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Thema: Die Seuche.

  1. Urgestein

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    AW: Die Seuche.

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    Geändert von Whassup (23.11.2021 um 11:05 Uhr)
    Now is the winter of our discontent

  2. Junior Member

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von Whassup Beitrag anzeigen
    Erfahrt ihr denn übrigens von so vielen Leuten, dass die Depressionen oder andere psychische Krankheiten haben? Also erzählen die das groß rum?
    Mittlerweile erzählen es recht viele.

    Im privaten Umfeld hatte ich erst das Gefühl, dass sich viele mir anvertraut haben, da sie wussten, dass ich als quasi Angehörige schon damit zu tun hatte. Da wollten die meisten einfach auch mal darüber reden. Zwei Freundinnen gehen generell sehr offensiv mit ihrer Erkrankung um.
    Bei den Fällen in der Familie bekomm ich es halt einfach mit. Da wird tatsächlich nicht so intensiv darüber gesprochen. Aber die Auswirkungen sind halt da.

    Beruflich wurde es tatsächlich auch immer öfters offengelegt von Betroffenen. Allerdings war ich da im Vertrauen eingeweiht und es hing mit meiner Stelle zusammen, dass mir davon berichtet wurde.

  3. V.I.P.

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    AW: Die Seuche.

    Nicht immer, aber mehr.

    Es wird mehr drüber gesprochen, wo es einem nicht gut geht, welche Hilfe man sich holt und und und. Ob das Phasen sind, oder chronische Themen.

    Aus der Generation meiner Mutter erfährt man es dann häufig "danach"...
    Wichtige Aufklärung: https://www.clankriminalitaet.de

    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  4. Newbie

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von Whassup Beitrag anzeigen
    Erfahrt ihr denn übrigens von so vielen Leuten, dass die Depressionen oder andere psychische Krankheiten haben? Also erzählen die das groß rum?
    Nein, aber bei manchen merkt man einfach dass was nicht stimmt, wenn sie aus Tiefs nicht rauskommen, sich immer mehr zurückziehen etc. Viele erzählen auch weniger von konkreten Diagnosen und mehr davon, dass sie in psychologischer Behandlung sind, Medikamente nehmen etc.

    Sorry, dass ich jetzt schon wieder von mir schreib: Als ich in Therapie war, ist halt auch alles um mich herum zusammengebrochen - Trennung, damit einhergehend der Verlust von Freunden und Sozialen Kontakten, Verlust der Wohnung und damit der vertrauten Umgebung (musste ja schnell ausziehen), zusätzlich noch beinahe der Verlust des Arbeitsplatzes. Also mir wurde wirklich buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen.

    Jetzt kann man natürlich hergehen und sagen, das ist eine typische Lebenskrise und andere erleben das auch und das wäre kein Grund das gleich zu pathologisieren. Aber ich bin der Meinung dass einen je nach individueller Belastbarkeit solche Ereignisse wirklich krank machen können. Ich hab auch lange gebraucht, mich davon zu erholen und mein "neues Leben" zu gewöhnen und hab wirklich psychosomatische Symptome gehabt - Angstzustände, Schlafstörungen, Suizidgedanken. Ich finde das sollte kein Mensch durchstehen müssen und wenn, dann nicht alleine. Die Diagnose ist da in meinen Augen wirklich zweitrangig. Es sollte eher darum gehen, dass Menschen Hilfe bekommen, wenn sie alleine nicht mehr klarkommen.

    Mag sein, dass es aus wissenschaftlicher Sicht Überdiagnostizierung stattfindet - aber mir fällt es schwer, den Blickwinkel aus dem ich das selbst erlebt hab, da auszublenden.

  5. Ureinwohnerin

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von Shawna Beitrag anzeigen
    Mag sein, dass es aus wissenschaftlicher Sicht Überdiagnostizierung stattfindet - aber mir fällt es schwer, den Blickwinkel aus dem ich das selbst erlebt hab, da auszublenden.
    Ja, so gehts mir eben auch. Bei mir war’s auch eher Unterdiagnostizierung, meine Diagnose umfasst nur die absolut oberflächlichsten Symptome und ich hätte deutlich intensivere und auch ganz andere Unterstützung gebraucht, als ich tatsächlich bekommen habe.

