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  1. Addict

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Ich muss beim Lesen dieses Threads irgendwie sehr an Porno-Adorno denken.
    "Mei Klubhaus isch bym."


    Wenn du die Bande zu mir kappen willst,
    werde ich nicht gewalttätig.

  2. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Naja Kulturindustrie. Muss ja.
    "Es gibt keine harmlosen Zivilisten."

  3. Get a life!

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen
    Naja Schmonzetten erfahren derzeit durchaus eine gewisse akademische Adelung.
    Ist das so? Mir fällt tatsächlich nur bridgerton ein und ich schaue ein sehr breites Spektrum an Serien. Natürlich spiegelt Popkultur auch Politik wider. Aber einerseits stimme ich Freitag zu, die Auswahl ist insgesamt sehr groß geworden (und deshalb gibt es natürlich für jedes Genre mehr). Und andererseits sehe ich bei dem Erfolg von bridgerton zb. ganz klar einen Bezug zur Pandemie. Ich schau z.b. aktuell lieber sowas wie bridgerton als Tschernobyl (obwohl ich wirklich vieles sehr gutes gehört hab), weil mir die eine reale Katastrophe (=Pandemie) völlig reicht und ich froh bin, irgendwo zu sein, wo es keine Katastrophe gibt. Und das schafft bridgerton ganz gut. Ich bin mir nicht sicher, dass bridgerton ohne Pandemie so einen breiten Zuspruch bekommen hätte. Dass man das eventuell nicht braucht, ist ja auch völlig ok, aber ist für mich nicht gleichbedeutend damit, dass man den generellen Zeitgeist nicht folgen kann.

    (Ich seh halt auch nach wie vor den Begriff „postfaktisch“ hier schlicht falsch angewandt. Es ist im Grunde so als würde ich sagen, Star Wars sei postfaktisch, weil Explosionen im All gehört werden können, weils halt cooler ist als ne stille Explosion. Ja, wäre im engsten Sinne wohl postfaktisch, aber völlig unnötig angewendet in meinen Augen. Ich finde es halt ein schlechtes Beispiel, wenn man tatsächlich sowas wie dieses Wort „postfaktisch“ diskutieren will. In der Regel glauben die Menschen, die sich an postfaktisches halten, auch ganz real an ihre gefühlten Wahrheiten. Sowas will bridgerton doch gar nicht.)

    edit: und nach wie vor stammt bridgerton aus dem jahr 2000 (und seitdem hat es auch schon ne breite fangemeinde).

    gmitsch gmatsch gmotsch

  4. Member

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von Schnelmi Beitrag anzeigen
    Ist das so? Mir fällt tatsächlich nur bridgerton ein und ich schaue ein sehr breites Spektrum an Serien. Natürlich spiegelt Popkultur auch Politik wider. Aber einerseits stimme ich Freitag zu, die Auswahl ist insgesamt sehr groß geworden (und deshalb gibt es natürlich für jedes Genre mehr). Und andererseits sehe ich bei dem Erfolg von bridgerton zb. ganz klar einen Bezug zur Pandemie. Ich schau z.b. aktuell lieber sowas wie bridgerton als Tschernobyl (obwohl ich wirklich vieles sehr gutes gehört hab), weil mir die eine reale Katastrophe (=Pandemie) völlig reicht und ich froh bin, irgendwo zu sein, wo es keine Katastrophe gibt. Und das schafft bridgerton ganz gut. Ich bin mir nicht sicher, dass bridgerton ohne Pandemie so einen breiten Zuspruch bekommen hätte. Dass man das eventuell nicht braucht, ist ja auch völlig ok, aber ist für mich nicht gleichbedeutend damit, dass man den generellen Zeitgeist nicht folgen kann.

    (Ich seh halt auch nach wie vor den Begriff „postfaktisch“ hier schlicht falsch angewandt. Es ist im Grunde so als würde ich sagen, Star Wars sei postfaktisch, weil Explosionen im All gehört werden können, weils halt cooler ist als ne stille Explosion. Ja, wäre im engsten Sinne wohl postfaktisch, aber völlig unnötig angewendet in meinen Augen. Ich finde es halt ein schlechtes Beispiel, wenn man tatsächlich sowas wie dieses Wort „postfaktisch“ diskutieren will. In der Regel glauben die Menschen, die sich an postfaktisches halten, auch ganz real an ihre gefühlten Wahrheiten. Sowas will bridgerton doch gar nicht.)

