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Thema: Downsyndrom

  1. Addict Avatar von Hellooni
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von moth Beitrag anzeigen
    Pro Choice, immer und aus jedem Grund und auch aus gar keinem
    Ja!

    Bei uns stand für einen kurzen Moment der Verdacht im Raum, das Baby könne eine der Trisomien haben (es wurde ein Herzfehler im Rahmen der Feindiagnostik in der 31.ssw festgestellt). Ich ließ eine Fruchtwasserpunktion machen, obgleich für mich schon feststand, dass ich eine Kind mit Down auf jeden Fall bekommen würde, weil ich schon so eine starke Bindung aufgebaut hatte. Hätte ich aber auch ein Kind mit einer anderen Trisomie bekommen? Nein. Einfach, um dem Kind und uns Leid zu ersparen.
    Edit: also schlimm wäre es auch bei einem Abbruch gewesen, ich hoffe ihr versteht wie ich es meine.

  2. Regular Client Avatar von Stina
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen
    Ich bin absolut dafür, dass Frauen selber entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft behalten oder abbrechen. In jedem Fall. Einfach weil: ist richtig.

    Aber... mir fällt es schon schwer, dass so viele trisomie21 Kinder abgetrieben werden. Und was du mit der Einbindung in die Gesellschaft sagst, ist sehr sehr richtig. Ich habe nur oft das Gefühl, dass quasi erwartet wird, mit einem beeinträchtigten Kind der Gesellschaft nicht zu Last zu fallen und ‚sowas‘ besser nicht zu bekommen.
    Und ja, wenn eine Frau schwanger wird und für sich sagt ‚Weil ich kein Kind möchte, wird aus diesem Embryo kein Kind.‘, dann empfinde ich das doch anders, als einen Abbruch einer Schwangerschaft, auf die man sich erst gefreut hat.
    Also bezogen auf T21. Da gibt es viele Befunde, bei denen ich das auch nochmal anders bewerten würde.

    Generell aber dennoch: nicht mein Körper, nicht meine Entscheidung, nicht meine Mitsprache.
    Ja, so ähnlich geht es mir auch.

    Für mich persönlich sehe ich es so, dass ich mich mit der Entscheidung für ein Kind sowieso auf ein großes Wagnis einlasse. Ich weiß nie, was aus dem Kind wird und welche Herausforderungen es mit sich bringt. Ich denke zum Beispiel an manche potentiellen (psychischen) Erkrankungen des Kindes, mit denen ich persönlich vermutlich schwerer tun würde als mit einer Trisomie21 ohne begleitende körperliche Erkrankungen.

  3. V.I.P. Avatar von gewitter
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    AW: Downsyndrom

    Ich will es nochmal präziser formulieren:

    Ein Schwangerschaftsabbruch hat für mich nichts mit der Tötung eines Kindes zu tun. Weil es sich beim Embryo noch nicht um ein Kind handelt. Zumindest nicht solange, wie die Frau es nicht für sich als solches definiert hat. Ein Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer Diagnose fühlt sich für mich eher wie Sterbehilfe an. Denn die Mutter hat den Embryo ja schon zum Kind definiert. Und da empfinde ich dann manche Diagnosen dringlicher als andere.

    Aber das ist meine emotionale Sicht darauf. Mit der muss und sollte man keine Politik machen. Denn gleichzeitig bleibt Pro Choice bestehen. Und wiegt schwerer.

  4. Addict Avatar von apieceofcake
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen
    Und ja, wenn eine Frau schwanger wird und für sich sagt ‚Weil ich kein Kind möchte, wird aus diesem Embryo kein Kind.‘, dann empfinde ich das doch anders, als einen Abbruch einer Schwangerschaft, auf die man sich erst gefreut hat.
    Wo liegt denn der Unterschied zwischen ‚Ich möchte das Kind - egal, ob gesund oder nicht - nicht, weil es nicht in mein Lebensmodell passt, ich mich der Aufgabe Kind nicht gewachsen fühle‘ und ‚Ich möchte das kranke Kind nicht, weil es nicht in mein Lebensmodell passt, ich mich der Aufgabe nicht gewachsen fühle‘? Warum sollen die Eltern eines kranken Kindes dieses bekommen, mit allen Konsequenzen leben und an der Situation gefälligst wachsen, während es bei einem gesunden Kind völlig legitim ist, sich den Konsequenzen ‚zu entziehen’ und nicht an der Situation zu wachsen?