    Deshalb finde ich es aber eben auch so wichtig, dass alle Menschen frühzeitig Hilfe bekommen können, damit es gar nicht erst so schlimm wird. Je früher man da einsteigt, desto größer sind ja die Heilungschancen.
    I sigh as I observe
    The mathematics of the storm

  6. Ureinwohnerin

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von serpentine Beitrag anzeigen
    Du kannst die Aussage problematisch finden, aber so funktioniert Biostatistik nun einmal, falsch-positive Ergebnisse bedeuten, dass ein gesunder Mensch fälschlicherweise pathologisiert wird. Ich verstehe nicht, weshalb man das nicht losgelöst von einer Stigmatisierung betrachten kann, das passiert bei psychiatrischen Diagnosen genau so wie bei HIV-Test, die auch falsch-positive Ergebnisse liefern und gesunde Menschen pathologisieren.
    Man kann das nicht losgelöst von der Stigmatisierung betrachten, weil eine psychische Diagnose eben gesellschaftlich/sozial immer noch Probleme verursacht (ich weiß das leider aus eigener Erfahrung) und viele aus Angst vor dem „Verrückt“-Stempel gar nicht erst darüber sprechen.

    Die Diagnostik ist außerdem deutlich komplexer als positiv-negativ-falsch positiv-falsch negativ. Da gibts keinen Test im Labor, der ein eindeutiges Ergebnis liefert.

    Und wie gesagt: man kann auch in einer akuten Lebenskrise von Hilfe profitieren, ohne dass die Diagnose dauerhaft ist. Man kann und sollte sicher mal darüber reden, ob es wirklich nötig ist, eine feste Diagnose zur Voraussetzung von Therapie zu machen, aber dass Hilfe schnell und niedrigschwellig zugänglich ist, finde ich extrem wichtig und da sehe ich eher noch Ausbaubedarf als das Gegenteil.

    Zitat Zitat von serpentine Beitrag anzeigen
    Es gibt in einem Gesundheitswesen gegenwärtig nur begrenzte Ressourcen und diese Ressourcen müssen gerecht verteilt werden. Frances befürchtet eben auch, dass das nicht mehr der Fall ist, wenn Diagnosen inflationär vergeben werden
    Und die Lösung ist, dass man dann einfach weniger Menschen hilft, weil sie nicht krank/belastet genug sind? Die sind dann erst Jahre später dran, wenn sich ihre Probleme mangels Hilfe manifestiert haben?
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  7. Ureinwohnerin

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von Whassup Beitrag anzeigen
    Habe ich auch so erlebt. AD wurde verschrieben, kann ja helfen, und Therapie suchen wurde zumindest vorgeschlagen / angeraten. Aber das kann ja bekanntlich dauern, und ob man sich als Patient darum kümmert (oder kümmern kann) oder nicht, ist ja jedem selbst überlassen. Wie das AD dann wirkt oder nicht, wird nicht mehr groß "überwacht".
    Finde das auch seltsam.
    Das ist wirklich krass!

    Ich wurde da auch nicht wirklich aufgeklärt und hab mich damit komplett alleingelassen gefühlt (und mich ua deshalb schlussendlich auch dagegen entschieden, das AD überhaupt zu nehmen), aber sowohl der Therapeut als auch der Psychiater, an den mich der Therapeut verwiesen hat, waren ziemlich unsympathisch und nicht besonders engagiert. Ich hab das deshalb für nen Einzelfall gehalten, grad auch weil es das einzige Mal in meinen ganzen Therapien war, das mir überhaupt die Einnahme eines AD empfohlen wurde.

    Zitat Zitat von Whassup Beitrag anzeigen
    Erfahrt ihr denn übrigens von so vielen Leuten, dass die Depressionen oder andere psychische Krankheiten haben? Also erzählen die das groß rum?
    Nur im engsten Umfeld oder halt online (hier oder insta). Ansonsten wird immer noch wenig darüber gesprochen.

