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  1. Stranger

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    Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    -- bitte nicht zitieren, danke --

    Hallo in die Runde,

    ich habe letztes Jahr mein Studium beendet und schwimme seither irgendwie ziellos durchs Leben.
    Erst wusste ich nicht, was ich arbeiten möchte. Mein Studium ist zwar eher eins mit dem man leicht einen Job bekommt, aber es ist auch sehr allgemein gehalten - sprich man muss sich einen Weg aussuchen und in die Richtung Praktika machen / diesen Teil habe ich verpasst. Einer meiner Elternteile war über 10 Jahre lang schwer krank (mehrere Jahre Intensivstation, angekündigtes Sterben,..) und ist vorletztes Jahr verstorben. Das war in meiner Heimatstadt (mehrere 100 km entfernt) und ich habe einen Großteil der Verantwortung für diese Person getragen. Außerdem habe ich mich mehrere Jahre komplett selbst finanziert, da ich keinen Anspruch auf Bafög hatte und kein Geld von den Eltern bekommen habe.
    Daher hatte ich mich die letzten Jahre nie hingesetzt und überlegt, was ich später arbeiten möchte, da es immer wichtigere Dinge, wie zb ins Krankenhaus fahren, gucken dass man finanziell über die Runden kommt, frisch verliebt,... gab.

    Der Todesfall kam dann kurz vor der Anmeldung meiner Abschlussarbeit, die ich deswegen etwas nach hinten verschoben habe.
    Nach der Abschlussarbeit habe ich letztes Jahr eine Bewerbung abgeschickt, auf die ich eine Absage bekam.

    Dann habe ich mich von dem gesamten Thema erfolgreich abgelenkt und auch meine seit Jahren wieder gewonnene "Freiheit" genutzt, neue und alte Hobbies angefangen, Projekte gestartet (meist handwerklicher Natur), Zimmer umgeräumt, alte Freunde wieder besucht und und und..

    Jetzt ist über ein Jahr um und mittlerweile habe ich kaum Mut, dass ich irgendwann Arbeiten gehe. Ich denke, dass niemand jemanden mit meinem Lebenslauf einstellen möchte. Ich denke schon, dass ich gut arbeiten kann (wie das klingt ), aber ich schäme mich so: für meine ewig lange Studienzeit, dafür, dass ich seit 5 Jahren kein Praktikum gemacht, die lange Arbeitslosigkeit und für mein (momentan) niedriges Selbstbewusstsein.

    Ich habe letztes Jahr eine allumfassende Berufsberatung (drei Tage/Befragung von Interessen und Intelligenztests) in einem Forschungsprojekt der Uni gemacht. Fazit der betreuenden Psychologen war, ich soll mir einen Beruf aussuchen, der mir Spaß macht, da ich in allen IQ-Testbereichen überdurchschnittlich (130-150) abgeschnitten habe und was das angeht, alle Türen offen stehen. Das hat mich total gefreut, da ich immer dachte ein bisschen doof zu sein.
    (Auch kamen als Ergebnis Themenbereiche aus meinem Studium raus, aber eben auch nichts Superkonkretes)

    Vor ein paar Monaten habe ich eine Therapie angefangen und letzte Woche zum ersten Mal wieder eine Bewerbung abgeschickt. Aber es fühlt sich nicht so an als würde sich etwas tun. Außerdem fürchte ich mich jetzt schon vor den Bewerbungsgesprächen, da ich Angst vor der Selbstpräsentation habe, wenn ich aufgeregt und im Selbstbewusstseinstief bin.

    Meine Ersparnisse sind bald aufgebraucht und ich möchte kein ALG oä empfangen. Allein deswegen, für mein Selbstbewusstsein und weil ich so gern lerne, möchte ich arbeiten gehen.


    Hat jemand von euch oder euren Freunden Ähnliches erlebt oder Tipps, wie ich wieder mehr Mut bekommen kann oder ähnliches.. würde mich freuen
    ich hoffe, die ganzen Infos haben euch nicht erschlagen.