    edit: und nach wie vor stammt bridgerton aus dem jahr 2000 (und seitdem hat es auch schon ne breite fangemeinde).
    Auch wenn es von 2000 ist, könnte man ja immernoch fragen, warum es jetzt verfilmt wird, als Serie, bei Netflix, und warum es in der Art, wie es verfilmt wurde, gemacht wurde. Da kann man dann ja auch Kontinuitäten aufmachen, sei es zB via Marie Antoinette, was hier ja schon genannt wurde; ich finde es zB auch im Zusammenhang mit The Great interessant, weil das ja genau das macht, was hier bezüglich Bridgerton verneint wurde, also dass das das will: eine historische Figur (Marie Antoinette/Katharina die Große) wird herangezogen und in eine ahistorische Erzählung verwoben; die, so wäre meine These, weniger über die tatsächliche Geschichte erzählen will (und das jeweils aber so klar markiert, dass es eben nicht als Geschichtsklitterung oder Historienpropaganda eingeordnet werden könnte) sondern mehr über die jeweilige Jetztzeit. The Great sehe ich zB als Parabel auf Trump, durch und durch.
    Bei Bridgerton würde ich eher vermuten, das es eskapistische Bedürfnisse befriedigt, weniger Kommentar anbietet, was du bezüglich der Rezeption und Popularität im Bezug auf die Pandemie schreibst würde ich dann auch dahingehend interpretieren. (Und das Eskapistische Potential ist ja vllt auch bei der Buchvorlage um 2000 relevant für die Rezeption gewesen? Könnte ich mir vorstellen...)
    Geändert von mais (28.04.2021 um 22:36 Uhr)

  5. V.I.P.

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Oder es war nur eine Frage der Zeit bis der erweiterte Serienmarkt, wie hier schon schön beschrieben, die Schmonzette einfach endlich verfilmt.

    Mit Outlander hat das ja nun auch schon vor fünf? Jahren begonnen.

    Vielleicht war es einfach nur eine Frage der Zeit, bis ein sehr sehr erfolgreiches Buch Genre es auch auf dem Fernsehen schafft.
    Wichtige Aufklärung: https://www.clankriminalitaet.de

    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  6. Get a life!

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Ja, ich denke, dass ein Großteil des Erfolgs auf eskapismus beruht (deshalb sag ich ja, ich bin mir nicht sicher, dass es auch erfolgreich gewesen wäre, wären wir nicht aktuell alle in einer Pandemie gefangen). Ich würde sagen, das ist generell einer der Gründe, so ein Genre wie schmonzetten zu lesen (die enden in der Regel ja eigentlich auch immer mit Happy End) und deshalb ist es sicher auch kein Zufall, dass sowas gerade jetzt verfilmt wurde (das Bedürfnis danach wächst ja auch gefühlt aktuell auch bei jüngeren Generationen). Ich find es auch nach wie vor sehr legitim, das nicht zu mögen. Die entsprechenden bedürfnisse sind ja auch unterschiedlich ausgeprägt. Ich weiß nur nicht, ob ich bridgerton wirklich für einen aktuellen Zeitgeist repräsentativ finde (es sei denn natürlich, wir reden hier über was sehr kurzfristiges, aber wenn es schon um Musik der 2010er geht, dann ja scheinbar doch nicht).

    gmitsch gmatsch gmotsch

  7. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Das ist ja selbst im Film kein Genre dieses Jahrtausends. Ich muss da direkt an Sissi denken.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  8. Member

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Ich glaube das ist eine ganz passende Kontinuität, beides auch so ein ,Zwischen den Jahren‘-Ding... also Bridgerton als weltweites aktualisiertes Sissi-Derivat! (Sissi an Weihnachten ist ein recht deutscher Kult, oder? Oder gibt es das in anderen Ländern damit auch?)

  9. Stranger

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Ich hatte ja wegen deinem Wunsch nach mehr materialistischer Ideologiekritik nachgefragt. Das hatte mich gleich angesprungen, weil ich neulich etwas über new materialism gelesen habe und das ganz spannend fand. NM bezieht sich aber wohl eher doch auch auf den Poststrukturalismus, als auf den historischen Materialismus den du dann zitiert hast. Fände ich trotzdem interessant falls sich hier jemand damit auskennt, weil da eben auch der linguistic turn kritisiert wird und es wenn ich es richtig verstanden habe, um eine Auflösung des Anthropozentrismus geht und um die Beziehungen zwischen Menschen, Dingen, Umwelt, Tieren, Technologien usw.