    (Disclaimer: ich bin keine Abtreibungsgegnerin und beziehe mich ausdrücklich nicht auf Schwangerschaften nach Missbrauch o.ä., sondern nur auf die Differenzierung zwischen ungewolltem Kind und krankem Kind. Da sehe, zumindest ich, nämlich keinen Unterschied in den Argumenten/ Gründen - ganz davon ab, dass keine Frau solche braucht, um ihre Entscheidung in irgendeiner Weise zu rechtfertigen.)

  5. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Downsyndrom

    Ich hab das ja auch so geschrieben, also, dass ich den Unterschied sehe, den Du in den ersten drei Zeilen aufmachst, aber eben ganz klar OHNE die Konsequenz, die Du dann schilderst.
    Abtreiben muss frau immer dürfen.

    Ich denke aber auch, dass die Situation als Schwangere sich sehr deutlich unterscheidet, ob man etwa weiß, ich möchte KEIN Kind und dann feststellt, Scheiße, die Verhütunghat letzten Monat nicht funktioniert, jetzt muss ich durch den entwürdigenden Slalom, mit dem die Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert dokumentiert, dass sie eine schwangere Frau nicht für voll zurechnungsfähig hält und ihr einige Menschenrechte beschneidet und muss diesen Eingriff machen, kostet Zeit, oft Geld und ist unangenehm
    ODER
    ob man sich Kinder wünscht, gewünscht schwanger ist, sich darüber sehr freut und dann vor dieser Entscheidung steht.

  6. Junior Member Avatar von mrs_november
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    AW: Downsyndrom

    Ich schließe mich den Postings von gewitter an, besser könnte ich es nicht formulieren.

    Eines möchte ich aber noch hinzufügen: Ich finde es nicht in Ordnung, dass bei Kindern mit Down-Syndrom Spätabtreibungen möglich sind. Der Gesetzgeber hat sich unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse dafür entschieden, dass Abtreibungen bis zur 12. SSW unter bestimmten Umständen straffrei sind. Dabei fließen natürlich auch Fragen ein wie "Ist es ein Zellhaufen oder schon ein Embryo?" oder "Bekommt es davon etwas mit?". Das ist für mich auch irgendwie ein Wertekonsens und ich bin nicht dafür, Abtreibungen nach diesem Zeitpunkt zu legalisieren. Das kann man sicher auch diskutieren, aber so ist nun mal die aktuelle Rechtslage. Dass man bei bestimmten medizinischen Indikationen auch einen späteren Abbruch zulässt, um dem Kind Leid zu ersparen, finde ich richtig. Aber bei Diagnosen wie Down-Syndrom, wo es doch vor allem darum geht, dass die Eltern sich dem nicht gewachsen fühlen, und wo man die entsprechenden Untersuchungen vor der 12. Woche machen kann, finde ich diese Wertung seltsam. Ich darf als Mutter kein gesundes Kind nach der 12. Woche abtreiben, wenn ich es aus irgendwelchen Gründen doch nicht will oder die Schwangerschaft spät bemerkt habe. Aber wenn das Kind behindert ist, darf ich es - auch bei einer Diagnose, wo das Kind durchaus ein erfülltes Leben haben kann? Warum? Diesen Widerspruch verstehe ich nicht.

  7. Get a life! Avatar von Delisha
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    AW: Downsyndrom

    Bei Vergewaltigung ist es doch glaub ich auch später möglich oder?
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  8. V.I.P. Avatar von luxuspanda
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    AW: Downsyndrom

    Für alle, die sich für betroffene Familien mehr Hilfe wünschen: es gibt Vereine wie Der Bunte Kreis, die in Ortsgruppen Familien unterstützen, z. B. wenn es darum geht, Therapien zu finden, bei dene Krankenkassen Unterstützung zu beantragen, ...

    Bundesverband Bunter Kreis e.V.: Home

    Vielleicht hilft das jemandem, oder ihr mögt die unterstützen =)
    Geändert von luxuspanda (18.07.2019 um 14:02 Uhr)

  9. V.I.P. Avatar von gewitter
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    AW: Downsyndrom

    Spätabtreibung geht, wenn Gefahr für Mutter oder Kind besteht. Diese Gefahr kann ja auch psychisch sein, also bezogen auf die Frau. Und ich finde das auch total richtig. Gleichwohl es mir eben auch Schwierigkeiten bereiten kann. Ich möchte und kann mir diese Entscheidung nicht anmaßen.
    "Es gibt keine harmlosen Zivilisten."