    Viele Grüße

  2. Urgestein

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Was ist denn aus der Stelle letztes Jahr geworden?
    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  3. Stranger

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Zitat Zitat von SarahYasemin Beitrag anzeigen
    Was ist denn aus der Stelle letztes Jahr geworden?
    Ich hatte die Bewerbung per Mail verschickt und erst eine Bestätigung für den Eingang der Bewerbung und dann ein paar Wochen später eine standardiserte Absage per Mail bekommen.
    Was mit der Stelle jetzt ist, kann ich leider nicht herausfinden. Auf der Seite des Arbeitsgebers, findet man lediglich das Projekt (in dem die Stelle gewesen wäre) in deren Projektlisten. Wer die Stelle jetzt hat, konnte ich auch nicht ergooglen (Arbeitgeber groß, allgemeinere Stellenbeschreibung).
    (Das war keine Stelle, die ich unbedingt haben wollte, es war eine der ersten, die ich überhaupt gefunden hatte und damals habe mich einfach beworben ..)
    (Hatte mir damals auch Feedback einer Freundin, die sich in Sachen Bewerbung auskennt geholt und weiß auch, was ich bei den Bewerbungen besser machen kann)

  4. Urgestein

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Aber du hattest doch erzählt, du würdest eine Stelle antreten.

    Jetzt habe ich bald eine neue Arbeitsstelle, bei der viele geschäftliche Termine in "harten Runden" und Vorstellungen meinerseits zur Arbeitsstelle dazugehören werden.
    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  5. Ureinwohnerin

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos


    Es klingt, als hättest du es wirklich nicht einfach gehabt.
    Aus Erfahrung kann ich sagen, je länger man nicht arbeitet, egal, ob man sich bewirbt oder nicht desto unrealistischer schien mir der Gedanke, zu arbeiten.

    Und Absagen im Bewerbungsprozess haben dann ihr übrigens getan.

    Ist es dir denn wichtig, in einem bestimmten Bereich oder einer bestimmten Position einzusteigen?

    Ich war nach langem Studium und abgebrochener Promotion auch über ein Jahr krank bzw. arbeitslos. Ich habe absolut nichts in meinem Bereich gefunden. Keine Einstiegsjobs, keine Traineestellen, keine Jobs mit Berufserfahrung. Ich habe in einer Tour Absagen kassiert.

    Kurz vor Hartz IV bin ich dann ins Callcenter, mit der Option nach einer Weile Teamleitung zu machen. Das hat auch geklappt und aus der Position habe ich mich dann wieder beworben. Plötzlich hatte ich dann auch Vorstellungsgespräche und dann auch ne Stelle in meinem Wunschbereich
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


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    “Gaslighting doesn’t exist. You made it up ‘cause you’re fucking crazy.”

  6. Stranger

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Achso, das war bei meinem langjährigen Nebenjobarbeitgeber im Einzelhandel, den habe ich dann gekündigt, damals mit der Idee, etwas zu tun, wo ich mein Studium besser einsetzen kann (herausforderndere Aufgaben, höheres Gehalt)

  7. Ureinwohnerin

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Kannst du bei dem Nebenjob irgendwie noch mal anknüpfen?
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


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  8. Addict

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    ich finde es sehr schade dass du (und "die Gesellschaft") vielleicht deinen Werdegang zum Schämen findest. ich finde du solltest dich gar nicht dafür schämen, du hast doch wirklich einiges erfolgreich gestemmt. Ohne finanzielle Unterstützung studiert und dabei dich um einen kranken/sterbenden Elternteil gekümmert, und dein Studium abgeschlossen.
    Klar ist es vielleicht nicht leicht das im Lebenslauf gut rüberzubringen aber es ist eine Leistung die vielleicht jemand der vollfinanziert und ohne Sorgen sich vollzeit sich Studium konzentrieren konnte so nicht erbracht hat.

    Ich hab keine konkreten Tipps für dich, aber ich finde du solltest dir mehr zutraun und deinen Wert mehr erkennen. Vielleicht hilft dir die Therapie dabei.
    Viel Erfolg!

  9. Member

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Zuerst mal

    Bitte nicht zitieren:
    Mein Mann hat auch sehr (!) lange studiert (über 10 Jahre), unter anderem auch wegen Pflege eines kranken/sterbenden Elternteils. Das hat sich sehr lange gezogen. Mittlerweile interessiert sich kaum noch jemand dafür. Neulich wurde er in einem Vorstellungsgespräch kurz gefragt, ob das ein Tippfehler sei, das war's.