    Aber zu deinem Thema: Ich habe das Gefühl du beschreibst eigentlich eher Trends oder? Zeitgeist würde ich irgendwie größer fassen, also Qualitätsserien als Phänomen und binge watching, nicht einzelne Formate. So gesehen klingt es eher so, als hättest du keine Lust mehr auf jeden Trend aufzuspringen, ist vielleicht auch eine ganz übliche Reaktion je älter man wird? Dass man die Hypes und die damit verbundene Aufregung nicht mehr so teilt oder sie einen einfach nicht mehr so packen können. Und das ist doch auch deshalb so, weil man in einigen Bereichen einfach die Dinge gefunden hat, die man mag. Mode zum Beispiel. Da bleibt man dann irgendwann mehr bei sich selbst und probiert weniger aus, nicht mal gar nicht, aber die Experimente finden in einem anderen Rahmen statt, der nicht mehr an Trends gekoppelt ist. Versteht man, wie ich das meine?

  10. Addict

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    ich kann seit 20 jahren mit der neuen, aktuellen mode nichts anfangen und höre zum Großteil die musik, die ich mit 16 gehört habe. die genannten serien kenne ich nicht weil ich keine große serienguckerin bin. gefragt, was ich dagegen tun kann, habe ich mich noch nie und habe es immer unter "Geschmack" verbucht. und ich fühle mich nicht so, als hätte ich mich in einem retrouniversum eingerichtet.

    und genauso wenig wie ich ein bauchfreies top tragen muss, muss sich jemand mit mir meine alten iron Maiden Kamellen anhören

    den technischen fortschritt finde ich gut, ich finde es z. b. von Vorteil, vieles vom handy aus erledigen zu können.

    und was ja auch bereits erwähnt wurde... wenn sich unsere 16 jährige Auszubildene offen gegen sexistische aussagen eines Kollegen ausspricht, find ich das toll und denke mir, dass es das bei uns früher so nicht gab.

  11. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von Butterbrötchen* Beitrag anzeigen
    Also ich glaube sowas wie Bridgerton gibt’s schon länger, mir fällt da Marie Antoinette ein, von 2006.
    Den Vergleich finde ich wieder schwierig. Marie Antoinette ist ja deutlich klarer angelent an historische Fakten. Es ist halt aber ein Kostümfilm. Und das ganze Drumherum ist deutlich authentischer als Bridgerton.
    „Jeder Mensch muss sich verschleißen. Wenn man noch gut ist, wenn man stirbt, ist das Verschwendung. Man muss lebendig zu Asche verbrennen, nicht erst im Tod.“ J. Beuys

  12. Fresher

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von kaffeemuehle Beitrag anzeigen
    Ich hatte ja wegen deinem Wunsch nach mehr materialistischer Ideologiekritik nachgefragt. Das hatte mich gleich angesprungen, weil ich neulich etwas über new materialism gelesen habe und das ganz spannend fand. NM bezieht sich aber wohl eher doch auch auf den Poststrukturalismus, als auf den historischen Materialismus den du dann zitiert hast. Fände ich trotzdem interessant falls sich hier jemand damit auskennt, weil da eben auch der linguistic turn kritisiert wird und es wenn ich es richtig verstanden habe, um eine Auflösung des Anthropozentrismus geht und um die Beziehungen zwischen Menschen, Dingen, Umwelt, Tieren, Technologien usw.
    Nein, auf den New Materialism beziehe ich mich nicht . In diesem Sammelband gibt es eine materialistische Kritik des New Materialism.

    Zitat Zitat von kaffeemuehle Beitrag anzeigen
    Aber zu deinem Thema: Ich habe das Gefühl du beschreibst eigentlich eher Trends oder? Zeitgeist würde ich irgendwie größer fassen, also Qualitätsserien als Phänomen und binge watching, nicht einzelne Formate. So gesehen klingt es eher so, als hättest du keine Lust mehr auf jeden Trend aufzuspringen, ist vielleicht auch eine ganz übliche Reaktion je älter man wird? Dass man die Hypes und die damit verbundene Aufregung nicht mehr so teilt oder sie einen einfach nicht mehr so packen können. Und das ist doch auch deshalb so, weil man in einigen Bereichen einfach die Dinge gefunden hat, die man mag. Mode zum Beispiel. Da bleibt man dann irgendwann mehr bei sich selbst und probiert weniger aus, nicht mal gar nicht, aber die Experimente finden in einem anderen Rahmen statt, der nicht mehr an Trends gekoppelt ist. Versteht man, wie ich das meine?
    Bei den Serien beziehe ich mich vielleicht eher auf einen Trend, ich würde nicht mal von Trend, sondern lediglich von einer Tendenz sprechen. Man kann sich aber bei der Mode oder auch bei der Musik fragen, weshalb es seit Jahrzehnten an Innovationskraft mangelt bzw. wir uns seit Jahrzehnten in einer Retromania befinden (um mal die Begrifflichkeit von Simon Reynolds zu übernehmen). Das 00er Revival und der Hype um die Y2K-Ästhetik ist ja nur die Fortsetzung von vorherigen Revivals vorheriger Epochen.