  10. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Downsyndrom

    Die Begrenzung von Abtreibungen aufs erste Trimenon widerspricht meiner Auffassung nach ProChoice. Das heißt, nach dem dritten Monat darf man eine Frau eben doch zwingen, ihren Körper mit pot. lebenslangen Folgen und mit u.U. zahlreichen Risiken zugunsten eines anderen Lebens ein Stück weit aus der eigenen Hand zu geben.

  11. Junior Member Avatar von mrs_november
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    Die Begrenzung von Abtreibungen aufs erste Trimenon widerspricht meiner Auffassung nach ProChoice. Das heißt, nach dem dritten Monat darf man eine Frau eben doch zwingen, ihren Körper mit pot. lebenslangen Folgen und mit u.U. zahlreichen Risiken zugunsten eines anderen Lebens ein Stück weit aus der eigenen Hand zu geben.
    Ja, das kann man so sehen. Was mich stört ist, dass es unterschiedlich behandelt wird je nachdem ob das Kind eine Behinderung hat oder nicht. (Wie gesagt, mir geht es nicht um Krankheiten/Behinderungen, die mit großem Leid für das Kind einhergehen.)

    Spätabtreibungen sind bei Vergewaltigungen möglich und dann, wenn eine Gefahr für die Mutter besteht. Wie gewitter richtig sagt, kann das auch eine seelische Gefahr sein. Aber warum wird das bei einem Kind mit Down Syndrom automatisch angenommen? Jede Schwangere, die ihr Kind nicht will, ist doch in seelischer Not.

  12. Get a life! Avatar von Delisha
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    AW: Downsyndrom

    Von der Behinderung erfährt man doch aber meistens auch erst später und dass man ein Kind nicht will weiß man wahrscheinlich vorher schon....
    Ich find die Abgrenzung aber auch schwierig bis wann man Abtreibungen durchführen lassen können sollte.
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  13. Urgestein Avatar von Wiesgart
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    AW: Downsyndrom

    Später kann man das Geschlecht schon eindeutig bestimmen, da noch abtreiben zu können, fänd ich gruselig.

  14. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Downsyndrom

    Man kann, wenn man genug Energie aufbringt, auch bei einem Kind, wo kein Hinweis auf Erkrankung vorliegt, immer ein Gutachten für die Indikation aus seelischer Not kriegen. Ist natürlich total gut, wenn man in der seelischen Not, in die man gerät, wenn man vielleicht eh einen unregelmäßigen Zyklus hat, was auch immer, und zu spät merkt, dass man schwanger ist, dann durch noch mehr Reifen zu springen hat als für die straffrei gestellte Straftat, in den ersten zwölf Wochen über den eigenen Körper zu bestimmen.
    Ist aber nötig, weil man in Deutschland davon ausgeht, dass Schwangere irrational sind und sich sonst einfach mal spontan, z.B. weil sie irgendwo einen Link von einer Frauenarztpraxis sehen, aus einer Laune heraus, nachdem sie schon eine halbe Schwangerschaft durchgestanden haben und der Eingriff dann ja auch schon etwas größer ist (den auch viel weniger Gyns beherrschen), zu einem Abbruch entscheiden würden.

  15. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von Wiesgart Beitrag anzeigen
    Später kann man das Geschlecht schon eindeutig bestimmen, da noch abtreiben zu können, fänd ich gruselig.
    Und wenn man das Geschlecht schon in den ersten zwölf Wochen wüsste, sollte man da dann auch nicht mehr abtreiben dürfen?

  16. Get a life! Avatar von Schnelmi
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von Delisha Beitrag anzeigen
    Von der Behinderung erfährt man doch aber meistens auch erst später und dass man ein Kind nicht will weiß man wahrscheinlich vorher schon....
    Ich find die Abgrenzung aber auch schwierig bis wann man Abtreibungen durchführen lassen können sollte.
    Die nackenfaltenmessung ist 11. bis 14. Woche, richtig? Das wäre dann ja wirklich nur knapp vor dem Ende des 3. Monats. Und die Fruchtwasseruntersuchung, bei der man dann die genaueren trisomien untersuchen kann, geht scheinbar erst ab der 14. Woche (ich nehme mal an, der weniger invasive bluttest, der aber was kostet, geht früher?). Insofern finde ich es da auch schwierig. Welchen grad der Behinderung das Kind haben wird (und wie hoch damit die Überlebenschancen sind), kann man dann kostenneutral also erst nach dem 3. Monat rausfinden.
    Geändert von Schnelmi (18.07.2019 um 14:55 Uhr)

