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  1. Fresher Avatar von rauschgold
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    Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Wenn im Arbeitsvertrag keine Regelung zu Überstunden getroffen wurde: Wann ist man verpflichtet, welche zu machen und ist der Arbeitgeber verpflichtet sie auch zu bezahlen? Wie sieht es aus, wenn man 'freiwillig' länger macht, weil man einfach zu viel zu tun hat?
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  2. Alter Hase Avatar von Waermflasche
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Was steht denn im Arbeitsvertrag zu deinen regulären Arbeitszeiten (festgelegte Anfangs- und Endzeiten, Gleitzeit)? Ist der Arbeitgeber tarifgebunden? Dann ist das möglicherweise durch den Tarifvertrag geregelt. Wenn nicht, gibt es eine Betriebsvereinbarung oder interne Regelung deines Arbeitgebers dazu?
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  3. Member Avatar von sommerlinde
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Wenn TV, betriebliche Vereinbarung nicht existieren, dann greifen die §§ 611, 611a, 612 BGB.

    Daraus folgt, dass Überstunden zu bezahlen sind. Dies gilt natürlich nur, wenn die Überstunden erforderlich sind. Im Zweifelsfall muss nachgewiesen werden, dass die Überstunden erforderlich sind. Es ist dabei hilfreich, wenn de AN sicherstellt, dass der AG davon weiss. Sowohl erhöhter Arbeitsanfall als Sonderfall (z.B. Extrawunsch eines Kunden) als auch strukturelle/chronische Überlastung (mehr Arbeit zugewiesen als machbar) sind dem Vorgesetzten zur Kenntnis zu bringen. Er muss die Chance haben die Überstunden zu vermeiden.
    Zitat Zitat von Paul Ziemiak
    Die AfD (ist) nicht unser Partner, sondern unser entschiedener Gegner.
    Unser christdemokratischer Kompass zeigt uns, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht verantwortbar und nicht möglich ist. Die AfD will ein anderes, ein dunkleres, ein kälteres Deutschland. CDU und CSU wollen ein besseres Deutschland. Konrad Adenauer hatte recht: "Wer wirklich demokratisch denkt, muss Achtung vor dem anderen, vor dessen ehrlichem Wollen und Streben haben."

  4. Fresher Avatar von rauschgold
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Im Arbeitsvertrag stehen halt 40 Std. die Woche und wir haben Kernarbeitszeit von 9.00. - 16.00 Uhr. Keine Tarifbindung und eher ein kleines Unternehmen.

    Die Aussage meines Chefs ist immer: SELBSTVERSTÄNDLICH werden Überstunden bezahlt. Und dann kommt das ABER: Wir haben eine Stundenerfassung und tracken die Arbeit minutengenau. Jede Aufgabe hat ein Stundenbudget, was aber einfach nie eingehalten werden kann. Tja und jede überbuchte Minute wird von den Überstunden angezogen. "Sollte" man es trotzdem schaffen, danach noch Überstunden zu haben, gelten die aber erst ab 6 Std./Monat. Der Rest verfällt.

    Ich find das eine dumme Regelung und versuche immer nie viel mehr als meine 40 Std. zu machen, da ich eh keine Chance habe, irgendwas bezahlt zu bekommen. Gleichzeitig jammert der Chef einem direkt und indirekt die Ohren voll, dass man ja wohl auch Mal länger bleiben kann. Prinzipiell kein Problem, ich will den Stapel an Arbeit auch loswerden, aber verschenken tu ich meine Zeit auch nicht, damit der Chef sich ne neue dicke Karre vors Haus stellen kann.

    Er findet seine Regel natürlich total fair und toll. Ist das überhaupt rechtens? Er hat in diversen Kontexten schon Sachen gebracht, die sich dann rechtlich gar nicht durchsetzen ließen.
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  5. Alter Hase Avatar von Waermflasche
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Du schuldest dem Arbeitgeber die im Arbeitsvertrag vereinbarte Leistung, in deinem Fall also 40 Stunden pro Woche. Ihr habt eine Kernarbeitszeit von 7h, da sind hohe Abweichungen eigentlich nicht vorgesehen. Wenn du an einem Wochentag 1h länger bleibst und dafür am nächsten Tag 1h früher gehst, kein Thema. Das würde unter die Gleitzeitregelung fallen. Deine Schilderung klingt aber nicht danach.