  13. Fresher

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen
    Naja Kulturindustrie. Muss ja.
    Die Kulturindustrie hatte ich ursprünglich mal ausgeklammert. Es ist der Kulturindustrie natürlich ein leichtes, der Forderung nach mehr Repräsentation zu entsprechen. Aber wenn in der Konsequenz dann keine tatsächliche Partizipation statt findet kann man skeptisch werden.

  14. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von mais Beitrag anzeigen
    Ich glaube das ist eine ganz passende Kontinuität, beides auch so ein ,Zwischen den Jahren‘-Ding... also Bridgerton als weltweites aktualisiertes Sissi-Derivat! (Sissi an Weihnachten ist ein recht deutscher Kult, oder? Oder gibt es das in anderen Ländern damit auch?)
    Es gibt auf jeden Fall ne englisch synchronisierte Fassung, ob die bekannt ist, weiß ich aber nicht.

    Für mich hat sich das aber tatsächlich auch sehr ähnlich angefühlt, nur dass ich eben bei Bridgerton nicht alle fünf Minuten mit den Augen rollen musste (Sissi kann man heute eigentlich echt nur noch in sehr verklärter Kindheits-/Jugend-Nostalgie anschauen). Bei Bridgerton kann man sicher auch einiges kritisieren (ich fand das Ende zB echt blöd, wenn auch vorhersehbar), aber dass es historisch nicht akkurat ist, ist gewollt und wird auch sehr deutlich. Adjoa Andoh (Lady Danbury) hat es mal als "Regency on speed" bezeichnet, das finde ich sehr passend. Das ist natürlich Geschmackssache, aber es gibt ja alternativ genügend historisch halbwegs akkurate BBC-Verfilmungen der Werke von Jane Austen.

    Ansonsten musste ich grad auch noch an den Trend der 90er denken, Werke von Shakespeare und Austen als bunte Teeniefilme zu inszenieren (Romeo und Julia, Clueless, 10 things I hate about you). Ist nochmal ne andere Richtung, aber das passt ja auch ein bisschen da rein.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  15. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von serpentine Beitrag anzeigen
    Man kann sich aber bei der Mode oder auch bei der Musik fragen, weshalb es seit Jahrzehnten an Innovationskraft mangelt bzw. wir uns seit Jahrzehnten in einer Retromania befinden (um mal die Begrifflichkeit von Simon Reynolds zu übernehmen). Das 00er Revival und der Hype um die Y2K-Ästhetik ist ja nur die Fortsetzung von vorherigen Revivals vorheriger Epochen.
    Das Thema ist aber auch fast so alt wie die Mode selbst. Es gab über die Jahrhunderte mehrere Reifrock-Revivals und so ungefähr in den 1840ern gabs passend zum Zeitgeist der Romantik (was ja auch ein kultureller Retrotrend war) auch modisch einige Anlehnungen an frühere Jahrhunderte. Das ist nichts neues.

    Mit der Mode der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hab ich mich noch nie näher beschäftigt, das weiß hier vielleicht jemand anderes, aber in den 70ern und 80ern gabs auf jeden Fall einige Anlehnungen an spätviktorianische Mode (hochgeschlossene Blusen, Keulenärmel...man muss sich da nur Dianas Brautkleid anschauen), in den 80ern gabs dann auch noch 50er- und 60er-Revivals und in den 90ern dann die 60er und 70er. Irgendwann hat man ja auch einfach alles mal durch, dann gibts halt nen Remix. In der Musik ist es vermutlich ähnlich.

    Es gibt halt irgendwann einen Punkt, an dem einem das sehr deutlich auffällt. Bei mir (wie wahrscheinlich bei den meisten anderen auch) war das der Punkt, an dem das Revival der Mode kam, die ich als älteres Kind und junge Jugendliche selbst getragen hab. Ende der 00er mit dem 80er-Revival und in den letzten paar Jahren mit dem spät-80er-früh-90er-Revival konnte ich dann plötzlich meine Mutter verstehen, die Mitte der 90er bezogen auf die aktuellen Modetrends mit voller Abscheu sagte "Schlaghosen werde ich nie wieder tragen!" Ich hab halt als Teenie mitbekommen, wie der Kram extrem uncool wurde, das prägt einen. Ich mag auch kaum Musik mit deutschen Texten, weil ich das durch meine musikalische Prägung mit Schlager und NDW verknüpfe und deshalb geschmacklos finde. Ist völlig bescheuert, ich weiß, aber Gefühle sind halt auch nicht immer rational und Musik hat eben sehr viel mit Gefühlen zu tun. Da muss man dann irgendwann über den ersten Schock des "wtf, DAS schon wieder? Warum?! " hinwegkommen und sich klarmachen, dass man da eben anders geprägt ist.

