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  1. Junior Member
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    Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Hat hier jemand Erfahrung mit diesem Thema? Ich wurde letztes Jahr unnötigerweise operiert (ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich wurde wegen Schmerzen am Knie operiert, danach kam aber raus, dass die Schmerzen gar nicht durch mein Knie verursacht wurden. Als ich mich in der Sprechstunde des Chirurgs vorgestellt habe, meinte er aber direkt es liegt an Grund xy, ohne andere Ursachen in Betracht zu ziehen und hat auch keine Differentialdiagnose gemacht und wollte direkt einen Termin zur OP ausmachen.) und durch die OP hatte ich Komplikationen (Entzündung mit einem KH-Keim wegen dem ich ewig Antibiotika nehmen musste und länger im KH war und dann wegen der vielen AB eine Colitis und von den Schmerzmitteln eine Gastritis) und war monatelang eingeschränkt dadurch, hatte Verdienstausfall und bin belastet durch mein Knie, das ziemlich entstellt aussieht (große wülstige Narbe) und das mir Schmerzen bereitet. Wegen der Narbe soll ich jetzt zwei Jahre (!) nen dicken Kompressionsstrumpf tragen, 22 Stunden am Tag.

    Zu wissen, dass das alles für die Katz war, macht es echt bitter. Eine befreundete Anwältin würde mir bei der Klage helfen (in ihrer Kanzlei ist ein auf Medizinrecht spezialisierter Anwalt) und ich habe morgen das erste Beratungsgespräch.
    Ich weiß, dass ich nicht viel Geld erwarten kann und die Summe nicht hoch werden würde , aber es wäre besser als nichts.

    Könnt ihr mir zu etwas raten oder abraten oder habt ähnliche Geschichten und Erfahrungen?

  2. Alter Hase Avatar von SarahYasemin
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Dein Anwalt sollte dir sagen können, ob sich sowas lohnen kann oder wie das funktioniert. Dafür ist er der Spezialist.
    Die Frage ist, kannst du dir das leisten bei den Anwaltskosten in Vorleistung zu gehen?
    geht doch adorno lesen, ihr lauchs!

  3. Junior Member
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Meine Freundin, die ihrer Kollegin schon das Wesentliche erzählt hat, meinte, dass es Erfolgsaussicht hätte und ich Prozesskostenhilfe beantragen kann, wenn die Erfolgsaussichten bestätigt werden.

    Mir gehts eher um den emotionalen Aspekt dabei (vor Gericht sein, die eigene Krankengeschichte zerpflückt bekommen), der mich hier interessiert.

  4. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Meiner Erfahrung nach sagen beziehungsweise glauben Anwälte in Arzthaftungssachen (fast) immer, dass Erfolgsaussichten bestehen, besonders dann, wenn der Mandant Anspruch auf Prozesskostenhilfe hat und sie sich für nix von dem, was sie anstrengen, rechtfertigen müssen, weil dem Mandanten völlig wurscht ist, was der Spaß kostet (zahlt ja der Steuerzahler). Arzthaftungsprozesse sind deswegen schick, weil man als Anwalt schnell horrende Streitwerte annimmt und dementsprechend auch schön hohe Gebühren abrechnen kann.

    Die Realität sieht nüchterner aus.

    Für die Durchsetzung eines Schadensersatz-Anspruchs muß vom Geschädigten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bewiesen werden, dass
    a) jemand einen Fehler oder ein rechtswidriges Handeln begangen hat
    b) ein konkret in Geldwert bezifferbarer / ersetzbarer Schaden entstanden ist
    c) zwischen dem Fehler / rechtswidrigen Handeln und dem Schaden ein kausaler Zusammenhang besteht, in Form einer lückenlosen Kausalkette.

    Diese Problematik besteht bei jeder Geltendmachung auf Schadensersatz, nicht nur bei Schadensersatz aus vermuteten ärztlichen Kunstfehlern.

