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  1. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von GuteMiene Beitrag anzeigen
    Es ist ja auch so, dass man vermutlich dieses mobbende Verhalten als Erwachsener sehr viel leichter unterbinden könnte, als wenn sich Debbie jetzt per Zeitmaschine in ihre Jugend zurückreisen würde, dann würde sie dank mehr geistiger Reife wahrscheinlich einen Großteil im Keim erstickenden können. Und das gleiche gilt für die Mobber von damals, die haben’s wahrscheinlich zum Großteil auch nicht gerafft was für eine Dynamik da am laufen war.
    Danke, das meinte ich, konnte es aber nicht ausdrücken. Innerhalb der Mobbenden gibt es eine Gruppendynamik, gegenseitige Abhängigkeiten - sich gegen die Freunde zu stellen, die andere mobben, könnte den Gruppenausschluss bedeuten, was für viele Jugendliche einfach unglaublich beängstigend wäre und mit der Vorstellung einer Katapultierung ins soziale Nichts verbunden wäre. Ich könnte das bei einem Erwachsenen nicht entschuldigen, wenn sie nicht in der Lage wären, sich gegen ihre Freunde zu stellen, wenn die mobben, bei Jugendlichen aber durchaus, für die ist ihr Freundeskreis einfach von identitärer Wichtigkeit und nicht jeder besitzt diese innere Stärke in dem Alter. Peer pressure ist ja nicht einfach nur ein Begriff, das gibt es wirklich.

  2. Regular Client Avatar von Hippiekind
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Naja, deine "Täter" sind ja dann Kinder. Ich fände es eher schockierend, Zweitklässler als unrettbar schlechte Menschen abzustempeln. (Wirst du nicht Grundschullehrerin?)
    Das tut shine.on aber nun nicht, oder?

    Und Zweitklässler*innen sind 8 Jahre alt, plus 9 Jahre Mobbing - da sind die Täter*innen dann 17. Joa, das sind dann doch schon fast junge Erwachsene. Die Dauer und Intensität finde ich hier schon ziemlich bemerkenswert. In diesem speziellen Fall finde ich es SEHR nachvollziehbar, wenn man als Mobbingopfer keinerlei Verständnis für seine Peiniger*innen aufbringen möchte. Ungeachtet dessen, wie Menschen sich wissenschaftlich nachweisbar in der Pubertät entwickeln und welches Menschenbild man grundlegend hat.

    Und dein Kommentar zu ihrem künftigen Beruf ist echt unter der Gürtellinie.
    Geändert von Hippiekind (21.07.2019 um 20:27 Uhr)

  3. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von Hippiekind Beitrag anzeigen
    Und dein Kommentar zu ihrem künftigen Beruf ist echt unter der Gürtellinie.
    Finde ich nicht. Ich würde für mein Kind keine Klassenlehrerin haben wollen, die ein Menschenbild vertritt, wie es hier auf den letzten Seiten beschrieben wurde, sondern eines, dass die Dynamik der menschlichen Persönlichkeit und die Plastizität der Veränderung widerspiegelt. Man könnte "Einmal fies, immer fies" ja auch auf "Einmal dumm, immer dumm" übertragen und diese Endgültigkeit, mit der der menschliche Charakter hier betrachtet wird, finde ich auf lange Sicht schädlicher, als mein Kind bei einem Kindergeburtstag abzuliefern, bei dem eine frühere Mobberin anwesend ist, die mein Kind hoffentlich nicht in Mobbingsippenhaft sperren und in einem Kessel kochen wird.


