel aufgearbeitet wird/werden muss) eigentlich immer heftiger, sinn- und lebenskrisenhaft.

    Momentan zweifle ich an unserer Freundschaft, da ich sie zunehmend durch die Therapeutenbrille betrachte und mir da (vermeintlich) viel klar ist, was ihr in keinester Weise bewusst scheint.
    Ich find es sehr schwer, das mitanzusehen, auch teilweise destruktives Verhalten ihrerseits. Es geht auch hauptsächlich um ihre und wenig um meine Themen, denn ich finde sie so unempathisch/unauthentisch, sodass ich eigentlich keine Lust auf Gespräche über "mich" habe - die Resonanz ist (durch ihre Erkrankung) so eingeschränkt.

    Im Grunde will ich nicht mehr mit ihr zusammenwohnen, und ich zweifle auch an unserer Freundschaft - inwieweit ich sie eigentlich sympathisch finde(n kann).
    War jemand von euch mal in so einer Situation, egal auf welcher Seite?
    Kann sich diese "Freundschaft", an deren ursprünglicher Existenz ich sogar momentan zweifle, wieder regenerieren?

    "Darf" ich sie rauswerfen? (Ich habe die WG gegründet)
    Ist das superfies, oder vielleicht sogar gut und könnte für uns beide entlastend sein? (Momentan handle ich eigentlich aus Mitleid nicht, aber möglicherweise wäre es ja sogar ein produktiver Schritt, aus dieser kranken Beziehung rauszugehen?)
    Autonom sein ist bei ihr auch ein recht zentrales Thema. In diesem Sinne wäre es definitiv gut, wenn sie eine andere Wohnform für sich finden würde, da sich hier so ein komisches "Macht"verhältnis eingespielt hat (ich als die "gesunde" WG-Chef-Therapeutin...). Aber ich BIN ja nicht ihre Therapeutin. Hm. Also?

    Bitte nicht zitieren!

  2. Member Avatar von juno_
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Ich war mal in einer ähnlichen Situation, nur dass ich keine Therapeutin war/bin, sondern nur die "gesunde" Freundin, und ich rate dir ganz klar zur Auflösung der WG. Bei uns ging es danach defintiv beiden (!) besser, meiner Freundin auch gerade dadurch, dass sie mal mehr unter andere Leute kam (wir hatten uns vorher doch sehr auf einander fixiert und im Endeffekt gegenseitig blockiert). Das ist in eurem Fall vielleicht noch eine Spur "nötiger", da es bereits jetzt keine Freundschaft auf Augenhöhe mehr ist, wenn du sie (verständlicherweise) mehr und mehr durch die Therapeutenbrille siehst.

  3. Junior Member
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Hm. schwierig... "gegangen zu werden", kann auch destabilisierend wirken... wenn, dann würd ich es ihr wenigstens anders verpacken. Das ist aber nur meine Sicht als ehemalige Betroffene. Wie viel Zeit verbringt ihr denn normalerweise zusammen?

  4. Urgestein Avatar von melody.
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    wenn es dir zuviel wird, ist das so.

    du musst sie ja nicht rausschmeissen, aber zeitnah sagen, dass du so nicht mehr wohnen willst

  5. Regular Client Avatar von nirtak
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    ich finde du hast das recht in der situation auch an dich zu denken, wenn du dich nicht mehr wohl fühlst oder es dir zu viel wirst dann darfst du das in welcher form auch immer ihr gegenüber kommunizieren. du musst deshalb sicher kein schlechtes gewissen haben, ist keinem geholfen wenn es dir deshalb auch noch schlecht geht. denke mit mehr distanz könntest du in ihr auch wieder eher eine freundin sehen die hilfe braucht und nicht eine mitbewohnerein die therapiert werden muss.

