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  1. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von luxuspanda Beitrag anzeigen
    Man könnte in dem Zuge ja auch drüber nachdenken, was passiert, wenn es keine private Krankenversicherung mehr gäbe.
    Und kein Kontroll- und Sanktionssystem bei Hartz IV.

    ja. und dass es viele menschen gibt, die ihre berufliche tätigkeit, solange die bedingungen stimmen, durchaus gerne ausüben und nicht nur um geld zu verdienen.

    bei der frage, was man machen würde, wenn man im lotto gewinnen oder eine existenzsichernde monatliche sofortrente bekommen würde, sagen ja auch viele, dass sie ihren job im grunde behalten würden, nur vielleicht mit weniger stunden oder bei einem arbeitgeber, der einem spannendere aufgaben gibt und eine wertschätzendere atmosphäre bietet.
    Geändert von Chisa (30.07.2019 um 19:39 Uhr)

  2. V.I.P. Avatar von hui
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Beschäftigung oder eine Aufgabe zu haben ist ja auch wichtig für Menschen, dass sie sich wohlfühlen. Die wenigsten werden damit glücklich, ihr Leben lang auf der faulen Haut zu liegen. Die meisten haben ja Lust auf arbeiten an sich.
    Wir wohnen nicht in erster Linie, um zu repräsentieren, sondern um uns wohlzufühlen.


  3. Get a life! Avatar von Schnelmi
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von Wiesgart Beitrag anzeigen
    Dürfen. Nicht müssen.
    Der Satz ergibt immer noch keinen Sinn. Du schriebtest, ihr dürftet deutlich weniger als gesetzlich vorgeschrieben arbeiten. Das heißt, gesetzlich ist vorgeschrieben, wieviel mindestens gearbeitet werden darf. Diesen letzten Teil verstehe ich nicht, was ist denn gesetzlich vorgeschrieben?

    Das Problem an wiesgarts Ausführungen ist einfach, wie unkritisch sie ihren Job betrachtet. Ich liebe meinen Job auch, das heißt aber nicht, dass es nicht jede Menge kritische Punkte gibt. Die werden auch durch 30 Tage Urlaub und Weihnachtsgeld, die ohne frage super sind, wettgemacht. Zb. Dieser Satz, ihr Job wäre natürlich notwendig, sonst würde er nicht gut bezahlt. Als ob wir nicht alle wissen, dass Jobs, die viel Profit bringen, halt besser bezahlt werden als Jobs, die eben „nur“ sozialen oder gesellschaftlichen Profit bringen. Nur weil mein Arbeitgeber viel mit mir verdient, heißt das ja nicht, dass das jetzt wichtig ist, was ich mache. Leute, die bungee-jumping anbieten, werden auch bezahlt. Ist der Job gesellschaftlich notwendig? Nö.

  4. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Und besonders kritisch finde ich auch, dass DER Job in DEM Projekt halt gerade gut funktioniert, weil offenbar z. B. auch die Teamleitung da cool ist und der Betriebsrat viel Macht hat.
    Dagegen steht aber das komplette System Callcenter, und wenn da jetzt die Teamleitung ausgewechselt wird und die Incentives wegfallen, oder der Auftraggeber in die Türkei abwandert, dann wars das halt...
    Geändert von luxuspanda (30.07.2019 um 20:08 Uhr)
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


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    wubbalubbadubdub.
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  5. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von hui Beitrag anzeigen
    Beschäftigung oder eine Aufgabe zu haben ist ja auch wichtig für Menschen, dass sie sich wohlfühlen. Die wenigsten werden damit glücklich, ihr Leben lang auf der faulen Haut zu liegen. Die meisten haben ja Lust auf arbeiten an sich.

    ja, genau.

