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  1. Stranger
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    An alle (besonders ehemalige) ES Geplagte...

    Hier gibt es ja einige die mit der ES kämpfen bzw. sie mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gelassen haben. Ich kann Letzteres leider nicht von mir behaupten. Deswegen würde ich mich über jegliche Tipps freuen! Welche Vorsätze/Gedanken/Schritte/Erfahrungen haben euch geholfen die ES hinter euch zu lassen?

    Nach mittlerweile 13 Jahren (verschiedenster Ausprägung) will ich da wirklich endlich raus. Deswegen war ich letztes Jahr dann auch für 2 Monate in einer Klinik, aber das hat mich eher zurückgeworfen. Für die meisten Mitpatienten war die (Angst vor der) Gewichtszunahme und der damit einhergehende “Schönheitsverlust” das Problem, und der Fokus der Therapien lag gefühlt komplett da. Bei mir hat die ES aber in erster Linie die Funktion der Betäubung/Ablenkung von Langeweile/Ängsten/?. Ambulante Therapie kommt momentan erst einmal nicht in Frage, da ich gerade im Ausland bin.

    Ich schreibe als Zweitnick… und ich habe sämtliche Themen die “Essstörung” erwähnen durchgeklickt, aber das überraschenderweise noch nicht gefunden… also sorry, falls es die Frage doch schon gab.
    Geändert von ano_nym (30.01.2018 um 11:24 Uhr)

  2. Member Avatar von pilzfee
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    AW: An alle (besonders ehemalige) ES Geplagte...

    Meditation in den verschiedensten Formen hilft finde ich bei der Betäubung/Ablenkung von Langeweile/Ängsten meiner Erfahrung nach definiv am Besten!
    Wer lebt stört.

  3. Inaktiver User

    AW: An alle (besonders ehemalige) ES Geplagte...

    .
    Geändert von Inaktiver User (19.04.2019 um 18:37 Uhr)

  4. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    AW: An alle (besonders ehemalige) ES Geplagte...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Spontan fallen mir ein:
    - Zeit
    - Geduld
    - Zuversicht
    - Ausdauer
    - Toleranz gegenüber Rückfällen in alte Muster
    - Toleranz gegenüber dem Körper, der mal mehr und mal weniger Appetit hat
    - dem Körper trotz aller Widrigkeiten Ernährung zugestehen
    [...]
    - Auseinandersetzung mit den Motiven (z. B. Langeweile/Ängsten)
    Das kann ich so unterschreiben. Bei mir hatte die ES auch die Funktion einer "Betäubung" bzw. bei mir war es eher so, dass ich (durch die Fressanfälle bei der Bulimie) bestimmte unangenehme Gefühle überspringen wollte. Gefühle der Leere zuzulassen war ein ganz wichtiger Aspekt. Also ich habe seit über zehn Jahren keine Bulimie mehr und es war ziemlich heftig bei mir.

    Jetzt gerade habe ich Gefühle der Enttäuschung - durch eine verschleppte Erkältung habe ich gerade total Rückenschmerzen und werde morgen zum Arzt gehen, statt mich an spannende Arbeits- und Übersetzungsprojekte setzen zu können. Das Gefühl von "vertaner Zeit" ist gerade ziemlich stark und ich könnte gerade recht leicht in die alten Muster zurückfallen... oh ja, bei bym schreiben hat mir auch gut geholfen, auch deshalb vermutlich gerade dieser Beitrag.
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  5. Ureinwohnerin Avatar von phaenomenal
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    AW: An alle (besonders ehemalige) ES Geplagte...