    Aus meiner Zeit in der Betreuung von Kunstfehlervorwürfen kann ich berichten, dass ungefähr 75-80% der von Patienten erhobenen Kunstfehlervorwürfe bereits bei der allerersten fachgerechten Betrachtung in sich zusammenfielen, weil entweder kein Kunstfehler oder kein Schaden vorlag oder absolut klar war, dass selbst wenn ein Kunstfehler oder Schaden vorliegt, kein Zusammenhang zwischen beidem vorliegt oder ein vermuteter Zusammenhang niemals bewiesen werden könnte.

    Also: Mal langsam mit den schnellen Pferden. Aus deiner Schilderung heraus fängt es schon mal damit an, dass für dich (wie für viele andere Patienten auch) völlig klar ist, dass ein Kunstfehler vorliegt, schon deshalb, weil der behandelnde Arzt sich deinem Empfinden nach nicht die geringsten Gedanken gemacht hat.
    meinte er aber direkt es liegt an Grund xy, ohne andere Ursachen in Betracht zu ziehen und hat auch keine Differentialdiagnose gemacht
    Das ist dein Empfinden, muß aber nicht der Wirklichkeit entsprechen. Er kann sich durchaus differentialdiagnostische Gedanken gemacht haben, von denen du gar nichts mitbekommen hast. Und in seiner Diagnose *irren* darf sich ein Arzt. Schadensersatz wird nur dann ausgelöst, wenn dieser Irrtum wirklich fachlich vorwerfbar ist, d.h. wenn er ein fachgerecht handelnder Arzt sich in der gleichen Situation sicher nicht geirrt häte.

    Gerade Arthroskopien sind gern genommen für Behandlungsfehler-Vorwürfe, denn es kommt dabei immer wieder mal zu Komplikationen und den Patienten geht es danach schlechter als vorher, so dass sie sich denken, dass man besser darauf verzichtet hätte. Allerdings: Im allgemeinen hat so eine Arthroskopie nicht nur Behandlungs-Charakter, sondern auch diagnostischen Charakter, d.h. der Sinn der Arthroskopie ist gerade auch, herauszufinden, wo das Problem liegt, von dem man sich eben noch nicht hundertprozentig sicher ist. Ich persönlich würde vor einer Arthroskopie so lang wie irgend möglich zurückschrecken, eben wegen der damit zusammenhängenden Risiken, aber eine Arthroskopie als falsch vorzuwerfen, nachdem man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist bzw. Komplikationen erlitten hat, hat aus meiner Erfahrung nur äußerst selten Erfolgsaussichten. Meistens gehen die Leute, die die Arthroskopie hatten, zum Arzt, damit der rausfindet, was ihr Problem ist, und eins von mehreren Mitteln, das herauszufinden, kann die Arthroskopie sein. Man kann dann teilweise unterschiedlicher Meinung sein, in welcher Reihenfolge Untersuchungen Sinn gemacht hätten oder welche am wahrscheinlichsten und risikoärmsten zum Erfolg führt. Aber um Schadensersatz zu bekommen, mußt du, wie oben von mir beschrieben, konkret nachweisen, dass das Vorgehen desjenigen, von dem du Schadensersatz willst, definitiv falsch war. Bei den Arthroskopie-Vorwürfen von Patientenseite scheitert es meistens daran, dass die entsprechend bestellten Gutachter entweder selbst sagen, dass die Arthroskopie der richtige Weg war, oder sagen, ja man hätte auch noch abwarten oder erst mal dies und das versuchen können, *aber* es ist auch nicht wirklich falsch, mit einer Arthoskopie zu versuchen, dem Problem auf den Grund zu gehen oder eine Ursache damit auszuschließen. Erfolg bei dem Vorwurf eines Schadens aus einer Arthroskopie hat man meiner Erfahrung nach ausschließlich dann, wenn bei der Arthroskopie definitiv etwas falsch gemacht worden ist, z.B. eine Schraube an der falschen Stelle eingesetzt oder falsches Material verwendet oder eine Röntgenkontrolle unterlassen oder so, oder (ganz extrem selten) wenn der Gutachter sagt, dass in dem Fall eine Arthroskopie wirklich kein sinnvoller Weg war, das Problem anzugehen.

