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  1. Fresher Avatar von Sandsilber
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    Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Eine sehr gute Freundin von mir ist schon lange depressiv, mal stärker ausgeprägt, mal geht es etwas besser. Jetzt ist sie schon seit Monaten in einer schlimmeren Phase und ich bin mir immer wieder sehr unsicher, wie ich den Kontakt zu ihr gestalten soll. Sie wartet gerade auf einen freien Klinikplatz und ist auch in therapeutischer Behandlung. Ich denke total oft an sie, aber fühle mich auch so hilflos.

    Von sich aus sucht sie nicht den Kontakt, das ist auch für mich natürlich vollkommen ok, wenn wir doch mal reden oder schreiben sagt sie auch, dass sie es gut findet, wenn ich da initiativ bin. Aber ich mag sie auch nicht dauernd nerven und immer wieder fragen, wie es ihr geht. Und komme mir auch komisch vor, dann einfach nur Geplänkel zu schreiben. Und bin mir auch einfach unsicher, wie oft ich sie kontaktieren soll. Will sie aber gerade auch nicht mit der Frage belasten, dann sagt sie auch eher, dass sie das auch nicht weiß. Ach Mann. Ich fühle mich wie eine unfähige Freundin.

    Wenn ich frage, ob sie telefonieren will, sagt sie manchmal ja aber in letzter Zeit eigentlich, dass es ihr nicht gut geht. Und Treffen sind wegen etwas Entfernung und auch meiner Eingespanntheit mit Baby eher schwierig.

    Kennt das jemand? Als Freundin oder Betroffene? Was würdet ihr machen oder hättet euch gewünscht?

  2. Senior Member
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Als Betroffene kann ich sagen, dass du eine gute Freundin zu sein scheinst.

    Finde die Entfernung schwierig, mir hat die tatsächliche Präsenz von wichtigen Menschen geholfen. Ablenkung.. aber ansonsten, lass sie einfach zwischendurch wissen, dass du da bist, an sie denkst und biete ihr einfach immer wieder an, dass du kommen kannst, wenn es so ist(?).

  3. Stranger
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Du machst doch schon ganz viel für sie.
    Oft will derjenige ja auch garnicht gefragt werden, wie es ihm geht- dann dreht sich wieder alles nur um das eine Thema sondern auch einfach mal abgelenkt etwas anderes hören (wobei je nach persönlicher Situation/Alter/... das Thema "Baby " nicht so gut ist, habe ich die Erfahrung gemacht).
    Ich kennen Leute, die ich einen Serientermin Telefonieren in den Kalender schreiben, so dass ein regelmäßiger (1xMonat) Kontakt da ist und dann bei Bedarf öfter anrufen.
    Auch ein Kurzbesuch ist gut, falls du das einrichten kannst.

  4. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Bei mir sind’s keine Depressionen, aber ich bin in schlimmen Phasen immer froh, wenn andere ganz normal mit mir umgehen. Also tatsächlich einfach über belanglose Sachen oder Alltag quatschen. Immer nur Thema Krankheit und das entweder mitleidig oder vorwurfsvoll oder womöglich noch mit gut gemeinten Tipps, die für Außenstehende vielleicht logisch klingen, aber für die Betroffenen nicht umsetzbar sind, fand ich dagegen ziemlich schlimm. Das gibt einem das Gefühl, für Außenstehende nur noch aus der Krankheit zu bestehen.

    Ich finds toll, dass du für deine Freundin da sein willst (das ist absolut nicht selbstverständlich!) und wenn sie sagt, dass sie sich freut, wenn Du Dich meldest (wahrscheinlich schafft sie es selbst einfach nicht), dann würde ich das an deiner Stelle auch weiterhin tun. Schreibt ihr eher oder telefoniert ihr? Da würde ich dann nämlich auch mal nachfragen, welcher Weg für sie am besten ist. Ich kann zb häufig nicht gut telefonieren oder Mails schreiben, aber Messenger geht eigentlich immer. Und gib ihr Zeit zum antworten.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

  5. Senior Member Avatar von Caly
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Ich fands in meiner allerschlimmsten Zeit immer gut, noch Dinge von außen mitzukriegen. Also sehr wohl einfach Geplänkel zu lesen, Zeug aus dem Alltag meiner Freunde, meinetwegen Fotos vom Wocheneinkauf. Da muss man sich nicht irrsinnig mit befassen und ist trotzdem noch ein bisschen Teil des Lebens, das hat mir geholfen, mich nicht so alleine zu fühlen (reale Menschen um mich rum konnte ich nämlich nicht so gut aushalten).

  6. V.I.P. Avatar von poppyred
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Zitat Zitat von Caly Beitrag anzeigen
    das hat mir geholfen, mich nicht so alleine zu fühlen (reale Menschen um mich rum konnte ich nämlich nicht so gut aushalten).
    Ja, genau das eben.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

  7. Junior Member Avatar von Bergkind
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Kann mich dem, eas poppy_red und Caly gesagt haben nur anschließen. Ich fand auch meistens ganz normale Gespräche und überhaupt einfach den alltäglichen Umgang mit anderen Menschen hilfreich. Das gab mir meistens eher das Gefühl, dass Normalität noch ein Stück weit möglich ist, als wenn jemand extrabesorgt war.