    deshalb finde ich es auch besonders perfide, wenn hierzulande menschen, die (ohne offensichtlichen grund wie elternschaft oder krankheit) gerade zufällig keine arbeit haben, systematisch unterstellt wird, sie hätten wohl nur keinen bock was zu tun und würden lieber auf kosten der hart arbeitenden menschen im land auf der faulen haut liegen. die realität ist doch, dass (insbesondere längerfristige) arbeits- und beschäftigungslosigkeit das risiko für psychische und physische erkrankungen, soziale isolation und vorzeitigen tod enorm erhöht und dass das aktuell bestehende kontroll- und sanktionssystem diese problematik massiv verschärft statt ihr entgegenzuwirken. und dabei btw. vermutlich auch mehr öffentliches geld verbrennt als reinzuholen oder zu erhalten.

    ich glaube einfach, dass die garantie einer bedingungslosen absicherung der existenz dazu führen würde, dass sich die arbeitsbedingungen allgemein massiv verbessern würden, es weniger gesellschaftlich irrelevante bis schädliche arbeitsplätze gäbe und stattdessen viel mehr resourcen auf gesellschaftlich relevante tätigkeiten verwendet werden könnten und unterm strich, auch durch vermeidung von negativen effekten wie burn out und co., die meisten menschen in unserer gesellschaft und damit die gesellschaft als ganzes mehr hinzugewinnen als verlieren würde.

    ob ich für die komplette abschaffung von lohnarbeit bin, weiß ich nicht so genau. aber für die abschaffung des zwangs zur lohnarbeit bin ich auf jeden fall.
    love is a litany, a magical mystery

  6. Addict Avatar von blauer_Engel
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von Sublus Beitrag anzeigen
    Versteh ich nicht, wie das daraus folgen sollte? Also die von hui beschriebenen Menschen könnten ja trotz geringem Einkommens eine Krankenversicherung bezahlen?
    Naja, wenn jeder so denkt, lässt sich das doch nicht finanzieren. Dann gibt es auch in medizinischer Versorgung nur Basisversorgung.

  7. Enthusiast
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von Schnelmi Beitrag anzeigen
    Der Satz ergibt immer noch keinen Sinn. Du schriebtest, ihr dürftet deutlich weniger als gesetzlich vorgeschrieben arbeiten. Das heißt, gesetzlich ist vorgeschrieben, wieviel mindestens gearbeitet werden darf. Diesen letzten Teil verstehe ich nicht, was ist denn gesetzlich vorgeschrieben?
    Ich dachte Wiesgart hat einfach komisch formuliert und die 10 Stunden Regel (gesetzlich vorgeschriebene maximale Tagesarbeitszeit) gemeint? Und dass ihre Max Tagesarbeitszeit da halt noch deutlich darunter liegt.

  8. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von Pinkmelon Beitrag anzeigen
    Ich dachte Wiesgart hat einfach komisch formuliert und die 10 Stunden Regel (gesetzlich vorgeschriebene maximale Tagesarbeitszeit) gemeint? Und dass ihre Max Tagesarbeitszeit da halt noch deutlich darunter liegt.

    würde ich auch vermuten.
    love is a litany, a magical mystery

  9. Get a life! Avatar von Schnelmi
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von Pinkmelon Beitrag anzeigen
    Ich dachte Wiesgart hat einfach komisch formuliert und die 10 Stunden Regel (gesetzlich vorgeschriebene maximale Tagesarbeitszeit) gemeint? Und dass ihre Max Tagesarbeitszeit da halt noch deutlich darunter liegt.
    Das kann sein, deshalb meine Nachfrage. Ich versteh es wirklich nicht (so rum würde es tatsächlich Sinn ergeben für mich, aber irgendwie wär das was relativ normales, oder?)

    gmitsch gmatsch gmotsch

  10. Enthusiast
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Ja, schon. Das sollte normal sein und wenn es regelmäßig 10h wäre bzw >48h in der Woche halt rechtswiedrig und strafbar. Mit Geldbuße oder sogar Gefängnis wenn es öfters vorkommt. (Wobei ich schon Arbeitgeber kenne, die einen nicht darauf hinweisen und beide Augen fest zukneifen.)
    Geändert von Pinkmelon (30.07.2019 um 21:45 Uhr)

  11. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von blauer_Engel Beitrag anzeigen
    Naja, wenn jeder so denkt, lässt sich das doch nicht finanzieren. Dann gibt es auch in medizinischer Versorgung nur Basisversorgung.