    Zum Thema Schmerzensgeld: Der Schadensersatz für körperliche und psychische Schäden ist in Deutschland viel viel viel geringer als man denkt. Einzelfallberatung mußt du dir in der Tat vom Rechtsanwalt holen, aber in Fällen wie dem deinen würde ich - wenn man tatsächlich mit allen Vorwürfen durchdringen sollte, was Jahre dauern kann - höchstens mit einem Schmerzensgeld im sehr niedrigen vierstelligen Bereich rechnen, ggf. je nach Nachweisbarkeit zzgl. Verdienstausfall. Rechtsanwälte fordern gern gleich mal 30.000 Euro oder mehr Schadensersatz, wie gesagt, dann können sie entsprechend Gebühren abrechnen. Oft sind die von Anwälten genannten Schäden im Arzthaftungsprozess meiner Erfahrung nach vollkommen unrealistisch. Ich habe Fälle erlebt, wo Schadensersatzforderungen von mehreren hunderttausend Euro im Lauf des Prozesses auf ein paar tausend Euro zusammengeschrumpft sind.

    Es gibt auch einen - für den Versicherten kostenlosen - sozialrechtlichen Weg, Kunstfehler-Vorwürfe prüfen zu lassen. Gemäß §66 SGB V muß die Krankenkasse gesetzlich Krankenversicherte dabei unterstützen, bei Behandlungsfehlern Schadensersatz geltend zu machen. Die Krankenkasse verlangt dafür keinen Cent. Ich bin überzeugt, dass ich in deinem Fall die Sache auf sich beruhen lassen würde. Aber wenn du eine Klärung herbeiführen willst, wäre aus meiner Sicht der für dich entspannteste Weg, deine Krankenkasse damit zu beauftragen, überhaupt erst mal festzustellen, ob ein Kunstfehler-Verdacht in irgendeiner Weise wenigstens anfänglich haltbar wäre. Du kannst entweder deiner Krankenkasse die Einwilligung erteilen, dass sie in deinem Namen beim Behandler eine Kopie der Behandlungsunterlagen anfordert und einem Gutachter (meistens dem MDK) vorlegt, oder du kannst selbst vom Behandler deine Behandlungsunterlagen einschließlich einer Kopie des Arthroskopie-Films auf DVD und einschließlich von Kopien der Röntgenaufnahmen anfordern (mußt diese Kopien dann allerdings selbst zahlen, während es sonst die Krankenkasse zahlt), deine Krankenkasse beauftragen, jemanden zu finden, der die Unterlagen prüft (meistens der MDK), und dann diese Unterlagen direkt demjenigen zuschicken, der die Unterlagen prüft. Dieses eigene Vorgehen kannst du machen, wenn du nicht willst, dass die Krankenkasse deine kompletten Patientenunterlagen hat. Das Gutachten geht allerdings im allgemeinn dann auch an deine Krankenkasse bzw. nur an deine Krankenkasse, weil die der Auftraggeber ist. Die Krankenkasse sagt dir dann, ob der Gutachter einen Kunstfehler sieht oder nicht, bzw. stellt dir das Gutachten ggf. auch in Kopie zur Verfügung.

    Aus meiner Sicht lohnt es sich überhaupt erst dann, wenn von dieser Seite ein Kunstfehler bejaht ist, darüber nachzudenken, den Anspruchsgegner (Arzt bzw. Haftpflicht des Arztes) mit einer konkreten Schadensersatzforderung zu konfrontieren. Und wohlgemerkt droht selbst dann, wenn der von der Krankenkasse beauftragte Gutachter einen Kunstfehler und einen Schaden sieht, dass der Arzt bzw. seine Haftpflicht das anders sieht. Dann kann man einen Prozess anstrengen, geht aber auch dabei das Risiko ein, dass der Gerichts-Gutachter das anders sieht. Und der (unabhängige) Gerichtsgutachter ist derjenige, der üblicherweise entscheidend dafür ist, was das Gericht am Ende für ein Urteil fällt.

    Bis man ein Gutachten von der Krankenkasse vorliegen hat, dauert es meistens 4 bis 12 Monate. Wenn daraus ein eindeutiges Gutachten erfolgt, das die gegnerische Haftpflicht sofort anerkennt (halte ich bei Arthroskopie für unwahrscheinlich), zahlt die Haftpflicht danach vielleicht zeitnah. Wenn man vor Gericht muß, kann man sich auf einen Zeithorizont von mindestens 5 Jahren einstellen, bis alles abgeschlossen ist.