    Wenn ich mir überlege, wie krass ich mich noch nach meinem 23. Lebensjahr verändert habe - in sämtlichen Charakterzügen - finde ich die Auffassung, dass man während des Abiturs nicht nur die Hochschulreife, sondern auch die endgültige Menschlichkeitsreife erlangen sollte (weil hier mehrmals gesagt wurde, dass sich nach dem 19. Lebensjahr nicht mehr viel ändert), einfach nur absurd. Je älter und hoffentlich reflektierter ich werde, desto bewusster wird mir, wie sehr sich Menschen verändern und ihren Umständen ausgeliefert sind und wie dieser Prozess nie abgeschlossen ist, und Leute, die da ein ganz entgegengesetztes Menschenbild haben, machen mir ein bisschen Angst.

  4. V.I.P. Avatar von finessa
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Nur, damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt: Mir geht es in keiner Weise um Verständnis mit Mobber_innen - schon gar nicht mit solchen, die keine Schuldeinsicht haben. Wenn mir jemand von den eigenen Mobbingerfahrungen erzählt, komme ich auch nicht damit ums Eck, dass die es aber sicher auch schwer hatten.

    Mich hatte hier die Haltung irritiert, ehemaligen Mobber_innen grundsätzlich die Befähigung für soziale Berufe abzusprechen und die Freundschaft soras mit einer Mobberin als fragwürdig einzuordnen, weil Menschen einen unveränderlichen Grundcharakter hätten und daher "so jemand" zu verurteilen sei. Sich mobbendes Verhalten zu erklären hat für mich zudem absolut nichts - wie ich schon schrieb- mit Legitimierung zu tun (ich betrachte es vor allem als Möglichkeit, präventiv gegen Mobbing vorgehen zu können) und ich glaube auch ganz sicher nicht, dass sich das nur über ein "naja, war halt Pubertät" kleinreden lässt oder sich dann einfach "rauswächst".

    Ich bezog mich auf Menschen, die ihr eigenes Verhalten reflektiert und daraus gelernt haben - so klingt für mich soras Freundin und ja, so etwas verdient meinen Respekt und ich denke, solche Menschen können gerade dadurch auch anderen helfen, weil sie den Umgang mit Schuld in ihrer eigenen Lebensgeschichte bearbeitet haben. Ich wäre sicher eher mit einer Frau befreundet, die in ihrem Leben große Fehler machte, Schuld auf sich lud, sich damit aktiv auseinandersetzte und daraus lernte, als einer, die andere verurteilt und an einen unveränderlichen Grundcharakter glaubt.

    Dass man als Moppingopfer keine Lust auf Kontakt mit den ehemaligen Täter_innen hat und auch die eigenen Kinder von deren Kinder fernhält, kann ich sehr gut nachvollziehen und erachte ich als legitim, auch, wenn die Kinder der Täter_innen nichts dafür können. Ich erwarte mir auch sicher nicht, man müsse den Täter_innen vergeben oder zumindest anerkenne, dass die es auch "schwer" hatten. Nur pauschalisierend zu sagen: "Einmal x, immer x" - das teile ich nicht.
    "Das Verliebtsein ist ja nicht mehr als ein psychiatrisches Durchgangsstadium und die zwanghafte Besessenheit von einem Menschen auf Dauer so ungesund wie Kokainkonsum." Um etwas Pepp in Vernunftbeziehungen zu bringen, empfiehlt der deutsche Paartherapeut Arno Retzer den gelegentlichen Einsatz von Wasserpistolen.

  5. V.I.P. Avatar von finessa
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von DebbieDowner Beitrag anzeigen
    Finde ich nicht. Ich würde für mein Kind keine Klassenlehrerin haben wollen, die ein Menschenbild vertritt, wie es hier auf den letzten Seiten beschrieben wurde, sondern eines, dass die Dynamik der menschlichen Persönlichkeit und die Plastizität der Veränderung widerspiegelt.
    Wo schrieb das shine.on?
    Sie schrieb doch nur, sie will mit den ehemaligen Täter_innen nichts zu tun haben und das halte ich wirklich für absolut nachvollziehbar.
    "Das Verliebtsein ist ja nicht mehr als ein psychiatrisches Durchgangsstadium und die zwanghafte Besessenheit von einem Menschen auf Dauer so ungesund wie Kokainkonsum." Um etwas Pepp in Vernunftbeziehungen zu bringen, empfiehlt der deutsche Paartherapeut Arno Retzer den gelegentlichen Einsatz von Wasserpistolen.