    Wichtig wäre meiner Meinung nach zu differenzieren zwischen länger bleiben und angeordneten Überstunden. Letztere muss der Arbeitgeber schriftlich anordnen. Dabei darf er die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes nicht überschreiten. Die geleisteten Überstunden muss er dir entweder vergüten oder dir dafür einen Freizeitausgleich gewähren. So viel zur Theorie. Die Realität sieht in den Betrieben aber eher so aus wie bei dir: Forderung der regelmäßigen Überschreitung der regulären individuell vereinbarten Arbeitszeit ohne diese als Überstunden zu deklarieren.

    Steht das mit dem Verfall der Überstunden innerhalb eines Monats und die Abgeltung von 6 Stunden pro Monat mit dem Gehalt eigentlich auch in deinem Arbeitsvertrag? Ersteres wäre falsch. Der Arbeitgeber muss dir einen angemessenen Zeitraum (mindestens 3 Monate) zugestehen, in dem du die Überstunden abbauen kannst. Erst danach dürfen sie verfallen. Zweiteres wäre im Rahmen des Möglichen, wenn die Formulierung im Arbeitsvertrag deutlich macht, dass der Arbeitgeber dir maximal 6 Überstunden im Monat anordnen darf und du als Arbeitnehmerin von dieser Regelung im Ganzen betrachtet nicht unangemessen benachteiligt wirst.
    Geändert von Waermflasche (05.12.2019 um 22:08 Uhr)
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  6. Fresher Avatar von rauschgold
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Danke!

    Also, so lange nur lautstark mehr Engagement gefordert, aber nichts angeordnet wird, müsste eigentlich gar nichts bezahlt werden?

    Ich denke, in dem Fall, werde ich weiterhin, darauf achten, mich nicht noch über die Arbeitszeit hinaus krumm zu machen.
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  7. Alter Hase Avatar von Waermflasche
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Genau. Du stehst im Falle eines Rechtsstreits als Arbeitnehmerin in der Beweispflicht, dass der Arbeitgeber seiner Verpflichtung, dich für die Überstunden zu entlohnen, nicht nachkommt. Eine mündliche Aufforderung kannst du nicht nachweisen. Selbst das Aufschreiben der Überstunden oder des Arbeitens über die vereinbarte Zeit hinaus reicht im Zweifel nicht aus. Du solltest dir schriftlich bestätigen lassen, dass du sie geleistet hast und dass der Arbeitgeber davon Kenntnis hat.

    Solange dein Vorgesetzter dir die Überstunden nicht schriftlich anordnet, musst du auch keine machen. Selbst dann, wenn er sie dir anordnet, musst du sie noch nicht annehmen. Es müsste schon ein echter betrieblicher Notfall (eher eine Naturkatastrophe als ein dringend zu erledigender Kundenauftrag) vorliegen, dass der Arbeitgeber dir die Überstunden einseitig anordnen kann.

    Wenn du keine Überstunden machen möchtest, kannst du deinen Chef nochmal auf die vereinbarten Arbeitsstunden und -zeiten hinweisen und dann vorgehen, wie bisher. Wenn du nichts dagegen hast, Überstunden zu leisten, sie aber vergütet haben möchtest, lass sie dir schriftlich anordnen.
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  8. Member Avatar von sommerlinde
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Bist du im BR?
    Zitat Zitat von Paul Ziemiak
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  9. Fresher Avatar von Riddra
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    AW: Ihr seid doch immer so fit im Arbeitsrecht!

    Wenn es zu dem Thema keine Regelung in Form von einer BV oder einer Anmerkung im Arbeitsvertrag gibt, dann gilt das Gesetz. Es sei denn die BV und/oder der AV sind zu deinem Ungunsten formuliert; auch dann gilt das Gesetz.
    Nach dem deutschen Arbeitszeitgesetzt gibt es nur Überstunden. Diese müssen angeordnet und erfasst werden. Wenn ihr einen Betriebsrat habt, wovon ich mal nicht ausgehe laut deinen Informationen, muss dieser (in der Theorie) diesen Überstunden zustimmen. Wenn er ablehnt, bleibt es bei den 40 h.
    Wenn es zum Verfall keine Regelung gibt, dann gilt, meines Wissens nach, die 24-Woche-Frist. Innerhalb von 24 Wochen müssen Überstunden ausgeglichen werden.

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