+ Antworten
Seite 2 von 5 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 40 von 82
  1. Member Avatar von hiwi
    Registriert seit
    15.12.2013
    Beiträge
    1.072

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Bitte nicht zitieren.
    Ich komme aus ehemaligem DDR-Establishment, beide Großvater waren Professoren, eine Oma durfte deswegen nicht studieren und hat immer unter ihren Möglichkeiten gearbeitet, das aber auch nicht lange, weil sie ja nicht musste, weil Professoren-Gattin. Die andere Oma war studiert, war allerdings sehr "auf Linie". Von meinem Standpunkt aus würde ich es als staatstreues Ost-Bildungsbürgertum beschreiben.

    Meine Eltern und alle deren Geschwister würde ich als klassische Wendeverlierer beschreiben, mit mal mehr mal weniger extremen Spitzen, aber der Trend ging bei ihnen definitiv bergab.

    Bei mir, hm, in mir steckt iwie beides. Ich habe ne Ausbildung gemacht, und studiere jetzt nochmal.
    Leider habe ich keine Geschwister oder andere Familienmitglieder meines Alters, das wünsche ich mir manchmal sehr..

  2. Addict Avatar von Sakamoto
    Registriert seit
    30.09.2015
    Beiträge
    2.415

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Ich würde spontan sagen untere Mittelschicht.
    Meine Eltern haben beide Hauptschulabschluss mit Ausbildung. Meine Mutter ist nach meiner Geburt L zuhause geblieben bis ich 11 war, obwohl mein Vater (jedenfalls nach Meinung meiner Eltern) gar nicht so gut verdient hat. Ich bin im Haus in der klassischen Neubausiedlung auf dem Dorf aufgewachsen, das war aber immer auch geprägt vom unterschwelligen "wir haben kein Geld", "du sollst es mal besser haben als wir" und einem imho ziemlich ausgeprägten Sozialneid gegenüber leuten, die oft in urlaub fahren sowie einer Art Fähigkeitsneid gegenüber denjenigen, die zum Beispiel selbst renovieren etc.

    Ich bin die erste in der Familie, die ein Studium abgeschlossen hat und mir wurde da auch nie was ausgeredet oder so. Allerdings haben meine Eltern immer sehr überdeutlich betont, dass sie mir ja nicht helfen können (außer finanziell), weil sie sich ja mit nichts auskennen und ich glaube, sie haben / hatten irgendwie so eine komische Erwartung dass bessergestellte Leute ihren Kindern bei den Hausarbeiten im Studium helfen oder so.

    Ich merke oft, dass ich mit Leuten aus so klassischen Akademikerfamilien oder dem, was ich dafür halte, nicht so richtig klar komme, weil mir der ganze Habitus total fremd ist und mir auch viele Interessen tatsächlich fehlen, die ich fast als essentiell dafür einordnen würde.

  3. Member
    Registriert seit
    06.07.2016
    Beiträge
    1.012

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Von den Sinus-Milieus ausgehend würde ich sagen:

    Ich komme aus einem Elternhaus, dass sich (Großeltern waren Kaufleute / Metallbearbeitungsmeister in der Industrie) in die Bürgerliche Mitte gearbeitet hat (später evt sogar zu den Konservativ Etablierten). Sozialneid kenne ich aus dem Elternhaus nicht. Eher sowas wie: „Wer in Führung ist und entsprechende Möglichkeiten hat, muss die Verantwortung für schlechter Gestellte übernehmen.“

    Und ich habe mich dann selber auf der Grafik nach Rechts nach Adaptiv-Pragmatisch bewegt.

    Allerdings auch mit Merkmalen aus anderen Milieus: hohe IT- / Technik-Affinität, „Wissenschaftsgläubigkeit“, global-ökonomisches Bewusstsein für bestimmte Themen, ohne aber besonderes Elitendenken oder starken Leistungsgedanken/Aufstiegswillen.

