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  1. Enthusiast Avatar von jadore
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    AW: zurückliegender Suizid

    Zitat Zitat von pilzfee Beitrag anzeigen
    Also ich fühle mich nicht angegriffen. Zu dem Zitat: "nur manchmal hilft halt nichts mehr, auch nicht, bei freunden hilfe zu suchen, und wenn die person das halt schon ganz genau weiß, dann ist das halt so. finde ich." -also das weiß man dann doch aber nicht Vorher? Also wenn man das nicht ausprobiert hat. Ebenso wie halt therapeutische klinische Behandlungen. Und Medikamente. Hat er alles nicht versucht.
    Und zu dem Zitat: "wenn man seit jahren nur noch schwarz sieht, das leben überhaupt keine freude macht - wie kann einem dann vorgeworfen werden, dass man es nicht weiter versucht hat?" Das stimmt schon. War in seinem Fall aber auch nicht so. Er hat auch noch gearbeitet. Es waren laut seiner Frau immer wieder Phasen.
    das mag schon alles stimmen. ich glaube nur halt: die Entscheidung, sich umzubringen, trifft selten jemand leichtfertig. also es ist ja nicht so, dass diejenigen dann denken: "oh naja ich könnte zwar noch Medikamente und Therapie versuchen, aber das ist den hassle nicht wert, so wichtig ist mir das auch alles nicht und scheiß drauf, was andere empfinden" - so funktioniert das glaube ich einfach nicht, wenn jemand in ner schweren depression feststeckt und diese Entscheidung trifft. in so einem zustand wird Therapie womöglich überhaupt nicht mehr wahrgenommen als etwas, das potentiellhelfen könnte.

    ich glaube ich finde wut aber für mich persönlich auch bei diesem Thema deswegen nicht greifbar, weil es für mich gewissermaßen ein "diesseitiges" Gefühl ist, dass ich nicht gegenüber toten habe. oder zumindest nicht in der gleichen weise.

    jetzt nochmal zum eigentlichen Thema: also zum einen glaube ich, dass es schon "normal" ist, dass man immer wieder an die person zurückdenkt, auch wenn sie schon länger nicht mehr da ist. und auch, wenn man gar nicht so ein enges Verhältnis zu der person hatte. ich erlebe ähnliches bezüglich eines freunds, der sich vor 1,5 jähren umbrachte und es ist vor allem die Endgültigkeit, die mich von zeit zu zeit immer wieder erschreckt. wir waren gar nicht so eng und hatten uns zum Zeitpunkt seines Tods sicher schon ein jahr nicht gesehen und trotzdem frage ich mich öfter, ob es vielleicht anders gekommen wäre, hätte ich mich mehr gemeldet, mich mehr um die Freundschaft gekümmert etc.

    ich denke aber zum anderen solltest du dich auch fragen - wie auch jemand hier im thread erwähnte - ob es vielleicht noch andere gründe für dein nicht-loslassen-wollen gibt, die vielleicht mehr mit dir und wenige mit ihm zu tun haben.

  2. Addict Avatar von ginsoakedgirl
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    AW: zurückliegender Suizid

    Zitat Zitat von jadore Beitrag anzeigen
    sehe ich tatsächlich ähnlich - aber aus genau dem grund kann man menschen dann ja auch nicht vorwerfen, es getan zu haben bzw. wütend auf sie sein?

    eine schwere depression verändert nunmal den bewusstseinszustand eines menschen völlig.

    wenn man seit jahren nur noch schwarz sieht, das leben überhaupt keine freude macht - wie kann einem dann vorgeworfen werden, dass man es nicht weiter versucht hat?


    (ich sehe das anders in fällen wie jeffrey epstein oder nazis, die ihr leben lang menschen gequält haben und dann sich suizidiert haben, um nicht dafür zur rechenschaft gezogen werden zu können. natürlich bin ich da auch irgendwie wütend. aber bei ganz "normalen" menschen, die halt einfach nicht mehr konnten und wollten verstehe ich dieses gefühl nicht).
    Wütend sein heisst ja nicht gleichzeitig dem/derjenigen Vorwürfe machen. Man ist ja auch nicht einfach nur wütend auf die Person die sich das Leben genommen hat. Sondern es ist einfach so eine umgreifende Verzweiflung, Trauer, Hilflosgkeit, Fassunglosigkeit, Schuldgefühle- Mix was sich halt in einer totalen Wut äussern kann. Das heißt aber nicht dass man nicht auch traurig, fassungslos, verzweifelt, hilflos usw ist.