    Ich würde an deiner Stelle das ganze entweder auf sich beruhen lassen oder, wenn du das nicht willst, die Krankenkasse beauftragen, zu prüfen, ob ein vorwerfbarer Fehler und daraus kausal entstandener Schaden vorliegt.
    Geändert von bwlstudent (13.11.2019 um 13:59 Uhr)

  5. Member Avatar von SisterOfNight
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Zitat Zitat von bwlstudent Beitrag anzeigen
    Meiner Erfahrung nach sagen beziehungsweise glauben Anwälte in Arzthaftungssachen (fast) immer, dass Erfolgsaussichten bestehen, besonders dann, wenn der Mandant Anspruch auf Prozesskostenhilfe hat und sie sich für nix von dem, was sie anstrengen, rechtfertigen müssen, weil dem Mandanten völlig wurscht ist, was der Spaß kostet (zahlt ja der Steuerzahler). Arzthaftungsprozesse sind deswegen schick, weil man als Anwalt schnell horrende Streitwerte annimmt und dementsprechend auch schön hohe Gebühren abrechnen kann.
    Das ist, sorry, wenn ich das so sage, totaler Schwachsinn. Ich habe jahrelang in einer Kanzlei gearbeitet die Medizinrecht macht und Prozesskostenhilfe hört sich zwar total toll an (Geld von der Staatskasse), aber das ist es nicht und kein Anwalt bearbeitet gerne Mandate mit PKH - gerade nicht, wenn der Streitwert hoch ist. Ab einem gewissen Streitwert werden nämlich die Gebühren bei PKH gedeckelt. Sprich: Bei einem hohen Streitwert macht ein Anwalt bei einem PKH-Mandat extreme Verluste. Gerade im Hinblick, dass solche Verfahren extrem viel Aufwand bedeuten (mehrere Ordner Patientendokumentation, Gutachten die im Laufe des Verfahrens erstellt werden und die natürlich von jeder Partei in etlichen Schriftsätzen zerpflückt werden etc.) und ziehen sich oftmals mehrere Jahre hin.

  6. Member Avatar von SisterOfNight
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Zitat Zitat von DebbieDowner Beitrag anzeigen
    Zu wissen, dass das alles für die Katz war, macht es echt bitter. Eine befreundete Anwältin würde mir bei der Klage helfen (in ihrer Kanzlei ist ein auf Medizinrecht spezialisierter Anwalt) und ich habe morgen das erste Beratungsgespräch.
    Ich weiß, dass ich nicht viel Geld erwarten kann und die Summe nicht hoch werden würde , aber es wäre besser als nichts.

    Könnt ihr mir zu etwas raten oder abraten oder habt ähnliche Geschichten und Erfahrungen?
    Warte morgen mal das Beratungsgespräch ab und schau dann mal, was der Arzt für Medizinrecht dir rät. Der wird ja entweder schon ähnliche Verfahren bearbeitet haben oder zumindest kennen und da eine genaue Einschätzung treffen können. Wie ich schon oben schrieb, solltest du dich aber darauf gefasst machen, dass das ein sehr langwieriger Prozess werden kann (sofern die Gegenseite nicht evtl. im Wege eines Vergleiches das Ganze klären möchte).

    Manche unserer Verfahren sind z.B. auch erst über ein Schlichtungsverfahren gelaufen.

  7. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Ok, dann müssen das wohl andere Gründe gewesen sein. Mein Empfinden war einfach, dass es so ist. Weniger im Bereich von im Medizinrecht spezialisierten Anwälten, weil die sich ihre Fälle teilweise recht genau auszusuchen schienen. Aber von "allgemeinen" Anwälten konnte schon öfters der Eindruck entstehen, dass es so ist, wie ich oben beschrieben habe. Da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht und 30.000 Euro Schmerzensgeld einfach mal so verlangt, bei extrem zweifelhaften Erfolgsaussichten.