    Hast du denn eine Therapie gemacht? Also außerhalb des klinischen Aufenthalts zuletzt?
    „Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.“ R. P. Feynman

  6. V.I.P. Avatar von hui
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Ich weiß nicht, ob das schon eine ES war, aber in einer meiner schlimmsten Zeiten (länger als ein halbes Jahr) habe ich mich mit meinem Essverhalten sehr unwohl gefühlt, konnte es aber auch nicht gut ändern. Mit essen auf Stress/Langeweile/etc zu reagieren mache ich sowieso öfters.
    Ich habe das bei meiner Therapeutin erwähnt, wollte aber nicht, dass das einen zu großen Raum einnimmt, da mir klar war, dass es ein Symptom meiner sonstigen Situation war. Ich habe aber schon überlegt, das gesondert anzugehen, wäre es nach bestimmten Ereignissen nicht besser geworden.
    Es ist tatsächlich besser geworden und ich komme mit meinem Essverhalten wieder gut zurecht. Die Therapie war dazu nötig, aber mein Gefühl, dass ich mich besser auf die Ursachen konzentriere, war für mich richtig.

    Daher: käme für dich vielleicht eine Verhaltens- oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie in frage, wenn du mit der Klinik nicht gut zurecht kamst?
    Gerade weil du sagst, dass du quasi als Ersatz isst.
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  7. Stranger
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Vielen Dank für die Rückmeldung!

    @hui
    Ich kenne mich denke ich ziemlich gut, und habe auch nicht geglaubt, dass das Kliniksetting ideal ist. Aber dann habe ich ein halbes Jahr lang ambulant eine VT gemacht. Das hat mir in vielen Aspekten doch noch einmal die Augen geöffnet. Allerdings hat mir die Therapeutin dann dringend zu dem Klinikaufenthalt geraten. Da es mir zu dem Zeitpunkt wirklich schlecht ging (Endphase der Diss, ungewisse Zukunft, ... ) und mein Gewicht kritisch wurde (für meine Verhältnisse, normal "schaffe" ich es fast am Rand des Normalgewichts zu bleiben). Naja, jetzt habe ich es zumindest einmal ausprobiert und weiß nun, dass ich mir da alleine heraushelfen muss. Die Thera hat mich in der Hinsicht eben furchtbar enttäuscht. Nach einem halben Jahr, finde ich, hätte sie mich eigentlich besser kennen müssen. Der Therapeut in der Klinik war gut, aber die paar Sitzungen konnten leider nur Ansatzpunkte aufdecken.

    @snow
    Ebensolche Gedanken habe ich. Ich suche irgendwie noch nach einem "Lebensprojekt". Irgendwie tut es mir Leid, dass ich mein "Potential" quasi vergeude. Und so etwas wie vertane Zeit reißt mich dann auch oft um Wie hast du es geschafft, dich dem entgegenzustellen?

    @pilzfee
    Dass mir das gut tun könnte, dachte ich auch schon. Ich probiere es jetzt zumindest mal mit Yoga.

    Ich weiß vor allem nicht mehr, wie ich das mit dem Leere zulassen angehen soll... Das habe ich in der Klinik wirklich versucht (denke ich zumindest). Aber das hat mich nicht weitergebracht. Meint ihr, so etwas wie ein "Lebensprojekt" zu finden ist Wunschdenken?

  8. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Zitat Zitat von ano_nym Beitrag anzeigen
    @snow
    Ebensolche Gedanken habe ich. Ich suche irgendwie noch nach einem "Lebensprojekt". Irgendwie tut es mir Leid, dass ich mein "Potential" quasi vergeude. Und so etwas wie vertane Zeit reißt mich dann auch oft um Wie hast du es geschafft, dich dem entgegenzustellen?
    Was ist dein Potential? Worum ging es in der Diss?

    Na ja, man muss die Leere eben zulassen... das ist die allgemeine Strategie. Am Wochenende war ich bei einem ziemlich großen Familientreffen und wurde da auf jeden Fall abgelenkt, körperlich geht es mir jetzt definitiv besser. Das ist das, was in dieser konkreten Situation mit meinen unangenehmen Gefühlen passiert ist...