    Einen Aufstiegswillen hab ich eigentlich gar nicht. Abstiegsängste auch nicht. Ich will nur am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein um meine Fähigkeiten bestmöglich bei der Lösung bestimmter eingegrenzter praktischer Probleme einzubringen. (Tendenziell sowas wie Mitarbeit bei einem Team von Leuten die ihre Zeit dem LKW Außenspiegel Problem widmen und den toten Winkel reduzieren. Fiktives Bsp jetzt. Das ist es nicht.)
    Geändert von Pinkmelon (18.11.2019 um 14:29 Uhr)

  4. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
    Registriert seit
    07.05.2014
    Beiträge
    21.293

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Bei mir ist es voll schwierig zu sagen...

    Meine Urgroßeltern mütterlicherseits waren alle Bauern. Mein Opa hat mit 14 die Volksschule abgeschlossen und dann aber eine Lehre bei der Stadt im Finanzbereich gemacht und war dann sein Leben lang Beamter (und entsprechend gut versorgt).
    Meine Oma hat das Gymnasium besucht (ich weiß gar nicht, ob sie es abgeschlossen hat, da war Krieg...) und ihnen war dann auch die Ausbildung meiner Mutter und Tante wichtig. Meine Tante hat allerdings kein Abitur gemacht, sondern eine Lehre (also, gezwungen wurden sie offenbar auch nicht).

    Meine Mutter hat dann studiert und während des Studiums auch ein Auslandsjahr in England gemacht.
    Reich waren sie allerdings auch nicht, meine Mutter hat immer während des Studiums gearbeitet und jetzt nicht nur für Taschengeld, aber mit Wirtschaftswunder und gut verzinsten Sparbüchern hatten sie auch keine finanziellen Sorgen.


    Mein Großvater väterlicherseits war Konditor in Vietnam, allerdings wirklich beliebt. Ganz genau weiß ich es nicht, aber es gab wohl ne Hausangestellte und er konnte zwei Söhne zum Studium nach Europa schicken.
    Mein Vater hat dann entsprechend hier studiert und promoviert. Bei seinem ersten Job war er schon Mitte 30, da war meine Mutter schon Lehrerin (und wohl auch verbeamtet?) und dann ging es den beiden finanziell recht bald ziemlich gut.

    Also... Bürgerlich trifft es schon ganz gut bei mir, glaube ich, für gutbürgerlich is zu viel Migrationshintergrund
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


    Klamotten || Bücher

    wubbalubbadubdub.
    ʕ•͡ᴥ•ʔ

  5. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
    Registriert seit
    07.05.2014
    Beiträge
    21.293

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Zitat Zitat von Sakamoto Beitrag anzeigen
    ich glaube, sie haben / hatten irgendwie so eine komische Erwartung dass bessergestellte Leute ihren Kindern bei den Hausarbeiten im Studium helfen oder so.
    Das finde ich irgendwie niedlich

    ich muss sagen - ich versteh den Gedanken, dass man als Akademikerkind besser weiß, was abgeht, aber ich war als Ersti absolut ahnungslos. Von der Einschreibung bis zum Prüfungsamt hab ich mich nur irgendwie durchgewuselt. Vielleicht, weil alle gedacht haben, dass ich das schon wissen werde? Ich weiß auch gar nicht, ob meine Eltern mir da hätten helfen können, als ich angefangen hab, war deren Studiumserfahrung ja auch schon Jahrzehnte alt...

    Also, ja, ein paar Sachen bringt man "von Haus aus" vielleicht mit, aber wirklich praktische Hilfe hatte ich nun nicht unbedingt.
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


    Klamotten || Bücher

    wubbalubbadubdub.
    ʕ•͡ᴥ•ʔ

  6. V.I.P. Avatar von gewitter
    Registriert seit
    28.06.2012
    Beiträge
    18.222

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Die Vorstellung ist wirklich süß!