  17. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Downsyndrom

    Was ja auch die Entscheidungsfreiheit an den privaten Geldbeutel hängt.
    Und insofern man in vielen Fällen je nach Krankenkasse alles mögliche dreimal beantragen muss, in Widerspruch gehen muss etc. um einigermaßen lebbare Umstände für sich und sein Kind mit Behinderung schaffen zu können, ist das Leben mit einem behinderten Kind mit geringem Einkommen NOCH deutlich härter als wenn man zur Not auch mal größere Summen auslegen kann oder so.........................................

  18. Regular Client Avatar von Hippiekind
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von apieceofcake Beitrag anzeigen
    Wo liegt denn der Unterschied zwischen ‚Ich möchte das Kind - egal, ob gesund oder nicht - nicht, weil es nicht in mein Lebensmodell passt, ich mich der Aufgabe Kind nicht gewachsen fühle‘ und ‚Ich möchte das kranke Kind nicht, weil es nicht in mein Lebensmodell passt, ich mich der Aufgabe nicht gewachsen fühle‘? Warum sollen die Eltern eines kranken Kindes dieses bekommen, mit allen Konsequenzen leben und an der Situation gefälligst wachsen, während es bei einem gesunden Kind völlig legitim ist, sich den Konsequenzen ‚zu entziehen’ und nicht an der Situation zu wachsen?
    .

    Zitat Zitat von durga Beitrag anzeigen
    Was ja auch die Entscheidungsfreiheit an den privaten Geldbeutel hängt.
    Und insofern man in vielen Fällen je nach Krankenkasse alles mögliche dreimal beantragen muss, in Widerspruch gehen muss etc. um einigermaßen lebbare Umstände für sich und sein Kind mit Behinderung schaffen zu können, ist das Leben mit einem behinderten Kind mit geringem Einkommen NOCH deutlich härter als wenn man zur Not auch mal größere Summen auslegen kann oder so.........................................
    !!!

    Das meine ich, wenn ich hier von Ressourcen spreche.

    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich glaube wirklich, dass die wenigsten Frauen (Paare) sich gegen ein Kind nur aufgrund der Behinderung an sich entscheiden, wenn sie sich so denn entscheiden. Natürlich gibt es ekelhafte Menschen, die denken "Igitt, ein behindertes Kind, weg damit." Ich möchte aber daran glauben, dass die meisten nicht so denken, sondern das, was da auf einen zukommen könnte, abzuwägen versuchen. Und da gehört nunmal zum Beispiel das, was durga vorhin geschrieben hat. Da müssen immense Ressourcen bereitgestellt werden. Oder was an anderer Stelle hier erzählt wurde, dass es schwierig ist, einen Erwachsenen mit Behinderung zu betreuen. Dass das einfach nicht dasselbe sein wird, wie ein "gesundes" erwachsenes Kind zu haben. Will das jemand bestreiten? Und jemanden verurteilen, wenn er deswegen sagt, "Nein, ich kann das nicht."?
    Letztendlich ist das doch wieder ein am Kapitalismus krankendes gesellschaftliches Problem. Offenbar muss man sich in dieser Gesellschaft auch ein Kind mit Behinderung leisten können. Mit ein bisschen Physio im Kleinkindalter ist es dann nicht getan. Gegebenenfalls braucht man dauerhaft medizinische Versorgung, entsprechendes Equipment, dafür mehr Platz, eine größere Wohnung? Eine entsprechende Schulbildung kostet. Betreuung im Erwachsenenalter kostet. Das sind doch alles Faktoren, die man berücksichtigen muss, wenn man vor dieser Entscheidung steht. Und ja, die sind monetär und bei weitem nicht für jeden stemmbar.
    "Wäre es nicht schön, wenn der Frankfurter Zoo ein Wombat-Pärchen erwerben könnte?
    Ich kann mich an diese freundlichen und rundlichen Tiere mit viel Identifikation aus meiner Kindheit
    erinnern und wäre sehr froh, wenn ich sie wiedersehen dürfte. [...]
    Und schließlich, wie steht es mit den Zwergnilpferden, die es einmal in Berlin gab?"

