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  1. Enthusiast Avatar von liorit
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    Zitat Zitat von rubysoho Beitrag anzeigen
    Und dann kapituliere ich einfach vor diesem riesigen Berg einzelner Aufgaben und lasse es ganz sein.
    Ich finde es aber auch sehr schwierig da zu differenzieren ob das schon einer Diagnoss würdig ist, oder doch nur ganz normale Gedankengänge, die jeder hat. Und mit denen die meisten anderen besser umgehen.
    genau so geht es mir auch. aktuellstes beispiel: bücher in der bib abgeben. die unibib, zu der die gehen, ist für meine begriffe ziemlich weit von der haltestelle entfernt. mein gedankengang ist dann: ich muss die bücher einpacken, zur haltestelle laufen, mit der tram ca. 20 minuten in die stadt fahren, von der haltestelle aus 5 minuten zur bib laufen, an den ganzen nervigen leuten vorbei, die vor der bib sitzen und rauchen und ihr studententum raushängen lassen, die bücher abgeben, danach zurück zur haltestelle laufen, wenn ich pech habe muss ich bis zu 20 minuten auf die nächste tram warten, mit dieser tram fahre ich dann 20 minuten wieder nach hause und DANN, wenn ich eh schon draußen bin, kann ich ja noch schnell was einkaufen gehen, weil der kühlschrank leer ist.
    und so geht es mir einfach mit so, so, SO vielen dingen. ich möchte mich auch bei einer ärztin als patientin aufnehmen lassen, aber das prozedere ist etwa so aufwändig wie das mit dem zurückbringen der bücher, aber ich müsste fast eine stunde lang quer durch die stadt fahren. ich mag tram fahren ja eigentlich, aber einfach dieser aufwand, sich auf den weg zu machen und dann nach fünf minuten formulare ausfüllen wieder heimzufahren, ist so eine verschwendete lebenszeit. da liege ich dann lieber daheim rum, starre die decke an und rege mich darüber auf, wie aufwändig das alles ist.

    und genau wegen solchen dingen habe ich diesen aufkleber.
    "erst wollte ich als kind immer bäckerin werden. als sie mir dann gesagt haben, das ich da den kuchenteig nicht naschen darf, war der beruf dann doof."

  2. Addict Avatar von Vitulina
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    Zitat Zitat von liorit Beitrag anzeigen
    und genau wegen solchen dingen habe ich diesen aufkleber.
    ich glaube, den brauche ich auch

  3. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    Wenn euch planen auch so ansteht, empfehle ich euch auch diesen Twitter-Thread.

  4. Enthusiast Avatar von liorit
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    den hab ich gelesen, als er weiter vorne mal verlinkt war, und habe mich da teilweise wiedererkannt. allerdings empfinde ich das bei mir nicht als SO schlimm, wie es da dargestellt wird. ich habe eher das gefühl, das ich einfach nur extrem faul und bequem bin.
    "erst wollte ich als kind immer bäckerin werden. als sie mir dann gesagt haben, das ich da den kuchenteig nicht naschen darf, war der beruf dann doof."

  5. V.I.P. Avatar von finessa
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    liorit, ich glaub nicht so wirklich, dass Leute in den von dir beschriebenen Fällen einfach "faul" sind und betrachte das insgesamt als problematischen Begriff, weil er häufig strukturelle oder persönliche Einschränkungen auf eine Ebene bricht, die suggeriert, wenn wir nur "wirklich" wollen, könnte alles ganz anders sein - und so leicht ist es selten.

    Was du zur Bücherei schreibst, übersteigt Faulheit meiner Meinung nach auf jeden Fall und liest sich für mich tatsächlich als sehr belastend - auch, da du meinst, so ginge es dir in vielen Fällen. Würde das keinesfalls als "faule" Persönlichkeitsvariante einordnen, sondern ernst nehmen und physiologisch und psychisch abklären lassen. Wenn alltägliche Tätigkeiten einen auf dieser Ebene einschränken, müssen wir das nicht hinnehmen, ohne alle Möglichkeiten im Vorfeld ausgereizt und uns Hilfe gesucht zu haben.