    Aber ich glaube schon, das studierte Eltern eher sowas sagen können, wie „Mach erstmal, wenn’s nicht passt studierst du halt noch mal was anderes.“ Oder ne Vorstellung davon haben, dass nur zwei Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht nicht bedeutet, dass man nix macht. Oder eben nicht irritiert sind, dass man ein paar Jahre nix (wesentliches) verdient. Und ich glaube schon, dass das ne andere Sicherheit geben kann.
    "Es gibt keine harmlosen Zivilisten."

  7. Member Avatar von sommerlinde
    Registriert seit
    29.03.2016
    Beiträge
    1.831

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Zitat Zitat von luxuspanda Beitrag anzeigen
    Ich weiß auch gar nicht, ob meine Eltern mir da hätten helfen können, als ich angefangen hab, war deren Studiumserfahrung ja auch schon Jahrzehnte alt...
    Bei mir waren selbst die Erwachsenen im weiteren Umfeld nutzlos, da zwischen ihrem und meinem Studium ein absoluter Systemwechsel stattfand.

    @großbürgerlich: Das verbinde ich mit selbstverständlichem Grundbesitz, Eigentümerschaft an einem Unternehmen (oder mindestens ererbte Teilhaberschaft) und finanzieller Sorglosigkeit. Alles zusammengerechnet ein Gesamtvermögen im 8stelligen EUR- Bereich.
    Die Neureichen prahlen mit ihrem Moet, die gesetzteren üben sich im Mäzenatentum für klassische Kunst.
    Zitat Zitat von Paul Ziemiak
    Die AfD (ist) nicht unser Partner, sondern unser entschiedener Gegner.
    Unser christdemokratischer Kompass zeigt uns, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht verantwortbar und nicht möglich ist. Die AfD will ein anderes, ein dunkleres, ein kälteres Deutschland. CDU und CSU wollen ein besseres Deutschland. Konrad Adenauer hatte recht: "Wer wirklich demokratisch denkt, muss Achtung vor dem anderen, vor dessen ehrlichem Wollen und Streben haben."

  8. Alter Hase Avatar von SarahYasemin
    Registriert seit
    29.02.2012
    Beiträge
    7.557

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Irgendwie finde ich das einen merkwürdigen Thread.
    geht doch adorno lesen, ihr lauchs!

  9. Member
    Registriert seit
    06.07.2016
    Beiträge
    1.012

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Oder ne Vorstellung davon haben, dass nur zwei Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht nicht bedeutet, dass man nix macht.
    Hmm... war bei uns eher kontraproduktiv. Mein Vater dachte durch sein Studium, wo sich offensichtlich 4 Semester Veranstaltungen durch 1 Semester Repetitor Abends ersetzen ließen, ich könne doch problemlos nebenbei Vollzeit arbeiten...

  10. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
    Registriert seit
    07.05.2014
    Beiträge
    21.293

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen
    Aber ich glaube schon, das studierte Eltern eher sowas sagen können, wie „Mach erstmal, wenn’s nicht passt studierst du halt noch mal was anderes.“ Oder ne Vorstellung davon haben, dass nur zwei Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht nicht bedeutet, dass man nix macht. Oder eben nicht irritiert sind, dass man ein paar Jahre nix (wesentliches) verdient. Und ich glaube schon, dass das ne andere Sicherheit geben kann.
    Das mit dem Verdienst ist wohl so, den Rest kann ich wirklich absolut nicht bestätigen.
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


    Klamotten || Bücher

    wubbalubbadubdub.
    ʕ•͡ᴥ•ʔ

  11. Addict Avatar von juno_
    Registriert seit
    20.07.2015
    Beiträge
    2.009

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Ich habe auch als Arbeiterkind studiert und habe schon auf dem Gymnasium gemerkt, dass MitschülerInnen mit anderen Hintergründen einen Wissensvorsprung hatten, was so Organisatorisches anging. Sei es die Wahl der Leistungskurse oder allgemein das System in der Oberstufe (kein Klassenverband mehr, Kurse, Punkte statt Noten). Beim Studium zog sich das weiter durch, Studienwahl, Immatrikulation, Semesterferien (wie kann man dauernd 3 Monate frei haben??). Meine Eltern haben mich demzufolge alles allein entscheiden lassen, einerseits weil sie mir vertraut haben, andererseits aber eben auch, weil das alles schlicht komplett an ihren Erfahrungen und ihrer Lebensrealität bis dahin vorbeiging. Da habe ich bei anderen schon deutlich anderes mitbekommen, von "Mein Vater sagt, ich soll Latein statt Spanisch wählen" bis "Ich studiere nur, weil meine Eltern das wollen."