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich weiß vor allem nicht mehr, wie ich das mit dem Leere zulassen angehen soll... Das habe ich in der Klinik wirklich versucht (denke ich zumindest). Aber das hat mich nicht weitergebracht. Meint ihr, so etwas wie ein "Lebensprojekt" zu finden ist Wunschdenken?
    Was meinst du damit, dass du nicht weißt, wie du die Leere zulassen sollst? Dadurch, dass man den Aktionismus der ES unterbindet, entsteht relativ automatisch ein Leeregefühl, zumindest war das bei mir so... tja, ein Lebensprojekt. Keine Ahnung. Bei mir hat die Suche irgendwann in den religiösen Bereich geführt und ich habe da (meistens) das gefunden, was ich gesucht habe... aber natürlich unterbindet es keine unangenehmen Gefühle.
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  9. Junior Member
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Bei mir war es glaub die Beziehung zu meinem Exfreund mit 27.
    Ich bin mit 13 magersüchtig geworden. Lang kannte ich nix anderes. Mein Umfeld auch nicht.
    Nach dem Abi wollte ich nicht mehr so „auffällig“ sein. Ich hab das nicht mehr ertragen so angestarrt zu werden. Das war der erste Schritt. Und ich konnt einfach nicht mehr hungern.
    Das waren schwierige Jahre. Der Körper hat sich massiv verändert. Ich hab mit knapp 23 meine Tage zum ersten Mal bekommen, Brust etc. Mein Essverhalten war trotz NG gestört. Zurück in die Magersucht konnte ich nicht mehr.
    Als ich meinen EX kennengelernt habe wollte ich unbedingt, dass das keiner merkt und hab „einfach“ einen auf normal gemacht. Ich bin echt über mich hinausgewachsen. Und die Erfahrung war positiv.
    Das hat auch angehalten, nachdem wir uns sechs Jahre getrennt haben.
    Wissen über Ernährung in der Theorie und im Hinblick auf Essstörungen hätte ich aus der Klinik.
    Andere psychische Probleme, die wohl zur ES geführt haben sind noch da. Leider. Trotzdem bin ich froh, dass Essen für mich kein besonderes Thema mehr ist.

    Ich glaub der Weg ist immer individuell.
    Trotzdem gibt es sehr gutes Fachwissen über die Ernährung nach Esstörungen. Mir hat das geholfen.

  10. V.I.P. Avatar von hui
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Zu Lebensprojekt: sowas kann ja langsam wachsen. Vielleicht kannst du mit Ehrenamt/gesellschaftlichem Engagement anfangen? Ich kenne viele, inklusive mir, wo das eine sehr befriedigende und (selbst-)Wertschöpfende Aufgabe wurde.
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  11. Stranger
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Oh nein, jetzt war mein ganzer Beitrag weg, weil ich zu lang gebraucht hatte. Also zweiter Versuch.

    @snow
    Der Gedanke, dass du es komplett da rausgeschafft hast, hat mich sehr beeindruckt. Und dann ähnliches von mylinn1980 zu lesen… Das erwarte ich bei mir gar nicht mehr. Ich will der ES nur nicht die Hoheit über mein komplettes Leben überlassen. Wobei ich mich gerade frage, ob das in vielen Fällen (bei mir) ein ganz oder gar nicht ist, und es einfach kein dazwischen gibt.
    Bei mir hat u.a. die Abkehr von der Religion die Leere verstärkt. Deswegen kann ich verstehen, dass sie dir solche Kraft gibt. Darf ich fragen, welche Religion es ist?

    @hui
    Ich habe einige Ehrenämter ausprobiert, auch länger. Aber das ist nichts für mich. Zumindest offensichtlich nicht das was ich suche.

    Wenn die Leere aber nicht weggeht, dann, fürchte ich, werde ich mich innerlich doch wieder für die ES entscheiden . Mir geht es damit ja nicht schlecht. Auf der anderen Seite bestimmt sie meinen Alltag/meine Freizeit/mein Sozialleben so vollkommen, dass ich mich frage, wie es ohne sie wäre. Und eben doch denke, dass es ohne sie besser sein muss?!