    Meistens ist es ja so dass Menschen mit Depressionen gerade vor ihren eigentlich engsten Freunden das total verstecken, und man erst im Nachhinein die Signale deuten kann, wenn es zu spät ist. Es ist halt auch ein "aber ich wäre doch für dich da gewesen!" Gefühl, das einen wütend macht, nicht unbedingt ein Urteil darüber dass die Person doch eigentlich "keinen Grund" gehabt hätte (hatte doch ein gutes Leben oder so)

    also aus meiner Sicht.

  3. Urgestein Avatar von durga
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    AW: zurückliegender Suizid

    Ja, man kann ja auch wütend (und ggf. auch gleichzeitig traurig) sein, dass die Person einen verlassen hat, kommt ja selbst bei Tod durch Krankheit vor, ohne dass man das moralisch bewertet.

    Ich frag ja jeden Tag Leute, ob sie sich umbringen wollen, und ggf. ob sie konkrete Pläne diesbezüglich haben, ob sie den Drang danach verspüren, ob sie entsprechende Handlungsimpulse haben, wie stark die sind, ob sie schon Ansätze gemacht haben, wann zuletzt, warum sie dann abgebrochen haben. Und es ist eine nicht so seltene Antwort, ja, ich denk das schon öfter, dass ich nicht mehr will, dass das ein Ausweg wäre, aber nee, das kann ich meinen Kindern/meine_r Partner_in/meinen Eltern etc. nicht antun. Aber manchmal ist die Krankheit, die Situation so, dass das nicht zieht oder man sogar der Überzeugung ist, dass man so eine Last für die Angehörigen ist, dass es ein Gefallen ist. Und manche haben niemanden, sagen selbst, dass sie ein Scheißleben haben, was auch objektiv eher schwer zu verneinen ist, und Suizid ist gar kein Thema für sie.

    Da spielen einfach sehr viele Faktoren rein und wenn jemand sich umbringt (ich schreibe übrigens nie "Suizid(versuch) begehen", sondern "unternehmen", weil ich nicht finde, dass ich das als was Vorwerfbares behandeln sollte, auch wenn ich es total gut verstehen kann, wenn man als persönlich betroffene Person es derjenigen auch massiv vorwerfen kann) dann kann man eben auch keine Fragen mehr stellen und ist nicht nur mit dem allein, was man vorher mit der Person geteilt hat, sondern eben auch mit diesem krassen Weg des Verlassens.

  4. Enthusiast Avatar von wunder
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    AW: zurückliegender Suizid

    Vielleicht weil es einfach ziemlich.. krass ist. Unnatürlich. Nicht so richtig zu fassen.
    Ich denke auch manchmal, relativ oft an einen Suizid, der 13 Jahre her ist, an meiner Schule. Ich kannte den Kerl nicht, ich wusste nicht, wie er aussieht und was er für ein Leben hatte und für einen Charakter. Ich empfinde nichts, wenn ich daran denke. Keine Wut, keine Trauer oder sonst was. Ich hab an dem Tag einmal geheult, als die Sanitäter oder wer auch immer eine Decke über ihm ausgebreitet haben und klar war, dass er tot ist, das hat mich und alle sehr erschreckt. Und einen weiteren Tag lang war gedrückte Stimmung. Und noch auf einer Gedenkfeier/Kirche, so eine Woche später..
    Aber ansonsten gab es in dem Sinne nichts zu verarbeiten. Trotzdem, im Hirn geht es mir halt ab und zu rum und ich denke.. was wäre wohl aus ihm geworden. Und, Wahnsinn, dass der das tatsächlich getan hat, einfach so.

    Aber ich kann Wut bei Angehörigen schon sehr gut nachvollziehen. Man hat halt nicht das Gefühl, derjenige hätte ein Schicksal erlitten, wie einen Herzinfarkt, sondern er hätte anderen mit Absicht Leid durch schlimmen Verlust zugefügt und hat das bewusst gesteuert und hätte es auch bleiben lassen können. Da kann man 1000 mal nachlesen, was eine Depression ist. Wenn man selbst nicht depressiv ist..
    Geändert von wunder (18.09.2019 um 15:17 Uhr)

  5. Member Avatar von laut
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    AW: zurückliegender Suizid

    Zitat Zitat von jadore Beitrag anzeigen
    aber aus genau dem grund kann man menschen dann ja auch nicht vorwerfen, es getan zu haben bzw. wütend auf sie sein?
    Warum versuchst du, mit rationalen Argumenten gegen emotionale Empfindlichkeiten zu "argumentieren"?
    Hier berichten nunmal einigen von Gefühlen der Wut; es wirkt so, als wolltest du ihnen das absprechen - obwohl das Gefühl ja schon "da" ist.

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