    Alles Gute!
    "Das Verliebtsein ist ja nicht mehr als ein psychiatrisches Durchgangsstadium und die zwanghafte Besessenheit von einem Menschen auf Dauer so ungesund wie Kokainkonsum." Um etwas Pepp in Vernunftbeziehungen zu bringen, empfiehlt der deutsche Paartherapeut Arno Retzer den gelegentlichen Einsatz von Wasserpistolen.

  6. Senior Member Avatar von rubysoho
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    Zitat Zitat von liorit Beitrag anzeigen
    den hab ich gelesen, als er weiter vorne mal verlinkt war, und habe mich da teilweise wiedererkannt. allerdings empfinde ich das bei mir nicht als SO schlimm, wie es da dargestellt wird. ich habe eher das gefühl, das ich einfach nur extrem faul und bequem bin.
    So ungefähr geht's mir auch.
    Und ich weiss ausserdem leider auch nicht, wann es wirklich reicht. Also, egal wieviel ich erledigt habe, ich habe immer das Gefühl, dass eigentlich noch mehr drin sein müsste. Dann mache ich mir selber Vorwürfe, dass ich so ein Schlappsack bin und nichts auf die Reihe kriege, und das hilft natürlich auch gar nicht weiter.
    Wobei ich seit einiger Zeit versuche da etwas entspannter zu werden. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass irgendwas in meinem Kopf anders verkabelt ist als beim Durchschnitt. Wo auch immer der eigentlich liegen mag. Naja, jedenfalls versuche ich zu akzeptieren, dass manche Dinge für mich einfach schwerer sind als für andere. Und vielleicht ist es auch gar nicht so schwer, und ich gehe das nur völlig falsch an.
    So richtig ausgereift ist das alles noch nicht.
    i expect to find him laughing

  7. Member
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    ob das schon einer Diagnose würdig ist, oder doch nur ganz normale Gedankengänge, die jeder hat. Und mit denen die meisten anderen besser umgehen.
    Beides kann stimmen:

    Bei mir war es Diagnose würdig, weil es mein Leben massiv eingeschränkt hat (wollte beim Gedanken an so Sachen wie sie Bib nur noch im Bett bleiben, was ich i.d.R. nicht gemacht habe, aber es war ein furchtbarer Kampf, ein Hoch auf den Aufkleber!).

    In der Therapie habe ich aber folgendes gelernt: Die Gedanken sind schon normal, die meisten jedenfalls, aber es fehlen bei Stress Problemlöseverfahren, die andere haben.

    Wenn’s dann soweit ist, dass man dann tatsächlich nicht mehr hochkommt und heult, heult, heult oder einfach alles egal ist, nichts mehr Freude macht, ist man schon länger über den Punkt hinaus, wo diese normalen Problemlöseverfahren (der anderen resilienteren Menschen) greifen könnten, bzw alleine die Probleme beseitigen würden, weil sich schon eine Riesenwelle aufgebaut hat.

    Man muss sich also vorher schützen. Deshalb, großes Lob für die Intention des Threads!
    Geändert von Pinkmelon (29.09.2019 um 13:02 Uhr)

  8. Member Avatar von archenstone
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    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    Ich weiß gar nicht, ob ich objektiv "wenig belastbar" bin, weil ich in Situationen mit einer überdurchschnittlich hohen Belastung irgendwie weiter mache. In meinem letzten Job habe ich weit über eine 40h-Woche gearbeitet, auch mal über 12h am Tag. Als ich als Schulkind in der Pause auf den Kopf gefallen bin, saß ich danach noch die letzten zwei Stunden im Unterricht, obwohl ich mehr Lichtflecken als den Tafelanschrieb gesehen habe (Spoiler: Gehirnerschütterung). Wenn mir jemand sagt, ich würde zu wenig machen, dann werde ich zu dem Pferd aus "Animal Farm". I will work harder!

    Aber ich bin überfordert mit so was wie: meine Wohnung ordentlich zu halten. Anträge rechtzeitig abzugeben. Kreative Projekte auf einem Level zu halten, auf dem sie a) für mich realistisch umsetzbar und b) für Außenstehende verständlich zu erklären sind. Generell alles mit sozialen Beziehungen. - Oh, ich brauche auch viel Zeit allein.