  6. Regular Client Avatar von shine.on.
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von Hippiekind Beitrag anzeigen
    Das tut shine.on aber nun nicht, oder?

    Und Zweitklässler*innen sind 8 Jahre alt, plus 9 Jahre Mobbing - da sind die Täter*innen dann 17. Joa, das sind dann doch schon fast junge Erwachsene. Die Dauer und Intensität finde ich hier schon ziemlich bemerkenswert. In diesem speziellen Fall finde ich es SEHR nachvollziehbar, wenn man als Mobbingopfer keinerlei Verständnis für seine Peiniger*innen aufbringen möchte. Ungeachtet dessen, wie Menschen sich wissenschaftlich nachweisbar in der Pubertät entwickeln und welches Menschenbild man grundlegend hat.

    Und dein Kommentar zu ihrem künftigen Beruf ist echt unter der Gürtellinie.
    exakt das und ich bin mir sehr sicher, dass ich durchaus aufmerksamer sein werde als meine damaligen klassenlehrer. zum Glück hat man in der Grundschule auch noch einen Erziehungs- neben dem Bildungsauftrag.

  7. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von shine.on. Beitrag anzeigen
    Das sitzt bis heute so tief, dass ich andersrum hier geschockt bin, wie viel Verständnis auf einmal für Täter und deren Hintergründe aufgebracht wird.
    Hippie, ich verstehe auch, dass man für seine eigenen Peiniger kein Verständnis aufbringen mag.

    Aber trotzdem geht es hier in der Diskussion generell um Mobbing im Kinder- und Jugendalter, und um Täter, die ebenfalls Kinder und Jugendliche sind. Es da schockierend zu finden, dass hier die diskutierenden Erwachsenen die Hintergründe und Baustellen der jugendlichen Täter auch im Blick haben, kann man, finde ich, schon hinterfragen, gerade, wenn derjenige mit Kindern arbeiten wird, und auch künftigen Täter-Kindern gegenüber pädagogische Verantwortung tragen wird.
    Geändert von sora (21.07.2019 um 20:45 Uhr)

  8. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Wo schrieb das shine.on?
    Sie schrieb doch nur, sie will mit den ehemaligen Täter_innen nichts zu tun haben und das halte ich wirklich für absolut nachvollziehbar.
    Zitat Zitat von shine.on. Beitrag anzeigen
    ich frage nur, weil ich exakt deiner Meinung bin und von genau solchen Leuten über 9 Jahre gemobbt wurde und daher deine (Vitulina) Sichtweise sehr gut verstehen kann.
    Wenn ich jetzt Vitulinas Sichtweise herannehme, fände ich das auf Grund der schwarz/weißen Absolutheit einfach nicht so optimal für eine Lehrerin von meinem Kind, und würde mir da die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Grautönen wünschen.

  9. Regular Client Avatar von shine.on.
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    das ist mir jetzt tatsächlich zu blöd und ich finde das auch definitiv nicht angebracht, das auf meinen zukünftigen Beruf zu beziehen.
    ich bin damit raus.