  12. Regular Client Avatar von das hotel
    Registriert seit
    01.12.2004
    Beiträge
    3.526

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Ok, das ist vielleicht echt auch ein Ost-West-Ding...? Weder meine noch die Eltern irgendwelcher Klassenkameraden wussten über solche Dinge Bescheid. Woher auch. Aber na und? So wahnsinnig kompliziert fand ich das eigentlich nicht mit den Leistungskursen und dem Punktesystem etc, dass man da Hilfe von den Eltern braucht.

    Genauso im Studium. Stimmt, meine Eltern wussten da nix drüber, aber ich hab das nie als Nachteil empfunden, weil ich das sowieso nie erwartet hätte, dass sie mir da weiter helfen. Ich mein, selbstständig Dinge geregelt kriegen gehört doch irgendwie zum Studium dazu?

    Was anders ist natürlich das grundsätzliche Verständnis dafür, dass ein Studium anders abläuft als eine Ausbildung. Also was finanzielle Unterstützung etc angeht. Oder überhaupt, dass die Eltern diese Entscheidung generell unterstützen. Wenn das fehlt, macht es das Ganze schon schwieriger, klar.

  13. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
    Registriert seit
    25.01.2002
    Beiträge
    22.797

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    (bitte nicht zitieren)

    ich habe weitestgehend einen bildungsbürgerlichen hintergrund.

    meine eltern haben beide studiert und auch erstmal in dem studium entsprechenden berufen gearbeitet. meine mutter hat mit der lohnarbeit aufgehört als sie meinen vater geheiratet hat und zu ihm gezogen ist. sie hat dafür viel ehrenamtliches gemacht und dafür, meine ich, an manchen stellen auch eine kleine aufwandsentschädigung erhalten, aber das waren keine wesentlichen summen. finanziell waren sie teil der gut abgesicherten mittelschicht. sie konnten, durch das beamtengehalt meines vaters und gewisse zuschüsse seitens seiner eltern, in einer recht günstigen, ländlichen gegend ein grundstück kaufen und darauf bauen, das haus nach und nach etwas hochwertiger einrichten (maßküche statt der anfänglich erstmal reingestellten sachen aus studienzeiten etc.) und 1-2 mal pro jahr günstig bis mittelpreisig urlaub machen.

    meine großeltern väterlicherseits waren teil des gehobenen bürgertums. beide studiert, er arbeitete als ingenieur, sie bildete sog. höhere töchter als privatschülerinnen in sachen haushaltsführung und leben als dame in der gesellschaft aus. sie hatten ein schönes und gehoben eingerichtetes haus mit garten in einem der etwas besseren viertel in einer kleineren großstadt. mein vater war ihr einziges kind.

    bei meinen großeltern mütterlicherseits war es schwieriger. der opa konnte zwar auch studieren und nach abschluss noch eine weile in seinem studierten beruf arbeiten (ebenfalls ingenieur) und ein haus bauen, mit ausbruch des zweiten weltkriegs war das aber passé und sie konnten froh sein, dass er nicht deportiert wurde. von meiner oma weiß ich nur, dass sie aus einer ostpreußischen familie stammte, aber nicht, welchem milieu die familie zuzurechnen war oder ob sie überhaupt irgendeine art von berufsausbildung gemacht hat. die großeltern sind jedenfalls, gemeinsam mit ihren drei kindern, noch in den 50ern von ostberlin aus nach nrw gegangen und mussten dort als familie noch mal ganz klein anfangen. der opa hat zunächst in irgendeiner fabrik am fließband gearbeitet, die kinder mussten im wald pilze und brennholz sammeln. ich weiß gar nicht, ob mein großvater überhaupt jemals wieder in seinem ursprünglichen beruf gearbeitet hat, aber das geld war seitdem auf jeden fall immer eher knapp.