  6. Junior Member
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Ich bin da wahrscheinlich zu sensibel... die Wohnung war zeitweise das einzige, was noch "gestimmt" hat, wo ich mich "wohl" und sie "zu mir gehörig" gefühlt hab, allerdings habe ich zu den schlimmeren Zeiten schon alleine gewohnt.
    Ich wollte eigentlich kein schlechtes Gewissen machen oder Verantwortlichkeit einreden, tut mir Leid, wenn das so rüberkommt, weil ich mich nicht davon freimachen kann!

  7. Member Avatar von laut
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Danke für eure Rückmeldungen, die finde ich hilfreich - auch deine Sicht ambi, hab das keinesfalls als anmaßend o.a. verstanden.
    Ich finds halt schon blöd, dass ich sie "gehe", obwohl ich ja definitiv stabiler wäre, einen Umzug zu verkraften. Gleichzeitig ist irgendwie klar, dass bei einer "Auflösung" sie diejenige ist, die geht, da ich hier alles eingerichtet und organisiert habe und es sozusagen "meine WG" ist. Es fällt mir aber schwer, mich da "schuldig" zu machen, und deshalb zögere ich das wohl schon so lange hinaus - der Gedanke war schon lange mal da.

    "WG Auflösung" find ich schonmal als Formulierung ganz gut. Besser als "Rausschmiss", aber irgendwie halt nur anders verpackt, denn de facto ist es halt eher ein Rausschmiss, unter Auflösung würde ich verstehen, dass wir beide ausziehen...

  8. Member Avatar von laut
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    juno_: Wie hast du das denn deiner Mitbewohnerin damals kommuniziert?

  9. Member Avatar von juno_
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Der Ausdruck WG-Auflösung kam ja von mir, weil es bei uns faktisch so war - insofern lässt sich die Situation nicht 1:1 vergleichen. Wir hatten einfach beide erkannt, dass das Zusammenwohnen so nichts für uns ist, sie wollte in eine größere WG mit mehr Action, ich wollte mit meinem Freund zusammenziehen. Damit, ihr einfach zu sagen, dass ich nicht mehr mit ihr zusammenwohnen möchte, hätte ich mich auch sehr schwer getan. Hat deine Freundin denn noch nichts in der Richtung geäußert, dass sie sich eine andere Wohnsituation wünschen oder vorstellen könnte? Ist sie zufrieden mit eurem WG-Leben?

  10. Inaktiver User

    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    .
    Geändert von Inaktiver User (26.04.2019 um 19:15 Uhr)

  11. Member Avatar von pilzfee
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Mir dreht sich aufs übelste der Magen um, wenn ich diese Geschichte lese. Ich habe selbst psychische Probleme und eine ehemals beste Freundin, die dann Therapeutin wurde und nicht damit klar kam, dass es mir nicht besser ging, weil sie sich halt irgendwie in die Helferrolle gedrängt gefühlt hat. Sie hat sich dann sozusagen von mir getrennt, es gehört für mich zu dem Berg an Beziehungen, wo ich gemerkt habe, dass ich wohl grundsätlich in menschlichen Beziehungen nicht gut zurecht komme und mich auch nicht mehr wirklich auf solche (außer weiteren gescheiterten therapeutischen) einlassen kann und möchte, weil ich zu oft enttäuscht wurde.
    Ich finde, es sollte dir klar sein, dass es Auswirkungen haben wird, im besten Fall sucht sie sich bereits was Neues weil sie auch unglücklich damit ist.
    Was ich nicht verstehen kann, dass nicht du gehst wenn es dir nicht mehr gefällt, dann müsstest du sie zumindest nicht rausschmeißen und weshalb es dir gerade mit therapeutischer Ausbildung so schwer fällt dich abzugrenzen.
    Wer lebt stört.