    Ich erzähle davon nach vielen schlechten Erfahrungen auch nur noch, wenn es gar nicht anders geht. Aber gerade deshalb machen mich viele Aussagen zu dem Thema auch so wütend. Es wird einem ja eh schon so oft unterstellt, dass man sich eigentlich nur anstellt und schon könnte, wenn man nur wollte. Das wird nicht besser, wenn es so dargestellt wird, als bekäme man Diagnosen wahllos geschenkt.
    Geändert von poppyred (05.10.2021 um 18:39 Uhr)
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  8. Enthusiast

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Man kann das nicht losgelöst von der Stigmatisierung betrachten, weil eine psychische Diagnose eben gesellschaftlich/sozial immer noch Probleme verursacht (ich weiß das leider aus eigener Erfahrung) und viele aus Angst vor dem „Verrückt“-Stempel gar nicht erst darüber sprechen.

    Die Diagnostik ist außerdem deutlich komplexer als positiv-negativ-falsch positiv-falsch negativ. Da gibts keinen Test im Labor, der ein eindeutiges Ergebnis liefert.
    Es stimmt, dass es keinen Labortest gibt, aber es gibt festgelegte Diagnosekriterien, anhand derer standardisierte Diagnoseinstrumente entwickelt wurde, welche die Anwendung der Sensitivität und Spezifizität zulassen (siehe hierzu auch den Artikel aus The Lancet, den ich verlinkt hatte). Wie Du bereits beschreibst, ist die Attribution eines Stigmas bei psychischen Erkrankungen ein gesellschaftliches Problem, das nichts mit der Biostatistik zu tun hat.

    Zitat Zitat von poppyred Beitrag anzeigen
    Und die Lösung ist, dass man dann einfach weniger Menschen hilft, weil sie nicht krank/belastet genug sind? Die sind dann erst Jahre später dran, wenn sich ihre Probleme mangels Hilfe manifestiert haben?
    Es gibt in der Medizin das Prinzip des watchful waiting, für das viele Psychiater appellieren, die sich Gedanken um die Überdiagnostik machen. Ich stimme dir im Übrigen zu, dass viele Hilfsangebote nicht niedrigschwellig genug sind und es im Gesundheitssystem hierfür Nachholbedarf gibt,

  9. Enthusiast

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    AW: Die Seuche.

    Ich hoffe, dass es für wunda in Ordnung ist, wenn ich das hier poste und keinen neuen Thread eröffne.

    ----Bitte nicht zitieren----
    Geändert von serpentine (09.10.2021 um 06:43 Uhr)

  10. Newbie

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    AW: Die Seuche.

    @ serpentine: Ich würde als allererstes mal schauen, ihn bzgl. Krankenversicherung wieder in die Spur zu bringen. Da würd ich ihm aktiv meine Hilfe anbieten an deiner Stelle. Ich kenn mich da wenig aus, ich weiß nur, dass uU hohe Nachzahlungen auf einen zukommen können. Gibt's da evtl. Beratungsstellen?

    Wovon lebt er denn eigentlich, wenn er nicht mal Hartz4 bezieht?

  11. Enthusiast

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    AW: Die Seuche.

    Er lebt momentan bei seinen Eltern. Ich weiß nicht, ob ihn vielleicht noch einmal der VdK beraten könnte (der Antrag ist nur daran gescheitert, dass er seine Exmatrikulationsbescheinigung nicht eingereicht hat, er musste aufgrund der Erkrankung das Studium abbrechen). Ich werde ihm da noch mal meine Hilfe anbieten, wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Ich fühle mich irgendwie so hilflos, weil er ziemlich stur ist und keine Hilfe annehmen möchte, weder medikamentös noch therapeutisch. Und ich gebe natürlich keine dummen Ratschläge, damit sind Depressive ja leider oft genug konfrontiert…

  12. Newbie

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    AW: Die Seuche.

    Hm ja, ich find's halt schwierig, wenn man schon so weit ist dass man solche existenziellen Themen wie die eigene Krankenversicherung vor die Wand fahren lässt. Das ist dann schon ein Level von Antriebslosigkeit das extrem besorgniserregend ist... Ratschläge würd ich ihm auch keine geben (das war zB was, was mich persönlich extrem genervt hat und wodurch ich mich sehr unverstanden gefühlt habe) aber ich würd zumindest versuchen, mit ihm gemeinsam diese institutionellen Themen zu regeln. Was sagen denn seine Eltern dazu?

  13. Enthusiast

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    AW: Die Seuche.

    Ja, er sagt auch, dass es ihm im Moment wirklich sehr schlecht geht. Ich weiß nicht, was seine Eltern dazu sagen. Sie könnten es sich leisten, ihn privat zu versichern, aber haben das anscheinend noch nicht gemacht.

  14. Addict

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    AW: Die Seuche.

    Zur Ausgangsfrage:
    zumindest die Suizidrate hat in den letzten Jahrzehnten (seit ca. 1975) abgenommen:
    Vertuschte Tote – KATAPULT-Magazin

    Nachtrag:
    Von den Driesch sieht vor allem einen Zusammenhang zwischen der Suizidrate und dem Grad an Modernisierung in einer Region. Es ist eine gängige soziologische Theorie, dass langfristige und unumkehrbare Veränderungen wie Industrialisierung, Säkularisierung und Urbanisierung innerhalb einer Gesellschaft zu mehr Suiziden führen, weil sie die bisherige soziale Ordnung ins Wanken bringen und so das Zugehörigkeitsgefühl von Menschen schwächen.
    aus dem Artikel
    Geändert von sommerlinde (13.10.2021 um 17:37 Uhr) Grund: interessanter Hinwis im Artikel
    Zitat Zitat von Paul Ziemiak
    Die AfD (ist) nicht unser Partner, sondern unser entschiedener Gegner.
    Unser christdemokratischer Kompass zeigt uns, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht verantwortbar und nicht möglich ist. Die AfD will ein anderes, ein dunkleres, ein kälteres Deutschland. CDU und CSU wollen ein besseres Deutschland. Konrad Adenauer hatte recht: "Wer wirklich demokratisch denkt, muss Achtung vor dem anderen, vor dessen ehrlichem Wollen und Streben haben."

  15. V.I.P.

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    AW: Die Seuche.

    Zitat Zitat von wunda Beitrag anzeigen
    Ganz ehrlich, in meiner Wut und Angst heute morgen war das beabsichtigt, weil ich den Gedanken in meinem Kopf hatte, das ist momentan eine noch größere "Seuche" als Corona. Weil es einfach so wahnsinnig viel ist. Es tut mir leid wenn es euch stört, ändern werde ich es trotzdem nicht.
    Die Corona-Situation hat natürlich auch dazu beigetragen, dass Depressionen zugenommen haben.

    In meinem Bekanntenkreis haben ein paar Leute über die Maßnahmen gewettert, dass diese psychische Erkrankungen verstärken. Bei mir wars die Angst vor Corona selbst, die meine Angststörung verstärkt hat. Zu Beginn der Pandemie konnte ich kaum schlafen, und je müder ich bin, umso eher habe ich depressives Empfinden. Und aktuell ist es auch so, dass Corona viele meiner normalen Strategien, um aus Stimmungstief-Phasen rauszukommen, nicht so recht ermöglicht, und meine Stimmung auch Richtung depressives Empfinden driftet.

  16. V.I.P.

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    AW: Die Seuche.

    Auch keine Studie, aber ja, auch Hausärztinnen dürfen (man darf eh das meiste verschreiben, wenn man approbiertund niedergelassen ist, die Abrechnung kann ggf. schwierig sein) Antidepressiva verschreiben und gerade im sehr ländlichen, armen, schlecht versorgten Versorgungsgebiet meiner Klinik wäre die Versorgungslage noch deutlich schlechter, wenn nicht die (teils in der Hinsicht sehr fähigen) HÄ Depressionen erkennen und Antidepressiva verschreiben würden. Und wenn die Wirkung nicht gut genug ist, die Leute ggf. zu uns schicken. Psychotherapie ist nicht ausreichend verfügbar und auch nicht von allen Patientinnen gewünscht, dann auch keine Antidepressiva zu geben, fände ich jetzt nicht unbedingt immer so sinnvoll.
    Die nutzen dann idR auch nur ein oder zwei Antidepressiva, die sie halt gut kennen, und wenn die nicht funktionieren, schicken sie weiter. Das hat auch mein Allgemeinmedizinprof so empfohlen, dass man Depressionsbehandlung in der Allgemeinarztpraxis, wenn man denn möchte, so machen sollte.

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