    Die Frage ist, möchtest du denn arbeiten? Irgendwie les ich auch etwas raus, dass Du gar keine große Lust hast, vielleicht lieg ich da aber auch falsch. Die Anzahl der Bewerbungen ist ja wirklich seeeehr gering. Frisch nach dem Studium viele Absagen zu kassieren ist relativ standard, da muss man wirklich auf Masse gehen. Ich habe tatsächlich trotz Master noch mal ein Praktikum gemacht (find ich eigentlich nicht OK), irgendwo muss man ja anfangen.

    Wenn du recht flexibel bist mit dem Arbeitsbereich, gibt es ja verschiedene Branchen und Firmen, bei denen man gut quer einsteigen kann (Personaldienstleister z.B.).

  10. Addict

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Ich finde ein oder mehrere Praktika ok, wenn es darum geht, überhaupt rauszufinden, was man eigentlich machen möchte oder um verschiedene Branchen kennenzulernen. Gleichzeitig kriegt man so Kontakte, Zeignisse und vielleicht auch im Anschluss ne Stelle, wenn es gut passt. Zudem werden Praktika ja mittlerweile auch einigermaßen bezahlt.
    Ich glaube, das wäre schon ein etwas niedrigschwelligerer Einstieg für dich.
    Klar, du solltest jetzt nicht mehrere Jahre Praktika machen, aber so ein Jahr mal schnuppern, um überhaupt nen Plan zu kriegen, was zu dir passen könnte, ist definitiv besser als weiter zuhause rumzusitzen oder im
    Einzelhandel zu jobben.

  11. Ureinwohnerin

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Zitat Zitat von ginsoakedgirl Beitrag anzeigen
    ich finde es sehr schade dass du (und "die Gesellschaft") vielleicht deinen Werdegang zum Schämen findest.
    !!!
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


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  12. Fresher

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Für mich liest sich das auch so, dass du es nicht wirklich einfach gehabt hast. Ein Studium selbst zu finanzieren und zeitgleich noch die Betreuung eines kranken Elternteils zu übernehmen, ist eine beachtliche Leistung. Ich habe es durchaus in Bewerbungen gesehen, dass dann für diesen Zeitraum auch 'Pflege eines Angehörigen' angegeben wurde.

    Bezüglich Bewerbungen: Sehr viele Studienabsolventen schreiben erstmal sehr viele Bewerbungen und bekommen auch etliche Absagen. Das ist frustrierend. In meinem Freundeskreis waren es teils 3-4 Gesprächseinladungen bei 50 Bewerbungen.

    Hast du eine Idee was du beruflich machen möchtest? Gibt es irgendwie eine Möglichkeit das mit einem deiner aufgelebten Hobbies zu kombinieren? Oder möchtest du da eine Trennung zwischen Beruf und Hobby? Bist du an eine Region gebunden?

  13. Newbie

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Wir hatten letztens eine Bewerbung da, bei in dem Anschreiben/Lebenslauf erkennbar war, dass dieser Bewerber ein Elternteil gepflegt hat und ich fand es gut, dass dadurch die aktuellen Brüche nachvollziehbar wurden. Es hat gab von der Qualifikation viele besser geeignete Kandidaten, deshalb wurde diese Person nicht eingeladen. Ansonsten hatten wir Hochachtung.
    Weiß jetzt nicht, was die Personaler hier sagen, sollte man das erwähnen? Zumindest wenn es die letzten 5 Jahre betrifft?

  14. Member

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    AW: Krise - nach Studium arbeits- und ahnungslos

    Ich sitze immer mal wieder von der Fachstelle her dabei, wenn es darum geht Nachwuchs zu rekrutieren. Respekt vor Deiner bisherigen Lebensleistung.

    Ganz klar erwähnen, um zu erläutern, wie alles zusammenhängt.

    Aber nicht so, als ob Dich das gebrochen hat (auch wenn möglicherweise tatsächlich noch Aufarbeitung stattfinden muss, weil das alles nicht so leicht zu verdauen ist...).

    Von mir hättest Du, wenn’s fachlich so in etwa passt, dann definitiv Pluspunkte für Verantwortungsbewusstsein, Frustrationstoleranz, Hürden nehmen, menschliche Reife. So jmd hat man definitiv gern als Kollegen. Der schmeißt nicht so schnell hin.

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