  12. Junior Member
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Vielleicht ist es eine Überlegung wert, ob es nicht auch für dich die insgesamt einfachere Lösung wäre, wenn Du dir ne neue Wohnung suchst? Damit sparst Du dir viele Grübeleien und ein schlechtes Gewissen, das du ansonsten wohl haben wirst deiner Mitbewohnerin gegenüber. Wäre das eine Alternative für dich? Auch wenn es natürlich blöd ist, weil es eigentlich deine Wohnung ist, das ist klar. Es geht mir auch gar nicht darum, dass Du das ihretwegen machen sollst, sondern weil es auch für dich einfacher sein könnte als der emotionale Stress, denn du haben wirst, wenn du sie rausschmeißt.


    Zitat Zitat von pilzfee Beitrag anzeigen
    Was ich nicht verstehen kann, dass nicht du gehst wenn es dir nicht mehr gefällt, dann müsstest du sie zumindest nicht rausschmeißen und weshalb es dir gerade mit therapeutischer Ausbildung so schwer fällt dich abzugrenzen.
    Es ist ihr Privatleben und nicht ihr Beruf, von daher muss sie sich da auch gar nicht abgrenzen sondern darf stattdessen der Situation auch aus dem Weg gehen.

    Kann man es jemandem denn wirklich vorwerfen, auf Abstand zu einer Person zu gehen, wenn deren Situation einen selbst belastet? Ist traurig, klar, aber auch legitim, finde ich. Zumal in diesem Fall die TE ihre Mitbewohnerin ja gar nicht mehr als Freundin sieht und die Sympathie auch gar nicht mehr da ist. Da verstehe ich es, dass man den Kontakt lieber reduzieren will.

    Ich würde halt versuchen es nicht raushängen zu lassen, das der Auszug / Rauswurf was mit ihr als Person zu tun hat.

  13. Member Avatar von laut
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Zitat Zitat von pilzfee Beitrag anzeigen
    es gehört für mich zu dem Berg an Beziehungen, wo ich gemerkt habe, dass ich wohl grundsätlich in menschlichen Beziehungen nicht gut zurecht komme und mich auch nicht mehr wirklich auf solche (außer weiteren gescheiterten therapeutischen) einlassen kann und möchte, weil ich zu oft enttäuscht wurde.
    Ich finde, es sollte dir klar sein, dass es Auswirkungen haben wird....
    Da stülpst du mir jetzt deine Geschichte über, denn so desaströs muss und soll es nicht laufen - deshalb beschreibe ich meinen Gewissenskonflikt ja hier und lese eure verschiedenen Meinungen .
    Die Frage, warum nicht ich einfach gehe, ist berechtigt, ja - die stelle ich mir auch, hab ich ja oben geschrieben, deinen letzten Satz allerdings empfinde ich wieder als Provokation - ich bin in keiner therapeutischen Beziehung zu ihr, dafür bin ich viel zu nah dran, und gerade deshalb gibt es da gerade viele Probleme. Abgesehen davon kann ich auch als Therapeutin Abgrenzungsschwierigkeiten haben, deshalb lässt "man" sich normalerweise supervidieren.

    minz: Mein Wunsch wäre eine neue MitbewohnerIn.

    juno_: Sie hat durchaus schon geäußert, unzufrieden zu sein und "anders" wohnen zu wollen, allerdings fehlt ihr immer wieder die Kraft und der Antrieb für die WG-Suche. Auch das kann ich verstehen, weshalb ich sie - sollte es in diese Richtung gehen - sie natürlich nicht mit einer Deadline "rauswerfen" würde. Grundsätzlich ist sie mit der ganzen Wohnform unzufrieden, was auf mich nicht zutrifft.
    Ich denke, wir bräuchten einfach ein klärendes Gespräch in Richtung "so wollen wir nicht weiterwohnen, was können wir tun?"