    Aber "Nimm Zeit von der logischen, Intelligenz fordernden, deinen spezifischen Bedürfnissen entsprechenden Arbeit weg, um dich mehr mit Haushalt, Alltag, ggf. auch noch Kindern zu beschäftigen" wäre für mich keine Entlastung, das wäre eine Strafe. Teilzeit-Brotjob und Teilzeit-Kreativzeug wäre toll, aber ich würde auch 50h-Brotjob nehmen, wenn dafür der Komplex PutzenAufräumenZahnarztFormulare auf magische Weise verschwinden würde. Oder, wie ich zu der Psychologin in meiner letzten Teilhabe-Maßnahme sagte: "Wenn ich ein heterosexueller Mann wäre, hätte ich vielleicht eine Freundin, die das alles für mich macht." Auch so habe ich die Tendenz, Aufgaben aufzuschieben, bis sich wer anders kümmert, z.B. meine Schwester oder meine (jetzt ehemalige) Mitbewohnerin. Ich glaube nicht mal, dass das ein anders verdrahtetes Gehirn ist. Ich hab' halt als Kind nie - alleine - aufräumen müssen. War immer jemand da, der sich vor mir am Chaos gestört hat. Alleine zu wohnen hat den Vorteil, dass ich niemand anderem damit auf die Nerven gehe (und den Nachteil, dass Sachen, die unten auf der Prioritätenliste stehen, dann wirklich nie passieren). Es ist nur ungewöhnlich, weil ich eine Frau bzw. eine weiblich gelesene Person bin.

    Ein Punkt, von dem ich nicht weiß, ob er unter die Überschrift "wenig belastbar" gehört, aber irgendwie zum weiteren Thema: Ich bin ein fürchterlicher Alles-oder-Nichts-Mensch. Und ich habe auch das Gefühl, das ist etwas, was bei Bym stärker zu sehen ist. Einfach durch das Format. Der typische Gefühlsforum-Beitrag ist etwa so (ja, übertrieben, nein, ich meine nicht eine bestimmte Person, nein, ich nehme mich da nicht unbedingt aus):

    Ich suche einen festen Partner, ich habe mir schon immer eine Beziehung gewünscht und zwar auf jeden Fall mit Kindern / ohne Kinder / ohne dass der andere schon Kinder hat. Ich mag mich nicht auf was einlassen, was nicht von Anfang an was Ernstes ist. Oh, die letzten x Männer, bei denen ich Hoffnung hatte, waren am Ende grenzüberschreitend und rücksichtslos / konnten sich nicht so richtig entscheiden / waren nicht interessiert. Aber wenn jetzt einmal einer dabei ist, dann muss es doch funktionieren! Ich will doch nur nicht allein sein. Warum ist das so schwer? Bei anderen Leuten funktioniert es doch auch.
    Wenn man es so aufschreibt, ist klar, dass das keine besonders Erfolg versprechende Strategie ist. Aber ich gehe nicht nur das Thema Beziehungen so an, sondern grob gesagt mein ganzes Leben. Ich will unbedingt einen Beruf haben, der mich vor so einem "Teilzeit-Hausfrau-Dasein" schützt, also arbeite ich mich regelmäßig ins Burn Out und zerstöre meinen beruflichen Lebenslauf. Ich habe eine Wohnung, in der mich keine anderen Menschen nerven, aber ich kümmere mich so dermaßen wenig darum, dass sie kaum nutzbar ist (Bad seit Monaten nicht geputzt etc.). Für das Thema Verliebtsein und Beziehungen hatte ich schon den Drama-Thread im Gefühlsforum. Und wenn ich nicht da rumheule, dann heule ich im Haustierwunsch-Thread, dass ich keine haben kann, aber, niedliche Tiere! Ich will doch nur den großen Dopamin-Kick und mich nicht mit nervigem Alltags-Scheiß beschäftigen à propos Dopamin-Kick: Ich weigere mich natürlich auch seit Beginn meiner Psycho-Karriere, Antidepressiva zu nehmen (und sorge bei neuen Ärzten/Psychologen - immer Männern? - gelegentlich für Verwunderung, weil ich auch keine illegalen Drogen nehme, noch nie).

