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  1. Addict Avatar von sleepaholik
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    Sich von den Erwartungen/Bestätigungen anderer frei machen

    [Bitte nicht zitieren, vielleicht nehme ich es wieder raus]
    Ich habe gerade gesehen, dass unten noch ein Thread von mir ist, der irgendwie in eine ähnliche Richtung ging, wo ich mich gefragt habe, wie viel man für andere da sein muss.
    Im Moment beschäftige ich mich damit, mich von den Erwartungen anderer frei zu machen und insbesondere von ihren Bestätigungen. Mal an einem konkreten Beispiel:
    Es ist so, dass ich vor 2 1/2 Monaten bei meinem Freund ausgezogen bin, ich seit Februar aber damit gehadert habe. Im Kopf ist die Entscheidung also schon etwas länger gefallen, es lief ja auch schon lange nicht mehr so gut. Jetzt ist es aber so, dass wir immer noch sehr gut befreundet sind, uns etwa 1 Mal die Woche treffen auf nen Kaffee oder so, haben auch noch den gleichen Freundeskreis. Jetzt hätte ich Lust, mich mal wieder mit einem Mann zu treffen - und dieses Bedürfnis wirft mich aus verschiedenen Gründen völlig aus der Bahn emotional. Weil ich mich so fühle, als wenn ich meinen Ex damit hintergehe (wie dumm!), weil die (räumliche) Trennung noch nicht so lange her ist und ich ihm damit zeige, dass ich mich schon von ihm gelöst habe. Weil ich das Gefühl habe, dass andere erwarten, dass man jetzt erstmal etwas alleine sein muss und 'Gras' über die Sache wachsen lassen sollte. Weil meine Eltern erwarten, dass ich mich jetzt erstmal auf meinen Abschluss konzentriere, ohne mich von Männergeschichten ablenken zu lassen. Weil ich innerlich wohl eigentlich nur darauf aus bin, mir 'Bestätigung' zu holen - weil ich in meiner letzten Beziehung lange nicht mehr das Gefühl hatte, begehrt zu werden.
    [Auf Arbeit ist es ähnlich mit dem Bestätigung suchen, deswegen mag ich sie wohl auch nicht so gerne - nie sagt jemand, dass man etwas gut gemacht hat, wenn, dann meckern alle nur oder kommen mit Problemen. Mir ist klar, dass das in sehr sehr vielen Berufen so ist. Mir wird aber auch bewusst, dass ich zumindest hin und wieder positives Feedback brauche]

    Zu meinem Hintergrund muss ich vielleicht sagen, dass ich sehr streng erzogen wurde. Ich durfte früher nie zu Parties gehen, wenn ich zu spät nach Hause gebracht wurde hat mein Vater dem/derjenigen eine Standpauke gehalten. Ich bin die ältere Schwester und hatte immer das Gefühl, allen alles recht machen zu müssen - deswegen habe ich nur den Plan B studiert statt mich für die 'brotlose Kunst' (so der Wortlaut aller um mich rum damals), die mich mehr interessiert hätte, zu entscheiden. Ich würde zwar sagen, dass meine Mutter schon liebevoll war (mein Vater teilweise auch, teilweise aber auch nicht... ), aber für mich war immer klar, dass ihre Ehe (sie sind jetzt getrennt) nur eine Zweck-Ehe am Ende war. Ich habe daher nie ein Vorbild gehabt, wie gute Beziehungen aussehen können, und in Bezug auf Nähe und v.a. Sex von ihr nur negative Dinge mitbekommen (die sich so tief in mir eingegraben haben, dass ich mich oft nach dem Sex 'schmutzig' fühle und es nicht als etwas tolles betrachte).

    Das ist jetzt alles total wirr geworden wird mir gerade klar, und es stecken so viele Sachen drin, die ich auf die Reihe kriegen muss. Aber:
    Wie macht man sich von solchen eingegrabenen Verhaltens- und Gedankenmustern frei? Wie von dieser Ansicht, es allen recht machen zu müssen?
    Und wie wird man sich selber wieder genug, ohne immer nach Bestätigungen von außerhalb zu jagen?
    If there's nothing left to burn, you have to set yourself on fire

  2. Alter Hase Avatar von Bibliophilia
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    AW: Sich von den Erwartungen/Bestätigungen anderer frei machen

    Grundsätzlich würde ich sagen, dir immer wieder bewusst die Frage stellen: Sind das Erwartungen Anderer oder sind das meine eigenen Erwartungen an mein Verhalten?“ „Was tut mir gut?“, „Was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn ich die Erwartungen enttäusche?“

    Mir hilft gerade die letzte Frage immer am meisten. Es passiert nämlich ganz oft gar nichts. Oder zumindest nichts, was mich stören sollte.

    Wenn bei dir aber noch viel mehr familiäre Prägung dahintersteckt, würde ich eventuell sogar doch über eine Gesprächstherapie nachdenken und das mit jemandem besprechen, der Abstand dazu hat, und nicht nur mit mir selbst ausmachen.

  3. Enthusiast Avatar von kava
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    982

    AW: Sich von den Erwartungen/Bestätigungen anderer frei machen

    Es hört sich so an, als wenn die anderen die Dinge nur von dir erwarten, weil du alles transparent machst und eventuell selbst nicht ganz sicher mit deinen Entscheidungen bist.
    Mal als Alternatividee: mach, was dir gut tut und steh dazu. So ist es leichter die Erwartungen der anderen "zu enttäuschen" (weil du dahinter stehst und nur du dich damit gut fühlen sollst. Du lebst nach deinem Bedürfnis und nicht nach dem Bedürfnis der anderen). Und zweitens bist du doch nicht gezwungen jedem alles zu erzählen. So bietest du auch weniger Angriffsfläche wenn du Diskussionen vermeiden möchtest. (Das meint speziell deine Beziehung. Wenn du nicht glücklich bist, trenn dich. Danach musst du niemandem erklären, warum du dich mit wem triffst).
    Geändert von kava (17.09.2018 um 19:55 Uhr)

  4. Addict Avatar von katjuscha
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    AW: Sich von den Erwartungen/Bestätigungen anderer frei machen

    Ich stimme kava sehr zu. Ich finde solche Gedanken helfen auch. Ich stecke auch gerade darin mich mehr mir und meinen eigenen Erwartungen zu widmen. Ich habe auch schon selbst festgestellt wie Bibliophilia auch schreibt, dass es sehr hilft sich zu fragen was schlimmstenfalls passieren kann. Das hilft.


    Ebenso habe ich eine zeitlang auch sehr viel offen ueber mein Leben und meine Baustellen gesprochen. Mit vielen Menschen weil ich dachte es wuerde mir helfen. Ich selbst war in allen Problemen sehr unsicher. Viele Menschen hatten also eine meinung und ich selbst fühlte mich wie gedrängt in eine Richtung.... Das fuehlte sich so sehr unfrei an und mir ging es sehr schlecht.

    Nun bin ich da nicht mehr so offen bzw suche nur noch Austausch mit wenigen bei denen ich einfach erzählen kann ohne mich verpflichtet zu fuehlen

  5. Addict Avatar von katjuscha
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    AW: Sich von den Erwartungen/Bestätigungen anderer frei machen

    Kava: ich stimme voll zu. Man ist nicht verpflichtet ueber alles in seinem Leben zu erzählen weil man ehrlich sein moechte. Vor allem die Angriffsfläche die eröffnet wird schränkt so sehr ein.

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