    Die nostalgische Verklärung der Vergangenheit scheint etwas sehr menschliches zu sein, das haben nicht die Kulturschaffenden der letzten Jahrzehnte erfunden.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  16. Get a life!

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    ich wollte gerade sagen, ist das nicht auch relativ normal, dass die kreativität irgendwann grenzen hat? ich meine gelesen zu haben, dass es z.b. auch nur so viele musikalische kombinationen gibt und wir bald an dem punkt sind, dass wir alles schon hatten und deshalb viele lieder ähnlich klingen.

    gmitsch gmatsch gmotsch

  17. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Ja, irgendwas in der Richtung hab ich auch mal gelesen.

    Ich find das auch gar nicht schlimm. Remixe können ja genauso kreativ sein. Es gibt auch sehr coole Coverversionen. Das ist nicht alles nur einfallsloser Scheiß.
    „Sie schauen mich grad an als bräuchte ich eine Farbberatung, aber ich bin ganz zufrieden mit schwarz!“

    Borte bra, men hjemme best.

  18. V.I.P.

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von Schnelmi Beitrag anzeigen
    ich wollte gerade sagen, ist das nicht auch relativ normal, dass die kreativität irgendwann grenzen hat? ich meine gelesen zu haben, dass es z.b. auch nur so viele musikalische kombinationen gibt und wir bald an dem punkt sind, dass wir alles schon hatten und deshalb viele lieder ähnlich klingen.
    Das wurde schon bei den klassischen Komponisten beklagt - die würden nur klauen, das Motiv von Dingsbums wäre aus der Sonate von Dingsda.

    Alles alt wieder Wald...


    Ich glaube, an der Art wie serpetine schreibt, es ist in diesen Kreisen fast schon Zwangsprogramm, und das auch in allen Generationen, alles aktuelle abzulehnen. Das wird dann mit tollen Worten dekoriert, als hätte man die Ablehnung erfunden und fühlt sich sehr sehr innovativ.

    Aber selbst die Ablehnung ist nur ein weiterer Trend.
    Wichtige Aufklärung: https://www.clankriminalitaet.de

    “Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied”

    “Doch, doch”, ruft das Känguru, “die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.”

  19. Ureinwohnerin

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von Schnelmi Beitrag anzeigen
    ich wollte gerade sagen, ist das nicht auch relativ normal, dass die kreativität irgendwann grenzen hat? ich meine gelesen zu haben, dass es z.b. auch nur so viele musikalische kombinationen gibt und wir bald an dem punkt sind, dass wir alles schon hatten und deshalb viele lieder ähnlich klingen.
    Mag schon irgendwie sein. Gleichzeitig haben wir eigentlich auch immer mehr/andere Instrumente (im weitesten Sinne.)

    Ich halte die Art wie Retro produziert wird, tatsächlich eher für ein Anzeichen von Zukunftslosigkeit. Ich knall das hier jetzt kurz rein, hab nicht richtig Zeit und empfehle (wie immer) Mark Fisher.
    "Es gibt keine harmlosen Zivilisten."

  20. Fresher

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    AW: Wenn man dem Zeitgeist nichts abgewinnen kann...

    Zitat Zitat von gewitter Beitrag anzeigen

    Ich halte die Art wie Retro produziert wird, tatsächlich eher für ein Anzeichen von Zukunftslosigkeit.
    Ja. Ich stimme Poppyred ja zu, dass es schon immer Retrophänomene gab, aber immer in einem Dualismus mit Innovation. D.h. die Dandys der 60er Jahre haben sich gleichermaßen bei der Regency-Ära wie der Op-Art bedient. Heutzutage hat sich das Ganze aber meiner Meinung nach so zugespitzt, so dass wir in einer Endlosschleife mit Retrophänomenen konfrontiert werden, die pars pro toto für die Alternativlosigkeit im Neoliberalismus auch kein kulturelles Entkommen ermöglichen. Also es ist ja eben gerade die Abwesenheit von Innovationen, die mich stört.

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