    Ich bin Informatikerin und kann in der Sache auch wirklich aufgehen. Das ist nur in den letzten Jahren durch den ganzen Publikationsstress etc. komplett verloren gegangen. Aber das kommt Gott sei Dank gerade wieder. Ich hatte wirklich Angst, das wäre nie mehr so. Dazu habe ich jetzt noch eine (zumindest von außen betrachtet) Traumstelle bekommen, bisher war ich WMA an der Uni. Wenn die äußeren Gegebenheiten gerade so gut sind, wann also, wenn nicht jetzt, sollte ich es aus der ES herausschaffen? Ich habe bis zum Arbeitsanfang noch zwei Monate frei, neben Umzug etc. Und da will ich irgendetwas in der Richtung anfangen!

    @mylin1980
    Ich hoffe so sehr, dass der Umbruch bei mir eine ähnliche Wirkung wie der Freund bei dir hat. Ich hätte nie gedacht, dass eine Partnerschaft eine so große Kraft entfachen kann. Und, Respekt, dass du es danach weiter ohne die ES geschafft hast! Hast du herausbekommen, welche Funktion die ES bei dir hatte?
    Das theoretische Wissen hat mir auch geholfen aus der ganz schlimmen Phase in der Teenie Zeit herauszukommen. Die Eingangsuntersuchungen in der Klinik haben auch gezeigt, dass mein Körper ganz gut versorgt ist. Aber mein Essverhalten und die Auswirkungen sind einfach wirklich gestört.

    Ich sollte (will?) im neuen Umfeld auch gar nicht erst damit beginnen, mich auszugrenzen etc. Aber ich zweifle doch daran, dass ich dann in den Momenten auch wirklich bereit bin entsprechend zu handeln. Deswegen dachte ich, ich kann das/mich vielleicht irgendwie vorbereiten. Und dieser Thread hier. Gab es bei euch einen Gedanken, der euch immer wieder motiviert hat? Und hattet ihr euch komplett entschieden, oder auch immer wieder der Entscheidung gehadert? Ich habe solche Angst, dass mein Wille nicht reicht, weil ich eben doch noch so stark im Zwiespalt bin. Aber wann, wenn nicht jetzt (ich werde 30), soll ich es denn dann da heraus schaffen…
    Geändert von ano_nym (05.02.2018 um 16:59 Uhr)

  12. Junior Member
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Hey

    Kannst du sagen was dich hält und warum du die ES nicht mehr möchtest?
    Ich überlege grade echt wie es damals war bei mir. Ich glaub ich konnte einfach auch nicht mehr hungern. Rein körperlich. Und ich wusste einfach, dass ich nicht zu dem Ziel komme wo ich ursprünglich dachte hinzukommen. Mit 12/13 war das Hungern/Dünnsein für mich ein Lösungsweg. Einen den ich gehen konnte. Ich musste nur tun und das konnte ich. Ich war überfordert mit mir und dem Leben. Ich habe so viel mit dem Dünnsein verbunden und es gab mir so viel. Ich dachte echt alles wird gut und einfach dadurch.
    Es hat sieben Jahre gedauert bis ich mich von diesem Traum verabschieden konnte. Nach dem Abi begannen alle (gefühlt) ihr Leben. Ich hatte (gefühlt) gar nix. Der Prozess zu akzeptieren dass ich den „falschen“ Weg gegangen bin war so unheimlich schmerzhaft. Der Schmerz begleitet mich heute noch.

    Einen bestimmten Auslöser gab es bei mir nicht.
    Ich denke es ist eine Mischung aus sozialer Ängstlichkeit, zwanghaften Denkmustern, Perfektionismus und zu extremen Gefühlen. Ich kenne mich leider nicht „anders“.

    Wie würdest du es dir denn wünschen? Wie wäre das dann auch im Bezug auf dein Essverhalten, Gewicht und Körpergefühl?

  13. Member Avatar von Dampfwutz
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Für mich war der eigene "körperliche Verfall" der mich motiviert hat, aus der ES (Magersucht) herauszukommen.
    Es hat mich sehr erschreckt, dass mir irgendwann deutlich Haare ausfielen. Und ich hatte gelesen, dass man bleibende körperliche Schäden davontragen kann und ggf. auch unfruchtbar werden.

    Bei mir waren es aber auch nicht so sehr viele Jahre wie bei euch. Ungefähr so mit 13 bis in die Anfangszeit des Studiums hinein (magersüchtig war ich da nicht mehr, aber noch essgestört).

  14. Stranger
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    @mylin1980
    Die Fragen sind gut. Was mich hält ist die Tatsache, dass es mir momentan eigentlich ganz gut geht. Ich hungere nicht und schränke mich da auch nicht ein. Die Struktur, Gewohnheit, Ruhe (alleine essen) ... mag ich richtig. Aber Unvorhergesehenes wird im Hinblick aufs Essen zum Problem. Im Urlaub, z.B., nehme ich immer ab, weil ich es außerhalb meiner gewohnten Situation nicht auf die Reihe kriege. Oder ein Abend im Theater kann mich total stressen, weil das meine ganze Planung durcheinanderbringt. Dann bin ich unterzuckert und kann ihn natürlich nicht mehr richtig genießen. Ich bin jetzt allgemein nicht die, die immer unterwegs ist. Aber in den letzten Jahren war ich das so gut wie gar nicht mehr. Da ich die ES jetzt schon so lange habe, weiß ich gar nicht, wie groß der Verlust an Lebensqualität in der Hinsicht ist. Aber theoretisch könnte er eben schon sehr groß sein. Das ist ein Grund.

    Außerdem ist es v.a. der eigene "körperliche Verfall", vor dem ich Angst habe, ähnlich wie bei Dampfwutz. Wenn ich wie eben z.B. durch Urlaub/Krankheit/etc. regelmäßig ins Untergewicht komme, und da dann etwa 2-3 Monate brauche um herauszukommen, das macht sich an Haut, Haaren, etc. bemerkbar. Und wer weiß inwieweit die inneren Organe beansprucht werden...

    Zitat Zitat von mylin1980 Beitrag anzeigen

    Ich denke es ist eine Mischung aus sozialer Ängstlichkeit, zwanghaften Denkmustern, Perfektionismus und zu extremen Gefühlen. Ich kenne mich leider nicht „anders“.
    Das trifft genauso auf mich zu.

    Nach der krassen Magersucht Zeit habe ich mich dummer Weise ganz gut mit der ES arrangiert. Deswegen würde ich es mir gar nicht so groß anders wünschen. Eher habe ich Angst, dass es mir psychisch wirklich schlechter geht - bezogen auf die Leere, die die ES füllt. Das Gewicht spielt eigentlich keine Rolle. Also mit NG könnte ich mich abfinden, daran gewöhnt man sich ja auch. Ich bin recht sportlich (auch vom Figurtyp her), habe eigentlich ein ganz gutes Körpergefühl, und bin damit zufrieden. Vor anderen ist mir mein Aussehen dann regelmäßig eher peinlich wenn ich zu dünn bin. Es zeigt ja meine Inkompetenz im Bezug aufs Essen (auch wenn die das natürlich oft gar nicht so wahrnehmen).

  15. Junior Member
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    @anonym
    Aber eigentlich hast du es ja schon ganz schön weit geschafft!
    Vielleicht musst du ja gar nicht so viel ändern, evtl. wären Strategien für die bestimmten „Ausnahmesituationen“ wichtig.

    Mich hindert mein Essverhalten nicht mehr an Unternehmungen, Urlauben. Trotzdem habe ich andere „Schranken“. Aber es ist schon entspannter ohne das Essproblem.

    Hast du mal überlegt es als Experiment zu sehen? Zwei Monate „normal“. Zurück kannst du immer!

    Die körperliche Schädigung war bei mir auch ein großer Punkt. Ich wollte ja ursprünglich „schöner“ sein und habe gemerkt, dass das so nicht klappt...

  16. Enthusiast Avatar von velove
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    AW: An alle (besonders ehemaligen) ES geplagten...

    Ich habe ungefähr mit 11 oder 12 Magersucht & Bulimie bekommen und hatte damit bis Mitte 20 zu tun. Seid 5 Jahren ungefähr bin ich "symptomfrei" und würde sagen, dass die Krankheit seit ein paar Jahren auch nicht mehr wirklich in meinem Kopf ist- d.h., dass ich tatsächlich oft nicht darüber nachdenke, wenn ich esse, in wie fern es sich auf mein Gewicht auswirken wird. Jemals dahin zu kommen, hätte ich nicht gedacht.

    Ich würde sagen, dass es bei mir eine große Rolle gespielt hat, dass ich einfach einen massiven Mangel an Selbstwert hatte, so dass mir mein Auftreten und die Wirkung auf andere unverhältnismäßig wichtig war und ich ständig unter Druck stand.
    Die ES war also reines Symptom. Ich habe dann mehrere Jahre eine Therapie gemacht und bin auch durch ein paar Herausforderungen im Leben immer "stärker" geworden, bis die Frage nach meinem Gewicht einfach immer irrelevanter wurde.
    Diese Herausforderungen waren z.B. Todesfälle in der Familie. Wenn jemand stirbt, den man liebt, kann man sich selber nur schlecht ernst nehmen dabei, sich selber vorsätzlich gesundheitlich zu Grunde zu richtigen.
    Außerdem habe ich eine große Leidenschaft im Gesang entdeckt, so dass ich einen schönen Grund gefunden habe, liebevoll für meinen Körper zu sorgen, ihn zu pflegen und fit zu halten, genauso, wie man eine kostbare Gitarre hegt und in einem schön gepolsterten Köfferchen aufbewahrt
    Natürlich gibt es nach wie vor manchmal Phasen, in denen ich mir das mühsam erhalten muss, aber durch ein ganz grundsätzliches "mit mir Einverstanden" sein, ist das nicht mehr so schwerwiegend.

    Außerdem habe ich gelernt, Druck und unangenehme Gefühle auszuhalten und mir dann auch zuzugestehen, mich zu verkriechen und gehen zu lassen. Der "direkte Handlungsdruck" ist nicht mehr da.
    Und wenn ich jetzt das Bedürfnis habe, zwei riesen Schüsseln Eis zu verputzen, weil ich meine Tage und Stress bei der Arbeit hab oder so, dann kann ich es aushalten, dass sich das in den nächsten Tagen mit meinem Sport von selber "ausgleichen" wird und muss nicht sofort rausstürzen und laufen gehen oder mich schlimmstenfalls übergeben.

    Bei mir ist es auch tatsächlich so, dass ich, seitdem ich "weniger darauf achte" über einen längeren Zeitraum auf gesunde Art schlank und trainiert geworden bin.
    Ich seh viel besser aus, als davor und konstant eigentlich sogar schlanker, als wenn ich bulimische Phasen hatte.
    So gesehen ist es also leicht, dabei zu bleiben, weil sich das Konzept "normal ernähren und mit Spaß Sport treiben" längst bewährt hat, als eine leichte, stabile und einfach zu händelnde Weise, um super auszusehen
    (Das sage ich übrigens nicht, um "anzugeben", sondern, weil man es, wenn man drin steckt, ja nicht glauben kann und immer Angst hat, die Therapeuten würden einen reinlegen wollen, wenn sie einem erzählen, dass man auch mehr verbrennt, wenn man dem Körper regelmäßig was gibt.)

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