  8. Junior Member
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, bwlstudent! Den Weg über ein Gutachten der Krankenkasse kannte ich gar nicht, das klingt sehr sinnvoll, ich danke dir!
    Meine Aussage, dass keine Differentialdiagnose statt gefunden hat, kommt daher, dass er ansonsten nicht nachgefragt oder ergründet hat, ob ich noch andere Krankheiten oder Symptome habe (die damit in Verbindung stehen könnten). Außerdem hab ich im Nachhinein von einer anderen Ärztin erfahren, dass der Arzt (er ist der Professor des Fachbereichs) gerade dabei ist, eine Schwerpunkt (oder so?) Zertifizierung für diesen Fachbereich zu bekommen und dass es dann oft so läuft, dass man eine bestimmte Zahl von OPs benötigt. Das wirkt auf mich zumindest voreingenommen.

  9. Member Avatar von SisterOfNight
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Zitat Zitat von bwlstudent Beitrag anzeigen
    Ok, dann müssen das wohl andere Gründe gewesen sein. Mein Empfinden war einfach, dass es so ist. Weniger im Bereich von im Medizinrecht spezialisierten Anwälten, weil die sich ihre Fälle teilweise recht genau auszusuchen schienen. Aber von "allgemeinen" Anwälten konnte schon öfters der Eindruck entstehen, dass es so ist, wie ich oben beschrieben habe. Da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht und 30.000 Euro Schmerzensgeld einfach mal so verlangt, bei extrem zweifelhaften Erfolgsaussichten.
    Ab einem Streitwert von 4.000 € beginnt die Deckelung. Hat man also Mandate mit niedrigerem Streitwert nimmt man auch "gerne" PKH-Mandate an. Aber nur mal als Vergleich: Bei einem Streitwert von 50.000 € würde ein Anwalt ohne PKH für die Verfahrensgebühr 1.511,90 € vom Mandanten verlangen können (ohne Umsatzsteuer) und wenn er über PKH abrechnet kann er bei gleichem Streitwert nur 581,10 € gegenüber der Staatskasse abrechnen (auch ohne Umsatzsteuer). Kein Anwalt lechzt also bei solchen Streitwerten nach solchen Mandanten.
    Geändert von SisterOfNight (13.11.2019 um 14:21 Uhr)

  10. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Das mit der "empfundenen" fehlenden Differentialdiagnose war auch kein Vorwurf von mir. Ich wollte nur darstellen, dass Außenstehende bzw. Mediziner das dann halt oft anders sehen als ein Patient. Ich kann mir das schon vorstellen, wie das abgelaufen ist, und ich verstehe auch das ungute Gefühl. Ich glaube so gut wie jeder Orthopäde ist grundsätzlich der Meinung, dass zu viele Arthroskopien in Deutschland gemacht werden und dass oft in die Entscheidung möglicherweise *auch* Dinge wie die von dir genannten mit hineinspielen. Nur ist diese "Voreingenommenheit" letztendlich dann halt doch nicht der *einzige* Grund, der für eine Arthroskopie spricht. Wieviel im Zweifel bei Fällen, bei denen man so und so handeln könnte, nun letztendlich ein z.B. finanzielles Eigeninteresse des Arztes mit im Hintergrund steht, dessen kann man sich nie sicher sein, bei keiner Arthroskopie, bei keinem Herzkatheter, bei keiner Zahnbehandlung. Aber solange es durchaus auch nichtfinanzielle Gründe gibt, eine Untersuchung zu machen, ist es mindestens schwer bis unmöglich, nachzuweisen, dass der finanzielle Grund eine wesentliche Rolle gespielt hat. Es kann im übrigen auch sein, dass die Zahl der OPs bei deinem Fachbereich längst erfüllt war und es tatsächlich gar keine Rolle gespielt hat.

  11. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    @SisterofNight: Danke für die Zahlen und die Erklärung. 4.000 Euro finde ich eine ganz schön geringe Deckelung. Dafür, dass man bei solchen Mandanten die gleiche Arbeit (wenn nicht noch mehr) hat wie bei selbstzahlenden Mandanten.

  12. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Aber können die PKH-Anwälte denn die Kosten irgendwie anders noch höher treiben, z.B. indem sie dauernd Briefe schreiben oder neue Forderungen stellen oder so? Denn die haben mich früher wirklich genervt. So viel sinnlos vergeudete Zeit, sich mit absurden Forderungen auseinanderzusetzen.