    (T. W. Adorno, Brief an den Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek vom 23.04.1965)

  19. V.I.P. Avatar von wieauchimmer
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen
    Ich bin absolut dafür, dass Frauen selber entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft behalten oder abbrechen. In jedem Fall. Einfach weil: ist richtig.

    Aber... mir fällt es schon schwer, dass so viele trisomie21 Kinder abgetrieben werden. Und was du mit der Einbindung in die Gesellschaft sagst, ist sehr sehr richtig. Ich habe nur oft das Gefühl, dass quasi erwartet wird, mit einem beeinträchtigten Kind der Gesellschaft nicht zu Last zu fallen und ‚sowas‘ besser nicht zu bekommen.
    Und ja, wenn eine Frau schwanger wird und für sich sagt ‚Weil ich kein Kind möchte, wird aus diesem Embryo kein Kind.‘, dann empfinde ich das doch anders, als einen Abbruch einer Schwangerschaft, auf die man sich erst gefreut hat.
    Also bezogen auf T21. Da gibt es viele Befunde, bei denen ich das auch nochmal anders bewerten würde.

    Generell aber dennoch: nicht mein Körper, nicht meine Entscheidung, nicht meine Mitsprache.
    Sehe ich alles genau so.

    Ich bin auch absolut pro choice. Da ich selbst einen Kinderwunsch hatte und habe, könnte ich vor mir selbst einen Abbruch trotzdem nur sehr schwer rechtfertigen. Und klar ist es faktisch ein Aussortieren, wenn durch die Tests 90 Prozent der T21-Babys abgetrieben werden (was ich nicht den einzelnen Frauen vorwerfe). Und es stimmt eben auch, dass die Entscheidung für ein Kind, immer auch die Entscheidung für ein behindertes Kind sein kann. Ich verstehe es wenn eine Frau/ein Paar sagt, dass sie sich das nicht zutrauen. Aber auch ein nach Pränataldiagnostik scheinbar gesundes Kind, kann behindert sein/werden. Ich habe auch Bekannte, die ein schwerbehindertes Kind wegen Sauerstoffmangel unter der Geburt haben (stärker behindert als mit T21). Wenn man das auf keinen Fall möchte, kann man kein Kind bekommen.

    Der Vollständigkeit halber: Natürlich sollten Frauen das Recht haben bei T21 Dir Schwangerschaft abzubrechen. Und ich kann selbst nicht sicher sagen wie ich beim zweiten Kind entscheiden würde.
    Geändert von wieauchimmer (18.07.2019 um 16:34 Uhr)

  20. Enthusiast Avatar von kaikoura
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    AW: Downsyndrom

    Zitat Zitat von luxuspanda Beitrag anzeigen
    Ich finde auch ganz ganz schwierig, dass fast immer Menschen gezeigt werden, die ein Leben mit wenig Einschränkungen führen, Schauspielerinnen werden, oder Kindergärtner - dass es auch Fälle mit schwerwiegenden Organfehlbildungen und deutlichen geistigen Einschränkungen gibt, wird oft gar nicht behandelt.

    Zumindest was ich so in den Medien sehe, erweckt oft den Eindruck, als ginge es nur darum, dass man bitte nicht Leute, die ein bisschen anders aussehen und vielleicht ein bisschen langsamer sind, "aussortieren" soll, und das empfinde ich als sehr unausgewogen.
    Dass die Medien in den letzten Jahren viele positive Beispiele gezeigt haben, ist doch aber eine Reaktion darauf, was für ein Bild die Menschen von T21 haben, denke ich. Es soll eben gerade zeigen, dass viele Betroffene ihr Leben trotz Einschränkungen lebenswert finden. Und irgendwie ist das für mich persönlich ein ganz wichtiger Punkt in der Diskussion hier. Man sieht ja an der Diskussion hier, dass wir alle den schweren Pflegefall vor Augen haben.

    Ich finde auch, dass jeder das selbst entscheiden sollte, vor allem wenn man die Ressourcen für den Worst Case nicht hat. Und ja, dann finde ich Abtreibung, weil die Schwangerschaft nicht gewollt war, und Abtreibung wegen T21 auch vergleichbar. Weil bei letzterem halt auch ein mit dem Leben glücklicher Mensch hätte entstehen können und damit muss man dann im Nachhinein irgendwie fertigwerden.

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