    Hinzukommt, dass das auch als Angehörige so gut über längere Zeit durchziehbar ist. Also nix gegen auch mal Extrabetüddelung, aber sowohl als Betroffene als auch als Angehörige hab ich schon beobachtet, wie Schieflagen und Ressentiments entstehen können, wenn d. Angehörige anfangs versucht, extra viel zu machen, in der Hoffnung, die depressive Person irgendwie retten zu können und dann feststellen muss, dass es so schnell und einfach nun doch nicht geht.

    Du klingst aber für mich so, als wärst du eher auf einem guten, ausgeglichenen Weg.
    Geändert von Bergkind (14.11.2019 um 12:23 Uhr)

  8. Junior Member
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Ich finde auch, dass es sich sehr gut anhört, wie du dich verhältst.

    Meine Erfahrung:
    Ich habe mich auch in den schlimmsten Phasen meistens darüber gefreut, wenn Freunde sich bei mir gemeldet haben. Würde mir also keine Sorgen machen, sie zu nerven - sie muss ja nicht antworten, wenn du ihr schreibst, wenn sie mal keine Lust darauf hat. Ich würde ab und zu mal fragen, wie es ihr geht, aber auch mal nur über Alltags-Sachen mit ihr quatschen.

    Was für mich gar nicht ging: Jede Form von Einmischung. Tipps, was ich machen soll, damit es mir besser geht, und generell irgendwelche Kommentare zu meiner Situation fand ich super nervig. Genauso intensives Fragen nach dem wieso weshalb warum meiner Situation und Versuche, mich zum Reden zu bringen. Das macht mich jetzt noch agressiv, wenn ich daran denke.

    So lange der Freund/die Freundin aber einfach akzeptiert hat, dass es mir scheiße geht ohne es irgendwie kommentieren zu müssen, hat mir Kontakt gut getan.

  9. Addict Avatar von Knadiskuh
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    ich freue mich, wenn ich mich mal mit anderer leuten problem(ch)en beschäftigen kann. also ich freue mich, wenn mich leute um rat bitten. das erfüllt zweierlei zweck: erstens ablenkung und zweitens fühlt man sich wichtig.

  10. Ureinwohnerin Avatar von clubby
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Zitat Zitat von Caly Beitrag anzeigen
    Ich fands in meiner allerschlimmsten Zeit immer gut, noch Dinge von außen mitzukriegen. Also sehr wohl einfach Geplänkel zu lesen, Zeug aus dem Alltag meiner Freunde, meinetwegen Fotos vom Wocheneinkauf. Da muss man sich nicht irrsinnig mit befassen und ist trotzdem noch ein bisschen Teil des Lebens, das hat mir geholfen, mich nicht so alleine zu fühlen (reale Menschen um mich rum konnte ich nämlich nicht so gut aushalten).
    so.

    und mir wäre noch wichtig zu wissen, dass ich nicht reagieren muss und keine erwartung an mich gestellt wird. auch lieb gemeinte nachfrage oder angebote können zu stress führen und man/ich wünsch(t)e mir dann, mich nur noch ungesehen verkriechen zu können.

    mmn bist du eine recht einfühlsame freundin und deine angebote und ein ehrliches nein-sagen- dürfen ohne erklärung wichtig. nicht das telefongespräch aufdrängen, nicht permantent einen besuch anbieten wollen, sondern zu signalisieren, da zu sein, egal für was.

    manchmal lösen schon einfache angebote stress aus, wenn man (ich) in bedrängnis kommt, wie lehne ich dieses superliebe angebot ab, ich will einfach raus sagen dürfen, ich möchte nicht, ist mir zu viel, ohne rechtfertigung.
    Geändert von clubby (14.11.2019 um 16:38 Uhr)

  11. Fresher Avatar von Sandsilber
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Vielen Dank, ihr helft mir sehr. Sehr gut zu wissen dass der Tenor ist, ruhig aus dem Alltag zu erzählen und auch eigene Probleme anzusprechen. Das fällt mir zugegebenermaßen echt nicht leicht, gerade meine Alltagssorgen kommen mir so banal vor im Vergleich zu ihrer Situation. Deshalb habe ich das bisher eher vermieden.
    Wir schreiben zur Zeit mehr, früher haben wir aber eigentlich nicht geschrieben sondern uns getroffen und telefoniert, aber auch immer schon mit längeren Pausen und dann aber sehr intensiv. Schreiben scheint aber besser zu klappen. Ich finde es nur schwierig, weil es halt oberflächlicher bleibt und ich das Gefühl habe, gar nicht mehr viel von ihr mitzubekommen.

    Aber durch eure Antworten ist mir auch noch mal bewusst geworden, dass ich wahrscheinlich zu sehr über sie und wie es ihr geht, wie es weitergehen soll etc. reden möchte und sie wahrscheinlich nicht. Mit Tipps belästige ich sie nicht, aber ich bin halt schon echt besorgt. Das muss ich wohl mehr für mich behalten.

  12. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
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    AW: Wie mit depressiver Freundin umgehen

    Ich finde auch Infos aus dem Alltag gut, oder vielleicht auch Kinderfotos oder sowas. Müssen ja auch nicht Probleme sein...
    Und grundsätzliches Verständnis dafür, dass man es teilweise vielleicht nicht schafft, zu antworten. So war das bei mir viel, mich überfordert es schon teilweise, wenn hier im Forum ein Thread oder ne Gruppeplötzlich explodiert, dann mach ich den Tab vorsichtshalber gar nicht mehr auf
    Und so ähnlich dümpeln dann auch Nachrichten oder Mails rum.
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


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