  13. Member Avatar von sommerlinde
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Zitat Zitat von bwlstudent Beitrag anzeigen
    Allerdings: Im allgemeinen hat so eine Arthroskopie nicht nur Behandlungs-Charakter, sondern auch diagnostischen Charakter, d.h. der Sinn der Arthroskopie ist gerade auch, herauszufinden, wo das Problem liegt, von dem man sich eben noch nicht hundertprozentig sicher ist.
    Ist eine bildgebende Untersuchung (MRT) an dieser Stelle micht mittlerweile Standard? Vor 15 Jahren als MRT noch selten war, kann ichda von dir beschriebene Vorgehen noch verstehen aber heute?
    Zitat Zitat von Paul Ziemiak
    Die AfD (ist) nicht unser Partner, sondern unser entschiedener Gegner.
    Unser christdemokratischer Kompass zeigt uns, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht verantwortbar und nicht möglich ist. Die AfD will ein anderes, ein dunkleres, ein kälteres Deutschland. CDU und CSU wollen ein besseres Deutschland. Konrad Adenauer hatte recht: "Wer wirklich demokratisch denkt, muss Achtung vor dem anderen, vor dessen ehrlichem Wollen und Streben haben."

  14. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Meines Wissens hat selbst bei vorliegendem MRT eine Arthroskopie in vielen Fällen dennoch zusätzlichen diagnostischen Wert, aber ich komme selbst überhaupt nicht aus dem Fachbereich und kann das letzten Endes nicht selbst beurteilen. Ich kann mich allerdings an keinen einzigen Fall konkret erinnern, in dem eine durchgeführte Arthroskopie als definitiv nicht indiziert begutachtet worden ist. Das kommt sicher vor, aber anscheinend sehr selten.
    Geändert von bwlstudent (13.11.2019 um 19:13 Uhr)

  15. Member Avatar von SisterOfNight
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Zitat Zitat von bwlstudent Beitrag anzeigen
    Aber können die PKH-Anwälte denn die Kosten irgendwie anders noch höher treiben, z.B. indem sie dauernd Briefe schreiben oder neue Forderungen stellen oder so? Denn die haben mich früher wirklich genervt. So viel sinnlos vergeudete Zeit, sich mit absurden Forderungen auseinanderzusetzen.
    Also die Anzahl der Schreiben ist eigentlich unbedeutend, sowohl im Rahmen von PKH als auch bei "normaler" Abrechnung. Der Anwalt wird für bestimmte Prozessschritte bezahlt. Verfahrensgebühr, Terminsgebühr, evtl. Einigungsgebühr z.B.

    Der Anwalt kann natürlich aber auch weitere Forderungen, die der Mandant gegen den Gegner hat, noch im Laufe des Verfahrens einbringen, entweder durch Klageerweiterung oder aber, indem weitere außergerichtliche Forderungen im Rahmen von Vergleichsverhandlungen mit einbezogen werden (da gibt es dann nochmal eine spezielle Regelung bezüglich der Abrechnung dieser Ansprüche, das wäre jetzt nur etwas zu kompliziert, um das genau aufzudröseln ).

  16. Urgestein
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Danke für die Erklärungen!

  17. Member
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    AW: Arzt auf Schadensersatz verklagen

    Zitat Zitat von bwlstudent Beitrag anzeigen
    Aber können die PKH-Anwälte denn die Kosten irgendwie anders noch höher treiben, z.B. indem sie dauernd Briefe schreiben oder neue Forderungen stellen oder so? Denn die haben mich früher wirklich genervt. So viel sinnlos vergeudete Zeit, sich mit absurden Forderungen auseinanderzusetzen.
    Und als Anwältin kann man ja auch das zunächst beinahe altruistische Ziel haben, für seine Mandantin das bestmögliche Ergebnis zu erlangen. Sowie man als Arzt manchmal auch das Ziel haben kann, seinen Patienten bestmöglich zu heilen, hörte ich jedenfalls schon mal von Ärzten...

  18. 16.11.2019, 18:07


  19. 17.11.2019, 13:25


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