  10. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von shine.on. Beitrag anzeigen
    das ist mir jetzt tatsächlich zu blöd und ich finde das auch definitiv nicht angebracht, das auf meinen zukünftigen Beruf zu beziehen.
    ich bin damit raus.
    Bei "Tätern" ist es aber anscheinend okay hier mehrfach zu betonen, dass man jemanden auf Grund seines Verhaltens mit 13 (!!) nicht als Therapeutin möchte - und bei "Opfern" muss ich das aktuelle, als Erwachsene gelebte Menschenbild entschuldigen und es ist unter der Gürtellinie, das anzusprechen? Diese Doppelmoral verstehe ich nicht. Nicht von dir persönlich, aber von den Leuten im Thread hier.
    Das ist das was ich mit meinem Heiligenvergleich auf der vorherigen Seite meinte. Für mich hat das hier einfach eine komische Note. Opfer von Mobbing gewesen zu sein, macht einen nicht zu einem besseren Menschen im Hier und Jetzt, als jemand der als Teenager gemobbt hat und heute anders lebt. Ich kann einen Ex-Mobber heute sympathischer finden als ehemalige Mobber, das beweist dieser Thread für mich ganz gut.

  11. Ureinwohnerin Avatar von phaenomenal
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von Vitulina Beitrag anzeigen
    Ich fand halt in erster Linie nur die Aussage schräg, dass das Gemobbe gar nichts war im Gegensatz zu deiner Story. Das Mobben mit "nicht sooo schlimm, mir gings schlimmer" zu beschreiben, ist eben nur deine subjektive Sicht. Denn da geht ja auch einfach jeder anders/schlechter/besser mit um und jeder hat ein ganz subjektives Gefühl davon, was für ihn jetzt schlimm, schlimmer, am schlimmsten ist. Das war eigentlich meine hauptsächliche Kritik an deinem ersten Post.
    Ich habe meine (empathische) Sicht auf die Person, die ich damals gemobbt habe, einfach ausgeklammert und nicht beschrieben, weil es mir darum nicht ging.
    Ich habe mich damit aber intensiv auseinandergesetzt, da ich wie gesagt eine analytishce Gruppentherapie 3,5 Jahre gemacht habe und dort auch Mitpatienten/-innen waren, die solche Erfahrungen gemacht haben. Und ich außerdem auch selbst gemobbt wurde (was einer der ausschlaggebenden Gründe dafür war, sich auf die Seite der Mobbenden zu begeben). Aber mir ging es eben nicht darum.

    Teil weg
    Geändert von phaenomenal (22.07.2019 um 08:23 Uhr)
    „Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.“ R. P. Feynman

  12. V.I.P. Avatar von finessa
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von DebbieDowner Beitrag anzeigen
    Bei "Tätern" ist es aber anscheinend okay hier mehrfach zu betonen, dass man jemanden auf Grund seines Verhaltens mit 13 (!!) nicht als Therapeutin möchte - und bei "Opfern" muss ich das aktuelle, als Erwachsene gelebte Menschenbild entschuldigen und es ist unter der Gürtellinie, das anzusprechen?
    Ich denke, auf die Anführungszeichen kannst du verzichten, denn auf Handlungen bezogen gibt es bei Mobbing sehr klare Täter_innen und Opfer.
    "Das Verliebtsein ist ja nicht mehr als ein psychiatrisches Durchgangsstadium und die zwanghafte Besessenheit von einem Menschen auf Dauer so ungesund wie Kokainkonsum." Um etwas Pepp in Vernunftbeziehungen zu bringen, empfiehlt der deutsche Paartherapeut Arno Retzer den gelegentlichen Einsatz von Wasserpistolen.