  14. Member Avatar von pilzfee
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Das darfst du gerne als Provokation empfinden, wie du vielleicht schon mitbekommen hast ist meine Meinung von Therapeuten ja nicht die beste.
    Ich hatte mal die Vorstellung, dass eine therapeutische Ausbildung im weitesten Sinne auch eine Persönlichkeitsentwicklung miteinschließt, was dann ja schon auch Auswirkungen auf private Beziehungsgestaltung haben könnte. Diese Trennung zwischen ja, ich bin Therapeutin aber privat hab ich halt genau dieselben Konflikte wie alle anderen finde ich schon seltsam.
    Ich bin übrigens der Meinung, dass man in ner WG mit den Bewohnern nicht befreundet sein muss, ein respektvoller Umgang ist doch trotzdem möglich.
    Und ist mir schon klar, dass du solch Worst-Case-Szenarien nicht lesen möchtest, die gibt es aber, und du hast explizit nach beiden Seiten gefragt.
    Wer lebt stört.

  15. Member
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Ich hatte mal eine ähnliche Geschichte, jetzt mal abgesehen von der therapeutischen Ausbildung. Es kam auch dazu, dass ich selbst psychisch etwas angeschlagen war, aber nicht so gravierende Probleme hatte wie sie. Als sie dann einmal ganz massiv eine Grenze überschritten hat, war eigentlich für uns beide klar, dass sie ausziehen muss. Es wurde aber schnell deutlich, dass sie nicht in der Lage ist, sich kurzfristig eine neue Wohnung zu suchen. Letztlich hat sich die Situation so zugespitzt, dass ich selbst gegangen bin und auch eine vorläufige Zwischenmieterin für mein Zimmer gesucht habe, weil sie es einfach nicht geschafft hat. Als es ihr etwas besser ging, hat sie dann selbst einen Nachmieter gesucht.
    Unsere Beziehung hat sich nach dem Auszug deutlich entspannt. Ich hatte wieder mehr das Gefühl, selbst steuern zu können, wie viel Kontakt ich zu ihr möchte und wie viel ich leiste. In einer WG ist das ja wirklich erschwert. Deshalb würde ich schon vermuten, dass eure Freundschaft sich regenerieren kann, wenn die Situation sich äußerlich entspannt. Ich würde auch erstmal das Gespräch suchen und schauen, wie sie reagiert. Du kannst ja auch deutlich machen, dass du die Freundschaft gefährdet siehst und hoffst, dass du ihr wieder anders begegnet kannst, wenn der Abstand größer ist. Oder so.

  16. Member
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Zitat Zitat von pilzfee Beitrag anzeigen
    Diese Trennung zwischen ja, ich bin Therapeutin aber privat hab ich halt genau dieselben Konflikte wie alle anderen finde ich schon seltsam.
    Eine therapeutische Ausbildung macht einen doch nicht zum Übermenschen?

  17. Member Avatar von pilzfee
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Nein, aber so was von überhaupt nicht.
    Wer lebt stört.

  18. Ureinwohnerin Avatar von phaenomenal
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Aber es ist doch dann vollkommen normal, dass eine Person, die beruflich Therapeut(in) ist, auch zwischenmenschliche Konflikte hat!?
    „Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.“ R. P. Feynman

  19. Member Avatar von laut
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Zitat Zitat von pilzfee Beitrag anzeigen
    Diese Trennung zwischen ja, ich bin Therapeutin aber privat hab ich halt genau dieselben Konflikte wie alle anderen finde ich schon seltsam.
    Dass eine therepeutische Ausbildung Persönlichkeitsreflektion und -entwicklung miteinschließt ist auch meine Meinung. Allerdings kann das trotzdem - oder deswegen - zu heftigen Konflikten führen, von denen sich niemand freimachen kann. Ob es "genau dieselben" Konflikte sind, weiß ich nicht.

    Ich bin übrigens der Meinung, dass man in ner WG mit den Bewohnern nicht befreundet sein muss, ein respektvoller Umgang ist doch trotzdem möglich.
    Natürlich. Der ist ja auch gegeben. Aber vielleicht reicht mir (und möglicherweise auch ihr) das nicht, wir haben andere Vorstellungen vom Zusammenwohnen als "respektvoll umgehen"!?