    ich selbst habe studiert und bin von meiner aktuellen einkommenssituation her normale mittelschicht, habe aber keine so grade einkommensbiografie wie meine eltern und bin finanziell, sozial und rechlich schlechter abgesichert als sie. das hängt zu einem guten teil mit den veränderten gesammtgesellschaftlichen und gesamtwirtschaftichen verhältnissen und auch mit den agenda-sozialreformen zusammen. bei mir hat das, in kombination mit meinen persönlichen umständen, allerdings dazu geführt, dass ich wesentlich weniger gut abgesichert bin als meine eltern und schon häufiger echte existenzsorgen gehabt habe, als ich das bei freunden mit vergleichbarer herkunft beobachtet habe. nichtsdestotrotz ist mir klar, dass es mir mein familiärer hintergrund an machen stellen einfacher gemacht hat an ein bestimmtes ziel zu kommen.
    love is a litany, a magical mystery

  14. Member
    Registriert seit
    06.07.2016
    Beiträge
    1.012

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Meine Eltern wussten auch nix über Leistungskurse und Punkte. [Rest gekürzt]
    Geändert von Pinkmelon (18.11.2019 um 17:24 Uhr)

  15. Enthusiast Avatar von jadore
    Registriert seit
    16.12.2006
    Beiträge
    822

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    ich komme aus der oberen mittelschicht, meine eltern sind aber aufsteiger (kommen aus eher kleinbürgerlichen verhältnissen).
    ökonomisch werde ich höchstwahrscheinlich absteigen, mein berufsfeld gehört nicht gerade zu denjenigen, in denen man kohle machen kann. was den habitus angeht, würde ich mich einem künstlerischen/intellektuellen milieu zuordnen, bin in hinsicht auf kulturelles kapital eher aufgestiegen.

  16. Ureinwohnerin Avatar von luxuspanda
    Registriert seit
    07.05.2014
    Beiträge
    21.293

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Ach so, im Vergleich zu meinen Eltern bin ich auch abgestiegen, schon allein durch jahrelange Krankheit und dadurch ordentlichem Bruch im Lebenslauf.

    Jochen kommt übrigens auch aus nem Elternhaus mit Migrationshintergrund und Studium und hat auch nen durchbrochenen Lebenslauf und wir sind Mitte 30 und besitzen immer noch kein Eigenheim...
    "Ich verlange nicht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten,
    aber ich will auf seiner Höhe sein können, wenn es schwierig wird." (Camus)


    Klamotten || Bücher

    wubbalubbadubdub.
    ʕ•͡ᴥ•ʔ

  17. Alter Hase Avatar von Bibliophilia
    Registriert seit
    04.07.2011
    Ort
    Ruhrgebiet
    Beiträge
    7.204

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    klassische Arbeiterschicht, durchweg bergbaugeprägt.

    Großeltern alle im 2. WK geboren, wenig Schule, nach Kriegsende geflohen (die einen aus Ostpreußen, die anderen aus Bratislava), Treffpunkt Ruhrgebiet. Beide Opas Bergmänner, der eine hat sich hochgearbeitet, obwohl er nie regulär zur Schule gegangen ist, der andere Opa hat dann umgeschult zum Schreiner irgendwann.
    Omas erst Schneiderin und Krankenschwester, dann ab Geburt des ersten Kindes (jeweils sehr früh) Hausfrauen.
    Mein Vater hat keinen Schulabschluss, meine Mutter Abitur. Beide arbeiten im Handwerk (mit abgeschlossener Ausbildung), in prekären Verdienstverhältnissen. Hätten sie nicht das Haus meiner Großeltern geschenkt bekommen, sähe es finanziell echt düster aus.