    aber doch nicht zwangsläufig? man könnte auch endlich mal eine echte bürgerversicherung einführen, arbeitsunabhängiges einkommen sowie vermögen angemessen besteuern und die gesundheitsversorgung aus dem topf mitfinanzieren.
    Geändert von Chisa (30.07.2019 um 21:00 Uhr)

  12. Member Avatar von Vögelchen
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Ein großes Problem ist es auch, das Arbeiten, die eigenlich sehr gerne getan werden und ein hohes Maß an Erfüllung geben können, unter Bedingungen stattfinden, die einen einfach fertig machen können und es nicht erlauben, die Arbeit seinen Ansprüchen und den wichtigen Erfodernissen gemäß zu erfüllen.

    Konkret: der gesamte medizinische Bereich, Pflege, Physio usw.

    Ich stehe vor meinem Berufeinstieg als Ärztin und ehrlich gesagt graut es mich davor, so dass ich auf der Suche bin nach Stellen, die ein einigermaßen "normales" Leben nebenher ermöglichen. Das sehe ich bei vielen Assistenzärzten an der Uni zb nicht.

    Und das finde ich im Grunde eine Sauerei, dass vielen jungen Menschen, die fast alle hoch motiviert sind, das durch die Umstände so zu verleiden.

  13. Newbie Avatar von ohnerandundband
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von Vögelchen Beitrag anzeigen
    Ein großes Problem ist es auch, das Arbeiten, die eigenlich sehr gerne getan werden und ein hohes Maß an Erfüllung geben können, unter Bedingungen stattfinden, die einen einfach fertig machen können und es nicht erlauben, die Arbeit seinen Ansprüchen und den wichtigen Erfodernissen gemäß zu erfüllen.

    Konkret: der gesamte medizinische Bereich, Pflege, Physio usw.

    Ich stehe vor meinem Berufeinstieg als Ärztin und ehrlich gesagt graut es mich davor, so dass ich auf der Suche bin nach Stellen, die ein einigermaßen "normales" Leben nebenher ermöglichen. Das sehe ich bei vielen Assistenzärzten an der Uni zb nicht.

    Und das finde ich im Grunde eine Sauerei, dass vielen jungen Menschen, die fast alle hoch motiviert sind, das durch die Umstände so zu verleiden.
    !

  14. V.I.P. Avatar von lassie_singers
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von GuteMiene Beitrag anzeigen
    Frage an die, die gegen Lohnarbeit sind: seid ihr dann auch gegen ein Dach überm Kopf, bezahlte Stromrechnung und Essen im Kühlschrank? Das ist doch völlig realitätsfern?
    lol müssen wunschträume jetzt seit neuestem realitätsnah sein oder wie?
    I used to think that melancholy was a vegetable.

  15. Member Avatar von SisterOfNight
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Bitte nicht zitieren, ich möchte das vielleicht später wieder rausnehmen:

    Ich habe seinerzeit leider einen Job gelernt, der mir nicht wirklich Spaß gemacht hat (RA-Fachangestellte). Den Job habe ich aber trotzdem richtig gut gemacht. Generell wird man in dem Job aber einfach nur ausgenutzt und selten sind die Arbeitgeber bereit, gute Arbeit auch angemessen zu bezahlen (ich hatte jahrelang als ausgelernte Kraft Gehälter, das dürfte man heute aufgrund Mindestlohn gar nicht mehr zahlen).

    Nachdem ich irgendwann kurz vorm Burn-Out stand habe ich bei Arbeitgeber A (der - was mein Eindruck auch durch Kolleginnen war - der "typische" RA war) gekündigt und bei Arbeitgeber B angefangen. Weiterhin zwar der gleiche Beruf, aber ich habe von Anfang an klar gemacht, dass ich z.B. keine Überstunden machen werde, die nicht auf meinen Mist gewachsen sind.