  13. Member Avatar von Vitulina
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von DebbieDowner Beitrag anzeigen
    Wenn ich jetzt Vitulinas Sichtweise herannehme, fände ich das auf Grund der schwarz/weißen Absolutheit einfach nicht so optimal für eine Lehrerin von meinem Kind, und würde mir da die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Grautönen wünschen.
    Und wenn wir schon bei Wünsch dir was sind, dann hätte ich gerne Lehrer gehabt, die genauer hinschauen und Gemobbe nicht einfach abtun. Warum taten sie es ab? Kann ich natürlich nicht beurteilen, aber eine Möglichkeit wäre wohl, weil sie es selber nicht ernst nahmen, vielleicht selber mal Mobber waren und das nie reflektiert haben und das doch alles "nur harmloser Spaß" war.
    Da hätte ich hundert Mal lieber shine.on als Lehrerin gehabt, die da gerne auch mit einer schwarz-weiß-Sichtweise (die ich bei ihr hier übrigens nirgends pauschal rauslesen kann. Und das, was sie zu ihren eigenen Erfahrungen und dem Umgang damit schreibt, kann ich absolut nachvollziehen) dem Gemobbe keinen Raum gibt. Egal, aus welchen Gründen gemobbt wird. Das kann ja nunmal niemals die Lösung sein und es muss kein Kind/Teenie das über sich ergehen lassen, nur weil ein anderes Kind/Teenie sich abreagieren muss, so sehr man auch nachvollziehen kann, dass das andere Kind/Teenie ein Ventil braucht.

  14. Regular Client Avatar von Hippiekind
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Falls du mich mit der Doppelmoral meinst, ich hab mich außer zu shine.ons für mich individuell nach wie vor sehr nachvollziehbarer Sichtweise zu sonst gar nix in der Diskussion Mobbingopfer-/täter geäußert. Woraus du da eine jetzt Doppelmoral ziehst, ist mir nicht klar.

    Und doch, ich finde es vermessen, da den angehenden Beruf mit reinzuziehen. Zumal, wie du schon richtig bemerkt hast, diese Denke an anderer Stelle (nämlich dass Mobbende soziale Berufe ergreifen) zu Recht kritisiert wurde. Mir erschließt sich absolut nicht, wieso shine.on jetzt ihre pädagogische Eignung abgesprochen oder infrage gestellt wird (von mindestens 2 Personen hier). Was soll das?
    "Wäre es nicht schön, wenn der Frankfurter Zoo ein Wombat-Pärchen erwerben könnte?
    Ich kann mich an diese freundlichen und rundlichen Tiere mit viel Identifikation aus meiner Kindheit
    erinnern und wäre sehr froh, wenn ich sie wiedersehen dürfte. [...]
    Und schließlich, wie steht es mit den Zwergnilpferden, die es einmal in Berlin gab?"

    (T. W. Adorno, Brief an den Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek vom 23.04.1965)

  15. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Ich denke, auf die Anführungszeichen kannst du verzichten, denn auf Handlungen bezogen gibt es bei Mobbing sehr klare Täter_innen und Opfer.
    Das war nicht passiv-aggressiv oder wertend gemeint und finde deine Belehrung unangebracht. Ich wollte den Status als Täter oder Opfer hervorheben, hätte wohl ** statt "" nehmen sollen.

  16. Ureinwohnerin Avatar von sora
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Ich persönlich habe zu shine.ons Eignung nichts gesagt, und das sollte auch keine angedeutete Bewertung sein. Eher ein Hinweis darauf, dass sie doch jetzt auch Schüler in dem Alter hat und die doch bestimmt (hoffentlich) auch nicht für Monster hält, auch wenn sie Mobbing-Täter sind. In erster Linie sind das doch auch Kinder.
    Geändert von sora (21.07.2019 um 21:08 Uhr)

  17. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von Vitulina Beitrag anzeigen
    Und wenn wir schon bei Wünsch dir was sind, dann hätte ich gerne Lehrer gehabt, die genauer hinschauen und Gemobbe nicht einfach abtun. Warum taten sie es ab? Kann ich natürlich nicht beurteilen, aber eine Möglichkeit wäre wohl, weil sie es selber nicht ernst nahmen, vielleicht selber mal Mobber waren und das nie reflektiert haben und das doch alles "nur harmloser Spaß" war.
    Da hätte ich hundert Mal lieber shine.on als Lehrerin gehabt, die da gerne auch mit einer schwarz-weiß-Sichtweise (die ich bei ihr hier übrigens nirgends pauschal rauslesen kann. Und das, was sie zu ihren eigenen Erfahrungen und dem Umgang damit schreibt, kann ich absolut nachvollziehen) dem Gemobbe keinen Raum gibt. Egal, aus welchen Gründen gemobbt wird. Das kann ja nunmal niemals die Lösung sein und es muss kein Kind/Teenie das über sich ergehen lassen, nur weil ein anderes Kind/Teenie sich abreagieren muss, so sehr man auch nachvollziehen kann, dass das andere Kind/Teenie ein Ventil braucht.
    Meinst du meine Lehrer? Das war noch eine andere Generation mit einem anderen Bewusstsein (also kein Bewusstsein) für Mobbing. Die waren Anfang der 2000er schon über 60 und natürlich hätte ich mir andere Lehrer gewünscht. Deren Sichtweise war, dass ich selber dran schuld bin weil ich introvertiert war und in der Pause gelesen habe und nur ältere Freunde hatte, mir wurde damals gesagt, dass ich mich nicht wundern brauche, wenn die mich nicht mögen, wenn ich ihnen das Gefühl gebe, dass sie mir nicht "gut genug sind" weil ich eben lieber gelesen habe und meine Freunde zwei Stufen über mir waren.
    Der Punkt ist, dass meine Schulvergangenheit für mein Selbstbild heute keine Rolle spielt. Ich bin so viel mehr, als ein ehemaliges Mobbingopfer und ich finde es schade, dass es hier so oft und seit Jahren immer wieder um diese Mobbing und Schulsportgeschichten geht, manchmal denke ich mir da, dass es nicht hilft, so in der Vergangenheit zu verharren. Und ich fände es halt für mich verheerend, wenn ich mein Menschenbild zum Großteil auf meiner selbsterfahrenen Vergangenheit aufbauen würde und wünsche mir da von Pädagogen mehr Objektivität.

  18. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von sora Beitrag anzeigen
    Ich persönlich habe zu shine.ons Eignung nichts gesagt, und das sollte auch keine angedeutete Bewertung sein. Eher ein Hinweis darauf, dass sie doch jetzt auch Schüler in dem Alter hat und die doch bestimmt (hoffentlich) auch nicht für Monster hält, auch wenn sie Mobbing-Täter sind. In erster Linie sind das doch auch Kinder.

    Was anderes wollte ich ja auch nicht sagen, also dass ich hoffe, dass sie mobbenden Kinder eben nicht als verkommene Monster sieht und dass ich, falls sie das tut, das nicht so optimal für mein eigenes Kind fände, weil das keine Perspektive ist, die ich in meiner Erziehung vermitteln möchte.

  19. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Und wann steht der wodurch fest? Durch Gene? Durch frühkindliche Prägungen? Und wenn der nicht so gut ausfiel, hatte man halt Pech und muss sein Leben lang ein Arschloch bleiben?