    Ich habe Abitur, studiert und bin nun Lehrerin. Trotzdem merke ich im Gespräch mit Anderen immer noch sehr deutlich die Unterschiede in der sozialen Herkunft. Was für viele so ganz selbstverständlich ist (im Ausland gewesen zu sein, finanzielle Unterstützung im Studium durch die Eltern, absurd teure Geschenke (also für mein Empfinden absurd) und dabei auch einfach eine Erwartungshaltung, die da durchscheint), einfach weil sie es so gewohnt sind.

    Für mich ist z.B. immer selbstverständlich gewesen, meine Eltern nie niemals nach Geld oder anderer materieller Unterstützung zu fragen. Ich hatte meine Studiengebühren zusammengespart, bevor ich das Abitur gemacht habe. Sonst hätte ich nicht studiert. Das gleiche mit dem Führerschein. Ich habe Jahre vorher angefangen das Geburtstagsgeld und die Erlöse von Ferienjobs für den Führerschein zu sparen, weil ich nicht die Erwartung hatte, dass meine Eltern mir das bezahlen würden.

    Und das finde ich eigentlich gut. Jetzt geht es mir finanziell aber ungleich besser als meinen Eltern, meine Kinder zu unterstützen, werde ich mir vermutlich gut leisten können und ich muss dann irgendwie die Kurve kriegen, keine biestige: „Ich musste mir auch alles selbst erarbeiten und mir hat es auch nicht geschadet, ihr verwöhnten Gören!“-Mutter zu werden.
    Geändert von Bibliophilia (18.11.2019 um 18:32 Uhr)

  18. Fresher Avatar von Pudelclub
    Registriert seit
    20.06.2014
    Beiträge
    209

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Meine Mutter kommt aus einer eher armen Arbeiterfamilie (Vater Hafenarbeiter, Mutter Hausfrau), mein Vater eher aus der gehobenen Mittelschicht (Vater hatte ein eigenes Unternehmen, Mutter war aus Hausfrau mit vielen Ehrenämtern). Das wurde dann auch so fortgesetzt - meine Mutter hat nur Hauptschulabschluss und ist sehr früh komplett Hausfrau geblieben, mein Vater hat studiert und war dann lange in Führungspositionen tätig.

    Ich habe auch studiert, genau wie meine Geschwister und auch Cousinen / Cousins. Weder Auf- noch Abstieg.

    Bei meinem Partner ist es fast schon erschreckend ähnlich.

  19. Ureinwohnerin Avatar von Chisa
    Registriert seit
    25.01.2002
    Beiträge
    22.797

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Zitat Zitat von das hotel Beitrag anzeigen
    .

    ich weiß glaub ich was du meinst. aber ich denke, es geht auch bei so organisatorischen sachen weniger darum, dass die eltern schon wissen, wie das oberstufensystem genau funktioniert (variiert ja auch von land zu land und teilweise von schule zu schule) oder selbst mal bafög bezogen haben. sondern darum, ob sie ein grundsätzliches gefühl dafür haben, wie bestimmte dinge funktionieren, dass es bei dieser und jener frage doch sicherlich möglichkeiten geben wird das zu regeln, selbst wenn man das geld von haus aus nicht hat etc. und

    ich finde zwar schon auch, dass es zu einem studium und allgemein zum erwachsen werden dazugehört, dinge nach und nach selbstständig geregelt zu kriegen. aber wenn ich z.b. an eine freundin von mir denke, die die erste in ihrer familie mit abitur ist und etwas studieren wollte (und auch studiert hat), dass sie nicht wohnortnah studieren konnte. die musste erstmal selbst recherchieren, welche finanzierungsmöglichkeiten es gibt, die ausreichend sind als dass sie davon auch miete zahlen kann. das war zu der zeit, prä internet, wenige bis keine auf arbeiterkinder zugeschnittene beratungsangebote, nicht so einfach, aber nötig, weil ihre eltern, die grundsätzlich hinter dem studiumswunsch ihrer tochter standen, wirklich dachten "das geht doch nicht, wie sollen wir das bezahlen?". und natürlich ist die wahrscheinlichkeit, dass die eltern drauf kommen, dass es da doch bestimmt eine lösung für gibt, höher, wenn sie, dadurch dass sie selbst mal in dem bereich unterwegs waren, ein gewisses gefühl für den bereich und das umfeld haben. und das ist natürlich, je nachdem, ein startvor- oder nachteil gegenüber denen, die da anders aufgestellt sind. der muss sich ja nicht in jedem fall bis zum ende durchsetzen. aber ein vor- oder nachteil ist es schon.