    Und ist mir schon klar, dass du solch Worst-Case-Szenarien nicht lesen möchtest, die gibt es aber, und du hast explizit nach beiden Seiten gefragt.
    Warum? Ich möchte sie schon lesen.

  20. Member Avatar von Tethys
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    AW: Mitbewohnerin / Psychische Krankheit / Freundschaft / Krise

    Ich kann die TE verstehen (auch als selbst von psych. Problemen Betroffene). Es gibt durchaus Fälle, in denen die Beendigung oder grundsätzliche Veränderung einer Beziehung der verantwortungsbewussteste Umgang mit dieser ist. Manchmal braucht es einen klaren Cut/mehr Distanz, um lange etablierte Muster und Dynamiken aufzubrechen. Diese permanente Nahsicht macht es doch sehr schwer, die eingespielten Strukturen wirklich dauerhaft zu verändern - und man kann dafür auch nicht der TE die alleinige Verantwortung überstülpen. Vielmehr ist doch genau das das Problem: Dass sie als "die Gesunde" in eine viel zu sehr mit Verantwortung belegte Position gegenüber der Mitbewohnerin gerutscht ist. Das kann man nicht dadurch lösen, dass man jetzt der TE die Verantwortung überträgt, die Beziehung auch ohne räumliche Trennung wieder ins Lot zu bringen.

    Dass die Auflösung der WG die Mitbewohnerin wahrscheinlich erstmal umhauen wird: geschenkt! Trotzdem denke ich, dass gerade auch die Mitbewohnerin von eben dieser Auflösung profitieren kann. Das Auflösen eines dysfunktionalen Systems setzt oft für alle Elemente ungeahnte Kräfte frei - auch für die "schwachen". Es kann der Mitbewohnerin meiner Meinung nach sogar extrem gut tun, aus dieser asymmetrischen Konstellation auszubrechen, denn in dieser ist sie eben immer die Unterlegene/die Schwache/die Bedürftige und eine Beziehung, die sich so eingespielt hat, kann einen auch ganz gut "unten" halten.
    Wenn die Karten komplett neu gemischt werden, steckt darin auch für die Mitbewohnerin eine Chance, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und sich nicht so abhängig zu machen von anderen Menschen. Natürlich ist das erstmal schmerzhaft und verunsichernd und beängstigend - aber ich gehe mal davon aus, dass die TE ihre Mitbewohnerin nicht abrupt und kaltschnäuzig vor die Tür setzt, sondern ihr ihre Entscheidung ruhig und auch mit dem nötigen empathischen Feingefühl übermittelt und sie ggf. auch beim Auszug unterstützt.

    Die Idee, selbst auszuziehen und der Mitbewohnerin die Wohnung zu überlassen, ist bestimmt eine Überlegung wert. Also sofern das zumutbar ist - das kann ich natürlich von hier aus nicht beurteilen. Wenn die Mitbewohnerin allerdings lieber eine größere WG hätte und wenn die aktuelle Wohnung dafür ohnehin ungeeignet ist, wäre ein solcher Schritt eventuell auch sinnlos.

    Grundsätzlich finde ich auch, dass Psychotherapeuten sich auch in privaten Beziehungen nicht wie die Axt im Walde aufführen sollten (wie halt eh grundsätzlich niemand) - aber dass sie auch im Privaten professionelle therapeutische Grenzziehung etc. betreiben sollten, finde ich absurd. Private Beziehungen zeichnen sich doch eben dadurch aus, dass man keine "Professionalität" wahren muss, sondern dass man privat und selbst nur Mensch sein darf! Da zu erwarten, dass Therapeuten im privaten Kontext den professionellen Hilfstherapeuten mimen, spricht meines Erachtens von einer grundauf verschobenen Erwartungshaltung.

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