    Ich finde diese Sicht auf Menschen höchst problematisch. Nicht nur, weil sie wissenschaftlichen Studien entgegenläuft, die ziemlich viele Anhaltspunkte haben, dass Menschen sich ihr Leben lang über verändern können und diese Veränderungen im Laufe eines Lebens auch zu einem völlig anderen Charakter führen können, sondern vor allem, weil die Konsequenz wäre, dass ab einem gewissen Punkt gewisse Menschen keine Chance auf Veränderung mehr hätten und auch unsere Gesellschaft daher nicht in der Verantwortung wäre, Menschen Chancen zu geben.
    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Ich stimme dir allerdings nicht zu: ich würde sagen, die Person handelt in dem Moment fies, sie ist aber deswegen auch in dem Moment nicht zwangsläufig ein fieser Mensch, da sie immer mehr ist als die unmittelbare Handlung. Das klingt vielleicht sehr kleinlich, aber macht meines Erachtens einen sehr großen Unterschied aus. Für mich geht das auch nicht in die Richtung dessen, Handlungen zu relativieren, sondern Selbstverantwortung und die Möglichkeit selbstbestimmter Entscheidungen ernst zu nehmen, obwohl unsere Persönlichkeit stark durch unsere Umwelt mitgeprägt wird. Die Prägung als Erklärung für Handlungen herbeizuziehen ist für mich etwas ganz anderes, als Handlungen dadurch zu legitimieren: ich kann doch gleichzeitig eine Handlung x verurteilen, ohne die Person, die x begeht, in gleicher Weise zu verurteilen. Allein schon, weil eine Handlung im Gegensatz zu einer Person nahezu vollständig erfasst werden kann, einen Start - und Endpunkt hat. Aber bei einem Menschen lässt sich eben nicht sagen, an welchem Punkt er weswegen y wurde oder aufhörte, y zu sein - das können wir nur vermuten. Dadurch ist es für mich etwas grundlegend anderes, Menschen oder Handlungen zu verurteilen und während wir letzteres für eine funktionierende Gesellschaft benötigen, werte ich ersteres als zutiefst destruktiv.
    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Nur, damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt: Mir geht es in keiner Weise um Verständnis mit Mobber_innen - schon gar nicht mit solchen, die keine Schuldeinsicht haben. Wenn mir jemand von den eigenen Mobbingerfahrungen erzählt, komme ich auch nicht damit ums Eck, dass die es aber sicher auch schwer hatten.

    Mich hatte hier die Haltung irritiert, ehemaligen Mobber_innen grundsätzlich die Befähigung für soziale Berufe abzusprechen und die Freundschaft soras mit einer Mobberin als fragwürdig einzuordnen, weil Menschen einen unveränderlichen Grundcharakter hätten und daher "so jemand" zu verurteilen sei. Sich mobbendes Verhalten zu erklären hat für mich zudem absolut nichts - wie ich schon schrieb- mit Legitimierung zu tun (ich betrachte es vor allem als Möglichkeit, präventiv gegen Mobbing vorgehen zu können) und ich glaube auch ganz sicher nicht, dass sich das nur über ein "naja, war halt Pubertät" kleinreden lässt oder sich dann einfach "rauswächst".

    Ich bezog mich auf Menschen, die ihr eigenes Verhalten reflektiert und daraus gelernt haben - so klingt für mich soras Freundin und ja, so etwas verdient meinen Respekt und ich denke, solche Menschen können gerade dadurch auch anderen helfen, weil sie den Umgang mit Schuld in ihrer eigenen Lebensgeschichte bearbeitet haben. Ich wäre sicher eher mit einer Frau befreundet, die in ihrem Leben große Fehler machte, Schuld auf sich lud, sich damit aktiv auseinandersetzte und daraus lernte, als einer, die andere verurteilt und an einen unveränderlichen Grundcharakter glaubt.

    Dass man als Moppingopfer keine Lust auf Kontakt mit den ehemaligen Täter_innen hat und auch die eigenen Kinder von deren Kinder fernhält, kann ich sehr gut nachvollziehen und erachte ich als legitim, auch, wenn die Kinder der Täter_innen nichts dafür können. Ich erwarte mir auch sicher nicht, man müsse den Täter_innen vergeben oder zumindest anerkenne, dass die es auch "schwer" hatten. Nur pauschalisierend zu sagen: "Einmal x, immer x" - das teile ich nicht.

    ja!
    love is a litany, a magical mystery

  20. Junior Member
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    AW: (Sehr) erfolgreiche Freunde

    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    Ich denke, auf die Anführungszeichen kannst du verzichten, denn auf Handlungen bezogen gibt es bei Mobbing sehr klare Täter_innen und Opfer.
    Ich glaube ich fände es hier aber doch ganz interessant zu erfahren, ab wann man eurer Meinung nach ein Täter ist. Kann man in der Grundschule schon Täter sein oder braucht es dafür Tatbewusstsein?

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