    Zur Erklärung: Ich habe bei Arbeitgeber A tagelang auf Frist X hingewiesen. Am Fristtag auch mehrfach. Wann wurde diese diktiert: 5 Minuten vor meinem Feierabend. Gerne dann mal Schriftsätze mit mehreren Seiten und mehreren Anlagen. Es wurde verlangt, dass ich länger bleibe und dies dann erledige. Bei Arbeitgeber B habe ich dann direkt klar gemacht, dass wenn Fristen nicht rechtzeitig erledigt werden, ich es nicht als meine Aufgabe ansehe, länger zu bleiben, da ich rechtzeitig erinnert habe und nicht mehr mit meiner Freizeit für die fehlende Organisation meines Chefs gerade stehe. Hat auch super funktioniert, ich habe in über 6 Jahre nur Überstunden gemacht, wenn ich noch vor meinem Urlaub bestimmte Dinge erledigen wollte). Ich habe wirklich immer nur Dienst nach Vorschrift gemacht: Pünktlich zu Beginn auf der Arbeit und pünktlich um 17 Uhr den Stift fallen gelassen. Ich habe auch nicht mehr gemacht, als ich musste. Aber ich habe die Dinge, die wichtig waren und die ich gemacht habe, habe ich immer mit so einer Sorgfalt gemacht, dass ich auch heute noch - nachdem ich dort nicht mehr arbeite - von den dort verbliebenen Anwälten, mit denen ich noch Kontakt habe, immer wieder gesagt bekomme, dass nach mir in vielen Bereichen alles "den Bach runter gegangen ist", weil meine Nachfolgerinnen einfach überfordert sind von der Menge an Arbeit (). Mein Chef (also Arbeitgeber B) wollte mir sogar, als ich ihm sagte, dass ich kündige, nochmal eine Gehaltserhöhung zahlen, womit ich dann ein Gehalt verdient hätte, wovon manche, die den gleichen Beruf machen, nur träumen könnten.

  16. Member Avatar von sommerlinde
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Ich kenne einige wenige Beispiele, wo Menschen mit dem Konzept Freizeit nichts anfangen können. Mein Onkel arbeitet mit 80 und Schmerzmitteln noch Stundenweise in der Werkstatt seines Geschäftes. Andere beuten sich im sozialen Bereich aus. Insofern kommt mir Wiesgarts Schilderungen nicht so untopisch rüber.
    Disclaimer: Callcenter, Sales &Co. sind nichts für mich.
    Zitat Zitat von Thomas de Maiziere
    Wenn wir wollen, dass Extremismusbekämpfung auch bei denen stattfindet, die schon gefährdet sind, oder halb abgerutscht sind, oder wenn es um Deradikalisierung geht, dann muss man auch mal den schwierigeren Weg probieren, und das heißt, dass man mit Menschen redet, mit denen man sonst vielleicht nicht so gerne reden würde, um eines höheren Ziels willen. Und wo da die Grenze zur Förderung ist, das ist nicht leicht zu bestimmen.

  17. Member Avatar von Sublus
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von sommerlinde Beitrag anzeigen
    Ich kenne einige wenige Beispiele, wo Menschen mit dem Konzept Freizeit nichts anfangen können.
    Sind nicht die meisten so?
    Bei uns wird regelmässig trotz Krankschreibung gearbeitet, mit der Begründung, man langweile sich doch daheim. Ich find das so traurig - dass man sich nicht mal ein paar Tage allein beschäftigen kann. Wohlgemerkt, es geht um Tage oder einzelne Wochen, nicht um längere Krankschreibungen. Das sind Leute in meinem Alter.
    Zusätzlich arschig für mich dann, wenn ich halt wirklich nicht arbeiten KANN, wenn ich eine Krankschreibung habe, und mir dann vom Chef nicht geglaubt wird und ich mich noch rechtfertigen muss.

    Ich finds auch krass, wie selbstverständlich es quasi als Pflicht oder guter Ton angesehen wird, länger als vertraglich vereinbart zu arbeiten, aber früher zu gehen ist verpönt. Eigentlich sollte doch beides gleichwertig sein und sich ausgleichen.
    Mom! Theron's dried his bed again!