    Das ist nicht wirklich "wenig belastbar", oder? Das ist mehr "wenig erwachsen" und "narzisstische Persönlichkeitsstörung". Oder zumindest, hohe Kompatibilität mit narzisstischen Mustern.
    wtf momente

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  9. Enthusiast Avatar von liorit
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    739

    AW: An die von euch, die den Eindruck haben, eher weniger belastbar zu sein...

    Zitat Zitat von finessa Beitrag anzeigen
    liorit, ich glaub nicht so wirklich, dass Leute in den von dir beschriebenen Fällen einfach "faul" sind und betrachte das insgesamt als problematischen Begriff, weil er häufig strukturelle oder persönliche Einschränkungen auf eine Ebene bricht, die suggeriert, wenn wir nur "wirklich" wollen, könnte alles ganz anders sein - und so leicht ist es selten.

    [...]

    Alles Gute!
    dankeschön. und ja, das gefühl habe ich auch. ich habe auch sehr viele freunde, die einfach VIEL machen. leute, die mehrmals die woche zum sport gehen, ehrenamt haben, irgendwelche ämter freiwillig bekleiden, zwei-drei fixe termine die woche mit freunden haben, und das noch zusätzlich zu den dingen, die ich eben auch erledigen muss und die mich manchmal vollkommen überfordern. ein freund von mir geht sonntags in die bib um "entspannt zu lernen" - das ist einfach gar nichts für mich, der aufwand ist einfach viel, viel höher als der nutzen. dazu kommt auch, dass ich null spontan bin und außerdem wahnsinnig viel zeit zum erholen brauche. wenn jemand fragt, ob wir morgen spontan was machen wollen, stürzt mich das in richtige stresszustände. ich würde das nicht als panik/angst bezeichnen, aber für einen kurzen moment bin ich total in diesem stressmoment gefangen, weil ich mir denke, puh, da muss ich um die uhrzeit ins bett gehen um pünktlich aufzustehen und dann am abend noch duschen und schauen was ich dann koche, wenn wir unterwegs eh essen gehen, weil dann braucht es abends ja nur was kleines, aber was mach ich denn da, und überhaupt, welche bahn muss ich überhaupt nehmen und wie komme ich dahin, wo wir uns treffen wollen?? wenn jemand spätestens am mittwoch fragt, ob wir uns am freitag treffen wollen, ist es weniger schlimm und der "vorbereitungsaufwand" ist einfach viel geringer und ich empfinde es nicht als so belastend meine eigenen freunde zu treffen.

    Zitat Zitat von rubysoho Beitrag anzeigen
    Und ich weiss ausserdem leider auch nicht, wann es wirklich reicht. Also, egal wieviel ich erledigt habe, ich habe immer das Gefühl, dass eigentlich noch mehr drin sein müsste. Dann mache ich mir selber Vorwürfe, dass ich so ein Schlappsack bin und nichts auf die Reihe kriege, und das hilft natürlich auch gar nicht weiter.
    genau das. ich weiß aber halt auch nicht, was ein "gesundes" maß an aufgaben am tag ist. meine mutter ist mir sehr ähnlich und bei ihr war es auch immer so, dass sie von der arbeit kommt und sich ins bett legt, schläft, dann abends noch ein wenig fern sieht und dann weiter schläft. wenn sie unter der woche einen termin nach der arbeit hatte, war das für sie immer ein furchtbarer aufwand. ich dachte sehr lange, das wär vollkommen normal, und empfand z.b. die mutter meiner besten freundin in der mittelstufe als totalen workaholic, weil sie neben der arbeit sehr viel in der kirchengemeinde tätig war und oft bis 8 uhr abends gearbeitet hat.
    "erst wollte ich als kind immer bäckerin werden. als sie mir dann gesagt haben, das ich da den kuchenteig nicht naschen darf, war der beruf dann doof."

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