    wie stark sich insofern der systemumbruch im osten als egalisierer ausgewirkt hat, kann ich nicht beurteilen, kann mir aber schon vorstellen, dass die unterschiede in der herkunft sich dadurch weniger stark ausgewirkt haben.
    Geändert von Chisa (18.11.2019 um 16:57 Uhr)

  20. Member Avatar von sommerlinde
    Registriert seit
    29.03.2016
    Beiträge
    1.831

    AW: Aus welchem sozialen Milieu stammt ihr?

    Zitat Zitat von Chisa Beitrag anzeigen
    aber wenn ich z.b. an eine freundin von mir denke, die die erste in ihrer familie mit abitur ist und etwas studieren wollte (und auch studiert hat), dass sie nicht wohnortnah studieren konnte. die musste erstmal selbst recherchieren, welche finanzierungsmöglichkeiten es gibt, die ausreichend sind als dass sie davon auch miete zahlen kann. das war zu der zeit, prä internet, wenige bis keine auf arbeiterkinder zugeschnittene beratungsangebote, nicht so einfach, aber nötig, weil ihre eltern, die grundsätzlich hinter dem studiumswunsch ihrer tochter standen, wirklich dachten "das geht doch nicht, wie sollen wir das bezahlen?".
    ja, sowas. Oder das man ca. 2 Jahr or einem Erasmus-Aufenthalt anfangen muss zu organisieren und dahe schon als Erstsemester sich Unterstützungsschreiben vom Prof holt. Ich dachte sowas bekommen nur die Topstudenten und hab es nicht versucht. Mittlerweile gehe ich davon aus, dass ich diese Schreiben auch bekommen hätte.

    Zitat Zitat von Chisa Beitrag anzeigen
    wie stark sich insofern der systemumbruch im osten als egalisierer ausgewirkt hat, kann ich nicht beurteilen, kann mir aber schon vorstellen, dass die unterschiede in der herkunft sich dadurch weniger stark ausgewirkt haben.
    In der DDR selbst war die Studienorganisation eher starr, fast schon verschult. Das ging soweit, dass die Seminargruppen im gleichen Wohnheim gewohnt haben. (Und nein WGs gab es nicht.) Und alle haben das gleiche Stipendium bekommen. Zuschläge gab es für Offiziersanwärter und für die besten Studenten (Leistungsstipendium).

    Ausgesiebt wurde vorher beim Zugang zum Abitur Marker: Ideologische Zuverlässigkeit/Anpassung.
    Und bei Männern nochmal via Armeezeit (3 Jahre statt 1,5 erhöhte die Chance, das Wunschstudum zu bekommen).

    Wenn man bereit war sich ideologisch unafällig zu verhalten und zu den üblichen Gelegenheiten den Gesnerhut zu grüßen, war man Teil einer egalitären Masse. Bevorzugungen gab es defacto nicht, aber mehr Behinderungen (v.a. bei nicht angepassten Verhalten).
    Zitat Zitat von Paul Ziemiak
    Die AfD (ist) nicht unser Partner, sondern unser entschiedener Gegner.
    Unser christdemokratischer Kompass zeigt uns, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht verantwortbar und nicht möglich ist. Die AfD will ein anderes, ein dunkleres, ein kälteres Deutschland. CDU und CSU wollen ein besseres Deutschland. Konrad Adenauer hatte recht: "Wer wirklich demokratisch denkt, muss Achtung vor dem anderen, vor dessen ehrlichem Wollen und Streben haben."

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •