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  1. Enthusiast Avatar von jadore
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    Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Gestern in der Kneipe meinte jemand, er ärgere sich immer wenn in Artikeln oder Büchern Blindheitsmetaphern gebraucht werden, also etwa "Der Staat ist blind gegenüber den Implikationen der Waffendeals", "Sie ist blind nach New York gezogen, ohne sich zu informieren" etc. - das sei diskriminierend gegenüber Blinden. Er begründete es unter anderem damit, dass es oftmals eine negative Konnotation im Sinne von "ignorant gegenüber etwas sein" habe, und dass diese negative Konnotation ja nicht auf blinde Menschen zutreffe, die nicht ignorant seien, sondern sehr wohl Dinge wahrnehmen könnten.

    So, was denkt ihr? Hat er Recht oder ist das alles ziemlich gaga?

    Ich habe mich gestern schon genug gefetzt und halte mich daher zurück.

  2. Ureinwohnerin Avatar von clubby
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    hmm. da bringst du mich jetzt ins grübeln.
    seither habe ich das wort blind zwar auch für solche beschreibungen verwendet, allerdings auch sächliche beschreibungen gemacht wie zb. ein milchiges glas ist blind oder an geräten die linse ist belegt oder blind.
    ich denke, es ist ein stück weit so, wie man es selber für sich belegt das wort.
    ich sehe es wieder in bezug auf einen menschen mit beeinträchtigung noch auf ein thema oder eine savhe negativ. mmn auch, ob man es negativ gegen menschen richtet und sowas tue ich nicht und ist mir noch in keinem gespräch mit anderen aufgefallen. hmm. wirklich ein nachdenkenswertes thema.

  3. Alter Hase Avatar von SarahYasemin
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Hatte ich noch nie drüber nachgedacht, aber im Grunde hat er Recht.
    geht doch adorno lesen, ihr lauchs!

  4. Member Avatar von juno_
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Für mich ist das einfach eine weitere Bedeutung des Wortes "blind" und hat nichts mit Menschen zu tun, die nicht sehen können.

  5. V.I.P. Avatar von gewitter
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    ich kann verstehen, wie man zu dieser haltung kommt und ich kann auch die argumentation nachvollziehen.

    dennoch finde ich es wahnsinnig schwierig. ich glaube eben nicht, dass es zu irgendetwas gutem führt, wenn sprache zu allen seiten hin abgesichert wird. denn dann wird sie irgendwann völlig formal und wir sprechen in 'doppelplusgut'. ich glaube, es braucht doppeldeutigkeiten, damit sprache ein denkraum bleibt.


    klar: es braucht auch reflexion und es gibt eine ganze menge sprachlicher diskrimierung, die man sich einfach klemmen kann (schokoküsse usw...) und das wird sich auch immer irgendwie verändern bzw. weiterentwickeln.
    "Es gibt keine harmlosen Zivilisten."

  6. Enthusiast Avatar von jadore
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Danke für eure antworten. Hat noch wer was zu sagen zum thema?

  7. Member Avatar von Momang
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Zitat Zitat von juno_ Beitrag anzeigen
    Für mich ist das einfach eine weitere Bedeutung des Wortes "blind" und hat nichts mit Menschen zu tun, die nicht sehen können.
    Das finde ich nicht so einfach zu trennen. Dann könnte man ja auch sagen, dass ****rkuss gar nichts mit dunkelhäutigen Menschen zu tun hat, das ist einfach ein anderer Name für Schokoküsse.
    Beim Ausdruck "Politiker X ist blind auf dem rechten Auge" wird das noch deutlicher.

    Finde ich auch super schwierig.
    Eigentlich mag ich dieses Bild in der Sprache sehr, aber irgendwie hat er ja recht. Und muss das Bedürfnis nach einer ästhetischen, lebendigen, doppeldeutigen Sprache dann nicht hinten anstehen, wenn sich Menschen diskriminiert fühlen?
    Auf jeden Fall interessant, darüber habe ich mir nämlich noch nie Gedanken gemacht.

  8. Alter Hase Avatar von SarahYasemin
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Ich finde den Sprachgebraucht von "Blind sein" wesentlich angenehmer als meine folgenden Beispiele, aber wenn ich so drüber nachdenke, ist es das gleiche.

    "Behindert" als etwas, was man nicht gut findet und "schwul" als Schimpfwort, verurteilen wir ja auch aufs Äußerste.

    Wieso soll dann nicht ein blinder Mensch das gleiche Recht haben, eine Beschreibung die auf ihn zutrifft, nicht als was negatives zu hören.
    geht doch adorno lesen, ihr lauchs!

  9. Senior Member Avatar von Stina
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Zitat Zitat von SarahYasemin Beitrag anzeigen
    Ich finde den Sprachgebraucht von "Blind sein" wesentlich angenehmer als meine folgenden Beispiele, aber wenn ich so drüber nachdenke, ist es das gleiche.

    "Behindert" als etwas, was man nicht gut findet und "schwul" als Schimpfwort, verurteilen wir ja auch aufs Äußerste.

    Wieso soll dann nicht ein blinder Mensch das gleiche Recht haben, eine Beschreibung die auf ihn zutrifft, nicht als was negatives zu hören.
    Einerseits stimme ich zu, andererseits gibt's ja "behindert" auch im Sinne von "Hindernis" (xy behindert den Verkehr), so hatte ich "blind" bisher auch verstanden.

  10. Urgestein Avatar von durga
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Mir ist das auch nicht so geläufig und ich hab das erst vor relativ kurzer Zeit gehört, während ich N**** als Kind gleich als verbotenes Wort gelernt hab.
    Aber das zeigt einfach hauptsächlich, dass Menschen mit Behinderung in Deutschland verdammt wenig Lobby haben und nur weil es neuer ist, dass es thematisiert wird, und man schon erwachsen ist und ein gefestigtes Weltbild hat, heißt ja nicht, dass man sich dann eher als die Leute, die dasselbe über N**** sagen, hinstellen darf und sagen, ich hab das aber schon immer gesagt, ich mein das nicht böse und was ICH meine ist wichtiger, als was die davon halten, die es betrifft.

    Es ist natürlich schwierig, Sprache ist lange gewachsen, in einer rassistischen, sexistischen, ablistischen Kultur, also ist sie in entsprechenden Teilen sexistisch, rassistisch, ablistisch. Ich find gendern auch nicht besonders ästhetisch. Klar, die Sprache wurde hauptsächlich von und für Mäner geschliffen. Mit 22 war mir die Ästhetik noch wichtiger und ich hab nicht gegendert, jetzt gender ich und nehm die unhandlichere Sprache in Kauf.

    Und Grenzziehung ist auch nicht einfach.
    Kurzsichtig find ich als Metapher z.B. sehr gut. Und physisch bin ich selber kurzsichtig und viele Menschen werden das irgendwann in ihrem Leben sein. Das empfinde ich gar nicht als schlimm als Metapher. Blind ("das sieht n Blinder mit nem Krückstock" oder so) find ich schon nicht mehr so günstig, also auch gefühlsmäßig. Das ist ja nicht in Stein gemeißelt, was man wozu empfindet. Als Kinder haben meine Eltern natürlich auch N**** gesagt und das war normal, seit ein paar Jahrzehnten kommt ihnen das nicht mehr über die Lippen, ihren Eltern haben sie es bis zu deren Tod nicht abgewöhnt gekriegt, die sind halt auch geboren, als Deutschland noch Kolonien hatte...

  11. Member Avatar von geheimnisvoll
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Ich bin mir noch nicht sicher, aber ich glaube, für mich macht diese explizite Zustandsbeschreibung durch Wörter wie blind, taub und stumm den Unterschied. Und dass blind (für mich) nicht vollständig synonym mit sehbehindert ist (ebenso die anderen Wörter).

    "Die Politik ist auf dem rechten Auge sehbehindert." würde ich nie sagen und würde diese Formulierung auch als abwertend gegenüber Sehbehinderten begreifen.

    "Stumm wie ein Fisch" bezieht sich ja auch nicht auf eine Sprechbehinderung, sondern eher auf eine (biologisch vermutlich nur vermeintliche) Tatsache.

    Die Redewendungen sind zum Teil wertend, dass sehe ich auch so. Trotzdem gibt es für mich einen Unterschied zur Nutzung des Worts "behindert" in einer eher abwertenden Alltagssprache.
    The expected is just the beginning.
    The unexpected is what changes our lives.

  12. Foreninventar Avatar von Ally Mc Beal
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    ich finde aber den ausdruck blind für etwas sein (dazu hab ich mir nochkeine gedanken gemacht), ist schon etwas anderes als 'das sieht ein blinder mit dem krückstock'
    «Le monde est irréel, sauf quand il est chiant.»

  13. Ureinwohnerin Avatar von clubby
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    weil es in dem fall so da steht, als wäre eine blinde person blöd.
    weil ja häufig voran geht, 'bist du blöd, sowas sieht ja ein blinder mit krückstock!'

  14. V.I.P. Avatar von GuteMiene
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Zitat Zitat von juno_ Beitrag anzeigen
    Für mich ist das einfach eine weitere Bedeutung des Wortes "blind" und hat nichts mit Menschen zu tun, die nicht sehen können.
    Ja und nein. Die Verwendung von „blind“ hat sich eingebürgert, ja. Würde aber eine ambivalente Haltung zu etwas als „schizophren“ oder eine ignorierende als „autistisch“ bezeichnet werden, würden sich wohl mehr Leute daran stören.
    The true north

    Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung,
    mit der ich euch gegenüberstehe.

    You're not going to hotbox my office, no way!

  15. Ureinwohnerin Avatar von phaenomenal
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Ich weiß es auch nicht und bin ehrlich gesagt mit solchen Sprach-Fragen auch immer überfordert. Aber mir fällt dazu noch ein, dass "blind" nicht nur für "sehbehindert" steht, sondern zB. auch für "undurchsichtig/trüb" (Die Scheibe ist blind.) und "unsichtbar" (Der Mantel wird blind geknöpft) etc. Das ist bei Wörtern wie "behindert sein" oder "schwul", die man als Beleidigung / Herabsetzung verwendet ja nicht so.
    „Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.“ R. P. Feynman

  16. Regular Client Avatar von dzairia
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Ich hatte da ehrlich gesagt noch nie drüber nachgedacht. Spontan würde ich das ähnlich wie phaeno sehen. Blind ist für mich zunächst mal die Beschreibung eines Zustands, die keinen negativen/herabwürdigen/beleidigenden Beiklang hat. Aber wenn Betroffene sich dadurch angegriffen fühlen, dann ist das durchaus auch ernstzunehmen.

  17. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Zitat Zitat von GuteMiene Beitrag anzeigen
    Ja und nein. Die Verwendung von „blind“ hat sich eingebürgert, ja. Würde aber eine ambivalente Haltung zu etwas als „schizophren“ [...] bezeichnet werden, würden sich wohl mehr Leute daran stören.
    aber genau das passiert doch?
    Also, nicht ambivalent, sondern widersprüchlich.


    Ich finde "blind" da irgendwie wertfrei in den eingangs genannten Beispielen.
    "X ist blind, wenn es um Ys Probleme geht" heißt doch nur "X sieht Ys Probleme nicht" und 'blind' heißt 'nicht sehen'.

    Also, ich kann auch, wie hier schon geschrieben wurde, nachvollziehen, woran sich da gestört wird, aber ich finde, es ist nicht so, dass ein Vorurteil zu einer Pauschalisierung geworden ist oder sowas, und entsprechend wirkt es auf mich auch nicht so, dass da eine Gruppe von Menschen irgendwie herabgewürdigt wird. Es ist doch nicht so, dass durch den Ausspruch ausgedrückt wird, dass alle sehbehinderten Menschen Ys Probleme nicht wahrnehmen könnten.
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