  18. Alter Hase Avatar von ~snow06~
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Spannende Diskussion... ich habe fünf Jahre als Referentin für Museen gearbeitet, seit letztem Oktober habe ich ein Stipendium und promoviere. Als ich noch für die Museen gearbeitet habe, war ich immer extrem genervt davon, dass wir total als Servicekräfte behandelt wurden, obwohl die meisten von uns einen Masterabschluss hatten und eigentlich alle zumindest einen Bachelor... Jetzt beim Promovieren merke ich, dass es mir fehlt, dass Leute in meinem alten Job so kommunikativ waren. Einfach der Spaß am Austauschen von Meinungen, die Existenz von sozialen Situationen... Letztes Jahr um diese Zeit bin ich oft nach Hause gekommen und wollte kein Wort mehr sagen und nur noch Filme gucken oder lesen, weil ich drei bis vier anderthalbstündige Führungen am Tag hatte.
    Jetzt merke ich, dass mir das Reden an sich fehlt. Es hat etwas total Aktivierendes, das man vom Schreiben einfach nicht bekommt.

    Ach so, und Wissenschaft an sich... ich hätte gerne einen reichen Mäzenen, der mich dafür bezahlt, was ich mache, weil er an den Ergebnissen interessiert ist, so wie früher Archäologen bezahlt wurden. Stattdessen muss ich meinem Studienwerk und anderen Stellen erklären, warum meine Arbeit "relevant" ist. ()
    Geändert von ~snow06~ (31.07.2019 um 11:42 Uhr)
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  19. Urgestein Avatar von Wiesgart
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Zitat Zitat von luxuspanda Beitrag anzeigen
    Und besonders kritisch finde ich auch, dass DER Job in DEM Projekt halt gerade gut funktioniert, weil offenbar z. B. auch die Teamleitung da cool ist und der Betriebsrat viel Macht hat.
    Dagegen steht aber das komplette System Callcenter, und wenn da jetzt die Teamleitung ausgewechselt wird und die Incentives wegfallen, oder der Auftraggeber in die Türkei abwandert, dann wars das halt...
    Klar. Ich kann nur für meinen Standort und mein Unternehmen sprechen. Aber man lernt ja auch andere Standorte kennen und da ist die Stimmung ähnlich.

    Dein Szenario ist halt sehr unwahrscheinlich. Sowas kann passieren, wirds hier aber zeitnah sicher nicht. Und naja ohne Incentives funktioniert so ein Salesprojekt ja auch gar nicht.

  20. Member Avatar von sommerlinde
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    AW: Arbeitseinstellung etc.

    Generell zum Thema Lohnarbeit, BGE & Co.
    Rein von der benötigten Arbeitsvolumen würde es ausreichen, wenn jeder 20 h/Woche arbeitet, egal ob als Fussballtrainer für Kids im Verein oder als Tehniker in der Herstellung von MRT-Geräten.
    Innerhalb eines Landes wie D kann der Lohn als Differenzierungsmerkmal entfallen, wenn jeder seine Bedürfnisse decken kann. Wenn die MRT-Technikerin und die Entwicklungingenieurin keinen Lohn bekommen, dann kostet das MRT- Gerät nur den Materialwert+Energie, somit kostet es das KH wenig Geld. Wobei streng genommen das Material und die Energie ja auch kostenlos gewonnen werden, wenn kein Lohn gezahlt wird.

    Das Problem bei diesen Utopien sind die Bedarfsermittlung vs. unterschiedliche Bedürfnisse vs. Neid und die Aussenbeziehungen.
    Die DDR bietet da einige Denkanstösse.
    ODer auch das frühe Mittelalter.
    Zitat Zitat von Thomas de Maiziere
    Wenn wir wollen, dass Extremismusbekämpfung auch bei denen stattfindet, die schon gefährdet sind, oder halb abgerutscht sind, oder wenn es um Deradikalisierung geht, dann muss man auch mal den schwierigeren Weg probieren, und das heißt, dass man mit Menschen redet, mit denen man sonst vielleicht nicht so gerne reden würde, um eines höheren Ziels willen. Und wo da die Grenze zur Förderung ist, das ist nicht leicht zu bestimmen.

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