    Klamotten || Bücher

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  18. Senior Member Avatar von Maritty
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Zitat Zitat von clubby Beitrag anzeigen
    hmm. da bringst du mich jetzt ins grübeln.
    seither habe ich das wort blind zwar auch für solche beschreibungen verwendet, allerdings auch sächliche beschreibungen gemacht wie zb. ein milchiges glas ist blind oder an geräten die linse ist belegt oder blind.
    ich denke, es ist ein stück weit so, wie man es selber für sich belegt das wort.
    ich sehe es wieder in bezug auf einen menschen mit beeinträchtigung noch auf ein thema oder eine savhe negativ. mmn auch, ob man es negativ gegen menschen richtet und sowas tue ich nicht und ist mir noch in keinem gespräch mit anderen aufgefallen. hmm. wirklich ein nachdenkenswertes thema.
    Na aber das ist ja genau die falsche Herangehensweise. Also klar, wenn du das "nur" nutzt für eine Linse, durch die man nicht mehr sehen kann geht das vielleicht, aber grundsätzlich gilt für mich immer, dass es bei solchen Sachen erstmal nicht um mein befinden geht, sondern um das befinden der Menschen, die ich mit meiner Sprache evtl. Diskrimkniere.
    Also wenn ich sage, dass ich n**** nicht so mein dann ist es auch nicht so gemeint? Und dann darf sich schon niemand diskriminiert fühlen?
    Ich schau mir immer an,ob die Menschen, die es betrifft, sich dadurch diskriminiert fühlen und ja, über blind hab ich bis jetzt nicht so nachgedacht, finde es aber ehrlich gesagt schon mehr als ne Zustandsbeschreibung, weil es eben mehr impliziert als nur "nicht sehend" sondern ja auch oft in Kontexten negativ benutzt wird. Also "auf dem rechten Auge blind sein" meint ja nicht nur, dass der*Die Politiker*In das wirklich einfach nicht sieht, sondern dass er*Sie es nicht sehen will/sich dumm stellt/es weniger ernst nimmt usw...

  19. Enthusiast Avatar von mrs_november
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Ich habe mir darüber schon Gedanken gemacht, da ich einen blinden Bekannten habe und sehr aufpasse, was ich in seiner Gegenwart sage. Was auch dazu geführt hat, dass ich generell meine Sprache dahingehend überprüft habe.

    Für mich ist der Unterschied zu „behindert“, „schwul“ oder dem N-Wort, dass „blind“ in diesen Zusammenhängen eben nicht abwertend sondern beschreibend benutzt wird.

    Sowas wie „jemand ist blind für die Probleme von xxx“ fände ich also nicht wertend, aber z.B. würde ich nie zu jemand, der mich anrempelt sagen: „bist du blind oder was?“.

    Generell kommt es aber darauf an, wie das die Betroffenen sehen.

  20. Newbie Avatar von Kokosring
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    AW: Sprachpolitik: blind für etwas sein

    Sehr interessante Frage, zu der ich mir zugegebenerweise vorher noch keine Gedanken gemacht hatte.

    Ich zitiere mal zwei Aussagen, in denen ich mich wiederfinde:

    Zitat Zitat von Maritty Beitrag anzeigen
    Ich schau mir immer an,ob die Menschen, die es betrifft, sich dadurch diskriminiert fühlen und ja, über blind hab ich bis jetzt nicht so nachgedacht, finde es aber ehrlich gesagt schon mehr als ne Zustandsbeschreibung, weil es eben mehr impliziert als nur "nicht sehend" sondern ja auch oft in Kontexten negativ benutzt wird. Also "auf dem rechten Auge blind sein" meint ja nicht nur, dass der*Die Politiker*In das wirklich einfach nicht sieht, sondern dass er*Sie es nicht sehen will/sich dumm stellt/es weniger ernst nimmt usw...
    Zitat Zitat von mrs_november Beitrag anzeigen
    Für mich ist der Unterschied zu „behindert“, „schwul“ oder dem N-Wort, dass „blind“ in diesen Zusammenhängen eben nicht abwertend sondern beschreibend benutzt wird.

    Sowas wie „jemand ist blind für die Probleme von xxx“ fände ich also nicht wertend, aber z.B. würde ich nie zu jemand, der mich anrempelt sagen: „bist du blind oder was?“.
    "Behindert" und "schwul" sind ja nicht per se abwertend, sondern werden nur oft so benutzt. Genauso sehe ich es mit "blind". Wenn es als "nicht sehend" benutzt wird, ist es eben ein Synonym, aber in o.g. Beispielen bekommt es eine abwertende/negative Assoziation.

    Ein bisschen schwierig ist es aber zu differenzieren, weil ein "nicht sehen" ja schon vom Grundtenor meist etwas eher negatives meint.

    Andererseits finde ich schon, dass es einen Unterschied macht, ob jemand sagt "Bist du behindert", wenn jemand etwas falsch oder etwas Blödes gemacht hat oder ob man fragt "bist du blind oder was" wenn man angerempelt wird. Im zweiten Beispiel ist ja schon ein Sinnzusammenhang da (man will wissen, ob der/die Andere nicht hinschaut), im Gegensatz zum ersten Beispiel, wo behindert = blöd, dumm, begriffsstutzig verwendet wird.

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